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		<title>&#220;ber den Bildungsauftrag der Schule und digitale Medien</title>
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		<pubDate>Sun, 06 May 2012 14:37:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schule hat den Auftrag, junge Menschen im Rahmen ihrer Sozialisation zu bilden und zu erziehen. Das habe nicht ich mir ausgedacht. Das steht im f&#252;r mich verbindliche Schulgesetz des Landes Hessen. –  Das erste dort genannte Ziel von Bildung ist &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/05/06/uber-den-bildungsauftrag-der-schule-und-digitale-medien/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schule hat den Auftrag, junge Menschen im Rahmen ihrer <a href="http://www.zeit.de/zeit-wissen/2010/01/Die-Macht-der-Familie" target="_blank">Sozialisation</a> zu bilden und zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erziehung" target="_blank">erziehen</a>.</p>

<p>Das habe nicht ich mir ausgedacht.</p>

<p>Das steht im f&#252;r mich verbindliche <a href="http://www.hessen.de/irj/HKM_Internet?cid=c1f7ee3ac049d51fa14df6f30a1b156a" target="_blank">Schulgesetz des Landes Hessen</a>. –  Das erste dort genannte Ziel von Bildung ist es, die <a href="http://www.bpb.de/wissen/PYMXQB" target="_blank">Grundrechte</a> f&#252;r sich und andere wirksam werden zu lassen.</p>

<p>Es geht dort um Beziehungen zu anderen Menschen, die von Achtung und <a href="http://www.unesco.de/erklaerung_toleranz.html" target="_blank">Toleranz</a>, <a href="http://www.bpb.de/wissen/EN028Q" target="_blank">Gerechtigkeit</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Solidarit&#228;t" target="_blank">Solidarit&#228;t</a> gepr&#228;gt sein sollen.</p>

<p>Es geht um die Bef&#246;rderung der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichberechtigung" target="_blank">Gleichberechtigung</a>, um das Verst&#228;ndnis anderer Kulturen und deren Leistungen, um die F&#228;higkeit, das eigene Handeln auf seine Konsequenzen befragen zu k&#246;nnen.</p>

<p>Erst nachdem diese Ziele deutlich formuliert worden sind – meiner Kenntnis nach unterscheiden sich die Gesetze der unterschiedlichen L&#228;nder in ihren Zielen nicht sonderlich voneinander –, wird der <a href="http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2003/2003_12_04-Elternhaus-Schule.pdf">Auftrag</a> der Schule konkretisiert: Wissen, Kompetenzen und auch Werthaltungen sollen vermittelt werden.</p>

<p>Das Sachwissen spielt eine gro&#223;e Rolle, wenn es um das Erreichen dieser Ziele geht; doch dieses Sachwissen muss immer mit dem Handeln in Beziehungen verbunden werden, ja, das Ergebnis des <a href="http://themenwochen-online-lernen.blogs.rpi-virtuell.net/2010/02/15/wertsch-tzen-oder-bewerten-leisten-ist-handeln-in-beziehung/">Handelns in Beziehungen</a> sein: Achtung und Toleranz sind keine theoretischen Konstrukte, Gerechtigkeit und Solidarit&#228;t sind Teil einer Grundhaltung von Menschen, die sich in konkreten Handlungsweisen zeigen.</p>

<p>Schlagw&#246;rter, mag mancher sagen, lauter leere Phrasen, deren erm&#252;dende Kraft nicht untersch&#228;tzt werden darf; Achtung, Toleranz, Solidarit&#228;t, Gerechtigkeit – nichts davon l&#228;uft irgendwo auf der Stra&#223;e herum, das sind alles <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Begriff_(Philosophie)">abstrakte Begriffe</a>. – Ob und wie es gelingt diese Worth&#252;lsen mit Inhalt zu f&#252;llen, mit konkreten Handlungskompetenzen zu verbinden, ist f&#252;r mich zu einem der zentralen Kriterien f&#252;r die Frage nach der Qualit&#228;t von Unterricht geworden.</p>

<p>Ob digitale Medien dabei helfen k&#246;nnen, den<a href="http://www.hamburg.de/contentblob/2512166/data/bildungsauftrag-hr-sek-i.pdf" target="_blank"> Bildungs- und Erziehungsauftrag</a> von Schulen zu erreichen? K&#246;nnen sie dazu beitragen, die Qualit&#228;t von Unterricht zu st&#252;tzen, zu f&#246;rdern und wenn n&#246;tig auch zu verbessern?</p>

<p>Nach wie vor wird auf diese Fragen mehr mit Vorurteilen reagiert als mit sachlich reflektierten Argumenten. Die <del>Ablehnung digitaler</del> Skepsis gegen&#252;ber digitalen Technologien als Instrumente des Unterrichts ist oft ebenso irrational wie deren gl&#252;hende Bef&#252;rwortung.</p>

<p>Dabei wird weitgehend ausgeblendet, dass die Frage eingesetzter Technologien im Kontext des <a href="http://studienseminar.rlp.de/fileadmin/user_upload/studienseminar.rlp.de/gy-tr/downloads/Bildungs-_und_Erziehungsauftrag_der_Schule.pdf" target="_blank">Bildungsauftrags</a> von Schulen zu betrachten ist. – Als Lehrer bevorzuge ich <del>selbstverst&#228;ndlich</del> nach bestem Wissen und Gewissen und im Rahmen struktureller Gegebenheiten auf Dauer jene Instrumente, die das Erreichen der Ziele von Bildung und Erziehung am nachhaltigsten unterst&#252;tzen.</p>

<p>Deshalb war es f&#252;r mich naheliegend, zuerst f&#252;r mich selbst herausfinden zu wollen, wie das von digitalen Strukturen gest&#252;tzte Internet f&#252;r mich selbst als Bildungsmedium funktioniert: Ich habe angefangen im Internet zu schreiben, Artikel zu Bildungsthemen zu lesen und zu kommentieren, die andere geschrieben haben, mich mithilfe des Instruments „<a href="https://twitter.com/herrlarbig" target="_blank">Twitter</a>“ zu vernetzen.</p>

<p>Das hat zu meinem gro&#223;en Erstaunen eine gro&#223;e Dynamik entwickelt.</p>

<p>Hatte ich zu Beginn meiner Zeit im Internet noch mit einseitig Informationen verteilenden Websites zu tun, so befinde ich mich heute in einem kontinuierlichen Kommunikationsprozess. Der kontinuierliche Dialog – unter anderem mit sehr vielen Menschen, die professionell mit Bildungsfragen zu tun haben –, ist f&#252;r mich selbst zum Lernprozess geworden. Dabei geht es zentral um Fragen der gegenseitigen Achtung, Toleranz, praktische Solidarit&#228;t wird ge&#252;bt und viele nutzen digitale Medien auch, um Gerechtigkeit einzufordern und zu deren Umsetzung beizutragen.</p>

<p>Dass elektronische B&#252;cher die Schultaschen von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern erleichtern k&#246;nnen, dass digitale Medien leichter aktuell gehalten werden k&#246;nnen als analoge, dass Computer und Internet eine enorme Anziehungskraft f&#252;r Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler haben, sind marginale Nebeneffekte, angesichts der hochkar&#228;tig kommunikativ ausgelegten Strukturen, die digitale Medien bereithalten – auch f&#252;r Schule und Unterricht.</p>

<p>Bereits heute halten Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die sich im Rahmen internationaler Sch&#252;leraustauschprogramme kennen gelernt haben, intensiven Kontakt mittels sozialer Netzwerk. Dabei erfahren Sie ganz konkret, welchen Wert sprachliche und auch fremdsprachliche Kompetenzen haben, um &#252;berhaupt kommunizieren zu k&#246;nnen. Auch wenn es fr&#252;her die M&#246;glichkeit f&#252;r Brieffreundschaften gab, so hat diese allt&#228;gliche und sehr kontinuierliche Konfrontation mit der Notwendigkeit, &#252;ber entsprechende sprachliche Kompetenzen verf&#252;gen zu m&#252;ssen, wenn mit anderen Menschen Kommunikation gelingen soll, in meiner Wahrnehmung eine ganz andere Qualit&#228;t.</p>

<p>Das von Bertolt Brecht in seiner <a href="http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/ausblick/bre_radio.htm" target="_blank">Radiotheorie</a> noch als anzustrebendes Ziel formulierte Ideal, dass das Radio von einem Instrument der einseitigen Verteilung von Inhalten zu einem Kommunikationsmedium werden m&#246;ge, ist Wirklichkeit geworden. Das Internet hat das Potenzial, jedem und jeder M&#246;glichkeiten der Teilnahme am Diskurs der Gesellschaft (weit &#252;ber Schule hinaus!) zu erm&#246;glichen. – Entsprechend haben digitale Medien ein enormes Potenzial, die Qualit&#228;t von Unterricht zu unterst&#252;tzen, weiterzuentwickeln und zu verbessern.</p>

<p>Dazu sind selbstverst&#228;ndlich Wissen und Kompetenzen n&#246;tig: zun&#228;chst bei Lehrerinnen und Lehrer, die diese dann den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern vermitteln. Zu diesen Kompetenzen geh&#246;rt aber auch, dass Lehrerinnen und Lehrer akzeptieren, dass im Kontext digitaler Medien zumindest hin und wieder Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen bereits kompetenter sind als sie selbst.</p>

<p>Auch beim Einsatz digitaler Medien kommt es, mittlerweile ist es fast schon eine Binsenweisheit, zentral auf den Lehrer oder die Lehrerin an. Bildungsprozesse sind nach wie vor personalisierte Prozesse, die von Pers&#246;nlichkeit und Feedback-Kultur leben</p>

<p>Zugegeben, ich habe keine gro&#223;en Projekte am laufen, in denen es um digitale Medien in der Schule gehen w&#252;rde. Und dennoch befindet sich ein zentrales Instrument zur Verbesserung des Unterrichts in den Hosentaschen &#252;berraschend vieler meiner Sch&#252;ler. Es ist nicht nur das Wissen der Welt einen Klick weit entfernt, es ist auch die M&#246;glichkeit zur Kommunikation st&#228;ndig vorhanden. Sicher: Die st&#228;ndige Verf&#252;gbarkeit von Kommunikationsm&#246;glichkeiten verlangt selbst wieder Lernprozesse, die dazu beitragen, die M&#246;glichkeiten digitaler Vernetzung reflektiert zu nutzen – und auch den aktiven Verzicht auf diese Optionen zu erlernen.</p>

<p>Ging ich fr&#252;her in den PC-Raum der Schule, musste ich damit rechnen, dass in dem Augenblick, in dem die Sch&#252;ler Platz genommen und die Rechner eingeschaltet worden waren, auch schon die ersten Ausfl&#252;ge auf nicht zum Unterricht geh&#246;rende, f&#252;r die Sch&#252;ler aber sehr spannend Websites losgingen. Immer wieder war es n&#246;tig, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern der Sonderwelt des PC-Raums zu ermahnen, den Besuch auf unterrichtsfremden Seiten doch bitte zu unterlassen.</p>

<p>Neben dieser Erfahrung, dass der Einsatz von PC-R&#228;umen der Qualit&#228;t von Unterricht mehr schadet als nutzt, war es f&#252;r mich die Irritation dar&#252;ber, dass die Gestaltung der PC-R&#228;ume an den meisten Schulen den didaktischen Grundsatz angemessener Phasenwechsel nahezu unm&#246;glich machte, die mich fragen lie&#223;, wo eigentlich der gro&#223;e Unterschied zu meinem eigenen sehr positiven Lernerfahrungen im Internet liegt.</p>

<p>Anders als in der Schule nutze ich digitalen Medien immer dann, wenn es mir in einem Arbeitsprozess notwendig erscheint. Manchmal muss ich nur ein Wort recherchieren, manchmal fehlt mir ein bestimmtes Sachwissen, auf das ich via Internet sehr schnell zugreifen kann</p>

<p>Ich begann vor ca. eineinhalb Jahren, mein eigenes digitales Endger&#228;t (Tablet) als ein selbstverst&#228;ndlich im Unterricht verf&#252;gbares Instrument zu betrachten. Das f&#252;hrte dazu, dass nun auch Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen die ihren verf&#252;gbaren digitalen Endger&#228;te zu Zwecken des Unterrichts nutzen. Die Notwendigkeit zur Ermahnung, doch bitte nur unterrichtsrelevante Websites zu besuchen, ist seitdem deutlich zur&#252;ck gegangen. Digitale Medien werden vielmehr ganz selbstverst&#228;ndlich zum Teil des Arbeitsprozesses im Klassenraum. Dies f&#252;hrt immer wieder zu Metagespr&#228;chen, zur Reflexion &#252;ber die Nutzung dieser Instrumente, sei es nun in Bezug auf die Seriosit&#228;t aufgefundener Materialien oder auch in Bezug auf Fragen der Privatsph&#228;re und des Datenschutzes.</p>

<p>Andere Lehrer und Lehrerinnen, andere Schulen gehen andere Wege. Es gibt mehr und mehr Schulen, die das System produktiv nutzen, das auch so gro&#223;e Projekte wie die Wikipedia erm&#246;glicht. In diesen F&#228;llen zum Einsatz kommende Software erm&#246;glicht es allen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern, aber auch den Lehrenden, gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten. Interaktivit&#228;t wird hier also produktiv f&#252;r schulische Zwecke genutzt.</p>

<p>Dass solche schulspezifischen Plattformen allerdings akzeptiert werden, ist meist mit gro&#223;en M&#252;hen verbunden. Sie werden oftmals wiederum als Sonderwelten im Internet wahrgenommen, so dass sie nicht mit der Anziehungskraft, die digitale Strukturen auf Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler aus&#252;ben k&#246;nnen, mithalten k&#246;nnen.</p>

<p>Ist aber erst einmal die Versuchung &#252;berwunden, beim Einsatz digitaler Medien im schulischen Unterricht wiederum nicht zu differenzieren, sondern alle Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen das gleiche machen zu lassen, k&#246;nnen diese Instrumente au&#223;erordentlich fruchtbar werden.</p>

<p>Wenn Sch&#252;ler Facharbeiten erstellen, so stelle ich ihnen mittlerweile frei, ob diese analog oder digital produziert werden. Ich bestehe zwar in der Regel darauf, dass neben digitalen ein Mindestzahl an analogen Quellen genutzt wird, doch pendelt sich das Verh&#228;ltnis der eingesetzten Medien und Produktionsformen interessanterweise fast immer sehr gleichm&#228;&#223;ig ein: etwa ein Drittel erstellt die Arbeiten rein digital, etwa ein Drittel nutzt sowohl digitale als auch analoge Darstellungsm&#246;glichkeiten, ein letztes Drittel zieht nach wie vor analogen Medien vor. – Unm&#246;glich, eine solche Heterogenit&#228;t der Arbeitsformen und damit verbunden auch der Lernstile in einem PC-Raum oder einen Raum ohne PC methodisch und didaktisch fruchtbar werden zu lassen.</p>

<p>Nat&#252;rlich, es gibt mittlerweile viele Beispiele, wie digitale Quellen und Darstellungsformen f&#252;r den Unterricht genutzt werden k&#246;nnen. Dabei werden diese Quellen h&#228;ufig jedoch zu einem Ersatz f&#252;r den Frontalunterricht, weil Ihnen ein oft rein instruktiver Charakter zugeschrieben wird.</p>

<p>In vielen F&#228;llen bedeutet der Einsatz von Computern im Unterricht, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler Inhalte von Websites aufnehmen. Die kommunikativen Grundstrukturen des Web 2.0 werden dabei sehr h&#228;ufig v&#246;llig ausgeblendet, auch weil sie vielen Lehrern und Lehrerinnen nach wie vor sehr fremd sind.</p>

<p>Die Notwendigkeit des Erwerbs von Medienkompetenz beschr&#228;nkt sich nicht auf Sch&#252;ler; sehr viele Lehrer und Lehrerinnen m&#252;ssen sich die Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien als Kommunikationsmedien noch aneignen. Dar&#252;ber hinaus entfalten digitale Medien dann ihren Charme, wenn sie genutzt werden.</p>

<p>Anfang April 2012 hatte ich abends eine kurze, aber intensive Diskussion mit zwei Sch&#252;lern, die auf Twitter pr&#228;sent sind, in der es um nichts geringeres ging als um die Philosophie Immanuel Kants. Diese Diskussion fand &#246;ffentlich statt und war &#246;ffentlich fruchtbar, erwuchs doch aus ihr die Idee, dass ein Kollege aus K&#246;ln und ich in Frankfurt am Main gemeinsam &#252;berlegen, ob und wie wir unsere Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen miteinander in einen Kommunikationsprozess bringen k&#246;nnen, der fachbezogen die M&#246;glichkeiten des Netzes nutzt, um gemeinsam und dialogisch an konkreten Themen zu arbeiten und dabei gleichzeitig auch Grundformen demokratischen Miteinanders einzu&#252;ben. Das Projekt selbst noch nicht umgesetzt, zeigt aber, was mit &#214;ffnung von Schule und Unterricht gemeint sein kann.</p>

<p>Nach wie vor gilt: die Qualit&#228;t des Unterrichts h&#228;ngt sehr stark von der Person des Lehrers ab. In Zeiten digitaler Medien und des Internets bedeutet dies auch, dass die Qualit&#228;t von Unterricht, der sich digitaler Medien bedient, auch davon abh&#228;ngt, welche Kompetenz der unterrichtenden Lehrer selbst hat, um mit diesen digitalen Medien souver&#228;n umgehen zu k&#246;nnen. Die Chancen moderner Medien zur Bereicherung des Unterrichts, zur Verbesserung des Unterrichts, h&#228;ngen von der Medienkompetenz der Lehrerinnen und Lehrer ab.</p>

<p>Da diese Kompetenz h&#228;ufig noch einen gro&#223;en Fortbildungsbedarf hat, bedeutet dies nat&#252;rlich auch, dass Kultusminister Kultusministerinnen dringend dar&#252;ber nachdenken m&#252;ssen, wo sie Lehrer und Lehrerinnen einerseits zu den notwendigen Fortbildung verpflichten k&#246;nnen, aber auch, wie sie zur Erm&#246;glichung solcher Fortbildungen Entlastungen anbieten.</p>

<p>Digitale Medien k&#246;nnen Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen sehr schnell in <a href="http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/WISSENSCHAFTPAEDAGOGIK/DidaktikKommunikative.shtml" target="_blank">kommunikative Prozesse </a>hineinf&#252;hren, die sowohl dem Erwerb von Fachwissen dienen, die aber gleichzeitig all jene Kompetenzen und Werthaltungen f&#246;rdern k&#246;nnen, die mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag von Schule verbunden sind. Und dieser Bildungs- und Erziehungsauftrag steht im Zentrum. Die Debatte um Instrumente, die diesem Ziel dienen, ist diesem Auftrag untergeordnet und immer auch darauf hin zu befragen, ob dieser Auftrag im Blick behalten oder von Technikdebatten &#252;berlagert wird.</p>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Schule „muss“ sich nicht ver&#228;ndern; sie tut es einfach. Eine Provokation.</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 23:04:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als ich gerade in die Oberstufe gekommen war, wollte ich unbedingt dieses vierundzwanzig B&#228;nde umfassende Lexikon im Taschenbuchformat haben. Als ich es dann hatte, kamen in besonders ereignisreichen Jahren Einzelb&#228;nde dazu, die die Informationen im Lexikon aktualisierten.  Mir kam dieser &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/01/17/schule-muss-sich-nicht-verandern-sie-tut-es-einfach-eine-provokation/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich gerade in die Oberstufe gekommen war, wollte ich unbedingt dieses vierundzwanzig B&#228;nde umfassende Lexikon im Taschenbuchformat haben.</p>

<p>Als ich es dann hatte, kamen in besonders ereignisreichen Jahren Einzelb&#228;nde dazu, die die Informationen im Lexikon aktualisierten. </p>

<p>Mir kam dieser Regalmeter an Wissen damals so vor, als ob es unm&#246;glich sei, noch viel mehr zu wissen oder in noch kompakterer Form, Wissen zug&#228;nglich zu machen. </p>

<p>In der gleichen Zeit war ich zutiefst davon beeindruckt, dass Briefe an und von einem Brieffreund in Singapur in der Regel nur zwei Werktage unterwegs waren, bis sie ankamen und eine mir v&#246;llig unbekannte Welt ins Haus brachten. </p>

<p>Es gab f&#252;r solche Brieffreundschaften Vermittlungsagenturen, die damals bei uns Jugendlichen recht beliebt waren, konnte man auf dem Wege &#252;ber eine Brieffreundschaften doch Fremdsprachenkenntnissen so etwas wie Praxisrelevanz abtrotzen. </p>

<p>Das Lexikon steht noch immer in meinem Regal, aber weniger, weil ich davon einen Nutzen habe, sondern eher als eine Art „romantische“ Erinnerung an Zeiten, die gar nicht lange her sind, daf&#252;r aber sehr schnell vergangen sind. </p>

<p>Das Wissen der Welt steht heute tagesaktuell via Internet zur Verf&#252;gung. </p>

<p>Das Internet und Computer machen Englischkenntnisse unmittelbar praxisrelevant. Freundschaften auf Distanz werden heute via Facebook und Skype gepflegt. </p>

<p>Was einst ein f&#252;r mich mit schier unvorstellbaren Wissensmengen gef&#252;llter Regalmeter war, neben dem einige Zeit sp&#228;ter noch alle damals unter dem Label „Duden“ verf&#252;gbaren W&#246;rterb&#252;cher, zehn an der Zahl, einzogen und so auch umfassendes Sprachwissen f&#252;r mich greifbar machten, kommt mir heute so vor, als seien es letztlich doch sehr bescheidene Wissensmengen gewesen. Und der Regalmeter mit gewichtigen B&#252;chern reicht nicht im mindesten an das verf&#252;gbare Wissen in meiner Hosentasche heran, das ich immer bei mir trage.</p>

<p>Neben Lexikon und W&#246;rterb&#252;chern habe ich eine &#252;ber hundert B&#228;nde umfassende Klassikerbibliothek, die in Druckform einige Umzugskisten ben&#246;tigte, um transportiert werden zu k&#246;nnen, in der Hosentasche. Das Smartphone macht es m&#246;glich.</p>

<p>Au&#223;erdem trage ich eine vollwertige Schreibmaschine mit mir herum, die kleiner als ein Collegeblock ist, die mir komfortablen Internetzugang erlaubt, mit der ich mit anderen Menschen kommunizieren kann.</p>

<p>Fotoapparat, die M&#246;glichkeit, hochwertige Videos anzufertigen und sogar zu schneiden, ein Audiorekorder, einen Scanner mit OCR, eine vollst&#228;ndige Fahrplanauskunft (fr&#252;her war dazu ein dickes „Kursbuch“ n&#246;tig), eine Sammlung historischen Kartenmaterials, eine mehrere hundert „Platten“ umfassende Musiksammlung etc. f&#252;hre ich st&#228;ndig in der Hosentasche mit mir herum.</p>

<p>Das alles kam mir in den Sinn, als ich &#252;ber die mir k&#252;rzlich gestellte Frage nachdachte, ob Schule sich nicht ver&#228;ndern m&#252;sse. </p>

<p>Je mehr ich &#252;ber diese Frage nachdenke, deren Zielrichtung ich nat&#252;rlich verstehe (zu verstehen meine), um so sinnloser, an der eigentlich zu stellenden Frage vorbei gestellt erscheint sie mir. </p>

<p>Schule „muss“ sich nicht ver&#228;ndern. Das muss man nicht fordern, als ein „Muss“ in den Raum projizieren. Schule tut das einfach. Schule ver&#228;ndert sich. Schule ist l&#228;ngst vom informationstechnologischen Wandel durchdrungen und gepr&#228;gt – auch dort, wo die Ver&#228;nderungsresitenzen von Lehrenden noch versuchen, „alte Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ gegen den „Angriff“ aus der Welt des Internets und des Hosentaschenwissens am Leben zu erhalten. </p>

<p>Wenn dann Lehrer und Lehrerinnen im Lehrerzimmer „ihre Klausuren von vor ein paar Jahre, die sie bislang problemlos immer wieder verwenden konnten, die jetzt aber im Internet kursieren und die sie deshalb nicht mehr verwenden k&#246;nnen“ hochhalten, die sie bei Sch&#252;lern gefunden haben, w&#228;hrend diese Arbeit wieder einmal geschrieben wurde, so ist das ein fast tragikomischer Anblick.</p>

<p>Wenn Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen der Gebrauch mobiler Endger&#228;te mit Internetzugang verboten wird, wirkt das zunehmend so, als w&#252;rde man die Nutzung von W&#246;rterb&#252;chern verbieten. </p>

<p>Nein, Schulen sehen sich keinem „Muss“ zur Ver&#228;nderung ausgesetzt. Schulen ver&#228;ndern sich parallel zum Leitmedienwechsel von alleine, organisch, egal ob Lehrer, Eltern, Schultr&#228;ger, Kultusbeh&#246;rden,  Schulbuchverlage etc. sich gegen das „Wuchern dieses digitalen Unkrauts“ wehren oder ob sie sich auf den Medienwandel in der Wissensgesellschaft einlassen und Sch&#252;ler dabei unterst&#252;tzen, m&#252;ndige B&#252;rgern in dieser Wissensgesellschaft zu werden. </p>

<p>Weg also mit dem „Muss“, wenn es um Fragen der Ver&#228;nderung von Schule geht. </p>

<p>An die Stelle dieses „Muss“ sollte man die Forderung nach Professionalit&#228;t im Umgang mit diesem Leitmedienwechsel setzen und diese Professionalit&#228;t gleichzeitig einfordern.</p>

<p>Es ist nicht die Aufgabe von Lehrern, den Leitmedienwechsel (immer noch) zu verteufeln oder einfach zu ignorieren. </p>

<p>Es ist Aufgabe von Lehrern, kompetent mit dem Leitmedienwechsel umzugehen, theoretisches und Anwendungswissen zu erwerben, um den M&#246;glichkeiten und Chancen des Leitmedienwechsels auch reflektierend begegnen zu k&#246;nnen. </p>

<p>Nat&#252;rlich ist das mit Arbeit verbunden, aber als Fachlehrer kann man sich zum Beispiel in den Naturwissenschaften neuen fachlichen Erkenntnissen auch nicht verweigern, wenn man den eigenen Beruf wirklich ernst nimmt. </p>

<p>Es ist nicht so, dass man sich zur&#252;cklehnen und entscheiden kann, ob einen als Lehrer dieser Leitmedienwechsel betrifft oder nicht, ob man diesem gegen&#252;ber Kompetenzen erwerben m&#246;chte oder nicht. Diese Entscheidung mag mir als Privatperson m&#246;glich sein; will ich meinem Erziehungsauftrag angemessen nachkommen, muss ich zum kompetenten Umgang mit dem Leitmedium in der Lage sein. </p>

<p>Ich kann mich als Lehrer ja auch nicht weigern, B&#252;cher oder Fachzeitschriften in die Hand zu nehmen, wenn ich den Beruf ernst nehme. </p>

<p>Ich stelle mir vor, Automechaniker verhielten sich wie manche Lehrer, sie w&#252;rden sich weigern, von ihren mechanischen Reparaturkompetenzen auf Mechatronik umzustellen, sie w&#252;rden sich weigern, den Umgang mit Computern zu erlernen, um Fehleranalysen an der Bordelektronik eines Autos durchf&#252;hren zu k&#246;nnen: Wenn ein solcher Automechaniker nicht gerade in einer Werkstatt arbeitet, die sich auf Oldtimer spezialisiert hat, w&#252;rde er seinen Beruf verlieren. </p>

<p>Ich hielte es f&#252;r keinen Eingriff in die gesetzlich verankerte p&#228;dagogische Freiheit von Lehrerinnen und Lehrern, w&#252;rde eine Dienstanweisung ergehen, in der klar definiert ist, welche Kompetenzen der Leitmedienwechsel von Lehrenden fordert, damit dieser kompetent reflektiert und auch praktisch fruchtbar gemacht werden kann. Diese Dienstanweisung d&#252;rfte freilich nur von Leuten erarbeitet werden, denen man gen&#252;gend Wissen und F&#228;higkeiten zutraut, dies angemessen zu tun, also nicht von Politikern, die sich E-Mails nach wie vor ausdrucken lassen <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Ich hielte es f&#252;r keinen Eingriff in die gesetzlich verankerte p&#228;dagogische Freiheit von Lehrerinnen und Lehrern, bek&#228;me jede und jeder eine Dienstemailadresse, die verpflichtend mind. an den Tagen abzurufen w&#228;re, an denen die Kollegen in der Schule sind, wo Dienstrechner verf&#252;gbar sind. </p>

<p>Solange es aber nicht als seltsam angesehen wird, dass Lehrer und Lehrerinnen sich teilweise dem Leitmedienwechsel offensiv verweigern, solange nicht verbindlich eingefordert wird, dass Medienkompetenz ebenso wie Sprach- und Schreibkompetenz in allen F&#228;chern zu f&#246;rdern ist, solange wird sich Schule weiter ver&#228;ndern, worauf Lehrer weiter mit Restriktionen reagieren werden, um den StatusQuo zu bewahren, um die Ver&#228;nderungen vielleicht doch noch zu verhindern, wodurch die Atmosph&#228;re in den Schulen zunehmend von dem nicht reflektierten Konflikt zwischen „digitalen Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ im au&#223;erschulischen Alltag und der vor diesem Alltag „gesch&#252;tzten“ Schule gepr&#228;gt wird.</p>

<p>Der Leitmedienwechsel wird zu einer neuen Lernkultur f&#252;hren.</p>

<p>Die sich mit ihm ergebenden M&#246;glichkeiten und Risiken wollen reflektiert Einzug in die Schulwirklichkeit finden. </p>

<p>Um diesen reflektierten Umgang mit dem Leitmedienwechsel leisten zu k&#246;nnen, m&#252;ssen Lehrer und Lehrerinnen lernen. </p>

<p>Ja, das ist mit Arbeit verbunden. Aber diese Arbeit ist nicht zu vermeiden, soll sich in der Schule nicht ein Dauerkonflikt zwischen „digitalen Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ (das Vorhandensein einer dienstlichen  E-Mail-Adresse ist eine solche, der gemeinfreie Klassiker auf dem E-Book-Reader bzw. dem Smartphone oder dem Tablet ist gerade dabei eine solche zu werden) und analoger Beharrlichkeit festsetzen, der dem Auftrag der Schule und somit der P&#228;dagogen in der Schule zuwider liefe.</p>

<p>Schule „muss“ sich nicht ver&#228;ndern; Schule ver&#228;ndert sich angesichts des Leitmedienwechsels einfach; sie tut das einfach, v&#246;llig ohne „Muss“. </p>

<p>Die Frage lautet also, wie sehr die an der Gestaltung von Schule beteiligten Professionellen professionell in der Lage sind, diese Ver&#228;nderungen wahrzunehmen, zu beschreiben, zu reflektieren und dann in die Didaktik und Methodik der F&#228;cher zu integrieren. </p>

<p>Das ist f&#252;r alle Beteiligten eine Herausforderung. Und deshalb muss die Herausforderung noch umfassender beschrieben werden: Wie sehr sind Politik und gesamtgesellschaftliche Stimmungen bereit und in der Lage, den an der Gestaltung von Schule beteiligten Professionellen professionelle Fortbildungsm&#246;glichkeiten zu geben, die keine Zusatzbelastungen sind, sondern durch Entlastungen an anderen Stellen eigentlich erst erwartbar und m&#246;glich werden. </p>

<p>Solange dies nicht geschieht, ist freilich nicht unbedingt zu erwarten, dass Lehrer und Lehrerinnen die Kraft, Energie und Bereitschaft aufbringen (k&#246;nnen), sich den faktischen Ver&#228;nderungen von Schule im digitalen Kontext zu stellen; solange ist es durchaus nachvollziehbar, dass vielen Lehrer und Lehrerinnen der an „analogen Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ orientierte Schulalltag der „sicherere Grund“ zu sein scheint, auf dem sie agieren k&#246;nnen. </p>

<p>Doch von all dem unabh&#228;ngig: Schule ver&#228;ndert sich; Schule hat sich angesichts neuer „digitaler Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ l&#228;ngst ver&#228;ndert. </p>

<p>Es ist Zeit, diese Ver&#228;nderungen reflexiv und praktisch  einzuholen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Apples iPad und das Schulbuch – Ger&#252;chte und Einsch&#228;tzungen</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 17:43:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[F&#252;r Hersteller von Hard- und / oder Software hat ein Monopol etwas verlockendes. Das war so bei Microsofts Windows-Betriebssystem, das erst von Gerichten und staatlichen Monopolbeh&#246;rden auf seine Grenzen hingewiesen werden musste; das gilt f&#252;r geschlossene propriet&#228;re Strukturen, wie sie &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/01/14/apples-ipad-und-das-schulbuch-geruchte-und-einschatzungen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;r Hersteller von Hard- und / oder Software hat ein Monopol etwas verlockendes. Das war so bei Microsofts Windows-Betriebssystem, das <a href="http://www.computerwoche.de/heftarchiv/1997/51/1103489/" target="_blank">erst von Gerichten und staatlichen Monopolbeh&#246;rden auf seine Grenzen hingewiesen werden musste</a>; das gilt f&#252;r geschlossene propriet&#228;re Strukturen, wie sie Apples iOs, Amazons Kindle etc. anbieten.</p>

<p>Was w&#228;re es f&#252;r ein Coup, k&#228;me man mit seinen Produkten in die Schulen hinein, zumindest in die finanziell relativ gut ausgestatteten Schulen der Industrienationen!</p>

<p>Microsoft ist dieser Coup schon gegl&#252;ckt: Ich kenne wenige Schulen, die nicht mit deren Betriebssystem arbeiten und so die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen an Windows gew&#246;hnen. „Word“ war ja nicht umsonst lange Zeit „Quasi-Standard“ bei Textverarbeitungsprogrammen. Das wird kaum noch thematisiert, aber in den meisten Schulen herrschen nach wie vor propriet&#228;re Systeme aus dem Hause Microsoft.</p>

<p>Das hat aber nicht verhindern k&#246;nnen, dass es Lehrer gibt, die andere Plattformen nutzen, sowohl propriet&#228;re als auch freie.</p>

<p>Das hat nicht verhindert, dass Sch&#252;ler privat auf anderen Plattformen arbeiten.</p>

<p>Nun aber gibt es Ger&#252;chte, dass ein weiterer Computerherrsteller einen Initiative zur Besetzung des Schulmarktes starten wolle. Apple, so hei&#223;t es, plane Kooperationen mit Schulbuchverlagen und wolle das iPad 2 massiv als Tr&#228;ger von Schulb&#252;chern und als Arbeitsger&#228;t in die Schulen hinein bringen.</p>

<p>Angeblich, so vernahm ich es aus dem unmittelbaren Schulbuchverlage-Umfeld, suche Apple auch schon Kooperationspartner in Deutschland.</p>

<p>Bereits auf der Buchmesse in Frankfurt erfuhr ich, dass die Schulbuchverlage an einer App arbeiten, die zur <a href="http://www.didacta-hannover.de/" target="_blank">Didacta</a> vorgestellt werde.</p>

<p>Ob das mehr als Ger&#252;chte sind, wei&#223; ich nicht. Ich nenne sie hier aber, weil sich in Gespr&#228;chen mit unterschiedlichen Personen diese Informationen f&#252;r mich verdichtet haben.</p>

<p>Aus meiner Sicht w&#228;re es logisch, wenn Apple in den Bildungssektor wollte. Microsoft hat vorgemacht, dass das geht.</p>

<p>Au&#223;erdem bietet Apple mit dem iPad eine geschlossene Plattform, was mehr Lehrern sympathisch sein d&#252;rfte, als Vertreter offener Plattformen vermuten d&#252;rften, denn viele Lehrer wollen so ziemlich alles kontrollieren k&#246;nnen, was Sch&#252;ler an Rechnern tun, sodass es in PC-R&#228;umen bereits heute in der Regel eine Software gibt, die Lehrenden Zugriff auf alle Bildschirme gibt und Interaktion mit den Nutzern dieser Rechner erlaubt.</p>

<p>Schulen arbeiten bis heute in der Regel nicht mit offenen, frei verf&#252;gbaren Bildungsmedien und Technologien. Statt freier Software auf Linuxbasis wird propriet&#228;re Software genutzt; statt freie Bildungsmedien zu kreieren, verf&#252;gbar zu machen und zu nutzen, werden Schulb&#252;cher und propriet&#228;re Arbeitsmaterialien nach wie vor sehr h&#228;ufig eingesetzt.</p>

<p>Die Angst der Bildungsmedienersteller vor „Digitalisaten“ aus Lehrerhand wurde in der <a title="Betreff: „#Schultrojaner“ || Liebe Schulbuchverlage!" href="http://herrlarbig.de/2011/11/01/betreff-schultrojaner-liebe-schulbuchverlage/">„Schultrojaner“-Diskussion </a>der vergangenen Wochen <a title="Phantomdebatte? – Kommentar zu einer „Wortregelung“ in Sachen „Schultrojaner“" href="http://herrlarbig.de/2011/12/12/phantomdebatte-kommentar-zu-einer-wortregelung-in-sachen-schultrojaner/">sehr deutlich</a>. (Und nebenbei: Es wurde von den Verlagen her nach wie vor kein offener Dialog mit den Lehrern und Lehrerinnen gesucht, es fand alleine ein Treffen von Lehrerverb&#228;nden, der Kultusministerkonferenz und den Schulbuchverlagen statt.)</p>

<p>Schulbuchverlage brauchen, um ihre Markt-Macht in den Schulen zu behalten und zu festigen, eine L&#246;sung, die das Schulbuch in das digitale Zeitalter bringt.</p>

<p>Schulbuchverlage werden dabei kaum auf offene Standards setzen wollen und k&#246;nnten also durchaus Zielgruppe eines Unternehmens wie Apple sein. Das iPad bietet gen&#252;gend Geschlossenheit, um sicherzustellen, dass blo&#223; kein b&#246;ser Lehrer „Digitalisate“ der digitalen Schulb&#252;cher erstellt, genug Geschlossenheit, um den Schulbuchmarkt weiter attraktiv zu halten.</p>

<p>Es k&#246;nnte eine starke Lobby geben, die eine solche Kooperation zwischen Schulbuchverlagen und Apple als Produzenten des iPads, bef&#252;rworten d&#252;rfte.</p>

<p>Es k&#246;nnte aber auch passieren, dass die deutschen Schulbuchverlage die Kooperation mit Apple verweigern und weiter auf analoge B&#252;cher und eine eigene App-L&#246;sung setzen w&#252;rden. – Ob Verhandlungen zwischen Apple und Schulbuchverlagen konkret stattgefunden haben, konnte ich den Ger&#252;chten nicht entnehmen, geschweige denn, wie diese ausgegangen sind.</p>

<p>Ich selbst w&#252;rde mir andere, <a title="#OER – Offene Bildungsmedien: Ich will Taten sehen! (&amp; Update zu #schultrojaner)" href="http://herrlarbig.de/2011/11/08/oer-offene-bildungsmedien-ich-will-taten-sehen-update-zu-schultrojaner/">offene L&#246;sungen</a> w&#252;nschen, die nicht auf eine spezielle Hardware und nur f&#252;r diese verf&#252;gbare Apps aufbauten.</p>

<p>Unterrichtsmaterial muss die Freiheit lassen, es auf Rechnern der eigenen Wahl nutzen zu k&#246;nnen. So sch&#228;tze ich <a href="http://www.digitaleschulebayern.de/" target="_blank">browsergest&#252;tzte Zug&#228;nge zu Lernmaterialien</a>, die von jeder Plattform aus genutzt werden k&#246;nnen und nicht auf spezielle Hardware angewiesen sind.</p>

<p>Andererseits: Wenn Schulen von Schulb&#252;chern auf digitale Bildungsmedien umstellen sollen / wollen, so w&#252;rden sie einheitliche Ger&#228;te ben&#246;tigen, wenn man nicht darauf bauen wollte, dass jeder Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin ein eigenes, elternfinanziertes digitales Endger&#228;t h&#228;tte, was letztlich die Lehrmittelfreiheit, die in manchen Bundesl&#228;ndern nach wie vor gegeben ist, in Frage stellen w&#252;rde.</p>

<p>Die Lehrmittelfreiheit, so sie auch die Datentr&#228;ger umfassen soll, verlangt also einheitliche Ger&#228;teinfrastrukturen f&#252;r zumindest eine Schule. – Diese L&#252;cke scheint Apple nun besetzen zu wollen.</p>

<p>Ich stelle mir vor, dass Apple die iPads in Kooperation mit den Schulbuchverlagen vertreiben – n&#228;heres werden wir <a href="http://www.zeit.de/digital/mobil/2012-01/apple-ipad-schulen-schulbuch/komplettansicht" target="_blank">in wenigen Tagen erfahren</a> – und die Schulbuchverlage aus Gr&#252;nden der Gewinnmaximierung darauf verzichten w&#252;rden, ihre digitalen Schulb&#252;cher f&#252;r unterschiedliche Tablet-Plattformen verf&#252;gbar zu machen.</p>

<p>Es gibt <a href="http://blog.fefe.de/?ts=b1f19f3b" target="_blank">kritische Stimmen</a>, die mich in ihrer harschen Art &#252;berraschen, da sie bez&#252;glich des Windows-Dauerzustandes an vielen deutschen Schulen eher zur&#252;ckhaltend vernehmbar waren (eigentlich sogar gar nicht).</p>

<p>F&#252;r Ersteller freier Bildungsmedien, den sog. Open Educational Ressources (OER), ergibt sich nicht erst angesichts der Ger&#252;chte um den Einstieg Apples in den Schulbuchsektor die Notwendigkeit darauf zu achten, diese Bildungsmedien so zug&#228;nglich wie nur m&#246;glich zu erstellen und zu verbreiten.</p>

<p>OER m&#252;ssen grunds&#228;tzlich von jedem Endger&#228;t mit jeder beliebigen Plattform erreichbar und zu nutzen sein.</p>

