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	<title>herrlarbig.de &#187; Vernunft</title>
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		<title>Phantomdebatte? – Kommentar zu einer „Wortregelung“ in Sachen „Schultrojaner“</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 15:19:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich kann es nicht mehr h&#246;ren: Es handele sich bei der Diskussion um den „Schultrojaner“ um eine Phantomdebatte. So lassen es die Verantwortlichen bei KMK und vds-Bildungsmedien, dem Lobbyverband der Schulbuchverlage, verlauten. Es g&#228;be diese Software doch noch gar nicht und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/12/12/phantomdebatte-kommentar-zu-einer-wortregelung-in-sachen-schultrojaner/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kann es nicht mehr h&#246;ren: Es handele sich bei der Diskussion um den „<a title="Betreff: „#Schultrojaner“ || Liebe Schulbuchverlage!" href="http://netzpolitik.org/2011/der-schultrojaner-eine-neue-innovation-der-verlage/" target="_blank">Schultrojaner</a>“ um eine <a href="http://netzpolitik.org/2011/podiumsdiskussion-zum-schultrojaner/" target="_blank">Phantomdebatte</a>. So lassen es die <a href="http://taz.de/Urheberrecht-in-deutschen-Schulen/!83517/" target="_blank">Verantwortlichen bei KMK und vds-Bildungsmedien</a>, dem Lobbyverband der Schulbuchverlage, verlauten.</p>

<p>Es g&#228;be diese Software doch noch gar nicht und solange es sie nicht g&#228;be, m&#252;sse man auch nicht &#252;ber sie diskutieren, ja, k&#246;nne man nicht einmal &#252;ber sie reden.</p>

<p>Fakt ist, dass die Entwicklung einer solchen Software im Vertrag zwischen den Schulbuchverlagen und der Kultusministerkonferenz vereinbart wurde. Diese Vereinbarung ist kein Phantom, sondern Teil eines <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/20110615gesamtvertragtext.pdf" target="_blank">geltenden Vertrages</a>.</p>

<p>Die <a title="Betreff: „#Schultrojaner“ || Liebe Schulbuchverlage!" href="http://herrlarbig.de/2011/11/01/betreff-schultrojaner-liebe-schulbuchverlage/" target="_blank">Diskussion</a> dreht sich um diese Vereinbarung. Zu behaupten, man diskutiere &#252;ber etwas, das es gar nicht g&#228;be, ist ein Fehlschluss, ein rhetorischer Kniff, um die Diskutanten zu diskreditieren, denn es spr&#228;che ja nun wirklich nicht f&#252;r einen angemessenen Gebrauch der Vernunft, diskutierte man &#252;ber etwas, das rein fiktiv ist.</p>

<p>Die Diskussion dreht sich um Grunds&#228;tzliches. Diesen Grundsatzfragen versucht aus dem Weg zu gehen, wer sich der Diskussion mit dem Argument verweigert, es handele sich beim Diskussionsgegenstand doch nur um ein Phantom.</p>

<p>Was aber geschieht, wenn man <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/&#220;berwachungsstaat" target="_blank">die Geister nicht mehr los wird, die man rief</a>, steht in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zauberlehrling" target="_blank">„Der Zauberlehrling“</a> geschrieben, jenem Gedicht Goethes, das zeigt, was passiert, wenn man mithilfe einer sprachlichen Formel (analog zum Vertrag zwischen Schulbuchverlagen und KMK) einen Geist freil&#228;sst, den man gar nicht will.</p>

<p>Es geht um grunds&#228;tzlichere Frage, als um die Frage, ob es die Software schon gibt oder nicht.</p>

<p>Im Zentrum steht die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grundrecht_auf_Gew&#228;hrleistung_der_Vertraulichkeit_und_Integrit&#228;t_informationstechnischer_Systeme" target="_blank">Vertraulichkeit und Integrit&#228;t informationstechnischer Systeme</a>, bei der es sich immerhin um ein Grundrecht handelt.</p>

<p>Es geht um die Frage, ob ein Zusammenschluss privater Unternehmen und Verwertungsgesellschaften eine Software programmieren (lassen) darf, die dann von staatlichen Schultr&#228;gern zum verdachtsunabh&#228;ngigen, stichprobenartigen Scannen der Rechner genutzt werden soll, die von Lehrern und Lehrerinnen im Rahmen des &#246;ffentlich zug&#228;nglichen Netzes in Schulen genutzt werden.</p>

<p>Es geht um die Einstellung und das (Grund)Rechtsverst&#228;ndnis, das im vorhandenen Vertrag – nein, der ist kein Phantom, der ist geschlossen, unterschrieben, g&#252;ltig, vorhanden, <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/20110615gesamtvertragtext.pdf" target="_blank">nachlesbar</a> und somit alles andere also als ein Phantom – zum Ausdruck kommt.</p>

<p>Dem Grundrecht auf Vertraulichkeit und Integrit&#228;t informationstechnischer Systeme stehen im Vertrag die Interessen der Schulbuchverlage gegen&#252;ber, wobei Grundrechte h&#246;her stehen als diese Interessen, die im begr&#252;ndeten Verdachtsfall sowieso eingefordert werden k&#246;nnen.</p>

<p>Ich kann es nicht mehr h&#246;ren, wenn die Vertragspartner behaupten, es handele sich bei der Diskussion um den Schultrojaner um eine Phantomdebatte.</p>

<p>Wer das behauptet, der will ablenken oder muss sich die Frage stellen lassen, ob Grundrechte – und um diese dreht sich die Debatte eigentlich! – ein Phantom sind oder ein Gut, das nicht mal so eben nebenbei durch Einzelinteressen in Frage gestellt werden darf.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Deutsche Klassik als literarische Epoche(n)</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Aug 2011 21:50:53 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In der Geschichte der deutschsprachigen Literatur ist die „Klassik“ ein sp&#228;tes Ph&#228;nomen. In Spanien gab es das klassische Zeitalter bereits zwischen ca. 1550 und 1680, in England gilt das Elisabethanische Zeitalter (1558–1603) als literarische Hochphase, in der Shakespeare das Theater &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Geschichte der deutschsprachigen Literatur ist die „Klassik“ ein sp&#228;tes Ph&#228;nomen. In <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Siglo_de_Oro">Spanien</a> gab es das klassische Zeitalter bereits zwischen ca. 1550 und 1680, in England gilt das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabethanisches_Zeitalter">Elisabethanische Zeitalter</a> (1558–1603) als literarische Hochphase, in der Shakespeare das Theater zu einer Bl&#252;te f&#252;hrte, die selbst noch auf Goethe Einfluss hatte. In Italien begann die klassische Phase der Literatur sogar noch fr&#252;her, n&#228;mlich mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dante_Alighieri">Dante Alighieri</a> (1265–1321) und dauert bis zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Torquato_Tasso">Torquato Tasso</a> (1544–1594), dem wiederum Goethe <span id="more-6029"></span>sogar <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Torquato_Tasso_(Goethe)">ein eigenes B&#252;hnenwerk</a> widmete.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_0_6029" id="identifier_0_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. zu diesem Abschnitt Artikel auf&nbsp;Exlibris">1</a></sup></p>

<p>Dass die „<a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/klassik.htm" target="_blank">deutsche Klassik</a>“ erst <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1786">1786</a> – und damit im Vergleich zu anderen Nationalliteraturen sehr sp&#228;t – beginnt<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_1_6029" id="identifier_1_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zum Teil wird der Beginn der Klassik mit Goethes Ankunft in Weimar im Jahre 1775 terminiert. Allerdings hat Goethe in den ersten Jahren in Weimar kaum etwas geschrieben, sodass man schon annahm, er habe als Autor seinen Zenit nach dem Werther und G&amp;#246;tz von Berlichingen &amp;#252;berschritten. Dass Goethe sich bei der Arbeit an &bdquo;Iphigenie auf Tauris&ldquo; bereits in einer Entwicklung fort vom Sturm und Drang befand, wusste damals nat&amp;#252;rlich noch keiner. 1786 wurde die dritte Fassung der Iphigenie fertig.&nbsp;Diese Fakten und da der Bezug zur Antike, der f&amp;#252;r die deutsche Klassik bedeutend ist, erst auf Goethes Italienreise deutlich erkennbar wird, folge ich Festsetzung des Beginns der Klassik auf den Beginn der Italienreise Goethes. Epochengrenzen sind immer schwer festzulegen. Mir scheint aber die Begr&amp;#252;ndung f&amp;#252;r das Jahr 1786 nachvollziehbarer">2</a></sup> und nur bis zu Schillers Tod <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1805">1805</a> dauert, hat sicherlich mit der politischen Entwicklung Deutschlands zu tun, aber wom&#246;glich kommt eine literarische Blindheit hinzu, die zentrale Gestalten und Epochen der deutschsprachigen Literatur aus dem Bewusstsein der breiten Bev&#246;lkerung einfach ausblendet. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die deutsche Klassik in der Regel nur mit Goethe und Schiller verbunden wird, denen am Rande dann noch Humboldt zur Seite gestellt wird. Klassik im literarischen Sinne bezeichnet aber eine Epoche in einer Nationalliteratur, „die wegen ihrer besonders reichen Entfaltung, ihrer Dichte an Werken von hohem k&#252;nstlerischem Rang, ihrer Wirkung auf sp&#228;tere Epochen und ihrer internationalen Bedeutung als die <em>Klassik</em> angesehen wird“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_2_6029" id="identifier_2_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="http://xlibris.de/Epochen/Klassik">3</a></sup>.</p>

<p>Zwei Autoren sollen eine solche Epoche ausmachen? Nun, es stimmt, die <a href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/timeline/timeline-goethe.html" target="_blank">Zeit</a> von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1774" target="_blank">1774</a>, dem Erscheinungsjahr von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ bis zum Revolutionsjahr <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1848" target="_blank">1848</a> waren gepr&#228;gt von gro&#223;artigen Autoren, die aber seltsamerweise selten der deutschsprachigen Klassik zugeordnet werden: <a href="http://xlibris.de/Autoren/Hoelderlin" target="_blank">H&#246;lderlin</a>, <a href="http://xlibris.de/Autoren/Paul" target="_blank">Jean-Paul</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Martin_Wieland" target="_blank">Wieland</a>, <a href="http://xlibris.de/Autoren/Kleist" target="_blank">Kleist</a>, <a href="http://xlibris.de/Autoren/Heine" target="_blank">Heine</a>, die <a href="http://xlibris.de/Epochen/Romantik" target="_blank">Romantiker</a> etc. werden nicht der literarischen Epoche der deutschen Klassik zugeordnet, obwohl doch erst diese F&#252;lle von gro&#223;en Autoren in weniger als hundert Jahren den Fokus auf diese Zeit richtet.</p>

