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		<title>Schule „muss“ sich nicht ver&#228;ndern; sie tut es einfach. Eine Provokation.</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 23:04:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich gerade in die Oberstufe gekommen war, wollte ich unbedingt dieses vierundzwanzig B&#228;nde umfassende Lexikon im Taschenbuchformat haben.</p>

<p>Als ich es dann hatte, kamen in besonders ereignisreichen Jahren Einzelb&#228;nde dazu, die die Informationen im Lexikon aktualisierten. </p>

<p>Mir kam dieser Regalmeter an Wissen damals so vor, als ob es unm&#246;glich sei, noch viel mehr zu wissen oder in noch kompakterer Form, Wissen zug&#228;nglich zu machen. </p>

<p>In der gleichen Zeit war ich zutiefst davon beeindruckt, dass Briefe an und von einem Brieffreund in Singapur in der Regel nur zwei Werktage unterwegs waren, bis sie ankamen und eine mir v&#246;llig unbekannte Welt ins Haus brachten. </p>

<p>Es gab f&#252;r solche Brieffreundschaften Vermittlungsagenturen, die damals bei uns Jugendlichen recht beliebt waren, konnte man auf dem Wege &#252;ber eine Brieffreundschaften doch Fremdsprachenkenntnissen so etwas wie Praxisrelevanz abtrotzen. </p>

<p>Das Lexikon steht noch immer in meinem Regal, aber weniger, weil ich davon einen Nutzen habe, sondern eher als eine Art „romantische“ Erinnerung an Zeiten, die gar nicht lange her sind, daf&#252;r aber sehr schnell vergangen sind. </p>

<p>Das Wissen der Welt steht heute tagesaktuell via Internet zur Verf&#252;gung. </p>

<p>Das Internet und Computer machen Englischkenntnisse unmittelbar praxisrelevant. Freundschaften auf Distanz werden heute via Facebook und Skype gepflegt. </p>

<p>Was einst ein f&#252;r mich mit schier unvorstellbaren Wissensmengen gef&#252;llter Regalmeter war, neben dem einige Zeit sp&#228;ter noch alle damals unter dem Label „Duden“ verf&#252;gbaren W&#246;rterb&#252;cher, zehn an der Zahl, einzogen und so auch umfassendes Sprachwissen f&#252;r mich greifbar machten, kommt mir heute so vor, als seien es letztlich doch sehr bescheidene Wissensmengen gewesen. Und der Regalmeter mit gewichtigen B&#252;chern reicht nicht im mindesten an das verf&#252;gbare Wissen in meiner Hosentasche heran, das ich immer bei mir trage.</p>

<p>Neben Lexikon und W&#246;rterb&#252;chern habe ich eine &#252;ber hundert B&#228;nde umfassende Klassikerbibliothek, die in Druckform einige Umzugskisten ben&#246;tigte, um transportiert werden zu k&#246;nnen, in der Hosentasche. Das Smartphone macht es m&#246;glich.</p>

<p>Au&#223;erdem trage ich eine vollwertige Schreibmaschine mit mir herum, die kleiner als ein Collegeblock ist, die mir komfortablen Internetzugang erlaubt, mit der ich mit anderen Menschen kommunizieren kann.</p>

<p>Fotoapparat, die M&#246;glichkeit, hochwertige Videos anzufertigen und sogar zu schneiden, ein Audiorekorder, einen Scanner mit OCR, eine vollst&#228;ndige Fahrplanauskunft (fr&#252;her war dazu ein dickes „Kursbuch“ n&#246;tig), eine Sammlung historischen Kartenmaterials, eine mehrere hundert „Platten“ umfassende Musiksammlung etc. f&#252;hre ich st&#228;ndig in der Hosentasche mit mir herum.</p>

<p>Das alles kam mir in den Sinn, als ich &#252;ber die mir k&#252;rzlich gestellte Frage nachdachte, ob Schule sich nicht ver&#228;ndern m&#252;sse. </p>

<p>Je mehr ich &#252;ber diese Frage nachdenke, deren Zielrichtung ich nat&#252;rlich verstehe (zu verstehen meine), um so sinnloser, an der eigentlich zu stellenden Frage vorbei gestellt erscheint sie mir. </p>

<p>Schule „muss“ sich nicht ver&#228;ndern. Das muss man nicht fordern, als ein „Muss“ in den Raum projizieren. Schule tut das einfach. Schule ver&#228;ndert sich. Schule ist l&#228;ngst vom informationstechnologischen Wandel durchdrungen und gepr&#228;gt – auch dort, wo die Ver&#228;nderungsresitenzen von Lehrenden noch versuchen, „alte Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ gegen den „Angriff“ aus der Welt des Internets und des Hosentaschenwissens am Leben zu erhalten. </p>

<p>Wenn dann Lehrer und Lehrerinnen im Lehrerzimmer „ihre Klausuren von vor ein paar Jahre, die sie bislang problemlos immer wieder verwenden konnten, die jetzt aber im Internet kursieren und die sie deshalb nicht mehr verwenden k&#246;nnen“ hochhalten, die sie bei Sch&#252;lern gefunden haben, w&#228;hrend diese Arbeit wieder einmal geschrieben wurde, so ist das ein fast tragikomischer Anblick.</p>

<p>Wenn Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen der Gebrauch mobiler Endger&#228;te mit Internetzugang verboten wird, wirkt das zunehmend so, als w&#252;rde man die Nutzung von W&#246;rterb&#252;chern verbieten. </p>

<p>Nein, Schulen sehen sich keinem „Muss“ zur Ver&#228;nderung ausgesetzt. Schulen ver&#228;ndern sich parallel zum Leitmedienwechsel von alleine, organisch, egal ob Lehrer, Eltern, Schultr&#228;ger, Kultusbeh&#246;rden,  Schulbuchverlage etc. sich gegen das „Wuchern dieses digitalen Unkrauts“ wehren oder ob sie sich auf den Medienwandel in der Wissensgesellschaft einlassen und Sch&#252;ler dabei unterst&#252;tzen, m&#252;ndige B&#252;rgern in dieser Wissensgesellschaft zu werden. </p>

<p>Weg also mit dem „Muss“, wenn es um Fragen der Ver&#228;nderung von Schule geht. </p>

<p>An die Stelle dieses „Muss“ sollte man die Forderung nach Professionalit&#228;t im Umgang mit diesem Leitmedienwechsel setzen und diese Professionalit&#228;t gleichzeitig einfordern.</p>

<p>Es ist nicht die Aufgabe von Lehrern, den Leitmedienwechsel (immer noch) zu verteufeln oder einfach zu ignorieren. </p>

<p>Es ist Aufgabe von Lehrern, kompetent mit dem Leitmedienwechsel umzugehen, theoretisches und Anwendungswissen zu erwerben, um den M&#246;glichkeiten und Chancen des Leitmedienwechsels auch reflektierend begegnen zu k&#246;nnen. </p>

<p>Nat&#252;rlich ist das mit Arbeit verbunden, aber als Fachlehrer kann man sich zum Beispiel in den Naturwissenschaften neuen fachlichen Erkenntnissen auch nicht verweigern, wenn man den eigenen Beruf wirklich ernst nimmt. </p>

<p>Es ist nicht so, dass man sich zur&#252;cklehnen und entscheiden kann, ob einen als Lehrer dieser Leitmedienwechsel betrifft oder nicht, ob man diesem gegen&#252;ber Kompetenzen erwerben m&#246;chte oder nicht. Diese Entscheidung mag mir als Privatperson m&#246;glich sein; will ich meinem Erziehungsauftrag angemessen nachkommen, muss ich zum kompetenten Umgang mit dem Leitmedium in der Lage sein. </p>

<p>Ich kann mich als Lehrer ja auch nicht weigern, B&#252;cher oder Fachzeitschriften in die Hand zu nehmen, wenn ich den Beruf ernst nehme. </p>

<p>Ich stelle mir vor, Automechaniker verhielten sich wie manche Lehrer, sie w&#252;rden sich weigern, von ihren mechanischen Reparaturkompetenzen auf Mechatronik umzustellen, sie w&#252;rden sich weigern, den Umgang mit Computern zu erlernen, um Fehleranalysen an der Bordelektronik eines Autos durchf&#252;hren zu k&#246;nnen: Wenn ein solcher Automechaniker nicht gerade in einer Werkstatt arbeitet, die sich auf Oldtimer spezialisiert hat, w&#252;rde er seinen Beruf verlieren. </p>

<p>Ich hielte es f&#252;r keinen Eingriff in die gesetzlich verankerte p&#228;dagogische Freiheit von Lehrerinnen und Lehrern, w&#252;rde eine Dienstanweisung ergehen, in der klar definiert ist, welche Kompetenzen der Leitmedienwechsel von Lehrenden fordert, damit dieser kompetent reflektiert und auch praktisch fruchtbar gemacht werden kann. Diese Dienstanweisung d&#252;rfte freilich nur von Leuten erarbeitet werden, denen man gen&#252;gend Wissen und F&#228;higkeiten zutraut, dies angemessen zu tun, also nicht von Politikern, die sich E-Mails nach wie vor ausdrucken lassen <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Ich hielte es f&#252;r keinen Eingriff in die gesetzlich verankerte p&#228;dagogische Freiheit von Lehrerinnen und Lehrern, bek&#228;me jede und jeder eine Dienstemailadresse, die verpflichtend mind. an den Tagen abzurufen w&#228;re, an denen die Kollegen in der Schule sind, wo Dienstrechner verf&#252;gbar sind. </p>

<p>Solange es aber nicht als seltsam angesehen wird, dass Lehrer und Lehrerinnen sich teilweise dem Leitmedienwechsel offensiv verweigern, solange nicht verbindlich eingefordert wird, dass Medienkompetenz ebenso wie Sprach- und Schreibkompetenz in allen F&#228;chern zu f&#246;rdern ist, solange wird sich Schule weiter ver&#228;ndern, worauf Lehrer weiter mit Restriktionen reagieren werden, um den StatusQuo zu bewahren, um die Ver&#228;nderungen vielleicht doch noch zu verhindern, wodurch die Atmosph&#228;re in den Schulen zunehmend von dem nicht reflektierten Konflikt zwischen „digitalen Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ im au&#223;erschulischen Alltag und der vor diesem Alltag „gesch&#252;tzten“ Schule gepr&#228;gt wird.</p>

<p>Der Leitmedienwechsel wird zu einer neuen Lernkultur f&#252;hren.</p>

<p>Die sich mit ihm ergebenden M&#246;glichkeiten und Risiken wollen reflektiert Einzug in die Schulwirklichkeit finden. </p>

<p>Um diesen reflektierten Umgang mit dem Leitmedienwechsel leisten zu k&#246;nnen, m&#252;ssen Lehrer und Lehrerinnen lernen. </p>

<p>Ja, das ist mit Arbeit verbunden. Aber diese Arbeit ist nicht zu vermeiden, soll sich in der Schule nicht ein Dauerkonflikt zwischen „digitalen Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ (das Vorhandensein einer dienstlichen  E-Mail-Adresse ist eine solche, der gemeinfreie Klassiker auf dem E-Book-Reader bzw. dem Smartphone oder dem Tablet ist gerade dabei eine solche zu werden) und analoger Beharrlichkeit festsetzen, der dem Auftrag der Schule und somit der P&#228;dagogen in der Schule zuwider liefe.</p>

<p>Schule „muss“ sich nicht ver&#228;ndern; Schule ver&#228;ndert sich angesichts des Leitmedienwechsels einfach; sie tut das einfach, v&#246;llig ohne „Muss“. </p>

<p>Die Frage lautet also, wie sehr die an der Gestaltung von Schule beteiligten Professionellen professionell in der Lage sind, diese Ver&#228;nderungen wahrzunehmen, zu beschreiben, zu reflektieren und dann in die Didaktik und Methodik der F&#228;cher zu integrieren. </p>

<p>Das ist f&#252;r alle Beteiligten eine Herausforderung. Und deshalb muss die Herausforderung noch umfassender beschrieben werden: Wie sehr sind Politik und gesamtgesellschaftliche Stimmungen bereit und in der Lage, den an der Gestaltung von Schule beteiligten Professionellen professionelle Fortbildungsm&#246;glichkeiten zu geben, die keine Zusatzbelastungen sind, sondern durch Entlastungen an anderen Stellen eigentlich erst erwartbar und m&#246;glich werden. </p>

<p>Solange dies nicht geschieht, ist freilich nicht unbedingt zu erwarten, dass Lehrer und Lehrerinnen die Kraft, Energie und Bereitschaft aufbringen (k&#246;nnen), sich den faktischen Ver&#228;nderungen von Schule im digitalen Kontext zu stellen; solange ist es durchaus nachvollziehbar, dass vielen Lehrer und Lehrerinnen der an „analogen Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ orientierte Schulalltag der „sicherere Grund“ zu sein scheint, auf dem sie agieren k&#246;nnen. </p>

<p>Doch von all dem unabh&#228;ngig: Schule ver&#228;ndert sich; Schule hat sich angesichts neuer „digitaler Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ l&#228;ngst ver&#228;ndert. </p>

<p>Es ist Zeit, diese Ver&#228;nderungen reflexiv und praktisch  einzuholen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>#OER – Offene Bildungsmedien: Ich will Taten sehen! (&amp; Update zu #schultrojaner)</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Nov 2011 23:18:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Update zur Entwicklung der Schultrojanerdebatte Fast bin ich den Verantwortlichen f&#252;r die Erfindung des „Phantoms“ „Schultrojaner“ dankbar. Ja, was da unter der Federf&#252;hrung Bayerns von der Kultuministerkonferenz, diversen Verwertungsgesellschaften und dem VdS Bildungsmedien erfunden wurde, ist ein Phantom, ein Gespenst, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/11/08/oer-offene-bildungsmedien-ich-will-taten-sehen-update-zu-schultrojaner/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Update zur Entwicklung der Schultrojanerdebatte</h2>

<h2><span class="Apple-style-span" style="color: #333333; font-weight: 300;">Fast bin ich den Verantwortlichen f&#252;r die Erfindung des „Phantoms“ „Schultrojaner“ dankbar. </span></h2>

<h2><span class="Apple-style-span" style="color: #333333; font-weight: 300;">Ja, was da unter der Federf&#252;hrung Bayerns von der Kultuministerkonferenz, diversen Verwertungsgesellschaften und dem VdS Bildungsmedien erfunden wurde, ist ein Phantom, ein Gespenst, dessen gegenw&#228;rtige Nicht-Existenz Grund genug bietet, in Grundsatzdebatten einzusteigen und an Visionen von Bildung zu arbeiten. </span></h2>

<h2><span class="Apple-style-span" style="color: #333333; font-weight: 300;">Wenn allerdings gesagt wird, der Schultrojaner existiere noch gar nicht, dann ist das nur die halbe Wahrheit. Immerhin existiert er als verbindliche Vereinbarung zwischen KMK und VdS Bildungsmedien. Er ist also in den K&#246;pfen der Entscheidungstr&#228;ger sehr wohl pr&#228;sent. – Pr&#228;sent ist er aber auch in den K&#246;pfen all derer, die die Umsetzung einer solchen Technik f&#252;r einen unangemessenen Eingriff in die Integrit&#228;t von Schulrechnern erachten und sich nicht mit technokratischen Zusagen, dass diese Software selbstverst&#228;ndlich sicher sein werde, abspeisen lassen. „Sicher“ w&#228;re der Staatstrojaner auch gewesen, wenn man Politiker und Lobbyvertreter nach ihm gefragt h&#228;tte. </span></h2>