<p>Die vermutete, in Ger&#252;chten angek&#252;ndigte, vielleicht Wirklichkeit werdende Initiative Apples k&#246;nnte einen Nebeneffekt haben, der viel positiver ist, als es das reflexartige „Da ist ein Weltkonzern, der propriet&#228;re Hard- und Software durchdr&#252;cken, gleichzeitig die Kinder als Kunden aufbauen und an sich binden will und das ist b&#246;se!“ vermuten l&#228;sst.</p>

<p>Wenn man will, dass in Schulen digital vernetzte Strukturen produktiv f&#252;r Zwecke des Lernens genutzt werden, reichen nicht nur zwei, drei Computerr&#228;ume aus.</p>

<p>Wenn man digital unterst&#252;tzte Lernprozesse in Schulen haben will, dann braucht man daf&#252;r Hardware, Software, Netzinfrastruktur, idealerweise WLan.</p>

<p>Wo bitte soll das alles herkommen, angesichts der Finanzausstattung der Schulen, angesichts der heiklen Haushaltslagen, mit denen Schultr&#228;ger agieren m&#252;ssen?</p>

<p>Wie soll Zugang zu so interessanten OER-Materialien im Unterricht m&#246;glich sein, wie sie z. B. <a href="http://www.zum.de/Faecher/M/mathematik-digital/" target="_blank">Mathematik Digital</a> anbietet, wenn die Hardware und der Internetzugang gar nicht vorhanden sind?</p>

<p>Klar, die Kritik, wie sie <a href="http://blog.fefe.de/?ts=b1f19f3b" target="_blank">fefe</a> <del>&#228;u&#223;ert</del> verlinkt, fragt grunds&#228;tzlicher, ob hier an propriet&#228;re, geschlossene Systeme gew&#246;hnt werden solle (Verschw&#246;rungstheorie). Dass eine solche Gew&#246;hnung aber auch schon mit propriet&#228;ren Tintenpatronen-Formaten f&#252;r Schulf&#252;ller stattfindet, sei nur erw&#228;hnt.</p>

<p>Sollte Apple die Initiative ergreifen – oder ein anderer Anbieter, das ist mir egal, Hauptsache es tut endlich mal einer –, sollte auf diesem Wege tats&#228;chlich Hardware in Koppelung mit Schulb&#252;chern ihren Weg in die Schule finden und w&#228;re diese Hardware nicht nochmal zus&#228;tzlich verschlossener als sie es schon ist, z. B. durch Zugangsbeschr&#228;nkungen ins Internet, die auch OER-Seiten betr&#228;fen, dann b&#246;te sich die Chance, dass, so die Ger&#252;chte auch nur einen Teil der Wahrheit wiedergeben, Apple als Katalysator wirken k&#246;nnte, was die angesichts des Leitmedienwechsels notwendige Ver&#228;nderung von Schule und Unterricht angeht.</p>

<p>Es ist das eine, digital gest&#252;tzte Lernprozesse, digital erm&#246;glichte Zug&#228;nge zu Wissen und damit verbundene M&#246;glichkeiten des Zuwachses von Autonomie Lernender gut zu hei&#223;en.</p>

<p>Die andere Seite ist dann aber, dass man Antworten finden muss, wie solche Ver&#228;nderungsvorstellungen mit der notwendigen Infrastruktur ausgestattet werden k&#246;nnen, um sie umzusetzen.</p>

<p>Ich bewerte an dieser Stelle die Ger&#252;chte noch nicht abschlie&#223;end, da Apple immer f&#252;r &#220;berraschungen gut ist.</p>

<p>Ich f&#228;nde die Vorstellung sympathisch, dass es einen Ansto&#223; g&#228;be, der den Ver&#228;nderungsprozess in Schulen aktiv unterst&#252;tzen w&#252;rde; einen Ansto&#223;, der auch denjenigen, die bislang darauf verwiesen, dass es f&#252;r digitale Endger&#228;te im Unterricht kaum Schulb&#252;cher (in Deutschland) g&#228;be, ein wenig die Argumente n&#228;hme; einen Ansto&#223;, der Eltern, die sich l&#228;ngst w&#252;nschen, dass Kinder mehr an die Kompetenzen herangef&#252;hrt w&#252;rden, die f&#252;r eine aufgekl&#228;rte Bew&#228;ltigung des Leitmedienwechsels notwendig sind, neue Argumente gegen&#252;ber den Schulen, den Schultr&#228;gern und der Bildungspolitik g&#228;be.</p>

<p>Klar, das kann man alles auch viel kritischer sehen, man kann Verschw&#246;rungen vermuten, die die Kinder abh&#228;ngig von einer Plattform machen wollen etc. Auch ich k&#246;nnte so argumentieren, habe mich aber entschieden, an dieser Stelle dem Chancenblick Vorzug zu geben, da es die Kritik sowieso geben wird.</p>

<p>Wenn die Ger&#252;chte stimmen, w&#228;re mein Blick auf das, was da kommt, mit der Frage verbunden, wie ich das Angebot gegebenenfalls – in Frankfurts Schulen gibt es kein WLan, weil der Schultr&#228;ger das scheinbar nicht will, was die Umsetzung potentieller M&#246;glichkeiten bislang auf Lan-Optionen beschr&#228;nkt – nutzen k&#246;nnte, um zum Beispiel auch freie Bildungsmedien in den Unterricht zu integrieren, da mich ja niemand zwingen kann, nur die Schulb&#252;cher zu nutzen, die dann vielleicht in digitaler Form vorliegen w&#252;rden.</p>

<p>Es w&#228;re ein pragmatischer Blick, der aber auch die Frage geschlossener Systeme in der Schule thematisieren w&#252;rde, um nicht zu einer neuen „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/M&#252;ndigkeit_(Philosophie)" target="_blank">selbstverschuldeten Unm&#252;ndigkeit</a>“ beizutragen.</p>

<p>Warten wir ab, was letztlich pr&#228;sentiert werden wird. Im Idealfall w&#228;re es etwas, das Fahrt in den Sektor der Unterrichtsmaterialien bringen w&#252;rde, etwas, das andere Anbieter aufwecken w&#252;rde, sodass letztlich doch einen Vielfalt von Angeboten digitaler Unterst&#252;tzung des Lernens und zum Aufbau personalisierter Lernumgebungen entst&#252;nde, aus dem Schulen dann w&#228;hlen k&#246;nnen…<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>#Educamp – Bielefeld: Die Reisemetapher – oder: Das Ziel wird dennoch erreicht  #ecbi11</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 10:08:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der Zug kam schon vom Bahnsteig in Frankfurt nicht richtig weg. Kaum war er angefahren, blieb er ruckelnd wieder stehen. Dann schlich er, ein Modell des schnellsten und modernsten Zuges, der in Deutschland unterwegs ist, Richtung Frankfurter Flughafen. Doch bereits am &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/11/18/educamp-bielefeld-die-reisemetapher-oder-das-ziel-wird-dennoch-erreicht-ecbi11/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://educamp.mixxt.de" target="_blank"><img class="alignright" style="border-style: initial; border-color: initial; margin-top: 10px; margin-bottom: 10px; border-width: 0px;" src="http://elearning2null.de/learnmedia/ecbi11/banner_285px.png" alt="EduCamp Bielefeld :: 18.-20. November 2011" width="289" height="78" border="0" /></a></p>

<p>Der Zug kam schon vom Bahnsteig in Frankfurt nicht richtig weg.</p>

<p>Kaum war er angefahren, blieb er ruckelnd wieder stehen.</p>

<p>Dann schlich er, ein Modell des schnellsten und modernsten Zuges, der in Deutschland unterwegs ist, Richtung Frankfurter Flughafen. Doch bereits am Stadion kam die Ansage, dass der Zug am Flughafen enden w&#252;rde, da es eine St&#246;rung am Antrieb gebe, mit der man nicht nach K&#246;ln fahren k&#246;nne. </p>

<p>Werden eigentlich Z&#252;ge vor der Abfahrt nicht technisch gepr&#252;ft? Gibt es an einem so zentralen Knotenpunkt der Bahn, wie es Frankfurt nun einmal ist, keine Ersatzz&#252;ge?</p>

<p>Der Zug wurde ger&#228;umt und der n&#228;chste angebotene Zug Richtung K&#246;ln w&#228;re ca. 30 Minuten sp&#228;ter gefahren – allerdings nur bis K&#246;ln-Deutz. Ich musste aber zum Hauptbahnhof, um von dort meine Reise zum Educamp in Bielefeld fortsetzen zu k&#246;nnen.</p>

<p>Und da gab es einen ICE, der fr&#252;her fuhr. Ich bin rein gekommen. Ich habe einen Sitzplatz bekommen und dann – <span id="more-31896"></span>versp&#228;tete sich dieser ICE, weil er &#252;berf&#252;llt war und die Bahnmitarbeiter darauf warteten, dass das Volk den Zug doch bitte wieder verlasse. Das hat mit den angebotenen Alternativz&#252;gen dann auch geklappt, auch wenn die Bahn nicht sagte, dass diese Z&#252;ge garantiert funktionieren und au&#223;erdem noch gen&#252;gend Kapazit&#228;ten bieten w&#252;rden.</p>

<p>Kurz vor K&#246;ln wurde dann durchgesagt, dass mein Anschlusszug zu denen geh&#246;re, die nicht h&#228;tten warten k&#246;nnen. Das irritierte mich, denn wir kamen ja drei Minuten vor der offiziellen Abfahrtszeit dieses Zuges an. Und man musste auch nur von Gleis 5 auf Gleis 2. der Zug h&#228;tte nur zwei Minuten sp&#228;ter losfahren m&#252;ssen, dann h&#228;tten ihn wohl auch die Fahrg&#228;ste erreichen k&#246;nnen, die nicht so eilten, wie ich das tat. </p>

<p>Die Z&#252;ge, die ich bekommen konnte, fuhren nicht wie angek&#252;ndigt; den Zug, den ich mit Ank&#252;ndigung gar nicht h&#228;tte erreichen sollen, habe ich erreicht. </p>

<p>Nehme ich diese Erfahrungen mit in dieses Wochenende? kann da schnell mal ein Gleichnis draus gemacht werden?</p>

<p>Zu wissen, dass man ankommen wird; zu wissen, dass es Wege gibt, auch wenn ein Zug ausf&#228;llt, weil man ihn vor Bereitstellung nicht noch einmal technisch &#252;berpr&#252;ft hat, aber schlie&#223;lich nur noch davon auszugehen, dass man ankommen wird – nicht mal mit Umwegen, nur mit etwas zeitlicher Verz&#246;gerung — soll mir ein Bild daf&#252;r sein, wie sich die Entwicklung der Lernkultur in den n&#228;chsten Jahren wahrscheinlich darstellen wird. </p>

<p>Lernen wird viel digitaler werden. Das ist eine Entwicklung, aber das ist auch ein Ziel, wenn man das aufkl&#228;rerische  Potential von Bildungsprozessen voll nutzen will, denn nie zuvor gab es ein Instrument, das Menschen, denen die Ressourcen zu dessen Nutzung verf&#252;gbar sind, in einem solchen Ma&#223;e M&#246;glichkeiten der Partizipation gab, wie es das Internet und die ihm zugrunde liegende Digitalisierung erlauben. </p>

<p>Die Integration digitaler Lernformen, die das Lernen selbst ver&#228;ndern werden, ist sicher kein Selbstl&#228;ufer, sondern Bedarf der Entscheidung, dass gegenw&#228;rtige Entwicklungen so relevant sind, dass sie integriert werden sollen. Doch es scheint eine Breite Mehrheit zu geben, die diesen Weg f&#252;r vorgezeichnet ansehen und diesen Weg auch gehen wollen. </p>

<p>Dabei mag ein Zug mal mit Getriebeschaden stehen bleiben, ein anderer &#252;berf&#252;llt sein, ein Zug erreicht werden, der gar nicht mehr h&#228;tte erreicht werden d&#252;rfen, h&#228;tte man den Ansagen im versp&#228;teten Zug geglaubt. Am Ende werden wir in einer Lernkultur ankommen, die anders ist als die, die wir heute kennen.</p>

<p>Es wird keine Lernkultur sein, in der alles neu ist. So schnell &#228;ndern sich die lernphysiologischen Voraussetzungen des Menschen nicht.</p>

<p>Es werden aber andere Wege sein, die diesen lernphysiologischen Gegebenheiten offen stehen.</p>

<p>Es werden andere Orte sein, von denen aus gelernt werden kann, wenn das Internet erst einmal zuverl&#228;ssig und nahezu &#252;berall verf&#252;gbar ist und funktioniert. </p>

<p>Ich komme sp&#228;ter in Bielefeld an als geplant. Am Zug, in dem ich jetzt sitze, liegt es nicht, denn der ist &#252;berp&#252;nktlich. Es waren die modernen Schnellstrecken der deutschen Bahn, auf denen die Nachfrage heute nicht auf angemessene technische Zuverl&#228;ssigkeit traf.
 
Es sind sicher nicht die &#252;bervollen Wege im Netz, die uns den Weg in eine neue Lernkultur ebnen werden. Es sind nicht Facebook oder Google+ die Lernen pr&#228;gen werden, sondern eher die Nebenstrecken in Blogs, auf Plattformen engagierter Bildungsarbeiter, die sich in Vereinen oder in Einzelinitiativen vernetzen.</p>

<p>Das mag ein gewisses Durchhalteverm&#246;gen unabdingbar machen. Aber auch wenn eine Reise l&#228;nger dauert oder das Ziel nur &#252;ber Umwege erreicht werden kann: Auch dabei gibt es in den Landschaften vieles zu entdecken, was bei gerade Wegen und ohne Verz&#246;gerungen so wahrscheinlich nie entdeckt worden w&#228;re. <strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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			<media:title type="html">EduCamp Bielefeld :: 18.-20. November 2011</media:title>
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		<title>#OER – Offene Bildungsmedien: Ich will Taten sehen! (&amp; Update zu #schultrojaner)</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Nov 2011 23:18:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Update zur Entwicklung der Schultrojanerdebatte Fast bin ich den Verantwortlichen f&#252;r die Erfindung des „Phantoms“ „Schultrojaner“ dankbar. Ja, was da unter der Federf&#252;hrung Bayerns von der Kultuministerkonferenz, diversen Verwertungsgesellschaften und dem VdS Bildungsmedien erfunden wurde, ist ein Phantom, ein Gespenst, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/11/08/oer-offene-bildungsmedien-ich-will-taten-sehen-update-zu-schultrojaner/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Update zur Entwicklung der Schultrojanerdebatte</h2>

<h2><span class="Apple-style-span" style="color: #333333; font-weight: 300;">Fast bin ich den Verantwortlichen f&#252;r die Erfindung des „Phantoms“ „Schultrojaner“ dankbar. </span></h2>

<h2><span class="Apple-style-span" style="color: #333333; font-weight: 300;">Ja, was da unter der Federf&#252;hrung Bayerns von der Kultuministerkonferenz, diversen Verwertungsgesellschaften und dem VdS Bildungsmedien erfunden wurde, ist ein Phantom, ein Gespenst, dessen gegenw&#228;rtige Nicht-Existenz Grund genug bietet, in Grundsatzdebatten einzusteigen und an Visionen von Bildung zu arbeiten. </span></h2>

<h2><span class="Apple-style-span" style="color: #333333; font-weight: 300;">Wenn allerdings gesagt wird, der Schultrojaner existiere noch gar nicht, dann ist das nur die halbe Wahrheit. Immerhin existiert er als verbindliche Vereinbarung zwischen KMK und VdS Bildungsmedien. Er ist also in den K&#246;pfen der Entscheidungstr&#228;ger sehr wohl pr&#228;sent. – Pr&#228;sent ist er aber auch in den K&#246;pfen all derer, die die Umsetzung einer solchen Technik f&#252;r einen unangemessenen Eingriff in die Integrit&#228;t von Schulrechnern erachten und sich nicht mit technokratischen Zusagen, dass diese Software selbstverst&#228;ndlich sicher sein werde, abspeisen lassen. „Sicher“ w&#228;re der Staatstrojaner auch gewesen, wenn man Politiker und Lobbyvertreter nach ihm gefragt h&#228;tte. </span></h2>

<h2><span class="Apple-style-span" style="color: #333333; font-weight: 300;">War da nicht auch Bayern federf&#252;hrend? <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/streit-um-einsatz-des-staatstrojaners-bayern-ignoriert-urteil-zur-schnueffelsoftware-1.1159085" target="_blank">Ein Schelm der b&#246;ses denkt, wenn man h&#246;rt, dass der Vertrag zwischen KMK und VdS Bildungsmedien von Bayern federf&#252;hrend ausgehandelt wurde.</a> Da hat man nun ja wirklich einschl&#228;gige Erfahrungen mit Software zur Computer&#252;berwachung. </span></h2>

<h2><span class="Apple-style-span" style="color: #333333; font-weight: 300;">Gut, die Schulcomputer-Schn&#252;ffel-Software soll nicht heimlich an Schulen installiert werden, soll vorher getestet werden etc. Eine verdachtsunabh&#228;nige Infiltirierung der Schulrechner w&#228;re diese Software aber dennoch. </span></h2>

<h2><span class="Apple-style-span" style="color: #333333; font-weight: 300;">Das sehen offensichtlich viele so. Zuletzt hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Vereinbarung zwischen KMK und VdS Bildungsmedien scharf kritisiert und <a href="http://netzpolitik.org/2011/bundesjustizministerin-schultrojaner-war-arger-der-woche/" target="_blank">nannte den „Schultrojaner“ ihren „&#196;rger der Woche“</a>.</span></h2>

<h2>Hat der „<a title="Betreff: „#Schultrojaner“ || Liebe Schulbuchverlage!" href="http://herrlarbig.de/2011/11/01/betreff-schultrojaner-liebe-schulbuchverlage/" target="_blank">offene Brief</a>“ seine Zielgruppen erreicht?</h2>

<p>Auch wenn ich meinen Blogbeitrag von vergangener Woche als offenen Brief gestaltet habe, wurde er nur &#252;ber das Netz abgeschickt. Die Reichweite dieses Briefes war beeindruckend und kam f&#252;r mich vollkommen unerwartet.</p>

<p>Netzpolitik.org verbreitete ihn auf Twitter und der <a href="http://netzpolitik.org/2011/zweites-update-zum-schultrojaner/" target="_blank">Website</a>; <a href="http://www.fr-online.de/wissenschaft/verlagssoftware-lehrer-sind-entsetzt-ueber--schultrojaner-,1472788,11088832.html" target="_blank">Frankfurter Rundschau</a>, <a href="http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,795449,00.html" target="_blank">Spiegel online</a>, <a href="http://wissen.dradio.de/trojaner-lehrer-unter-generalverdacht.33.de.html?dram:article_id=13287" target="_blank">DRadio-Wissen</a> zitierten ihn und <a href="https://twitter.com/indiesemNetz" target="_blank">Sonja Sch&#252;nemann</a> von <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/2/0,3672,8365122,00.html" target="_blank">heute.de</a> telefonierte mit mir und schrieb &#252;ber das <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/2/0,3672,8365122,00.html" target="_blank">Thema</a>. heise.de stellte mir Fragen per E-Mail  f&#252;r einen Beitrag &#252;ber „<a href="http://www.heise.de/tp/artikel/35/35829/1.html" target="_blank">Offenes Lernmaterial</a>“, der heute erschienen ist.</p>

<p>&#196;u&#223;erungen der Verlage zum Thema<span id="more-29215"></span> habe ich keine wahrgenommen, der VdS Bildungsmedien hat eine <a href="http://www.vds-bildungsmedien.de/presse/aktuelle-meldungen/01-11-11-faq-plagiats-software/" target="_blank">FAQ-Seite</a> geschaltet, die auch weiter aktualisiert wird, und ein paar Pressestatements etwa gleichen Wortlauts abgegeben und schweigt seitdem beispielsweise auf <a href="https://twitter.com/#!/bildungsmedien/" target="_blank">Twitter</a>. Alleine einige Kultusbeh&#246;rden haben sich zum Thema ge&#228;u&#223;ert, als ob es sich alleine um ihr Problem handelt, obwohl der entsprechende <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/20110615gesamtvertragtext.pdf" target="_blank">Vertrag</a> auch von Verwertungsgesllschaften und dem VdS Bildungsmedien verabschiedet wurde.</p>

<h2>Bewusstseinwandel hin zu offenen Bildungsmedien (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Education" target="_blank">OER</a>)</h2>

<p>Es zeichnet sich ein Bewusstseinswandel zumindest bei den im Web pr&#228;senten und aktiven P&#228;dagogen ab und deshalb bin ich den Verantwortlichen f&#252;r die Erfindung des Phantoms „Schultrojaner“ fast dankbar. Es entwickelt sich nunmehr n&#228;mlich eine <a href="http://widerspiegel.wordpress.com/2011/10/31/freie-inhalte-im-bildungswesen-statt-kampf-mit-einem-schultrojaner/" target="_blank">Diskussion um Bildungsmedien</a>, die eine &#220;berwachung ihrer Nutzung &#252;berfl&#252;ssig machen, weil sie von Anfang an f&#252;r Unterrichtszwecke frei verf&#252;gbar sind.</p>

<h2>Voraussetzungen einer Diskussion</h2>

<p>Diese Diskussion ist ein Resultat der „Schultrojaner“-Debatte. Hier stelle ich eine Konzeption zur Diskussion, wie es &#252;ber die aktuelle Diskussion hinaus zu einer nachhaltigen Entwicklung qualitativ hochwertiger Bildungsmedien kommen kann, die die bereits verf&#252;gbaren Ressourcen einbindet, neue Kr&#228;fte f&#252;r diese Ressourcen freisetzt und gleichzeitig neue aktive Quellen motivieren soll.</p>

<p>Bei meinen Zielvorstellungen schlie&#223;e ich mich <a href="http://widerspiegel.wordpress.com/2011/10/31/freie-inhalte-im-bildungswesen-statt-kampf-mit-einem-schultrojaner/" target="_blank">Martin Kurz an, der in seinem Blog</a> schreibt:</p>

<blockquote><address>„Ich w&#252;nsche mir sehnlichst mehr <strong>freie Inhalte im Bildungswesen</strong>. &#196;hnlich dem Grundprinzip der „freien Software“ (bzw. dem Open-Source-Gedanken) sollten diese frei verf&#252;gbar sein. Dabei sind die, ich sage mal Randbedingungen wichtig: die Inhalte sollten</address>
<ul>
    <li>leicht auffindbar,</li>
    <li>strukturiert,</li>
    <li>inhaltlich gepr&#252;ft,</li>
    <li>als frei gekennzeichnet und</li>
    <li>in hoher didaktischer Qualit&#228;t“</li>
</ul>
</blockquote>

<p>Aber wie bekommen wir das hin? <a href="http://www.dotcomblog.de/?p=2276" target="_blank">Ans&#228;tze in Diskussion und Praxis gab es und gibt es immer wieder</a>, bislang ohne nachhaltigen Erfolg und ohne Effizienz im Rahmen eines Arbeitsfblaufs (Workflow).</p>

<p>Es gibt die <a href="http://zum.de" target="_blank">Zentrale f&#252;r Unterrichtsmedien</a>, <a href="http://de.wikibooks.org/wiki/Hauptseite" target="_blank">Wikibooks</a>, Versuche von <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/11/das-digitale-schulbuch-umsetzung-mit-wiki.htm" target="_blank">Lehrenden mit Wikis, eigene Schulb&#252;cher zu erstellen</a>, frei <a href="https://docs.google.com/spreadsheet/ccc?key=0Aouoi7BpzRy4dHZXdjhZUFIyOGY1Tmc3X1JfU1d6WkE#gid=0" target="_blank">verf&#252;gbare Moodlekurse</a> (diese Liste ist &#252;brigens schon einer erste konkrete Folge der <a href="https://twitter.com/networking_lady/status/133528230962536450" target="_blank">Diskussion auf Twitter</a>), Einzelmaterialien auf Webseiten von Lehrern, <a href="http://teachsam.de" target="_blank">teachsam.de </a>(auch wenn da nicht ganz klar ist, ob die Materialien ver&#228;ndert werden d&#252;rfen, weil unter © erschienen, aber grunds&#228;tzlich frei verf&#252;gbar sind sie scheinbar doch), es gibt <a href="http://4teachers.de" target="_blank">4teachers</a> (wobei sich hier die Frage nach der Qualit&#228;tskontrolle in Sachen Materialien dann schon stark stellt), Fachplattformen wie <a href="http://lernen-aus-der-geschichte.de/" target="_blank">Lernen aus der Geschichte</a>, <a href="http://www.rpi-virtuell.net/" target="_blank">rpi-virtuell</a> und <a href="http://rpp-katholisch.de" target="_blank">rpp-katholisch</a>, es gibt Einzelpersonen mit gro&#223;er Fachexpertise wie <a href="http://www.fachdidaktik-einecke.de/" target="_blank">G&#252;nther Einecke</a> und diese Liste lie&#223;e sich noch deutlich erweitern. M&#246;gen alle, die hier nicht genannt sind, in den Kommentaren ihre Links hinterlassen, so es sich wirklich um „freie Angebote“ handelt.</p>

<p>DIe Zahl der vorhandenen Ressourcen ist beeindruckend. Die Qualit&#228;t unterschiedlich, aber letztlich geh&#246;rt es auch zum Beruf des Lehrers, angemessene Kriterien f&#252;r die Bewertung von Material zu entwickeln, sodass mit dieser Schw&#228;che mancher Angebote durchaus gelebt werden kann.</p>

<p>Neben diesen speziell auf Schule hin ausgerichteten Seiten gibt es zahlreiche unterrichtsrelevante Seiten im Netz, die zwar copyrightgesch&#252;tztes Material anbieten, aber nicht explizit Bildungsmedienanbieter sind, sodass f&#252;r diese Angebote andere Nutzungsm&#246;glichkeiten bestehen. Dar&#252;ber hinaus ist das Material online verf&#252;gbar und man kann damit arbeiten, ohne etwas kopieren zu m&#252;ssen. Da f&#228;ngt bei Wikipedia an und gliedert sich je nach Fach sehr unterschiedlich auf.</p>

<h2>Diskussionsvorschlag</h2>

<p>In meinem Diskussionsvorschlag geht es nun alleine um die Frage der Vernetzung bereits vorhandener und neu entstehender Angebote f&#252;r freie, unterrichtsbezogene Bildungsmedien. Andere Anbieter d&#252;rfen sich gerne an der Verbreitung des Gedankens einer offen zug&#228;nglichen Bildung beteiligen.</p>

<p>Ich schlage vor, sich erst mit dem ganzen Entwurf vertraut zu machen, bevor an Einzelstellen gearbeitet wird.</p>

<p>Ich gliedere meinen Diskussionvorschlag in drei an Zeitr&#228;umen orientierten Zielhorizonte. Das ist alles diskutierbar und ich stelle diesen Diskussionsvorschlag zur Bearbeitung auch als <a href="http://type.riecken.co/p/OER-Dikussion" target="_blank">Etherphad</a> zur Verf&#252;gung.</p>

<ol>
    <li><strong>Nahziele</strong>: Von der aktuellen Debatte ausgehend Strategien entwickeln, mit deren Hilfe der Open-Education-Gedanke im deutschen Sprachraum nachhaltig sichtbar gehalten wird und nicht nach einigen Wochen wieder in der Versenkung verschwindet.</li>
    <li><strong>Mittelfristige Ziele</strong>, die auf die Frage hin ausgerichtet sind, wie eine Vernetzung vorhandener Materialienpools und Einzelmaterialien m&#246;glich wird, die effiziente Suchstrategien erlaubt und gleichzeitig anregende Zufallsfunde erm&#246;glicht.</li>
    <li><strong>Langfristige Ziele</strong>, die auf eine Ver&#228;nderung der Grundeinstellung aller an Bildungsprozessen in Bezug auf die Rolle von Bildungsmedien hin ausgerichtet sind und dabei einen nachhaltigen Bewusstseinwandel bewirken, der zur Umsetzung der strukturellen Ziele f&#252;hrt, die in der <a href="http://www.capetowndeclaration.org/translations/german-translation" target="_blank">Kapstadt Open Education Declaration</a> formuliert werden.</li>
</ol>

<h3>1. Nahziele (6 Wochen)</h3>

<p>Immer wieder beginnt die Debatte um offen und frei verf&#252;gbare Bildungsmedien, ohne dass es bislang gelungen ist, diese Debatte sichtbar und somit langfristig in das Bewusstsein der Akteure in schulischen Zusammenh&#228;ngen zu bringen.</p>

<ul>
    <li>Deshalb w&#252;nsche ich mir, dass Webseiten, die sich aktiv durch Bereitstellung freier Bildungsmedien an der praktischen Umsetzung des Open-Education-Gedankens beteiligen oder / und die aktiv an der theoretischen Weiterentwicklung dieses Konezptes beteiligt sind, dies deutlich sichtbar ausdr&#252;cken k&#246;nnen. Ich w&#252;nsche mir <strong>ein Logo mit hohem Wiedererkennungswert</strong>, dass frei zur Verf&#252;gung steht und fordere Designer, insbesondere jene, die mir via Twitter bereits angeboten haben, sich zu beteiligen, auf, ein solches Logo zu entwickeln. Da ich kein Geld f&#252;r solche Zwecke verf&#252;gbar habe, kann ich f&#252;r ein solches Logo nichts bezahlen, es sei denn es findet sich jemand, der f&#252;r einen Logowettbewerb Preise aussetzen mag. Dieses Loge m&#252;sste unter einer CC-Lizenz stehen. Wenn Vorschl&#228;ge f&#252;r ein solches Logo bei mir eingehen (E-Mail: OER-Logo[at]herrlarbig.de – <strong>Einsendeschluss: 30.11.2011 – 18:00 Uhr</strong>] w&#252;rden diese Entw&#252;rfe zur Abstimmung freigegeben. Zweck dieses Logos: Wer auf Bildungsseiten surft, soll immer wieder dem OER-Gedanken begegnen und dar&#252;ber hinaus soll das Logo dazu beigetragen, die Pr&#228;senz des Gedankens (optisch) zu verstetigen. Dazu w&#228;re eine eing&#228;ngie <strong>Wort-Bild-Marke</strong> hilfreich, wie sie z. B. f&#252;r „<a href="http://www.hardbloggingscientists.de/mitmachen/" target="_blank">hard blogging scientists</a>“ bereits vorliegt (Aktiv sind unter diesem Label z. B. <a href="http://cspannagel.wordpress.com/" target="_blank">Christian Spannagel</a>, <a href="http://www.olivertacke.de/" target="_blank">Oliver Tacke</a>, <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/" target="_blank">Florian Freist&#228;tter</a> oder <a href="http://www.schmidtmitdete.de/" target="_blank">Jan Schmidt</a>). Das Manifest, dass es dort zu lesen gibt, sollte f&#252;r die OER-Lehrer die <a href="http://www.capetowndeclaration.org/translations/german-translation" target="_blank">Kapstadt Open Education Declaration</a> sein. Vorschl&#228;ge f&#252;r einen <strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Claim_(Werbung)" target="_blank">Claim / Slogan</a> </strong>bitte direkt hier anf&#252;gen:</li>
    <li>Austausch mit Interessierten und Akteuren in diesem Kontext. Dieser Austausch hat &#252;ber Twitter unter dem Hashtag #sb20 (steht f&#252;r Schulbuch 2.0) oder auch unter #schultrojaner bereits begonnen. Konkrete Vor-Ort-Begegnungen einiger Akteure in diesem Bereich finden in K&#252;rze im Rahmen des Mitgliedertreffens der Zentrale f&#252;r Unterrichtsmedien statt, das dieses Jahr unter dem Motto „<strong><a href="http://www.zum.de/treffen2011/">Lehrer spinnen Netze und Ideen</a></strong>“ am 12. November in Mainz stattfinden wird. Eine Woche sp&#228;ter wird das Thema absehbar beim <a href="http://educamp.mixxt.de" target="_blank">Educamp an der Laborschule in Bielefeld</a> diskutiert werden, an dem 200 in Bildungszusammenh&#228;ngen stehende oder an diesen interessierte Personen teilnehmen werden. Im Rahmen dieser Begegnungen werden hoffentlich konkrete Projekte gestartet, wie das mit Materialien weitergehen kann, die keinen Schultrojaner zur &#220;berwachung des Urheberrechtes „provozieren“, weil es nichts zu &#252;berwachen, da diese Materialien frei verf&#252;gbar sind.</li>
    <li>Evaluation bisheriger Schritte und Weiterentwicklung der Vision auf Basis der Erfahrungen mit dem Ziel der Formulierung neuer Kurzfristziele.</li>
</ul>

<h3>Mittelfristige Ziele (12 Monate)</h3>

<ul>
    <li>Ich bin kein Fan von Datenzentralismus. Ich w&#252;nsche mir also keine weitere Plattform wie zum.de, wikibooks, rpi-virtuell etc., auf der nun noch einmal offene Bildungsmedien zentralisiert verf&#252;gbar gehalten werden, mit allen (auch finanziellen) Herausforderung, die mit einer solchen Zentralisierung verbunden sind. Ich denke vielmehr an ein Modell, wie ich es im Rahmen des <a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/" target="_blank">OpenCourse „Zukunft der Bildung“</a> kennengelernt haben: Entsprechende Materialien werden mit einem bestimmten Schlagwort versehen und anhand dessen zentral gesammelt. Podcastverzeichnisse funktionieren &#228;hnlich, dort wird nur gesammelt, dort sind diese Materialien greifbar, ohne dass die Materialien dort auch hinterlegt werden m&#252;ssten. Kollegen ohne eigene Blogs und Websites sollten motiviert werden, die vorhandenen Gemeinschaftsseiten (s.o. und andere) zu verwenden. Wie der Inhalt von solchen Gemeinschaftseiten in ein zentrales Verzeichnis eingespeist werden k&#246;nnten? Da bitte ich um Initiative technisch versierter, seri&#246;ser Leute. Sollten vorhandene Infrastrukturen wie zum Beispiel von zum.de etc. da Anschlussm&#246;glichkeiten bieten, why not.</li>
    <li>Entwicklung von Qualit&#228;tssicherungkriterien f&#252;r OER-Bildungsmedien verbunden mit einem Peer-Review-System, dass sich der Ressourcen des Internets bedient. (Ich wei&#223;, dass es ein solches System braucht – leidige Erfahrungen mit „Materialb&#246;rsen f&#252;r Lehrer“ – und glaube auch, dass es &#252;ber Kommentaroptionen zu Beitr&#228;gen hinaus gehen muss. Wie es aber konkret aussehen soll, dazu w&#252;nsche ich mir Vorschl&#228;ge im <a href="http://type.riecken.co/p/OER-Dikussion" target="_blank">Diskussions-Etherpad</a> zu diesem Diskussionsvorschlag.</li>
</ul>

<div>F&#228;cherbezogene Beitr&#228;ge (Mittelfristziele – 12 Monate)</div>

<ul>
    <li>Deutschunterricht: Kl&#228;rung, wie gemeinfreie Klassiker so online verf&#252;gbar gemacht werden k&#246;nnen, dass sie zitierbar sind bzw. wo solche bereits verf&#252;gbar sind (Wikisource bietet einige mit Seitenz&#228;hlung, ebenso zeno.org). Dramen m&#252;ssten mit Verszahlen versehen sein, um Sch&#252;lern anbieten zu k&#246;nnen, digitale Versionen zu lesen, statt auf Schullekt&#252;ren der Schulbuchverlage zur&#252;ckzugreifen. (Zu bearbeitende Textstellen in Klausuren m&#252;ssten dann eben vom Lehrer ausgedruckt verf&#252;gbar gemacht werden) Wenn ich es richtig gelesen habe, wird Wikimedia auf dem Educamp in Bielefeld dabei sein. Ich w&#252;rde mich freuen, wenn wir in diese Richtung ins Gespr&#228;ch kommen k&#246;nnten, denn OER brauchen idealerweise starke Partner wie die Wikipediabewegung, um eine breite &#214;ffentlichkeit nachhaltig zu erreichen.</li>
</ul>

<div>Im folgenden weitere F&#228;cher, deren mittelfristigen fachspezifischen Ziele bitte auf dem Etherpad erarbeitet werden, Erg&#228;nzungen fehlender F&#228;cher sind nat&#252;rlich m&#246;glich!</div>

<ul>
    <li>Mathematik</li>
    <li>Englisch</li>
    <li>Franz&#246;sisch</li>
    <li>Latein</li>
    <li>Physik</li>
    <li>Chemie</li>
    <li>Biologie</li>
    <li>Politik und Wirtschaft</li>
    <li>Ethik</li>
    <li>Religion (kath)</li>
    <li>Religion (ev)</li>
    <li>Kunst</li>
    <li>Musik</li>
    <li>Sport</li>
    <li>…</li>
    <li>Evaluation bisheriger Schritte und Weiterentwicklung der Vision auf Basis der Erfahrungen mit dem Ziel der Formulierung neuer Mittelfristziele.</li>
</ul>

<h3>Langfristige Ziele (3 Jahre)</h3>

<ul>
    <li>Langfristig geht es um eine Konsolidierung der Kurzfrist- und Mittelfristziele und ein Hinwirken auf eine grunds&#228;tzliche Ausrichtung des deutschen Bildungssytems auf offene Bildungsans&#228;tze, wie sie in der  <a href="http://www.capetowndeclaration.org/translations/german-translation" target="_blank">Kapstadt Open Education Declaration</a> formuliert sind, wobei diese nicht nur f&#252;r die schulische Bildung gelten d&#252;rfen, sondern auch f&#252;r universit&#228;re Kontexte zur Selbstverst&#228;ndlichkeit werden m&#252;ssen. Dabei ist durchaus die Vernetzung mit der <a href="http://open-access.net/" target="_blank">OpenAccess-Bewegung</a> w&#252;nschenswert.</li>
    <li><a href="https://bildung.enquetebeteiligung.de/instance/bildung" target="_blank">Ver&#228;nderungen im Urheberrecht, die gesetzlich festschreiben</a>, dass Materialien f&#252;r Lehrzwecke in der Schule (Bildungsmedien), die weitgehend aus Steuergeldern finanziert werden, Bearbeitungsrechte zwingend voraussetzen. Es ist eine Form zu finden, die Schulbuchverlage als Dienstleister f&#252;r die Schulen ernst nimmt, denn diese nehmen im Idealfall eine Servicefunktion f&#252;r Lehrende ein, da sie arbeitsentlastend wirken k&#246;nnen. In diesem Sinne sollte auch bei den Schulbuchverlagen darauf hin gearbeitet werden, dass das Bewusstsein Einkehr h&#228;lt, dass diese Servicedienstleister sind und den kontinuierlichen ernst gemeinten Dialog mit Lehrern und Lehrerinnen (nicht nur mit den Kultusbeh&#246;rden) pflegen m&#252;ssen.</li>
    <li>Entwicklung von Modellen der Bezahlung von Leistungen im Bereich der Erstellung von freien Bildungsmedien. Zum einen sollen Autoren, die z. B. f&#252;r Schulbuchverlage OER erarbeiten, angemessen verg&#252;tet werden.  Die Schulbuchverlage k&#246;nnten dann z. B. f&#252;r Ihre Infrastruktur-, Betreuungs-, Lektorats-, Distributions-Servicedienstleistungen etc. bezahlt werden, also f&#252;r alles, was Lehrende entlastet, statt, wie bisher, f&#252;r gedruckte Werke. Diese Bezahlung k&#246;nnte &#252;ber Lizenzvereinbarungen mit der KMK erfolgen, aber auch &#252;ber Lizenzen der Schultr&#228;ger, einzelner Schulen etc. Auf diesem Wege b&#246;ten sich f&#252;r die Verlage auch Innovationsm&#246;glichkeiten, Entwicklungsoptionen f&#252;r das digitale 21. Jahrhundert. Zum anderen sollten Lehrende, die aktiv, kontinuierlich und nachweisbar OER von hoher Qualit&#228;t er- und bereitstellen, dies in Form von Entlastungsstunden anerkannt bekommen, die in der jeweiligen Dienstbeschreibung auch als solche mit einem konkreten Auftrag verbunden festgehalten werden.</li>
    <li>Evaluation bisheriger Schritte und Weiterentwicklung der Vision auf Basis der Erfahrungen mit dem Ziel der Formulierung neuer Langfristziele.</li>
</ul>

<div>Soweit dieser <a href="http://type.riecken.co/p/OER-Dikussion" target="_blank">Diskussionsvorschlag</a>. Ich bin neugierig, inwiefern die Diskussion on- und teilweise auch offline fruchtbar, effizent, nachhaltig und auf lange Sicht f&#252;r alle Beteiligten bereichernd sein wird, sodass wir hier und heute beginnen, neben all den Reformen rund um PISA nicht &#252;ber neue Reformen, sondern &#252;ber neue Visionen f&#252;r Schule und Bildung nachzudenken.</div>

<blockquote>
<div>Nachtrag: Gerade startete <a href="http://cspannagel.wordpress.com/2011/11/16/komm-ins-offene-freund/" target="_blank">eine Blogparade zum Thema OER, deren Organisation Christian Spannagel &#252;bernommen hat und zu der ich diesen Beitrag gerne einreiche</a>.</div></blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/12/12/phantomdebatte-kommentar-zu-einer-wortregelung-in-sachen-schultrojaner/" rel="bookmark" title="12. Dezember 2011">Phantomdebatte? – Kommentar zu einer „Wortregelung“ in Sachen „Schultrojaner“</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/01/18/education-education-education/" rel="bookmark" title="18. Januar 2010">Education! Education! Education!</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2012/01/14/apples-ipad-und-das-schulbuch-geruchte-und-einschatzungen/" rel="bookmark" title="14. Januar 2012">Apples iPad und das Schulbuch – Ger&#252;chte und Einsch&#228;tzungen</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/11/17/vorspiel-zum-educamp-das-motto-neue-lernkulturen-entwickeln-und-vernetzen-ecbi11/" rel="bookmark" title="17. November 2011">Vorspiel zum #Educamp – Das Motto: „Neue Lernkulturen entwickeln und vernetzen“ – #ecbi11</a></li>
</ul>