<p>Ja, Goethe und Schiller werden in der Regel noch einmal aus dem Reigen der Autoren dieser Zeit hervorgehoben, weil sie mit ihrem Werk universeller waren, aber wenn zwei Autoren eine klassische Epoche kennzeichnen k&#246;nnen, dann gab es in Deutschland noch eine zweite klassische Epoche, die der Sprachentwicklung bis heute zentrale Impulse gegeben hat: Die <a href="http://www.textlog.de/6227.html" target="_blank">deutsche Mystik</a>. Viele Pr&#228;fixe und Suffixe, die bis heute von Bedeutung sind, wurden <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprachgeschichte#.C3.84nderungen_im_morphologischen_und_syntaktischen_System_2" target="_blank">von der mystischen Literatur gepr&#228;gt</a>. Die <a href="http://xlibris.de/Epochen/Barock" target="_blank">Zeit des Barocks </a>brachte bedeutende <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Poetik" target="_blank">poetologische Schriften</a> und mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Jakob_Christoffel_von_Grimmelshausen" target="_blank">Grimmelshausens </a>„<a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Grimmelshausen/Werke/Simplicissimus" target="_blank"><em>Der</em> </a><em><a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Grimmelshausen/Werke/Simplicissimus" target="_blank">Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch</a></em>” erschien der wohl erste deutschsprachige Roman, der zum Teil als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_abenteuerliche_Simplicissimus" target="_blank">der erste Abenteuerroman</a> der Welt angesehene wird, im Bewusstsein deutschsprachiger Nationalliteratur, wohl auch wegen massiver dialektaler Pr&#228;gung des Werkes, kaum eine Rolle spielt, auch wenn der Roman kaum unbedeutender als der ca. sechzig Jahre fr&#252;her ver&#246;ffentlichte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Don_Quijote" target="_blank">Don Quijote</a> von <a title="Miguel de Cervantes" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Miguel_de_Cervantes" target="_blank">Miguel de Cervantes</a> ist.</p>

<p>Es gab in der Zeit vom 12. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert also drei Phasen, die ich bereit w&#228;re, f&#252;r die deutsche Literatur als klassisch zu betrachten: Die deutschen Mystik, das Zeitalter des Barocks und die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.</p>

<p>Gemeinsam ist diesen Zeiten, dass sie nicht nur f&#252;r die Sprachentwicklung von herausragender Bedeutung waren, sondern auch relevante literarische Eigenleistungen der Autoren hervorbrachten. – Eine Sonderrolle nimmt bei solchen &#220;berlegungen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Luther" target="_blank">Luther</a> ein, der mit seiner &#220;bersetzung der Bibel ins Deutsche zwar sprachhistorisch hochgradig relevant ist, aber dar&#252;ber hinaus literaturhistorisch nicht die Gr&#246;&#223;e eines <a href="http://www.eckhart.de/" target="_blank">Meister Eckhart</a>, einer <a href="http://mechthild-von-magdeburg.de/biographie.htm" target="_blank">Mechthild von Magdeburg</a>, eines <a href="http://www.br-online.de/bayern2/radiotexte-am-samstag/grimmelshausen-courage-literatur-ID1290424713497.xml" target="_blank">Grimmelshausens</a>, Goethes oder Schillers erreichte.</p>

<p>Dass wir also von der Zeit zwischen <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=900" target="_blank">Goethes Italienreise</a> (1786–88) und <a href="http://www.schiller-biographie.de/index.php?id=184" target="_blank">Schillers Tod</a> (1805) f&#252;r die deutsche Sprach- und Literaturgeschichte als Klassik bezeichnen, so mag das damit zu tun haben, dass die deutsche Sprachentwicklung zu diesem Zeitpunkt an einem Punkt angelangt war, der uns auch heute noch verst&#228;ndlich ist.</p>

<p>Dass die deutsche Klassik h&#228;ufig auch „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Klassik" target="_blank">Weimarer Klassik</a>“ genannt wird, erscheint mir symptomatisch f&#252;r eine Sprachgemeinschaft, die in Kleinstaaterei so zerrissen ist, dass f&#252;r literarische Entwicklungen und Freiheiten der jeweilige Landesherr von gro&#223;er Bedeutung war. Das galt schon bei Luther, aber auch Goethe und Schiller waren von der Gunst ihrer Landesherren abh&#228;ngig. Deutschland hatte damals kein Zentrum wie Paris in Frankreich, oder London in England, doch von seiner Bedeutung her war <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=804" target="_blank">Weimar als „Deutschlands Athen“</a> &#252;berragend.</p>

<p>Goethe floh vor der Last des Ministeramtes nach Italien. Wenn von der „<a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=900" target="_blank">Italienischen Reise</a>“ gesprochen wird, so handelt es sich mehr um eine Flucht, als um eine Reise, um eine &#228;u&#223;erst fruchtbare Flucht allerdings, ohne die man sich den sp&#228;teren Goethe kaum denken kann. Goethe selbst schreibt in seinem Tagebuch &#252;ber den Aufbruch:</p>

<blockquote><span class="Apple-style-span" style="font-size: xx-small;"><em><span style="color: #654f42;">„Den 3. September fr&#252;h drei Uhr stahl ich mich aus dem Karlsbad weg, man h&#228;tte mich sonst nicht fortgelassen. Man merkte wohl, da&#223; ich fort wollte. </span></em></span><span class="Apple-style-span" style="font-size: xx-small;"><em><span style="color: #654f42;">Ich lie&#223; mich aber nicht hindern, denn es war Zeit.“</span></em></span>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #654f42;"><em><span style="font-size: xx-small;">Goethes Tagebuch, 3.9.1786</span></em></span></p>
</blockquote>

<p>In Italien entdeckt Goethe die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Italienische_Reise" target="_blank">Antike</a>. Dieser Epoche stand auch Schiller nahe. In Verbindung mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance" target="_blank">Renaissance</a>, die schon einmal die Werke der griechischen und auch der r&#246;mischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Antike" target="_blank">Antike</a> wiederentdeckte und sich an ihnen k&#252;nstlerisch orientierte, steht die deutsche Klassik in einer uralten, auf griechischem und r&#246;mischen Kunstverst&#228;ndnis basierenden Fundamenten.</p>

<p>Ja, Goethe hat schon fr&#252;her durch <a href="http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/winckelmann1764" target="_blank">Winkelmanns „Geschichte der Kunst des Altertums“ (1764)</a> ein Bild von der Antike, aber erst auf der Reise durch Italien kam die pers&#246;nliche Anschauung hinzu. F&#252;r Goethe begann dort eine Umorientierung seines Kunstverst&#228;ndnisses. Vom Sturm und Drang hatte er sich mit dem Antritt des Dienstes am Weimarer Hof faktisch verabschiedet, mit <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CBsQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.xlibris.de%2FAutoren%2FGoethe%2FWerke%2FDie%2520Leiden%2520des%2520jungen%2520Werthers&amp;ei=3A47Ts_pKozVsgbw49Ew&amp;usg=AFQjCNFVn7OSyxfCK_3KXBo3w34Xw7cjgQ" target="_blank">Werther</a> und <a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Goethe/Werke/G&#246;tz%20von%20Berlichingen" target="_blank">G&#246;tz von Berlichingen</a> hatte er aber auch Werke verfasst, die dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kunst#Aufkl.C3.A4rung" target="_blank">Kunstverst&#228;ndnis der Aufkl&#228;rung</a>, das in vielen F&#228;llen von <a href="http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/vorlesungen/literatur18/Zusammenfassung%20Gottsched.pdf" target="_blank">Regelpoetiken</a> gepr&#228;gt war, widersprachen. Die Besch&#228;ftigung mit der Antike f&#252;hrte ihn zu einem Kunstverst&#228;ndnis, in dem es um Einheit – in unserer heutigen Sprache w&#252;rden vielleicht den Begriff der „Ganzheitlichkeit“ nutzen – ging. Die Vernunft und die sinnliche Seite des Menschen sollten in ein Gleichgewicht gebracht werden, Pflicht und pers&#246;nliche Interessen zusammen finden, Subjektivit&#228;t und Objektivit&#228;t ausgewogen zur Geltung kommen.</p>

<p>Was Goethe in Italien fand, entwickelte sich f&#252;r Schiller als Geisteshaltung in seiner Besch&#228;ftigung mit <a href="http://gutenberg.spiegel.de/autor/310" target="_blank">Immanuel Kants</a> Schriften, wobei vor allem die „<a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/3507/1" target="_blank">Kritik der Urteilskraft</a>“ (1790) von gro&#223;er Bedeutung gewesen sein d&#252;rfte, in der die &#196;sthetik der Natur und der Kunst reflexiv auf ihren Bezug zur menschlichen Beurteilung von Natur und Kunst aufgearbeitet wird.</p>

<p>Diese Synthese dr&#252;ckt sich in der Vorstellung des Wahren, Guten und Sch&#246;nen aus, das z.B. als Schriftzug an der Frankfurter Alten Oper bis heute prominent in Frankfurt und dort in unmittelbarer Nachbarschaft zu den T&#252;rmen des Bankenviertels finden l&#228;sst.</p>

<p>Das Individuum wird als autonom angesehen, doch die Natur ist von Gott geordnet, auch wenn das Gottesbild Goethes eher abstrakt bleibt als auf einen christlichen Gott bezogen zu sein, wie in seiner Hymne „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prometheus_(Hymne)" target="_blank">Prometheus</a>“ klar erkennbar ist.</p>

<p>Schlie&#223;lich, diese Aufz&#228;hlung von Merkmalen des Welt- und Menschenbildes der literarischen deutschen Klassik ist unvollst&#228;ndig!, ergibt sich aus dem Ideal der Klassik die Vorstellung der Bildung und der Selbstbildung, die in Goethes gro&#223;em Roman „<a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Goethe/Werke/Wilhelm%20Meisters%20Lehrjahre" target="_blank">Wilhelm Meister</a>“ im Zentrum stehen. Der <a href="http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/epik/roman.htm" target="_blank">Entwicklungs- bzw. Bildungsroman</a> ist sicherlich mit der Klassik eng verbunden.</p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1794" target="_blank">1794</a> kam es nach langer Distanziertheit zu einem <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=808" target="_blank">Treffen zwischen Goethe und Schiller,</a> in dem sie ihre Gemeinsamkeiten erkannten und entdeckten, dass sie sich erg&#228;nzten. Diese &#220;bereinstimmung hatte allerdings auch mit der Distanz beider Dichter zur franz&#246;sischen Revolution (wie sie sich bis dahin entwickelt hatte) zu tun. – Ohne diese Begegnung, diesen Beginn der Zusammenarbeit beider Dichter, w&#228;re es zu der Weimarer Klassik, wie wir sie heute kennen nicht gekommen. Nicht nur, dass Schiller und Goethe fruchtbar kritisch auf das Werk des je anderen blickten, sie feuerten auch einander an, sodass es <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1797" target="_blank">1797</a> zu dem sogenannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Balladenjahr" target="_blank">Balladenjahr</a> kam. Und die Ballade wurde zu einem wichtigen Ausdrucksmittel der Weimarer Klassik.</p>