<h2><span class="Apple-style-span" style="color: #333333; font-weight: 300;">War da nicht auch Bayern federf&#252;hrend? <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/streit-um-einsatz-des-staatstrojaners-bayern-ignoriert-urteil-zur-schnueffelsoftware-1.1159085" target="_blank">Ein Schelm der b&#246;ses denkt, wenn man h&#246;rt, dass der Vertrag zwischen KMK und VdS Bildungsmedien von Bayern federf&#252;hrend ausgehandelt wurde.</a> Da hat man nun ja wirklich einschl&#228;gige Erfahrungen mit Software zur Computer&#252;berwachung. </span></h2>

<h2><span class="Apple-style-span" style="color: #333333; font-weight: 300;">Gut, die Schulcomputer-Schn&#252;ffel-Software soll nicht heimlich an Schulen installiert werden, soll vorher getestet werden etc. Eine verdachtsunabh&#228;nige Infiltirierung der Schulrechner w&#228;re diese Software aber dennoch. </span></h2>

<h2><span class="Apple-style-span" style="color: #333333; font-weight: 300;">Das sehen offensichtlich viele so. Zuletzt hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Vereinbarung zwischen KMK und VdS Bildungsmedien scharf kritisiert und <a href="http://netzpolitik.org/2011/bundesjustizministerin-schultrojaner-war-arger-der-woche/" target="_blank">nannte den „Schultrojaner“ ihren „&#196;rger der Woche“</a>.</span></h2>

<h2>Hat der „<a title="Betreff: „#Schultrojaner“ || Liebe Schulbuchverlage!" href="http://herrlarbig.de/2011/11/01/betreff-schultrojaner-liebe-schulbuchverlage/" target="_blank">offene Brief</a>“ seine Zielgruppen erreicht?</h2>

<p>Auch wenn ich meinen Blogbeitrag von vergangener Woche als offenen Brief gestaltet habe, wurde er nur &#252;ber das Netz abgeschickt. Die Reichweite dieses Briefes war beeindruckend und kam f&#252;r mich vollkommen unerwartet.</p>

<p>Netzpolitik.org verbreitete ihn auf Twitter und der <a href="http://netzpolitik.org/2011/zweites-update-zum-schultrojaner/" target="_blank">Website</a>; <a href="http://www.fr-online.de/wissenschaft/verlagssoftware-lehrer-sind-entsetzt-ueber--schultrojaner-,1472788,11088832.html" target="_blank">Frankfurter Rundschau</a>, <a href="http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,795449,00.html" target="_blank">Spiegel online</a>, <a href="http://wissen.dradio.de/trojaner-lehrer-unter-generalverdacht.33.de.html?dram:article_id=13287" target="_blank">DRadio-Wissen</a> zitierten ihn und <a href="https://twitter.com/indiesemNetz" target="_blank">Sonja Sch&#252;nemann</a> von <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/2/0,3672,8365122,00.html" target="_blank">heute.de</a> telefonierte mit mir und schrieb &#252;ber das <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/2/0,3672,8365122,00.html" target="_blank">Thema</a>. heise.de stellte mir Fragen per E-Mail  f&#252;r einen Beitrag &#252;ber „<a href="http://www.heise.de/tp/artikel/35/35829/1.html" target="_blank">Offenes Lernmaterial</a>“, der heute erschienen ist.</p>

<p>&#196;u&#223;erungen der Verlage zum Thema<span id="more-29215"></span> habe ich keine wahrgenommen, der VdS Bildungsmedien hat eine <a href="http://www.vds-bildungsmedien.de/presse/aktuelle-meldungen/01-11-11-faq-plagiats-software/" target="_blank">FAQ-Seite</a> geschaltet, die auch weiter aktualisiert wird, und ein paar Pressestatements etwa gleichen Wortlauts abgegeben und schweigt seitdem beispielsweise auf <a href="https://twitter.com/#!/bildungsmedien/" target="_blank">Twitter</a>. Alleine einige Kultusbeh&#246;rden haben sich zum Thema ge&#228;u&#223;ert, als ob es sich alleine um ihr Problem handelt, obwohl der entsprechende <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/20110615gesamtvertragtext.pdf" target="_blank">Vertrag</a> auch von Verwertungsgesllschaften und dem VdS Bildungsmedien verabschiedet wurde.</p>

<h2>Bewusstseinwandel hin zu offenen Bildungsmedien (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Education" target="_blank">OER</a>)</h2>

<p>Es zeichnet sich ein Bewusstseinswandel zumindest bei den im Web pr&#228;senten und aktiven P&#228;dagogen ab und deshalb bin ich den Verantwortlichen f&#252;r die Erfindung des Phantoms „Schultrojaner“ fast dankbar. Es entwickelt sich nunmehr n&#228;mlich eine <a href="http://widerspiegel.wordpress.com/2011/10/31/freie-inhalte-im-bildungswesen-statt-kampf-mit-einem-schultrojaner/" target="_blank">Diskussion um Bildungsmedien</a>, die eine &#220;berwachung ihrer Nutzung &#252;berfl&#252;ssig machen, weil sie von Anfang an f&#252;r Unterrichtszwecke frei verf&#252;gbar sind.</p>

<h2>Voraussetzungen einer Diskussion</h2>

<p>Diese Diskussion ist ein Resultat der „Schultrojaner“-Debatte. Hier stelle ich eine Konzeption zur Diskussion, wie es &#252;ber die aktuelle Diskussion hinaus zu einer nachhaltigen Entwicklung qualitativ hochwertiger Bildungsmedien kommen kann, die die bereits verf&#252;gbaren Ressourcen einbindet, neue Kr&#228;fte f&#252;r diese Ressourcen freisetzt und gleichzeitig neue aktive Quellen motivieren soll.</p>

<p>Bei meinen Zielvorstellungen schlie&#223;e ich mich <a href="http://widerspiegel.wordpress.com/2011/10/31/freie-inhalte-im-bildungswesen-statt-kampf-mit-einem-schultrojaner/" target="_blank">Martin Kurz an, der in seinem Blog</a> schreibt:</p>

<blockquote><address>„Ich w&#252;nsche mir sehnlichst mehr <strong>freie Inhalte im Bildungswesen</strong>. &#196;hnlich dem Grundprinzip der „freien Software“ (bzw. dem Open-Source-Gedanken) sollten diese frei verf&#252;gbar sein. Dabei sind die, ich sage mal Randbedingungen wichtig: die Inhalte sollten</address>
<ul>
    <li>leicht auffindbar,</li>
    <li>strukturiert,</li>
    <li>inhaltlich gepr&#252;ft,</li>
    <li>als frei gekennzeichnet und</li>
    <li>in hoher didaktischer Qualit&#228;t“</li>
</ul>
</blockquote>

<p>Aber wie bekommen wir das hin? <a href="http://www.dotcomblog.de/?p=2276" target="_blank">Ans&#228;tze in Diskussion und Praxis gab es und gibt es immer wieder</a>, bislang ohne nachhaltigen Erfolg und ohne Effizienz im Rahmen eines Arbeitsfblaufs (Workflow).</p>

<p>Es gibt die <a href="http://zum.de" target="_blank">Zentrale f&#252;r Unterrichtsmedien</a>, <a href="http://de.wikibooks.org/wiki/Hauptseite" target="_blank">Wikibooks</a>, Versuche von <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/11/das-digitale-schulbuch-umsetzung-mit-wiki.htm" target="_blank">Lehrenden mit Wikis, eigene Schulb&#252;cher zu erstellen</a>, frei <a href="https://docs.google.com/spreadsheet/ccc?key=0Aouoi7BpzRy4dHZXdjhZUFIyOGY1Tmc3X1JfU1d6WkE#gid=0" target="_blank">verf&#252;gbare Moodlekurse</a> (diese Liste ist &#252;brigens schon einer erste konkrete Folge der <a href="https://twitter.com/networking_lady/status/133528230962536450" target="_blank">Diskussion auf Twitter</a>), Einzelmaterialien auf Webseiten von Lehrern, <a href="http://teachsam.de" target="_blank">teachsam.de </a>(auch wenn da nicht ganz klar ist, ob die Materialien ver&#228;ndert werden d&#252;rfen, weil unter © erschienen, aber grunds&#228;tzlich frei verf&#252;gbar sind sie scheinbar doch), es gibt <a href="http://4teachers.de" target="_blank">4teachers</a> (wobei sich hier die Frage nach der Qualit&#228;tskontrolle in Sachen Materialien dann schon stark stellt), Fachplattformen wie <a href="http://lernen-aus-der-geschichte.de/" target="_blank">Lernen aus der Geschichte</a>, <a href="http://www.rpi-virtuell.net/" target="_blank">rpi-virtuell</a> und <a href="http://rpp-katholisch.de" target="_blank">rpp-katholisch</a>, es gibt Einzelpersonen mit gro&#223;er Fachexpertise wie <a href="http://www.fachdidaktik-einecke.de/" target="_blank">G&#252;nther Einecke</a> und diese Liste lie&#223;e sich noch deutlich erweitern. M&#246;gen alle, die hier nicht genannt sind, in den Kommentaren ihre Links hinterlassen, so es sich wirklich um „freie Angebote“ handelt.</p>

<p>DIe Zahl der vorhandenen Ressourcen ist beeindruckend. Die Qualit&#228;t unterschiedlich, aber letztlich geh&#246;rt es auch zum Beruf des Lehrers, angemessene Kriterien f&#252;r die Bewertung von Material zu entwickeln, sodass mit dieser Schw&#228;che mancher Angebote durchaus gelebt werden kann.</p>

<p>Neben diesen speziell auf Schule hin ausgerichteten Seiten gibt es zahlreiche unterrichtsrelevante Seiten im Netz, die zwar copyrightgesch&#252;tztes Material anbieten, aber nicht explizit Bildungsmedienanbieter sind, sodass f&#252;r diese Angebote andere Nutzungsm&#246;glichkeiten bestehen. Dar&#252;ber hinaus ist das Material online verf&#252;gbar und man kann damit arbeiten, ohne etwas kopieren zu m&#252;ssen. Da f&#228;ngt bei Wikipedia an und gliedert sich je nach Fach sehr unterschiedlich auf.</p>

<h2>Diskussionsvorschlag</h2>

<p>In meinem Diskussionsvorschlag geht es nun alleine um die Frage der Vernetzung bereits vorhandener und neu entstehender Angebote f&#252;r freie, unterrichtsbezogene Bildungsmedien. Andere Anbieter d&#252;rfen sich gerne an der Verbreitung des Gedankens einer offen zug&#228;nglichen Bildung beteiligen.</p>

<p>Ich schlage vor, sich erst mit dem ganzen Entwurf vertraut zu machen, bevor an Einzelstellen gearbeitet wird.</p>

<p>Ich gliedere meinen Diskussionvorschlag in drei an Zeitr&#228;umen orientierten Zielhorizonte. Das ist alles diskutierbar und ich stelle diesen Diskussionsvorschlag zur Bearbeitung auch als <a href="http://type.riecken.co/p/OER-Dikussion" target="_blank">Etherphad</a> zur Verf&#252;gung.</p>

<ol>
    <li><strong>Nahziele</strong>: Von der aktuellen Debatte ausgehend Strategien entwickeln, mit deren Hilfe der Open-Education-Gedanke im deutschen Sprachraum nachhaltig sichtbar gehalten wird und nicht nach einigen Wochen wieder in der Versenkung verschwindet.</li>
    <li><strong>Mittelfristige Ziele</strong>, die auf die Frage hin ausgerichtet sind, wie eine Vernetzung vorhandener Materialienpools und Einzelmaterialien m&#246;glich wird, die effiziente Suchstrategien erlaubt und gleichzeitig anregende Zufallsfunde erm&#246;glicht.</li>
    <li><strong>Langfristige Ziele</strong>, die auf eine Ver&#228;nderung der Grundeinstellung aller an Bildungsprozessen in Bezug auf die Rolle von Bildungsmedien hin ausgerichtet sind und dabei einen nachhaltigen Bewusstseinwandel bewirken, der zur Umsetzung der strukturellen Ziele f&#252;hrt, die in der <a href="http://www.capetowndeclaration.org/translations/german-translation" target="_blank">Kapstadt Open Education Declaration</a> formuliert werden.</li>
</ol>

<h3>1. Nahziele (6 Wochen)</h3>

<p>Immer wieder beginnt die Debatte um offen und frei verf&#252;gbare Bildungsmedien, ohne dass es bislang gelungen ist, diese Debatte sichtbar und somit langfristig in das Bewusstsein der Akteure in schulischen Zusammenh&#228;ngen zu bringen.</p>