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	</item>
		<item>
		<title>Von den Gegebenheiten zum Traum 1: Der das © achtende Lehrer. (K)ein Beitrag zum #Schultrojaner</title>
		<link>http://herrlarbig.de/2011/11/04/von-den-gegebenheiten-zum-traum-1-der-das-achtende-lehrer-kein-beitrag-zum-schultrojaner/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 Nov 2011 17:52:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Begleiten wir heute einen das Copyright achtenden Lehrer ein wenig durch seinen Alltag. Aber Vorsicht! Sie werden dabei ungeahnten Problemen begegnen, die Sie, wenn Sie &#252;ber gro&#223;es Einf&#252;hlungsverm&#246;gen verf&#252;gen, gemeinsam mit dem Lehrer in das Reich des Wahnsinns treiben k&#246;nnen. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/11/04/von-den-gegebenheiten-zum-traum-1-der-das-achtende-lehrer-kein-beitrag-zum-schultrojaner/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Begleiten wir heute einen das Copyright achtenden Lehrer ein wenig durch seinen Alltag.</p>

<p>Aber Vorsicht!</p>

<p>Sie werden dabei ungeahnten Problemen begegnen, die Sie, wenn Sie &#252;ber gro&#223;es Einf&#252;hlungsverm&#246;gen verf&#252;gen, gemeinsam mit dem Lehrer in das Reich des Wahnsinns treiben k&#246;nnen.</p>

<p>Sagen Sie nicht, ich h&#228;tte Sie nicht gewarnt!<span id="more-28127"></span></p>

<p>Bildungsmedien – sprich: Schulb&#252;cher – traditioneller Art haben sich als sensible Form des Mediums f&#252;r den Unterricht heraus gestellt. So sensibel, dass den Lehrern der kreative Umgang mit ihnen fast nicht m&#246;glich ist, denn traditionelle Schulb&#252;cher unterliegen dem Copyright.</p>

<p>Der hier angenommene Lehrer mag das Copyright eigentlich sehr und achtet es nach bestem Wissen und Gewissen. Aber traditionelle Bildungsmedien sind mittlerweile in ein Alter gekommen, in dem sie mit Samthandschuhen angefasst werden m&#252;ssen, in dem man nicht mehr viel mit ihnen machen darf, wenn man legal mit ihnen umgehen will. – Unser Lehrer hier will legal mit ihnen umgehen. Und er will Bildungsmedien bearbeiten d&#252;rfen. Er will jeden Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin angemessen f&#246;rdern. Und das geht mit B&#252;chern, die die Klasse und das Kind nicht kennen, nur schwer.</p>

<p>Der Lehrer hingegen kennt die Klasse. Der Lehrer kennt die Kinder in denen von ihm unterrichteten Klassen zumindest so gut, dass er wei&#223;, was einem Kind beim Lernen helfen kann und was nicht. Nun gibt es im Schulbuch z. B. Material, das f&#252;r das eine Kind gut geeignet ist, ein anderes jedoch &#252;ber- oder unterfordern w&#252;rde.</p>

<p>Gut, denkt sich der Lehrer, das Problem l&#228;sst sich l&#246;sen. Ich hatte doch das richtige Material f&#252;r das andere Kind in dem anderen Schulbuch gefunden. Das sind zwei Seiten, die darf ich kopieren, denn das Schulbuch ist ja dicker als 20 Seiten, zwei Seiten sind also weniger als 12%.</p>

<p>Aber, denkt unser Lehrer, vielleicht will ein  drittes Kind beide Aufgaben machen, es gibt doch nicht nur diese zwei.</p>

<p>Also macht dieser Lehrer aus zwei B&#252;chern von je zwei Seiten Kopien und bastelt daraus ein Arbeitsblatt, mit dem er meint, die Bed&#252;rfnisse der Kinder in dieser einen Klasse abdecken zu k&#246;nnen. – Der Lehrer wei&#223; zwar, dass er aus B&#252;chern in beschr&#228;nktem Ma&#223; kopieren darf. Er ist aber ein Fan des Copyrights, er achtet die geistigen Leistungen Dritter und wird unsicher: „Darf ich denn Material neu zusammenf&#252;gen und es dann kopieren, solange es im Rahmen der Vorgaben bleibt, die ich <a href="http://www.schulbuchkopie.de/fragen_antworten.html" target="_blank">hier</a> finde?</p>

<p>Unser angenommener Lehrer stellt mit Schrecken fest, dass er auf der Website und in der zu Beginn des Jahres 2011 verteilten <a href="http://www.schulbuchkopie.de/pdf/Kopierbroschuere_2009.pdf" target="_blank">Brosch&#252;re</a>, die vom Sekretariat der Kultusministerkonferenz und dem VdS Bildungsmedien e. V. herausgegeben wurde, keine Antwort auf diese ganz spezielle Frage entdeckt.</p>

<p>Er geht davon aus, dass er Materialien aus zwei B&#252;chern zu einem Arbeitsblatt verarbeiten darf, wenn er die Quellen darauf notiert, und beginnt mit Schere und Papier zu basteln. Das ungute Gef&#252;hl bleibt. Er wei&#223; nicht, ob er das darf, was er da tut. Diese Unsicherheit macht den Lehrer unruhig und m&#252;de und er schneidet daneben, sodass von dem einen Text Teile fehlen.</p>

<p>„Ach Mann“, denkt der Lehrer, „der Kopierer ist doch mit dem Computer verbunden, ich scanne das jetzt ein, f&#252;ge die Texte dann zusammen und drucke sie aus.“ – Und jetzt hat dieser Lehrer potentiell ein echtes Problem. <em>Das darf er n&#228;mlich nicht.</em> Das verbietet das
Gesetz &#252;ber Urheberrecht und verwandte Schutzrechte im <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__53.html" target="_blank">Paragraphen 53</a>. Dieser Paragraph ist zwar nur schwer zu lesen, das hat unser Lehrer dann aber doch verstanden.</p>

<p>Er macht es trotzdem, denn die Schule hat das Budget f&#252;r neue B&#252;cher aufgebraucht, die Eltern haben auch schon zus&#228;tzliche Schullekt&#252;ren gekauft und er will den Kindern das optimale Material auch optisch sch&#246;n verf&#252;gbar machen, sch&#246;ner als es ihm per Hand in der Regel gelingt.</p>

<p>Ach, w&#228;re es sch&#246;n, wenn es gutes Material g&#228;be, das ohne mentalen Stress so bearbeitet werden darf und kann, dass m&#246;glichst alle Kinder in der Klasse ein Lernangebot bekommen. „Das ist zwar Arbeit, aber ehrlich“, so fl&#252;stert er mir ersch&#246;pft ins Ohr, „der Stress besteht darin, dass ich st&#228;ndig das Gef&#252;hl habe, in den Augen der Schulbuchverlage was falsch zu machen und damit zu derem finanziellen Untergang beizutragen. Was soll ich denn dann machen? Ich kann mit meinem Stundendeputat vielleicht f&#252;r ein Drittel der Stunden pro Woche in angemessener Zeit eigene Materialien erstellen, f&#252;r die anderen Klassen h&#228;tte ich, wenn mein Kopierverhalten zur Pleite der Schulbuchverlage f&#252;hrte, dann nur noch solange Material, wie es die alten Schulb&#252;cher noch tun.“</p>

<p>Erschrocken &#252;ber sein Tun, zuckt er zusammen, ein tiefes Schuldgef&#252;hl wabert durch ihn hindurch: „Das aber will ich nicht!“, ruft er, l&#246;scht die Dateien, schaltet den Kopierer aus und nimmt nun eben dieses eine Schulbuch f&#252;r seinen Unterricht, das an der Schule f&#252;r die Jahrgangsstufe vorhanden ist und das die Sch&#252;ler nun ausgeteilt bekommen.  Er st&#246;&#223;t zwar immer wieder darauf, dass  der Unterricht besser w&#228;re, wenn er kreativ bastelnd von Material aus unterschiedlichen Quellen ausgehen k&#246;nnte, um so jeweils f&#252;r unterschiedliche Klassen mit unterschiedlichen Anspr&#252;chen, Materialien zu erstellen, die das Lernen der Kinder in diesen Klassen jeweils optimal unterst&#252;tzen, aber am Ende will er es nicht gewesen sein, der die Arbeitspl&#228;tze in den Schulbuchverlagen auf dem Gewissen hat.</p>

<p>Zufrieden ist dieser Lehrer nicht. Er wei&#223;, dass er das Lernen der Kinder besser unterst&#252;tzen k&#246;nnte. Als rechtschaffener B&#252;rger, als Fan des Copyrights – und nat&#252;rlich aus Angst, dass sein Tun f&#252;r die Sch&#252;ler zu disziplinarischen Ma&#223;nahmen gegen ihn f&#252;hren k&#246;nnte, wie er es dem <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/20110615gesamtvertragtext.pdf" target="_blank">Gesamtvertrag zur Einr&#228;umung und Verg&#252;tung von Anspr&#252;chen nach § 53 Urheberrechtsgesetz (UrhG)</a> dem Paragrafen 6 Abschnitt 7 entnommen hat – lebt er mit dieser Unzufriedenheit, frisst sie in sich hinein.</p>

<p>In §6 Abschnitt 7 hei&#223;t es:</p>

<blockquote><address>„Die L&#228;nder verpflichten sich, bei Bekanntwerden von Verst&#246;&#223;en gegen die in diesem Gesamtvertrag festgelegten Vorgaben f&#252;r das Vervielf&#228;ltigen von urheberrechtlich gesch&#252;tzten Werken gegen die betreffenden staatlichen Schulleiter und Lehrkr&#228;fte disziplinarische Ma&#223;nahmen einzuleiten. Zivil- und strafrechtliche Anspr&#252;che der Rechteinhaber bleiben unber&#252;hrt.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/11/04/von-den-gegebenheiten-zum-traum-1-der-das-achtende-lehrer-kein-beitrag-zum-schultrojaner/#footnote_0_28127" id="identifier_0_28127" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der VdS Bildungsmedien e. V., der als Lobbyverband die Schulbuchverlage vertritt, schreibt in einer &bdquo;FAQ zur Pr&amp;#252;f-Software f&amp;#252;r digitale Kopien&ldquo; (sic!: &bdquo;f&amp;#252;r&ldquo; steht da, nicht etwa &bdquo;gegen&ldquo; &ndash; das sind die Feinheiten der PR-Sprache):&nbsp;&bdquo;Wie und durch wen wird auf Verst&amp;#246;&amp;#223;e reagiert?
 Das ist allein Sache der Schultr&amp;#228;ger.&ldquo;&sect;5 Abschnitt 7 im &nbsp;Gesamtvertrag zur Einr&amp;#228;umung und Verg&amp;#252;tung von Anspr&amp;#252;chen nach &sect; 53 Urheberrechtsgesetz (UrhG)&nbsp;sagt meines Erachtens ganz klar etwas anders. Das &bdquo;Wie&ldquo; ist festgelegt (disziplinarisch). Und die Tatsache, dass zivil- und strafrechtliche Anspr&amp;#252;che der Rechteinhaber unber&amp;#252;hrt bleiben widerspricht einer Aussage in der&nbsp;&nbsp;&bdquo;FAQ zur Pr&amp;#252;f-Software f&amp;#252;r digitale Kopien&ldquo;:&bdquo;Was passiert mit den Daten, die die Software ermittelt? Werden diese an die Verlage weitergegeben?
Nein. Die Informationen direkt aus der Software stehen allein dem Schultr&amp;#228;ger zur Verf&amp;#252;gung. Die Verlage werden lediglich einmal j&amp;#228;hrlich von den L&amp;#228;ndern &amp;#252;ber die &amp;#220;berpr&amp;#252;fungen informiert. Dabei ist der Datenschutz zu ber&amp;#252;cksichtigen: Die Verlage wissen zu keinem Zeitpunkt, wann welche Schule wie &amp;#252;berpr&amp;#252;ft wurde, die L&amp;#228;ndern berichten (in anonymisierter Form) lediglich &amp;#252;ber Art und Umfang der Rechtsverletzungen.&ldquo;Wie bitte soll dieses klare &bdquo;Nein&ldquo; damit einhergehen, dass zivil- und strafrechtliche Anspr&amp;#252;che der Verlage unber&amp;#252;hrt bleiben? Wie sollen die denn durchgesetzt werden, wenn die Daten nicht an die Verlage weiter gegeben werden? Soll der Schultr&amp;#228;ger dann auch noch den Schadenersatz bei seinen Lehrern f&amp;#252;r den VdS eintreiben?">1</a></sup></address></blockquote>

<p>Unser Lehrer hat in Abschnitt 4 dieses Paragrafen 6 gelesen, dass eine Software den Schultr&#228;gern helfen soll, eventuelle Rechtsverst&#246;&#223;e zu ermitteln. Er hat, <a href="http://netzpolitik.org/2011/der-schultrojaner-eine-neue-innovation-der-verlage/" target="_blank">nachdem Markus Beckedahl auf diese hingewiesen</a> hat und <a title="Betreff: „#Schultrojaner“ || Liebe Schulbuchverlage!" href="http://herrlarbig.de/2011/11/01/betreff-schultrojaner-liebe-schulbuchverlage/" target="_blank">auch dieses Blog hier dazu schrieb</a>, mitbekommen, dass es diese Software noch gar nicht gibt, aber er ist v&#246;llig verunsichert: Sein Dienstherr scheint zumindest bereit, im Rahmen der Erstellung der Rechtssicherheit f&#252;r die Schultr&#228;ger, Ermittlungsarbeiten f&#252;r die Schulbuchverlage zu &#252;bernehmen. Anders kann unser angenommener Lehrer die Aussagen in diesem <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/20110615gesamtvertragtext.pdf" target="_blank">Gesamtvertrag zur Einr&#228;umung und Verg&#252;tung von Anspr&#252;chen nach § 53 Urheberrechtsgesetz (UrhG</a>) nicht verstehen. Ob er das falsch verstanden hat.</p>

<p>Auf all das ist unser Lehrer gesto&#223;en, <em>weil er das Copyright mag und es achtet</em>.</p>

<p>Der Lehrer kommt ins Gr&#252;beln: „Ich habe das Copyright geachtet, obwohl ich doch besseres Material erstellen k&#246;nnte, wenn ich digitales Material habe, das ich auch bearbeiten darf. Es w&#252;rde mir dann leichter fallen, differenzierendes, den Bildungsprozess der Kinder f&#246;rderndes Material zu erstellen. Und da ich nicht noch neben dem Schulbuch jedes Mal eigenes Material erstellen kann, dazu reicht die Zeit nicht, nutze ich eben das Schulbuch, damit ich zumindest etwas Material habe, dass didaktisch ja auch nicht schlecht ist, aber eben f&#252;r diese Lerngruppe nicht optimal.“</p>

<p>Und der Lehrer kommt mehr und mehr zu dem Schluss, dass hier eine Werteverschiebung stattgefunden hat, die zumindest einen Teil der Qualit&#228;t von Bildung den &#246;konomischen Grenzen des Urheberrechts unterwirft. Er bem&#252;ht sich wirklich, er ist auch bereit mehr Stunden zu arbeiten, als eigentlich vorgesehen sind. Und wenn er mit vorhandenem Material digital basteln d&#252;rfte, ja, es sogar digital vorl&#228;ge, dann k&#246;nnte er in verantwortbarer Zeit wirklich f&#252;r die von ihm geleiteten Lerngruppen angemessen differenzierendes Lernmaterial erstellen. So aber gelingt ihm das nur hin und wieder, so aber nutzt er das Material, dass von Schulbuchverlagen gekauft wurde, das didaktisch durchdacht ist, aber eben leicht optimiert werden k&#246;nnte, wenn er, der Lehrer, mit seiner Kompetenz f&#252;r die konkrete Lerngruppe da ran d&#252;rfte…</p>

<p style="text-align: center;">Der Lehrer ist mit dieser Situation nicht zufrieden. Er beginnt zu tr&#228;umen…</p>

<p>(Fortsetztung folgt…)</p>

<blockquote><address>Bis die Fortsetzung soweit ist, unser Lehrer seinen Traum erz&#228;hlen kann, k&#246;nnen hier nat&#252;rlich eigene Geschichten beim Erstellen von Unterrichtsmaterial als das copyright sch&#228;tzender Lehrer oder Lehrerin notiert werden.</address><address>Und um das Thema Differenzierung weiter zu verfolgen, kann zum dieser Beitrag von <a href="http://www.vielfalt-lernen.de/2011/11/04/vielfalt-im-klassenzimmer-–-die-groste-herausforderung-fur-die-schule-der-zukunft/" target="_blank">J&#246;rg Dr&#228;ger</a> gelesen werden.</address><address>Was den noch auszuformulierenden Traum angeht, sei <a href="http://www.dotcomblog.de/?p=2276" target="_blank">ein kleiner Hinweis</a> gegeben.</address></blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/11/01/betreff-schultrojaner-liebe-schulbuchverlage/" rel="bookmark" title="1. November 2011">Betreff: „#Schultrojaner“ || Liebe Schulbuchverlage!</a></li>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/12/12/phantomdebatte-kommentar-zu-einer-wortregelung-in-sachen-schultrojaner/" rel="bookmark" title="12. Dezember 2011">Phantomdebatte? – Kommentar zu einer „Wortregelung“ in Sachen „Schultrojaner“</a></li>
</ul>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_28127" class="footnote">Der VdS Bildungsmedien e. V., der als Lobbyverband die Schulbuchverlage vertritt, schreibt in einer „<a href="http://www.vds-bildungsmedien.de/presse/aktuelle-meldungen/01-11-11-faq-plagiats-software/" target="_blank">FAQ zur Pr&#252;f-Software f&#252;r digitale Kopien</a>“ (sic!: „f&#252;r“ steht da, nicht etwa „gegen“ – das sind die Feinheiten der PR-Sprache): </address><address><em><strong>„Wie und durch wen wird auf Verst&#246;&#223;e reagiert?</strong></em>
<em> Das ist allein Sache der Schultr&#228;ger.“</em></address><address>§5 Abschnitt 7 im  <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/20110615gesamtvertragtext.pdf" target="_blank">Gesamtvertrag zur Einr&#228;umung und Verg&#252;tung von Anspr&#252;chen nach § 53 Urheberrechtsgesetz (UrhG)</a> sagt meines Erachtens ganz klar etwas anders. Das „Wie“ ist festgelegt (disziplinarisch). Und die Tatsache, dass zivil- und strafrechtliche Anspr&#252;che der Rechteinhaber unber&#252;hrt bleiben widerspricht einer Aussage in der  „FAQ zur Pr&#252;f-Software f&#252;r digitale Kopien“:</address><address><em><strong>„Was passiert mit den Daten, die die Software ermittelt? Werden diese an die Verlage weitergegeben?</strong></em>
<em>Nein. Die Informationen direkt aus der Software stehen allein dem Schultr&#228;ger zur Verf&#252;gung. Die Verlage werden lediglich einmal j&#228;hrlich von den L&#228;ndern &#252;ber die &#220;berpr&#252;fungen informiert. Dabei ist der Datenschutz zu ber&#252;cksichtigen: Die Verlage wissen zu keinem Zeitpunkt, wann welche Schule wie &#252;berpr&#252;ft wurde, die L&#228;ndern berichten (in anonymisierter Form) lediglich &#252;ber Art und Umfang der Rechtsverletzungen.“</em></address><address><em></em>Wie bitte soll dieses klare „Nein“ damit einhergehen, dass zivil- und strafrechtliche Anspr&#252;che der Verlage unber&#252;hrt bleiben? Wie sollen die denn durchgesetzt werden, wenn die Daten nicht an die Verlage weiter gegeben werden? Soll der Schultr&#228;ger dann auch noch den Schadenersatz bei seinen Lehrern f&#252;r den VdS eintreiben?</li></ol>
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		<title>Von der Umwertung von Werten oder: Kritische Anmerkungen zur „PostPrivacy“</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Oct 2011 17:08:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anonymit&#228;t galt fr&#252;her gilt als ein grundlegendes Recht des B&#252;rgers in einer Demokratie. Wann ich mich wo aufgehalten habe, wann ich mit wem telefonierte, wem ich wann einen Brief schrieb etc., ging geht weder den Staat noch irgendwelche Firmen etwas &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/10/11/von-der-umwertung-von-werten-oder-kritische-anmerkungen-zur-postprivacy/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anonymit&#228;t <del>galt fr&#252;her</del> gilt als ein grundlegendes Recht des B&#252;rgers in einer Demokratie. <em>Wann</em> ich mich <em>wo</em> aufgehalten habe, <em>wann</em> ich <em>mit wem telefoniert</em>e, <em>wem</em> ich <em>wann</em> einen <em>Brief</em> schrieb etc., <del>ging</del> geht weder den Staat noch irgendwelche Firmen etwas an.</p>

<p>F&#252;r den Staat <del>gab</del> gibt es <em>eine</em> Ausnahme: Wenn der berechtigte Verdacht <del>bestand</del> besteht, dass ein B&#252;rger schwere kriminelle Handlungen plant oder durchf&#252;hrt, <del>konnten</del> kann das Brief- und das Telefongeheimnis von einem Richter ohne Wissen der betroffenen Person eingeschr&#228;nkt werden. – Diese M&#246;glichkeiten gibt es heute auch noch, aber die Begehrlichkeiten der Sicherheitsbeh&#246;rden scheinen mit den M&#246;glichkeiten zur &#220;berwachung zu steigen.</p>

<p>Grunds&#228;tzlich aber <del>gilt</del> galt einmal: Der B&#252;rger kann sich unbeobachtet bewegen, unbeobachtet telefonieren, unbeobachtet Briefe schreiben und unbeobachtet seine Schreibmaschine benutzen.</p>

<p>Kurioserweise ist der Begriff „Anonymit&#228;t“ in den vergangenen Jahren mehr und mehr mit negativen Assoziationen verbunden worden, die „Anonymit&#228;t“ nicht mehr als ein grundlegendes Freiheitsrecht verstehen, sondern diese<span id="more-19380"></span> grunds&#228;tzlich mit der Frage rechtswidriger Handlungen verbinden. Fr&#252;her lautete die Grundannahme, dass der Staat  erst genauer hinschauen darf, wenn ein B&#252;rger berechtigten Anlass zur Annahme gibt, er sei in <em>schwere</em> kriminelle Handlungen verwickelt.</p>

<p>Dann kam die Kamera&#252;berwachung durch Polizeibeh&#246;rden. Und erstmals h&#246;rte ich den Satz: „Wer nichts zu verbergen hat, muss die Kamera&#252;berwachung auch nicht f&#252;rchten.“ Dann kam die Kamera&#252;berwachung durch Privatunternehmen (Bahn, &#214;ffentlicher Personennahverkehr…). „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu bef&#252;rchten.“ – Ein Resultat der Kamera&#252;berachung: Es gibt heute medial verwertbare Videoaufzeichnungen von Verbrechen, die aber trotz Kamera&#252;berwachung ver&#252;bt wurden.</p>

<p>Bei der Kamera&#252;berwachung des „&#246;ffentlichen“ Raums kann man bereits heute vermuten, dass nicht, wie versprochen, die Sicherheit zugenommen hat, sondern dass alleine die Aufkl&#228;rung von Verbrechen eine neue M&#246;glichkeit bekommen hat. Polizisten vor Ort k&#246;nnten Verbrechen verhindern, Kameras k&#246;nnen diese nur dokumentieren.</p>

<p>Mit dem Aufkommen des Internets wurde die Sache noch komplizierter, weil Kommunikation neue Wege ging.</p>

<p>Vor allem der Brief wurde in vielen F&#228;llen von der E-Mail abgel&#246;st, was um so erstaunlicher ist, weil eine E-Mail in etwa so offen ist, wie eine Postkarte und dem Brief eigentlich nur die <em>verschl&#252;sselte</em> E-Mail &#228;quivalent w&#228;re – und zwar mit einem wirklich privaten Schl&#252;ssel verschl&#252;sselte E-Mail. Ich spreche hier weder von <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kritik-am-E-Postbrief-waechst-1044814.html" target="_blank">E-Post-Briefen</a> noch von <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Scharfe-Kritik-am-De-Mail-Gesetzentwurf-im-Bundestag-1184961.html" target="_blank">DE-Mail</a>, da diese ja gerade nicht sicherstellen, dass alleine der Absender und Empf&#228;nger das Dokument lesen k&#246;nnen.</p>

<p>Die Implementierung von Verschl&#252;sselungstechnologien in die allt&#228;glich verwendeten Programme hat nach wie vor so gut wie nicht stattgefunden. Selbst verschl&#252;sselter Zugriff auf ein E-Mail-Postfach kostet bei manchen E-Mail-Anbietern extra, obwohl es eigentlich Standard sein m&#252;sste.</p>

<p>Da es technisch relativ einfach ist, unverschl&#252;sselte Kommunikation mitzulesen, ist es nat&#252;rlich naheliegend, dass der Staat auf den Gedanken kommen kann, dass man doch mal sicherheitshalber die Provider verpflichtet, die zentralen Daten der Kommunikation zu speichern, damit man, sollte es zu einem Verbrechen kommen, auf diese Daten zur&#252;ckgreifen k&#246;nne, die zumindest sagen, wer wann mit wem kommuniziert hat, wo jemand war, der mit dem Handy telefoniert hat oder auf ihm angerufen wurde und au&#223;erdem, wer wann welche Website aufgerufen hat. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vorratsdatenspeicherung" target="_blank">Dies nennt man „Vorratsdatespeicherung“ oder auch „Mindestdatenspeicherung“.</a></p>

<p>In nicht digitale Zeiten &#252;bertragen h&#228;tte dies bedeutet, dass nicht nur gespeichert worden w&#228;re, wann man wen angerufen hat und wie lange, sondern auch noch von wo aus, was in reinen Festnetzzeiten nicht so schwer festzustellen war, und dar&#252;ber hinaus auch noch, welche B&#252;cher man kauft, in der Bibliothek leiht, weiche Zeitung man liest, welche Zeitschriften man bevorzugt, welche Fernsehsender man schaut etc.</p>

<p>Obwohl <a href="http://netzpolitik.org/2011/vorratsdatenspeicherung-wird-verfassungswidrig-fortgefuhrt/" target="_blank">das BVerG das erste Gesetzt zur Vorratsdatenspeicherung verworfen hat, ohne dass dies manche Telekomunikationsanbieter scheinbar gro&#223; gest&#246;rt hat</a>, steht nach wie vor <a href="http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2006:105:0054:0063:DE:PDF" target="_blank">eine EU-Richtlinie</a> im Raum, die genau diese will.</p>

<p>Darum geht es hier aber weniger. Hier geht es um den Mentalit&#228;tswechsel, der in den vergangenen Jahren vorangetrieben wurde. Denn <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/diskussion-um-klarnamen-im-netz-innenminister-friedrich-heizt-debatte-an-1714282.html" target="_blank">mittlerweile gibt es Politiker, die fordern, dass man im Internet doch eigentlich immer mit seinem Klarnamen unterwegs sein solle</a>. Die logische Konsequenz ist dann der bei der Geburt dem Menschen eingepflanzte Chip, der daf&#252;r sorgt, dass man immer und &#252;berall mit Klarnamen unterwegs ist. Betritt man ein Gesch&#228;ft, wird man von den Angestellten mit Namen begr&#252;&#223;t, weil der auf dem Bildschirm erschienen ist, reist man von A nach B wei&#223; die Polizei immer, wo man ist, vielleicht aber auch der Arbeitgeber etc.</p>

<p>Wir erleben zur Zeit, in kleinen Schritten, einen radikalen (gewollten, systematisch betriebenen?!) Mentalit&#228;tswandel, der den Begriff der Privatsph&#228;re mehr und mehr ver&#228;ndert, ja, verdunsten l&#228;sst.</p>

<p>Im Hintergrund dieses Wandels werden Bedrohungsszenarien als Begr&#252;ndung genutzt, die mit dem 11. September 2001 einen H&#246;hepunkt erlebten. Aber diese von staatlichen Seiten genutzten Begr&#252;ndungen sind bei diesem radikalen Mentalit&#228;tswandel nur in kleines R&#228;dchen im Getriebe. Wesentlich aktiver sind wirtschaftliche Interessen am Abbau der Privatsph&#228;re beteiligt.</p>

<p>Es ist kein Zufall, dass Facebook und Google+ im Idealfall nur Anmeldungen mit Klarnamen haben wollen, was sie &#252;brigens von Twitter unterscheidet.</p>

<p>Es ist kein Zufall, dass ich bei Bestellungen im Internet nicht die M&#246;glichkeit habe, meine Daten bei jeder Bestellung neu einzugeben und meine Daten nach dem Abschluss eines Gesch&#228;ftes wieder gel&#246;scht werden, sondern dass &#252;berall „Profile” erstellt werden, deren Zweck es ist, personalisierte Angebote zu machen, mit denen die Hoffnung verbunden wird, dass man dann mehr kaufe.</p>

<p>Einst gab es solche Profile auch: Im Kopf des Fachh&#228;ndlers, der seine Kunden kannte und sie deshalb wirklich pers&#246;nlich beraten konnte! Ich war von ein paar Buchh&#228;ndlern sehr beeindruckt, die mir immer sagen konnte, welche B&#252;cher aus dem Reigen der Neuerscheinungen mit wohl gefallen k&#246;nnten. Es gab nur einen Unterscheid: Das war wirklich personalisiert, auch auf der Seite des Anbieters. Und wenn ein Empfehlung mal nicht stimmte, sagte ich das dem Buchh&#228;ndler.</p>

<p>Man versuche sich einmal bei einem personalisiertem Profil im Kontext eines Interneth&#228;ndlers zu beschweren oder eine Reklamation vorzubringen und man wird merken, dass die Personalisierung einseitig ist und sich dadurch grundlegend von der pers&#246;nlichen Beratung durch den Fachh&#228;ndler unterscheidet: Verlie&#223; ein Verk&#228;ufer ein Gesch&#228;ft, verlie&#223; in der Regel auch das Wissen um den Kunden das Gesch&#228;ft. Computer hingegen generieren Profile v&#246;llig unabh&#228;ngig vom Personal, das gerade in der Firma arbeitet. Einen pers&#246;nlichen Ansprechpartner habe ich in der Regel nicht.</p>

<p>Der Fachh&#228;ndler musste &#252;brigens weder wissen, wie ich hei&#223;e, wo ich wohne und wo ich sonst noch einkaufen gehe.</p>

<p>Digitale Vermarktungsstrategien, auch die Strategien zur Platzierung von Werbung, die mehr und mehr m&#246;glichst an pers&#246;nlichen Profilen ausgerichtet sein soll, werden bislang vor allem mithilfe von Personalisierung und Zur&#252;ckdr&#228;ngung der Privatsph&#228;re verfolgt. Geld wird mit der Vermarktung solcher Daten verdient.</p>

<p>Irgendwann wird es dann interaktive Plakatw&#228;nde geben, auf denen immer genau die Werbung auftauchen wird, die optimal an die gerade auf dem Bahnsteig wartenden Zugg&#228;ste angepasst ist, weil Mittelwerte aus den Profilen dieser Passanten erstellt werden k&#246;nnen.</p>

<p>Irgendwann wird vor jedem Platz im Zug ein Bildschirm platziert sein, auf dem ein personalisiertes Programm f&#252;r den jeweiligen Fahrgast, inklusive angepasster Werbung, laufen wird.</p>

<p>Irgendwann wird uns in kommerziellen Kontexten immer genau die Welt gezeigt, die auf die individuellen Interessen ausgerichtet ist und somit Kaufimpulse setzen will. Das Fremde, Neue, Unerwartete, das in diesem Leben so anregend ist, wird weniger werden.</p>

<p>Und weil wirtschaftliche Interessen scheinbar so harmlos sind, ist es so schwer, den grunds&#228;tzlich mit ihnen verbundenen gesellschaftlichen Wandel in digitalen Zeiten zu sehen oder zu vermitteln, denn personalisierte Angebote sind doch was tolles: Mir wird die Arbeit abgenommen, immer suchen zu m&#252;ssen, was mir gef&#228;llt. Und dass ich bei diesem Suchen Dinge finden k&#246;nnte, die ich nicht erwartet h&#228;tte, die mich ansprechen, obwohl sie meinen Interessen scheinbar zuwiderlaufen, mag ja nett sein, aber so wichtig ist das auch nicht.</p>

<p>All das mag stimmen. Der Preis ist aber, dass das Verst&#228;ndnis von Privatsph&#228;re radikal ver&#228;ndert wird. Ich sage jetzt ganz bewusst nicht „sich ver&#228;ndert“, sondern „ver&#228;ndert wird“, weil hinter den Prozessen, die diese Ver&#228;nderungen herbei f&#252;hren, ganz klar erkennbare Interessen stehen. Vielleicht ist das Interesse nicht explizit die Umwertung des Begriffs der Privatsph&#228;re und der Anonymit&#228;t im allt&#228;glichen Leben, implizit findet diese Umwertung statt.</p>

<p>Die Wege der Profilbildung und des Hineinf&#252;hrens des freien, anonym und unbeobachtet seinen Alltag gestaltenden B&#252;rgers in die selbst verschuldete Bevormundung durch personalisierte Angebote sind vielf&#228;ltig: Kundenkarten, Profilbildungen bei Kreditkartenunternehmen, zunehmende Einf&#252;hrung personalisierter Registrierungspflichten und am umfassendsten im Kontext so genannter „sozialer Netzwerke“, deren Ziel nicht die Vernetzung ist. Diese ist vielmehr Voraussetzung f&#252;r das Gesch&#228;ftsmodell dieser Gro&#223;konzerne. Was dem Benutzer solcher Netzwerke auf der Oberfl&#228;che als „Nutzen“ angeboten wird, ist die Fassade, die den Rechenprozessen im Hintergrund &#252;bergest&#252;lpt wird, die den eigentlichen Nutzen der Netzwerke bilden, indem sie Daten nutzbar machen, die fr&#252;her (in der Regel) anonym blieben: Wer kennt wen, trifft sich mit wem, redet &#252;ber was, kauft wo was ein, geht wann in welchen Kinofilm, h&#246;rt welche Musik, kauft welche B&#252;cher, tritt welchen Fanpages bei etc.</p>

<p>Nat&#252;rlich: Wenn man nichts zu verbergen hat, braucht man all diese Aufl&#246;sung der Anonymit&#228;t, der Privatsph&#228;re nicht zu f&#252;rchten.</p>

<p>Wenn man kein Problem damit hat, dass man vom Staat unter Generalverdacht gestellt wird, indem m&#246;glichst alle Kontaktdaten aller Bundesb&#252;rger und -b&#252;rgerinnen erstmal gespeichert werden (bei Privatunternehmen, die damit in gro&#223;e Versuchung gef&#252;hrt werden!), dem kann dieses Schwinden der Privatsph&#228;re gleichg&#252;ltig sein.</p>

<p>Wenn man kein Problem damit hat, dass Profilbildung stattfindet, die personalisierte Angebote mit sich bringt, dabei aber die Privatsph&#228;re immer weiter verdr&#228;ngt und immer mehr Bereich des Privatlebens der wirtschaftlichen Verwertbarkeit zug&#228;nglich macht, man also immer seltener den &#246;konomischen Interessen um einen herum entgehen kann, der hat mit der Aufl&#246;sung von Anonymit&#228;t und Privatsph&#228;re im Internet kein Problem.</p>

<p>Wer kein Problem damit hat, dass Wirtschaft nicht mehr im Dienst der Menschen gedacht, sondern der Mensch nur noch im Dienst der Wirtschaft gesehen wird, indem Computer die Funktionalisierung des Individuums f&#252;r Interessen anderer vorantreiben, den werden das Schwinden der Privatsph&#228;re und der Anonymit&#228;t des Individuums im &#246;ffentlichen Raum nicht sonderlich viel ausmachen.</p>

<p>Wer aber der Meinung ist, dass das Individuum einen Wert an sich hat; wer der Meinung ist, dass der Mensch einen Anspruch auf Privatsph&#228;re hat, in die nicht st&#228;ndig der Staat oder Konzerne Einblick haben – ja, selbst dann, wenn man „nichts zu verbergen“ hat –; wer der Meinung ist, dass auch die Nutzung moderner Medien, wie dem Computer und dem Internet, m&#246;glich sein sollte, ohne dass st&#228;ndig jemand speichert, was wir gerade tun, der d&#252;rfte ein Problem mit dem Schwinden der Privatsph&#228;re und der Umwertung des Begriffs der „Anonymit&#228;t“ zu einem vorwiegend negativ verstandenen Begriff haben.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Lesekompetenz und Ausdrucksf&#228;higkeit – Beobachtungen</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 19:47:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Beobachtung, dass Jugendliche oft Probleme beim den Sinn eines Textes erfassenden und interpretierenden (=verstehenden) Lesen haben, ist hinl&#228;nglich bekannt; die enge Verbindung schriftlicher Ausdrucksf&#228;higkeit mit der Lesef&#228;higkeit wird ebenso umfassend beschrieben. F&#252;r mich zeigen sich diese Ph&#228;nomene an folgenden &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/10/04/lesekompetenz-und-ausdrucksfahigkeit-beobachtungen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Beobachtung, dass Jugendliche oft Probleme beim den Sinn eines Textes erfassenden und interpretierenden (=verstehenden) Lesen haben, ist hinl&#228;nglich bekannt; die enge Verbindung schriftlicher Ausdrucksf&#228;higkeit mit der Lesef&#228;higkeit wird ebenso umfassend beschrieben.</p>

<p>F&#252;r mich zeigen sich diese Ph&#228;nomene an folgenden Punkten (in unterschiedlicher Intensit&#228;t in den unterschiedlichen Altersstufen, aber in allen Altersstufen (10–19 Jahre) beobachtbar).<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/10/04/lesekompetenz-und-ausdrucksfahigkeit-beobachtungen/#footnote_0_1692" id="identifier_0_1692" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich erhebe hier nicht den Anspruch etwas Neues zu sagen oder eine empirisch unangreifbare Darstellung zu verfassen, sondern stelle im Rahmen dieses Blogs genau die Diskussionsgrundlage zur Verf&amp;#252;gung, die ein privates Blog zun&amp;#228;chst einmal schaffen kann. Dabei gehe ich aber dennoch davon aus, dass die hier beschriebenen Beobachtungen und meine &amp;#220;berlegungen zum Umgang mit den Ph&amp;#228;nomenen mehr als eine Privatmeinung sind.">1</a></sup>:</p>

<ul>
    <li>Beim Vorlesen von Texten<span id="more-1692"></span> werden &#252;berraschend h&#228;ufig sinntragende W&#246;rter entweder ausgelassen (ohne dass sich in allen F&#228;llen ein „Protest“ der mitlesenden Jugendlichen regen w&#252;rde) oder durch andere, grammatikalisch passende, den Sinn aber verschiebende, W&#246;rter ersetzt, ohne dass ich hierbei bislang ein klares Muster sehen k&#246;nnte. Dabei handelt es sich nicht um Jugendliche mit diagnostizierter Lese-Rechtschreib-Schw&#228;che.</li>
    <li>Arbeitsauftr&#228;ge, selbst in Klassenarbeiten und Klausuren, werden nicht vollst&#228;ndig rezipiert und wichtige Teile einer notwendigen Bearbeitung ausgelassen. Dabei beobachte ich, dass es viele Jugendliche gibt, die die ihrer Auffassung nach wichtigen Aufgabenteile (mit einem Textmarker) anstreichen und dann scheinbar die Textteile ausblenden, die ihnen nicht entgegen „leuchten“. Dieses Ph&#228;nomen gibt es auch beim Markieren von literarischen oder Sachtexten, sodass wesentliche Details in den Texten bei der weiteren Bearbeitung nicht weiter ber&#252;cksichtigt werden.</li>
    <li>Texte werden weitgehend auf den Inhalt hin gelesen, Hinweise auf den Kontext des Textes werden dabei au&#223;en vor gelassen. Das Erlernen der Ber&#252;cksichtigung formaler Textelemente als Teil der Voraussetzung eines angemessenen Verstehens von Texten f&#228;llt vielen Jugendlichen enorm schwer. Dementsprechend schwer f&#228;llt vielen Jugendlichen das „Interpretieren“. Interpretieren bezieht sich hier sowohl auf die m&#252;ndliche also auch auf die schriftliche Form der Erarbeitung von Textinhalten, die &#252;ber die reine Handlungs- bzw. Inhaltsebene hinausgehen.</li>
    <li>Die Ausdrucksf&#228;higkeit jenseits der Orthographie ist bei &#252;berraschend vielen Jugendlichen nicht sonderlich ausgepr&#228;gt. Vor allem in den Bereichen des Satzbaus, des Ausdrucks und der Grammatik beobachte ich eine deutliche Differenz zwischen dem Wissen &#252;ber die jeweiligen Regeln und der F&#228;higkeit, diese f&#252;r eigene Texte fruchtbar werden zu lassen.</li>
    <li>Immer wieder sto&#223;e ich auf in meinen Augen einfache W&#246;rter, die im Wortschatz der Jugendlichen bislang keinen Platz gefunden haben. In eine &#228;hnliche Richtung geht meine Beobachtung, dass die Herleitung von Ableitungen aus W&#246;rtern, die bekannt sind oder aus dem Sinnzusammenhang eines Textes, h&#228;ufig erst dann funktioniert, wenn auf den Zusammenhang hingewiesen wurde. Die Nutzung vorhandenen Sprachwissens zum Verstehen &#228;hnlicher Ph&#228;nome oder Begriffe bedarf sehr h&#228;ufig der Hinweise, dass ein Zusammenhang besteht.</li>
    <li>Verbindungen zwischen im Unterricht (unterschiedlicher F&#228;cher) erarbeiteten Wissenszusammenh&#228;ngen im Kontext des Lesens und Schreibens, werden von vielen Jugendlichen wenig bis gar nicht hergestellt bzw. zur Verkn&#252;pfung und Vertiefung der vorhandenen Wissensbest&#228;nde genutzt. Der Unterricht in den unterschiedlichen F&#228;chern scheint f&#252;r viele Jugendliche eine jeweils in sich selbst abgschlossene Welt zu sein und f&#228;cher&#252;bergreifendes bzw. F&#228;cher verbindendes Arbeiten muss in vielen F&#228;llen erst m&#252;hsam gelernt werden – ohne immer von nachhaltigem Erfolg gekr&#246;nt zu sein.</li>
    <li>Die m&#252;ndliche Ausdrucksf&#228;higkeit weicht teilweise deutlich von der schriftlichen ab, auch wenn es im m&#252;ndlichen Bereich ebenso zahlreiche Ph&#228;nomene gibt, die auf Ausdrucksschw&#228;chen hinweisen und die gar nicht alle korrigiert werden k&#246;nnen, da dies 1. die Jugendlichen entmutigen w&#252;rde, sich am Unterrichtsgespr&#228;ch zu beteiligen und sie 2. oft &#252;berh&#246;rt werden bzw. gar nicht alle erinnert werden k&#246;nnen. Auff&#228;llig ist jedoch die Tendenz, in unvollst&#228;ndigen S&#228;tzen zu sprechen und kaum einmal zu l&#228;ngeren zusammenh&#228;ngenden m&#252;ndlichen Darstellungen der eigenen Gedanken zu kommen.</li>
    <li>In den Bereich der m&#252;ndliche Ausdrucksf&#228;higkeit geh&#246;rt auch, das Referate und Pr&#228;sentation weitgehend abgelesen und meist ohne erkennbares Interesse am Wecken der Neugier der Zuh&#246;renden gestaltet werden, was auch daran liegt, dass diese Darstellungsformen von Jugendlichen oft als etwas gesehen, werden, das man „f&#252;r den Lehrer“ macht. Das erkl&#228;rt die mit diesen Ausdrucksformen verbundenen Probleme im Bereich der Ausdrucksf&#228;higkeit aber nicht wirklich, so sehr ich auch zunehmend der Meinung zustimme, dass Referate so ziemlich das langweiligste Mittel sind, das im Unterricht eingesetzt werden kann – zumindest dann, wenn sie keine kognitiven Prozesse in einer Lerngruppe zu aktivieren verm&#246;gen.</li>
</ul>