<p>Gef&#252;hl und Reflexion, verbinden sich in der Literatur der Weimarer Klassik. War es im <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Sturm%20und%20Drang" target="_blank">Sturm und Drang</a> „nur“ das Gef&#252;hl, f&#252;r das ein Ausdruck gesucht wurde und in der <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Aufklaerung" target="_blank">Aufkl&#228;rung</a> vermeintlich vor allem der Verstand und somit die Reflexionsf&#228;higkeit, die im Zentrum stand, versuchte die Klassik deren Verbindung. In dieser Verbindung entsteht gleichzeitig ein Verst&#228;ndnis des „<a href="http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/klassik.htm" target="_blank">Ideal</a>s“, eine Vorstellung davon, wie der Mensch sein k&#246;nnte und das Streben nach diesem Ideal.</p>

<p>Wie sich die Klassik konkret vor allem in der Lyrik zeigt und welches Menschenbild in der Lyrik der Klassik zu finden ist, wird Thema von Einzelanalysen von Gedichten sein, die im Laufe der n&#228;chsten Wochen hier erscheinen sollen. So viel sei aber schon gesagt: Der Mensch wird als zwischen Geist und Materie stehend betrachtet, seine Humanit&#228;t soll durch Kunst und Dichtung gef&#246;rdert werden und so letztlich ein Weltb&#252;rgertum entstehen, das in der Lage ist, das Denken in Grenzen zu &#252;berwinden.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_3_6029" id="identifier_3_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. hierzu: Willi Vocke &ndash; Weimarer Klassik">4</a></sup></p>

<h4>Literaturverzeichnis<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_4_6029" id="identifier_4_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Weiterf&amp;#252;hrende Informationen auch als Links im Text. Hier sind nur die Texte aufgef&amp;#252;hrt, die direkten Einfluss auf diesen Beitrag hatten.">5</a></sup></h4>

<ul>
    <li>Dieter Borchmeyer (DuMont Schnellkurs Goethe), Goethe in Weimar (1775–1786) auf Website goethezeiportal.de unter <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=804" target="_blank">http://www.goethezeitportal.de/?id=804</a> (Stand: Donnerstag, 04. August 2011).</li>
    <li>Albert Meier, Sizilianische Entt&#228;uschungen. Johann Hermann Riedesel und Johann Wolfgang Goethe in der Magna Gracia, in: Christiana Albertina. Forschungsbericht und Halbjahresschrift der Universit&#228;t Kiel. Heft 50 (neue Folge). April 2000, S. 5-19. (<a href="http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/vorlesungen/Goethe2010/Meier,%20Albert%20-%20Sizilianische%20Entt&#228;uschungen..pdf" target="_blank">PDF</a>).</li>
    <li>Adelheid Petruschke, Lyrik von der Klassik bis zur Moderne, Stuttgart / Leipzig 2004 (Stundenbl&#228;tter Deutsch).</li>
    <li>Wolfgang Pohl, Die Epoche der deutschen Klassik (1786–1732) – <a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/klassik.htm" target="_blank">http://www.pohlw.de/literatur/epochen/klassik.htm</a> (Stand: Donnerstag, 04. August 2011).</li>
    <li>Dr. Axel SanJosé, Literaturepoche Klassik – <a href="http://xlibris.de/Epochen/Klassik" target="_blank">http://xlibris.de/Epochen/Klassik</a> (Stand: Donnerstag, 04. August 2011).</li>
    <li>Inge Stephan, Weimarer Klassik, in: Wolfgang Beutin, Klaus Ehlert et al., Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anf&#228;ngen bis zur Gegenwart, Stuttgart / Weimar 1994 (5. Auflage), S. 161–169.</li>
    <li>Willi Vocke, Weimarer Klassik – <a href="http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/klassik.htm" target="_blank">http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/klassik.htm </a>(Stand: Donnerstag, 04. August 2011).</li>
</ul>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2008/11/10/faust-1-die-gretchenfrage-marthens-garten-v-34143543/" rel="bookmark" title="10. November 2008">Faust 1 – Die Gretchenfrage (Marthens Garten – Verse 3414–3543)</a></li>
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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_6029" class="footnote">Vgl. zu diesem Abschnitt <a href="http://xlibris.de/Epochen/Klassik" target="_blank">Artikel auf Exlibris</a></li><li id="footnote_1_6029" class="footnote">Zum Teil wird der Beginn der Klassik mit Goethes Ankunft in Weimar im Jahre <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1775">1775</a> terminiert. Allerdings hat Goethe in den ersten Jahren in Weimar <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=804" target="_blank">kaum etwas geschrieben</a>, sodass man schon annahm, er habe als Autor seinen Zenit nach dem Werther und G&#246;tz von Berlichingen &#252;berschritten. Dass Goethe sich bei der Arbeit an „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Iphigenie_auf_Tauris" target="_blank">Iphigenie auf Tauris</a>“ bereits in einer Entwicklung fort vom Sturm und Drang befand, wusste damals nat&#252;rlich noch keiner. 1786 wurde die dritte Fassung der Iphigenie fertig. Diese Fakten und da der Bezug zur Antike, der f&#252;r die deutsche Klassik bedeutend ist, erst auf Goethes Italienreise deutlich erkennbar wird, folge ich Festsetzung des Beginns der Klassik auf den Beginn der Italienreise Goethes. Epochengrenzen sind immer schwer festzulegen. Mir scheint aber die Begr&#252;ndung f&#252;r das Jahr 1786 nachvollziehbarer</li><li id="footnote_2_6029" class="footnote"><a href="http://xlibris.de/Epochen/Klassik">http://xlibris.de/Epochen/Klassik</a></li><li id="footnote_3_6029" class="footnote">Vgl. hierzu: Willi Vocke – <a href="http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/klassik.htm" target="_blank">Weimarer Klassik</a></li><li id="footnote_4_6029" class="footnote">Weiterf&#252;hrende Informationen auch als Links im Text. Hier sind nur die Texte aufgef&#252;hrt, die direkten Einfluss auf diesen Beitrag hatten.</li></ol>
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		<title>Immanuel Kant, Bertolt Brecht, das Web 2.0 und der Fall Jack Wolfskin</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Oct 2009 13:53:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Immanuel Kant schreibt in seiner „Beantwortung der Frage: Was ist Aufkl&#228;rung“: „Aufkl&#228;rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unm&#252;ndigkeit. Unm&#252;ndigkeit ist das Unverm&#246;gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unm&#252;ndigkeit, wenn &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/20/immanuel-kant-bertolt-brecht-das-web-2-0-und-der-fall-jack-wolfskin/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Immanuel Kant schreibt in seiner „Beantwortung der Frage: Was ist Aufkl&#228;rung“:</p>

<blockquote>„Aufkl&#228;rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unm&#252;ndigkeit. Unm&#252;ndigkeit ist das Unverm&#246;gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unm&#252;ndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschlie&#223;ung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufkl&#228;rung.“ (<a href="http://www.digbib.org/Immanuel_Kant_1724/Was_ist_Aufklaerung" target="_blank">Quelle</a>)</blockquote>

<p>&#220;bertrage ich diese Aussage einmal in die Gegenwart, k&#246;nnte sie lauten:</p>

<blockquote>Web 2.0 ist der Ausgang des Konsumenten aus einer strukturell bedingten Unm&#252;ndigkeit. Strukturell bedingte Unm&#252;ndigkeit ist das Unverm&#246;gen, die T&#228;tigkeit des eigenen Verstandes aufgrund begrenzter Kommunikationsm&#246;glichkeiten in den Diskurs einzubringen. Strukturell bedingt ist diese Unm&#252;ndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht im Mangel des Verstandes, sondern im Mangel der M&#246;glichkeit begr&#252;ndet liegt, den eigenen Verstand mit Hilfe verf&#252;gbarer Medien in den Prozess der &#246;ffentlichen Diskussion einzubringen. Habe den Mut mitzudenken und deinen eigenen Verstand in den Diskussionsprozess einzubringen, ist also der Wahlspruch des WEB 2.0.</blockquote>

<p>Gab es bis vor einigen Jahren kaum die M&#246;glichkeit, interaktiv vernetzt mit Hilfe digitaler Medien in einen Diskussionsprozess einzusteigen, haben wir heute den Idealzustand, den Bertolt Brecht in seiner Radio-Theorie beschrieb:</p>

<blockquote>„Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk w&#228;re der denkbar gro&#223;artigste Kommunikationsapparat des &#246;ffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das hei&#223;t, er w&#228;re es, wenn er es verst&#252;nde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuh&#246;rer nicht nur h&#246;ren, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/10/20/immanuel-kant-bertolt-brecht-das-web-2-0-und-der-fall-jack-wolfskin/#footnote_0_2151" id="identifier_0_2151" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Bertolt Brecht: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat, in: Bertolt Brecht: Werke. Gro&amp;#223;e kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe (GBA). Berlin/Frankfurt 1988, Band 22.">1</a></sup></blockquote>

<p>Wer heute ein Blog schreibt, kann mit Reaktionen rechnen, wer sich auf Twitter, Facebook, MySpace und wie die auf Kommunikation hin angelegten Instrumente, die gegenw&#228;rtig zur Verf&#252;gung auch immer hei&#223;en m&#246;gen, bewegt, muss kommunizieren, im Gespr&#228;ch sein, zuh&#246;ren, nachdenken, reagieren, Ideen einspeisen… Im Idealfall steht heute jedem, der sich einen Internetzugang leisten kann, die M&#246;glichkeit zur Verf&#252;gung, den eigenen Verstand in den Diskussionsprozess einzubringen.</p>

<p>Nat&#252;rlich steht der Nutzer dieser Kommunikationsmedien damit auch vor neuen Herausforderungen, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Die Kommunikationsm&#246;glichkeiten, die das interaktive Netz erlauben, stehen n&#228;mlich allen offen, die sich einbringen wollen. Die Informationen, die das Netz liefert, m&#252;ssen selbst noch einmal auf ihre Qualit&#228;t hin &#252;berpr&#252;ft werden, denn die M&#246;glichkeit des Einbringens des eigenen Verstandes im Rahmen dieser Prozesse ist noch kein Qulit&#228;tsgarant. Was im Netz ver&#246;ffentlicht ist, muss noch nicht richtig sein. Der Prozess der Genese von Inhalten entspricht also dem Brechtschen Ideal; die Geltungsanspr&#252;che der in diesem ideal Kontext entstandenen Inhalte bed&#252;rfen aber nach wie vor nat&#252;rlich der &#220;berpr&#252;fung und somit Kriterien.</p>