<ul>
    <li>Deshalb w&#252;nsche ich mir, dass Webseiten, die sich aktiv durch Bereitstellung freier Bildungsmedien an der praktischen Umsetzung des Open-Education-Gedankens beteiligen oder / und die aktiv an der theoretischen Weiterentwicklung dieses Konezptes beteiligt sind, dies deutlich sichtbar ausdr&#252;cken k&#246;nnen. Ich w&#252;nsche mir <strong>ein Logo mit hohem Wiedererkennungswert</strong>, dass frei zur Verf&#252;gung steht und fordere Designer, insbesondere jene, die mir via Twitter bereits angeboten haben, sich zu beteiligen, auf, ein solches Logo zu entwickeln. Da ich kein Geld f&#252;r solche Zwecke verf&#252;gbar habe, kann ich f&#252;r ein solches Logo nichts bezahlen, es sei denn es findet sich jemand, der f&#252;r einen Logowettbewerb Preise aussetzen mag. Dieses Loge m&#252;sste unter einer CC-Lizenz stehen. Wenn Vorschl&#228;ge f&#252;r ein solches Logo bei mir eingehen (E-Mail: OER-Logo[at]herrlarbig.de – <strong>Einsendeschluss: 30.11.2011 – 18:00 Uhr</strong>] w&#252;rden diese Entw&#252;rfe zur Abstimmung freigegeben. Zweck dieses Logos: Wer auf Bildungsseiten surft, soll immer wieder dem OER-Gedanken begegnen und dar&#252;ber hinaus soll das Logo dazu beigetragen, die Pr&#228;senz des Gedankens (optisch) zu verstetigen. Dazu w&#228;re eine eing&#228;ngie <strong>Wort-Bild-Marke</strong> hilfreich, wie sie z. B. f&#252;r „<a href="http://www.hardbloggingscientists.de/mitmachen/" target="_blank">hard blogging scientists</a>“ bereits vorliegt (Aktiv sind unter diesem Label z. B. <a href="http://cspannagel.wordpress.com/" target="_blank">Christian Spannagel</a>, <a href="http://www.olivertacke.de/" target="_blank">Oliver Tacke</a>, <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/" target="_blank">Florian Freist&#228;tter</a> oder <a href="http://www.schmidtmitdete.de/" target="_blank">Jan Schmidt</a>). Das Manifest, dass es dort zu lesen gibt, sollte f&#252;r die OER-Lehrer die <a href="http://www.capetowndeclaration.org/translations/german-translation" target="_blank">Kapstadt Open Education Declaration</a> sein. Vorschl&#228;ge f&#252;r einen <strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Claim_(Werbung)" target="_blank">Claim / Slogan</a> </strong>bitte direkt hier anf&#252;gen:</li>
    <li>Austausch mit Interessierten und Akteuren in diesem Kontext. Dieser Austausch hat &#252;ber Twitter unter dem Hashtag #sb20 (steht f&#252;r Schulbuch 2.0) oder auch unter #schultrojaner bereits begonnen. Konkrete Vor-Ort-Begegnungen einiger Akteure in diesem Bereich finden in K&#252;rze im Rahmen des Mitgliedertreffens der Zentrale f&#252;r Unterrichtsmedien statt, das dieses Jahr unter dem Motto „<strong><a href="http://www.zum.de/treffen2011/">Lehrer spinnen Netze und Ideen</a></strong>“ am 12. November in Mainz stattfinden wird. Eine Woche sp&#228;ter wird das Thema absehbar beim <a href="http://educamp.mixxt.de" target="_blank">Educamp an der Laborschule in Bielefeld</a> diskutiert werden, an dem 200 in Bildungszusammenh&#228;ngen stehende oder an diesen interessierte Personen teilnehmen werden. Im Rahmen dieser Begegnungen werden hoffentlich konkrete Projekte gestartet, wie das mit Materialien weitergehen kann, die keinen Schultrojaner zur &#220;berwachung des Urheberrechtes „provozieren“, weil es nichts zu &#252;berwachen, da diese Materialien frei verf&#252;gbar sind.</li>
    <li>Evaluation bisheriger Schritte und Weiterentwicklung der Vision auf Basis der Erfahrungen mit dem Ziel der Formulierung neuer Kurzfristziele.</li>
</ul>

<h3>Mittelfristige Ziele (12 Monate)</h3>

<ul>
    <li>Ich bin kein Fan von Datenzentralismus. Ich w&#252;nsche mir also keine weitere Plattform wie zum.de, wikibooks, rpi-virtuell etc., auf der nun noch einmal offene Bildungsmedien zentralisiert verf&#252;gbar gehalten werden, mit allen (auch finanziellen) Herausforderung, die mit einer solchen Zentralisierung verbunden sind. Ich denke vielmehr an ein Modell, wie ich es im Rahmen des <a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/" target="_blank">OpenCourse „Zukunft der Bildung“</a> kennengelernt haben: Entsprechende Materialien werden mit einem bestimmten Schlagwort versehen und anhand dessen zentral gesammelt. Podcastverzeichnisse funktionieren &#228;hnlich, dort wird nur gesammelt, dort sind diese Materialien greifbar, ohne dass die Materialien dort auch hinterlegt werden m&#252;ssten. Kollegen ohne eigene Blogs und Websites sollten motiviert werden, die vorhandenen Gemeinschaftsseiten (s.o. und andere) zu verwenden. Wie der Inhalt von solchen Gemeinschaftseiten in ein zentrales Verzeichnis eingespeist werden k&#246;nnten? Da bitte ich um Initiative technisch versierter, seri&#246;ser Leute. Sollten vorhandene Infrastrukturen wie zum Beispiel von zum.de etc. da Anschlussm&#246;glichkeiten bieten, why not.</li>
    <li>Entwicklung von Qualit&#228;tssicherungkriterien f&#252;r OER-Bildungsmedien verbunden mit einem Peer-Review-System, dass sich der Ressourcen des Internets bedient. (Ich wei&#223;, dass es ein solches System braucht – leidige Erfahrungen mit „Materialb&#246;rsen f&#252;r Lehrer“ – und glaube auch, dass es &#252;ber Kommentaroptionen zu Beitr&#228;gen hinaus gehen muss. Wie es aber konkret aussehen soll, dazu w&#252;nsche ich mir Vorschl&#228;ge im <a href="http://type.riecken.co/p/OER-Dikussion" target="_blank">Diskussions-Etherpad</a> zu diesem Diskussionsvorschlag.</li>
</ul>

<div>F&#228;cherbezogene Beitr&#228;ge (Mittelfristziele – 12 Monate)</div>

<ul>
    <li>Deutschunterricht: Kl&#228;rung, wie gemeinfreie Klassiker so online verf&#252;gbar gemacht werden k&#246;nnen, dass sie zitierbar sind bzw. wo solche bereits verf&#252;gbar sind (Wikisource bietet einige mit Seitenz&#228;hlung, ebenso zeno.org). Dramen m&#252;ssten mit Verszahlen versehen sein, um Sch&#252;lern anbieten zu k&#246;nnen, digitale Versionen zu lesen, statt auf Schullekt&#252;ren der Schulbuchverlage zur&#252;ckzugreifen. (Zu bearbeitende Textstellen in Klausuren m&#252;ssten dann eben vom Lehrer ausgedruckt verf&#252;gbar gemacht werden) Wenn ich es richtig gelesen habe, wird Wikimedia auf dem Educamp in Bielefeld dabei sein. Ich w&#252;rde mich freuen, wenn wir in diese Richtung ins Gespr&#228;ch kommen k&#246;nnten, denn OER brauchen idealerweise starke Partner wie die Wikipediabewegung, um eine breite &#214;ffentlichkeit nachhaltig zu erreichen.</li>
</ul>

<div>Im folgenden weitere F&#228;cher, deren mittelfristigen fachspezifischen Ziele bitte auf dem Etherpad erarbeitet werden, Erg&#228;nzungen fehlender F&#228;cher sind nat&#252;rlich m&#246;glich!</div>

<ul>
    <li>Mathematik</li>
    <li>Englisch</li>
    <li>Franz&#246;sisch</li>
    <li>Latein</li>
    <li>Physik</li>
    <li>Chemie</li>
    <li>Biologie</li>
    <li>Politik und Wirtschaft</li>
    <li>Ethik</li>
    <li>Religion (kath)</li>
    <li>Religion (ev)</li>
    <li>Kunst</li>
    <li>Musik</li>
    <li>Sport</li>
    <li>…</li>
    <li>Evaluation bisheriger Schritte und Weiterentwicklung der Vision auf Basis der Erfahrungen mit dem Ziel der Formulierung neuer Mittelfristziele.</li>
</ul>

<h3>Langfristige Ziele (3 Jahre)</h3>

<ul>
    <li>Langfristig geht es um eine Konsolidierung der Kurzfrist- und Mittelfristziele und ein Hinwirken auf eine grunds&#228;tzliche Ausrichtung des deutschen Bildungssytems auf offene Bildungsans&#228;tze, wie sie in der  <a href="http://www.capetowndeclaration.org/translations/german-translation" target="_blank">Kapstadt Open Education Declaration</a> formuliert sind, wobei diese nicht nur f&#252;r die schulische Bildung gelten d&#252;rfen, sondern auch f&#252;r universit&#228;re Kontexte zur Selbstverst&#228;ndlichkeit werden m&#252;ssen. Dabei ist durchaus die Vernetzung mit der <a href="http://open-access.net/" target="_blank">OpenAccess-Bewegung</a> w&#252;nschenswert.</li>
    <li><a href="https://bildung.enquetebeteiligung.de/instance/bildung" target="_blank">Ver&#228;nderungen im Urheberrecht, die gesetzlich festschreiben</a>, dass Materialien f&#252;r Lehrzwecke in der Schule (Bildungsmedien), die weitgehend aus Steuergeldern finanziert werden, Bearbeitungsrechte zwingend voraussetzen. Es ist eine Form zu finden, die Schulbuchverlage als Dienstleister f&#252;r die Schulen ernst nimmt, denn diese nehmen im Idealfall eine Servicefunktion f&#252;r Lehrende ein, da sie arbeitsentlastend wirken k&#246;nnen. In diesem Sinne sollte auch bei den Schulbuchverlagen darauf hin gearbeitet werden, dass das Bewusstsein Einkehr h&#228;lt, dass diese Servicedienstleister sind und den kontinuierlichen ernst gemeinten Dialog mit Lehrern und Lehrerinnen (nicht nur mit den Kultusbeh&#246;rden) pflegen m&#252;ssen.</li>
    <li>Entwicklung von Modellen der Bezahlung von Leistungen im Bereich der Erstellung von freien Bildungsmedien. Zum einen sollen Autoren, die z. B. f&#252;r Schulbuchverlage OER erarbeiten, angemessen verg&#252;tet werden.  Die Schulbuchverlage k&#246;nnten dann z. B. f&#252;r Ihre Infrastruktur-, Betreuungs-, Lektorats-, Distributions-Servicedienstleistungen etc. bezahlt werden, also f&#252;r alles, was Lehrende entlastet, statt, wie bisher, f&#252;r gedruckte Werke. Diese Bezahlung k&#246;nnte &#252;ber Lizenzvereinbarungen mit der KMK erfolgen, aber auch &#252;ber Lizenzen der Schultr&#228;ger, einzelner Schulen etc. Auf diesem Wege b&#246;ten sich f&#252;r die Verlage auch Innovationsm&#246;glichkeiten, Entwicklungsoptionen f&#252;r das digitale 21. Jahrhundert. Zum anderen sollten Lehrende, die aktiv, kontinuierlich und nachweisbar OER von hoher Qualit&#228;t er- und bereitstellen, dies in Form von Entlastungsstunden anerkannt bekommen, die in der jeweiligen Dienstbeschreibung auch als solche mit einem konkreten Auftrag verbunden festgehalten werden.</li>
    <li>Evaluation bisheriger Schritte und Weiterentwicklung der Vision auf Basis der Erfahrungen mit dem Ziel der Formulierung neuer Langfristziele.</li>
</ul>

<div>Soweit dieser <a href="http://type.riecken.co/p/OER-Dikussion" target="_blank">Diskussionsvorschlag</a>. Ich bin neugierig, inwiefern die Diskussion on- und teilweise auch offline fruchtbar, effizent, nachhaltig und auf lange Sicht f&#252;r alle Beteiligten bereichernd sein wird, sodass wir hier und heute beginnen, neben all den Reformen rund um PISA nicht &#252;ber neue Reformen, sondern &#252;ber neue Visionen f&#252;r Schule und Bildung nachzudenken.</div>

<blockquote>
<div>Nachtrag: Gerade startete <a href="http://cspannagel.wordpress.com/2011/11/16/komm-ins-offene-freund/" target="_blank">eine Blogparade zum Thema OER, deren Organisation Christian Spannagel &#252;bernommen hat und zu der ich diesen Beitrag gerne einreiche</a>.</div></blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/12/12/phantomdebatte-kommentar-zu-einer-wortregelung-in-sachen-schultrojaner/" rel="bookmark" title="12. Dezember 2011">Phantomdebatte? – Kommentar zu einer „Wortregelung“ in Sachen „Schultrojaner“</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/01/18/education-education-education/" rel="bookmark" title="18. Januar 2010">Education! Education! Education!</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2012/01/14/apples-ipad-und-das-schulbuch-geruchte-und-einschatzungen/" rel="bookmark" title="14. Januar 2012">Apples iPad und das Schulbuch – Ger&#252;chte und Einsch&#228;tzungen</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/11/17/vorspiel-zum-educamp-das-motto-neue-lernkulturen-entwickeln-und-vernetzen-ecbi11/" rel="bookmark" title="17. November 2011">Vorspiel zum #Educamp – Das Motto: „Neue Lernkulturen entwickeln und vernetzen“ – #ecbi11</a></li>
</ul>

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		<title>Lesekompetenz und Ausdrucksf&#228;higkeit – Beobachtungen</title>
		<link>http://herrlarbig.de/2011/10/04/lesekompetenz-und-ausdrucksfahigkeit-beobachtungen/</link>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 19:47:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Beobachtung, dass Jugendliche oft Probleme beim den Sinn eines Textes erfassenden und interpretierenden (=verstehenden) Lesen haben, ist hinl&#228;nglich bekannt; die enge Verbindung schriftlicher Ausdrucksf&#228;higkeit mit der Lesef&#228;higkeit wird ebenso umfassend beschrieben. F&#252;r mich zeigen sich diese Ph&#228;nomene an folgenden &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/10/04/lesekompetenz-und-ausdrucksfahigkeit-beobachtungen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Beobachtung, dass Jugendliche oft Probleme beim den Sinn eines Textes erfassenden und interpretierenden (=verstehenden) Lesen haben, ist hinl&#228;nglich bekannt; die enge Verbindung schriftlicher Ausdrucksf&#228;higkeit mit der Lesef&#228;higkeit wird ebenso umfassend beschrieben.</p>

<p>F&#252;r mich zeigen sich diese Ph&#228;nomene an folgenden Punkten (in unterschiedlicher Intensit&#228;t in den unterschiedlichen Altersstufen, aber in allen Altersstufen (10–19 Jahre) beobachtbar).<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/10/04/lesekompetenz-und-ausdrucksfahigkeit-beobachtungen/#footnote_0_1692" id="identifier_0_1692" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich erhebe hier nicht den Anspruch etwas Neues zu sagen oder eine empirisch unangreifbare Darstellung zu verfassen, sondern stelle im Rahmen dieses Blogs genau die Diskussionsgrundlage zur Verf&amp;#252;gung, die ein privates Blog zun&amp;#228;chst einmal schaffen kann. Dabei gehe ich aber dennoch davon aus, dass die hier beschriebenen Beobachtungen und meine &amp;#220;berlegungen zum Umgang mit den Ph&amp;#228;nomenen mehr als eine Privatmeinung sind.">1</a></sup>:</p>