<p>Es gibt zahlreiche, wissenschaftlich fundierte Ans&#228;tze zur Beschreibung der Anforderungen, die eine angemessene Lesekompetenz („reading literacy“) zu erf&#252;llen hat<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/10/04/lesekompetenz-und-ausdrucksfahigkeit-beobachtungen/#footnote_1_1692" id="identifier_1_1692" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. hierzu die zahlreichen Arbeiten von Norbert Groeben, aber auch: Cornelia Rosebrock, Lesesozialisation und Lesef&amp;#246;rderung &ndash; literarisches Leben an der Schule, in: Michael K&amp;#228;mper van den Boogarrt (Hg.), Deutschdidaktik. Ein Leitfaden f&amp;#252;r die Sekundarstufen I und II, Berlin 2003, 153&ndash;174.">2</a></sup>. Der Rahmen der zu erreichenden Lesekompetenz wurde in den vergangenen Jahren abgesteckt. Deshalb stellt sich die Frage, wie diese Kompetenz erreicht werden kann – und ob Schule strukturell dazu &#252;berhaupt in der Lage ist.</p>

<p>Bevor ich meine &#220;berlegungen zu dieser Frage ausf&#252;hre, m&#246;chte ich einige, den oben aufgez&#228;hlten Beobachtungen tendenziell zuwider laufende Beobachtungen festhalten:</p>

<ul>
    <li>&#220;berraschend viele Jugendliche sind in der Lage im Rahmen freien Schreibens spannende Geschichten zu erz&#228;hlen.</li>
    <li>Beim freien (kreativen) Schreiben – das nichts mit kreativen Schreibauftr&#228;gen im Sinne eines produktiven Umgangs mit Lekt&#252;ren zu tun hat – zeigen viele Jugendliche oft weit bessere F&#228;higkeiten im Ausdruck als im schulbezogenen Schreiben. Der Transfer dieser F&#228;higkeiten auf im Kontext des „normalen“ Unterrichts entstehende Texte ist eine Herausforderung, die oft nicht von Erfolg gekr&#246;nt wird.</li>
    <li>Ich begegne immer wieder Jugendlichen (darunter allen Statistiken zuwider laufend &#252;berraschend viele m&#228;nnliche Jugendliche), die privat schreiben, wobei sich hier das Klischee widerspiegelt, dass M&#228;dchen eher Liebesgeschichten schreiben und Jungen sich eher im Fantasy- und Abenteuerbereich produzieren. So bekomme ich von Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen immer wieder einmal z.T. sehr umfangreiche Skripte zum Lesen, mit der Bitte um ein Urteil und vor allem Tipps zur Verbesserung der Texte. Dieses Angebot besteht &#252;ber den normalen Unterricht hinaus und flie&#223;t nicht in die Benotung ein. Dabei ist f&#252;r mich immer wieder faszinierend, mit welcher Ernsthaftigkeit und teilweise sehr deutlich erkennbarer Konsequenz Jugendliche an solchen Texten schreiben. Teilweise sind sie sogar in der Lage, die Texte vorbereitende Arbeiten verf&#252;gbar zu haben, in denen z.B. die einzelnen Figuren der Texte in ihrem Charakter und bez&#252;glich ihrer Handlungsmotivationen entwickelt werden. Ja, wirklich, das ist mir schon passiert.</li>
    <li>In Gespr&#228;chen im Unterricht, die nicht als Unterrichtsgespr&#228;ch im klassischen lehrerzentrierten Sinn wahrgenommen werden, z.B. in Gruppenarbeits- oder Partnerarbeitsphasen, beobachte ich, dass Sch&#252;ler durchaus in ganzen S&#228;tzen und auch differenziert &#252;ber Texte ins Gespr&#228;ch kommen k&#246;nnen, also &#252;ber eine eigentlich bessere Ausdrucksf&#228;higkeit verf&#252;gen, als oft im Unterricht beobachtbar. – Dies gilt auch, wenn Sch&#252;ler sich untereinander Dinge erkl&#228;ren. Dabei beobachte ich, dass wesentlich h&#228;ufiger auf die zur Verf&#252;gung stehenden Materialien Bezug genommen wird, als im „normalen“ Unterrichtsgespr&#228;ch.</li>
    <li>Jugendliche sind durchaus bereit, B&#252;cher zu lesen und sie lesen auch. In diesem Zusammenhang h&#246;re ich von den Jugendlichen selbst aber immer wieder die Aussage, dass die B&#252;cher, die sie gerade lesen, f&#252;r den schulischen Kontext wahrscheinlich ungeeignet seien. Aber, um hier nichts sch&#246;ner zu reden als es ist: Es gibt erschreckend viele Jugendliche, die au&#223;er den in der Schule von ihnen abverlangten Lekt&#252;ren keine B&#252;cher lesen – und auch hier teilweise, statt der Lekt&#252;ren selbst, vor allem auf Sekund&#228;rtexte zur&#252;ckgreifen und sich Wissen &#252;ber die B&#252;cher anzueignen versuchen, ohne die B&#252;cher selbst je in G&#228;nze gelesen zu haben.</li>
</ul>

<p>Zwei Beobachtungsrahmen, die mir einander scheinbar widersprechende Ph&#228;nomen vor Augen f&#252;hren. Welche Schlussfolgerungen sind daraus (f&#252;r mich und zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Textes) m&#246;glich?</p>

<p>Zun&#228;chst f&#228;llt mir auf, dass ich bei meinen Beobachtungen zwischen Lesekompetenzen und Ausdrucksf&#228;higkeiten unterscheide, die ich im Kontext von „normalem“ Unterricht mache und im Kontext des „freien“ Umgangs mit Texten und des Schreibens.</p>

<p>Dabei stellt sich die Frage, welche Kriterien ich zur zur Einsch&#228;tzung dieser Ph&#228;nomene zu Rate ziehe. Lege ich meinen Schwerpunkt auf die von der Schule zurecht geforderten Kompetenzen, so ist das Bild d&#252;ster. Ber&#252;cksichtige ich die Lesekompetenzen und Ausdrucksf&#228;higkeiten, die sich mir am Rande des Schulkontextes zeigen, komme ich zu einem deutlich besserem Urteil.</p>

<p>Diese Differenzierung f&#252;hrt nicht sonderlich weit, solange nicht die Frage gestellt wird, was diese unterschiedlichen Beobachtungen an Hinweisen f&#252;r eine Verbesserung der im schulischen Kontext (und somit letztlich f&#252;r die Bewertung relevanten) gezeigten Lese- und Ausdruckskompetenzen mit sich bringen, ohne die Ziele des Lese- und Sprachunterrichtes aus dem Augen zu verlieren.</p>

<p>Meine bislang gefundenen Antworten sind so banal wie folgenreich, wobei an erster Stelle die Frage stellt, welche Ziele ich als Lehrer eigentlich erreichen will (– und warum!). Erst wenn ich dies f&#252;r mich klar formuliert habe, kann ich nach Wegen fragen, diese Ziele zu erreichen, ohne dabei die von Lehrpl&#228;nen vorgegebenen Ziele aus dem Blick zu verlieren, solange diese nicht st&#228;rker an zu erreichenden Kompetenzen im Kontext zu wissender Inhalte ausgerichtet sind, so sehr diese Umstrukturierung auf Kompetenzen hin in Weiterentwicklungen der Lehrpl&#228;ne schon eine Rolle spielt.</p>

<ol>
    <li>Unterricht muss in Bezug auf Lese- und Ausdruckskompetenzen sch&#252;lerorientiert sein, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren, die vorhandenen Kompetenzen weiter zu entwickeln. Dabei muss der Begriff der „Sch&#252;lerorientierung“ m&#246;glichst konkret formuliert, aus dem Schattendaseins eines p&#228;dagogischen, methodischen und fachdidaktischen Modewortes befreit und m&#246;glichst konkret gedacht werden. Das bedeutet f&#252;r den Deutschunterricht unter anderem, dass die Lese- und Schreiberfahrungen der Jugendlichen ernst zu nehmen sind, nicht als p&#228;dagogischer Kniff, sondern als echte Lese- und Schreiberfahrungen. Mir ist es zun&#228;chst einmal v&#246;llig egal, ob Jugendliche von „Die wilden Kerle“ oder von Homers „Odysee“ begeistert sind (ja, diese Bandbreite hatte ich schon in Lerngruppen einer Schulstufe), da diese B&#252;cher f&#252;r die Jugendlichen bedeutsam sind. Und wenn ich in Klassen die jeweils zu einem Zeitpunkt aktuellen Lieblingsb&#252;cher der Jugendlichen vorstellen lasse, dann akzeptiere ich die B&#252;cher, die von den Jugendlichen eingebracht werden, egal, ob sie in meinen Augen literarischen Anspr&#252;chen gen&#252;gen oder eher nicht, egal, ob es sich um Thriller (bei denen ich mir manchmal die Frage stelle, ob sie f&#252;r die jeweilige Altersstufe schon geeignet sind oder nicht) oder Liebesromane handelt, die eher Klischees bedienen als neue Einsichten zu generieren. Ich empfinde die Lekt&#252;ren der Jugendlichen als interessant, weil sie mir sagen k&#246;nnen, was sie an diesen B&#252;chern fasziniert, ohne gleich meine Vorstellungen von „guten B&#252;chern“ ins Spiel zu bringen und somit die Leseerfahrungen der Jugendlichen als „weniger wertvoll“ zu betrachten.</li>
    <li>&#196;hnliches gilt f&#252;r die Schreiberfahrungen der Jugendlichen. Viele schreiben l&#228;ngere, in sich zusammenh&#228;ngende Texte heute oft ausschlie&#223;lich im Schulkontext, w&#228;hrend der Schreiballtag ganz anderen Regeln folgt. Die Formen der schriftlichen Kommunikation haben sich ver&#228;ndert, seit sich Jugendliche im Chat, per SMS und via E-Mail der Schriftsprache und den im Zusammenhang dieser medialen Formen verbreiteten Abk&#252;rzungen, Smileys etc. bedienen. Hier verf&#252;gen Jugendlichen in vielen F&#228;llen &#252;ber Kompetenzen, die im „normalen“ Unterricht oft als „minderwertig“ in Bezug auf die von Schule erwarteten Kompetenzen angesehen werden, sodass diese Schreibaktivit&#228;ten nicht nur diskreditiert werden, sondern diese Diskriminierung auch zu einer deutlichen Trennung zwischen Schreibkompetenzen, die im Unterricht gefordert werden, und der allt&#228;glichen Schreiberfahrung f&#252;hren. Nicht die Diskriminierung von Kommunikationsformen &#246;ffnet die T&#252;r zu einer differenzierteren Kommunikation, sondern das Aufgreifen und die Reflexion dieser Erfahrungen im Kontext anderer Schreibangebote /-anforderungen. Dabei geht es nicht um ein „besser“ oder „schlechter“ der unterschiedlichen sprachlichen Ausdrucksformen, sondern vielmehr darum, wie es Jugendlichen gelingen kann, das, was sie ausdr&#252;cken wollen, auch auszudr&#252;cken. Und damit bin ich</li>
    <li>bei den Zielen, die mit dem Lesen und dem Ausdruck verbunden sind. Damit meine ich jetzt nicht die Ziele, die sich in der F&#228;higkeit zur Interpretation eines Textes ersch&#246;pfen, sondern Ziele, die mit konkreter Lebensgestaltung zu tun haben. Auch wenn es Tendenzen gibt, die darunter die F&#228;higkeit zum korrekten Ausf&#252;llen von amtlichen Formularen sehen, sehe ich nach wie vor zwei zentrale Ziele: Zum einen bietet Literatur die M&#246;glichkeit, fremde Welten zu entdecken und eigene Erfahrungen im Kontext literarischer Texte zu reflektieren und anders zu erleben. Zum anderen bietet die Ausweitung der Ausdrucksf&#228;higkeit ein tieferes Verst&#228;ndnis von Welt und Selbst, begleitet von dem (in meinen Augen) lustvollen Erlebnis, endlich ein wenig mehr von dem ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, was einen selbst besch&#228;ftigt, f&#252;r das man so oft aber einfach keine Worte findet. Gerade das letztgenannt Ziel f&#252;hrt micht zum</li>
    <li>Wert des kreativen Schreibens, das mit echter Wertsch&#228;tzung der Produkte der Jugendlichen verbunden ist, gleichzeitig aber Techniken zur Verf&#252;gung stellt (und somit zur Kompetenzenerweiterung beitr&#228;gt), die erfahrbar machen, dass sie mehr ausdr&#252;cken und „erfinden“ k&#246;nnen, als sie bisher wahrgenommen haben. Solche Erfahrungen st&#228;rken das sprachliche Selbstbewusstsein auf lange Sicht deutlich, auch wenn sich dieses nicht direkt in Klassenarbeiten oder anderen gezielter auf schulische Lernzusammenh&#228;nge hin orientierten Texten niederschl&#228;gt.</li>
    <li>Bei allem Sch&#252;lerbezug und aller Ernsthaftigkeit, mit der die Lekt&#252;ren der Sch&#252;ler ber&#252;cksichtigt werden: Ich stehe auch der Erwartung an mich als Deutschlehrer gegen&#252;ber, den Horizont der Jugendlichen zu erweitern und meine eigene Leseerfahrungen ins Spiel zu bringen. Neben dem Sch&#252;lerbezug bedarf es im Deutschunterricht der authentischen Lesebegeisterung des Lehrenden, die eigenen Kriterien der Lekt&#252;reauswahl folgt, ohne die Auswahlkriterien der Jugendlichen zu diskreditieren, was nicht bedeutet, dass diese Kriterien nicht im Unterricht thematisiert und auf diesem Wege auch ver&#228;ndert werden k&#246;nnen.</li>
</ol>

<p>Die Widerspr&#252;chlichkeit meiner Beobachtungen und die ersten &#220;berlegungen zu praktischen Konsequenzen f&#252;hrt mich zu dem Kernpunkt meiner &#220;berlegungen: Um Lesekompetenz und Ausdrucksf&#228;higkeit zu f&#246;rdern, bedarf es nicht nur einer st&#228;rkeren Sch&#252;lerorientierung in Form von echtem Respekt von den Erfahrungen der Jugendlichen in diesem Bereich, sondern auch des Wissens, wie Lernen funktioniert. Denn schon vor den Einsichten der Hirnforschung war ich davon &#252;berzeugt: „Erkenntnis macht Lust, Lernen ist wie Sex” (<a href="http://www.zeit.de/online/2007/10/zeitgeschichte-kapiertrieb?page=all" target="_blank">Die Zeit</a>).</p>

<p>Aus meine eigenen Beobachtungen ziehe ich &#252;ber die bereits genannten Erkenntnisse hinaus folgende Schlussfolgerungen:</p>

<ol>
    <li>Das prim&#228;re Ziel von Unterricht muss es sein, R&#228;ume f&#252;r kognitive Prozesse zu schaffen, in denen Jugendliche nicht vor allem Wissen konsumieren (m&#252;ssen) und zum Pauken verdonnert werden, sondern Lernen, wie Wissen von ihnen selbst konstruiert werden kann. Ziel ist also, ein wenig pathetisch gesprochen, nicht alleine das Wissen oder die Kompetenz, sondern die Erkenntnis, die Wissen, Kompetenz und Relevanz in sich vereint.</li>
    <li>Daraus ergibt sich, auch wenn das klassische Lernen dadurch nicht verschwindet oder gar diskreditiert wird, dass sch&#252;lerorientierte Methoden darauf hin zu &#252;berpr&#252;fen sind, ob sie nur selbstst&#228;tige Pflichterf&#252;llung sind oder wirklich in kognitive Prozesse hinein f&#252;hren. Es ist ein Unterschied, ob ich z.B. Fachbegriffe im Bereich der rhetorischen Mittel auswendig lerne oder ob Neugier geweckt wird, rhetorische Ph&#228;nomene benennen zu k&#246;nnen, da auf diesem Weg viele sprachliche und literarische Ph&#228;nomen nicht nur besser verstanden werden, sondern auch die F&#228;higkeit vermittelt wird, diese F&#228;higkeiten f&#252;r sich selbst nutzen zu k&#246;nnen.</li>
</ol>

<p>Bleibt am Ende die Frage, welche konkreten Konsequenzen solche Einsichten f&#252;r den Unterricht in Bezug auf Didaktik und Methodik haben.</p>

<p>F&#252;r mich lautet die zentrale Frage: Wie kann es gelingen, kognitive Prozesse bei Lernenden zu erm&#246;glichen?</p>

<p>Eine m&#246;gliche Antwort lautet: Indem die kongnitiven Prozesse nicht in einem lehrerzentrierten Frage- und Antwortspiel aktiviert werden, sondern vor wirkliche Probleme gestellt werden.</p>

<p>In der Didaktik wird hier von „problemorientiertem Unterricht“ gesprochen. Dabei werden oft &#252;ber Texte hinausgehende „Probleme“ als Themen konstruiert: „Krieg in der Literatur“; „Mit Sprache &#252;berzeugen k&#246;nnen“ etc. Mir f&#228;llt im Kontext des Deutschunterrichtes dabei allerdings auf, dass solche Themen gerade literarische Texte und die von ihnen erm&#246;glichten Zug&#228;nge zu solchen Texten, so sehr einengen, dass f&#252;r die kognitiven Zug&#228;nge der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die von diesen Themen abweichen, im Unterricht kaum noch Platz zu sein scheint. Warum nicht den Text als Text nehmen und dann die kognitiven Angebote der Lernenden aufgreifen und annehmen, statt methodisch-didaktisch &#252;berbordende Unterrichtsszenarien erstellen, in denen alles vorkommt, nur nicht der Text und seine Leser und Leserinnen, der Text und die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler?<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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</ul>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_1692" class="footnote">Ich erhebe hier nicht den Anspruch etwas Neues zu sagen oder eine empirisch unangreifbare Darstellung zu verfassen, sondern stelle im Rahmen dieses Blogs genau die Diskussionsgrundlage zur Verf&#252;gung, die ein privates Blog zun&#228;chst einmal schaffen kann. Dabei gehe ich aber dennoch davon aus, dass die hier beschriebenen Beobachtungen und meine &#220;berlegungen zum Umgang mit den Ph&#228;nomenen mehr als eine Privatmeinung sind.</li><li id="footnote_1_1692" class="footnote">vgl. hierzu die zahlreichen Arbeiten von Norbert Groeben, aber auch: Cornelia Rosebrock, Lesesozialisation und Lesef&#246;rderung – literarisches Leben an der Schule, in: Michael K&#228;mper van den Boogarrt (Hg.), Deutschdidaktik. Ein Leitfaden f&#252;r die Sekundarstufen I und II, Berlin 2003, 153–174.</li></ol>
	Tags: <a href="http://herrlarbig.de/tag/ausdruck/" title="Ausdruck" rel="tag">Ausdruck</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/buecher/" title="Bücher" rel="tag">Bücher</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/deutsch/" title="deutsch" rel="tag">deutsch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/deutschlehrer/" title="Deutschlehrer" rel="tag">Deutschlehrer</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/deutschunterricht/" title="Deutschunterricht" rel="tag">Deutschunterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/didaktik/" title="Didaktik" rel="tag">Didaktik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/erfahrung/" title="Erfahrung" rel="tag">Erfahrung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/erfahrungen/" title="Erfahrungen" rel="tag">Erfahrungen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/erkenntnis/" title="Erkenntnis" rel="tag">Erkenntnis</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/fantasy/" title="Fantasy" rel="tag">Fantasy</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/figuren/" title="Figuren" rel="tag">Figuren</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/forderung/" title="Förderung" rel="tag">Förderung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/hirnforschung/" title="Hirnforschung" rel="tag">Hirnforschung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/jugend/" title="Jugend" rel="tag">Jugend</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/jugendliche/" title="Jugendliche" rel="tag">Jugendliche</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/klischee/" title="Klischee" rel="tag">Klischee</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/kommunikation/" title="Kommunikation" rel="tag">Kommunikation</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/kompetenz/" title="Kompetenz" rel="tag">Kompetenz</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/kompetenzen/" title="Kompetenzen" rel="tag">Kompetenzen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/unterricht/kompetenzenfoerderung/" title="Kompetenzenförderung" rel="tag">Kompetenzenförderung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/notizen/lebenshilfe/" title="Lebenshilfe" rel="tag">Lebenshilfe</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lektuere/" title="Lektüre" rel="tag">Lektüre</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lernen/" title="lernen" rel="tag">lernen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lernen/" title="lernen" rel="tag">lernen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lernen-und-lehren/" title="Lernen und Lehren" rel="tag">Lernen und Lehren</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lerngruppe/" title="Lerngruppe" rel="tag">Lerngruppe</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/notizen/" title="Notizen" rel="tag">Notizen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/paedagogik/" title="Pädagogik" rel="tag">Pädagogik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/paedagogik/positionen/" title="Positionen" rel="tag">Positionen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/schluesselkompetenzen/" title="Schlüsselkompetenzen" rel="tag">Schlüsselkompetenzen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schreibkompetenzen/" title="Schreibkompetenzen" rel="tag">Schreibkompetenzen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schule/" title="Schule" rel="tag">Schule</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schueler/" title="Schüler" rel="tag">Schüler</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schuelerinnen/" title="Schülerinnen" rel="tag">Schülerinnen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/statistik/" title="Statistik" rel="tag">Statistik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/struktur/" title="Struktur" rel="tag">Struktur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/unterricht/" title="Unterricht" rel="tag">Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/unterricht/" title="Unterricht" rel="tag">Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/verstehen/" title="Verstehen" rel="tag">Verstehen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wertung/" title="Wertung" rel="tag">Wertung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wirklichkeit/" title="Wirklichkeit" rel="tag">Wirklichkeit</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wissen/" title="Wissen" rel="tag">Wissen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wissenschaft/" title="Wissenschaft" rel="tag">Wissenschaft</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/schluesselkompetenzen/wissenserwerb/" title="Wissenserwerb" rel="tag">Wissenserwerb</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wortschatz/" title="Wortschatz" rel="tag">Wortschatz</a><br />
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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 12 – James Wood: Die Kunst des Erz&#228;hlens</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Sep 2011 00:11:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe nun ja schon eine ganze Reihe an B&#252;chern dar&#252;ber gelesen, „wie Schriftsteller zu Werke gehen“ (Herlinde K&#246;lbl), was einen guten Roman ausmacht, wodurch Gedichte gepr&#228;gt sind. Mir ist noch kein Buch &#252;ber das Lesen und Schreiben von Literatur &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/18/herrn-larbigs-bibliothek-12-james-wood-die-kunst-des-erzahlens/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/Wood_KunstDesErzaelens.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-7663" title="Wood_KunstDesErzaelens" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/Wood_KunstDesErzaelens.jpg" alt="" width="72" height="110" /></a> Ich habe nun ja schon eine ganze Reihe an B&#252;chern dar&#252;ber gelesen, „wie Schriftsteller zu Werke gehen“ (<a href="http://www.amazon.de/Schreiben-Schriftsteller-gehen-Fotografien-Gespr&#228;che/dp/3896600419" target="_blank">Herlinde K&#246;lbl</a>), was einen guten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roman">Roman</a> ausmacht, wodurch <a title="&#220;ber das (schulische) Interpretieren von Gedichten" href="http://herrlarbig.de/2010/12/06/ueber-das-schulische-interpretieren-von-gedichten/" target="_blank">Gedichte</a> gepr&#228;gt sind.</p>

<p>Mir ist noch kein Buch &#252;ber das Lesen und Schreiben von Literatur begegnet, nach dessen Lekt&#252;re mein Arbeitsplatz so hell von „Kronleuchtern“ bestrahlt wurde, die mir w&#228;hrend der Lekt&#252;re aufgegangen sind.</p>

<p>Gleichzeitig wei&#223; ich , dass dieses Buch noch mehrfach zu lesen sein wird, um seinen Tiefgang, seine Differenziertheit und all seine Anregungen wirklich f&#252;r meinen Alltag fruchtbar zu machen.</p>

<p>Die Erstlekt&#252;re von <a href="http://www.rowohlt.de/magazin_artikel/James_Wood_Die_Kunst_des_Erzaehlens.2958054.html" target="_blank">James Woods „Die Kunst des Erz&#228;hlens“</a> hat mich gefesselt.<span id="more-7662"></span> Ich habe in diesem Buch nichts Neues erfahren, aber das Bekannte in einer Weise dargestellt bekommen, dass es mir nunmehr wieder unbekannt, fremd, einer erneuten Entdeckung wert scheint. Was <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/strukt/erzpers/erzpers_3_1.htm" target="_blank">personale Erz&#228;hlperspektive</a> bedeutet, welche Bedeutung <a href="http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=ku&amp;dig=2009/01/10/a0108&amp;cHash=1bfd16a017" target="_blank">Flaubert</a> f&#252;r den modernen Roman hat, was es mit den Details, den Figuren, der Sprache, der Gestaltung von Dialogen, der Frage nach Wahrheit im Roman auf sich hat, wird von Wood erfrischend verst&#228;ndlich dargestellt.</p>

<p>in 123 &#252;bersichtlichen Abschnitten (Kapiteln) kommt Wood auf 240 Seiten auf den Punkt; und das st&#228;ndig. Dabei behauptet Wood nicht, dass Literatur die L&#246;sung aller Probleme sei, die es auf der Welt gibt. Aber er kommt zu einem Schluss, den ich voll und ganz teile: „Durch die Literatur werden wir zu besseren Beobachtern“.</p>

<p>Dies gilt bestimmt dann, wenn  wir wissen, wie wir Literatur, ob nun Lyrik oder Prosa, f&#252;r uns selbst erschlie&#223;en k&#246;nnen. Woods liefert einen beeindruckenden Beitrag, der dazu beitr&#228;gt, dass wir vielleicht den einen oder anderen Roman f&#252;r uns besser erschlie&#223;en k&#246;nne.</p>

<p>Andererseits ist „Die Kunst des Erz&#228;hlens“ ein Buch f&#252;r alle, die jenseits esoterischer Heilsversprechungen sich selbst dem kreativen Schreiben aussetzen. Wood zeigt Perspektiven auf, die den Leser seines Werkes nicht nur zu genaueren (=besseren) Lesern und Beobachtern machen, sondern auch f&#252;r Schreibende vielf&#228;ltige Anregungen enthalten, wie ein Text zu einem guten Text werden kann.</p>

<p>Eine gro&#223;artige Bereicherung f&#252;r alle „Hardcore“-Leser, die noch genauer lesen, noch mehr Details entdecken, noch mehr dar&#252;ber erfahren wollen, wie ein Roman funktioniert.</p>

<p>Eine gro&#223;artige Bereicherung f&#252;r alle Leser, die von Literatur fasziniert sind, aber 1. nicht genau wissen, warum eigentlich und die sich 2. fragen, ob es ein Handwerk des Schreibens gibt.</p>

<p>Woods gibt nicht nur klare Antworten, aber er zeigt Perspektiven auf, die dem Leser und der Leserin Anhaltspunkte f&#252;r die Reise durch literarische Welten bieten wollen, damit das Individuum nicht zuletzt im Sog digitaler Welten verloren geht.</p>

<blockquote><address>James Wood, Die Kunst des Erz&#228;hlens. Mit einem Vorwort von Daniel Kehlmann, Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 2011, 240 Seiten f&#252;r 19,95 Euro. (Mit einem Vorwort von Daniel Kehlmann; &#252;bersetzt aus dem Englischen von Imma Klemm unter Mitwirkung von Barbara Hofmeister.)</address></blockquote>

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		<title>Wandern in der Schule zwischen Zweck und Selbstzweck</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Sep 2011 21:40:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen Wandern zu gehen, ist nicht erst in j&#252;ngerer Zeit zu einer mutigen Veranstaltung geworden. Bereits 1986 gr&#252;ndete sich der „P&#228;dagogische Arbeitskreis ‚Schulwandern‘“ am staatlichen Schulamt der Stadt Dortmund. Dieser Arbeitskreis hat[te?]… …„sich die Aufgabe gestellt, die Bereitschaft zum Wandern in &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/13/wandern-in-der-schule-zwischen-zweck-und-selbstzweck/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wandern" target="_blank">Wandern</a> zu gehen, ist nicht erst in j&#252;ngerer Zeit zu einer mutigen Veranstaltung geworden.</p>

<p>Bereits 1986 gr&#252;ndete sich der „<a href="http://www.do.nw.schule.de/schulwandern/intbeg.rtf" target="_blank">P&#228;dagogische Arbeitskreis ‚Schulwandern‘“ am staatlichen Schulamt der Stadt Dortmund.</a> Dieser Arbeitskreis hat[te?]…</p>

<blockquote><address>…„sich die Aufgabe gestellt, die Bereitschaft zum Wandern in der Dortmunder Lehrerschaft neu zu beleben. Er will eine kind‑ und jugendgerechte Form des Wanderns entwickeln, die attraktiv ist und das Interesse der Sch&#252;ler weckt.“</address></blockquote>

<address>Dabei wird betont, dass das Wandern Mittel zum Zweck sei und nicht an sich einen Wert habe. Anschlie&#223;end werden die wertvollen Kompetenzen aufgez&#228;hlt, die man beim Wandern vermitteln k&#246;nne, die zudem auch von hochwertigen sozialen Komponenten begleitet werden. Wer mag, lese sich ein <a href="http://www.do.nw.schule.de/schulwandern/intbeg.rtf" target="_blank">Dokument aus dem Jahre 1998</a> einmal vollst&#228;ndig durch – und vergleiche es mit eigenen Erfahrungen, die mit dem Mut verbunden sind, mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen auf wirkliche Wanderungen zu gehen…</address>

<address>Dar&#252;ber hinaus gibt es noch eine <a href="http://www.staff.uni-marburg.de/~braemer/Justu92.pdf" target="_blank">Jugendstudie Wandern aus dem Jahre 1992</a>, <span id="more-6306"></span>die von Rainer Br&#228;mer an der Uni Marburg angefertigt wurde. Diese Studie scheint zumindest zu belegen, dass die negative Haltung gegen&#252;ber dem Thema Wandern damals gar nicht so eindeutig war, wie man angenommen hatte.</address>

<address>Und <a href="http://www.news.de/reisen-und-leben/855209951/schulwanderungen-sind-wieder-im-kommen/1/" target="_blank">k&#252;rzlich behauptete Gaby Diethers</a> (Referentin beim Deutschen Wanderverband)  im Vorfeld des <a href="http://deutscher-wandertag2011.de/" target="_blank">111. Deutschen Wandertages (8. bis 15. August 2011)</a>, dass Schulwanderungen wieder im Trend l&#228;gen. In diesem Zusammenhang fiel auch der Begriff <a href="http://www.geocaching.de/" target="_blank">Geocaching</a>. Nun, mit den meisten Jahrg&#228;ngen ist Geocaching in der Schule nicht m&#246;glich, weil dabei der Aufsichtspflicht f&#252;r die meisten Schulstufen nicht nachgekommen werden kann, aber es werden auch andere Unterhaltungsprogramme genannt, die zum Wandern motivieren k&#246;nnen. <a href="http://www.news.de/reisen-und-leben/855209951/schulwanderungen-sind-wieder-im-kommen/1/" target="_blank">Diethers sagt</a>:</address>

<blockquote><address>„Es gibt aber auch andere Wege. Sch&#252;ler finden es zum Beispiel faszinierend, mit Karte und Kompass nach drau&#223;en zu gehen und sich in der Natur zurechtzufinden. Mit Kindern k&#246;nnen es auch ganz einfache Sachen sein, etwa barfu&#223; &#252;ber ein matschiges Feld laufen oder sich Tiere anschauen.“</address></blockquote>

<p>Erstaunlich: Um Wandern gehen zu k&#246;nnen, muss man Events schaffen, bei denen man Dinge tut, die zumindest teilweise nicht wirklich zu weit verbreiteten Alltagst&#228;tigkeiten geh&#246;ren (barfu&#223; im Matsch laufen), die aber gleichzeitig dazu beitragen, dass man dieses Wort „Wandern“ nicht in den Mund nehmen muss.</p>

<p>Beim „Wandern“ passiert etwas, das meiner Wahrnehmung nach (nicht nur) Kindern und Jugendlichen schon seit einiger Zeit kaum noch als sinnvoll vermittelbar ist: Man tut etwas um seiner selbst Willen. Mit diesem Etwas sind Nebeneffekte verbunden, die vom Kennenlernen der Umgebung &#252;ber die „sportliche“ Herausforderung, die Wandern f&#252;r manche Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen tats&#228;chlich darstellt, bis hin zur F&#246;rderung sozialen Miteinanders f&#252;hren kann. Au&#223;erdem bieten Wanderungen f&#252;r Lehrende wunderbare M&#246;glichkeiten, Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen in einer „Stress-Situation“ zu beobachten und kennen zu lernen.</p>

<p>Der „Stress“ besteht meiner Beobachtung nach darin, dass beim Wandern etwas in den Vordergrund gestellt wird, das im sonstigen Alltag weitgehend vermieden wird, n&#228;mlich das langsame &#220;berbr&#252;cken einer Distanz.</p>

<p>In der Regel sind wir an Zielen interessiert, die m&#246;glichst schnell erreicht werden sollen.</p>

<blockquote class="pull alignright"><address>In der Regel sind wir an Zielen interessiert, die m&#246;glichst schnell erreicht werden sollen.</address></blockquote>

<p>Zumindest ist unser Alltag weitgehend auf dieses Denken ausgerichtet: Man muss schnell den Schulabschluss erreichen, schnell studieren, fr&#252;h den Berufseinstieg schaffen, wenn man in bestimmten Berufen etwas werden will. Man will schnell ein Urlaubsziel erreichen, wobei der Weg zu diesem Ziel nicht als Teil der Reise angesehen wird, sondern purer Stress ist, den es zu <del>vermeiden</del> reduzieren gilt. Nat&#252;rlich fliegt man auch zu Reisezielen, die innerhalb Europas liegen. Interessant ist nur das Ziel, nicht aber der Weg dorthin.</p>

<p>Dabei r&#252;ckt alles so nah zusammen. Es kommt zu keiner Distanzierung vom Alltag mehr, wenn man verreist, weil man ja nur eine Flugstunde weg ist.</p>

<p>Wie anders klingt es, wenn man sagt, ich bin 10 Stunden mit dem Zug oder dem Auto von zuhause weg? Ich bin zehn Stunden weit in eine andere Kultur gereist. Oder: Ich bin 24 Stunden lang bis nach Spanien gefahren. Bis nach Portugal braucht man mit dem Bus sogar 36 Stunden, wobei man dabei eine unglaubliche Vielfalt europ&#228;ischer Landschaften erleben kann.</p>

<p>Diese Beispiele betreffen Schulwanderungen eher selten, greifen h&#246;chstens bei Studienfahrten kurz vor dem Abitur, die h&#228;ufig auch ins entferntere europ&#228;ische Ausland gehen. Diese Beispiele beschreiben aber ein Ph&#228;nomen, mit dem wir es schon sei l&#228;ngerem zu tun haben.</p>

<p>Nicht nur Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen werden unruhig, wenn das &#220;berwinden von Distanz in durchaus sportlichem Gehstil (Wandern) und die damit verbundenen Erfahrungen der zentrale Zweck eines Wandertages sind.</p>

<p>Es wird dann nach einem Ziel der Wanderung gefragt.</p>

<p>Wurde bewusst ein Rundweg ausgew&#228;hlt, erzeugt das Stress, wird Sinnlosigkeitsverdacht ge&#228;u&#223;ert.</p>

<p>Parallel dazu werden Handys herausgeholt, zwei Kinder teilen sich einen Kopfh&#246;rer, sodass jedes nur einen Stereokanal h&#246;rt, es werden SMS an Leute der gleichen Wandergruppe geschickt oder andere Alternativt&#228;tigkeiten gestartet, die zum Beispiel Rollenspielen gleich kommen, weil einige Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen untereinander gro&#223;e Zukunftspl&#228;ne <del>formulieren</del> phantasieren (?), gleichzeitig Rangordnungen in Cliquen &#252;berpr&#252;fen, erneuern oder in Frage stellen etc.</p>

<p>Es passiert auf so einer Wanderung sehr viel. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eisbergmodell" target="_blank">Das meiste ist auf den ersten Blick nicht oder nur dem ge&#252;bten Beobachter erkennbar</a>.</p>

<p>Wenn dann Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen gefragt werden, wie gro&#223; ihre eigenen Erfahrungen mit dem Wandern au&#223;erhalb der Schule sind, dann gewinne ich den Eindruck, dass es in gro&#223;er Mehrheit mit dieser Form der Selbst- und Weltwahrnehmung wenig Erfahrungen gibt.</p>

<blockquote class="pull alignleft"><address>Jede Wanderung ist ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jakobsweg" target="_blank">Jakobsweg</a> im Kleinen.</address></blockquote>

<p>Wanderungen sind f&#252;r viele Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen eine Sonderwelt. F&#252;r viele Erwachsene aber auch, trotz der Mode, dass der eine oder andere auf dem Jakobsweg <del>wandert</del> pilgert.</p>

<p>Jede Wanderung, wenn man sie ernst nimmt und z. B. wirklich auf den Einsatz von Medien verzichtet, setzt den Wandernden der Erfahrung aus, mit sich selbst zu sein, auf dem Weg zu sein und neben der k&#246;rperlichen Anstrengungen, die manche Wanderung darstellt, zu erleben, welche Wege der Kopf einschl&#228;gt, wenn wenig M&#246;glichkeiten zur Ablenkung vorhanden sind.</p>

<p>Kein MP3-Abspielger&#228;t, das Handy abgeschaltet, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Flaneur" target="_blank">h&#246;chstens ein Notizbuch dabei</a>, um zwischendurch zu notieren, was die Gedanken einem so abverlangen: F&#252;r viele ist das zu einer Horrorvorstellung geworden. Geschickt weichen wir der Begegnung mit der uns am N&#228;chsten stehenden Person aus, indem wir sie gar nicht erst zu Wort kommen lassen: Der Begegnung mit uns selbst.</p>

<p>Wanderungen mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen k&#246;nnen diese Erfahrung thematisieren.</p>

<p>Bereits im Vorfeld k&#246;nnen diese „&#196;ngste“ aufgegriffen werden. Ja, die an sich zweckfreie Wanderung bekommt so wieder einen Zweck, n&#228;mlich jenen, eigene Erfahrungen mit der „Zweckfreiheit“ zu machen. Das ist ein Paradox. Aber vielleicht ein notwendiges Paradox, das erst in der Praxis aufgel&#246;st werden kann.</p>

<p>Wandern erzeugt Stress, vor allem, wenn die Wanderung so gestaltet ist, dass sie kein Ziel hat, sondern einen Rundweg nutzt. Wenn ein „Ziel“, z. B. ein Waldspielplatz, ein Kaffee oder &#228;hnliches, vorgegeben wird, sinkt dieser Stress, da die Orientierung an einem Ziel eine vertraute Orientierung ist, w&#228;hrend zweckfreie und dennoch sinnvolle T&#228;tigkeiten gerade von Jugendlichen in Gro&#223;st&#228;dten regelrecht als Erfahrungsoption (wieder)erlernt werden m&#252;ssen.</p>

<p>Begleiter solcher Wanderungen lernen gleichzeitig sehr viel &#252;ber die Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Das gilt nicht nur f&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, auch erwachsene Wanderer zeigen sich bei Wanderungen interessante Verhaltensweisen, sodass sich diese durchaus auch als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Assessmentcenter" target="_blank">Assessmentcenter</a> eigenen k&#246;nnten.</p>

<p>Nat&#252;rlich wird andererseits auch der Begleiter einer Wanderung transparenter in seinen Verhaltensweisen.</p>

<p>Sobald Wandertage mit Schulklassen auf Konsum hin ausgerichtet sind, besonders beliebt sind da Freizeitparks, f&#228;llt die M&#246;glichkeit der relativ zweckfreien Selbsterfahrung weg, r&#252;ckt das Ziel (der Freizeitpark, die Achterbahn, die n&#228;chste Attraktion) in den Vordergrund.</p>