<p>In den meisten F&#228;llen geschieht diese &#220;berpr&#252;fung im interaktiven digitalen Netz durch andere, die Beitr&#228;ge kommentieren, erg&#228;nzen, auf m&#246;gliche Fehler hinweise etc. Hier bildet sich im Idealfall also ein Korrektiv aus der Vernetzung mit anderen, so es sich wirklich um ein ausdifferenziertes Netzwerk handelt. Ein Kriterium f&#252;r die Qualit&#228;t von Beitr&#228;gen im Netz ist heute also auch die Qualit&#228;t der Kommentare und des die Beitr&#228;ge begleitenden Netzwerkes.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/10/20/immanuel-kant-bertolt-brecht-das-web-2-0-und-der-fall-jack-wolfskin/#footnote_1_2151" id="identifier_1_2151" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auf herrlarbig.de finden sich beispielsweise Kommentare von Professoren, Mitarbeitern in Bildungsbeh&amp;#246;rden, die eigene Unterrichtspraxis reflektierenden Lehrerinnen und Lehrern, die nahezu alle &amp;#252;ber eigene Blogs im Netz transparent nachvollziehbare Qualifikationen nachweisen k&amp;#246;nnen.">2</a></sup></p>

<p>Die &#246;ffentlich nachvollziehbare Nutzung des eigenen Verstandes, das „sapere aude“ Kants, erlebt heute eine Bl&#252;te wie nie zuvor; die Aufkl&#228;rung kann mit ihren Anspr&#252;chen heute so weitreichend umgesetzt werden, wie in kaum einer Zeit zuvor. Und Brechts Visionen eines diaologischen „Radios“ haben sich im Internet verwirklicht. – Und das hat Folgen.</p>

<p>Wenn sich die Nutzung des eigenen Verstandes heute in vernetzen Strukturen abbildet und in diesen wirkt, gilt es nicht nur, dies als eine neue Qualit&#228;t der Umsetzbarkeit des aufkl&#228;rerischen Ideals zu betrachten, sondern es m&#252;ssen die auch damit verbundenen Voraussetzungen ganz neu ernst genommen werden.</p>

<p>Eine zentrale Voraussetzung, die die Nutzung des eigenen Verstandes von einer rein philosophischen auf eine Handlungsebene hebt, dr&#252;ckt sich im „Kategorischen Imperativ“ der kantischen Ethik aus:</p>

<blockquote>„Der <strong>kategorische Imperativ</strong> (kurz KI) ist das grundlegende Prinzip der <a title="Ethik" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ethik" target="_blank">Ethik</a> <a title="Immanuel Kant" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant" target="_blank">Immanuel Kants</a>. Er gebietet allen endlichen vernunftbegabten Wesen und damit allen Menschen, Handlungen darauf zu pr&#252;fen, ob sie einer universalisierbaren Maxime folgen und ob dabei die betroffenen Menschen je auch in ihrer Selbstzweckhaftigkeit ber&#252;cksichtigt werden.“ (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ" target="_blank">Wikipedia</a>)</blockquote>

<p>Vereinfacht ausgedr&#252;ckt: „Handle nur nach derjenigen <a title="Maxime" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maxime" target="_blank">Maxime</a> (Gesetz, Grundsatz, &#220;berzeugung), durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ oder, etwas verk&#252;rzt und nicht ganz genau: Was du willst, dass man dir tu, das tu auch den anderen und vergesse dabei auch nicht, dass der andere Mensch einen Selbstzweck hat, einen Eigenwert, v&#246;llig jenseit von fuktionalen Interessen.</p>

<p>In dem KI inbegriffen ist die Vorstellung, dass nicht bewertet wird, was eine Handlung bewirkt, sondern welche Absichten hinter einer Handlung stehen. Der Wille zum Guten ist das, was moralisch gerechtfertigt ist.</p>

<p>Und wenn nun heute der eigene Verstand &#246;ffentlich gebraucht werden kann, dann stellen sich auch bez&#252;glich der Nutzung dieses Verstandes konkrete Fragen, die diese &#246;ffentlichen Kommunikationsprozesse ber&#252;cksichtigen m&#252;ssen, will man „Gutes“ im Kantischen Sinne bewirken.</p>

<p>Aus aktuellem Anlass und weil es in diesem Kontext bereits (am Ende <a href="http://blog.karlshochschule.de/2009/10/20/die-marke-jack-wolfskin-fletscht-seine-zahne/" target="_blank">des Artikels</a> Patrick Breitenbachs) schon eine Verweis auf Kant gibt, werden diese Gedanken am Fall <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,655890,00.html" target="_blank">Jack Wolfskin vs. Dawanda</a> hier einmal konkretisiert.</p>

<p>Die Vorgeschichte: Jack Wolfskin hat als Markenzeichen eine Wolfstatze. Dieses Markenzeichen unterliegt dem Markenschutz und ist somit rechtlich abgesichert. Nun st&#246;&#223;t die Firma, die zu den Riesen in der Bekleidungsbranche z&#228;hlt, auf die Produkte von Einzelpersonen, die Handarbeiten herstellen und diese &#252;ber Dawanda zum Kauf anbieten, auf denen sich ebenfalls Pfotenabbildungen befinden. Jack Wolfskin fordert Dawanda via Anwaltsschreiben auf, so die Darstellung Dawandas, die Produkte von der Plattform zu nehmen:</p>

<blockquote>„Als Reaktion auf das Schreiben der Anw&#228;lte von Jack Wolfskin haben wir die beanstandeten Produkte von der Seite genommen. Dennoch erhielten unsere Mitglieder Abmahnungen und dies, obwohl deren Artikel bereits nicht mehr auf DaWanda zu finden waren.“ (<a href="http://blog.dawanda.com/2009/10/20/jack-wolfskin-mahnt-dawanda-hersteller-ab/" target="_blank">Quelle</a>)</blockquote>

<p>Das Thema erregt Aufmerksamkeit, wird von stark wahrgenommenen Blogs wie <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/abwahnsinn-jack-wolfskin-mahnt-bastelcommunity-ab/" target="_blank">netzpolitik</a> und <a href="http://www.spreeblick.com/2009/10/19/jackass-wolfskin/" target="_blank">spreeblick</a> aufgenommen und ger&#228;t so in den &#246;ffentlichen Diskurs, den <a href="http://blog.karlshochschule.de/2009/10/20/die-marke-jack-wolfskin-fletscht-seine-zahne/" target="_blank">Patrick Breitenbach so hervorragend reflektiert</a>.</p>

<p>Das Ergebnis: Der Wille eines Unternehmens, sein Markenrecht zu „verteidigen“, so in einer im Netz kursierenden, Jack Wolfskin zugeschriebenen offziellen Stellungnahme zu lesen:</p>

<blockquote>„[…] Jack Wolfskin dadurch zur Verteidigung der Marke gezwungen war. Dabei handelt es sich nicht um eine „Strafzahlung“, sondern um die Kosten, die Jack Wolfskin durch die Einschaltung der Anw&#228;lte entstanden sind und die im Falle der begr&#252;ndeten Abmahnung stets vom Markenverletzer &#252;bernommen werden m&#252;ssen. Somit dient die Abmahnung auch einer schnellen und relativ kosteng&#252;nstigen Beendigung der Angelegenheit. Sie verhindert also zus&#228;tzliche h&#228;ufig weit h&#246;here Kosten im Falle einer Einschaltung der Gerichte.“  (<a href="http://www.werbeblogger.de/2009/10/19/jack-wolfskin-stellungnahme/" target="_blank">Quelle</a>)</blockquote>

<p>Der Aufschrei im Netz richtet sich nun auff&#228;lligerweise nicht gegen den Markenschutz und die Markenrechte, sondern gegen die Handlungsentscheidungen der Firma. Und damit sind wir wieder bei Kant angenommen:</p>

<p>Eine Firma sieht ihre Markenrechte verletzt. Schaue ich mir die beanstandenden Produkte als <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,655890,00.html" target="_blank">Bilder bei Spiegel-Online</a> an, komme ich tats&#228;chlich zu dem Schluss, dass hier Tatzen / Pfoten dargestellt werden, wie sie jede Katze im Schnee hinterl&#228;sst, wenn sie sich im Winter durch die Stra&#223;en bewegt. Es k&#246;nnte also durchaus sein, dass diese Zeichen aufgrund ihrer Verbreitung in der Natur (und jeder, der eine Katze hat, kennt diese Pfotenabdr&#252;cke) ihren Weg auf die Handarbeiten, die nun wahrlich kein weit verbreitetes Produkt sind, gefunden haben – und m&#246;glicherweise bei den Herstellern &#252;berhaupt kein bewusster Bezug zur Marke vorhanden war.</p>

<p>Diese Hersteller bekamen nun aber dennoch, glaubt man den Darstellungen online, nachdem die Produkte von Dawanda aus dem Angebot genommen wurde, Abmahnbriefe, die mit Kosten von ca. 800–900 Euro verbunden waren und Kosten um die 10000 Euro im Wiederholungsfall androhten. Und in der im Netz kursierenden Stellungnahme wird dezent auf die m&#246;glicherweise noch h&#246;heren Kosten im Gerichtsfall hingewiesen, was man durchaus als Drohung verstehen kann.</p>

<p>Kant: „Handle nur nach derjenigen <a title="Maxime" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maxime" target="_blank">Maxime</a> (Gesetz, Grundsatz, &#220;berzeugung), durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“</p>

<p>Also: Das Markenrecht ist ein Gesetz und es gibt gute Gr&#252;nde, in unserem &#246;konomischen System, solche Schutzmechanismen zu haben. Das gilt auch f&#252;r den Schutz geistiger Leistungen im Rahmen von Copyright oder Creativ-Commons-Lizenzen. Und es k&#246;nnte sogar sein, dass Jack Wolfskin hier im Recht ist. Aber wurde dann so gehandelt, dass die Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit des Handelns als eine gesehen werden kann, von der man wollen kann, das sie ein allgemeines Gesetz werde?</p>

<p>Um es ganz klar zu sagen: Es handelt sich um Handarbeiten, die in kleiner Menge hergestellt werden und als „Marke“ in der &#214;ffentlichkeit nicht bewusst sind, und nicht um Raubkopien, die in gro&#223;em Stil hergestellt und vermarket werden. Wie also w&#252;nscht man sich ein allgemeines Gesetz des Handelns in solchen F&#228;llen?</p>