<ul>
    <li>Beim Vorlesen von Texten<span id="more-1692"></span> werden &#252;berraschend h&#228;ufig sinntragende W&#246;rter entweder ausgelassen (ohne dass sich in allen F&#228;llen ein „Protest“ der mitlesenden Jugendlichen regen w&#252;rde) oder durch andere, grammatikalisch passende, den Sinn aber verschiebende, W&#246;rter ersetzt, ohne dass ich hierbei bislang ein klares Muster sehen k&#246;nnte. Dabei handelt es sich nicht um Jugendliche mit diagnostizierter Lese-Rechtschreib-Schw&#228;che.</li>
    <li>Arbeitsauftr&#228;ge, selbst in Klassenarbeiten und Klausuren, werden nicht vollst&#228;ndig rezipiert und wichtige Teile einer notwendigen Bearbeitung ausgelassen. Dabei beobachte ich, dass es viele Jugendliche gibt, die die ihrer Auffassung nach wichtigen Aufgabenteile (mit einem Textmarker) anstreichen und dann scheinbar die Textteile ausblenden, die ihnen nicht entgegen „leuchten“. Dieses Ph&#228;nomen gibt es auch beim Markieren von literarischen oder Sachtexten, sodass wesentliche Details in den Texten bei der weiteren Bearbeitung nicht weiter ber&#252;cksichtigt werden.</li>
    <li>Texte werden weitgehend auf den Inhalt hin gelesen, Hinweise auf den Kontext des Textes werden dabei au&#223;en vor gelassen. Das Erlernen der Ber&#252;cksichtigung formaler Textelemente als Teil der Voraussetzung eines angemessenen Verstehens von Texten f&#228;llt vielen Jugendlichen enorm schwer. Dementsprechend schwer f&#228;llt vielen Jugendlichen das „Interpretieren“. Interpretieren bezieht sich hier sowohl auf die m&#252;ndliche also auch auf die schriftliche Form der Erarbeitung von Textinhalten, die &#252;ber die reine Handlungs- bzw. Inhaltsebene hinausgehen.</li>
    <li>Die Ausdrucksf&#228;higkeit jenseits der Orthographie ist bei &#252;berraschend vielen Jugendlichen nicht sonderlich ausgepr&#228;gt. Vor allem in den Bereichen des Satzbaus, des Ausdrucks und der Grammatik beobachte ich eine deutliche Differenz zwischen dem Wissen &#252;ber die jeweiligen Regeln und der F&#228;higkeit, diese f&#252;r eigene Texte fruchtbar werden zu lassen.</li>
    <li>Immer wieder sto&#223;e ich auf in meinen Augen einfache W&#246;rter, die im Wortschatz der Jugendlichen bislang keinen Platz gefunden haben. In eine &#228;hnliche Richtung geht meine Beobachtung, dass die Herleitung von Ableitungen aus W&#246;rtern, die bekannt sind oder aus dem Sinnzusammenhang eines Textes, h&#228;ufig erst dann funktioniert, wenn auf den Zusammenhang hingewiesen wurde. Die Nutzung vorhandenen Sprachwissens zum Verstehen &#228;hnlicher Ph&#228;nome oder Begriffe bedarf sehr h&#228;ufig der Hinweise, dass ein Zusammenhang besteht.</li>
    <li>Verbindungen zwischen im Unterricht (unterschiedlicher F&#228;cher) erarbeiteten Wissenszusammenh&#228;ngen im Kontext des Lesens und Schreibens, werden von vielen Jugendlichen wenig bis gar nicht hergestellt bzw. zur Verkn&#252;pfung und Vertiefung der vorhandenen Wissensbest&#228;nde genutzt. Der Unterricht in den unterschiedlichen F&#228;chern scheint f&#252;r viele Jugendliche eine jeweils in sich selbst abgschlossene Welt zu sein und f&#228;cher&#252;bergreifendes bzw. F&#228;cher verbindendes Arbeiten muss in vielen F&#228;llen erst m&#252;hsam gelernt werden – ohne immer von nachhaltigem Erfolg gekr&#246;nt zu sein.</li>
    <li>Die m&#252;ndliche Ausdrucksf&#228;higkeit weicht teilweise deutlich von der schriftlichen ab, auch wenn es im m&#252;ndlichen Bereich ebenso zahlreiche Ph&#228;nomene gibt, die auf Ausdrucksschw&#228;chen hinweisen und die gar nicht alle korrigiert werden k&#246;nnen, da dies 1. die Jugendlichen entmutigen w&#252;rde, sich am Unterrichtsgespr&#228;ch zu beteiligen und sie 2. oft &#252;berh&#246;rt werden bzw. gar nicht alle erinnert werden k&#246;nnen. Auff&#228;llig ist jedoch die Tendenz, in unvollst&#228;ndigen S&#228;tzen zu sprechen und kaum einmal zu l&#228;ngeren zusammenh&#228;ngenden m&#252;ndlichen Darstellungen der eigenen Gedanken zu kommen.</li>
    <li>In den Bereich der m&#252;ndliche Ausdrucksf&#228;higkeit geh&#246;rt auch, das Referate und Pr&#228;sentation weitgehend abgelesen und meist ohne erkennbares Interesse am Wecken der Neugier der Zuh&#246;renden gestaltet werden, was auch daran liegt, dass diese Darstellungsformen von Jugendlichen oft als etwas gesehen, werden, das man „f&#252;r den Lehrer“ macht. Das erkl&#228;rt die mit diesen Ausdrucksformen verbundenen Probleme im Bereich der Ausdrucksf&#228;higkeit aber nicht wirklich, so sehr ich auch zunehmend der Meinung zustimme, dass Referate so ziemlich das langweiligste Mittel sind, das im Unterricht eingesetzt werden kann – zumindest dann, wenn sie keine kognitiven Prozesse in einer Lerngruppe zu aktivieren verm&#246;gen.</li>
</ul>

<p>Es gibt zahlreiche, wissenschaftlich fundierte Ans&#228;tze zur Beschreibung der Anforderungen, die eine angemessene Lesekompetenz („reading literacy“) zu erf&#252;llen hat<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/10/04/lesekompetenz-und-ausdrucksfahigkeit-beobachtungen/#footnote_1_1692" id="identifier_1_1692" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. hierzu die zahlreichen Arbeiten von Norbert Groeben, aber auch: Cornelia Rosebrock, Lesesozialisation und Lesef&amp;#246;rderung &ndash; literarisches Leben an der Schule, in: Michael K&amp;#228;mper van den Boogarrt (Hg.), Deutschdidaktik. Ein Leitfaden f&amp;#252;r die Sekundarstufen I und II, Berlin 2003, 153&ndash;174.">2</a></sup>. Der Rahmen der zu erreichenden Lesekompetenz wurde in den vergangenen Jahren abgesteckt. Deshalb stellt sich die Frage, wie diese Kompetenz erreicht werden kann – und ob Schule strukturell dazu &#252;berhaupt in der Lage ist.</p>

<p>Bevor ich meine &#220;berlegungen zu dieser Frage ausf&#252;hre, m&#246;chte ich einige, den oben aufgez&#228;hlten Beobachtungen tendenziell zuwider laufende Beobachtungen festhalten:</p>

<ul>
    <li>&#220;berraschend viele Jugendliche sind in der Lage im Rahmen freien Schreibens spannende Geschichten zu erz&#228;hlen.</li>
    <li>Beim freien (kreativen) Schreiben – das nichts mit kreativen Schreibauftr&#228;gen im Sinne eines produktiven Umgangs mit Lekt&#252;ren zu tun hat – zeigen viele Jugendliche oft weit bessere F&#228;higkeiten im Ausdruck als im schulbezogenen Schreiben. Der Transfer dieser F&#228;higkeiten auf im Kontext des „normalen“ Unterrichts entstehende Texte ist eine Herausforderung, die oft nicht von Erfolg gekr&#246;nt wird.</li>
    <li>Ich begegne immer wieder Jugendlichen (darunter allen Statistiken zuwider laufend &#252;berraschend viele m&#228;nnliche Jugendliche), die privat schreiben, wobei sich hier das Klischee widerspiegelt, dass M&#228;dchen eher Liebesgeschichten schreiben und Jungen sich eher im Fantasy- und Abenteuerbereich produzieren. So bekomme ich von Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen immer wieder einmal z.T. sehr umfangreiche Skripte zum Lesen, mit der Bitte um ein Urteil und vor allem Tipps zur Verbesserung der Texte. Dieses Angebot besteht &#252;ber den normalen Unterricht hinaus und flie&#223;t nicht in die Benotung ein. Dabei ist f&#252;r mich immer wieder faszinierend, mit welcher Ernsthaftigkeit und teilweise sehr deutlich erkennbarer Konsequenz Jugendliche an solchen Texten schreiben. Teilweise sind sie sogar in der Lage, die Texte vorbereitende Arbeiten verf&#252;gbar zu haben, in denen z.B. die einzelnen Figuren der Texte in ihrem Charakter und bez&#252;glich ihrer Handlungsmotivationen entwickelt werden. Ja, wirklich, das ist mir schon passiert.</li>
    <li>In Gespr&#228;chen im Unterricht, die nicht als Unterrichtsgespr&#228;ch im klassischen lehrerzentrierten Sinn wahrgenommen werden, z.B. in Gruppenarbeits- oder Partnerarbeitsphasen, beobachte ich, dass Sch&#252;ler durchaus in ganzen S&#228;tzen und auch differenziert &#252;ber Texte ins Gespr&#228;ch kommen k&#246;nnen, also &#252;ber eine eigentlich bessere Ausdrucksf&#228;higkeit verf&#252;gen, als oft im Unterricht beobachtbar. – Dies gilt auch, wenn Sch&#252;ler sich untereinander Dinge erkl&#228;ren. Dabei beobachte ich, dass wesentlich h&#228;ufiger auf die zur Verf&#252;gung stehenden Materialien Bezug genommen wird, als im „normalen“ Unterrichtsgespr&#228;ch.</li>
    <li>Jugendliche sind durchaus bereit, B&#252;cher zu lesen und sie lesen auch. In diesem Zusammenhang h&#246;re ich von den Jugendlichen selbst aber immer wieder die Aussage, dass die B&#252;cher, die sie gerade lesen, f&#252;r den schulischen Kontext wahrscheinlich ungeeignet seien. Aber, um hier nichts sch&#246;ner zu reden als es ist: Es gibt erschreckend viele Jugendliche, die au&#223;er den in der Schule von ihnen abverlangten Lekt&#252;ren keine B&#252;cher lesen – und auch hier teilweise, statt der Lekt&#252;ren selbst, vor allem auf Sekund&#228;rtexte zur&#252;ckgreifen und sich Wissen &#252;ber die B&#252;cher anzueignen versuchen, ohne die B&#252;cher selbst je in G&#228;nze gelesen zu haben.</li>
</ul>

<p>Zwei Beobachtungsrahmen, die mir einander scheinbar widersprechende Ph&#228;nomen vor Augen f&#252;hren. Welche Schlussfolgerungen sind daraus (f&#252;r mich und zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Textes) m&#246;glich?</p>

<p>Zun&#228;chst f&#228;llt mir auf, dass ich bei meinen Beobachtungen zwischen Lesekompetenzen und Ausdrucksf&#228;higkeiten unterscheide, die ich im Kontext von „normalem“ Unterricht mache und im Kontext des „freien“ Umgangs mit Texten und des Schreibens.</p>

<p>Dabei stellt sich die Frage, welche Kriterien ich zur zur Einsch&#228;tzung dieser Ph&#228;nomene zu Rate ziehe. Lege ich meinen Schwerpunkt auf die von der Schule zurecht geforderten Kompetenzen, so ist das Bild d&#252;ster. Ber&#252;cksichtige ich die Lesekompetenzen und Ausdrucksf&#228;higkeiten, die sich mir am Rande des Schulkontextes zeigen, komme ich zu einem deutlich besserem Urteil.</p>

<p>Diese Differenzierung f&#252;hrt nicht sonderlich weit, solange nicht die Frage gestellt wird, was diese unterschiedlichen Beobachtungen an Hinweisen f&#252;r eine Verbesserung der im schulischen Kontext (und somit letztlich f&#252;r die Bewertung relevanten) gezeigten Lese- und Ausdruckskompetenzen mit sich bringen, ohne die Ziele des Lese- und Sprachunterrichtes aus dem Augen zu verlieren.</p>

<p>Meine bislang gefundenen Antworten sind so banal wie folgenreich, wobei an erster Stelle die Frage stellt, welche Ziele ich als Lehrer eigentlich erreichen will (– und warum!). Erst wenn ich dies f&#252;r mich klar formuliert habe, kann ich nach Wegen fragen, diese Ziele zu erreichen, ohne dabei die von Lehrpl&#228;nen vorgegebenen Ziele aus dem Blick zu verlieren, solange diese nicht st&#228;rker an zu erreichenden Kompetenzen im Kontext zu wissender Inhalte ausgerichtet sind, so sehr diese Umstrukturierung auf Kompetenzen hin in Weiterentwicklungen der Lehrpl&#228;ne schon eine Rolle spielt.</p>

<ol>
    <li>Unterricht muss in Bezug auf Lese- und Ausdruckskompetenzen sch&#252;lerorientiert sein, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren, die vorhandenen Kompetenzen weiter zu entwickeln. Dabei muss der Begriff der „Sch&#252;lerorientierung“ m&#246;glichst konkret formuliert, aus dem Schattendaseins eines p&#228;dagogischen, methodischen und fachdidaktischen Modewortes befreit und m&#246;glichst konkret gedacht werden. Das bedeutet f&#252;r den Deutschunterricht unter anderem, dass die Lese- und Schreiberfahrungen der Jugendlichen ernst zu nehmen sind, nicht als p&#228;dagogischer Kniff, sondern als echte Lese- und Schreiberfahrungen. Mir ist es zun&#228;chst einmal v&#246;llig egal, ob Jugendliche von „Die wilden Kerle“ oder von Homers „Odysee“ begeistert sind (ja, diese Bandbreite hatte ich schon in Lerngruppen einer Schulstufe), da diese B&#252;cher f&#252;r die Jugendlichen bedeutsam sind. Und wenn ich in Klassen die jeweils zu einem Zeitpunkt aktuellen Lieblingsb&#252;cher der Jugendlichen vorstellen lasse, dann akzeptiere ich die B&#252;cher, die von den Jugendlichen eingebracht werden, egal, ob sie in meinen Augen literarischen Anspr&#252;chen gen&#252;gen oder eher nicht, egal, ob es sich um Thriller (bei denen ich mir manchmal die Frage stelle, ob sie f&#252;r die jeweilige Altersstufe schon geeignet sind oder nicht) oder Liebesromane handelt, die eher Klischees bedienen als neue Einsichten zu generieren. Ich empfinde die Lekt&#252;ren der Jugendlichen als interessant, weil sie mir sagen k&#246;nnen, was sie an diesen B&#252;chern fasziniert, ohne gleich meine Vorstellungen von „guten B&#252;chern“ ins Spiel zu bringen und somit die Leseerfahrungen der Jugendlichen als „weniger wertvoll“ zu betrachten.</li>
    <li>&#196;hnliches gilt f&#252;r die Schreiberfahrungen der Jugendlichen. Viele schreiben l&#228;ngere, in sich zusammenh&#228;ngende Texte heute oft ausschlie&#223;lich im Schulkontext, w&#228;hrend der Schreiballtag ganz anderen Regeln folgt. Die Formen der schriftlichen Kommunikation haben sich ver&#228;ndert, seit sich Jugendliche im Chat, per SMS und via E-Mail der Schriftsprache und den im Zusammenhang dieser medialen Formen verbreiteten Abk&#252;rzungen, Smileys etc. bedienen. Hier verf&#252;gen Jugendlichen in vielen F&#228;llen &#252;ber Kompetenzen, die im „normalen“ Unterricht oft als „minderwertig“ in Bezug auf die von Schule erwarteten Kompetenzen angesehen werden, sodass diese Schreibaktivit&#228;ten nicht nur diskreditiert werden, sondern diese Diskriminierung auch zu einer deutlichen Trennung zwischen Schreibkompetenzen, die im Unterricht gefordert werden, und der allt&#228;glichen Schreiberfahrung f&#252;hren. Nicht die Diskriminierung von Kommunikationsformen &#246;ffnet die T&#252;r zu einer differenzierteren Kommunikation, sondern das Aufgreifen und die Reflexion dieser Erfahrungen im Kontext anderer Schreibangebote /-anforderungen. Dabei geht es nicht um ein „besser“ oder „schlechter“ der unterschiedlichen sprachlichen Ausdrucksformen, sondern vielmehr darum, wie es Jugendlichen gelingen kann, das, was sie ausdr&#252;cken wollen, auch auszudr&#252;cken. Und damit bin ich</li>
    <li>bei den Zielen, die mit dem Lesen und dem Ausdruck verbunden sind. Damit meine ich jetzt nicht die Ziele, die sich in der F&#228;higkeit zur Interpretation eines Textes ersch&#246;pfen, sondern Ziele, die mit konkreter Lebensgestaltung zu tun haben. Auch wenn es Tendenzen gibt, die darunter die F&#228;higkeit zum korrekten Ausf&#252;llen von amtlichen Formularen sehen, sehe ich nach wie vor zwei zentrale Ziele: Zum einen bietet Literatur die M&#246;glichkeit, fremde Welten zu entdecken und eigene Erfahrungen im Kontext literarischer Texte zu reflektieren und anders zu erleben. Zum anderen bietet die Ausweitung der Ausdrucksf&#228;higkeit ein tieferes Verst&#228;ndnis von Welt und Selbst, begleitet von dem (in meinen Augen) lustvollen Erlebnis, endlich ein wenig mehr von dem ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, was einen selbst besch&#228;ftigt, f&#252;r das man so oft aber einfach keine Worte findet. Gerade das letztgenannt Ziel f&#252;hrt micht zum</li>
    <li>Wert des kreativen Schreibens, das mit echter Wertsch&#228;tzung der Produkte der Jugendlichen verbunden ist, gleichzeitig aber Techniken zur Verf&#252;gung stellt (und somit zur Kompetenzenerweiterung beitr&#228;gt), die erfahrbar machen, dass sie mehr ausdr&#252;cken und „erfinden“ k&#246;nnen, als sie bisher wahrgenommen haben. Solche Erfahrungen st&#228;rken das sprachliche Selbstbewusstsein auf lange Sicht deutlich, auch wenn sich dieses nicht direkt in Klassenarbeiten oder anderen gezielter auf schulische Lernzusammenh&#228;nge hin orientierten Texten niederschl&#228;gt.</li>
    <li>Bei allem Sch&#252;lerbezug und aller Ernsthaftigkeit, mit der die Lekt&#252;ren der Sch&#252;ler ber&#252;cksichtigt werden: Ich stehe auch der Erwartung an mich als Deutschlehrer gegen&#252;ber, den Horizont der Jugendlichen zu erweitern und meine eigene Leseerfahrungen ins Spiel zu bringen. Neben dem Sch&#252;lerbezug bedarf es im Deutschunterricht der authentischen Lesebegeisterung des Lehrenden, die eigenen Kriterien der Lekt&#252;reauswahl folgt, ohne die Auswahlkriterien der Jugendlichen zu diskreditieren, was nicht bedeutet, dass diese Kriterien nicht im Unterricht thematisiert und auf diesem Wege auch ver&#228;ndert werden k&#246;nnen.</li>
</ol>