<p>Ich frage mich, ob der schulische Bildungs- und Erziehungsauftrag erf&#252;llt werden kann, wenn nicht auch Erfahrungsr&#228;ume geschaffen werden, die mit einer relativen Reizarmut zur Selbsterfahrung beitragen. So hei&#223;t es im <a href="http://www.hessen.de/irj/HKM_Internet?rid=HKM_15/HKM_Internet/nav/374/3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2%26_ic_uCon=72920bec-b224-d901-be59-2697ccf4e69f.htm&amp;uid=3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2" target="_blank">Hessischen Schulgesetz §2 Abschnitt 1</a>:</p>

<blockquote><address>„Sie [die Schulen im Land Hessen] tragen dazu bei, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ihre Pers&#246;nlichkeit in der Gemeinschaft entfalten k&#246;nnen.“</address></blockquote>

<p>Pers&#246;nlichkeit ist f&#252;r mich das, was sichtbar und erfahrbar wird, wenn den Menschen fremdbestimmende Reize minimiert werden und das Individuum m&#246;glichst unabh&#228;ngig von bestimmten T&#228;tigkeiten f&#252;r sich selbst erfahrbar wird.</p>

<p>Pers&#246;nlichkeit ist das, was hinter Marken und imagebildenden T&#228;tigkeiten als Individuum „&#252;brig“ bleibt. Diese Pers&#246;nlichkeit muss R&#228;ume finden, vom Individuum entdeckt zu werden, um &#252;berhaupt in die Lage versetzt zu werden, die eigene <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Person" target="_blank">Pers&#246;nlichkeit</a> „in der Gemeinschaft entfalten zu k&#246;nnen“.</p>

<p>Eine recht verstandene Wanderung, auch wenn sie als Zumutung empfunden wird, Widerst&#228;nde ausl&#246;st, in ihrem Sinngehalt in Frage gestellt wird, kann, so sie gut vorbereitet ist und Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vor, w&#228;hrend und nach dieser Herausforderung von Lehrern und Lehrerinnen ernst genommen werden, nicht nur dazu beitragen, die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen n&#228;her kennen zu lernen<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/09/13/wandern-in-der-schule-zwischen-zweck-und-selbstzweck/#footnote_0_6306" id="identifier_0_6306" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wer eine neue Klasse &amp;#252;bernimmt sollte bald mit ihr auf einem Rundweg wandern gehen, um die Sozialstruktur der Klasse zu erleben.">1</a></sup>, sondern vor allem auch dazu, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sich selbst erleben, erfahren und kennen lernen.</p>

<p>Das aber gilt nicht nur f&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, sondern f&#252;r jeden und jede, der oder die ein wenig mehr &#252;ber sich selbst erfahren will. Das gelingt am besten, wenn man alle anderen Ziele ausschaltet, also in der Meditation oder eben in der Wanderung, die nur sich selbst zum Ziel hat.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Notizen vom CoLearnCamp #clc11</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Sep 2011 18:35:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Samstag, 10. September 2011, 06:50 Samstag. Wochenende. Ausschlafen. Von wegen. Ich bin schon auf den Beinen, will heute ein wenig die F&#252;hler ausstrecken und erfahren, wie in Kreisen &#252;ber das Lernen gesprochen wird, in denen Lern-Lehrprofis aus au&#223;erschulischen Zusammenh&#228;ngen aufeinander &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/10/notizen-vom-colearncamp-clc11/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Samstag, 10. September 2011, 06:50</p>

<h3>Samstag. Wochenende. Ausschlafen.</h3>

<p>Von wegen.</p>

<p>Ich bin schon auf den Beinen, will heute ein wenig die F&#252;hler ausstrecken und erfahren, wie in Kreisen &#252;ber das Lernen gesprochen wird, in denen Lern-Lehrprofis aus au&#223;erschulischen Zusammenh&#228;ngen aufeinander treffen. Fragte den Organisator sogar, ob ich einen Platz besetzen d&#252;rfe, weil ich ja nun nicht aus dem Kreis der Zielgruppe stamme. Nat&#252;rlich durfte ich <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  Heute also geht es zum <a href="http://colearncamp.hessenmetall.de/" target="_blank">CorporateLearningCamp</a>, das in den R&#228;umen der TU Darmstadt stattfindet.</p>

<p>8:07 Uhr
<span id="more-6279"></span></p>

<p>Wie lange bin ich schon nicht mehr Regionalbahn gefahren? Hatte diese wunderbar sich nach unten aufschiebenden Fenster fast vergessen. Unsere Mobilit&#228;t ist mehr und mehr in hermetisch nach au&#223;en abgeriegelte Fahrzeuge verlagert worden. Das geht nicht anders. Wir wollen schnell unterwegs sein und der Weg selbst st&#246;rt doch nur beim Ankommen. Naja: Wer den Weg nicht in Kauf nehmen will, der vergisst, dass viele Ziele eben nicht schnell mal mit dem Flieger zu erreichen sind oder an einem ICE-Bahnhof liegen. Lernen aber braucht Zeit, kann nicht zuerst in Fliegern und ICEs stattfinden, braucht diese „langsamen“ Verkehrsmittel. Und dann nat&#252;rlich Anschlussm&#246;glichkeiten f&#252;r den Reisenden auf dem Lernweg. Das ist alles bildlich gesprochen, aber nicht nur bildlich gemeint. Ich sitze in der „langsamen“ Regionalbahn, w&#228;hrend ich mich dieser Metaphern erinnere. Ein ganzer Tag Input und Mitdenken steht an. [Nachtrag: Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass die Frage nach Visualisierungen in Lernzusammenh&#228;ngen, die Frage nach Bildern mit an prominenter Stelle im Tagesprogramm wieder begegnen w&#252;rde. Das Programm war erst etwa eineinhalb Stunden sp&#228;ter bekannt.]</p>

<p>Ich muss mich da gleich vorstellen [Nachtrag: So dachte ich, von meinen Erfahrungen bei meinem ersten Barcamp vor ein paar Monaten ausgehend. Aber das wurde in Darmstadt anders gehandhabt]. Meine drei Begriffe zur Selbstbeschreibung (Tags) sollen Verben sein. Ea geht bei dieser Selbstbeschreibung darum, was ich tue. Die Tags heute also: lernen, lehren, bilden.</p>

<p>9:15 Uhr</p>

<p>Mit dem akademischen Viertel, mit vielen bekannten Gesichtern und noch mehr, die es im Laufe des Tages zumindest teilweise noch kennenzulernen gilt, beginnt f&#252;r mich dieses CoLearnCamp. F&#252;r die Veranstalter und viele der Besucher ist es schon der zweite Tage. F&#252;hle mich dennoch gleich wohl, bekomme nicht das Gef&#252;hl vermittelt, dass der erste Tag so zusammengeschwei&#223;t habe, dass da keine Offenheit mehr w&#228;re. Ganz im Gegenteil: Sch&#246;ne Atmosph&#228;re hier. Leere G&#228;nge dieser gro&#223;en Universit&#228;t, die Fenster des Raumes sind offen, die Sonne scheint, angenehme Sp&#228;tersommerluft dringt herein, Kaffee, S&#228;fte, Wasser, Pl&#228;tzchen sind da. <a href="http://lernspielwiese.wordpress.com/" target="_blank">Monika K&#246;nig</a>, <a href="http://cspannagel.wordpress.com" target="_blank">Christian Spannagel</a>, <a href="http://trainingkonzepte.blogspot.com/" target="_blank">Ellen Trude</a>, <a href="http://appelt.info" target="_blank">Ralf Appelt</a>, <a href="http://khpape.wordpress.com/" target="_blank">Karlheinz Pape</a>, <a href="https://twitter.com/#!/ittnerfa" target="_blank">Frieder</a>, <a href="http://www.designeon.com/" target="_blank">Sabine Hueber</a>, <a href="http://www.bremer.cx/" target="_blank">Claudia Bremer</a>, <a href="http://www.olivertacke.de/" target="_blank">Oliver Tacke</a> und … wen habe ich vergessen, habe ich jemanden vergessen … sind als bekannte Gesichter schon da oder werden heute noch erwartet. Jetzt aber erst mal <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Barcamp" target="_blank">Themensammlung</a>, denn bei einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tagung#Unkonferenz" target="_blank">Unkonferenz</a> ist die Tages&#252;bersicht immer leer, wenn man ankommt und wird dann in einer Vorstellungsrunde gef&#252;llt.</p>

<p>9:30 Uhr</p>

<p>Die Themen sind da. Aus f&#252;nfzehn Angeboten kann heute ausgew&#228;hlt werden. Hier sind sie alle 15 kurz genannt, f&#252;nf davon werde ich im Laufe des Tages besuchen k&#246;nnen. Bei den von mir besuchten Veranstaltungen schreibe ich dann wahrscheinlich noch was.</p>

<p>Die <a href="http://www.flickr.com/photos/adesigna/6131936807/sizes/o/in/photostream/" target="_blank">Themen des 2. Tages</a> des CorporateLearningCamps (CoLearn; Twittertag: #clc11) – von mir besuchte Veranstaltungen sind kursiv dargestellt:</p>

<ol>
    <li><em>Zertifizierung</em></li>
    <li><em>Softskills. Wie viel E-Learning vertragen sie?</em></li>
    <li>F&#252;hrung braucht Gesundheit. Gesundheit braucht F&#252;hrung. BurnOut und Co.</li>
    <li>Barcamps in der betrieblichen Praxis.</li>
    <li><em>Visualisierung von Inhalten (mit Stift und Papier)</em></li>
    <li>Integration von Traininsgeschichten (E-Learning in Unternehmen)</li>
    <li><em>Social Media Forschung (Forschungsprojekt an Hochschule und in Unternehmen)</em></li>
    <li>SixSigma in E-Teaching</li>
    <li>Exzellente Wissenorganisation Personal- und Organisationsentwicklung</li>
    <li>Wissenstransfer bei Personalwechsel</li>
    <li>Internationale Trainingsorganisation</li>
    <li>LdL &#8211; Lernen durch Lehren (in Unternehmen unbekannt)</li>
    <li><em>The Flipped Classroom</em></li>
    <li>Emotionale Intelligenz und Lernen</li>
    <li>Flexibilisierung von Trainings (in blended Learning-Zusammenh&#228;ngen)</li>
</ol>

<p>9:45 Uhr</p>

<p>&#220;ber Twitter von Basti Hirsch aus Berlin (<a href="https://twitter.com/#!/cervus" target="_blank">@cervus</a>) eine Fangfrage gestellt bekommen: „Lieber Herr Larbig, was willst du denn bitte beim Corporate Learning Camp? #clc11 #fangfrage“</p>

<p>Die Antwort habe ich ja schon um 6:50 gegeben. Aber da die Sammlung meiner Notizen dieses Tages erst sp&#228;ter online gehen werden…</p>

<p>9:50 Uhr</p>

<h3>1 Zertifzierungen?</h3>

<p><a href="http://www.rainerhartlep.de/blog/" target="_blank">Rainer Hartlep</a> erz&#228;hlt, im Ausland g&#228;be es viel mehr Zertifizierungen als in Deutschland. Diese gingen &#252;ber Teilnahmebescheinigungen hinaus.</p>

<p>Der Eindruck der (wenigen) Teilnehmer dieser Session ist ein anderer. St&#228;ndig g&#228;be es Bescheinigung, manchmal werde schon von Zertifikateritis gesprochen. Dies, so Hartlep, liege daran, dass es Unterschiede zwischen betrieblicher Bildung und der Ausbildung an Schule und Hochschule gibt. Und richtig: Die meisten Teilnehmer kommen aus Schule und Hochschule, wissen aber aus eigener Anschauung, dass Hartlep doch recht hat, weil er zwischen wirklichen Qualifikationen, die mit Zertifikaten nachgewiesen werden, und Teilnahmebescheinigungen, die nichts &#252;ber gewonnene F&#228;higkeiten aussagen, unterscheidet.</p>

<p>Vor allem in Unternehmen g&#228;be es bei Fortbildungen oft nur Teilnahmebescheinigungen, keine Pr&#252;fungen. Das liege daran, dass es zum Beispiel bei SAP sehr betriebsspezifische Anwendungen g&#228;be, sodass das innerbetriebliches Wissen au&#223;erbetrieblich sowieso nichts bedeute.</p>

<p>Insgesamt war das ein anregender informeller Austausch, in dem es schnell um die Frage ging, welche Funktion Zertifikate haben und was sie wirklich &#252;ber Kompetenzen aussagen. Zertifikate werden oft mehr als Zugangskriterien verwendet, denn als Qualifikation.</p>

<p>Und in diesem Zusammenhang steht dann pl&#246;tzlich eine Frage im Raum:</p>

<p>Gibt es einen Zusammenhang zwischen Zertifizierungeh&#228;ufigkeit und (mangelndem) Vertrauen in das Bildungssystem, dessen „Zertifikate“ doch eigentlich vergleichbar und aussagekr&#228;ftig sein m&#252;ssten? Diese Frage ist zwar nur f&#252;r Zertifikate interessant, die nicht in der betrieblichen Weiterbildung sondern an Schulen und Universit&#228;ten erworben wurden, aber angesichts der anhaltenden Bildungsdebatte finde ich diese Frage in diesem Zusammenhang wirklich spannend.</p>

<p>11:03 Uhr</p>

<h3>2 Soft-Skills: Wie viel E-Learning vertragen sie?</h3>

<p>Monika K&#246;nig (Lernspielwiese) und Michael Simon (IBM), die P&#228;dagogin und der Techniker, bieten eine Session an, in der es kontrovers um das Thema gehen soll, ob und wie weit Softskills online gelernt werden k&#246;nnen. Monika K&#246;nig sagt, dass online alles gehe. Michael Simon vertritt die Meinung: Online lernen k&#246;nne vorbereitend sein, aber im Coaching brauche es die Face to Face-Situation.</p>

<p>Um an m&#246;glichst konkreten Beispielen zu diskutieren, sammeln wir im Plenum einige Kriterien, die die Teilnehmenden zur F&#252;hrungskompetenz z&#228;hlen. Anschlie&#223;end stimmten wir ab, welche dieser Kriterien im Zentrum der Diskussion stehen sollen.</p>

<blockquote>
<ul>
    <li><em><span class="Apple-style-span">Konflikte regeln 13</span></em></li>
    <li><em><span class="Apple-style-span">Begeisterungsf&#228;higkeit 5</span></em></li>
    <li><em><span class="Apple-style-span">Entscheidungsf&#228;higkeit / Durchsetzungsf&#228;higkeit 15</span></em></li>
    <li><em><span class="Apple-style-span">Einf&#252;hlungsverm&#246;gen 5</span></em></li>
    <li><em><span class="Apple-style-span">Vertrauen in die Mitarbeiter und in sich 1</span></em></li>
    <li><em><span class="Apple-style-span">Adaptives Verhalten / Situationsbezogen angemessener F&#252;hrungsstil 3</span></em></li>
</ul>
</blockquote>

<p>Zun&#228;chst geht es jetzt in der Diskussion um das „Konfliktmanagement“ als ein Soft-Skill, dass F&#252;hrungskr&#228;fte nach unserer Meinung haben m&#252;ssen. Wie aber lernt man diese F&#228;higkeit?</p>

<p>Martin Simon vertritt die Position, dass man sich Theorie anlesen k&#246;nne. Aber zum Beispiel Gr&#252;nde f&#252;r bestimmte Konfliktverhaltensweisen k&#246;nnen nur Face-to-Face im Rollenspiel konkret in die Reaktionsstrategien aufgenommen werden.</p>

<p>Monika K&#246;nig hingegen weist darauf hin, dass das Internet sehr ehrlich sei, direkt, manchmal ein wenig fies. Den Umgang mit dort auftretenden Konflikten k&#246;nne man nur dort lernen.</p>

<p>Nochmal die Frage. Wo lernt man solche Skills: Im Netz oder im direkten Coaching. Wie vermittelt man Soft-Skills? Und doch pendelt die Diskussion stark zwischen dem Erlernen von Softskills und den jeweils konkreten Umsetzzungssituationen. Ist also gar nicht so leicht, bei der Frage zu bleiben. Das mag daran liegen, dass die Frage nach der Konfliktbew&#228;ltigung bei vielen sofort innere Bilder entstehen l&#228;sst, die zeigen, wo man selbst schon vor der Herausforderung stand. Diese Frage ist emotionaler besetzt als jene nach dem Erlernen der n&#246;tigen Soft-Skills. Irgendwie naheliegend, dass die Konzentration auf die Frage erst einmal erarbeitet werden muss.</p>

<p>Die Diskussion ist jetzt bei der Frage angekommen, inwiefern digitale Lernszenarien „realistisch“ sein k&#246;nnen, solange zum Beispiel Avatare f&#252;r Rollenspiele nur dann „spontan“ und nicht vorgefertigt reagieren, wenn sie nicht von einem konkreten anderen Menschen gesteuert werden.</p>

<p>In der Diskussion selbst setzen sich mehr und mehr die Wortbeitr&#228;ge durch, die schnell an vorhergehende Beitr&#228;ge anschlie&#223;en. Ich finde ja auch, dass man bei Erwachsenen nicht mehr das Wort erteilen muss, schade aber auch, dass bei aller Leidenschaft in dieser Diskussion (warum eigentlich?), der Blick daf&#252;r verloren zu gehen scheint, wer einen Wortbeitrag anmeldet und dann in etwa die Reihung eingehalten wird.</p>

<p>Zur&#252;ck zum Thema, denn es gibt auch Konsens. So zum Beispiel bei der Anmerkung, dass Training, egal ob online oder offline, die Entwicklung eines Soft-Skills nur ansto&#223;en k&#246;nne, dass aber die st&#228;ndige Selbstreflexion der F&#252;hrungskraft (bzw. im Kontext von Supervision) die Aufmerksamkeit auf die weiter zu entwickelnden Soft-Skills lenken m&#252;sse, die dann situationbezogen angemessenes Handeln erm&#246;glichen.</p>

<p>Und als jetzt der Vorschlag kam, noch eine weitere Kompetenz aus unserer Sammlung am Beginn der Session, in den Blick zu nehmen, stellen wir fest, dass die Zeit um ist. Sch&#246;n, dass Monika und Martin sich nach der Entdeckung von Dissens am ersten Tag des CoLearnCamps f&#252;r den zweiten Tag zu dieser Session zusammengefunden haben. Das war so eine Session, wie sie nur am zweiten Tag stattfinden kann, die aus der Unkonferenz selbst entwuchs und entsprechend fruchtbar konkrete „Streit“fragen aufgreifen kann.</p>

<p>12:05 Uhr</p>

<h3>3 Visualisierung mit Stift und Papier (vs. Powerpoint)</h3>

<p>Ralf Appelt hat ein <a href="http://www.ietherpad.com/clc11-visualisierung" target="_blank">Etherpaddokument</a> f&#252;r die Session erstellt. Da muss ich nicht viel mitschreiben.</p>

<p>In der Diskussion kommt die Frage auf, ob mit den vorgestellten Beispielen (siehe <a href="http://www.ietherpad.com/clc11-visualisierung" target="_blank">Etherpaddokument</a>) nicht mehr das Thema „Illustration“ und weniger das der „Visualisierung“ angesprochen sei.</p>

<p>Nat&#252;rlich stellt sich die Frage nach dem Aufwand, der mit h&#228;ndisch in einer Lehrveranstaltung erstellten, z. T. relativ aufw&#228;ndigen Visualisierungen einher geht. Mein Eindruck ist, dass die Beispiele, die im Etherpaddokument gezeigt werden, als Lehrform f&#252;r das Internet geeignet sind, aber sicher nicht, wenn sie vor Ort entwickelt werden.</p>

<p>Das hei&#223;t nicht, dass es nicht auch vor Ort zahlreiche „einfache“ Visualisierungsoptionen geben k&#246;nne. Und es wird ausdr&#252;cklich darauf hingewiesen, dass gute PowerPoint-Visualisierungen wirklich gute Instrumente sein k&#246;nnen.</p>

<p>Ich selbst stehe der Sprache und der Illustration in sprachlichen Bildern n&#228;her. Doch angesichts unterschiedlicher Lerntypen geh&#246;ren Illustrationen nat&#252;rlich zum Alltag dazu. Und was Ralf hier an Stiften zeigt, mit denen man Flipchartbl&#228;tter gestalten kann, ist wirklich bereichernd. Wusste gar nicht, dass es <a href="http://www.neuland-world.com/EU/marker-fuer-papier-9uek9p0tz9z/trainermarker-neuland-bigone-4er-farbsets-d2uiv439jdb.html?view=" target="_blank">solche Stifte</a> gibt.</p>

<p>13:00 Uhr</p>

<h3>Mittagspause mit <a href="http://twitpic.com/6itpy8" target="_blank">Fleischbergen</a></h3>

<p>13:50 Uhr</p>

<h3>4 Social Media Forschung</h3>

<p>Karsten Kneese forscht zur Zeit in einem kleinem Forschungsprojekt an der FH Koblenz. Es geht um den weiten Fragehorizont, ob, wie und wozu Lehrende und Lernende Social Media (in Lernkontexten) nutzen. In der Session will er erfahren, was an Fragen effektiv sein k&#246;nnte.</p>

<p>Es wird die Frage gestellt, ob denn die Praktiker nicht selbst forschen w&#252;rden, ob es denn Forschung zu diesem Thema brauche. Die Antworten vieler Sessionteilnehmer sind eindeutig: Ja, die Forschung braucht es, schon alleine, um zu Reflexion bereite Praktiker wirklich zu unterst&#252;tzen, suchen sie doch oft nach bestimmten L&#246;sungen, die sie mithilfe der Forschung schneller finden k&#246;nnen.</p>

<p>Weitere Fragen in der Session: Wie wird die R&#252;cklaufquote von Frageb&#246;gen erh&#246;ht. – Am ehesten, indem den Befragten eine konkrete Relevanz f&#252;r sie selbst darstellen kann.</p>

<p>Welche Rolle spielt Offenheit von Social Media zur eigenst&#228;ndigen Vernetzung, was passiert, wenn zum Beispiel Universit&#228;ten in der eigenen E-Learning-Umgebung Studierenden nicht die M&#246;glichkeit geben, selbst&#228;ndig und ohne Beteiligung einer dritten Person oder Institution Lerngruppen zu er&#246;ffnen?</p>

<p>14:50 Uhr</p>

<h3>5 Flipped Classroom</h3>

<p>Diese Session begleiten Christian Spannagel und Oliver Tacke gemeinsam.</p>

<p>Oliver stellt einige Ans&#228;tze in Bezug auf das Lernen vor, die er aus <a href="http://www.omnisophie.com/" target="_blank">Gunter Duecks</a> Arbeiten abgeleitet hat.</p>

<p>Jetzt beginnt Christian seine kleine Visualisierung, die er auf die Flipchart gemalt hat und die bestimmt eine Auswirkung der Session von Ralf Appelt vorhin (s. o.) ist, zu erl&#228;utern.</p>

<p>Bislang ist es so, dass es in zum Beispiel in Vorlesungen wirklich um die Vorlesung des Professors ging, die er hielt und die dann von Studierenden zuhause nachgearbeitet wurde. Christian hingegen hat seine Vorlesungen in einem Semester aufzeichnen lassen. Im n&#228;chsten Semester gab es dann nicht mehr Vorlesung und Nacharbeit der Studierenden, sondern vor der Vorlesung hatten die Studierenden die Videos zu schauen und in der Vorlesung wurde auf Fragen der Studierenden gearbeitet.</p>

<p>Da gab es doch mal einen Blogeintrag dazu. Ah: <a href="http://cspannagel.wordpress.com/2011/05/20/youtube-vorlesungen-und-das-aktive-plenum/" target="_blank">Da ist er</a>. Da erkl&#228;rt Christian, worum es in dieser Session hier geht. In dem Beitrag nennt er diese Arbeitsform noch „aktives Plenum“</p>

<p>Und auch <a href="http://cspannagel.wordpress.com/2011/06/17/ein-festival-der-itg-meine-opco11-session/" target="_blank">beim OpenCourse tauchte der Begriff „Flipped Classroom“ nicht auf</a>. Christian kannte ihn bis vor kurzem selbst nicht, aber eine Suchmaschinenabfrage zeigt, dass dieses Konzept im angels&#228;chsischen Bereich durchaus bekannt ist und dort eben „Flipped Classroom“ (umgedrehtes Klassenzimmer) genannt wird.</p>

<p>Jetzt werden wir in Arbeitsgruppen geschickt. Wir sollen &#252;berlegen, welche Pros und welche Contras es in Bezug auf diese Form des Lernens / Lehrens gibt.</p>

<p><a href="http://twitpic.com/6iul22" target="_blank">Die Ergebnisse hat Christian online gestellt.</a></p>

<p>Wieder mal eine von <a href="http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:O.tacke/LdL">LDL</a> gepr&#228;gte Session. Aber wie jedes Mal: Selbst aktiv sein scheint mir nach wie vor am effektivsten und macht Spa&#223;.</p>

<p>15:30 Uhr</p>

<h3>Abschlussplenum</h3>

<p>19:47 Uhr</p>

<h3>Resumée</h3>

<p>Die D&#228;mmerung sinkt &#252;ber Frankfurt nieder. Nachdem ich aus Darmstadt zur&#252;ck war, bis Frankfurt Hauptbahnhof waren wir zu viert unterwegs, habe ich meine Notizen des Tages genommen und zu diesem Blogartikel &#252;berarbeitet.</p>

<p>Ich hatte schon heute morgen vor, die Notizen so zu gestalten, dass ich sie hier verwenden kann. Aber zum Teil mussten sie nat&#252;rlich &#252;berarbeitet werden. Notizen sind eben doch manchmal sehr knapp.</p>

<p>Um den Charakter der Anfangsnotizen zu erhalten, habe ich die Sprache an die direkt in den Sessions erstellten Notizen angepasst, die nat&#252;rlich im Pr&#228;sens notiert wurden. W&#228;hrend den Sessions entstand etwa ein Drittel des jetzigen Beitrags.</p>

<p>Die Anregungsdichte, die solche eine Unkonferenz mit sich bringt, beeindruckt mich immer wieder. Aber habe ich etwas davon erfahren, was Lernen in Unternehmen anders macht als in der Schule?</p>

<p>Das Lernen selbst scheint nicht so anders zu sein. Es scheinen eher die &#228;u&#223;eren Rahmenbedingungen, die Corporate-Learning pr&#228;gen. Abgesehen davon, dass Flipcharts wesentlich weiter verbreitet sind als in Schulen, spielt die betriebswirtschaftliche Aufmerksamkeit f&#252;r die Kosten von Fortbildungen im Betrieb scheinbar oft eine bedeutende Rolle. Dar&#252;ber hinaus scheint es – laut mancher &#196;u&#223;erung der anwesenden Trainer – bei Betriebsr&#228;ten Tendenzen zu geben, Fortbildungen in Betrieben eher zur&#252;ckhaltend zu betrachten. Der Pr&#252;fungsdruck bleibt in Deutschland weitgehend aus den Fortbildungen drau&#223;en, weil es kaum mal Zertifikate, sondern meist „nur“ Teilnahmenbescheinigungen gibt. Aber sonst? Habe ich etwas vergessen?</p>

<p>Die Eindr&#252;cke m&#252;ssen sich jetzt setzen. Danke an das ganze Team, das das CoLearnCamp organisiert hat, an alle, die Sessions angeboten haben, unter denen viele mehr waren, die mich interessiert haben. Aber um eine Auswahl kommt man nun eben nicht herum. Und die lebendige Diskussionskultur auf Barcamps lerne ich mehr und mehr sch&#228;tzen, denn das Niveau der Sessions, die ich bei dieser Art von Konferenzen bislang erlebt habe, finde ich wirklich bemerkenswert.</p>

<blockquote>Nachtr&#228;ge:
<ul>
    <li><a href="http://www.olivertacke.de/2011/09/11/neue-lust-neuer-frust/" target="_blank">Oliver Takes Zusammenfassung der #clc11</a></li>
    <li><a href="http://cspannagel.wordpress.com/2011/09/11/der-flipped-classroom-auf-dem-clc11/" target="_blank">Christian Spannagels Beitrag zum Flipped Classroom</a></li>
    <li><a href="http://lernspielwiese.wordpress.com/2011/09/11/clc11-eine-kleine-nachlese/" target="_blank">Monika E. K&#246;nigs „kleine Nachlese“</a></li>
    <li><a href="http://appelt.net/2011/09/coprorate-learning-camp-clc11/" target="_blank">Darstellung des clc11 aus der Sicht Ralf Appells</a></li>
    <li><a href="http://trainingkonzepte.blogspot.com/2011/09/clc11-nachlese.html" target="_blank">Ellen Trudes clc11-Nachlese</a></li>
    <li><a href="http://lress.posterous.com/corporatelearning-barcamp" target="_blank">Lore Ress &#252;ber das Corporate-Learning-Camp 2011</a></li>
    <li><a href="http://haydecker.de/2011/09/notizen-vom-clc11-in-darmstadt/" target="_blank">Joachim Haydeckers Notizen zum clc11 in Darmstadt</a></li>
</ul>
</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/07/23/muto-von-blu/" rel="bookmark" title="23. Juli 2009">MUTO von BLU</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/11/die-schueler-sind-zufrieden-ich-auch-erich-hammer-im-gespraech/" rel="bookmark" title="11. April 2009">„Die Sch&#252;ler sind zufrieden &#8211; ich auch“ – Erich Hammer im Gespr&#228;ch</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/11/17/vorspiel-zum-educamp-das-motto-neue-lernkulturen-entwickeln-und-vernetzen-ecbi11/" rel="bookmark" title="17. November 2011">Vorspiel zum #Educamp – Das Motto: „Neue Lernkulturen entwickeln und vernetzen“ – #ecbi11</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/09/15/geordnete-insolvenz-sprachverwirrung/" rel="bookmark" title="15. September 2011">„Geordnete Insolvenz“ #Sprachverwirrung</a></li>
</ul>

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		<title>Duden, Wahrig, Pons, Canoo: W&#246;rterb&#252;cher online nutzen. Ein Praxistest</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 20:44:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fr&#252;her hatte man immer mindestens ein Rechtschreib- und ein Fremdw&#246;rterlexikon auf dem Schreibtisch stehen. Duden, Wahrig und bei den Fremdsprachen kamen noch Langenscheidt oder Pons dazu. Was ist aus diesen kommerziell von Verlagen betriebenen W&#246;rterb&#252;chern im Internet geworden? Sind sie &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/01/duden-wahrig-pons-canoo-worterbucher-online-nutzen-ein-praxistest/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Fr&#252;her hatte man immer mindestens ein Rechtschreib- und ein Fremdw&#246;rterlexikon auf dem Schreibtisch stehen. Duden, Wahrig und bei den Fremdsprachen kamen noch Langenscheidt oder Pons dazu. Was ist aus diesen kommerziell von Verlagen betriebenen W&#246;rterb&#252;chern im Internet geworden? Sind sie im Netz angekommen oder vertraut man in den Verlagen nach wie vor alleine auf B&#252;cher und den Verkauf von CD-Roms mit Programmen, die dann das W&#246;rterbuch zug&#228;nglich machen? Und wenn es Angebote im Netz gibt, wie bewerte ich diese? Herrn Larbigs kleinerTest </em><em>digitaler Online-W&#246;rterb&#252;cher mit den „ber&#252;hmten Namen“ der Branche:</em></p>

<p><span id="more-6180"></span></p>

<p>Man sitzt am Rechner und schreibt. Die Rechtschreibkorrektur weist mehr oder weniger hilfreich darauf hin, wenn ein Fehler unterl&#228;uft. Aber was mache ich, wenn ich ein Wort schnell nachschlagen will? Wie kann ich mich, zum Beispiel bei einer Gedichtanlyse, versichern, wo eine Silbengrenze ist? Wie werden W&#246;rter richtig getrennt? W&#228;re da nicht ein Online-W&#246;rterbuch hilfreich?</p>

<p>Der letzte Satz ist nat&#252;rlich eine rhetorische Frage.</p>

<p>Ja, es gibt Programme f&#252;r solche Zwecke, es gibt W&#246;rterb&#252;cher, denen sind CD-Versionen des W&#246;rterbuchs beigelegt. Es geht aber mittlerweile ebenso &#252;ber die Serviceseiten der Verlage von Rechtschreibw&#246;rterb&#252;chern.</p>

<p>Die Website des <a href="http://duden.de" target="_blank">Duden</a> ist stark auf Suche hin angelegt. Auf der Startseite ist im Kopfbereich der Website ein gro&#223;es Suchfeld und direkt daneben ein Reiter, der dazu einl&#228;dt, ganze Texte &#252;berpr&#252;fen zu lassen. Das ist ein intuitives Suchen, das zuverl&#228;ssige und wirklich informative Ergebnisse liefert. Es entstehen keine Kosten f&#252;r den Benutzer.</p>

<p>Der zweite Anbieter eines Rechtschreibw&#246;rterbuches ist der Bertelsmann-Verlag mit dem <a href="http://wahrig.de" target="_blank">Wahrig – Deutsche Rechtschreibung</a>. Auch dieses W&#246;rterbuch kann online eingesehen werden, man muss nur wissen, wo. Auf der Wahrig-Website selbst gibt es nur einen Link zu einer Sprachberatung, aber keine Suchoption. Eine solche findet sich im Rahmen von wissen.de. Wissen.de geh&#246;rt zu Bertelsmann, also kein Wunder, dass <a href="http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/bildung/woerterbuecher/index.html" target="_blank">dort der Wahrig</a> genutzt wird. Es gibt da zwar auch Suchoptionen f&#252;r andere Sprachen und ausdr&#252;cklich f&#252;r Fremdsprachen, hier wird das Angebot von <a href="http://www.langenscheidt.de/" target="_blank">Langenscheidt</a> genutzt, die Ergebnisse sind zuverl&#228;ssig, aber die Benutzung empfinde ich nicht als so intuitiv, wie seit einigen Monaten auf duden.de.</p>

<p><a href="http://www.pons.de/" target="_blank">Pons</a> ist vor allem f&#252;r seine zweisprachigen W&#246;rterb&#252;cher bekannt. Entsprechend wird ein Angebot direkt auf der Startseite verf&#252;gbar gehalten, das &#220;bersetzungen in zahlreiche Sprachen erlaubt, aber als Auswahlfeld auch „deutsche Rechtschreibung“ enth&#228;lt. Durch die Notwendigkeit, nach der Eingabe des Wortes noch auszuw&#228;hlen, welches W&#246;rterbuch man nutzen will, bieten sich viele M&#246;glichkeiten. Hat man erst einmal z. B. das Rechtschreibw&#246;rterbuch ausgew&#228;hlt, erinnert sich die Website bei weiteren Anfragen daran, solange man die Website nicht verl&#228;sst.</p>

<p>Ein im Netz seit Jahren verf&#252;gbarer Dienst zur Rechtschreibung und Grammatik ist <a href="http://canoo.net" target="_blank">canoo.net</a> aus der Schweiz. Von den kommerziell betriebenen, aber kostenlos nutzbaren Anbietern ist das Angebot von Canoo – gemeinsam mit der seit einigen Monaten im jetzt gebotenen Umfang verf&#252;gbaren Suche beim Duden – mein pers&#246;nlicher Favorit.</p>

<p>Canoo ist eine Suchmaschine f&#252;r so ziemlich alle formalen Fragen des Deutschen: Rechtschreibung, Wortbildung, Satzgrammatik, Grammatik – und eine <a href="http://Canoo.net/services/Search/ueberblick/index.html?lang=de">Linkliste zu weiteren W&#246;rterb&#252;chern</a> kann man dort auch noch finden. Aufgrund ihres Umfangs ist diese Suchmaschine zur deutschen Sprache momentan mein Favorit, auch wenn sie aus keinem der „gro&#223;en“, in Deutschland vertraute Namen tragenden Verlage kommt.</p>

<p>Resultat meines kleinen Tests:</p>

<ol>
    <li>Favorit ist f&#252;r mich zum Zeitpunkt des Testes das Angebot von <a href="http://Canoo.net" target="_blank">Canoo.net</a>.</li>
    <li>Nahezu gleich auf und in Sachen Layout der Gewinner in der meiner subjektiven Gesamtwertung aber auf Platz 2 sehe ich das Angebot des <a href="http://duden.de" target="_blank">Dudens</a>.</li>
    <li>Das Angebot von Pons kommt wohl auch deshalb auf den dritten Platz, weil man nicht auf den ersten Blick sieht, dass auch ein Rechtschreibw&#246;rterbuch der deutschen Sprache angeboten wird.</li>
    <li>Logischerweise suche ich das Angebot des Wahrig-W&#246;rterbuches auf <a href="http://wahrig.de" target="_blank">wahrig.de</a>. Dort finde ich aber nichts. Erst &#252;ber eine Suchmaschine finde ich den <a href="http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/bildung/woerterbuecher/index.html" target="_blank">Link zur entsprechenden Seite bei wissen.de</a>. Das ist mir zu versteckt, um auf einen anderen als den letzten Platz zu kommen.</li>
</ol>

<p>Die Ergebnisse, die die Angebote liefern, waren in allen Probeabfragen zuverl&#228;ssig. Gef&#252;hlt war das Angebot des Dudens am schnellsten. Und wenn der Rechner gerade l&#228;uft, w&#228;hrend ich am Schreiben bin – da ich viel am Computer schreibe, ist das quasi immer der Fall –, ist es f&#252;r mich naheliegend, meine vorhandenen, gedruckten W&#246;rterb&#252;cher im Regal stehen zu lassen und online zu recherchieren. Ja, auch ein Deutschlehrer muss das immer wieder tun <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Neben den gro&#223;en Namen der W&#246;rterbuchbranche aus Druckzeiten gibt es<a href="http://Canoo.net/services/Search/ueberblick/index.html?lang=de" target="_blank"> zahlreiche W&#246;rterb&#252;cher im Netz</a>, die teilweise auch OpenSource sind. Diese ber&#252;cksichtige ich in diesem Test nicht, weil ich ja wissen wollte, was mit den Namen geworden ist, die ich aus meiner Schulzeit kenne; weil ich wissen wollte, ob man von diesen Anbietern nutzbare Unterst&#252;tzung online bekommt. Und weil es im Netz immer den Verdacht gibt, dass solche Tests wom&#246;glich beauftragt wurden: Nein. Auf herrlarbig.de finden sich keine Auftragsarbeiten, das geh&#246;rt zum Konzept dieses Blogs dazu. Mich hat einfach die Frage interessiert. Und w&#228;hrend ich ihr nachging ist dann eben dieser Beitrag entstanden, der vielleicht ein wenig bei der Orientierung helfen kann.</p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 11 – Thorsten Havener: Ich wei&#223;, was du denkst</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Aug 2011 22:25:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein leeres Versprechen, das der Untertitel zu Thorsten Haveners: „Ich wei&#223;, was du denkst. <em>Das Geheimnis Gedanken zu lesen“ </em>suggeriert.</p>

<p>Havener mag die Aufmerksamkeit f&#252;r nonverbale Elemente der Kommunikation sch&#228;rfen, <span id="more-6133"></span>aber mit Gedankenlesen hat das nichts zu tun.</p>

<p>Wenn Havener zu Beginn seines Buches auch suggerieren mag, er w&#252;rde hier einige der Geheimnisse verraten, die ihn als Mentalisten erfolgreich machen, so bleibt es doch bei dieser Suggestion, enth&#228;lt das Buch doch kaum Wissen, das nicht jeder, der sich mit den <em>Grundlagen</em> (non(verbaler Kommunikation befasst, fr&#252;her oder sp&#228;ter selbst entdecken wird. Man k&#246;nnte auch sagen: Der Titel des Buchs ist eine Suggestion, die dem Verkaufserfolg dienen mag, aber den Inhalt des Werkes nicht angemessen widerspiegelt.</p>

<p>Dennoch, das kann und will ich nicht leugnen, bietet Havener einen gewissen Reflexionshorizont, der die Alltagskommunikation bewusster machen kann. An keiner Stelle habe ich den Eindruck gehabt, ich m&#252;sste Widerspruch leisten. Aber ich habe auch an keiner Stelle das Gef&#252;hl bekommen, Havener w&#252;rde mir irgendetwas mitteilen, was ich nicht schon w&#252;sste.</p>

<p>Fazit: Der Titel ist &#252;bertrieben, der Inhalt dennoch hilfreich f&#252;r jeden und jede der oder die sich eine Sensibilisierung f&#252;r die Bedeutung nonverbalber und auch verbaler Kommunikation im Alltag verschaffen will. Dieses Sachbuch macht niemanden zum „Gedankenleser“, auch wenn der Untertitel behauptet, es ginge um dieses Thema. Aber dieses Sachbuch kann die Wahrnehmung der allt&#228;glichen Kommunikation verfeinern. Allein aus diesem Grunde habe ich es gern gelesen.</p>

<blockquote>Thorsten Havener, Ich wei&#223;, was du denkst. Das Geheimnis, Gedanken zu lesen, Reinbek bei Hamburg, 17. Auflage 2010 (zuerst 2009), 191 Seiten, 12,00 €.