<p>Wenn es sich um Raubkopien handelt, hat nat&#252;rlich der Rechtsweg seine v&#246;llige Berechtigung. Aber – und das muss Jack Wolfskin nun erfahren – es stellt sich die Frage, ob der finanziell die Betroffenen gleich so belastende Rechtsweg in dem hier beschriebenen Fall nicht ein Schie&#223;en mit Kanonen auf Spatzen ist.</p>

<p>Die M&#246;glichkeit des eigenen Gebrauchs des Verstandes, gepaart mit der M&#246;glichkeit, diesem Gebrauch des eigenen Verstandes in vernetzten Strukturen sehr schnell Ausdruck zu geben, hat nun dazu gef&#252;hrt, das „Netzb&#252;rger“ sich zu Wort melden und genau die Frage nach der Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit des Handelns Jack Wolfskins stellen. Immer wieder ist, beispielsweise auf Twitter, genau die Kritik an der Abmanhung „kleiner Leute“ zu lesen. Diese Reaktionen w&#228;ren mit Sicherheit nicht entstanden, wenn Jack Wolfskin die eingesetzten Instrumente gegen kriminell agierende Raubkopierer genutzt h&#228;tte bzw. nutzt.</p>

<p>Was Jack Wolfskin gerade erlebt, und angesichts &#228;hnlicher Erfahrungen anderer Unternehmen in &#228;hnlichen F&#228;llen h&#228;tten sie es ahnen k&#246;nnen, ist also philosphisch betrachtet ein Zeichen daf&#252;r, dass Kants Kategorischer Imperativ lebt und in dem allgemeinen Bewusstsein vieler Menschen durchaus verankert ist. Die Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit des eigenen Handelns kritisch zu &#252;berpr&#252;fen, ist die Herausforderung, die sich in Zeiten des Web 2.0 in einem ganz neuen qualitativen Ma&#223;e stellt. Es geht nicht mehr nur um das Recht haben, sondern auch um die Frage, wie man mit dieser Rechtsposition umgeht. Im hier vorgestellten Fall h&#228;tte ein guter PR-Berater vermutlich darauf gedr&#228;ngt, den direkten und pers&#246;nlichen Dialog zu suchen und offensiv einvernehmliche L&#246;sungen zu suchen.</p>

<p><a href="http://klauseck.typepad.com/prblogger/2009/10/jack-wolfskin-in-der-%C3%B6ffentlichen-abmahnfalle.html" target="_blank">Klaus Eck schreibt als PR-Blogger treffend</a>:</p>

<blockquote>„Obwohl der Bekleidungsanbieter das Markenrecht durchaus auf seiner Seite hat, muss das Unternehmen f&#252;r die Abmahnungen einen hohen Preis entrichten. Ausgerechnet am Wochenende fand das Thema viel Aufmerksamkeit. Was in der Vergangenheit durchaus notwendig zu sein schien, um die eigenen Markenrechte weiterhin in Anspruch nehmen zu d&#252;rfen, bedarf heute einer neuen Analyse. Wenn das Markenimage unter der &#246;ffentlichen Kritik leidet, stellt sich auch die Frage nach einer Abw&#228;gung und mehr Sensibilit&#228;t im Umgang mit den Prosumenten. Ist das Risiko einer Abmahnung f&#252;r eine Marke nicht inzwischen viel zu gro&#223;? Allzu schnell wird man an den Online-Pranger gestellt und k&#246;nnte dadurch Konsumenten zu verlieren? Meiner Ansicht nach sollten Markenartikler wie Jack Wolfskin immer auch mit den negativen Reaktionen rechnen und vor den juristischen Ma&#223;nahmen viel st&#228;rker auf den Dialog mit den Kunden setzen.“</blockquote>

<p>Es ist heute tats&#228;chlich so, dass das eigene Handeln, gerade von Unternehmen und von &#246;ffentlichen Personen, weit mehr &#214;ffentlichkeit bekommt als je zuvor. Dies gilt es zu ber&#252;cksichtigen. Und als ein Kriterium, wie man &#252;berzogene Reaktionen auf bestimmte Handlungen vermeiden kann, sei Kant einfach mal vorgeschlagen…</p>

<blockquote>„Handle nur nach derjenigen <a title="Maxime" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maxime" target="_blank">Maxime</a> (Gesetz, Grundsatz, &#220;berzeugung), durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“</blockquote>

<p>Und welches allgemeine Gesetz k&#246;nnte in diesem Fall greifen? Im Prinzip ist es ganz einfach: Sieht man Differenzen oder gar sein eigenes Recht bedroht (ob man sich bedroht sieht, h&#228;ngt &#252;brigens auch vom eigenen Selbstbewusstsein ab), dann gilt es zun&#228;chst einmal zu schauen, mit wem hat man es zu tun. Wenn es sich um Einzelpersonen handelt, bei denen die Unterstellung einer „b&#246;sen Absicht“ bei etwas gutem Willen nicht so recht gelingen will, dann suche ich den Dialog. Wenn es sich um Angriffe auf das eigene Recht im gro&#223;en Stil handelt (kriminelle Markenpiraterie), dann reagiere ich im gro&#223;en Stil. Im vorliegenden Fall h&#228;tte die Maxime wohl hei&#223;en m&#252;ssen: Suchen wir den Dialog. Oder: Die Produkte wurden von Dawanda offline genommen – und damit lassen wir es gut sein.</p>

<p>Vielleicht sollte man neben Anw&#228;lten in Unternehmen auch h&#228;ufiger Philosophen besch&#228;ftigen. Oder aber, man sucht den offensiven Dialog (beispielsweise &#252;ber Twitter oder Facebook) und sagt: Liebe Leute, wir haben das und das entdeckt und finden, dass das unser Markenrecht ankratzt, wie seht ihr das? So ungew&#246;hnlich solche Wege in heutiger Unternehmenspolitik auch sein m&#246;gen, sie h&#228;tten sicher kein so ramponiertes Markenimage zur Folge, wie es sich jetzt gerade via Twitter, via Blogs und auch schon via Zeitungsbeitr&#228;gen im Netz abzeichnet, ganz zu schweigen von dem gegenw&#228;rtigen <a href="http://www.google.de/search?q=jack+wolfskin&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a" target="_blank">Suchbild bei Google</a>.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Genie, „Sturm und Drang“ – Goethes Hymnen „Prometheus“ und „Ganymed“</title>
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		<pubDate>Thu, 14 May 2009 21:16:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vorbemerkung In diesem Beitrag finden sich zahlreiche Links auf Seiten, die hier verwendete Begriffe n&#228;her erkl&#228;ren oder erw&#228;hnte Schriften zug&#228;nglich machen, die gemeinfrei vorliegen. Damit versuche ich hier konsequent die Hyptertextstruktur des Internets zu nutzen: Begriffe, die erkl&#228;rt werden m&#252;ssen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/05/14/genie-sturm-und-drang-und-goethes-hymnen-prometheus-und-ganymed/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Vorbemerkung</em></p>

<p><em>In diesem Beitrag finden sich zahlreiche Links auf Seiten, die hier verwendete Begriffe n&#228;her erkl&#228;ren oder erw&#228;hnte Schriften </em><em>zug&#228;nglich machen</em><em>, die <a title="Die Gemeinfreiheit bezeichnet alle Werke, welche keinem Urheberrecht mehr unterliegen oder ihm nie unterlegen haben. Das im angloamerikanischen Raum anzutreffende Public Domain ist &#228;hnlich, aber nicht identisch mit der europ&#228;ischen Gemeinfreiheit." href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinfreiheit" target="_blank">gemeinfrei</a> vorliegen. Damit versuche ich hier konsequent die Hyptertextstruktur des Internets zu nutzen: Begriffe, die erkl&#228;rt werden m&#252;ssen und bereits an anderer Stelle angemessen erl&#228;utert werden, werden hier nicht im Detail dargestellt: Einerseits soll so der Umfang des Artikels im ertr&#228;glichen Ma&#223;e gehalten werden und andererseits wird so der st&#228;ndige Bezug auch des Wissens, an dessen Konstruktion ich mich beteilige, auf bereits vorhandenes Wissen in der Form des Beitrags widergespiegelt. </em></p>

<hr />

<p>Der Mensch solle den Mut haben, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, <a title="Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufkl&#228;rung." href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=1366&amp;kapitel=1#gb_found" target="_blank">schrieb Imanuel Kant 1784</a>, zwei Jahre vor dem von vielen Forschern als Enddatum der Sturm-und-Drang-Epoche in der Literatur angenommenen <a title="Den 3. September fr&#252;h drei Uhr stahl ich mich aus dem Karlsbad weg, man h&#228;tte mich sonst nicht fortgelassen. Man merkte wohl, da&#223; ich fort wollte. Ich lie&#223; mich aber nicht hindern, denn es war Zeit. Goethes Tagebuch, 3.9.1786" href="http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=4096" target="_blank">Aufbruch Goethes zur Italienreise am 03. September 1786</a>.</p>

<p>Kant, der oft als Begr&#252;nder der Aufkl&#228;rung gesehen wird, fasst in seiner Schrift in Wirklichkeit die <a href="http://xlibris.de/Epochen/Aufklaerung" target="_blank">Ph&#228;nomene</a> zusammen, im 17. und 18. Jahrhundert die gesamte Gesellschaft ver&#228;nderten und das Ende des <a href="http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=JDW30I" target="_blank">Feudalismus</a> einleiteten.</p>

<p>Die <a href="http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=191O27" target="_blank">Ratio</a>, also die Vernunft, wird zum obersten Prinzip der Welterkenntnis und des Handelns in der Welt erhoben.</p>

<p>Der mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance" target="_blank">Renaissance</a> und dem <a href="http://www.philolex.de/humanism.htm" target="_blank">Humanismus</a> angesto&#223;ene Prozess der <a href="http://www.scienzz.de/magazin/art6439.html" target="_blank">Entdeckung des Individuums</a> wird hier konsequent weiter gedacht, was auch zur Folge hatte, dass die <a href="http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=A0W3AE" target="_blank">Empirie</a> und und ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mechanistisches_Weltbild" target="_blank">mechanistisches Weltverst&#228;ndnis</a> die Oberhand gewannen. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes" target="_blank"></a></p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes" target="_blank">Descartes</a> hatte die Grundlage dieses Weltbildes, das von st&#228;ndigem rationalen Zweifel gegen&#252;ber angenommenen Selbstverst&#228;ndlichkeiten des &#252;berlieferten Weltbildes gepr&#228;gt war, bereits 1641 in dem ber&#252;hmten Satz „<a href="http://www.descartes-cogito-ergo-sum.de/" target="_blank">Cogito, ergo sum</a>“ zusammengefasst.</p>