<p>Die Widerspr&#252;chlichkeit meiner Beobachtungen und die ersten &#220;berlegungen zu praktischen Konsequenzen f&#252;hrt mich zu dem Kernpunkt meiner &#220;berlegungen: Um Lesekompetenz und Ausdrucksf&#228;higkeit zu f&#246;rdern, bedarf es nicht nur einer st&#228;rkeren Sch&#252;lerorientierung in Form von echtem Respekt von den Erfahrungen der Jugendlichen in diesem Bereich, sondern auch des Wissens, wie Lernen funktioniert. Denn schon vor den Einsichten der Hirnforschung war ich davon &#252;berzeugt: „Erkenntnis macht Lust, Lernen ist wie Sex” (<a href="http://www.zeit.de/online/2007/10/zeitgeschichte-kapiertrieb?page=all" target="_blank">Die Zeit</a>).</p>

<p>Aus meine eigenen Beobachtungen ziehe ich &#252;ber die bereits genannten Erkenntnisse hinaus folgende Schlussfolgerungen:</p>

<ol>
    <li>Das prim&#228;re Ziel von Unterricht muss es sein, R&#228;ume f&#252;r kognitive Prozesse zu schaffen, in denen Jugendliche nicht vor allem Wissen konsumieren (m&#252;ssen) und zum Pauken verdonnert werden, sondern Lernen, wie Wissen von ihnen selbst konstruiert werden kann. Ziel ist also, ein wenig pathetisch gesprochen, nicht alleine das Wissen oder die Kompetenz, sondern die Erkenntnis, die Wissen, Kompetenz und Relevanz in sich vereint.</li>
    <li>Daraus ergibt sich, auch wenn das klassische Lernen dadurch nicht verschwindet oder gar diskreditiert wird, dass sch&#252;lerorientierte Methoden darauf hin zu &#252;berpr&#252;fen sind, ob sie nur selbstst&#228;tige Pflichterf&#252;llung sind oder wirklich in kognitive Prozesse hinein f&#252;hren. Es ist ein Unterschied, ob ich z.B. Fachbegriffe im Bereich der rhetorischen Mittel auswendig lerne oder ob Neugier geweckt wird, rhetorische Ph&#228;nomene benennen zu k&#246;nnen, da auf diesem Weg viele sprachliche und literarische Ph&#228;nomen nicht nur besser verstanden werden, sondern auch die F&#228;higkeit vermittelt wird, diese F&#228;higkeiten f&#252;r sich selbst nutzen zu k&#246;nnen.</li>
</ol>

<p>Bleibt am Ende die Frage, welche konkreten Konsequenzen solche Einsichten f&#252;r den Unterricht in Bezug auf Didaktik und Methodik haben.</p>

<p>F&#252;r mich lautet die zentrale Frage: Wie kann es gelingen, kognitive Prozesse bei Lernenden zu erm&#246;glichen?</p>

<p>Eine m&#246;gliche Antwort lautet: Indem die kongnitiven Prozesse nicht in einem lehrerzentrierten Frage- und Antwortspiel aktiviert werden, sondern vor wirkliche Probleme gestellt werden.</p>

<p>In der Didaktik wird hier von „problemorientiertem Unterricht“ gesprochen. Dabei werden oft &#252;ber Texte hinausgehende „Probleme“ als Themen konstruiert: „Krieg in der Literatur“; „Mit Sprache &#252;berzeugen k&#246;nnen“ etc. Mir f&#228;llt im Kontext des Deutschunterrichtes dabei allerdings auf, dass solche Themen gerade literarische Texte und die von ihnen erm&#246;glichten Zug&#228;nge zu solchen Texten, so sehr einengen, dass f&#252;r die kognitiven Zug&#228;nge der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die von diesen Themen abweichen, im Unterricht kaum noch Platz zu sein scheint. Warum nicht den Text als Text nehmen und dann die kognitiven Angebote der Lernenden aufgreifen und annehmen, statt methodisch-didaktisch &#252;berbordende Unterrichtsszenarien erstellen, in denen alles vorkommt, nur nicht der Text und seine Leser und Leserinnen, der Text und die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler?<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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</ul>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_1692" class="footnote">Ich erhebe hier nicht den Anspruch etwas Neues zu sagen oder eine empirisch unangreifbare Darstellung zu verfassen, sondern stelle im Rahmen dieses Blogs genau die Diskussionsgrundlage zur Verf&#252;gung, die ein privates Blog zun&#228;chst einmal schaffen kann. Dabei gehe ich aber dennoch davon aus, dass die hier beschriebenen Beobachtungen und meine &#220;berlegungen zum Umgang mit den Ph&#228;nomenen mehr als eine Privatmeinung sind.</li><li id="footnote_1_1692" class="footnote">vgl. hierzu die zahlreichen Arbeiten von Norbert Groeben, aber auch: Cornelia Rosebrock, Lesesozialisation und Lesef&#246;rderung – literarisches Leben an der Schule, in: Michael K&#228;mper van den Boogarrt (Hg.), Deutschdidaktik. Ein Leitfaden f&#252;r die Sekundarstufen I und II, Berlin 2003, 153–174.</li></ol>
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		<title>Ermutigung zur differenzierenden Autonomie</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Aug 2011 22:01:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zugegeben: Bei allem, was ich so tue, vertraue ich auf die Qualit&#228;t von Inhalten. Ich vertraue darauf, dass Inhalte, die zun&#228;chst einmal wenig individualisiert, wenig differenzierend wirken m&#246;gen, in der Lage sind, selbst in heterogenen Lerngruppen Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/08/ermutigung-zur-differenzierenden-autonomie/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zugegeben: Bei allem, was ich so tue, vertraue ich auf die Qualit&#228;t von Inhalten. Ich vertraue darauf, dass Inhalte, die zun&#228;chst einmal wenig individualisiert, wenig differenzierend wirken m&#246;gen, in der Lage sind, selbst in heterogenen Lerngruppen Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen ansprechen zu k&#246;nnen. Ich vertraue darauf, dass Menschen in der Lage sind, mit Inhalten auf genau die Art und Weise umzugehen, die f&#252;r sie angemessen ist, so sie erst einmal das Vertrauen vermittelt bekommen, dass sie das d&#252;rfen!</p>

<p>Ich habe viele Unterrichtsvorbereitungen erlebt,<span id="more-6120"></span> bei mir selbst, bei Praktikanten und Praktikanntinnen, bei Lehrern und Lehrerinnnen im Vorbereitungsdienst (Referendare und Referendarinnen), die versuchten, f&#252;r unterschiedliche Leistungsstufen in einer Klasse Konzepte zu entwickeln, die dann im Sinne der Binnendifferenzierung umgesetzt werden sollten. Ich fragte mich immer, wie dieser Aufwand, den ich zugegebenerma&#223;en durchaus auch noch betreibe, wenn ich den Eindruck habe, dass es notwendig ist, angesichts der sowieso schon umfassenden Beanspruchung von Lehrenden reduziert werden kann, ohne dass es zum Nachteil der Lernenden ist.</p>

<p>Mir scheint es heute so, als ob Binnendifferenzierung im Unterricht oft daran krankt, dass sie versucht, unterschiedliche Zugangsweisen zu Inhalten und Kompetenzen zu inszenieren. Was im Prinzip n&#228;mlich gut und w&#252;nschenswert ist, dass Lehrende unterschiedliche Zugangsweisen zu Inhalten und Kompetenzen erm&#246;glichen, damit m&#246;glichst viele Lernende Ankn&#252;pfungsm&#246;glichkeiten und somit Lernoptionen finden, wird bevormundend, wenn eine Differenzierung nicht darauf hin ausgelegt ist, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sich trauen, Inhalte mit den unterschiedlichen Hintergr&#252;nden zu verbinden, die sie zweifellos mit in den Unterricht bringen.</p>

<p>Ich schreibe das, soviel muss vielleicht gesagt werden, um meinen eigenen Horizont zu verdeutlichen, als jemand, der sich im geisteswissenschaftlichen Bereich bewegt. Nat&#252;rlich gibt es in den Geisteswissenschaften Wissensbest&#228;nde, die es sich anzueignen gilt, aber es gibt eben unterschiedlichste Formen, wie Sch&#252;ler Zugang zu Themen finden, mit denen ich bei allen Differenzierungsversuchen wom&#246;glich gar nicht rechne.</p>

<p>Im Laufe der Jahre lehrt die Erfahrung zwar, welche Zugangsoptionen sinnvollerweise angeboten werden sollten, aber solche Erfahrung l&#246;st nicht das Problem der differenzierenden Vorbereitung von Unterricht, welche extrem zeitaufw&#228;ndig ist, aber gleichzeitig oft ohne Gew&#228;hr, dass der Nagel f&#252;r m&#246;glichst viele Zugangsweisen, Lerntypen, Denktypen, Ankn&#252;pfungshorizonte wirklich auf den Kopf getroffen wurde.</p>

<p>Im Laufe der Jahre waren es immer wieder Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die mich mit ihren pers&#246;nlichen Zugangsweisen zu Inhalten &#252;berrascht haben und meinen eigene Horizont erweiterten. Meist waren es Gedichte, aber auch bei umfangreicheren literarischen Texten machte ich diese Erfahrung, auf die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler Kenntnisse aus anderen F&#228;chern anwendeten, um einem Verstehen n&#228;her zu kommen.</p>

<p>Mir haben schon Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler erkl&#228;rt, welche Elemente der Musiktheorie sie in Gedichten und auch in Prosatexten finden konnten, es haben aber auch schon Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mathematisch-naturwissenschaftliche Strukturen auf Inhalte anwenden k&#246;nnen, die im Deutsch und Religionsunterricht eine Rolle spielen.</p>

<p>Dabei kamen immer wieder Erkenntnisse zustande, die ich selbst, der ich ja nun wirklich nicht in jedem Fachgebiet sonderlich kompetent bin, nie in der Planung von Unterricht h&#228;tte vorweg denken (antizipieren) k&#246;nnen. Und genau diese Erfahrung war es, die mich zu der Frage brachte, warum wir Lehrende jede Kleinigkeit inhaltlich zu antizipieren versuchen, wenn wir Unterricht planen?</p>

<p>Ich erinnere mich, dass ich einmal eine sehr differenzierte, methodisch vielf&#228;ltig gestaltete Stunde vorbereitet hatte. Mir wurden zu dieser Stunde, die durchaus von Methoden gepr&#228;gt wurde, damals zwei Fragen gestellt, die das Konezpt durcheinander wirbelten. Frage 1: Wo ist der Text? (Die Stunde geh&#246;rte zu einer Einheit zu einem Roman.) Frage 2: Wo sind die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen.</p>

<p>Darauf hin entschied ich mich, meine Konzentration auf den Text zu richten, diesen wirklich ins Zentrum meiner Vorbereitung der Stunde zu stellen, ohne didaktische und methodische Fragen aus dem Blick zu verlieren. Es war geradezu so, dass ich methodisch intensiv mit der Frage befasst war, wie ich den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen des Deutschkurses Freiheit im Umgang mit dem Text geben konnte, ohne dabei die Perspektive des Lernfortschritts aus den Augen zu verlieren. – Die auf diesen &#220;berlegungen beruhende Stunde war extrem lebendig und, so will ich meinen, fruchtbar.</p>

<p>Jedes Mal, wenn ich h&#246;re oder lese, dass es nicht so sehr um den Inhalt gehe, sondern um die Bed&#252;rfnisse von anderen, die es, um des eigenen Erfolges willen zu befriedigen gelte, zucke ich innerlich zusammen. Ein solches Zucken war auch der Ausgangspunkt dieses Blogartikel.</p>

<p>Ich stie&#223; heute auf den Artikel „<a href="http://www.business2community.com/marketing/content-is-no-longer-king-a-look-at-what-really-matters-047210" target="_blank">Content Is No Longer King; A Look At What Really Matters</a>“, indem gesagt wird, dass der Erfolg (eines Webauftritts) davon abh&#228;nge, dass man das Publikum (Audience) angemessen anspreche. Auch wenn es vielleicht nicht so gemeint ist, h&#246;re ich aus solchen Aufforderungen, das Publikum ins Zentrum zu stellen, die Aufforderung, sich so um die Inhalte zu k&#252;mmern, dass diese genau das liefern, was sich das Publikum w&#252;nscht.</p>