&nbsp;</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Faust 1 – Studierzimmer – Verse 1178–1529</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 20:20:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Faust 1 – Studierzimmer – Verse 1178–1529 von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Wenn der Teufel Worte aus der Bibel h&#246;ren muss, einem religi&#246;sen Gef&#252;hl in seiner unmittelbaren Umgebung begegnet, so ist &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/11/faust-i-studierzimmer-verse-11781529/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Faust 1 – Studierzimmer – Verse 1178–1529</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/?p=6125" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p>Wenn der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mephistopheles" target="_blank">Teufel</a> Worte aus der Bibel h&#246;ren muss, einem religi&#246;sen Gef&#252;hl in seiner unmittelbaren Umgebung begegnet, so ist es naheliegend, dass er nicht ruhig sein kann, „hin und wider“ rennt (V 1186), dass er „zu den heiligen T&#246;nen, / Die jetzt meine [Fausts] ganze Seel&#8217; umfassen” (V 1202f.) knurrt, auch wenn dazu „der tierische Laut nicht passen“ (V 1204) will.</p>

<p>Und als <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/faust-1/" target="_blank">Faust</a> dann auch noch beginnt,<span id="more-6125"></span> den <a title="»Im Anfang war die Tat« – Das Verb als Satzzentrum" href="http://herrlarbig.de/2008/09/25/im-anfang-war-die-tat-das-verb-als-satzzentrum/" target="_blank">Anfang des Johannesevangeliums </a>zu &#252;bersetzen (V1224–1237), beginnt der Pudel zu heulen, zu bellen und Faust kommt zu dem Schluss: „Solch einen st&#246;renden Gesellen / Mag ich nicht in der N&#228;he leiden.“ (V 1241f.) – Und doch treibt ihn die Neugier an. Die Spannung steigt, die Worte an den Pudel sind in k&#252;rzeren Versen als jene der religi&#246;sen Innigkeit. Und die Worte der Beschw&#246;rungsformel (V 1273–1321) Fausts angesichts des Pudels werden in noch k&#252;rzere Verse gefasst, die die Unruhe ausdr&#252;cken, die sich erst entspannt als der der Pudel sein Wesen zeigt. Hier steht dann auch der ber&#252;hmte Vers „Das also war des Pudels Kern.“ (V 1322)</p>

<p>Faust entspannt sich sprachlich in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alternanz_(Verslehre)" target="_blank">alternierenden Versen</a>. Und doch will er wissen, mit wem er es da zu tun hat, erinnert er sich doch an die alte <a href="http://www.sciacchitano.it/Pensatori%20epistemici/Benjamin/&#220;ber%20Sprache%20&#252;berhaupt.pdf" target="_blank">Vorstellung, dass der Namen das Wesen beschreibt, dass das Wissen um den Namen Macht &#252;ber das Benannte gibt</a>. „Bei euch, ihr Herrn, kann man das Wesen / Gew&#246;hnlich aus dem Namen lesen” (V 1330f.) Und Faust erf&#228;hrt den Namen nicht, bekommt vielmehr ein „R&#228;tselwort“ (V 1337), in dem sich Mephistopheles mit seiner nihilistischen, alles verneinenden Lebenseinstellung vorstellt. „Goethes Mephistopheles pervertiert alles: die Welt geht vom Dunkel aus und l&#228;uft auf das Nichts hin – ein Gegenbild zu dem, was der <a title="Faust 1: Zueignung, Vorspiel auf dem Theater, Prolog im Himmel" href="http://herrlarbig.de/2008/09/04/goethes-faust-zueignung-vorspiel-auf-dem-theater-prolog-im-himmel/" target="_blank"><em>Prolog im Himmel</em></a> zeigte.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/11/faust-i-studierzimmer-verse-11781529/#footnote_0_6125" id="identifier_0_6125" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, M&amp;#252;nchen 1998, S. 533.">1</a></sup></p>

<p>Mephistopheles geht es um Zerst&#246;rung und er sagt dies offen. Gleichzeitig aber bekommt die Szene fast etwas kom&#246;dienhaftes, als Mephistopheles das Zimmer Fausts nicht verlassen kann. „Der Teufel kann nicht aus dem Haus“ (V 1408), weil ihn ein Pentagramm davon abh&#228;lt. Zwar ist es nicht ganz geschlossen gezeichnet, aber den Weg nach drau&#223;en versperrt es. Faust fragt (fast schon schelmisch?): „Doch warum gehst du nicht durchs Fenster?“ (V 1409) worauf ihm Mephistopheles die strengen Gesetze nennt, denen er offensichtlich unterworfen ist, obwohl er doch „stets verneint“ (V 1338):</p>

<blockquote>„&#8217;s ist ein Gesetz der Teufel und Gespenster: / Wi sie hereingeschl&#252;pft, da m&#252;ssen sie hinaus. / Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte.“ (V 1410–1412)</blockquote>

<p>Als Faust dies h&#246;rt, bietet <em>er</em> Mephistopheles einen Pakt an (V 1415), worauf dieser erst einmal ein wenig Abstand suchen will, was Faust gar nicht gef&#228;llt: „Den Teufel halte, wer ihn h&#228;lt! Er wird ihn so bald zum zweiten Male fangen.” (V 1429) Mephistopheles f&#252;gt sich scheinbar, zeigt aber dennoch seine Kraft, indem er Geister singen l&#228;sst (V 1447–1505), die in Kurzversen, fast durchgehend gereimt spreche, wobei das Klangliche und Sinnenhafte<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/11/faust-i-studierzimmer-verse-11781529/#footnote_1_6125" id="identifier_1_6125" class="footnote-link footnote-identifier-link" title=" Vgl.&nbsp;((Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, M&amp;#252;nnchen 1998, S. 535.">2</a></sup> vorherrscht. Es wird vor allem der Sehsinn angesprochen, hin und her pendelnde, kurze zweihebige Verse, fast wie ein Pendel bei einer Hypnose – einlullend und einschl&#228;fernd.</p>

<p>Doch dieses „Konzert“ (V 1508), ein weiterer Hinweis auf Mephistopheles begrenzte Macht, konnte Mephistopheles zwar herbeirufen, aber seine Wirkung nicht selbstst&#228;ndig erzeugen. Und nun braucht er auch noch eine Ratte, die das Holz, auf dass das Pentagramm gemalt ist, so anknabbert, dass es sich &#246;ffnet und Mephistopheles entfliehen kann. – Aber er kommt wieder, von sich aus, in einer anderen Verkleidung. Schon in der folgenden Szene, die wiederum im Studierzimmer spielt, klopft er an, ist bereit den Pakt mit Faust einzugehen, aber dies ist, wie schon gesagt, die n&#228;chste Szene.</p>

<p>Verwendete Literatur:</p>

<p>Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, M&#252;nchen 1998.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<pubDate>Sun, 07 Aug 2011 22:01:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Zugegeben: Bei allem, was ich so tue, vertraue ich auf die Qualit&#228;t von Inhalten. Ich vertraue darauf, dass Inhalte, die zun&#228;chst einmal wenig individualisiert, wenig differenzierend wirken m&#246;gen, in der Lage sind, selbst in heterogenen Lerngruppen Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/08/ermutigung-zur-differenzierenden-autonomie/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zugegeben: Bei allem, was ich so tue, vertraue ich auf die Qualit&#228;t von Inhalten. Ich vertraue darauf, dass Inhalte, die zun&#228;chst einmal wenig individualisiert, wenig differenzierend wirken m&#246;gen, in der Lage sind, selbst in heterogenen Lerngruppen Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen ansprechen zu k&#246;nnen. Ich vertraue darauf, dass Menschen in der Lage sind, mit Inhalten auf genau die Art und Weise umzugehen, die f&#252;r sie angemessen ist, so sie erst einmal das Vertrauen vermittelt bekommen, dass sie das d&#252;rfen!</p>

<p>Ich habe viele Unterrichtsvorbereitungen erlebt,<span id="more-6120"></span> bei mir selbst, bei Praktikanten und Praktikanntinnen, bei Lehrern und Lehrerinnnen im Vorbereitungsdienst (Referendare und Referendarinnen), die versuchten, f&#252;r unterschiedliche Leistungsstufen in einer Klasse Konzepte zu entwickeln, die dann im Sinne der Binnendifferenzierung umgesetzt werden sollten. Ich fragte mich immer, wie dieser Aufwand, den ich zugegebenerma&#223;en durchaus auch noch betreibe, wenn ich den Eindruck habe, dass es notwendig ist, angesichts der sowieso schon umfassenden Beanspruchung von Lehrenden reduziert werden kann, ohne dass es zum Nachteil der Lernenden ist.</p>

<p>Mir scheint es heute so, als ob Binnendifferenzierung im Unterricht oft daran krankt, dass sie versucht, unterschiedliche Zugangsweisen zu Inhalten und Kompetenzen zu inszenieren. Was im Prinzip n&#228;mlich gut und w&#252;nschenswert ist, dass Lehrende unterschiedliche Zugangsweisen zu Inhalten und Kompetenzen erm&#246;glichen, damit m&#246;glichst viele Lernende Ankn&#252;pfungsm&#246;glichkeiten und somit Lernoptionen finden, wird bevormundend, wenn eine Differenzierung nicht darauf hin ausgelegt ist, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sich trauen, Inhalte mit den unterschiedlichen Hintergr&#252;nden zu verbinden, die sie zweifellos mit in den Unterricht bringen.</p>

<p>Ich schreibe das, soviel muss vielleicht gesagt werden, um meinen eigenen Horizont zu verdeutlichen, als jemand, der sich im geisteswissenschaftlichen Bereich bewegt. Nat&#252;rlich gibt es in den Geisteswissenschaften Wissensbest&#228;nde, die es sich anzueignen gilt, aber es gibt eben unterschiedlichste Formen, wie Sch&#252;ler Zugang zu Themen finden, mit denen ich bei allen Differenzierungsversuchen wom&#246;glich gar nicht rechne.</p>

<p>Im Laufe der Jahre lehrt die Erfahrung zwar, welche Zugangsoptionen sinnvollerweise angeboten werden sollten, aber solche Erfahrung l&#246;st nicht das Problem der differenzierenden Vorbereitung von Unterricht, welche extrem zeitaufw&#228;ndig ist, aber gleichzeitig oft ohne Gew&#228;hr, dass der Nagel f&#252;r m&#246;glichst viele Zugangsweisen, Lerntypen, Denktypen, Ankn&#252;pfungshorizonte wirklich auf den Kopf getroffen wurde.</p>

<p>Im Laufe der Jahre waren es immer wieder Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die mich mit ihren pers&#246;nlichen Zugangsweisen zu Inhalten &#252;berrascht haben und meinen eigene Horizont erweiterten. Meist waren es Gedichte, aber auch bei umfangreicheren literarischen Texten machte ich diese Erfahrung, auf die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler Kenntnisse aus anderen F&#228;chern anwendeten, um einem Verstehen n&#228;her zu kommen.</p>

<p>Mir haben schon Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler erkl&#228;rt, welche Elemente der Musiktheorie sie in Gedichten und auch in Prosatexten finden konnten, es haben aber auch schon Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mathematisch-naturwissenschaftliche Strukturen auf Inhalte anwenden k&#246;nnen, die im Deutsch und Religionsunterricht eine Rolle spielen.</p>

<p>Dabei kamen immer wieder Erkenntnisse zustande, die ich selbst, der ich ja nun wirklich nicht in jedem Fachgebiet sonderlich kompetent bin, nie in der Planung von Unterricht h&#228;tte vorweg denken (antizipieren) k&#246;nnen. Und genau diese Erfahrung war es, die mich zu der Frage brachte, warum wir Lehrende jede Kleinigkeit inhaltlich zu antizipieren versuchen, wenn wir Unterricht planen?</p>

<p>Ich erinnere mich, dass ich einmal eine sehr differenzierte, methodisch vielf&#228;ltig gestaltete Stunde vorbereitet hatte. Mir wurden zu dieser Stunde, die durchaus von Methoden gepr&#228;gt wurde, damals zwei Fragen gestellt, die das Konezpt durcheinander wirbelten. Frage 1: Wo ist der Text? (Die Stunde geh&#246;rte zu einer Einheit zu einem Roman.) Frage 2: Wo sind die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen.</p>

<p>Darauf hin entschied ich mich, meine Konzentration auf den Text zu richten, diesen wirklich ins Zentrum meiner Vorbereitung der Stunde zu stellen, ohne didaktische und methodische Fragen aus dem Blick zu verlieren. Es war geradezu so, dass ich methodisch intensiv mit der Frage befasst war, wie ich den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen des Deutschkurses Freiheit im Umgang mit dem Text geben konnte, ohne dabei die Perspektive des Lernfortschritts aus den Augen zu verlieren. – Die auf diesen &#220;berlegungen beruhende Stunde war extrem lebendig und, so will ich meinen, fruchtbar.</p>

<p>Jedes Mal, wenn ich h&#246;re oder lese, dass es nicht so sehr um den Inhalt gehe, sondern um die Bed&#252;rfnisse von anderen, die es, um des eigenen Erfolges willen zu befriedigen gelte, zucke ich innerlich zusammen. Ein solches Zucken war auch der Ausgangspunkt dieses Blogartikel.</p>

<p>Ich stie&#223; heute auf den Artikel „<a href="http://www.business2community.com/marketing/content-is-no-longer-king-a-look-at-what-really-matters-047210" target="_blank">Content Is No Longer King; A Look At What Really Matters</a>“, indem gesagt wird, dass der Erfolg (eines Webauftritts) davon abh&#228;nge, dass man das Publikum (Audience) angemessen anspreche. Auch wenn es vielleicht nicht so gemeint ist, h&#246;re ich aus solchen Aufforderungen, das Publikum ins Zentrum zu stellen, die Aufforderung, sich so um die Inhalte zu k&#252;mmern, dass diese genau das liefern, was sich das Publikum w&#252;nscht.</p>

<p>Meine &#220;berzeugung ist, dass die Lesenden im Internet und anderswo durchaus in der Lage sind, selbst ihre Bed&#252;rfnisse auf Inhalte im Netz hin zu wenden und von diesen ausgehend Erkenntnisgewinne selbst zu generieren. Anders ausgedr&#252;ckt: Wenn ich mich auf die Inhalte konzentriere, sie m&#246;glichst differenziert reflektiere, kann ich &#252;berhaupt erst die fachliche Sicherheit erlangen, die es mir erlaubt, differenzierend mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen zu arbeiten, weil ich dann Platz habe, Raum zu geben, in dem Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit den Inhalten arbeiten d&#252;rfen.</p>

<p>Anders ausgedr&#252;ckt: Die produktiven Freir&#228;ume im Unterricht liegen dort, wo Freir&#228;ume &#252;berhaupt erst einmal gegeben werden. Ein voll durchgeplanter Unterricht verhindert solche Freir&#228;ume viel zu oft, weil er sie nicht gibt, weil er mit ihnen nicht rechnet.</p>

<p>Als Deutschlehrer k&#246;nnte ich diese Aussage auch so formulieren: Die Autonomie des Lernens erm&#246;glichen Lehrer und Lehrerinnen dann, wenn sie nicht nur die autonomen Zug&#228;ngen zu Wissensstrukturen und Kompetenzen von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern erm&#246;glichen, sondern gleichzeitig  die Autonomie des Lerngegenstandes (des literarischen Textes) ernst nehmen, die sich zumindest teilweise gegen die methodisch-didaktisch orientierte Planbarkeit stellt.</p>

<p>Es k&#246;nnte also (mindestens in geisteswissenschaftlichen F&#228;chern) eine doppelte Autonomie proklamiert werden, welche im Lernprozess in produktive Spannung ger&#228;t: Die Autonomie des Lernenden gegen&#252;ber dem Lerngegenstand trifft (in geisteswissenschaftlichen, ganz sicher aber in k&#252;nstlerischen F&#228;chern) auf die Autonomie des Lerngegenstandes gegen&#252;ber dem Lernende.</p>

<p>Lehrer und Lehrerinnen versuchen nach wie vor viel zu h&#228;ufig, die Lerngegenst&#228;nde im sprachlichen und geisteswissenschaftlichen Aufgabenfeld sehr funktional zu sehen. Dabei &#252;bersehen sie oft die zu relevanten Erkenntnissen bef&#228;higende Autonomie der Lerngegenst&#228;nde, die Wissens-, Kompetenzen- und Erkenntnisszuwachs &#252;berhaupt erst erm&#246;glicht, weil sie den auf die Lerngest&#228;nde treffenden Lernenden selbst befragt – und in diesem Sinne auch ernst nimmt.</p>

<p>So verstehe ich den Begriff der „differenzierende Autonomie“, der als Begriff in der Didaktik meine Kenntnis nach bislang nicht verwendet wird. „Differenzierende Autonomie“ meint eine doppelte Autonomie. Lehrende (in den Geisteswissenschaften)  sind Vermittler (Medien), die die Aufgabe haben, die Freiheit des Lernenden mit der Freiheit des zu Lernenden zu konfrontieren und das Lernen zu erm&#246;glichen, das sich aus der Begegnung dieser Freiheiten ergeben kann, f&#252;r den Lehrenden aber nicht immer Vorhersehbar ist.</p>

<p>„Differenzierende Autonomie“ stellt sich als Begriff gegen die Bevormundung von Lernenden durch eine &#220;berdifferenzierung von Inhalten schulischen Unterrichtes durch Lehrende, die den Differenzierungsgedanken nicht dazu nutzen, um M&#246;glichkeiten zu er&#246;ffnen, sondern vielmehr als Festlegung von Individuen gebrauchen, denen sie bestimmte Leistungen zutrauen, ohne damit zu rechnen, dass der Lernende selbst m&#246;glicherweise Ankn&#252;pfungspunkte mitbringt, die ein Lehrender bei seinen Differenzierungsbem&#252;hungen vielleicht nicht ber&#252;cksichtigen kann, weil er sie nicht kennt.</p>

<p>„Differenzierende Autonomie“ steht als Begriff f&#252;r die &#220;berzeugung, dass es Dimensionen des Lernens gibt, die &#252;ber die Planbarkeit durch den Lehrenden hinaus gehen. F&#252;r mich als geisteswissenschaftlich orientierten Lehrer bedeutet „differenzierende Autonomie“, dass ich die Autonomie nicht nur der Lernenden sondern auch der Lerngegenst&#228;nde, die oft Kunstwerke sind, ernst nehme und als Realit&#228;t bei der Planung von Unterricht ber&#252;cksichtige.</p>

<p>„Differenzierende Autonomie“ – f&#252;r mich selbst ist das ein Begriff, der sich im Laufe der Zeit aus meinen Reflexionen von Unterricht ergeben hat. Mir selbst scheint er einleuchtend. Es geht darum, einzelnen Lernenden das Vertrauen zu geben, dass sie mit ihren M&#246;glichkeiten des Umgangs mit Lerngegenst&#228;nden einen Lernprozess gestalten k&#246;nnen, darum, die Lernhorizonte der Lernenden wirklich ernst zu nehmen, ohne z. B. literarische Texte zu funktionalisieren und diese damit ihres k&#252;nstlerischen Wertes zu entleeren, um bestimmte Ziele zu erreichen, die eben nicht die Autonomie von Lernenden und Lerngegenst&#228;nden ernst nehmen.</p>

<p>Wie aber wird der Begriff der „differenzierenden Autonomie“ von anderen verstanden? – Lieber Leser! Liebe Leserin! Ich w&#252;rde mich sehr freuen, wenn Sie / du mir einen Kommentar hinterlassen w&#252;rden /w&#252;rdest, ob Sie / du, diesen Begriff als analytischen und als praxisorientierten Begriff nachvollziehen k&#246;nnen / kannst.</p>

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		<title>Perspektiven f&#252;r Blog-Debatten: Aktuelle Entwicklungen im Netz</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Aug 2011 22:19:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zwei Blogbeitr&#228;ge geben Anlass zu diesem Blogbeitrag. Warum es wichtig ist, dass ich hier auf Eintr&#228;ge in anderen Blogs reagiere, wird gleich deutlich werden. Via Twitter stie&#223; ich auf einen Beitrag Matthias Schwenke im „bwl zwei null”-Blog mit dem Titel Blogs &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/03/perspektiven-fur-blog-debatten-aktuelle-entwicklungen-im-netz/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Blogbeitr&#228;ge geben Anlass zu diesem Blogbeitrag. Warum es wichtig ist, dass ich hier auf Eintr&#228;ge in anderen Blogs reagiere, wird gleich deutlich werden.</p>

<p>Via Twitter stie&#223; ich auf einen Beitrag Matthias Schwenke im „bwl zwei null”-Blog mit dem Titel</p>

<blockquote><a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2011/08/02/blogs-in-der-defensive-uber-den-kommunikationswandel-in-sozialen-medien/" target="_blank">Blogs in der Defensive? &#220;ber den Kommunikationswandel in sozialen Medien</a></blockquote>

<p>und von diesem ausgehend dann auf einen Beitrag, der bereits im Mai 2011 von Robert Basic ver&#246;ffentlicht wurde, in dem er fragt:</p>

<blockquote><a href="http://www.robertbasic.de/2011/04/wo-ist-die-blog-debatte-hin/" target="_blank">Wo ist die Blog-Debatte hin?</a></blockquote>

<p>In diesem Zusammenhang stie&#223; ich dann bei Robert Basic auf den</p>

<blockquote><a href="http://www.robertbasic.de/2011/07/blog-blurb/" target="_blank">Blog-Blurb</a>,</blockquote>

<p>der im Juli 2011 ver&#246;ffentlicht wurde.</p>

<p>„Blog-Blurb“ meint die kleinen Kn&#246;pfchen und nicht immer so kleinen Bildchen unter Blogeintr&#228;gen, die der Einspeisung des in Blogs erstellten Inhalts (Contents) in die soziale Netzwerke dienen, in denen sich die Leute heute eigentlich tummeln. Und die Quintessenz der Frage, ob Blogs in der Defensive seien (Matthias Schwenk) und wo die Blog-Debatte hin sei (Robert Basic) hat viel mit dem „Blog-Blurb“ zu tun.</p>

<p>Ja, Diskussionen wandern aus den Blogs aus, so der Eindruck. Sie emigrieren mehr und mehr in soziale Netzwerke jenseits der gro&#223;en Blogbetreiber, die eigentlich Netzwerke anbieten, selbst soziale Netze sein wollen. Das ist zumindest dann so, wenn ein Blog bei Blogger, blogspot, WordPress.com oder wie die Dienste alle hei&#223;en betrieben wird.</p>

<p>Und dann gibt es noch Domain-Inhaber, die eigene Blogs betreiben, die sich selbst um die Infrastruktur k&#252;mmern und damit belohnt werden, dass sie die Hoheit &#252;ber die Inhalte und, das wird in der Debatte oft vergessen, die anfallenden Besucherdaten haben, so keine externen Statistikinstrumente wie Google-Analytics verwendet werden.</p>

<p>Doch dieser Lohn ist ein magerer, angesichts der Frage,<span id="more-6024"></span> wer diese Blogs denn eigentlich liest und – das ist noch viel wichtiger – im Blog oder &#252;ber Bloggrenzen hinweg eine konstruktive Debatte anst&#246;&#223;t.</p>

<p>Ja, Robert Basics und Matthias Schwenke Beobachtung kann ich nachvollziehen. Es ist schwer geworden, mittels Blogs in Debatten einzusteigen. Und deshalb ist die Eingangsbemerkung wichtig, dass dieser Blogbeitrag genau diesen Ball aufgreift und in die Debatte eingreift.</p>

<p>Seit es Google+ gibt, also <del>noch nicht lange</del> seit ein paar Tagen (!), sto&#223;e ich immer h&#228;ufiger auf Beitr&#228;ge, die fr&#252;her in Blogs gestanden h&#228;tten, die nun pl&#246;tzlich mit einem Link zu Google+ versehen sind. Nicht, dass ich schon bei Google+ selbst dabei w&#228;re, doch wenn mich mein Eindruck nicht t&#228;uscht, dann versucht Google sich weiter an der gro&#223;en <del>Integrationsleistung</del> Monopolisierung, die darin besteht, das gesamte Wissen der Wissen nicht nur auffindbar und zug&#228;nglich zu machen, sondern immer mehr Teile dieses Wissen auch zum Teil des Google-Imperiums werden zu lassen, also in gewissem Ma&#223;e die Hoheit &#252;ber die Daten zu erlange, Wissen zu monopolisieren.</p>

<p>Und das scheint zu funktionieren.</p>

<p>Bei Facebook funktioniert es auch. Nur hat Google jetzt wohl verstanden, dass Texte nicht viel Speicher verbrauchen und dass es kein Problem darstellt, Texte in unbegrenzter L&#228;nge zuzulassen. – Wenn die Leute dann in den Netzen erste einmal <del>gefangen</del> drinnen sind, dann werden sie auch diese Debatten innerhalb dieser Netze f&#252;hren. Das passiert auch heute schon, selbst wenn die Zeichenzahl daf&#252;r begrenzt ist.</p>

<p>Ich beobachte an mir selbst, wie ich manchmal in Diskussionen auf 140-Zeichen-Basis (<a href="http://twitter.com/herrlarbig" target="_blank">Twitter</a>) gerate, die dann teilweise recht lang werden. So lang, dass man sich manchmal fragt, was man damit den eignen Followern antut.</p>

<p>Die Erfahrung lehrt mich, dass Follower auf Inhalte und auf inhaltlich gef&#252;hrte Debatten nicht sonderlich genervt reagieren. Das tun sie eher dann, wenn Tweets nur noch Verweise auf andere Inhalte sind, statt selbst Inhalte zu haben. Anders als in Blogs finden auf Twitter dann Debatten statt, die nur stattfinden k&#246;nnen, wenn sich die Teilnehmenden kurz fassen, auf den Punkt kommen k&#246;nnen, Argumentationen verk&#252;rzen.</p>

<p>Einen gro&#223;en Nachteil aber haben diese Debatten: Sie bleiben vielleicht in der Erinnerung der Beteiligten oder besonders aktiv mitlesender Follower erhalten, sind aber nicht dokumentiert, letztlich kaum nachvollziehbar. Solche Debatten „versenden“ sich.</p>

<p>Debatten auf Blogs sind langwieriger, aufwendiger zu verfolgen, vielleicht sogar nachhaltiger. Deshalb ordnet Matthias Schwenk seinen Beitrag auch der Kategorie „Beschleunigung“ zu.</p>

<p>Google macht nun ein Angebot, das einerseits umfassende inhaltliche Beitr&#228;ge erm&#246;glicht, diesen aber zus&#228;tzlich potentiell eine gro&#223;e &#214;ffentlichkeit verschafft.</p>

<p>Daran leider kranken meines Erachtens &#252;brigens „Blog-Debatten“ von Anfang an, genau genommen seit ein paar Blogger das Netz erobert haben und im Prinzip die Meinung vertraten, dass Bloggen letztlich nichts anderes bedeute, als sich bloggend mit dem Netz (also im wesentlichen mit sich selbst) zu besch&#228;ftigen und „das Netz“ ins Zentrum zu stellen. Wer sich mit anderen Inhalten befasste, wurde und wird weitgehend von „echtenBloggern“ nur dann beachtet, wenn man die gleichen Themen hat, sich also die gleichen Begrenzungen auferlegt. Tut man dies nicht, dann ist man jemand, der eine Blogsoftware als Content-Managementsystem (CMS) nutzt und nicht etwa ein Blogger, nein, Blogger bloggen &#252;ber das Bloggen und das Netz und reagiert wird auf Blogger, die &#252;ber das Bloggen und das Netz bloggen.</p>

<p>Die Chance wurde bis heute weitgehend verpasst, mit Blog-Debatten die Debatten-Landschaft wirklich zu erweitern. Es gibt einzelne Kampagnen, die sich via Netz durchsetzen k&#246;nnen. Interessanterweise haben einige &#252;ber Blogs gro&#223; gewordene Blogger, die sich um kleine Blogs in der Regel nicht geschert haben, sondern eben genau so unter sich geblieben sind, wie es die Kommentatoren meines Blogs sind, wie es sich allzu oft auch in meinen Reaktionen auf Beitr&#228;ge Dritter widerspiegelt, genau in dieser Zeit beschlossen, dass sie sich jetzt um Kampagnenarbeit k&#252;mmern wollen, die digitale B&#252;rgerrechte in den Blick nimmt.</p>

<p>Nicht, dass das falsch verstanden wird, dieses Mal erw&#228;hne ich dieses Ph&#228;nomen nur beschreibend und nicht wertend, wie ich das <a title="Die Sprache der „Digitalen Gesellschaft“ (Eine Kritik #digiges @digiges)" href="http://herrlarbig.de/2011/04/16/die-sprache-der-digitalen-gesellschaft-eine-kritik-digiges-digiges/" target="_blank">im Rahmen einer sprachkritischen Auseinandersetzung mit dem von diesen Bloggern et al. gegr&#252;ndeten Verein</a> auch schon getan habe.</p>

<p>Im Prinzip gab es  die Blogsphere nie so, wie es sie h&#228;tte geben k&#246;nnen, wenn Blogger und Bloggerinnen nicht einfach das reproduziert h&#228;tten und nach wie vor reproduzieren w&#252;rden, was in Communities schon immer getan wurde, n&#228;mlich sich auf sich selbst und untereinander zu beziehen, statt neugierig, die F&#252;hler auszustrecken und zumindest in einem gewissen Rahmen und gezielt Beitr&#228;ge zu leisten, die nicht mit der eigenen „Community“ zu tun haben.</p>

<p>Das ist angesichts der zahlreichen Blogs nur begrenzt leistbar. Und oft kranken solche &#196;u&#223;erungen auch daran, dass man einander belehren will. Das wird Lehrern oft vorgeworfen, dabei wird aber meist &#252;bersehen, wie h&#228;ufig Dritte Lehrer belehren wollen, wobei die Kompetenztiefe dieser Ambitionen au&#223;erordentlich weit gef&#228;chert ist.</p>

<p>Die Selbstreferentialit&#228;t hat sicher auch damit zu tun, dass gute Blogger in der Regel wissen, in welchen Bereichen sie kompetent sind und zu welchen Bereichen sie lieber schweigen sollten. Spannend wird es aber allemal, wenn jemand mit anderen Denkstrukturen als man selbst, diese anderen Sichtweisen reflektiert in Debatten einbringt.</p>

<p>Was ich in den Blogdebatten vermisse und immer vermisst habe, ist der respektvolle „fremde“ Blick auf unterschiedliche Materien, ein Blick, der sich nicht anma&#223;t, die Weisheit mit L&#246;ffeln gefuttert zu haben, ein Blick, der nicht zeigen will, wie toll man selbst ist und dass der andere, obwohl mehr vom Fach als man selbst, eigentlich doch eh keine Ahnung hat, ein Blick der sich einfach als „fremder Blick“ ins Spiel bringt und den Horizont der Mitspieler erweitert.</p>

<p>Twitter hat mir diese Erweiterung des Blicks zum Teil gebracht. Twitter bringt mich auf Blogs, die ich nicht auf dem Schirm habe. Twitter lockt mich dank einer Followerstruktur, die einerseits meine Interessen widerspiegelt, die aber andererseits dennoch ziemlich bunt ist, immer wieder auf Entdeckungsreisen.</p>

<p>Aber trauen andere Blogger, die &#252;ber das Netz und Blogs bloggen, einem Lehrer zu, selbst einen kompetenten Beitrag zu diesen Fragen leisten zu k&#246;nnen? Traue ich als Blogger Leuten kompetente &#196;u&#223;erungen zu meinen Themen zu, deren Schwerpunkte andere Themen sind?</p>

<p>Als Lehrer und Akademiker wei&#223; ich schon lange, dass die Zeit der Universalisten angesichts der F&#252;lle des heute verf&#252;gbaren Wissens zu Ende gegangen ist.</p>

<p>Wir leben in einer „Expertenwelt“. Diese Experten k&#252;mmern sich um sich selbst. Und diese Selbstreferenzialit&#228;t spiegelte sich so lange in den Blog-Debatten wider, bis eigentlich alles gesagt gewesen schien.</p>

<p>Da es vielen neben den Inhalten beim Bloggen dann doch auch um die Frage der Gr&#246;&#223;e der mit eigenen Beitr&#228;gen erreichten &#214;ffentlichkeit geht, ist die Karawane dorthin gezogen, wo heute gr&#246;&#223;tm&#246;gliche &#214;ffentlichkeitswirksamkeit erreicht werden kann: Google+ ist die logische Konsequenz, wenn man 1. m&#246;glichst viele Inhalte an einem „Ort“ haben will und 2. dies dadurch motivieren kann, dass man &#214;ffentlichkeit verspricht.</p>

<p>Blogs wie dieses hier, das von Matthias Schwenk, das von Robert Basic, die nicht einmal auf einer der gro&#223;en, als „Social Communities“ designten Blog-Plattformen angesiedelt sind, sondern mit eigener Domain, eigenem Webspace und der damit verbundenen Datenhoheit arbeiten, sind in solchen Aufmerksamkeitsstrukturen eher exzentrisch.</p>

<p>Dennoch sind Blogs nicht veraltet, wenn nach dem Hype der Blogs, der vorbei scheint, die Qualit&#228;ten von Blogs von den Bloggern genutzt werden.</p>

<p>Eine dieser Qualit&#228;ten ist, dass man sich aufeinander beziehen kann und dennoch ein eigenen Profil erkennen l&#228;sst, da man sich nicht im Einheitsdesign von Facebook oder Google+ bewegt, sondern wirklich weite Teile des eigenen Auftritts gestalten kann.</p>

<p>Es ist eine Qualit&#228;t, dass Diskussionen auf Blogs meiner Wahrnehmung nach relativ lange nachvollziehbar sind, so es sich um einigerma&#223;en langlebige Blogs handelt, deren Betreiber die Inhalte nicht einfach mal so l&#246;schen.</p>

<p>Es ist aber auch die relative Langsamkeit von Blogs gegen&#252;ber den doch auf schnelle Reaktionen hin angelegten sozialen Plattformen wie Facebook und Twitter. Man muss sich Zeit nehmen, Beitr&#228;ge in Blogs zu lesen. Reagiert man knapper darauf, kann man einen Kommentar schreiben, f&#228;llt die Reaktion umfangreicher aus, so lohnt es sich einen Blogbeitrag zu schreiben.</p>

<p>Und doch kann die Blogkultur auch gef&#246;rdert werden. Ich habe in einem <a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/" target="_blank">offenen Kurs zur Zukunft des Lernens</a> gerade erst erlebt, wie Blogs sich aufeinander beziehen, wie Teilnehmende sich die Infrastruktur geschaffen haben, die sie zu brauchen meinten, wie ein dezentraler Austausch m&#246;glich ist, auch wenn sich (nat&#252;rlich) eine Gruppe auf Facebook bildete und Twitter als Austauschkanal nicht unbedeutend war.</p>

<p>Wie wird es weiter gehen? Christian Hennig Fehr, auf den ich mittels eines Links von Matthias Schwenk gesto&#223;en bin, fordert zurecht einen <a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2011/03/13/warum-der-social-media-mix-nicht-nur-aus-facebook-und-twitter-besteht/" target="_blank">angemessen Mix von Social-Media-Aktivit&#228;ten</a>. Ich gehe da noch weiter: Es wird eine <em>Reduktion (sic!)</em> der Social-Media-Aktivit&#228;ten gehen, denn den von Robert Basic konstatierten „<a href="http://www.robertbasic.de/2011/07/blog-blurb/" target="_blank">Blog-Blurb</a>“ werden auf Dauer viele User gar nicht leisten k&#246;nnen, geschweige denn wollen.</p>

<p>Es wird, so meine Prognose, die Blogger geben, die ihr eigenes Ding machen und &#252;ber Twitter miteinander verbunden sind, vielleicht auch &#252;ber Facebook, und es wird die Social-Media-Nutzer geben, die ihre Inhalte beispielsweise auf Google+ posten. Google wird irgendwann Google+-Beitr&#228;ge im Ranking bevorzugen und somit den Druck auf bestehende Blogs erh&#246;hen, endlich die Inhalte auf Google-Servern abzulegen. Das wird Facebook nicht auf sich beruhen lassen.  Und jede kleine Datenspur, die im Rahmen dieser Social-Media-Aktivit&#228;ten hinterlassen wird, wird kapitalisiert.</p>

<p>Die Inhalte, davon gehe ich aus, werden weiter in Blogs und kollaborativ in Wikis entstehen und diskutiert werden, wenn wir uns nur immer vor Augen halten, welchen Eigenwert eigene, sozusagen „inhabergef&#252;hrte“ Blogs haben. Dann werden sich auch die Blog-Debatten konsolidieren und hoffentlich nicht nur in Worten h&#228;ngen bleiben, sondern an der einen oder anderen Stelle auch wirklich relevant und wirksam werden.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 10 – Tino Hanekamp: So was von da</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 17:52:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Ende wissen wir es dann: Eine Party besteht aus lauter Musik, einem gewissen Hang zum destruktiven Auseinandernehmen der Partylocation, Partybesuchern, die so bedr&#246;hnt sind, dass sie eine MDMA-Bowle ohne MDMA dennoch f&#252;r eine solche halten und dem Placeboeffekt v&#246;llig &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/07/28/herrn-larbigs-bibliothek-10-tino-hanekamp-so-was-von-da/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Ende wissen wir es dann: Eine Party besteht aus lauter Musik, einem gewissen Hang zum destruktiven Auseinandernehmen der Partylocation, Partybesuchern, die so bedr&#246;hnt sind, dass sie eine MDMA-Bowle ohne MDMA dennoch f&#252;r eine solche halten und dem Placeboeffekt v&#246;llig erliegen.</p>

<p>Eine Party als Weltuntergang, nach dem das Leben weiter geht, dann aber eben als Erwachsener. Bis dahin aber ist der Ich-Erz&#228;hler Oskar Wrobel dauerbesch&#228;fitigt und weder die Nachricht, dass eine gute Freundin nicht mehr lange zu leben hat noch die Wiederkehr seiner geliebten Mathilde verm&#246;gen ihn von dieser Dauerbesch&#228;ftigung mit eingeschobenen Selbstbetrachtungen – Oscar Wrobel zitiert immer wieder aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Aurel" target="_blank">Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“ </a>– abzuhalten.</p>

<p>Oskar hat Schulden, ein Ex-Zuh&#228;lter will mal eben so zehntausend Euro von ihm, Hamburgs f&#252;r das B&#252;rgermeisteramt kandidierende Justizsenatorin verbringt einen Teil dieser Nacht vom 31.12. zum 1.01. irgendeines der Nullerjahre des 21. Jahrhunderts im Aufzug, der zum Club f&#252;hrt, in dem die Party stattfindet, zum Club, der in einem alten Krankenhaus angesiedelt ist, bis dieses dann eben abgerissen wird. – So was machen Clubbetreiber gerne mit abrissreifen H&#228;usern, man „feiert“ Partys. Das war in <a href="http://www.max.de/cityguide/city/frankfurt/nightlife/club-disko/162870,1,cg_tip,2,Praesidium+1911.html" target="_blank">Frankfurts altem Polizeipr&#228;sidium</a> so, das ist in Tino Hanekamps Roman nicht anders.</p>

<p>Und dann ist die Party vorbei.</p>

<p>Man wird „erwachsen“, arbeitet vielleicht sogar in den modernen B&#252;ros, die an Stelle des Abrisshauses getreten sind, ist weiter auf Drogen, weil man es nicht mehr anders kann und ist „So was von da“, also genau im Hier &amp; Jetzt, ahnend, dass es ein Morgen gibt, aber noch nicht bereit, sich diesem Morgen zu stellen.</p>

<p>Zum Gl&#252;ck erz&#228;hlt Oskar Wrobel diese Geschichte, denn Tino Hanekamp hat ja auch schon einen Club betrieben, der abgerissen wurde, hat auch heute noch mit der Hamburger Clubszene zu tun, hat aber bestimmt keinen realistischen Club vorstellen wollen. Das w&#228;re zu &#246;de und kaum zu glauben, denn bei allem Tempo, den der Roman bekommt, so musste er doch geschrieben werden – und das wird wohl kaum w&#228;hrend einer schuldenbelasteten, zugedr&#246;hnt vorbeiziehenden Dauerparty passiert sein.</p>

<p>Hanekamp war laut Autorenportr&#228;t im Buch auch schon Journalist. Na, da haben wir es doch schon. Dieser Roman ist bestimmt ein literarische Portr&#228;t der „Generation“ der Nullerjahre: Party, Dr&#246;hnung, Destruktivit&#228;t und das dauernde Gef&#252;hl, „so was von da“ leben zu m&#252;ssen, weil die Zukunft nicht absehbar ist, die Bildungs- und Berufsbiografien gebrochen sind etc. Vielleicht also ist das die Story, die Oskar Wrobel als Ich-Erz&#228;hler in die Welt setzen will.</p>

<p>Also ist das Pop-Literatur?! –</p>

<p>– Mir ist die Einordnung solcher Romane in irgendwelche Schemata <del>eigentlich</del> zu l&#228;stig, weil solche Einordnungen immer so viel zu erkl&#228;ren versuchen, was sie gar nicht erkl&#228;ren k&#246;nnen.</p>

<p>Eines hat mich beim Lesen dieses Romans allerdings mehr und mehr &#252;berrascht: Beim Lesen kam nichts &#252;berraschendes, der Roman ist weit &#252;ber die H&#228;lfte absehbar – und doch habe ich weiter gelesen, habe zu Ende gelesen, bin in den Sog der literarischen Party geraten. Aber das macht die Party heute vielleicht aus: Jeder Partyg&#228;nger wei&#223;, wie sie sein soll, jeder wei&#223;, wie sich eine schlechte Party anf&#252;hlt, jede Party gleicht der anderen. Doch die gute Party entwickelt in diesem Altvertrauten einen Sog. Und das passiert auch bei diesem Roman. Als Leser wei&#223; ich, wie so ein Roman funktioniert, ich wei&#223;, wie so ein Roman sein soll, wie sich ein schlechter Roman liest. Und ein guter Roman entwickelt einen eigenen Sog. Ich bin mir sicher, Hanekamps „So was von da“ kann diese Sog nicht auf jeden Leser und jede Leserin aus&#252;ben, es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass ihm das gelingt.</p>

<p>Ein gut lesbarer Roman, in dem die Schrecken des Lebens auftauchen wie in mancher Nachmittagssendung im Privatfernsehen: Sie gehen im Augenblick des Auftauchens im Rausch des „Da“ wieder unter. Und doch ist da eine zarte Ernsthaftigkeit, die in alle dem L&#228;rm zu ber&#252;hren vermag.</p>

<blockquote>Tino Hanekamp: So was von da. Roman. K&#246;ln (Kiepenheuer und Witsch) 2011, 304 Seiten, Euro (D) 14,99 | sFr 21,90 | Euro (A) 15,50 ISBN: 978-3-462-04288-7</blockquote>

<p>Und seit neuestem werden B&#252;cher per Videotrailer beworben. Also dann… Will ich nicht vorenthalten:</p>