<p>Es entwickelte sich eine „vern&#252;nftelnde“ Geisteshaltung, die sich in der theoretischen Besch&#228;ftigung mit <a href="http://xlibris.de/Epochen/Aufklaerung" target="_blank">Literatur</a> vor allem in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Christoph_Gottsched" target="_blank">Gottscheds</a> „<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Gottsched,+Johann+Christoph/Theoretische+Schriften/Versuch+einer+critischen+Dichtkunst" target="_blank">Versuch einer critischen Dichtkunst</a>“ ausdr&#252;ckte und aus heutiger Sicht zu seltsam leblos wirkenden Gedichten und Theaterst&#252;cken f&#252;hrte.</p>

<p>Als <a href="http://www.zeno.org/Eisler-1912/A/Kant,+Immanuel?hl=kant" target="_blank">Kant</a> 1784 seinen ber&#252;hmten Aufkl&#228;rungstext schreibt, haben einige damals zwanzig bis drei&#223;ig Jahre alte Intellektuelle l&#228;ngst begonnen, einer Rationalit&#228;t den Kampf anzusagen, die den Menschen nicht als ganzes Individuum wahrnimmt, das neben dem Verstand auch Gef&#252;hle und Leidenschaften als schaffende Kr&#228;fte in sich tr&#228;gt. – So sehr die <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Sturm%20und%20Drang" target="_blank">Epoche des Sturm-und-Drangs</a> oft als eine Gegenbewegung zur Aufkl&#228;rung gesehen wird: Im Grunde wird erst hier die gesamte Dimension der Schaffenskraft des <a href="http://www.fremdwort.de/suche.php?term=Individuum" target="_blank">Individuums</a> &#252;ber die Rationalit&#228;t hinaus aufgekl&#228;rt.</p>

<p>An die Stelle des rein rationalen Denkers wird das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Genie" target="_blank">Genie</a> gesetzt, jenes Individuum, das aus sich selbst heraus m&#246;gliche Welten schafft.</p>

<p>Doch zun&#228;chst wurde das Genie nur beschrieben, wurden Autoren im R&#252;ckblick mit dem Attribut des Genies versehen, wie z.B. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/William_Shakespeare" target="_blank">Shakespeare</a>.</p>

<p>Der erste Autor, der den Geniegedanken f&#252;r sein Werk fruchtbar machte, war <a href="http://xlibris.de/Autoren/Goethe" target="_blank">Johann Wolfgang Goethe</a>. Erich Trunz schreibt<span id="more-1608"></span> in seinem nach wie vor hervorragendem Kommentar der Hamburger Ausgabe der Werke Goethes:</p>

<blockquote>„F&#252;r Goethe, den sch&#246;pferischen K&#252;nstler, verschmolz die Genielehre mit der Ich-Erfahrung. Er, als erster, stellt dar, wie dem Genie zumute ist. W&#228;hrend jene [Theoretiker] das Wesen des Genies beschreibend fa&#223;ten, fa&#223;te er es dichtend.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/05/14/genie-sturm-und-drang-und-goethes-hymnen-prometheus-und-ganymed/#footnote_0_1608" id="identifier_0_1608" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Gothes Werke, Band 1:&nbsp; Gedichte und Epen I &ndash; Textkritisch durchgesehen und kommentiert von Erich Trunz, M&amp;#252;nchen 1998, 465.">1</a></sup></blockquote>

<p>Ihren Niederschlag fand dieser Ausdruck des Genies bei Goethe in den gro&#223;en <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hymne" target="_blank">Hymnen</a>.</p>

<blockquote>„Sie waren selbst &#252;berst&#246;mend kraftvoll, waren neu, einmalig, eigenartig, innerlich notwendig. In ihnen gipfelt die Geniebewegung des 18. Jahrhundert.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/05/14/genie-sturm-und-drang-und-goethes-hymnen-prometheus-und-ganymed/#footnote_1_1608" id="identifier_1_1608" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd.">2</a></sup></blockquote>

<p>Einer dieser Hymnen ist Goethes „Prometheus“.</p>

<p>Dieses Gedicht kann als eines gesehen werden, in dem das Programm des Sturm-und-Drangs zum Ausdruck kommt – ein Gedicht, das nicht nur das Lebensgef&#252;hl des Genies zeigt, sondern auch als Gedicht in einer solchen Form und mit einer solchen Aussage nie vorher dagewesen ist.</p>

<hr />

<p style="text-align: center;">Johann Wolfgang Goethe</p>

<p style="text-align: center;">Prometheus</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und &#252;be, Knaben gleich,
Der Disteln k&#246;pft,
An Eichen dich und Bergesh&#246;hn!
Mu&#223;t mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine H&#252;tte,
Die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Ich kenne nichts &#196;rmeres
Unter der Sonn als euch G&#246;tter.
Ihr n&#228;hret k&#252;mmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majest&#228;t
Und darbtet, w&#228;ren
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Da ich ein Kind war,
Nicht wu&#223;te, wo aus, wo ein,
Kehrte mein verirrtes Aug
Zur Sonne, als wenn dr&#252;ber w&#228;r
Ein Ohr zu h&#246;ren meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedr&#228;ngten zu erbarmen.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Wer half mir wider
Der Titanen &#220;bermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du&#8217;s nicht alles selbst vollendet,
Heilig gl&#252;hend Herz?
Und gl&#252;htest, jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden dadroben?</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Ich dich ehren? Wof&#252;r?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tr&#228;nen gestillet
Je des Ge&#228;ngsteten?</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allm&#228;chtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herren und deine?</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>W&#228;hntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In W&#252;sten fliehn,
Weil nicht alle Knabenmorgen-
Bl&#252;tentr&#228;ume reiften?</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, weinen,
Genie&#223;en und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich.</p>

<hr style="text-align: center;" />

<p>Sechsundf&#252;nfzig unregelm&#228;&#223;ige Verse, ohne Reime: Schon die &#228;u&#223;ere Form des von Johann Wolfgang Goethe 1773 verfassten Gedichts dr&#252;ckt die Unabh&#228;ngikeit eines leidenschaftlichen Ichs aus. In der &#220;berschrift bekommt dieses Ich einen Namen: Prometheus. Schon im Titel ist der Hinweis auf die sprechende Person gegeben, wie es in „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rollengedicht" target="_blank">Rollengedichten</a>“ oft der Fall ist.</p>

<p>Goethe greift in diesem Gedicht, so neu diese Art von Gedichten in seiner Zeit auch war, den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mythos" target="_blank">Mythos</a> eines griechischen Halbgottes auf. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prometheus" target="_blank">Dieser Mythos</a>, der freilich in unterschiedlichen Formen vorliegt, erz&#228;hlt, wie Prometheus Menschen aus Ton formt und diesen das Feuer (=Kultur) bringt, obwohl Zeus damit &#252;berhaupt nicht einverstanden war.</p>

<p>Zur Strafe wird Prometheus an den Kaukasus geschmiedet. Er wird sp&#228;ter befreit und macht Karriere am g&#246;ttlichen Hofe, als Berater der G&#246;tter.  Doch von Strafe ist in dem Gedicht noch nichts zu sp&#252;ren. In dem Gedicht ist Prometheus auf dem Gipfel seines sch&#246;pferischen Erfolges und wendet sich direkt an Zeus (V 1), den er verh&#246;hnt und seine Selbstst&#228;ndigkeit hervorhebt (V  1–12). Prometheus sieht sich als Sch&#246;pfer, dem die G&#246;tter die Erde nicht streitig machen k&#246;nnen (V 6f) und der die Glut des Feuers besitzt, die er gegen den Willen der G&#246;tter den Menschen als wichtige Voraussetzung der Entwicklung der Kultur zu Verf&#252;gung stellen wird.  Diese Glut (V 11) bereits kann im Kontext des Geniegedankens als Teil des leidenschaftlichen Gl&#252;hens des Genies verstanden werden, dass eigenst&#228;ndig, aus sich selbst heraus schaffend ist (V 31f: „Hast du’s nicht alles selbst vollendet / Heilig gl&#252;hend Herz?“) , neues auf die Welt bringt, im Falle Prometheus’ Menschen (V 50). Jenes „Gl&#252;hen“ taucht im Gedicht auch an anderer Stelle zwei Mal auf (V 32; V 33) und beschreibt das Genie als Menschen, dessen Herz vor Leidenschaft und Schaffenskraft gl&#252;ht.</p>

<p>Die langsame und best&#228;ndig sich von der ihr zur Verf&#252;gung stehenden Energiequelle n&#228;hrende Glut wird hier dem Feuer vorgezogen. Das Genie ist kein brennender, er ist ein gl&#252;hender Mensch.  Und die Energiequelle ist in diesem Hymnus das Selbst (V 32), das Ich (auch in Formen von „mein“, die einen Besitzanspruch formulieren – V 6; 8; 10; 12; 13; 20; 21; 24; 25; 27; 29; 31; 36; 41; 46; 50; 51; 52; 56), das eigenst&#228;ndig, von g&#246;ttlichen Vorgaben unabh&#228;ngige Individuum.  Der Vorwurf Prometheus’ an die G&#246;tter ist schon ein Vorklang an die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Religionskritik" target="_blank">Religionskritik</a>, die im 19. Jahrhundert von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Feuerbach" target="_blank">Ludwig Feurbach</a> und <a href="http://www.zum.de/Faecher/kR/Saar/gym/projekt/rel_krit/marx/marx.htm" target="_blank">Karl Marx</a> ausformuliert wird, aber in der Aufkl&#228;rung und im Geniegedanken seine Vorl&#228;ufer hat.</p>

<p>Prometheus sagt, dass er nichts &#228;rmeres kenne als die G&#246;tter (V 13f), die von der Verehrung der Menschen lebten (V 15–17), die als Kinder, Bettler und „hoffnungsvolle Tohren“ (V 18f) bezeichnet werden.  Hier klingt auch an, dass Goethe und der Sturm und Drang eben keine Gegenbewegung zur Aufkl&#228;rung sind, sondern deren Erwachsene. Kinder und Bettler stehen hier f&#252;r unaufgekl&#228;rte Menschen f&#252;r „Tohren“, die in ihrer Unselbstst&#228;ndigkeit und Armut das eigene Heil auf die G&#246;tter projizieren (sp&#228;ter von Feuerbach in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Projektionstheorie" target="_blank">Projektionstheorie</a> n&#228;her ausgearbeitet) und nicht einsehen, dass die Rettung vom Tod und aus der Sklaverei die Leistung des eigenst&#228;ndig denkenden und aktiven Menschen ist, der sich gegen das Unrecht im Namen der G&#246;tter erhebt (V 27–49 sp&#228;ter in der <a href="http://www.zum.de/Faecher/kR/Saar/gym/projekt/rel_krit/marx/marx2.htm" target="_blank">Marx’schen Religionskritik</a> mit revolution&#228;ren Zielen theoretisch ausgearbeitet).  Vom Umfang steht der Angriff an die G&#246;tter im Zentrum des Gedichtes, damit zuletzt das sch&#246;pferische Ich des Prometheus’ selbst ins Zentrum r&#252;cken kann, wie es sich in der letzten Strophe ausdr&#252;ckt (V 50–56), die ihren Gipfel im letzten, nur aus zwei Worten bestehenden Vers „Wie ich.“ (V 56) erreicht.  Das Genie ist ein Mensch, der aus sich selbst Welten und Weltbilder schafft, er pr&#228;gt das Denken und die Weltsicht von Menschen. – Und so lautet das letzte Wort des Gedichtes dann auch „Ich“.</p>