<p>Meine &#220;berzeugung ist, dass die Lesenden im Internet und anderswo durchaus in der Lage sind, selbst ihre Bed&#252;rfnisse auf Inhalte im Netz hin zu wenden und von diesen ausgehend Erkenntnisgewinne selbst zu generieren. Anders ausgedr&#252;ckt: Wenn ich mich auf die Inhalte konzentriere, sie m&#246;glichst differenziert reflektiere, kann ich &#252;berhaupt erst die fachliche Sicherheit erlangen, die es mir erlaubt, differenzierend mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen zu arbeiten, weil ich dann Platz habe, Raum zu geben, in dem Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit den Inhalten arbeiten d&#252;rfen.</p>

<p>Anders ausgedr&#252;ckt: Die produktiven Freir&#228;ume im Unterricht liegen dort, wo Freir&#228;ume &#252;berhaupt erst einmal gegeben werden. Ein voll durchgeplanter Unterricht verhindert solche Freir&#228;ume viel zu oft, weil er sie nicht gibt, weil er mit ihnen nicht rechnet.</p>

<p>Als Deutschlehrer k&#246;nnte ich diese Aussage auch so formulieren: Die Autonomie des Lernens erm&#246;glichen Lehrer und Lehrerinnen dann, wenn sie nicht nur die autonomen Zug&#228;ngen zu Wissensstrukturen und Kompetenzen von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern erm&#246;glichen, sondern gleichzeitig  die Autonomie des Lerngegenstandes (des literarischen Textes) ernst nehmen, die sich zumindest teilweise gegen die methodisch-didaktisch orientierte Planbarkeit stellt.</p>

<p>Es k&#246;nnte also (mindestens in geisteswissenschaftlichen F&#228;chern) eine doppelte Autonomie proklamiert werden, welche im Lernprozess in produktive Spannung ger&#228;t: Die Autonomie des Lernenden gegen&#252;ber dem Lerngegenstand trifft (in geisteswissenschaftlichen, ganz sicher aber in k&#252;nstlerischen F&#228;chern) auf die Autonomie des Lerngegenstandes gegen&#252;ber dem Lernende.</p>

<p>Lehrer und Lehrerinnen versuchen nach wie vor viel zu h&#228;ufig, die Lerngegenst&#228;nde im sprachlichen und geisteswissenschaftlichen Aufgabenfeld sehr funktional zu sehen. Dabei &#252;bersehen sie oft die zu relevanten Erkenntnissen bef&#228;higende Autonomie der Lerngegenst&#228;nde, die Wissens-, Kompetenzen- und Erkenntnisszuwachs &#252;berhaupt erst erm&#246;glicht, weil sie den auf die Lerngest&#228;nde treffenden Lernenden selbst befragt – und in diesem Sinne auch ernst nimmt.</p>

<p>So verstehe ich den Begriff der „differenzierende Autonomie“, der als Begriff in der Didaktik meine Kenntnis nach bislang nicht verwendet wird. „Differenzierende Autonomie“ meint eine doppelte Autonomie. Lehrende (in den Geisteswissenschaften)  sind Vermittler (Medien), die die Aufgabe haben, die Freiheit des Lernenden mit der Freiheit des zu Lernenden zu konfrontieren und das Lernen zu erm&#246;glichen, das sich aus der Begegnung dieser Freiheiten ergeben kann, f&#252;r den Lehrenden aber nicht immer Vorhersehbar ist.</p>

<p>„Differenzierende Autonomie“ stellt sich als Begriff gegen die Bevormundung von Lernenden durch eine &#220;berdifferenzierung von Inhalten schulischen Unterrichtes durch Lehrende, die den Differenzierungsgedanken nicht dazu nutzen, um M&#246;glichkeiten zu er&#246;ffnen, sondern vielmehr als Festlegung von Individuen gebrauchen, denen sie bestimmte Leistungen zutrauen, ohne damit zu rechnen, dass der Lernende selbst m&#246;glicherweise Ankn&#252;pfungspunkte mitbringt, die ein Lehrender bei seinen Differenzierungsbem&#252;hungen vielleicht nicht ber&#252;cksichtigen kann, weil er sie nicht kennt.</p>

<p>„Differenzierende Autonomie“ steht als Begriff f&#252;r die &#220;berzeugung, dass es Dimensionen des Lernens gibt, die &#252;ber die Planbarkeit durch den Lehrenden hinaus gehen. F&#252;r mich als geisteswissenschaftlich orientierten Lehrer bedeutet „differenzierende Autonomie“, dass ich die Autonomie nicht nur der Lernenden sondern auch der Lerngegenst&#228;nde, die oft Kunstwerke sind, ernst nehme und als Realit&#228;t bei der Planung von Unterricht ber&#252;cksichtige.</p>

<p>„Differenzierende Autonomie“ – f&#252;r mich selbst ist das ein Begriff, der sich im Laufe der Zeit aus meinen Reflexionen von Unterricht ergeben hat. Mir selbst scheint er einleuchtend. Es geht darum, einzelnen Lernenden das Vertrauen zu geben, dass sie mit ihren M&#246;glichkeiten des Umgangs mit Lerngegenst&#228;nden einen Lernprozess gestalten k&#246;nnen, darum, die Lernhorizonte der Lernenden wirklich ernst zu nehmen, ohne z. B. literarische Texte zu funktionalisieren und diese damit ihres k&#252;nstlerischen Wertes zu entleeren, um bestimmte Ziele zu erreichen, die eben nicht die Autonomie von Lernenden und Lerngegenst&#228;nden ernst nehmen.</p>

<p>Wie aber wird der Begriff der „differenzierenden Autonomie“ von anderen verstanden? – Lieber Leser! Liebe Leserin! Ich w&#252;rde mich sehr freuen, wenn Sie / du mir einen Kommentar hinterlassen w&#252;rden /w&#252;rdest, ob Sie / du, diesen Begriff als analytischen und als praxisorientierten Begriff nachvollziehen k&#246;nnen / kannst.</p>

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		<title>&#220;berlegungen zum Kulturwandel: Alte B&#252;cher und digitale, buch&#228;hnliche Produkte</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Jun 2011 11:41:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe hier B&#252;cher stehen, die hundert und mehr Jahre alt sind. Diese B&#252;cher hatten mehrere Besitzer. Diese B&#252;cher sind Zeugen des jeweiligen Geschmacks der Zeit, wenn es um die Gestaltung von Bucheinb&#228;nden oder auch des gesamten Buches geht. Zum &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/06/29/uberlegungen-zum-kulturwandel-alte-bucher-und-digitale-buchahnliche-produkte/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe hier B&#252;cher stehen, die hundert und mehr Jahre alt sind. Diese B&#252;cher hatten mehrere Besitzer. Diese B&#252;cher sind Zeugen des jeweiligen Geschmacks der Zeit, wenn es um die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bucheinband" target="_blank">Gestaltung von Bucheinb&#228;nden</a> oder auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Buchgestaltung" target="_blank">des gesamten Buches</a> geht. Zum Teil haben Vorbesitzer Spuren in den B&#252;chern hinterlassen. Solche Spuren sind zum Beispiel die Eintragung des Namens auf dem Titelblatt, sodass man zum Teil sehen kann, wem das Buch alles geh&#246;rt hat, es kommen aber auch Anstreichugen in den Texten vor.</p>

<p>In Bibliotheken stehen <a href="http://www.bsb-muenchen.de/App-Famous-Books-Treasures-of-the-Bavarian-State-Library.virtuelle-angebote-app.0.html" target="_blank">Buchbest&#228;nde, die viel &#228;lter sind</a>. Ich erinnere einen Besuch in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/L&#246;wen" target="_blank">L&#246;wen</a> (Belgien). Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Universit&#228;tsbibliothek_L&#246;wen" target="_blank">Bibliothek</a> dort hat, so ich mich richtig erinnere, &#252;ber 120000 alte B&#252;cher, teilweise auch Handschriften. Und in vielen Bibliotheken lagern Dokumente, die es erst noch (wieder) zu entdecken gilt.</p>

<p>Wenn die Digitalisierung so weitergehen w&#252;rde, dass digitale Speicher gedruckte B&#252;cher zu einem Randph&#228;nomen werden lie&#223;en,<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Langzeitarchivierung"> s&#228;he das mit den Altbest&#228;nden in Bibliotheken und Archiven anders aus</a>.</p>

<p>Statt B&#252;cher lagerten dort Festplatten. Statt Papierfra&#223; h&#228;tte man es mit Hardwarefehlern und Abnutzungserscheinungen der Datentr&#228;ger zu tun, die die Lesbarkeit der Dokumente gef&#228;hrden. Techniker w&#252;rden alte Leseger&#228;te einsatzf&#228;hig halten oder zu rekonstruieren versuchen. Andere Techniker h&#228;tten keine andere Aufgabe, als Daten von alten Datentr&#228;gern auf neue zu &#252;bertragen, so wie man alte B&#252;cher heute digitalisiert oder auf Microfilm festgehalten hat.</p>

<p>Es k&#246;nnte aber auch zu neuartigen „Copyright“-Problemen kommen. Wenn ich heute ein Buch kaufe, dann habe ich dieses Buch. Ich kann dieses Buch lesen, behalten, aber auch Freunden zum Lesen geben, es verschenken, es in &#246;ffentlich aufgestellte <a href="http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/frankfurt/buecherschrank-statt-bibliothek_rmn01.c.9016460.de.html" target="_blank">Buchschr&#228;nke</a> stellen. Solange ich das Buch nicht kopiere und eine Vervielf&#228;ltigung weitergebe, kann ich mit dem Buch so ziemlich alles machen, was m&#246;glich ist. Ich habe das Buch gekauft. Es geh&#246;rt mir.</p>

<p>Digitale Werke haben die Eigenart, dass digitalen Daten das Vervielf&#228;ltigen sehr nahe liegt. Digitale Daten sind auf Redundanz hin ausgelegt. Entsprechend wollen (Zeitungs)Verleger heute weg von dem Copyright im klassischen Sinne und hin zu einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f&#252;r_Presseverleger" target="_blank">Leistungsschutzrecht</a>, das sicherstellen soll, dass z. B. Dienste wie Google-News <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/keine_sympathien_fuer_ein_leistungsschutzrecht_1.7391789.html" target="_blank">f&#252;r die Nutzung der Leistung von Journalisten zahlen sollen</a>. Das k&#246;nnte aber durchaus soweit gehen, dass jemand, der auf eine Leistung eines Dritten verlinkt f&#252;r diesen Link bezahlen muss, weil er ja die Leistung des Dritten in Anspruch nimmt, sei es auch „nur“ als Link. Der Text ist dann dennoch, wenn nicht hinter einem Bezahlvorhang verborgen ist, vollst&#228;ndig zug&#228;ngilich. Wenn ich bislang aus einem Werk im wissenschaftlichen Kontext zitiere, dann muss mir irgendwie das (bezahlte) Original vorgelegen haben, ob nun in der Bibliothek oder als gekauftes Buch. Und wenn jemand meinen Literaturnachweis verfolgen will, muss er Zugang zu diesem Werk haben, das dann wiederum in einer bezahlten Form vorliegt.</p>

<p>Das alles ver&#228;ndert sich. Des Verlegers Traum heute scheint zu sein, nicht mehr Zeitungen / B&#252;cher zu verkaufen, sondern nur noch die Inhalte. Das hei&#223;t: Am liebsten, so stelle ich mir das teilweise vor, w&#252;rden Verleger ihre Werke an eine Person binden. Am liebsten w&#228;re es Verlegern wohl, w&#252;rde sie nicht mehr f&#252;r ein B&#252;cher sondern pro Leser eines Buches Geld bekommen (<a href="http://www.vgwort.de/" target="_blank">VG Wort</a> arbeitet, &#228;hnlich wie die Gema, aber nicht so im Blick der &#214;ffentlichkeit stehend daf&#252;r, dass Autoren Nutzungsgeb&#252;hren zum Beispiel aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pauschalabgabe" target="_blank">Urheberrechtsabgaben von Kopierern</a> bekommen).</p>

<p>Mit pers&#246;nlichen digitalen Leseger&#228;ten und digitalem Kopierschutz scheint man dem Ziel schon n&#228;her gekommen zu sein. Es gibt aber auch <a href="http://www.zdnet.de/news/41543765/kindle-buecher-kann-man-jetzt-verleihen.htm" target="_blank">erste Versuche, B&#252;cher verleihen zu lassen</a>. Dann ist ein Buch f&#252;r einen begrenzten Zeitraum auf dem digitalen Leseger&#228;t eines Freundes oder Bekannten verf&#252;gbar, aber nicht beim Besitzer.</p>

<p>Mit ver&#228;nderten Copyrightregeln k&#246;nnte diese Art des Verleihens bald hinf&#228;llig sein. Es werden dann andere Regeln f&#252;r gedruckte und digitale Versionen des gleichen Werkes gelten. Das ist schon heute so. So gibt es <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Boersenverein-Buchpreisbindung-gilt-auch-fuer-E-Books-208646.html" target="_blank">Streit um das Thema der Buchpreisbindung</a>. Die Mehrwertsteuers&#228;tze f&#252;r gedruckte und digitale B&#252;cher sind unterschiedlich. <a href="http://www.zeit.de/digital/mobil/2010-09/ebooks-preisbindung-ereader" target="_blank">Oft sind digitale Ausgaben etwas billiger</a> als gedruckte Versionen, womit aber im Prinzip kein Besitzrecht an einer Kopie des Werkes erworben wird, sondern nur das Nutzungsrecht der zur Verf&#252;gung gestellten Daten, die im Zweifelsfall <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Amazon-loescht-gekaufte-Kindle-eBooks-6887.html" target="_blank">vom Anbieter auch von den Endger&#228;ten wieder gel&#246;scht werden</a> k&#246;nnen! In einer digitalen Lesegesellschaft wird es auch Zensoren erheblich leichter gemacht, Inhalte von Werken zu ver&#228;ndern oder Werke von Leseger&#228;ten verschwinden zu lassen.</p>

<p>Kulturg&#252;ter sind keine betonierten Ist-Zust&#228;nde. Der Blick in die Geschichte lehrt dies. Der Umgang mit Informationen und Informationstr&#228;gern hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder ver&#228;ndert. Und wie sich die digitale Gesellschaft, hier vor allem auf den Umgang mit B&#252;chern bezogen, letztlich faktisch ver&#228;ndern wird, ist nur begrenzt absehbar.</p>