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<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>&#220;berlegungen zum Kulturwandel: Alte B&#252;cher und digitale, buch&#228;hnliche Produkte</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Jun 2011 11:41:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe hier B&#252;cher stehen, die hundert und mehr Jahre alt sind. Diese B&#252;cher hatten mehrere Besitzer. Diese B&#252;cher sind Zeugen des jeweiligen Geschmacks der Zeit, wenn es um die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bucheinband" target="_blank">Gestaltung von Bucheinb&#228;nden</a> oder auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Buchgestaltung" target="_blank">des gesamten Buches</a> geht. Zum Teil haben Vorbesitzer Spuren in den B&#252;chern hinterlassen. Solche Spuren sind zum Beispiel die Eintragung des Namens auf dem Titelblatt, sodass man zum Teil sehen kann, wem das Buch alles geh&#246;rt hat, es kommen aber auch Anstreichugen in den Texten vor.</p>

<p>In Bibliotheken stehen <a href="http://www.bsb-muenchen.de/App-Famous-Books-Treasures-of-the-Bavarian-State-Library.virtuelle-angebote-app.0.html" target="_blank">Buchbest&#228;nde, die viel &#228;lter sind</a>. Ich erinnere einen Besuch in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/L&#246;wen" target="_blank">L&#246;wen</a> (Belgien). Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Universit&#228;tsbibliothek_L&#246;wen" target="_blank">Bibliothek</a> dort hat, so ich mich richtig erinnere, &#252;ber 120000 alte B&#252;cher, teilweise auch Handschriften. Und in vielen Bibliotheken lagern Dokumente, die es erst noch (wieder) zu entdecken gilt.</p>

<p>Wenn die Digitalisierung so weitergehen w&#252;rde, dass digitale Speicher gedruckte B&#252;cher zu einem Randph&#228;nomen werden lie&#223;en,<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Langzeitarchivierung"> s&#228;he das mit den Altbest&#228;nden in Bibliotheken und Archiven anders aus</a>.</p>

<p>Statt B&#252;cher lagerten dort Festplatten. Statt Papierfra&#223; h&#228;tte man es mit Hardwarefehlern und Abnutzungserscheinungen der Datentr&#228;ger zu tun, die die Lesbarkeit der Dokumente gef&#228;hrden. Techniker w&#252;rden alte Leseger&#228;te einsatzf&#228;hig halten oder zu rekonstruieren versuchen. Andere Techniker h&#228;tten keine andere Aufgabe, als Daten von alten Datentr&#228;gern auf neue zu &#252;bertragen, so wie man alte B&#252;cher heute digitalisiert oder auf Microfilm festgehalten hat.</p>

<p>Es k&#246;nnte aber auch zu neuartigen „Copyright“-Problemen kommen. Wenn ich heute ein Buch kaufe, dann habe ich dieses Buch. Ich kann dieses Buch lesen, behalten, aber auch Freunden zum Lesen geben, es verschenken, es in &#246;ffentlich aufgestellte <a href="http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/frankfurt/buecherschrank-statt-bibliothek_rmn01.c.9016460.de.html" target="_blank">Buchschr&#228;nke</a> stellen. Solange ich das Buch nicht kopiere und eine Vervielf&#228;ltigung weitergebe, kann ich mit dem Buch so ziemlich alles machen, was m&#246;glich ist. Ich habe das Buch gekauft. Es geh&#246;rt mir.</p>

<p>Digitale Werke haben die Eigenart, dass digitalen Daten das Vervielf&#228;ltigen sehr nahe liegt. Digitale Daten sind auf Redundanz hin ausgelegt. Entsprechend wollen (Zeitungs)Verleger heute weg von dem Copyright im klassischen Sinne und hin zu einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f&#252;r_Presseverleger" target="_blank">Leistungsschutzrecht</a>, das sicherstellen soll, dass z. B. Dienste wie Google-News <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/keine_sympathien_fuer_ein_leistungsschutzrecht_1.7391789.html" target="_blank">f&#252;r die Nutzung der Leistung von Journalisten zahlen sollen</a>. Das k&#246;nnte aber durchaus soweit gehen, dass jemand, der auf eine Leistung eines Dritten verlinkt f&#252;r diesen Link bezahlen muss, weil er ja die Leistung des Dritten in Anspruch nimmt, sei es auch „nur“ als Link. Der Text ist dann dennoch, wenn nicht hinter einem Bezahlvorhang verborgen ist, vollst&#228;ndig zug&#228;ngilich. Wenn ich bislang aus einem Werk im wissenschaftlichen Kontext zitiere, dann muss mir irgendwie das (bezahlte) Original vorgelegen haben, ob nun in der Bibliothek oder als gekauftes Buch. Und wenn jemand meinen Literaturnachweis verfolgen will, muss er Zugang zu diesem Werk haben, das dann wiederum in einer bezahlten Form vorliegt.</p>

<p>Das alles ver&#228;ndert sich. Des Verlegers Traum heute scheint zu sein, nicht mehr Zeitungen / B&#252;cher zu verkaufen, sondern nur noch die Inhalte. Das hei&#223;t: Am liebsten, so stelle ich mir das teilweise vor, w&#252;rden Verleger ihre Werke an eine Person binden. Am liebsten w&#228;re es Verlegern wohl, w&#252;rde sie nicht mehr f&#252;r ein B&#252;cher sondern pro Leser eines Buches Geld bekommen (<a href="http://www.vgwort.de/" target="_blank">VG Wort</a> arbeitet, &#228;hnlich wie die Gema, aber nicht so im Blick der &#214;ffentlichkeit stehend daf&#252;r, dass Autoren Nutzungsgeb&#252;hren zum Beispiel aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pauschalabgabe" target="_blank">Urheberrechtsabgaben von Kopierern</a> bekommen).</p>

<p>Mit pers&#246;nlichen digitalen Leseger&#228;ten und digitalem Kopierschutz scheint man dem Ziel schon n&#228;her gekommen zu sein. Es gibt aber auch <a href="http://www.zdnet.de/news/41543765/kindle-buecher-kann-man-jetzt-verleihen.htm" target="_blank">erste Versuche, B&#252;cher verleihen zu lassen</a>. Dann ist ein Buch f&#252;r einen begrenzten Zeitraum auf dem digitalen Leseger&#228;t eines Freundes oder Bekannten verf&#252;gbar, aber nicht beim Besitzer.</p>

<p>Mit ver&#228;nderten Copyrightregeln k&#246;nnte diese Art des Verleihens bald hinf&#228;llig sein. Es werden dann andere Regeln f&#252;r gedruckte und digitale Versionen des gleichen Werkes gelten. Das ist schon heute so. So gibt es <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Boersenverein-Buchpreisbindung-gilt-auch-fuer-E-Books-208646.html" target="_blank">Streit um das Thema der Buchpreisbindung</a>. Die Mehrwertsteuers&#228;tze f&#252;r gedruckte und digitale B&#252;cher sind unterschiedlich. <a href="http://www.zeit.de/digital/mobil/2010-09/ebooks-preisbindung-ereader" target="_blank">Oft sind digitale Ausgaben etwas billiger</a> als gedruckte Versionen, womit aber im Prinzip kein Besitzrecht an einer Kopie des Werkes erworben wird, sondern nur das Nutzungsrecht der zur Verf&#252;gung gestellten Daten, die im Zweifelsfall <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Amazon-loescht-gekaufte-Kindle-eBooks-6887.html" target="_blank">vom Anbieter auch von den Endger&#228;ten wieder gel&#246;scht werden</a> k&#246;nnen! In einer digitalen Lesegesellschaft wird es auch Zensoren erheblich leichter gemacht, Inhalte von Werken zu ver&#228;ndern oder Werke von Leseger&#228;ten verschwinden zu lassen.</p>

<p>Kulturg&#252;ter sind keine betonierten Ist-Zust&#228;nde. Der Blick in die Geschichte lehrt dies. Der Umgang mit Informationen und Informationstr&#228;gern hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder ver&#228;ndert. Und wie sich die digitale Gesellschaft, hier vor allem auf den Umgang mit B&#252;chern bezogen, letztlich faktisch ver&#228;ndern wird, ist nur begrenzt absehbar.</p>

<p>Neben wirtschaftlichen Entscheidungen werden auch politische Beschl&#252;sse die Ver&#228;nderungen mit bestimmen. Bleibt nur zu hoffen, dass Entscheidungstr&#228;ger nicht dem Irrglauben verfallen, es g&#228;be Zw&#228;nge, nur weil z. B. Firmen etwas aufgebaut haben und dann wollen, dass die Gesetze gef&#228;lltigs dem entsprechen, was sie aufgebaut haben. Entscheidungstr&#228;ger haben Gestaltungsm&#246;glichkeiten. Von der Nutzung dieser Gestaltungsm&#246;gichkeiten wird abh&#228;ngen, wie sich die nach wie vor wichtige Buchkultur entwickeln wird. Um allerdings Gestaltungsm&#246;glichkeiten nutzen zu k&#246;nnen, braucht es Visionen, wie mit dem Kulturgut „Buch“ in Zukunft umgegangen werden soll, welche Rolle es in der Gesellschaft spielen soll, ob es prim&#228;r als Kulturgut oder prim&#228;r als Wirtschaftsgut gesehen wird und wie ein Ausgleich der Interessen von Autoren, Verlegern, Lesern, Bibliotheken etc. gestaltet wird.</p>

<p>Vorschl&#228;ge, Visionen, Tr&#228;ume zur Entwicklung von Kulturg&#252;tern in der digitalen Gesellschaft k&#246;nnen gerne als Kommentar zu diesem Artikel hinzugef&#252;gt werden.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 8 – Peter Handke: Der gro&#223;e Fall</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Jun 2011 21:55:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[M&#252;&#223;iggang ist in diesem Falle ein literarischer Genuss und nicht des Lasters Anfang. Das kann man anders sehen, ist man selbst der &#220;berzeugung, dass es unproduktiv sei, einen ganzen Tag lang sich zu Fu&#223; von den Randbezirken einer Metropole in &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/06/27/herrn-larbigs-bibliothek-8-peter-handke-der-grose-fall/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>M&#252;&#223;iggang ist <a target="_blank" href="http://www.perlentaucher.de/buch/36010.html">in diesem Falle</a> ein literarischer Genuss und nicht des Lasters Anfang.</p>

<p>Das kann man anders sehen, ist man selbst der &#220;berzeugung, dass es unproduktiv sei, einen ganzen Tag lang sich zu Fu&#223; von den Randbezirken einer Metropole in deren Zentrum zu begeben.</p>

<p>Es spricht viel daf&#252;r, dass die namenlose Metropole Paris ist. Manches von dem Flair, die beschriebenen Kaffees, das Nennen der Metro und das Wissen darum, dass Peter Handke in Frankreich lebt, sprechen f&#252;r diesen Ort. Aber das ist nur am Rande wichtig.</p>

<p>Im Zentrum der Erz&#228;hlung Handkes steht ein Schauspieler. Ein Tag im Leben des Schauspielers wird vom Morgen bis in die Nacht hinein erz&#228;hlt.</p>

<p>Er geht durch die sommerliche Gro&#223;stadt, beobachtet, reflektiert, begegnet Joggern, Obdachlosen, Alten, Jungen, einem den Krieg erkl&#228;renden Politiker in &#220;berlebensgr&#246;&#223;e auf einem Bildschirm am Rande des Weges.</p>

<p>&#220;ber der Stadtmitte steht ein Wetterleuchten.</p>

<p>Handke ist zum „sch&#246;nen Erz&#228;hlen“ zur&#252;ck gekehrt, nachdem er durch teilweise seltsam anmutende politische &#196;u&#223;erungen zur serbischen Politik ein wenig an den Rand des Erz&#228;hlens geraten war.</p>

<p>Nun erz&#228;hlt er in klingender Prosa vom Weg eines Schauspielers in die Stadt. Dabei gibt es durchaus die eine oder andere Lebensweisheit zu entdecken.</p>

<p>Handke hat eine interessante, nicht f&#252;r jeden leicht zu lesende Erz&#228;hlung verfasst. Sprachlich kann Handke sehr &#252;berzeugen. Inhaltlich ist es ein langsam erz&#228;hlter Text, der teilweise auch an die Grenze des Realismus geht. Ob man diese „Trockenheit“ eines Textes, der dennoch sprachlich schillert, mag, muss jeder f&#252;r sich selbst entscheiden.</p>

<p>Dass die Wahrnehmung der eigenen Gro&#223;stadterfahrung gesch&#228;rft werden kann, dass man wom&#246;glich selbst beginnt, die eigenen Wege in der Gro&#223;stadt in nahezu handkescher Sprache aich selbst zu erz&#228;hlen, kann ich aus eigener Erfahrung als eine Nebenwirkung dieser Erz&#228;hlung festhalten. Eine Nebenwirkung, die ich nicht als sch&#228;dlich anseehe.</p>

<p>Handkes j&#252;ngstes Werk ist kein Muss f&#252;r Leser und Leserinnen, aber durchaus eine Bereicherung f&#252;r <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Flaneur">Flaneure</a>.</p>

<blockquote>Peter Handke, Der Gro&#223;e Fall. Erz&#228;hlung, Berlin (Suhrkamp). 280 Seiten, 24,90.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Die 8 besten (?) Werkzeuge des analogen Lernens und Lehrens</title>
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		<pubDate>Wed, 18 May 2011 21:09:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die einen fragen, was heute zu lernen sei und gehen damit wohltuend von den Tools des Lernens weg hin zu den Inhalten. Prima. An anderer Stelle geht es in einem Offenen Kurs (Open Course) um die Zukunft des Lernens und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/05/18/die-8-besten-werkzeuge-des-analogen-lernens-und-lehrens/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die einen fragen, <a href="http://imgriff.com/2011/04/18/unsere-zukunft-was-wir-wirklich-lernen-muessen/" target="_blank">was heute zu lernen sei</a> und gehen damit wohltuend von den Tools des Lernens weg hin zu den Inhalten. Prima. </em></p>

<p><em>An anderer Stelle geht es in einem Offenen Kurs (Open Course) um die Zukunft des Lernens und in der dritten Woche, in der sich dieser Kurs nun befindet, geht es um die Tools des Lernens, mit denen dann gelernt werden soll, was zu lernen ist, <a href="http://blog.guykawasaki.com/2006/08/ten_things_to_l.html#axzz1MdqfZX7m" target="_blank">wie auch immer diese Inhalte / Kompetenzen dann n&#228;her definiert sind</a>. </em></p>

<p><em>Die &#220;berschrift der dritten Woche des Offenen Kurses zur »Zukunft des Lernen« lautet: »<a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/agenda/woche-3/" target="_blank">Von iPads, eBooks &amp; Virtual Classrooms. Lerntechnologien</a>«.</em></p>

<p><em>Die Selbstverst&#228;ndlichkeit, so sehr ich diese im Gesamtkontext dieses Kurses auch nachvollziehen kann und mich ihrer oft selbst bediene, mit der bei Lerntechnologien heute von digitalen Lerntechnologien gesprochen wird, erstaunt mich immer wieder.</em></p>

<p><em>Lernende lernen analog, unabh&#228;ngig davon, wie digital die zum Lernen genutzten Medien auch immer sein m&#246;gen. Der Lernprozess des individuellen Menschen findet nicht bin&#228;r statt, sondern in der komplexen Struktur des Gehirns und des ganzen K&#246;rpers.</em></p>

<p><em>Deshalb gibt es von mir an dieser Stelle keine Top-Ten-Liste der wunderbarsten digitalen Lernwerkzeuge, auch wenn ich eine solche erstellen k&#246;nnte, sondern – v&#246;llig unzeitgem&#228;&#223; – eine Liste analoger  <em>»Werkzeuge« des analogen Lernens und Lehrens. Die Reihenfolge ist zumindest nicht konsequent hierarchisch gemeint; die Liste ist bestimmt nicht vollst&#228;ndig und &#252;berhaupt vor allem eine Anregung zur Erweiterung der Diskussion. Die Zukunft des Lernens bringt neue Technologien mit sich. Sollen diese Technologien die analogen ersetzen? Wo k&#246;nnen sie das? Was k&#246;nnen sie nicht leisten? Wo sind analoge Werkzeuge vielleicht unabdingbar?</em></em></p>

<p><em><em>Wenn der offene Kurs <em>»<a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/" target="_blank">Die Zukunft des Lernens</a>« hei&#223;t, so halte ich eine Reduktion auf zuk&#252;nftige Lerntechnologien zu kurz gegriffen. </em></em></em></p>

<p><em><em><em>Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier nun zuspitze, &#252;bertreibe, provozieren will, denn ich wei&#223; sehr wohl, dass nicht alle meine &#196;u&#223;erungen in diesem Beitrag auf umfassende Gegenliebe sto&#223;en d&#252;rften. Aber dennoch: Ich finde, es lohnt, nicht nur von digitalen Tools zu sprechen (obwohl ich ja zum Beispiel hier genau ein solches nutze, um &#252;ber analoge Werkzeuge zu sprechen), sondern auch einmal zu fragen, welchen Wert und welchen Platz analoge Werkzeuge des Lernens in der <em><em><em>»Zukunft des Lernens« haben.</em></em></em></em></em></em></p>

<p><em><em><em><em><em><em>Also los…:</em></em></em></em></em></em></p>

<h2>Die Sinne (Sense Organs)</h2>

<p>Die Sinnesorgane des Menschen sind nach wie vor in der Regel analog, solange nicht digitale Prothesen zum Einsatz kommen. Sie sind f&#252;r Lernprozesse unerl&#228;sslich. Und damit sind nicht nur der H&#246;r- und Sehsinn gemeint, die auch bei digitalen Lernprozessen am Computer zum Einsatz kommen. Der Tastsinn kommt in digitalen Zusammenh&#228;ngen viel zu kurz. Will ich etwas &#252;ber B&#228;ume und W&#228;lder wissen, so muss ich Baumrinde sp&#252;ren k&#246;nnen, den Geruch des Waldes (zu unterschiedlichen Tages- / Jahreszeiten) einatmen. Will ich etwas &#252;ber (gesunde) Ern&#228;hrung wissen, dann f&#246;rdert der Einsatz des Geschmackssinnes dieses Lernen sehr. Lernen ist ein sinnlicher Prozess. Digitale Lernprozesse f&#252;hren oft zu einer Entsinnlichung des Lernens. Vielleicht sind deshalb zum Beispiel Videos von Vortr&#228;gen viel beliebter als reine Audiomitschnitte, obwohl der Informationsgehalt zur Sache identlisch ist.</p>

<h2>Lehrervortrag (Teachers Lecture)</h2>

<p>Ja, es gibt viel zu wenige Lehrende, die in der Lage sind, einen guten Lehrervortrag zu halten. Oder sind es doch die Bedingungen, die es unm&#246;glich machen, sich angemessen auf einen guten Lehrervortrag vorzubereiten, da in den meisten Lehr-Lern-Zusammenh&#228;ngen die zur Vorbereitung ben&#246;tigten Zeitfenster nicht gelassen werden?</p>

<p>Ja, es ist verdammt schwer, einen guten Lehrervortrag zu halten. Ja, es ist v&#246;llig unmodern, &#252;berhaupt davon zu sprechen, dass das mit dem Lehrervortrag eine tolle Sache ist. Und dennoch z&#228;hle ich den (gelungenen) Lehrervortrag zu den Top-Ten der Werkzeuge des analogen Lernens. Was aber ein gelungener Lehrervortrag ist, ist damit noch nicht gesagt:</p>

<ul>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag hat die Lernenden im Blick. Inhaltlich und sprachlich hat er sich an den F&#228;higkeiten der Lernenden zu orientieren und diese gleichzeitig zu erweitern.</li>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag f&#252;hrt zu einem Mitdenken der Lernenden.</li>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag f&#246;rdert Erkenntnisprozesse und die Lust an der Erkenntnis.</li>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag bef&#228;higt zu praktischem Handeln, leitet zu diesem &#252;ber, leitet von einem frontalen Lehr-Lern-Zusammenhang in andere Arbeitsformen &#252;ber, in denen ge&#252;bt wird, in denen Teilaspekte des »Inputs« vertieft, in denen »Output« entsteht und »Wissen« praktisch angewendet wird.</li>
</ul>

<blockquote>
<ul>
    <li>Anmerkung: Auch Vortr&#228;ge im universit&#228;ren Kontext und z. B. auch die <a href="http://www.ustream.tv/channel/opco11" target="_blank">Mittwoch-Live-Streams des #opco11</a> geh&#246;ren zu den Lehrervortr&#228;gen.</li>
</ul>
</blockquote>

<h2>Lernendenaktivit&#228;t (Activities of Learners)</h2>

<ul>
    <li>Es ist zun&#228;chst einmal kein Werkzeug, wenn Lernende eigenst&#228;ndig arbeiten, bei dieser Arbeit bedient man sich eher unterschiedlicher Werkzeuge – und die Frage, ob diese analog oder digital sind ist eine nachgelagerte Frage.</li>
    <li>Dennoch f&#252;hre ich die Eigenaktivit&#228;t Lernender hier unter den Werkzeugen auf, weil es sich dabei aus der Sicht des Lehrenden durchaus um ein »Instrument« handelt, das Lernen erm&#246;glicht. Und da ich hier von den besten analogen Werkzeugen des Lernens und Lehrens schreibe, hat diese Eigenaktivit&#228;t hier ihren Platz.</li>
    <li>Der Lehrende soll sich, sein Wissen und seine Erfahrungen den Lernenden nicht verweigern. Deshalb der eigene Unterpunkt zum »Lehrervortrag«. Ich habe an der Universit&#228;t selbst Veranstaltungen erlebt, in denen der Professor nur auftrat, wenn es darum ging, die Referate f&#252;r das Semester zu verteilen und in der letzten Sitzung eine Zusammenfassung der Veranstaltung zu versuchen. Dazwischen wurde in den »selbst verwalteten Lernprozess« der Studierenden selbst dann nicht eingegriffen, wenn gr&#246;bste Fehler in langweilgsten Referaten verbreitet wurden.</li>
    <li>Zu diesem Nicht-Verweigern des Lehrenden geh&#246;rt aber auch, dass er den Lernenden ihren Freiraum l&#228;sst, um sich selbst und die gewonnenen Kenntnisse auszuprobieren, um aus Kenntnissen Erkenntnisse werden zu lassen. Da es sich aber um <em>Lernenden</em>aktivit&#228;t handelt, begleitet der Lehrende diese wertsch&#228;tzend und kritisch. Das kann durchaus auch darauf hinaus laufen, dass eine Ergebnispr&#228;sentation, die oberfl&#228;chlich und ohne gro&#223;en Erkenntniswert ist, in der sich auch Beratungsversuche der Lehrenden nicht erfolgreich niedergeschlagen haben, entsprechend kritisch besprochen wird.</li>
    <li>Diese Freir&#228;ume, die durchaus gro&#223;z&#252;gig bemessen sein d&#252;rfen, m&#252;ssen nicht analog sein ( – es sei denn, es wird gerade der Umgang mit einem Sportger&#228;t oder &#228;hnliches gelernt).</li>
    <li>Diese Freir&#228;ume m&#252;ssen nicht digital sein ( – es sei denn, es wird gerade der Umgang mit digitalen sozialen Netzen oder &#228;hnliches gerlernt).</li>
</ul>

<h2>Kreidetafel (Blackboard)</h2>

<p>Stromunabh&#228;ngig und sofort zu Stundenbeginn einsatzbereit. Die einzige Voraussetzung ist, dass Kreide vorhanden ist. Entweder der Kreidevorrat wird zentral gepflegt oder aber man hat seine eigenen Vorr&#228;te dabei. Wenn aber Kreide vorhanden ist, ist die Tafel das flexibelste, am schnellsten verf&#252;gbare und alles in allem zuverl&#228;ssigste Instrument zur Darstellung von Gedanken, das in Klassenzimmern vorhanden ist. Mehrfarbigkeit des Tafelbildes ist mit farbiger Kreide schnell umsetzbar. Seit ihrer Einf&#252;hrung in Schulen im 19. Jahrhunderts als ausgereifte und auch in &#228;rmeren Regionen der Welt als Instrument zur Unterst&#252;tzung von Lernprozessen einsetzbar.</p>

<h2>Bibliothek (Library)</h2>

<ul>
    <li>Eine Gruppe Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in einer Bibliothek reagiert eigentlich immer gleich, wenn die Jugendlichen nicht sofort an die Computer d&#252;rfen: Eigenst&#228;ndig werden B&#252;cher aus den Regalen genommen, durchgebl&#228;ttert und wenn etwas als interessant empfunden wird, wird das genauer gelesen und auch anderen vorgelesen. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen stellt die analoge Bibliothek einen Lernraum dar, der selbstt&#228;tige Lernprozesse f&#246;rdern kann. Wichtig ist dabei, dass es von Lehrern akzeptiert wird, dass dieses Lernen nicht in Gruppen stattfindet, sondern die Lernenden zumindest phasenweise auf deren eigene Interessen konzentriert sein l&#228;sst.</li>
    <li>Bemerkenswert: Die Bibliothek als »Lernwerkzeug« ist ein Ort! Auch wenn vielleicht nicht unbedingt ein klassisches Lernwerkzeug, so spielen die »Lernr&#228;ume« als »Spielr&#228;ume« gelingender Lern-und Bildungsprozesse eine wichtige Rolle.</li>
</ul>

<h2>Notizblock / Schulheft (Exercise Books)</h2>

<p>Sicherlich wird die Frage fr&#252;her oder sp&#228;ter auftauchen, ob mobile Tablet-Computer analoge Formen des Notierens und &#220;bens nicht &#252;berfl&#252;ssig machen, aber da es hier nun einmal um analoge Werkzeuge des Lernens geht, geht es ohne das Schulheft und den Notizblock nicht. Dieses Instrument hat &#228;hnliche Vorteile wie die Kreidetafel. Und da im neuen Kerncurriculum f&#252;r das Fach Deutsch in Hessen unter anderem die f&#252;r andere lesbare Handschrift als Kompetenz aufgenommen wurde, gehe ich nicht davon aus, dass die Handschrift in absehbarer Zeit aus der Schule verschwinden wird. Handschriftliches Erarbeiten von Wissen, die h&#228;ndische Aneignung von Fertigkeiten und Kompetenzen, das Erlernen des Handwerks in den einzelnen F&#228;chern und auch f&#228;cher&#252;bergreifend, ist nach wie vor wichtig und zwar schon alleine, weil unser Gehirn auf eine solche »analoge« Weise lernt.</p>

<h2>Stifte (Pen / Pencil)</h2>

<ul>
    <li>Ganz ehrlich: Wenn ich Bilder von manchen meiner Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sehe, die mit viel Hingabe gemalt wurden, dann wei&#223; ich um den Wert von Stifen; wenn ich Texte lese, die mit der Handschrift auch etwas von der Person widerspiegeln, die diese Handschrift nutzt, dann mag das Lesen manchmal schwer sein, aber gerade dieses nicht glatte, nicht einfach &#252;berfliegbare der Texte hebt noch einmal hervor, dass wir es mit Pers&#246;nlichkeiten zu tun haben. Im Internet und in Zusammenh&#228;ngen, in denen es nur noch genormte Druckbuchstabenschriften gibt, geht diese Seite des Pers&#246;nlichen oft verloren.</li>
    <li>Wenn ich mir schnell &#220;bersicht &#252;ber einen Gedankengang verschaffen will, benutze ich nach wie vor Papier und Stifte zum Anfertigen von Notizen, Skizeen etc. – Das geht zwar alles auch auf dem Computer, aber wenn ich etwas wirklich lernen will, brauche ich immer wieder auch einfach mein analoges Werkzeug.</li>
</ul>

<h2>Overheadprojektor (Overhead Projector)</h2>

<p>Ich hatte mal eine Lehrerin, die malte wirkliche Tafel<em>bilder</em> – sie muss an den Tagen vor dem Unterricht richtig lange an der Tafel gestanden haben, um ihre Tafel<em>bilder</em> zu zeichnen, was nur ging, weil es sich um einen Lehrgang au&#223;erhalb der Schule handelte, bei dem sicher war, dass das Tafelbild am n&#228;chsten Tag auch noch da sein w&#252;rde. Und &#228;hnlich hochwertige, handgefertigte Zeichnungen zur Verdeutlichung von Zusammenh&#228;ngen brachte diese Lehrerin auf Folien unter. Nie zuvor und nie danach habe ich solch k&#252;nstlerisch spannenden, &#228;sthetisch ansprechenden Lehrmaterialien gesehen, wie bei dieser Sprachlehrerin.</p>

<p>Klar, heutzutage entstehen die meisten Folien unter Benutzung digitaler Technologie, wenn sie nicht direkt mit einer digitalen Pr&#228;sentation und Beamer ersetzt werden. Und doch haben Folien nach wie vor auch in analoger, handbeschrifter Form einen m&#246;glichen Platz im Unterricht: So k&#246;nnen per Folien »Tafelbilder« entstehen, die dauerhafter aufbewahrt werden k&#246;nnen und wieder einsetzbar sind. Der Mehrwert gegen&#252;ber per Computer generierten »Folien« besteht darin, dass wirklich die &#228;sthetische Erfahrung der Handschriftlichkeit, des analogen Schaubildes erreicht werden, auch wenn Lehrende oder Lernende nicht die genialen Zeichner sind.</p>

<p>Auch wenn der Computer in Kombination mit dem Beamer einen ad&#228;quaten Ersatz f&#252;r den Overheadprojektor (OHP) darstellt: Analog erstellte Folien haben oft eine sehr pers&#246;nliche, unverwechselbare Note, die genau auf einen Lehrenden verweist. Diese Option sollten wir uns (zumindest hin und wieder) einfach nicht entgehen lassen, denn das au&#223;ergew&#246;hnliche pr&#228;gt sich ein, f&#246;rdert den Lernprozess. Digital erstellte Materialien sind manchmal so »aalglatt« und uniform gestaltet, dass sie das Lernen zumindest nicht durch »pers&#246;nliche Noten« f&#246;rdern.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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</ul>

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		<title>Thesen zur Zukunft des Lernens ( #opco11 )</title>
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		<comments>http://herrlarbig.de/2011/05/03/thesen-zur-zukunft-des-lernens-opco11/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 03 May 2011 20:31:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hier ein paar Thesen zur Zukunft des Lernens. Sie werden an dieser Stelle nur als Thesen genannt und nicht n&#228;her erl&#228;utert. Entsprechend pointiert klingen sie zum Teil vielleicht. In ihrer „Undifferenziertheit“ sollen sie zur Diskussion einladen. Am Ende dieser Thesen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/05/03/thesen-zur-zukunft-des-lernens-opco11/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier ein paar Thesen zur Zukunft des Lernens. Sie werden an dieser Stelle nur als Thesen genannt und nicht n&#228;her erl&#228;utert. Entsprechend pointiert klingen sie zum Teil vielleicht. In ihrer „Undifferenziertheit“ sollen sie zur Diskussion einladen.</p>

<p>Am Ende dieser Thesen versuche ich eine erste vorl&#228;ufige &#220;berlegung zu der Frage zu formulieren, <a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/open-course-2011/agenda/lern-und-bildungs-visionen-warum-sich-etwas-verandern-muss/" target="_blank">Warum sich etwas ver&#228;ndern muss. </a>Ich werde f&#252;r mich die Frage nach der Basis von <a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/open-course-2011/agenda/lern-und-bildungs-visionen-warum-sich-etwas-verandern-muss/" target="_blank">Lern- und Bildungsvisionen</a> stellen.</p>

<p>Dieser Artikel ist eine kleine Einsicht in meine Ideensammlung: Wor&#252;ber lohnt es sich vielleicht mal in Form eines (bislang noch nicht geschriebenen) Blogartikels nachzudenken:</p>

<ul>
    <li><em>Die Zukunft des Lernens ist seine Vergangenheit und Gegenwart</em>: Lernen ist ein (hirn)physiologischer Prozess, der analog abl&#228;uft und heute genau so funktioniert, wie er vor hundert oder tausend Jahren funktioniert hat und auch noch in hundert Jahren funktionieren wird, wenn es nicht zu einer Mensch-Maschineverbindung kommt, in deren Rahmen z. B. Chips mit dem Gehirn gekoppelt werden.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>In der Ausbildung von professionellen Lernprozessbegleitern und -begleiterinnen wird mehr und mehr auf Praxisanteile in der Ausbildung (dem Studium) Wert gelegt (werden)</em>. Ist Lernpsychologie (z. B. in Lehramtsstudieng&#228;ngen) schon heute kaum Teil der professionelle Ausbildung, so ist zu bef&#252;rchten, dass sie auch zuk&#252;nftig nur in Form von Lernprozessbegleitungsrezepten eine Rolle spielen und nicht soweit in die Ausbildung integriert wird, dass Lernprozessbegleiter und -begleiterinnen ihre Praxis &#252;ber Rezeptbuchwissen hinaus, also wissenschaftlich und mit umfassenden theoretischen Kenntnissen versehen, werden reflektieren k&#246;nnen.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Die Zukunft des Lernens ist mit starken Ver&#228;nderungen im Bereich der Methodik verbunden</em>, die den Prozess des Lernens optimal unterst&#252;tzen soll. Diese Methodik ver&#228;ndert nicht das Lernen im biologischen Sinne, sondern soll dieses optimiert unterst&#252;tzen. Die Zukunft des Lernens besteht also darin, die Erkenntnisse der Lernforschung, die heute oft mit der Gehirnforschung (Hirnphysiologie) verbunden ist, optimal zu nutzen, um den gew&#252;nschten Lernerfolg optimiert erreichen zu k&#246;nnen. <em>Die Zukunft des Lernens l&#228;uft auf Lernprozessoptimierungen hinaus.</em></li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Die Zukunft des Lernens ist mit einer Ver&#228;nderung bei den eingesetzten Medien verbunden.</em> Es wird zu einer deutlichen Verschiebung des Verh&#228;ltnisses von analogen und digitalen Informationstr&#228;gern in Lernprozessen kommen.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Die Diskussion um das Lernen und die Bildung ist eine vor allem materialistische Diskussion</em> (geworden), da der Bildungsbegriff seine Bedeutung mehr und mehr in Richtung &#246;konomischer N&#252;tzlichkeit verschoben bekommen hat. Lernprozessoptimierung bedeutet auch, dass die Funktionsf&#228;higkeit von Menschen in &#246;konomischen Prozessen erh&#246;ht werden soll.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Idealistische Bildungsbegriffe werden auf absehbare Zeit weiterhin als zunehmend exotische „Tr&#228;umereien“ gesehen</em> und solange akzeptiert werden, wie sie gesellschaftliche Reproduktionsprozesse nicht relevant kritisch zu hinterfragen und zu gestalten beginnen.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Der leichte Zugang zu Ressourcen des Wissens in digitalen Kontexten, wird die Rolle des Wissens in Lernprozessen ver&#228;ndern.</em></li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Der leichte Zugang zu Ressourcen des Wissens in digitalen Kontexten wird den Umgang mit Wissen in Lernprozessen ver&#228;ndern.</em></li>
</ul>

<p>Die Diskussion um die Zukunft des Lernens ist, so mein Resumee an dieser Stelle, eher eine Diskussion um die Zukunft von Lernmitteln, Lerninstrumenten und somit der Methodik des Lernens.</p>

<p>Es stellt sich nach wie vor die Frage (Antworten beginnen sich erst langsam abzuzeichnen), wie digitale Vernetzung und die damit verbundenen Medien den Prozess des Lernens mit pr&#228;gen werden / sollen.</p>

<p>In der gegenw&#228;rtigen Diskussion scheint es Konsens, dass sich in der Bildungslandschaft etwas ver&#228;ndern m&#252;sse, weil gegenw&#228;rtige Lernkontexte nicht den Strukturen entsprechen, die lernpsychologisch und hirnphysiologisch als optimal angesehen werden. Es muss sich etwas ver&#228;ndern, weil Ziele von Bildung nicht mehr erreicht werden.</p>

<p>Gleichzeitig muss mit diesem Konsens eine Debatte einhergehen, worin diese Ziele von Bildung bestehen.</p>

<p>Lebensgl&#252;ck ist nicht nur eine Frage von Kompetenzen, sondern dar&#252;ber hinaus zentral von Haltungen, vom Selbstbild und von &#220;berzeugungen abh&#228;ngig.</p>

<p>Die Fragen, was Lernen sei und wie sich Bildung zeigt, wird in heutigen Diskussionsprozessen oft ausgeblendet.</p>

<p>Viele Diskussionen um das Lernen scheinen mir heute eher technokratischer Natur zu sein: Welche (selbstverst&#228;ndlich digitalen) Medien setzen wir wie ein?</p>

<p>Viele Diskussionen um die Zukunft des Lernens neigen heute dazu, den an ihnen beteiligten Personen im Rahmen eines „heimlichen Lehrplanes“ vor allem Technologien nahe zu bringen und diese methodisch auf die Nutzbarkeit in Lernprozessen hin anzuwenden.</p>

<p>Eine solche Ann&#228;herung an konkrete Methoden und Technologien finde ich spannend und notwendig, solange klar ist, dass die Nutzung digitaler Technologien selbst nur ein Teil des mit ihnen m&#246;glichen Lernprozesses ist, ja, dass das Erlernen der M&#246;glichkeiten, die solche Technologien bieten, selbst ein enormer Lernprozess ist, der zun&#228;chst geleistet werden muss, bevor das Medium nicht mehr das zentrale Thema des Lernprozesses ist.</p>

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		<title>Die Macht der Sprache</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Apr 2011 22:12:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich finde, die Bedeutung des reflektierenden Schreibens und Sprechens wird oft v&#246;llig untersch&#228;tzt. Anders kann ich mir nicht erkl&#228;ren, wie h&#228;ufig das „Tun“ dem „Denken“ gegen&#252;bergestellt, entgegen gesetzt wird. Und sp&#228;testens wenn ein Denkprozess zu einer kritischen (Kritik bedeutet &#252;brigens &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/04/21/die-macht-der-sprache/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich finde, die Bedeutung des reflektierenden Schreibens und Sprechens wird oft v&#246;llig untersch&#228;tzt.</p>

<p style="text-align: left;">Anders kann ich mir nicht erkl&#228;ren, wie h&#228;ufig das „Tun“ dem „Denken“ gegen&#252;bergestellt, entgegen gesetzt wird. Und sp&#228;testens wenn ein Denkprozess zu einer kritischen (Kritik bedeutet &#252;brigens <span id="more-5966"></span>nicht „negative Kritik“, sondern Differenzierung eines Sachverhaltes) Position gelangt, holt mit Sicherheit jemand die Praxiskeule hervor. „Wenn dir das nicht gef&#228;llt“, wird dann gesagt, „dann tu doch was dagegen“. – Als ob die Sprachhhandlung der Kritik nicht schon ein Tun w&#228;re!</p>

<p>Ich wei&#223; nat&#252;rlich, was gemeint ist, wenn Praxis eingeklagt wird. (Na, dann gr&#252;nde doch einen Verein.) Dabei wird aber untersch&#228;tzt, dass bereits die sprachliche &#196;u&#223;erung eine Handlung ist.</p>

<p>Fr&#252;her war (kaum etwas besser, aber) weit bekannter als heute, dass das Kennen eines Namens Macht &#252;ber das Benannte bedeutet. („Ach wie gut, dass keiner wei&#223;, dass ich Rumpelstilzchen hei&#223;.“) Nicht nur in M&#228;rchen, sondern auch in religi&#246;sen Zusammenh&#228;ngen (D&#228;mon, wie hei&#223;t du?) wird dieser Zusammenhang immer wieder benannt.</p>

<p>Wo immer wir heute auf Unbekanntes sto&#223;en, ist es oft zun&#228;chst die Suche nach einer Sprache f&#252;r ein Ph&#228;nomen, die uns umtreibt. Deshalb ist die Frage, wer Begriffe wie definiert oft so bedeutend.</p>

<p>Wer ein Ph&#228;nomen benennt, kann dies auch wertend tun. In der Werbung, der Politik und interessanterweise auch in der Wissenschaft gibt es f&#252;r diese Frage nach der „Definitionsmacht“ reichlich Beispiele.</p>

<p>Ja. Es ist Macht &#252;ber etwas, die jemand hat, der etwas definiert.</p>

<p>In moderner, sprichw&#246;rtlicher Ausdrucksweise: „Wissen ist Macht.“ In sprachlicher Hinsicht ist das tats&#228;chlich genau so.</p>

<p>Wissen bedeutet aber in vielen F&#228;llen, &#252;ber die entsprechende (Fach)Sprache verf&#252;gen zu k&#246;nnen. Mathematische Formeln, die F&#228;higkeit, wissenschaftliche Experimente zu verstehen und darstellen zu k&#246;nnen etc. verstehe ich hier als eine Form der (Fach)Sprache.</p>

<p>Um so erstaunlicher ist es, wie oft auf sprachliche Reflexionshandlungen die Aufforderung folgt, man m&#246;ge dann doch bitte etwas tun, wenn schon die sprachliche Erfassung eines Problems erfolge.</p>

<p>Es wird immer wieder unterstellt, sich der Sprache zu bedienen sei keine Handlung. Was f&#252;r ein Irrtum. – Jede Reaktion auf einen Text zeigt ja schon, dass man etwas getan hat. Auf Nichtstun (das es &#252;brigens genau genommen gar nicht gibt) kann man nicht reagieren.</p>

<p>Weil aber Sprache so viel m&#228;chtiger ist, als es heute oft angenommen wird, hat Sprache und die F&#228;higkeit, sich ihrer zu bedienen, im Zusammenhang mit demokratischer Teilhabe, ein sehr gro&#223;es Gewicht.</p>

<p>Aus diesem Grunde ist sprachliche Bildung von zentraler Bedeutung f&#252;r die Entwicklung des Individuums.</p>

<p>Sprache bedeutet n&#228;mlich nicht nur, dass man der Welt m&#228;chtig wird. Sprache spielt auch im Prozess der Pers&#246;nlichkeitsentwicklung eine entscheidende Rolle.</p>