<p>Doch dieses „Ich“ ist kein auf sich selbst bezogenes, so wenig es sich noch von den vorgegebenen Gedanken seiner Gesellschaft, von Kreativit&#228;t und Sch&#246;pferkraft  verhindernden, nicht weiter hinterfragten „Selbstverst&#228;ndlichkeiten“, von seiner schaffenden T&#228;tigkeit abhalten l&#228;sst. Hier erscheint in der Literatur der Mensch, der sich von seinem &#252;berlieferten Gott abwendet, der die Theodizeefrage in eine Ablehung Gottes &#252;berf&#252;hrt: „Wer rettete vom Tode mich / Von Sklaveri?“ (V 29) und Hast du die Schmerzen gelindert / Je des Beladenen?/ Hast du die Tr&#228;nen gestillet / Je des Ge&#228;ngsteten?“ (V 37–40).</p>

<p>Das Werden des Genies wird hier in den thematisch gleichen Kontext gestellt, dem sich Menschen nach der gro&#223;en <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Tod" target="_blank">Pest in den Jahren 1347 bis 1353</a> und auch nach dem gro&#223;en <a href="http://wiki.zum.de/Erdbeben_von_Lissabon" target="_blank">Erdbeben von Lissabon </a>und dem ihm folgenden Tsunami 1755 ausgeliefert waren. Es gibt Kulturhistoriker, die einen direkten Zusammenhang der hier genannten Katastrophen und der der Ver&#228;nderung des Selbstbildes der Menschen in Europa sehen. Mir scheint eine Annahme solcher Zusammenh&#228;nge sehr plausibel.</p>

<p>„Prometheus“ ist also mehr als nur eine Beschreibung des Empfindens und Selbstbildes eines Genies. Das Gedicht kann vielmehr als eine hochgradig verdichtete Darstellung mit der Entdeckung des Ich-Bewusstseins der Menschen in Europa einhergehender geistesgeschichtlicher Ver&#228;nderungen und deren Folgen gelesen werden. Und am Ende steht das selbstbewusste „Ich“ und formt Menschen nach seinem Bilde (V 50f).</p>

<p>Heute gelesen kommt das Gedicht fast wie ein prophetischer Text vor, in dem der Geniegedanke bis zum Ende durchdacht wurde. Ob Goethe es so gemeint hat, wie ich das Gedicht heute lese, halte ich f&#252;r unwahrscheinlich, aber als Leser erlaube ich mir die Assoziation, dass die Versuche der „Verbesserung des Menschen“ im 20. und 21. Jahrhunderts durchaus mit dieser letzten Strophe des „Prometheus“ im Sinne eines <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_int/herm/werktrans/rezept/herm_rezept0.htm" target="_blank">rezeptions&#228;sthtetischen Ansatzes</a> in Verbindung gebracht werden k&#246;nnen.</p>

<p>Und dann tauchen im Kontext der geschichtlichen Entwicklungen seit dem Entstehen des Gedichtes dunkle Schatten auf, die sich auf ein Genieverst&#228;ndnis legen, das alleine die Schaffenskraft des Individuums ins Zentrum stellt, sodass zuletzt dar&#252;ber diskutiert wird, ob es erlaubt sein k&#246;nne, Menschen nach dem Bilde der lebenden Menschen zu schaffen, zu designen und entsprechende Bem&#252;hungen in der Genforschung zu unternehmen.</p>

<p>Das bis zum Geniegedanken gesteigerte Selbstbewusstsein des Menschen f&#252;hrt zum „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Homo_faber_(Buch)" target="_blank">Homo Faber</a>“, dem haltlosen, nur noch machenden Menschen, mit wiederum verdr&#228;ngten Gef&#252;hlen und Leidenschaften, die der Sturm und Drang doch als Kr&#228;fte erwecken wollte, die den Menschen erst vollst&#228;ndig machen, da er eben nicht nur Vernunft ist.</p>

<p>Und hier kommt die andere, in „Prometheus“ nicht angesprochene Seite des Geniegedankens der St&#252;rmer und Dr&#228;nger ins Spiel, die von Goethe im Hymnus „Ganymed“ gestaltet wird.</p>

<hr />

<p style="text-align: center;">Johann Wolfgang Goethe</p>

<p style="text-align: center;">Ganymed</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Wie im Morgenglanze
Du rings mich angl&#252;hst,
Fr&#252;hling, Geliebter!
Mit tausendfacher Liebeswonne
Sich an mein Herz dr&#228;ngt
Deiner ewigen W&#228;rme
Heilig Gef&#252;hl,
Unendliche Sch&#246;ne!</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Da&#223; ich dich fassen m&#246;cht
In diesen Arm!</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Ach, an deinem Busen
Lieg ich, schmachte,
Und deine Blumen, dein Gras
Dr&#228;ngen sich an mein Herz.
Du k&#252;hlst den brennenden
Durst meines Busens,
Lieblicher Morgenwind!
Ruft drein die Nachtigall
Liebend nach mir aus dem Nebeltal.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Ich komm, ich komme!
Wohin? Ach, wohin?</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Hinauf! Hinauf strebts.
Es schweben die Wolken
Abw&#228;rts, die Wolken
Neigen sich der sehnenden Liebe.
Mir! Mir!
In eurem Scho&#223;e
Aufw&#228;rts!
Umfangend umfangen!
Aufw&#228;rts an deinen Busen,
Alliebender Vater!</p>

<hr />

<p>Was f&#252;r anderer Ton, den Johann Wolfgang Goethe im Fr&#252;hjahr 1784 in dem Gedicht „Ganymed“ anschl&#228;gt. Lag es wom&#246;glich an der Jahreszeit. W&#228;hrend „Prometheus” im Herbst entstand – und herbstliche Gedanken widerspiegelt, Gedanken von Menschen, die sich den unfreundlichen Kr&#228;ften der Natur im Winter gegen&#252;ber sehen? – klingt hier nun die Faszination &#252;ber das hereinbrechende Fr&#252;hjahr an.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/05/14/genie-sturm-und-drang-und-goethes-hymnen-prometheus-und-ganymed/#footnote_2_1608" id="identifier_2_1608" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. hierzu und zum folgenden: Ebd., 485&ndash;487.">3</a></sup></p>

<p>Wie auch im <a href="http://http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=3793&amp;kapitel=1#gb_found" target="_blank">Brief vom 10. Mai</a> im ersten Buch des Briefromans „Die Leiden des jungen Werther“, den Goethe ebenfalls im Jahre 1774 ver&#246;ffentlichte, steht im Ganymed die Gotteserfahrung in der Natur im Zentrum.</p>

<p>Im „Werther“ hei&#223;t es:</p>

<blockquote>„Ich k&#246;nnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein gr&#246;&#223;erer Maler gewesen als in diesen Augenblicken. Wenn das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne an der Oberfl&#228;che der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur einzelne Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase am fallenden Bache liege, und n&#228;her an der Erde tausend mannigfaltige Gr&#228;schen mir merkw&#252;rdig werden; wenn ich das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen, die unz&#228;hligen, unergr&#252;ndlichen Gestalten der W&#252;rmchen, der M&#252;ckchen n&#228;her an meinem Herzen f&#252;hle, und f&#252;hle die Gegenwart des Allm&#228;chtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wehen des Alliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend tr&#228;gt und erh&#228;lt…“</blockquote>

<p>Wie in „Ganymed“ (V 1–19) wird hier die Faszination an der Natur mit G&#246;ttlichem verbunden. Doch in „Ganymed“ geht Goethe noch weiter. In nur 32 Zeilen, wiederum reimlos und unregelm&#228;&#223;ig, kommt der ebenfalls der griechischen Mythologie entstammende Hirtenknabe <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ganymed_(Mythologie)" target="_blank">Ganymed</a> zu Wort. Als Hirte ist er der Natur verbunden, doch wurde er im Mythos von Zeus entf&#252;hrt, der ihn auf dem Olymp als Mundschenk haben wollte.</p>

<p>In Goethes Ganymed sind diese beiden Seiten, die Verbundenheit mit der Natur und das Streben nach oben: „Hinauf, hinauf strebt’s“ (V 22), anzutreffen.  Mag auch mit „Alliebender Vater!“ im letzten Vers (V 32) eine Gottheit stehen, so erreicht dieses Gedicht seinen H&#246;hepunkt schon in V 29, in jenem mit h&#246;chstem Sprachgef&#252;hl verfassten „Umfangend umfangen“.</p>

<p>In unnachahmlicher Pr&#228;szision beschreibt Erich Trunz diesen Vers:</p>

<blockquote>„Das <em>Fassen</em> und <em>Kommen </em>der vorhergehenden Verse m&#252;ndet in das <em>Umfangend</em>, das <em>Angl&#252;hen, Dr&#228;ngen, Rufen</em> Gottes kommt zur Ruhe in der zweiten H&#228;lfte des Verses, dem <em>Umfangen</em>, das freilich in seiner passivischen Form nicht mehr die handelnde Bewegung ausdr&#252;ckt, sondern ihr Ziel, ihren Ertrag; den Zustand des Ich, das von der nahenden Gottheit sich nun umschlossen und getragen f&#252;hlt. Der endg&#252;ltige Zustand, auf den das ganze Gedicht sich hinbewegt, die wahre N&#228;he zum G&#246;ttlichen, ist vom Menschen her ausgesprochen in einer Verkn&#252;pfung der aktivischen mit der passivischen Form.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/05/14/genie-sturm-und-drang-und-goethes-hymnen-prometheus-und-ganymed/#footnote_3_1608" id="identifier_3_1608" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd., 486.">4</a></sup></blockquote>