<p>Neben wirtschaftlichen Entscheidungen werden auch politische Beschl&#252;sse die Ver&#228;nderungen mit bestimmen. Bleibt nur zu hoffen, dass Entscheidungstr&#228;ger nicht dem Irrglauben verfallen, es g&#228;be Zw&#228;nge, nur weil z. B. Firmen etwas aufgebaut haben und dann wollen, dass die Gesetze gef&#228;lltigs dem entsprechen, was sie aufgebaut haben. Entscheidungstr&#228;ger haben Gestaltungsm&#246;glichkeiten. Von der Nutzung dieser Gestaltungsm&#246;gichkeiten wird abh&#228;ngen, wie sich die nach wie vor wichtige Buchkultur entwickeln wird. Um allerdings Gestaltungsm&#246;glichkeiten nutzen zu k&#246;nnen, braucht es Visionen, wie mit dem Kulturgut „Buch“ in Zukunft umgegangen werden soll, welche Rolle es in der Gesellschaft spielen soll, ob es prim&#228;r als Kulturgut oder prim&#228;r als Wirtschaftsgut gesehen wird und wie ein Ausgleich der Interessen von Autoren, Verlegern, Lesern, Bibliotheken etc. gestaltet wird.</p>

<p>Vorschl&#228;ge, Visionen, Tr&#228;ume zur Entwicklung von Kulturg&#252;tern in der digitalen Gesellschaft k&#246;nnen gerne als Kommentar zu diesem Artikel hinzugef&#252;gt werden.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Thesen zur Zukunft des Lernens ( #opco11 )</title>
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		<pubDate>Tue, 03 May 2011 20:31:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Hier ein paar Thesen zur Zukunft des Lernens. Sie werden an dieser Stelle nur als Thesen genannt und nicht n&#228;her erl&#228;utert. Entsprechend pointiert klingen sie zum Teil vielleicht. In ihrer „Undifferenziertheit“ sollen sie zur Diskussion einladen. Am Ende dieser Thesen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/05/03/thesen-zur-zukunft-des-lernens-opco11/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier ein paar Thesen zur Zukunft des Lernens. Sie werden an dieser Stelle nur als Thesen genannt und nicht n&#228;her erl&#228;utert. Entsprechend pointiert klingen sie zum Teil vielleicht. In ihrer „Undifferenziertheit“ sollen sie zur Diskussion einladen.</p>

<p>Am Ende dieser Thesen versuche ich eine erste vorl&#228;ufige &#220;berlegung zu der Frage zu formulieren, <a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/open-course-2011/agenda/lern-und-bildungs-visionen-warum-sich-etwas-verandern-muss/" target="_blank">Warum sich etwas ver&#228;ndern muss. </a>Ich werde f&#252;r mich die Frage nach der Basis von <a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/open-course-2011/agenda/lern-und-bildungs-visionen-warum-sich-etwas-verandern-muss/" target="_blank">Lern- und Bildungsvisionen</a> stellen.</p>

<p>Dieser Artikel ist eine kleine Einsicht in meine Ideensammlung: Wor&#252;ber lohnt es sich vielleicht mal in Form eines (bislang noch nicht geschriebenen) Blogartikels nachzudenken:</p>

<ul>
    <li><em>Die Zukunft des Lernens ist seine Vergangenheit und Gegenwart</em>: Lernen ist ein (hirn)physiologischer Prozess, der analog abl&#228;uft und heute genau so funktioniert, wie er vor hundert oder tausend Jahren funktioniert hat und auch noch in hundert Jahren funktionieren wird, wenn es nicht zu einer Mensch-Maschineverbindung kommt, in deren Rahmen z. B. Chips mit dem Gehirn gekoppelt werden.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>In der Ausbildung von professionellen Lernprozessbegleitern und -begleiterinnen wird mehr und mehr auf Praxisanteile in der Ausbildung (dem Studium) Wert gelegt (werden)</em>. Ist Lernpsychologie (z. B. in Lehramtsstudieng&#228;ngen) schon heute kaum Teil der professionelle Ausbildung, so ist zu bef&#252;rchten, dass sie auch zuk&#252;nftig nur in Form von Lernprozessbegleitungsrezepten eine Rolle spielen und nicht soweit in die Ausbildung integriert wird, dass Lernprozessbegleiter und -begleiterinnen ihre Praxis &#252;ber Rezeptbuchwissen hinaus, also wissenschaftlich und mit umfassenden theoretischen Kenntnissen versehen, werden reflektieren k&#246;nnen.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Die Zukunft des Lernens ist mit starken Ver&#228;nderungen im Bereich der Methodik verbunden</em>, die den Prozess des Lernens optimal unterst&#252;tzen soll. Diese Methodik ver&#228;ndert nicht das Lernen im biologischen Sinne, sondern soll dieses optimiert unterst&#252;tzen. Die Zukunft des Lernens besteht also darin, die Erkenntnisse der Lernforschung, die heute oft mit der Gehirnforschung (Hirnphysiologie) verbunden ist, optimal zu nutzen, um den gew&#252;nschten Lernerfolg optimiert erreichen zu k&#246;nnen. <em>Die Zukunft des Lernens l&#228;uft auf Lernprozessoptimierungen hinaus.</em></li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Die Zukunft des Lernens ist mit einer Ver&#228;nderung bei den eingesetzten Medien verbunden.</em> Es wird zu einer deutlichen Verschiebung des Verh&#228;ltnisses von analogen und digitalen Informationstr&#228;gern in Lernprozessen kommen.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Die Diskussion um das Lernen und die Bildung ist eine vor allem materialistische Diskussion</em> (geworden), da der Bildungsbegriff seine Bedeutung mehr und mehr in Richtung &#246;konomischer N&#252;tzlichkeit verschoben bekommen hat. Lernprozessoptimierung bedeutet auch, dass die Funktionsf&#228;higkeit von Menschen in &#246;konomischen Prozessen erh&#246;ht werden soll.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Idealistische Bildungsbegriffe werden auf absehbare Zeit weiterhin als zunehmend exotische „Tr&#228;umereien“ gesehen</em> und solange akzeptiert werden, wie sie gesellschaftliche Reproduktionsprozesse nicht relevant kritisch zu hinterfragen und zu gestalten beginnen.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Der leichte Zugang zu Ressourcen des Wissens in digitalen Kontexten, wird die Rolle des Wissens in Lernprozessen ver&#228;ndern.</em></li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Der leichte Zugang zu Ressourcen des Wissens in digitalen Kontexten wird den Umgang mit Wissen in Lernprozessen ver&#228;ndern.</em></li>
</ul>

<p>Die Diskussion um die Zukunft des Lernens ist, so mein Resumee an dieser Stelle, eher eine Diskussion um die Zukunft von Lernmitteln, Lerninstrumenten und somit der Methodik des Lernens.</p>

<p>Es stellt sich nach wie vor die Frage (Antworten beginnen sich erst langsam abzuzeichnen), wie digitale Vernetzung und die damit verbundenen Medien den Prozess des Lernens mit pr&#228;gen werden / sollen.</p>

<p>In der gegenw&#228;rtigen Diskussion scheint es Konsens, dass sich in der Bildungslandschaft etwas ver&#228;ndern m&#252;sse, weil gegenw&#228;rtige Lernkontexte nicht den Strukturen entsprechen, die lernpsychologisch und hirnphysiologisch als optimal angesehen werden. Es muss sich etwas ver&#228;ndern, weil Ziele von Bildung nicht mehr erreicht werden.</p>

<p>Gleichzeitig muss mit diesem Konsens eine Debatte einhergehen, worin diese Ziele von Bildung bestehen.</p>

<p>Lebensgl&#252;ck ist nicht nur eine Frage von Kompetenzen, sondern dar&#252;ber hinaus zentral von Haltungen, vom Selbstbild und von &#220;berzeugungen abh&#228;ngig.</p>

<p>Die Fragen, was Lernen sei und wie sich Bildung zeigt, wird in heutigen Diskussionsprozessen oft ausgeblendet.</p>

<p>Viele Diskussionen um das Lernen scheinen mir heute eher technokratischer Natur zu sein: Welche (selbstverst&#228;ndlich digitalen) Medien setzen wir wie ein?</p>

<p>Viele Diskussionen um die Zukunft des Lernens neigen heute dazu, den an ihnen beteiligten Personen im Rahmen eines „heimlichen Lehrplanes“ vor allem Technologien nahe zu bringen und diese methodisch auf die Nutzbarkeit in Lernprozessen hin anzuwenden.</p>

<p>Eine solche Ann&#228;herung an konkrete Methoden und Technologien finde ich spannend und notwendig, solange klar ist, dass die Nutzung digitaler Technologien selbst nur ein Teil des mit ihnen m&#246;glichen Lernprozesses ist, ja, dass das Erlernen der M&#246;glichkeiten, die solche Technologien bieten, selbst ein enormer Lernprozess ist, der zun&#228;chst geleistet werden muss, bevor das Medium nicht mehr das zentrale Thema des Lernprozesses ist.</p>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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</ul>

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	</item>
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		<title>Die Macht der Sprache</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Apr 2011 22:12:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich finde, die Bedeutung des reflektierenden Schreibens und Sprechens wird oft v&#246;llig untersch&#228;tzt. Anders kann ich mir nicht erkl&#228;ren, wie h&#228;ufig das „Tun“ dem „Denken“ gegen&#252;bergestellt, entgegen gesetzt wird. Und sp&#228;testens wenn ein Denkprozess zu einer kritischen (Kritik bedeutet &#252;brigens &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/04/21/die-macht-der-sprache/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich finde, die Bedeutung des reflektierenden Schreibens und Sprechens wird oft v&#246;llig untersch&#228;tzt.</p>

<p style="text-align: left;">Anders kann ich mir nicht erkl&#228;ren, wie h&#228;ufig das „Tun“ dem „Denken“ gegen&#252;bergestellt, entgegen gesetzt wird. Und sp&#228;testens wenn ein Denkprozess zu einer kritischen (Kritik bedeutet &#252;brigens <span id="more-5966"></span>nicht „negative Kritik“, sondern Differenzierung eines Sachverhaltes) Position gelangt, holt mit Sicherheit jemand die Praxiskeule hervor. „Wenn dir das nicht gef&#228;llt“, wird dann gesagt, „dann tu doch was dagegen“. – Als ob die Sprachhhandlung der Kritik nicht schon ein Tun w&#228;re!</p>

<p>Ich wei&#223; nat&#252;rlich, was gemeint ist, wenn Praxis eingeklagt wird. (Na, dann gr&#252;nde doch einen Verein.) Dabei wird aber untersch&#228;tzt, dass bereits die sprachliche &#196;u&#223;erung eine Handlung ist.</p>

<p>Fr&#252;her war (kaum etwas besser, aber) weit bekannter als heute, dass das Kennen eines Namens Macht &#252;ber das Benannte bedeutet. („Ach wie gut, dass keiner wei&#223;, dass ich Rumpelstilzchen hei&#223;.“) Nicht nur in M&#228;rchen, sondern auch in religi&#246;sen Zusammenh&#228;ngen (D&#228;mon, wie hei&#223;t du?) wird dieser Zusammenhang immer wieder benannt.</p>

<p>Wo immer wir heute auf Unbekanntes sto&#223;en, ist es oft zun&#228;chst die Suche nach einer Sprache f&#252;r ein Ph&#228;nomen, die uns umtreibt. Deshalb ist die Frage, wer Begriffe wie definiert oft so bedeutend.</p>

<p>Wer ein Ph&#228;nomen benennt, kann dies auch wertend tun. In der Werbung, der Politik und interessanterweise auch in der Wissenschaft gibt es f&#252;r diese Frage nach der „Definitionsmacht“ reichlich Beispiele.</p>

<p>Ja. Es ist Macht &#252;ber etwas, die jemand hat, der etwas definiert.</p>

<p>In moderner, sprichw&#246;rtlicher Ausdrucksweise: „Wissen ist Macht.“ In sprachlicher Hinsicht ist das tats&#228;chlich genau so.</p>

<p>Wissen bedeutet aber in vielen F&#228;llen, &#252;ber die entsprechende (Fach)Sprache verf&#252;gen zu k&#246;nnen. Mathematische Formeln, die F&#228;higkeit, wissenschaftliche Experimente zu verstehen und darstellen zu k&#246;nnen etc. verstehe ich hier als eine Form der (Fach)Sprache.</p>

<p>Um so erstaunlicher ist es, wie oft auf sprachliche Reflexionshandlungen die Aufforderung folgt, man m&#246;ge dann doch bitte etwas tun, wenn schon die sprachliche Erfassung eines Problems erfolge.</p>

<p>Es wird immer wieder unterstellt, sich der Sprache zu bedienen sei keine Handlung. Was f&#252;r ein Irrtum. – Jede Reaktion auf einen Text zeigt ja schon, dass man etwas getan hat. Auf Nichtstun (das es &#252;brigens genau genommen gar nicht gibt) kann man nicht reagieren.</p>

<p>Weil aber Sprache so viel m&#228;chtiger ist, als es heute oft angenommen wird, hat Sprache und die F&#228;higkeit, sich ihrer zu bedienen, im Zusammenhang mit demokratischer Teilhabe, ein sehr gro&#223;es Gewicht.</p>

<p>Aus diesem Grunde ist sprachliche Bildung von zentraler Bedeutung f&#252;r die Entwicklung des Individuums.</p>

<p>Sprache bedeutet n&#228;mlich nicht nur, dass man der Welt m&#228;chtig wird. Sprache spielt auch im Prozess der Pers&#246;nlichkeitsentwicklung eine entscheidende Rolle.</p>

<p>Das wird sp&#228;testens dann nachvollziehbar, wenn ein Mensch psychotherapeutische Unterst&#252;tzung sucht, weil er sich selbst nicht mehr versteht und seiner selbst (wieder) m&#228;chtiger werden will.</p>

<p>In den meisten Therapien spielt die Sprachfindung eine zentrale Rolle, die dazu verhilft, das eigene Ich wieder benennen zu k&#246;nnen und somit ihm gegen&#252;ber „Macht“ zu gewinnen, hat einen doch dieser Machtverlust &#252;ber sich selbst wom&#246;glich gen&#246;tigt, sich Unterst&#252;tzung zu holen.</p>

<p>Es ist also wichtig, Menschen zu einem m&#246;glichst gro&#223;en, differenzierten Wortschatz hin zu begleiten, um ihnen neben der demokratische Teilhabe auch im Prozess der Identit&#228;tsfindung unterst&#252;tzend zur Seite zu stehen.</p>

<p>Entsprechend bedeutet das f&#252;r alle, die solche Identit&#228;tsfindungsprozesse begleiten, dass sie selbst der Sprache m&#228;chtig sein m&#252;ssen.</p>

<p>Dabei gilt, dass man sich eben nicht immer an das Sprachniveau von z. B. Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen anpasst, sondern auch, dass man dieses gezielt weiter entwickelt.</p>

<p>Sprache ist nicht nur handlungsrelevant, Sprache selbst ist ein Tun.</p>

<p>Entsprechend gilt es, die Sprachentwicklung (bei jeder Altersgruppe) in den Vordergrund zu stellen.</p>