<p>Das wird sp&#228;testens dann nachvollziehbar, wenn ein Mensch psychotherapeutische Unterst&#252;tzung sucht, weil er sich selbst nicht mehr versteht und seiner selbst (wieder) m&#228;chtiger werden will.</p>

<p>In den meisten Therapien spielt die Sprachfindung eine zentrale Rolle, die dazu verhilft, das eigene Ich wieder benennen zu k&#246;nnen und somit ihm gegen&#252;ber „Macht“ zu gewinnen, hat einen doch dieser Machtverlust &#252;ber sich selbst wom&#246;glich gen&#246;tigt, sich Unterst&#252;tzung zu holen.</p>

<p>Es ist also wichtig, Menschen zu einem m&#246;glichst gro&#223;en, differenzierten Wortschatz hin zu begleiten, um ihnen neben der demokratische Teilhabe auch im Prozess der Identit&#228;tsfindung unterst&#252;tzend zur Seite zu stehen.</p>

<p>Entsprechend bedeutet das f&#252;r alle, die solche Identit&#228;tsfindungsprozesse begleiten, dass sie selbst der Sprache m&#228;chtig sein m&#252;ssen.</p>

<p>Dabei gilt, dass man sich eben nicht immer an das Sprachniveau von z. B. Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen anpasst, sondern auch, dass man dieses gezielt weiter entwickelt.</p>

<p>Sprache ist nicht nur handlungsrelevant, Sprache selbst ist ein Tun.</p>

<p>Entsprechend gilt es, die Sprachentwicklung (bei jeder Altersgruppe) in den Vordergrund zu stellen.</p>

<p>Das Ziel dabei ist, Menschen (sprachlich) so autonom zu machen, wie das m&#246;glich ist. – Und vor jedem Verein, vor jeder Kritik steht diese Autonomit&#228;t. Sie wird bis heute viel zu selten erreicht. Doch gerade dies sollte Erzieherinnen, Erzieher, Lehrer, Lehrerinnen und alle, die mit der Ich-Werdung von Menschen betraut sind, nicht davon abhalten, genau dieses sprachliche Ziel st&#228;ndig vor Ohren zu haben und auf reiche Wortsch&#228;tze der Individuen hin zu arbeiten.</p>

<p style="text-align: center;"><object width="560" height="349"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/Hzgzim5m7oU?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="349" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/Hzgzim5m7oU?fs=1&amp;hl=de_DE" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object></p>

<p style="text-align: center;"><object width="560" height="349"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/9_tCtvmAm4M?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="349" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/9_tCtvmAm4M?fs=1&amp;hl=de_DE" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object></p>

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		<title>&#220;berlegungen zur Medienp&#228;dagogik</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Mar 2011 23:04:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Res&#252;mee: &#220;ber Medienp&#228;dagogik wird viel diskutiert. K&#252;rzlich wieder auf dem Kongress zum so genannten „Medienp&#228;dagogischen Manifest“, &#252;ber das die hier verlinkte Website n&#228;here Auskunft gibt. In diesem Beitrag fasse ich meinen aktuellen Stand der Reflexion der Frage zusammen, wie Medienp&#228;dagogik &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/03/27/uberlegungen-zur-medienpadagogik/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Res&#252;mee: &#220;ber Medienp&#228;dagogik wird viel diskutiert. K&#252;rzlich wieder auf dem Kongress zum so genannten <a href="http://www.keine-bildung-ohne-medien.de/" target="_blank">„Medienp&#228;dagogischen Manifest“, &#252;ber das die hier verlinkte Website n&#228;here Auskunft gibt</a>. </em> <em>In diesem Beitrag fasse ich meinen aktuellen Stand der Reflexion der Frage zusammen, wie Medienp&#228;dagogik heute aussehen kann.</em></p>

<blockquote>„Meine Nichte, die ist 12, die hat sich tierisch dar&#252;ber aufgeregt, dass die Deutschlehrerin sagte: Die Nutzung von Wikipedia ist verboten, weil das keine zuverl&#228;ssigen, verifizierten Quellen sind. Das ist bei den Jugendlichen schlecht angekommen, das Verbot von sozialen Medien.“</blockquote>

<p>Eine &#196;u&#223;erung, die ich auf dem <a href="http://www.livescribe.com/cgi-bin/WebObjects/LDApp.woa/wa/MLSOverviewPage?sid=Q8SFq1LVsxf4" target="_blank">Bremer Educamp</a> h&#246;rte.</p>

<p>Vor noch ein paar Jahren h&#228;tte ich bez&#252;glich Wikipedia wohl &#228;hnlich Restriktives sagen k&#246;nnen.</p>

<p>In Wirklichkeit aber will ich den Lehrer sehen, der sich nicht auch der Wikipedia bedient.<span id="more-5935"></span></p>

<p>Ja, man kann darauf dr&#228;ngen, wie es in Bremen ein Kollege von einer anderen Schule berichtete, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler die Prim&#228;rquellen nutzen sollen, die am Ende entsprechender Artikel Wikipedias angegeben sind. Das finde ich gut, denn wenn ich Wikipedia nutze, dann nutze ich diese Prim&#228;rquellen so h&#228;ufig es geht.  Viele dieser Prim&#228;rquellen f&#228;nde ich ohne die leicht zug&#228;ngliche Wikipedia nicht. Und, das ist das besondere Schmankerl der Wikipediakonzeption, wenn ich der Meinung bin, dass wichtige Prim&#228;rquellen fehlen, dann kann ich diese erg&#228;nzen und so den Charakter von Wikipedia als enzyklop&#228;disches Portal aktiv mitgestalten.</p>

<p>Das Verbot der Nutzung digital zug&#228;nglicher Wissensspeicher, ein Verbot, das vor allem an Schulen weiter verbreitet zu sein scheint, als ich das fr&#252;her angenommen habe, ist keine Medienp&#228;dagogik.</p>

<p>Das Argument, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sollten sich das Wissen selbst erarbeiten und eben nicht bereits vorgekautes, in der Regel v&#246;llig kritiklos, wiederk&#228;uen, klingt plausibel. – Aber auch ein solches Argument ist kein medienp&#228;dagogischer Ansatz.</p>

<p>Dieses Argument blendet viel mehr die Wirklichkeit aus, dass trotz Verboten Wikipedia genutzt wird.</p>

<p>Auch Lehrer und Lehrerinnen nutzen diese und andere Plattformen im Netz, um an Wissen zu gelangen.</p>

<p>W&#228;re je ein Lehrer auf die Idee gekommen, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern die Lekt&#252;re des Brockhaus in 24 B&#228;nden zu untersagen? – Es wird argumentiert, dass redigierte Nachschlagewerke zuverl&#228;ssig seien und deshalb genutzt werden d&#252;rften.</p>

<p>Wikipedia hingegen k&#246;nne als „Mitmach-Format“ den Qualit&#228;tskritierien nicht standhalten, die ein klassisches Lexikon bieten konnte.  Dem kann widersprochen werden: Bei zeitgeschichtlichen Fragestellungen waren gedruckte Lexika in der Regel nicht auf dem neuesten Stand, also unzuverl&#228;ssig.</p>

<p>Zu &#252;berlegen, ob ein Wissensspeicher erlaubt werden soll oder nicht, ist in meinen Augen keine Medienp&#228;dagogik, sondern bevormundendes Verhalten, das im schlimmsten anzunehmenden Fall medienp&#228;dagogisches Handeln „ersetzt“ bzw. verhindert.</p>

<p>Das Problem solcher „Verbote“ im Kontext bildenden, p&#228;dagogischen und somit auch medienp&#228;dagogischen Handelns, sei es nun der &#252;ber das Internet zug&#228;nglichen Inhaltsspeicher oder sei es auch der Zugangsger&#228;te selbst, besteht darin, dass Inhalt und Ger&#228;te in den Vordergrund gestellt werden, ohne dass, um mit Georg R&#252;ckriem zu sprechen, eine Bedeutungslogik entsteht.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/27/uberlegungen-zur-medienpadagogik/#footnote_0_5935" id="identifier_0_5935" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="R&amp;#252;ckriems Vortrag, in dem er dies so formuliert, ist in Lisa Rosas Beitrag zum Medienbegriff vom 18. Oktober 2010 verlinkt und von dort aus zug&amp;#228;nglich.">1</a></sup></p>

<p>Es entsteht der Eindruck, dass in vielen „medienp&#228;dagogischen Debatten“ keine Medienp&#228;dagogik, sondern eine Ger&#228;te- und Inhalts„p&#228;dagogik“ betrieben wird.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/27/uberlegungen-zur-medienpadagogik/#footnote_1_5935" id="identifier_1_5935" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zur Differenzierung von Ger&amp;#228;te, Inhalt und Medien vgl. den in Lisa Rosas Beitrag zum Medienbegriff vom 18. Oktober 2010 verlinkten R&amp;#252;ckriem-Vortrag">2</a></sup></p>

<p>Es gibt reichlich Schulen, die die Nutzung, ja zum Teil sogar das Mitf&#252;hren von Mobiltelefonen verbieten. Es wird mit illegalem Datenaustausch, diskreditierendem Gebrauch der in Mobiltelefonen integrierten Kameras und auch mit der Annahme argumentiert, dass die Nutzung digitaler Medien in der Schule, also z. B. auch MP3-Ger&#228;ten, den Aufgaben der Schule zuwider laufe.</p>

<p>Wer in den Pausen Musik h&#246;re, l&#246;sche, was er vorher gelernt habe, h&#246;rte ich in solchen Diskussionen auch schon als Argument, nie aber, dass der schulische Ger&#228;uschpegel in Pausen einen solchen Effekt habe und deshalb ein Sprech-, Spiel-, Lachverbot einzuf&#252;hren sei.</p>

<p>Doch selbst, wenn man die Argumente f&#252;r einen restriktiven Umgang mit Handys akzeptiert, sich mit ihnen arrangieren kann: In vielen Schulen scheinen in der Folge dieses restriktiven Umgangs dann &#228;hnliche Restriktionen auch f&#252;r Laptops und Tablet-PCs zu gelten.</p>

<p>Dies ist so wenig Medienp&#228;dagogik, wie es das Erkl&#228;ren von Funktionen in Textverarbeitungsprogrammen etc. ist.</p>

<p>Medien sind, um hier eine Definition zu wagen, komplexe Systeme der Generierung von Weltverst&#228;ndnis.</p>

<p>Diese Systeme werden jeweils von Vermittlungs- und Kommunikationsinstrumenten getragen, die angesichts der Komplexit&#228;t solcher Systeme oft selbst als „Medium“ angesehen werden.</p>

<p>Wenn wir angesichts von Fernsehen, Zeitungen, Radio, und Internet diese Erscheinungsformen als „die Medien“ bezeichnen, meinen wir in der Regel nicht nur die „Produkte“. Eine Zeitung als papierne oder digitale Sammlung von Artikeln ist nicht das Medium Zeitung. Das Medium ist vielmehr der komplexe Zusammenhang des Zustandebringens solcher Produkte im medialen Prozess, dessen Gesamtheit erst das Medium ausmacht.</p>

<p>Medien sind soziale Beziehungsgeflechte, die in „Produkten“ erkennbar werden.</p>

<p>Wer aber diese „Produkte“ verstehen und reflektieren will, der darf nicht bei dem „Produkt“ Tageszeitung (Radionachricht, Fernsehprogramm, Webseite) stehen bleiben und dieses schon f&#252;r das Medium halten.</p>

<p>Da aber Medienp&#228;dagogik in meinen Augen auch das Ziel hat, Medien als zentrale Elemente der kollektiven Konstruktion von Wirklichkeit und Weltdeutung reflektieren und kritisieren zu k&#246;nnen, bringt es z. B. nichts, alternativ zu digitalen Technologien t&#228;glich in Schulen analoge, papierne Zeitungen auszuteilen, solange nicht auch der Prozess der Genese dieses Produktes in den Blick genommen und damit reflektierbar gemacht wird.</p>

<p>Medienp&#228;dagogik kommt also noch lange nicht zu sich selbst, wenn mit medial relevanten Instrumenten gearbeitet wird: Der Einsatz digitaler Medien im Unterricht ist noch keine Medienp&#228;dagogik, aber wom&#246;glich Voraussetzung daf&#252;r, dass diese stattfinden kann.</p>

<p>So wenig eine Zeitung als Zeitung verstanden werden kann, wenn man nicht journalistische Arbeitsprozess versteht, die Struktur von Zeitungsverlagen in den Blick nimmt etc., so wenig kann sie als solche verstanden werden, wenn die Zeitung erst einmal verboten wird, weil da jemand Angst hat, die Lekt&#252;re von Zeitungen in den Pausen k&#246;nne den gerade gelernten Stoff &#252;berlagern und verdr&#228;ngen; au&#223;erdem kann man Zeitungen zusammenrollen und unangemessen als Schlaginstrumente nutzen.</p>

<p>Analog gilt: Medienp&#228;dagogik in Zeiten eines digitalen Leitmediums, das mehr als je zuvor globale Interaktion erlaubt, in Zeiten von Web 2.0, Cloud Computing etc. kann sich nicht auf Produkte beschr&#228;nken, sondern muss auch den Prozess verstehen lernen und lehren, der diese medialen Erscheinungsformen des Leitmediums pr&#228;gt.</p>

<p>Medienp&#228;dagogisches Handeln setzt Wissen und Kompetenz der Handelnden voraus.</p>

<p>So, wie ich Literatur nicht verstehe, wenn ich keine Romane, Gedichte etc. lese, kein guter Physiker bin, wenn ich zwar Formeln beherrsche, aber keine Experimente durchf&#252;hren kann etc., so bin ich im Kontext des digitalen Leitmediums in alle seinen Erscheinungsformen<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/27/uberlegungen-zur-medienpadagogik/#footnote_2_5935" id="identifier_2_5935" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Biologistisch ausgedr&amp;#252;ckt: Das Leitmedium ist der Genotyp (analog, digital), die medialen Erscheinungsformen sind der Ph&amp;#228;notyp (analog: B&amp;#252;cher, Zeitungen, Briefe &hellip;; digital: Blogs, Foren, E-Mails, Computer, Navigationsger&amp;#228;te &hellip;) ">3</a></sup> nur dann kompetent, wenn ich praktisch mit ihnen arbeite.</p>

<p>Kritiker k&#246;nnten nun anf&#252;hren, dass man zur Reflexion eines Prozesses nicht unbedingt selbst in die Praxis eingebunden sein muss. Im Kontext des neuen Leitmediums widerspreche ich dieser in manch anderem Zusammenhang zutreffenden Aussage, weil erstmals in der Menschheitsgeschichte der mediale Prozess nicht mehr systembedingt in abgeschlossenen „Medien“ wie Zeitungen (Redaktionen, Herausgeber, Verlage), Fernsehen, Radio, B&#252;chern, Zeitschriften … stattfindet.</p>

<p>Die M&#246;glichkeit der Teilhabe ist Teil des digitalen Mediums.</p>

<p>Solange mediale Prozesse vor allem &#252;ber Distributionsmedien (Verteilungsmedien) weitgehend nur in eine Richtung verliefen, von der M&#246;glichkeit des Leserbriefes abgesehen, waren die H&#252;rden zur eigenen Produktion von Inhalten, die auch wahrgenommen wurden, sehr hoch. Es waren nicht nur Inhalte zu erstellen, sondern es musste auch noch ein Weg gefunden werden, diese zu ver&#246;ffentlichen.</p>

<p>Medienp&#228;dagogik in Zeit von Distributionsmedien war vor allem Reflexion &#252;ber diese Medien, ohne dringende Notwendigkeit, selbst in der Lage zu sein, solch ein Medienprodukt herzustellen.</p>

<p>An die Stelle des Distributionsmediums ist heute aber das Kommunikationsmedium getreten. In der Umgangssprache ist das das „Mitmach-Web“. Und in einem solchen Zusammenhang funktioniert eine rein reflexive Medienp&#228;dagogik nicht mehr:</p>

<ul>
    <li>Wurden fr&#252;her Filmszenen analysiert um im Rahmen medienp&#228;dagogischen Handelns zu einem tieferen Verst&#228;ndnis des Films als mediale Form zu gelangen, gilt es heute, den Prozess der Reflexion der medialen Form in den Kontext kompetenten Umgangs mit ihm einzubetten, was praktisch bedeutet, dass Medienp&#228;dagogik die M&#246;glichkeit mit ber&#252;cksichtigen muss, dass heute jeder via Vimeo, YouTube etc. Videos ver&#246;ffentlichen und dank digitaler Videokameras und Schnittsoftware auf dem Computer diese auch produzieren kann.</li>
    <li>Es geht nicht mehr nur darum, das System Zeitung reflexiv in die medienp&#228;dagogische Praxis einzubinden, sondern es wird mehr und mehr zu einer wichtigen Kompetenz, sich selbst in den Prozess einbringen zu k&#246;nnen, der fr&#252;her alleine von Zeitungen und Zeitschriften betrieben wurde.</li>
</ul>

<p>Medienp&#228;dagogik braucht heute Leute, die kompetent mit Medien umgehen und die kompetent &#252;ber Medien reflektieren k&#246;nnen.</p>

<p>Eine solche Verbindung kann zum Beispiel darin ihren Ausdruck finden, dass der Reflexionsprozss in den Formen zeitgen&#246;ssischer medialer Wirklichkeitskonstruktion eingebettet ist.</p>

<p>So wurde in analogen Zeiten auf Papier analog reflektiert; so wird in digitalen Zeiten digital in Blogs, auf Websites etc. reflektiert, auch wenn hier durchaus auch die analoge Form der Reflexion nach wie vor verf&#252;gbar ist.</p>

<p>Medienp&#228;dagogen m&#252;ssen nicht unbedingt gro&#223;e Inhalts-(Content)-Produzenten sein und bloggen, aber Medienp&#228;dagogen m&#252;ssen heute aktiv mit medialen Prozessen umgehen (k&#246;nnen), um &#252;berhaupt medienp&#228;dagogisch arbeiten zu k&#246;nnen. Das ist wichtig, weil von Medienp&#228;dagogen heute auch erwartet wird, dass ein angemessener Umgang mit den medialen Ausdrucksmitteln (-instrumenten) vermittelt wird.</p>

<p>So, wie Musikp&#228;dagogen ein paar Instrumente spielen m&#252;ssen, um &#252;berhaupt musikp&#228;dagogisch arbeiten zu k&#246;nnen, so m&#252;ssen Medienp&#228;dagogen ein paar digitalen „Instrumente“ spielen k&#246;nnen, um wirklich medienp&#228;dagogisch zu arbeiten. – Anders ausgedr&#252;ckt: Medienp&#228;dagogen m&#252;ssen heute selbst ins Netz, m&#252;ssen selbst mit Computer und Co vertraut sein.</p>

<blockquote>„Meine Nichte, die ist 12, die hat sich tierisch dar&#252;ber aufgeregt, dass  die Deutschlehrerin sagte: Die Nutzung von Wikipedia ist verboten, weil die Artikel  keine zuverl&#228;ssigen, verifizierten Quellen sind. Das ist bei den  Jugendlichen schlecht angekommen, das Verbot von sozialen Medien.“</blockquote>

<p>Medienp&#228;dagogik verbietet ein Produkt des zeitgen&#246;ssischen medialen Prozesses nicht, sondern ist mit diesem Ph&#228;nomen so vertraut, dass ein Reflexionsprozess stattfinden kann. Die nackte Behauptung, dass Wikipedia keine zuverl&#228;ssigen Artikel liefere, ist nicht in der Lage, angemessen mit dieser medialen Form umzugehen.  Und so ist es f&#252;r mich zweifelhaft, ob der zum Teil sehr restriktive Umgang mit digitalen Medien in Schulen medienp&#228;dagogisch w&#252;nschenswerte Ziele nicht unerreichbar macht. In dem von Prof. Dr. Horst Niesyto angesto&#223;enen „<a href="http://www.keine-bildung-ohne-medien.de/" target="_blank">Medienp&#228;dagogischen Manifest</a>“ liest sich das so:</p>

<blockquote>„Medienkompetentes Handeln setzt fundierte Kenntnisse &#252;ber die verschiedenen Medien voraus: Kenntnisse &#252;ber technische Grundlagen und &#228;sthetische Formen, &#252;ber die Bedingungen und Formen medialer Produktion und Verbreitung in der Gesellschaft, ein Bewusstsein f&#252;r die kulturell‐kommunikative, &#246;konomische und politische Bedeutung, die Medien in globalisierten Gesellschaften haben. Medienkompetenz zielt auf die F&#228;higkeit zur sinnvollen, reflektierten und verantwortungsbewussten Nutzung der Medien. Hierzu geh&#246;ren u.a. die F&#228;higkeit zu &#252;berlegter Auswahl, zum Verstehen und Interpretieren medialer Kodes, zu einer reflektierten Verwendung von Medien in Freizeit, Schule und Beruf. Das aktive und kreative Gestalten mit Medien f&#252;r Selbstausdruck, f&#252;r die Artikulation eigener Themen, f&#252;r Kontakt und Kommunikation ist ein weiterer, zentraler Bereich von Medienkompetenz. Schlie&#223;lich f&#246;rdert Medienp&#228;dagogik die Medienkritik, die sich sowohl auf die gesellschaftliche Medienentwicklung als auch die (selbstreflexive) Mediennutzung und die eigene Gestaltung mit Medien bezieht.“</blockquote>

<p>Um die Entwicklung einer solche Medienkompetenz zu unterst&#252;tzen, bedarf es Medienp&#228;dagogen, die diese Kompetenzen selbst haben und vorleben.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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</ul>

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		<title>Lernr&#228;ume f&#252;r Kinder ohne Raum zum Lernen</title>
		<link>http://herrlarbig.de/2011/03/17/lernraume-fur-kinder-ohne-raum-zum-lernen/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 21:48:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In jedem Land gibt es Orte, an die gute Lehrer nicht gehen wollen. Diese Orte sind die Orte, an denen es gro&#223;e Probleme gibt, von denen viele Probleme ausgehen. So entsteht eine paradoxe Situation: Gute Lehrer wollen nicht dorthin gehen, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/03/17/lernraume-fur-kinder-ohne-raum-zum-lernen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><a href="http://educamp.mixxt.de" target="_blank"><img src="http://elearning2null.de/learnmedia/echb11/banner_285px.png" border="0" alt="EduCamp Bremen :: 19./20. M&#228;rz 2011" /></a></p>

<blockquote><p>In jedem Land gibt es Orte, an die gute Lehrer nicht gehen wollen. Diese Orte sind die Orte, an denen es gro&#223;e Probleme gibt, von denen viele Probleme ausgehen. So entsteht eine paradoxe Situation: Gute Lehrer wollen nicht dorthin gehen, wo sie am meisten gebraucht werden.</p></blockquote>

<p>Sugata Mitras Ausf&#252;hren haben mich ber&#252;hrt.</p>

<p>Die von ihm im folgenden Video vorgestellte Initiative „<a href="http://www.hole-in-the-wall.com/index.html" target="_blank">Hole-in-the-Wall</a>“ (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hole_in_the_Wall" target="_blank">Loch in der Wand</a>) will Kindern in den &#228;rmsten Regionen dieser Welt Zugang zu Bildung verschaffen und vertraut dabei auf die Eigen-Lern-Kr&#228;fte dieser Kinder, die ohne Lehrer und ohne Schule lernen m&#252;ssen.</p>

<p>Mitras kommt in seinen Forschungen zu dieser Art des Lernens zu interessanten Ergebnissen.</p>

<p>Ein Ergebnis &#252;berzeugt mich: Nicht jeder Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin braucht in der Schule einen eigenen Computer, sondern es scheint deutlich lernintensiver zu sein, wenn Kinder in Gruppen zu ca. vier Personen an einem Rechner arbeiten.</p>

<p>Gegen Ende des Filmes wird gezeigt, wie die Computerarbeitspl&#228;tze nach einem solchen Experiment an einer Schule in Gro&#223;britannien gestaltet wurden.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/17/lernraume-fur-kinder-ohne-raum-zum-lernen/#footnote_0_5850" id="identifier_0_5850" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Damit ist nicht gesagt, dass Gro&amp;#223;britannien ein armes Land sei oder ein Land, in das keine guten Lehrer gehen wollten, sondern nur kurz notiert, was Mitras in seiner TED-Vorlesung vorstellt.">1</a></sup></p>

<p>Es geht in Mitras Vortrag um Lernr&#228;ume an Orten, an denen es keine Lernr&#228;ume gibt, in denen „L&#246;cher in der Wand“ Kindern den Weg zum Wissen der Welt frei machen.</p>

<p>Kinder nutzen diese M&#246;glichkeit.</p>

<p>Das <a href="http://educamp.mixxt.de/" target="_blank">Motto des Educamps in Bremen lautet „Neue Lernr&#228;ume gestalten“</a>.</p>

<p>Mitras Ausf&#252;hrungen sind f&#252;r mich ein Beispiel, wie das mit Hilfe digitaler Technologien zug&#228;ngliche Wissen zu einem Lernraum f&#252;r Kinder wird, die in der Regel zu weder zu diesem Wissen noch zu digitalen Technologien Zugang haben.</p>

<p>Mitras gibt au&#223;erdem Hinweise, wie in industrialisierten L&#228;ndern Lernr&#228;ume mit digitalen Technologien gestaltet werden k&#246;nnen. – Wenn sich vier Kinder einen Computer teilen, wie viele PC-R&#228;ume k&#246;nnte man dann mit den heutigen Computer einrichten, die in vielen Schulen in den knapp vorhandenen PC-R&#228;umen meist so aufgestellt sind, dass meist jeder PC als Einzelarbeitsplatz gedacht ist…</p>

<p>Jetzt aber zu Mitras Vortrag, der auf Englisch gehalten wurde.</p>

<p><object width="560" height="349"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/dk60sYrU2RU?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="349" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/dk60sYrU2RU?fs=1&amp;hl=de_DE" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object></p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Sitzordnung im Unterricht: Lehrer-, Gruppen-, Themenzentrierung</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Mar 2011 23:25:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Res&#252;mee: Was als eine Unterrichtsstunde begann, in der das Nachdenken &#252;ber Metaphern zum Lernen in einer Lerngruppe im Zentrum stand, welches dann zur Gestaltung einer Sitzordnung im Sinne der Diskussionsergebnisse f&#252;hrte, ist als eine Stunde gedacht gewesen, die praktisch und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/03/10/sitzordnung-im-unterricht-lehrer-gruppen-themenzentrierung/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Res&#252;mee: Was als eine Unterrichtsstunde begann, in der das Nachdenken &#252;ber Metaphern zum Lernen in einer Lerngruppe im Zentrum stand, welches dann zur Gestaltung einer Sitzordnung im Sinne der Diskussionsergebnisse f&#252;hrte, ist als eine Stunde gedacht gewesen, die praktisch und konkret in die Besch&#228;ftigung mit der Epoche der Aufkl&#228;rung und ihrer Literatur einf&#252;hrt.</em></p>

<p>Am Ende sollten die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler eines Oberstufenkurses die Sitzordnung im Raum so gestalten, dass sie den Ergebnissen unserer &#220;berlegungen entspricht. Reihen, Gruppentische oder gar das Sitzen in U-Form wurden <strong>nicht</strong> bevorzugt. Am Ende stand ein Viereck, an dessen vier Seiten auch Sch&#252;ler sa&#223;en und nicht an einer alleine der Lehrer und die Sch&#252;ler doch wieder in einer U-Form verteilt.</p>

<p>Das Ergebnis hat mich &#252;berrascht. Es war anders, als ich das erwartet hatte. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sind selbst auf die Idee gekommen, dass eine konsequente Aufl&#246;sung der Lehrerzentrierung im Unterricht auch damit einher gehen muss, dass es keine vom Lehrer dominierte Seite des Raums gibt.</p>

<p>Zur Verdeutlichung habe ich schnell mal ein paar Skizzen angefertigt<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/10/sitzordnung-im-unterricht-lehrer-gruppen-themenzentrierung/#footnote_0_5788" id="identifier_0_5788" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Skizzen wurden in aller Schnelle mit Penultimate auf dem iPad angefertigt">1</a></sup>, die die unterschiedlichen Gestaltungskonzepte von Sitzordnungen im Klassenraum und die Position des Lehrenden verdeutlichen sollen. Die Skizzen k&#246;nnen durch anklicken vergr&#246;&#223;ert werden:</p>

<ul> <li>Die klassische <strong>Lehrerzentrierung</strong>, mit in Reihen gestellten Sch&#252;lertischen. Der Blick der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ist auf den Lehrer / die Lehrerin konzentiert. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler kommen in dieser Form kaum miteinander ins Gespr&#228;ch, sehen einander h&#246;chstens jeweils von hinten.</li> </ul>

<div style="text-align: center; "><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/LZent.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-5795" title="LZent" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/LZent-249x300.jpg" alt="" width="249" height="300" /></a></div>

<p> </p>

<ul> <li>Die <strong>U-Form und das „Notfall“-U</strong>: In dieser Sitzform sehen die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler einander besser (U-Form), auch wenn sehr oft, meist mangels Platz, das „Notfall“-U gebildet wird, in dem innerhalb des U noch Sitzpl&#228;tze genutzt werden, sodass hier der bessere Sichtkontakt der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler wieder „gest&#246;rt“ wird. Dass das „Notfall“-U in vielen F&#228;llen als Option gesehen wird, liegt daran, dass auch diese Sitzordnung in Wirklichkeit <strong>auf den Lehrer hin orientiert</strong>, wenn vielleicht auch nicht so stark zentriert ist.</li> </ul>

<div style="text-align: center;"><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/U.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-5796" title="U" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/U-249x300.jpg" alt="" width="249" height="300" /></a></div>

<div style="text-align: left;"><ul> <li>In vielen Klassenr&#228;umen gibt es <strong>Gruppentische</strong>. Bei dieser Sitzordnung passiert oft folgendes: Die Lehrerzentrierung wird aufgehoben, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sitzen in Gruppen zusammen, wenden vielen anderen Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen den R&#252;cken zu, in Plenumsphasen m&#252;ssen sich viele umdrehen, um Mitsch&#252;ler und Mitsch&#252;lerinnen wahrnehmen zu k&#246;nnen – gleiches gilt, wenn die Tafel, Projektoren etc. genutzt werden. Die Sitzordnung ist auf Kleingruppenarbeit hin ausgerichtet. Der Lehrer / die Lehrerin ist phasenweise bei den Sitzgruppen pr&#228;sent oder leitet Plenumsphasen. Vielleicht die radikalste Form des Sitzens im Sinne einer Sch&#252;lerzentrierung des Unterrichts, zu der sich der von mir geleitete Oberstufenkurs jedoch nicht entschloss… (Die Gr&#252;nde f&#252;r die Entscheidund des Kurses kommen gleich!)</li> </ul> <div style="text-align: center;"><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/Gruppen2.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-5792" title="Gruppen" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/Gruppen2-249x300.jpg" alt="" width="249" height="300" /></a></div> <div style="text-align: left;"><ul> <li>Meine Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler haben sich f&#252;r <strong>ein Viereck als Sitzordnung</strong> entschieden. Das bedeutet zwar auch, dass bei der Arbeit mit der Tafel ein paar Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit dem R&#252;cken zur Tafel sitzen (sich also gegebenenfalls auf die andere Seite des Tisches setzen m&#252;ssen, um sich nicht zu sehr verrenken zu m&#252;ssen), aber die Lerngruppe bildet so eine Gruppe um eine „Mitte“, in der der Prozess des Denkens und Lernens, in der das <a href="http://herrlarbig.de/2009/02/03/ldl-und-tzi/" target="_blank">Thema</a> steht. Der Lehrer / die Lehrerin bleibt Lehrer / Lehrerin (deshalb weiter in Rot dargstellt), ist aber Teil dieser Lerngruppe, wenn auch in anleitender, besonders verantwortlicher Stellung f&#252;r den Lernprozess. – Hier die Skizze und dann erz&#228;hle ich etwas von dem Prozess in der Lerngruppe, der zu dieser Sitzordnung f&#252;hrte:</li> </ul> <div style="text-align: center;"><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/Konf.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-5790" title="Konf" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/Konf-249x300.jpg" alt="" width="249" height="300" /></a></div> <div style="text-align: left;">Diese in der letzten Skizze dargestellte Sitzordnung w&#228;hlten die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler eines von mir geleiteten Oberstufenkurses, ohne dass ich interventiert h&#228;tte. Der Auftrag lautete: „Gestalten Sie die Sitzordnung so, wie Sie meinen, dass sie am ehesten den Ergebnissen unseres Nachdenkens &#252;ber das Lernen im Unterricht entspricht.“ Es dauerte ca. drei Minuten, bis diese Sitzordnung stand. – Welche Diskussion aber hat zu dieser Entscheidung gef&#252;hrt?</div></div></div>

<p>Der Impuls zum Nachdenken &#252;ber Unterricht wurde mittels Metaphern gesetzt. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sollten &#252;ber folgende S&#228;tze nachdenken:</p>

<p>„Die Synapsen klackern.“</p>

<p>„Die Neuronen feuern.“</p>

<p>Sehr schnell erkannten die Jugendlichen, dass die metaphorisch f&#252;r den Lernprozess stehenden Synapsen und Neuronen anders funktionieren, als sie Unterricht bislang einsch&#228;tzten. Es wurde sogar an einer Stelle gesagt: „Neuronen <em>antworten</em> auf die Fragen, die der Lehrer stellt.“ Es dauerte nicht lange, bis deutlich wurde, dass dieses Schema, das letztlich lehrerzentriert ist, f&#252;r den Lernprozess nicht sonderlich hilfreich ist und dass Neuronen ganz anders funktionieren: Kommt ein Reiz, so reagieren sie – und sollte da mal ein Impuls auf eine falsche Bahn geraten, gelingt es einem Netzwerk aus Neuronen in den meisten F&#228;llen, diesen „falschen“ Impuls aufzudecken und zu korrigieren.</p>

<p>Bei den Impulss&#228;tzen orientierte ich mich (nat&#252;rlich <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  ) an <a href="http://www.adz-netzwerk.de/wiki/index.php?title=Benutzer:Jeanpol/Folie_3" target="_blank">Jean-Pol Martins Neuronenmetapher</a>, die ich auf den konkreten Unterricht vor Ort umm&#252;nzte.</p>

<p>Nachdem das Gespr&#228;ch die Struktur der Neuronen (in metaphorischem Sinn!) verdeutlichen konnte, speiste ich zwei weitere Metapher in die Diskussion ein:</p>

<p>„<a href="http://herrlarbig.de/2010/11/08/schueleraktivitaet-im-unterricht-die-affenmetapher/" target="_blank">Wer hat den Affen auf der Schulter?</a>“</p>

<p>„<a href="http://herrlarbig.de/2010/11/07/aktivitaetsverteilung-im-unterricht-die-infrarotkamera-metapher/" target="_blank">Wie wird die</a><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/07/aktivitaetsverteilung-im-unterricht-die-infrarotkamera-metapher/" target="_blank"> ‚W&#228;rmeverteilung‘ (das Engagement // die Sch&#252;leraktivit&#228;t) im Unterricht von einer Infrarotkamera wahrgenommen.</a>“</p>

<p>Ich griff auf die <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/08/schueleraktivitaet-im-unterricht-die-affenmetapher/" target="_blank">Affen</a>- und <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/07/aktivitaetsverteilung-im-unterricht-die-infrarotkamera-metapher/" target="_blank">Infrarotkamerametapher</a> zur&#252;ck, die ich hier im Blog bereits erl&#228;utert habe, zwei Metaphern, die von den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern schnell produktiv aufgegriffen wurden. Dabei fiel mir (wieder einmal) auf, dass viele im Kurs sehr positiv auf den Hinweis reagierten, dass Unterricht in meinen Augen aus zwei Prozessen bestehe: Zun&#228;chst steht der Lernprozess im Mittelpunkt, ein Prozess, in dem gemeinsam daran gearbeitet wird, Wissen und Denkstrukturen, Kompetenzen etc. aufzubauen, wobei eben nicht davon ausgegangen wird, dass es nur richtige Antworten (sic!) gibt, sondern vielmehr auch der Irrtum, der Umweg f&#252;r das Lernen produktiv sein kann bzw. ist. An zweiter Stelle steht der Prozess der &#220;berpr&#252;fung von Wissen, der F&#228;higkeit zur praktischen Anwendung von Denkstrukturen, von Kompetenzen etc.</p>

<p>In diesem Denkprozess ging es auch um die Rolle des Lehrers, die von keinem in Frage gestellt, aber durchaus befragt wurde. Dabei kam die Gruppe zu dem Schluss, dass ein gemeinsamer Lernprozess die Rolle des Lehrers ver&#228;ndert. Das wurde sehr deutlich, nachdem sich die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ihre Sitzordnung gesucht hatten.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/10/sitzordnung-im-unterricht-lehrer-gruppen-themenzentrierung/#footnote_1_5788" id="identifier_1_5788" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die an einen Konferenzraum erinnernde Sitzordnung ist nur m&amp;#246;glich, wenn die Lerngruppe und die&nbsp;Unterrichtsr&amp;#228;ume dies von ihrer Gr&amp;#246;&amp;#223;e her zulassen. Wenn dies nicht der Fall ist, dann ist es aber durchaus Teil der Herausforderung f&amp;#252;r die Sch&amp;#252;lerinnen und Sch&amp;#252;ler, eine den Gegebenheiten angemessene, pragmatische L&amp;#246;sung zu entwickeln.">2</a></sup> W&#228;hrend dieses Prozesses hielt ich mich v&#246;llig zur&#252;ck, beobachtete, was passieren w&#252;rde, hatte ich doch wirklich kein Ahnung, welche Konsequenzen die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen aus unseren &#220;berlegungen ziehen w&#252;rden. Als wir eine Weile so sa&#223;en, meldete sich ein Mitglied der Lerngruppe und meinte sinngem&#228;&#223;: „Eigentlich sind Sie noch immer viel zu pr&#228;sent. Immer wenn ich etwas sagen m&#246;chte, sehe ich Sie, spreche ich doch wieder Sie an, aber wir hatten doch dar&#252;ber gesprochen, dass der Denkprozess von uns Sch&#252;lern f&#252;r unser Lernen wichtig ist.“ – Der Widerspruch kam sofort: „Es ist wohl eher eine Sache der Gewohnheit und wenn wir uns an die neue Sitzordnung erst einmal gew&#246;hnt haben, werden wir schon wirklich miteinander nachdenken, ohne st&#228;ndig den Lehrer im Blick zu haben.“</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus fiel den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler auf, was f&#252;r ein gro&#223;er, leerer Raum im Zentrum des Vierecks entstanden war, ein Leerraum (Freiraum!), um den wir herum sitzen, der einerseits daf&#252;r stehe, dass wir ihn zu f&#252;llen haben, der aber auch ein Freiraum sei, um z. B. auch einmal Arbeitsergebnisse zu pr&#228;sentieren.</p>

<p>Zwischendurch wurde dar&#252;ber nachgedacht, ob dieser Leerraum nicht eigentlich der Ort sei, an dem der Lehrer seinen Platz im Kurs habe, aber dieser Gedanke wurde im Gespr&#228;ch schnell verworfen, weil es ja gerade darum gehe, nicht den Lehrer, sondern die Themen des Unterrichts in die Mitte zu stellen.</p>

<p>In einer Blitzlichtrunde fassten die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zusammen, was sie aus dieser Stunde mitnehmen (Die dort gemachten Aussagen sind bereits in diesen Beitrag eingeflossen, ohne explizit als solche kenntlich gemacht worden zu sein, sodass ich hier auf eine detaillierte Wiedergabe verzichte.)</p>

<p>Bleibt die Frage, was diese Unterrichtstunde mit den Inhalten des Unterrichts zu tun hat. Obwohl ich der &#220;berzeugung bin, dass die Reflexion &#252;ber Unterricht – auch mit den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern – hin und wieder Teil des Unterrichts sein sollte, so war diese Unterrichtsstunde als Einleitung in ein neues Thema gedacht, das den Deutschunterricht nun pr&#228;gen wird. Die Stunde war als Einleitung in das nun anstehende Nachdenken &#252;ber die Epoche der Aufkl&#228;rung und der mit ihr verbundenen Literatur angelegt, wobei die Frage nach M&#246;glichkeiten der Widerspiegelung des Prozesses der Aufkl&#228;rung im Unterricht selbst leitend war. Hinzu kam, dass ich gerade in diesen Tagen mit einer Kollegin &#252;ber die Metaphern gesprochen hatte und so wieder einmal angeregt wurde, die Sprache der Metaphern im Unterricht selbst als Instrument des Nachdenkens &#252;ber Unterricht zu nutzen.</p>

<p>Was die Impulse, das gemeinsam Nachdenken in dieser Stunde und die Ver&#228;nderung der Sitzordnung mit Aufkl&#228;rung zu tun haben, gilt es es nun im weiteren Prozess des Nachdenkens zu kl&#228;ren, um auf diesem Wege, so zumindest meine Vorstellung, einen praktisch untermauerten Zugang zu dieser Epoche zu bekomme. Als Impuls f&#252;r diesen Prozess des Nachdenkens bekamen die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler folgenden Arbeitsauftrag:</p>

<p><span style="white-space: pre;"> </span>„Er&#246;rtern Sie ob es – und wenn ja welche – Verbindungen zwischen unserem heutigen <span style="white-space: pre;"> </span>Nachdenken &#252;ber das Lernen und Immanuel Kants „<a href="http://de.wikisource.org/wiki/Beantwortung_der_Frage:_Was_ist_Aufkl&#228;rung" target="_blank">Beantwortung der Frage: Was ist Aufkl&#228;rung</a>“ <span style="white-space: pre;"> </span>gibt.“</p>

<p>Ich bin davon &#252;berzeugt, dass es diese Verbindungen gibt, werde diese hier aber nicht darstellen, sondern lade vielmehr dazu ein, eigene Gedanken zu dieser Fragestellung oder auch andere Kommentare zu diesem Beitrag zu formulieren und zu hinterlassen, sodass wir auch hier (noch) st&#228;rker in den Prozess des Lernens durch gemeinsames Nachdenken hinein geraten.</p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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