<p>Ist der Mensch in „Prometheus“ der Gottheit gegen&#252;ber in einer anklagenden Position, die von erfahrenem Leid ausgehend der Gottheit seine eigene Sch&#246;pferkraft gegen&#252;berstellt und so aus der Passivit&#228;t des Leidens heraus tritt, zum aktiv gestaltenden Genie wird, so sieht es in „Ganymed“ ganz anders aus. Hier wird der Mensch von der Sch&#246;nheit der Natur ergriffen, die den Menschen schmachten (V 12) l&#228;sst, in ihm ein Dr&#228;ngen und Brennen ausl&#246;st (V 14f) und aktiv das Streben zur Gottheit mit sich bringt, bei dem sich Aktivit&#228;t und Passivit&#228;t („Umfangend umfangen!“ [V 29]) miteinander vereinen, in dem sich – und hier wird der Geniegedanke wieder unmittelbar greifbar – die Gottheit so sehr mit Menschen vereint, dass der Mensch in seinem Streben mit der Gottheit vereint wird.</p>

<p>Und genau diese Vorstellung wird, wenn auch nicht mehr dem Sturm und Drang zugeh&#246;rig, sp&#228;ter in „Faust” aufgenommen, wo es am im f&#252;nften Akt, in dem die Engel den unsterblich gewordenen Leib Faustens in den Himmel tragen, hei&#223;t: „Wer immer strebend sich bem&#252;ht, / Den k&#246;nnen wir erl&#246;sen.“ (V 11936f)</p>

<p>„Prometheus“ und „Ganymed“ spiegeln die zwei Seiten der „Ich-Erfahrung“ des Genies wider und bieten nur in der Zusammenschau einen Einblick in das ganze Genieverst&#228;ndnis Goethes, das die im Rahmen meiner Besch&#228;ftigung mit dem Hymnus aufgetauchten Gedanken an die Gefahren eines <em>solchen</em> prometheischen Genies dann doch deutlich relativiert, solange das Genie beide Seiten in sich hat, also auch die schaffende, strebende, die nicht nur umf&#228;ngt, sondern sich auch umfangen l&#228;sst – und so die gro&#223;artige Sch&#246;nheit ebensowenig aus den Augen und aus dem eigenen Gestaltungswillen verliert, wie den Schmerz und das Leid.</p>

<blockquote>Link: Eine <a href="http://logos.kulando.de/post/2009/07/18/goethe-ganymed-interpretation" target="_blank">eigenst&#228;ndige Interpretation des Ganymeds aus Lehrerhand</a> findet sich bei Norbert Tholen.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<pubDate>Mon, 22 Sep 2008 19:39:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was bereits in den letzten Versen der Nacht-Szene in Goethes Faust (V 737–807) von Engeln verk&#252;ndet und von Faust in seiner tiefen Zerrissenheit vernommen wird, wird in den Versen 808–1177 (Vor dem Tor) ausgearbeitet: Es ist die Osternacht, in der &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/22/faust-1-vor-dem-tor-gelehrtentragoedie-2-v-8081177/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was bereits in den letzten Versen der <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/10/faust-1-nacht-nachts-in-einem-hoch-gewoelbten-engen-gotischen-zimmer-gelehrtentragoedie-1-verse-354521/" target="_blank">Nacht-Szene</a> in Goethes Faust (V 737–807) von Engeln verk&#252;ndet und von Faust in seiner tiefen Zerrissenheit vernommen wird, wird in den Versen 808–1177 (Vor dem Tor) ausgearbeitet: Es ist die <a href="http://www.festjahr.de/festtage/ostern.html" target="_blank">Osternacht</a>, in der Faust in seinem Studierzimmer nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik_%28Aristoteles%29" target="_blank">metaphysischer</a> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit" target="_blank">Wahrheit</a> strebt. Ostern: Das christliche Fest der Auferstehung Jesu Christi, das Fest, in dem sich im christlichen Glauben die <a href="http://www.theologie-skripten.de/menschenbild/2offenbarung.pdf" target="_blank">Selbstoffenbarung Gottes </a>vollendet. Faust Suchen nach <a href="http://www.phillex.de/wahrheit.htm" target="_blank">Wahrheit</a> k&#246;nnte hier eine Antwort finden, doch er sagt:</p>

<blockquote>»Die Botschaft h&#246;r ich wohl, allein mir fehlt der Glaube; / Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind. / Zu jenen Sph&#228;ren wag ich nicht zu streben, / Woher die holde Nachricht t&#246;nt. (V 765–768)</blockquote>

<p>Und doch erinnert sich Faust an die Gef&#252;hle, die das Osterfest in seiner Jugend bei ihm ausgel&#246;st haben. Gemeinsam mit Wagner begibt er sich am Ostertage vor das Tor, so dass die folgende Szene oft auch als »Osterspaziergang« bekannt ist, wenn manche diese Bezeichnung auch alleine auf die Verse 903–940 anwenden.</p>

<p>Faust f&#252;hlt sich angesichts des bunten Treibens »vor dem Tor« sichtlich wohl: »Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein« (V 940). Doch dieses Gef&#252;hl h&#228;lt nicht lange.<span id="more-324"></span> Faust begegnet Bauern und wird von einem Alten als Arzt besonders gelobt. Dies erinnert Faust an seine eigene Biographie, in der miterleben musst, wie sein Vater angesichts der Pest als Alchimist ein unwirksames, ja giftiges, Medikament erschuf, dass er gemeinsam mit seinem Sohn vertrieb. Faust sieht sich selbst als (Sohn eines) M&#246;rder(s) (V 1055).</p>

<p>Goethe erz&#228;hlt diese Geschichte an dieser Stelle, weil sie m&#246;glicherweise einen biographischen Hintergrund f&#252;r Fausts gegenw&#228;rtiges Streben bietet. Zumindest bringt Faust im Anschluss an diese Begegnung sein Lebensproblem auf den Punkt:</p>

<blockquote>»O gl&#252;cklich, wer noch hoffen kann, / aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen! / Was man nicht wei&#223;, das eben brauchte man, / Und was man wei&#223;, kann man nicht brauchen.« (V 1064–1067)</blockquote>

<p>Und kurz darauf wird es richtig kompliziert: <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/15/faust-1-wagner-und-faust-nacht-osterspaziergang/" target="_blank">Wagner singt ein Loblied auf die Buchgelehrsamkeit</a> (V 1100–1109), worauf Faust antwortet:</p>

<blockquote>»Du bist dir nur des einen Triebs bewusst; / O lerne nie den andern kennen! / Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust, / Die eine will sich von der andern trennen; / Die eine h&#228;lt, in derber Liebeslust, / Sich an die Welt mit klammernden Organen; / Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust / Zu den Gefilden hoher Ahnen.« (V 1110–1117)<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/09/22/faust-1-vor-dem-tor-gelehrtentragoedie-2-v-8081177/#footnote_0_324" id="identifier_0_324" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. hierzu auch: Friedrich Schiller, Briefe zur &amp;#228;sthetischen Erziehung des Menschengeschlechts (Brief 12 und 13). ">1</a></sup></blockquote>

<p>So kompliziert diese Verse klingen: Im Prinzip nehmen sie das bereits im »<a href="http://herrlarbig.de/2008/09/10/faust-1-nacht-nachts-in-einem-hoch-gewoelbten-engen-gotischen-zimmer-gelehrtentragoedie-1-verse-354521/" target="_blank">Studierzimmer</a>« aufgebrochene Problem wieder auf, dass Faust an der Erkenntnis seiner eigenen Begrenztheit leidet, eine Begrenztheit, die deshalb so qu&#228;lend sein kann, wie Faust sie erlebt, weil der Mensch sie erkennen kann, ohne ihr entfliehen zu k&#246;nnen. Die eine, sich an die Welt mit klammernden Organen haltende, Seele ist jene Seite des Menschen, die man auch als Sinnlichkeit beschreiben kann, die die Vernunft zwar denkend &#252;bersteigen kann, aus der die Vernunft aber nicht befreit.</p>

<p>Faust leidet an seiner Forschung, weil sie rein rationaler Natur ist. Er erlebt sich als lebensfern und hofft zun&#228;chst auf die Magie als eine M&#246;glichkeit, die rein rationale Erkenntnis zu &#252;bersteigen. Doch der Erdgeist macht ihm klar: So l&#228;uft das nicht. Aus seiner Haut – und damit der k&#246;rperlichen Beschr&#228;nktheit und Bed&#252;rftigkeit – kommt ein Mensch nicht raus.</p>

<p>Der Mensch ist in der Lage Dinge zu denken, die er nicht erfahren, erreichen oder gar beweisen kann. Hierzu geh&#246;ren die Begriffe »Gott« und »Unendlichkeit«. Dies ist eine der Seelen in Fausts Brust. Die andere ist jene, die ihn als Menschen an seine Sinnlichkeit, besser k&#246;nnte man hier wohl von seiner K&#246;rperlichkeit sprechen, bindet, an seine Begrenztheit oder mit einem Fachbegriff – Faust leidet an seiner <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kontingenz_(Soziologie)" target="_blank">Kontingenz</a>, deren &#220;berstieg er aber zugleich denken kann.</p>

<p>Goethes Faust hat also nicht mit einem sehr pers&#246;nlichen Problem zu k&#228;mpfen, das ihn als Wissenwollenden qu&#228;lt, sondern mit einem Grundproblem des Menschen – vielleicht sogar dem Grundproblem menschlicher Existenz: Wie kann ein Mensch begrenzt und sterblich sein, der Unendlichkeit und Unsterblichkeit denken kann?</p>

<p>An dieser Stelle begegnet Faust der schwarze Pudel, der sich als Verk&#246;rperung des Mephistopheles entpuppen wird, der schon im »Prolog im Himmel« Fausts Problem so treffend beschrieb:</p>

<blockquote>»Nicht irdisch ist des Toren Trank und Speise. / Ihn treibt die G&#228;rung in die Ferne, / Er ist sich seiner Tollheit halb bewusst; / Vom Himmel fordert er die sch&#246;nsten Sterne / Und von der Erde jede h&#246;chste Lust, / Und alle N&#228;h und alle Ferne / Befriedigt nicht die tiefbewegte Brust.« (V 301–307)</blockquote>

<p>Und so ist es jetzt fast so weit. Ein wenig wird Faust in der n&#228;chsten Szene noch seinen Studien nachh&#228;ngen – dann wird ihm Mephistopheles den Ausbruch aus dem Studierzimmer anbieten und ihn mit auf »Weltfahrt« nehmen, mit dem Versprechen, zumindest die tiefsten sinnliche Bed&#252;rfnisse befriedigt zu bekommen. – Doch dazu sp&#228;ter mehr…<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_324" class="footnote">Vgl. hierzu auch: Friedrich Schiller, Briefe zur &#228;sthetischen Erziehung des Menschengeschlechts (Brief <a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=2397&amp;kapitel=2&amp;cHash=20888265d5aesterz2" target="_blank">12</a> und <a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=2397&amp;kapitel=3&amp;cHash=20888265d5aesterz3" target="_blank">13</a>). </li></ol>
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