<p>Das Ziel dabei ist, Menschen (sprachlich) so autonom zu machen, wie das m&#246;glich ist. – Und vor jedem Verein, vor jeder Kritik steht diese Autonomit&#228;t. Sie wird bis heute viel zu selten erreicht. Doch gerade dies sollte Erzieherinnen, Erzieher, Lehrer, Lehrerinnen und alle, die mit der Ich-Werdung von Menschen betraut sind, nicht davon abhalten, genau dieses sprachliche Ziel st&#228;ndig vor Ohren zu haben und auf reiche Wortsch&#228;tze der Individuen hin zu arbeiten.</p>

<p style="text-align: center;"><object width="560" height="349"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/Hzgzim5m7oU?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="349" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/Hzgzim5m7oU?fs=1&amp;hl=de_DE" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object></p>

<p style="text-align: center;"><object width="560" height="349"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/9_tCtvmAm4M?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="349" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/9_tCtvmAm4M?fs=1&amp;hl=de_DE" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object></p>

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		<title>Media@School – Bremer Medientag 2011</title>
		<link>http://herrlarbig.de/2011/03/18/mediaschool-bremer-medientag-2011/</link>
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		<pubDate>Fri, 18 Mar 2011 22:32:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#160; Auf dem media@school-Medientag gab es einen Eindruck, was faktisch in Sachen Medieneinsatz an Schulen los ist. Das Bild, das ich hier bekommen habe, ist sehr vielseitig. Es gibt, das sei gleich am Anfang gesagt, an vielen Schulen Lehrer, die &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/03/18/mediaschool-bremer-medientag-2011/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><a href="http://educamp.mixxt.de" target="_blank"><img src="http://elearning2null.de/learnmedia/echb11/banner_285px.png" border="0" alt="EduCamp Bremen :: 19./20. M&#228;rz 2011" /></a></p>

<p style="text-align: right;">&nbsp;</p>

<p>Auf dem <a href="http://educamp.mixxt.de/networks/events/show_event.31590" target="_blank">media@school-Medientag</a> gab es einen Eindruck, was faktisch in Sachen Medieneinsatz an Schulen los ist.</p>

<p>Das Bild, das ich hier bekommen habe, ist sehr vielseitig.</p>

<p>Es gibt, das sei gleich am Anfang gesagt, an vielen Schulen Lehrer, die sich um Medienp&#228;dagogik k&#252;mmern. Es gibt an <em>vielen</em> Schulen <em>wenige</em> (vereinzelte?) Lehrer, die sich um p&#228;dagogisch verantworteten Gebrauch von Medien Gedanken machen und praktische Umsetzungen wagen.</p>

<p>Das Bild ver&#228;ndert sich, wenn der Begriff „Medien“ etwas breiter verstanden wird, als ich es normalerweise tue, rede ich von Medieneinsatz an Schulen.</p>

<p>Normalerweise denke ich dabei an Video, Audio, Computer, Internet. Dass man auch „Robotik“<span id="more-5875"></span> und Projekte, die eher auf die T&#228;tigkeit von Ingenieuren hin ausgerichtet sind, in den Medienbegriff miteinschlie&#223;t &#252;berraschte mich zumindest kurzzeitig, aber als pragmatisch integrierendes Vorgehen war diese Mischung irgendwie f&#252;r mich auch stimmig.</p>

<p><a href="http://www.mintzukunftschaffen.de/" target="_blank">MINT</a>-Projekte gibt es weiter verbreitet, als ich es bei Medienprojekten sehe. Und so ergab sich eine Mischung solcher Projekte: Ein wenig MINT (Robotik in der Schule, <a href="http://www.techkreativ.de/" target="_blank">TechKreativ</a>), wobei hier die Verbindung zu den „Medien“ wohl darin gesehen werden konnte, dass diese Projekte darauf hin ausgerichtet sind, digitale Technologien in produktiven Zusammenh&#228;ngen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern nahe zu bringen.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus wurde <a href="http://draufhaber.tv" target="_blank">draufhaber.tv</a> vorgestellt, eine Video-Community vor allem f&#252;r Jugendliche (faktisch wohl f&#252;r von Lehrern angeleitete Jugendliche, die von den Lehrern auf diese Plattform gebracht werden [sollen], die von Prof. Dr. Andreas Breiter und Prof. Dr. Karsten D. Wolf betreut wird. Noch befindet sich draufhaber.tv in der Entwicklungsphase, noch dauert es ein paar Monate bis zur geschlossenen Beta, die interessanterweise genau in der Sommerferienzeit liegen wird, bevor dann im September eine offene Beta gestartet wird.</p>

<p>Mathematik und das Programm <a href="http://www.geogebra.org/" target="_blank">GeoGebra</a> wurden ausf&#252;hrlich vorgestellt, wobei allerdings auffiel, dass es dem <a href="http://www.bnmc.uni-bremen.de/" target="_blank">Bremer Netzwerk Mathematik und Computer (BNMC)</a> scheinbar vor allem darum geht, die Lehrer in die Lage zu versetzen, Computer und Beamer im Rahmen des Mathematikunterrichts unterweisend einzusetzen, im Rahmen von Frontalphasen zu nutzen. &#220;ber die Nutzung des Programmes von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lerin im Unterricht erfuhren wir in der ausf&#252;hrlichen Vorstellung des Netzwerkes und des Programmes nichts.</p>

<p>Richtig spannend wurde es, als die ersten <a href="http://www.szdrebberstrasse.de/" target="_blank">Sch&#252;lerinnen mit ihrem Lehrer</a> auftraten. Nicht, dass die Sch&#252;lerinnen einen gro&#223;en Anteil an der Vorstellung des Einsatzes von Medien im Spanischunterricht hatten, aber dass sie dabei waren, sagte viel &#252;ber die Einstellung des Lehrers.</p>

<p>Daniel Weber l&#228;sst Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler intensiv mit Medien arbeiten und konnte einiges an Videomaterial vorlegen, das in seiner Qualit&#228;t gut war. Bemerkenswert dabei: Weber hat (nicht repr&#228;sentativ) evaluiert, was der Medieneinsatz f&#252;r die Unterrichtsmotivation bringt und ob das auch Auswirkungen auf deren Leistungen hat. – Die Ergebnisse sprechen erst einmal f&#252;r die aktive Gestaltung medialer Formen durch Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler im Fremdsprachenunterricht, auch wenn manche fragen k&#246;nnte, was das Schneiden eines Videos mit der Grammatik einer Fremdsprache zu tun hat.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus wurden Projekte mit bremischem Bezug vorgestellt. So gibt es hier <a href="http://www.lis.bremen.de/detail.php?gsid=bremen56.c.13805.de" target="_blank">eine sehr professionell ausgestattete Einrichtung, in der professionelle Audio- und Filmproduktionen mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen produziert werden k&#246;nnen</a>.</p>

<p>Es gibt an der <a href="http:Wilhelm-Wagenfeld-Schule.de//" target="_blank">Wilhelm-Wagenfeld-Schule</a> umfassende Gestaltungsprojekte von der Komposition von Bildern bis hin zu Kunstobjekten. Matthias Streicher und Armin Wahl gaben einen f&#252;r mich beeindruckenden &#220;berblick, was an dieser Schule mit dem Schwerpunkt Gestaltung (Fachoberschule, berufliches Gymnasium und Werksschule unter einem Dach) an Produkten entsteht.</p>

<p>Der Vorspann des Educamps, das war noch kein Educamp!, war sehr mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet. Die vorgestellten „Medien“ waren &#252;berraschend internetarm: Ingenieurskunst und k&#252;nstlerische Projekte standen im Zentrum, was zumindest den Blick darauf erweiterte, wie digitale Technologien in Schulen eingesetzt werden k&#246;nnen und auch f&#252;r die Gestaltung konkreter Produkte genutzt werden k&#246;nnen.</p>

<p>Digitale Vernetzung als Instrument des Lernens spielte an diesem Nachmittag wenn &#252;berhaupt eine sehr nachgeordenete Rolle. Es ging zwar um die produktive Nutzung digitaler Technologien, aber diese bezog sich eher auf konkrete, zeitlich eingeschr&#228;nkte Projekte und nicht auf ein Lernen, in dem vernetzte Strukturen eine Rolle spielen.</p>

<p>Das fiel mir wohl deshalb so sehr auf, weil ich selbst spannende Lernerfahrungen in vernetzten Strukturen gemacht habe und mache. Erfahrungen, die hier in Bremen bereits an diesem dem eigentlichen Educamp vorgelagerten Tag mit Gesichtern verbunden wurden.</p>

<p>Media@School bot wenig zu diesen Fragen, aber viel an konkreten Beispielen, was an Schulen m&#246;glich ist, auch wenn das Web-2.0 bei solchen Projekten eher weniger vorzukommen scheint.</p>

<p>Der Nachmittag bei Media@School war &#252;brigens ein klassischer Pr&#228;sentationsnachmittag. Er war daraufhin angelegt Projekte vorzustellen und entsprechend frontal. Das entsprach dem Format der Veranstaltung, so spannend es f&#252;r mich immer wieder ist, zu erleben, wie mit Schule und Unterricht befasste Profis (!) ihre Pr&#228;sentationen aufbauen.</p>

<p>Nach diesen Pr&#228;sentationen startet das Educamp selbst mit Veranstaltungen durch, in denen es zwar auch Input gibt, in denen aber vor allem gemeinsam gedacht wird. Morgen geht es los: Das Educamp, das keine Unterrichtungsveranstaltung ist, sondern ein Think-Tank rund um das Motto des Camps „Neue Lernr&#228;ume gestalten“.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Vom Abschreiben und den Folgen</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Feb 2011 20:48:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#220;ber die Gedanken, Schlussfolgerungen, Forschungsergebnisse anderer nicht nur informiert zu sein, sondern diese aktiv in den eigenen Prozess des Denkens und Arbeitens einzubauen, halte ich f&#252;r eine notwendige Selbstverst&#228;ndlichkeit. Wer sich in einem Fach, einem Beruf, einer Kunst etc. souver&#228;n &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/02/27/vom-abschreiben-und-den-folgen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#220;ber die Gedanken, Schlussfolgerungen, Forschungsergebnisse anderer nicht nur informiert zu sein, sondern diese aktiv in den eigenen Prozess des Denkens und Arbeitens einzubauen, halte ich f&#252;r eine notwendige Selbstverst&#228;ndlichkeit. Wer sich in einem Fach, einem Beruf, einer Kunst etc. souver&#228;n bewegen will, muss zu einer angemessen Mischung aus Rezeption und Produktion gelangen. Idealerweise regen die Gedanken anderer Personen einen selbst zu Gedanken an, die wiederum zum Denken anregen.</p>

<p>Kunst und Wissenschaft leben in weiten Teilen vom Dialog der an ihnen aktiv Beteiligten. Zeugnis dieses Dialoges sind Zitate, die sozusagen die Verbindungsstellen, die Nahtstellen, die Scharniere sind, die den Prozess eigenen Denkens in einen Prozess des Denkens stellen, der eben weit &#252;ber die eigene Person hinausgeht und ohne den der eigene Beitrag zu diesem Denkprozess nicht m&#246;glich w&#228;re.</p>

<p>In der Wissenschaft wird dabei den Beitr&#228;gen zum Denkprozess, die das eigene Denken anregen, als Belegstellen dienen etc. mit beonderem  Respekt begegnet. Die H&#228;ufigkeit, mit der eine Arbeit zitiert wird, sagt etwas &#252;ber die Relevanz einer solchen Arbeit aus.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/02/27/vom-abschreiben-und-den-folgen/#footnote_0_5702" id="identifier_0_5702" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="F&amp;#252;r Twitternutzer: Das ist dem ReTweet vergleichbar. Autoren, die h&amp;#228;ufig retweetet werden, sind relevanter als andere.">1</a></sup> Voraussetzung f&#252;r diese Form des Respektes gegen&#252;ber anderen Arbeiten ist aber, dass man deren Verwendung angemessen belegt.</p>

<p>Wer die Leistungen Dritter &#252;bernimmt und diese nicht kennzeichnet, sie also als eigene Leistungen ausgibt und daf&#252;r entsprechende Gratifikationen erwartet, hat den Charakter des akademischen Dialogs nicht begriffen, schlie&#223;t sich aus diesem Dialog selbst aus, da das nicht belegte Zitat schlicht und ergreifend eine Verweigerung dieses Dialoges ist, abgesehen vom mangelnden Respekt gegen&#252;ber der Leistungen Dritter.</p>

<p>Nat&#252;rlich: Dass vielleicht mal an einer Stelle im Prozess des Erstellens einer Arbeit ein Beleg untergeht, mag m&#246;glich sein. Gravierend aber ist es, wenn eine Arbeit den Eindruck erweckt, in ihr wimmele es nur so von nicht belegten &#220;bernahmen von Dritten.</p>

<p>Als Lehrer begegnen mir solche Arbeiten im Rahmen von Referaten, Hausarbeiten etc. immer wieder, wobei Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen in der Regel so wenige Quellen einsetzen, dass deren Identifikation mit wenig Aufwand m&#246;glich ist. Selbst bei Hausaufgaben, die vorgelesen werden, konnte ich durch entsprechende Vorrecherchen schon mehr oder weniger w&#246;rtliche Abschriften nachweisen. – Und gerade den Bereich der Hausaufgaben halte ich in der Schule f&#252;r den Bereich, in dem Abschriften am h&#228;ufigsten vorkommen. Es handelt sich dabei um Plagiate, egal, ob es sich um die schnell in der Pause vom Mitsch&#252;ler ohne eigene Rechenleistung abgeschriebene Mathehausaufgabe oder die aus Wikipedia kopierte Information handelt, die dann als „Kurzreferat“, idealerweise kurz vor Notenschluss, die Note um mind. eine ganze Notenstufe verbessern soll.</p>

<p>Meist, wenn man ertappt wird, handelt es sich um ein Versehen oder es wird angegeben, dass man gar nicht gewusst habe, dass man auch bei Texten aus Wikipedia die Quelle angeben m&#252;sse. Die Kreativit&#228;t der Ausreden ist in diesen F&#228;llen sehr beschr&#228;nkt, das Ziel des Handelns immer das gleiche: Mit m&#246;glichst geringem Aufwand ein Ziel erreichen, hoffend, dass keiner merkt, dass der eigene Anteil an einer Leistung m&#246;glicherweise viel geringer ist, als es auf den ersten Blick scheinen mag.</p>

<p>Und wenn man dann doch erwischt wird, dann nehmen die einen die „Niederlage“ sportlich und stehen zu ihrem Handeln, ohne gro&#223; dar&#252;ber zu verhandeln, w&#228;hrend andere dann auf die Kraft Mitleid heischender Geschichten oder die Relativierung des eigenen Handelns bauen.</p>

<p>Ab einem gar nicht so gro&#223;en Umfang nicht belegter &#220;bernahmen aus Arbeiten Dritter f&#228;llt es mir als Lehrer mittlerweile schwer, von Versehen auszugehen, da diese Versehen viel zu h&#228;ufig vorkommen.</p>

<p>Mag es auch passieren, dass manche Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler abschreiben, weil sie sich der F&#252;lle der Herausforderungen von Schule nicht gewachsen sehen und hier im Abschreiben ihre Not zu lindern versuchen, so stellt sich in diesem Fall durchaus die Frage an Lehrende, wie man durch eigenes Handeln diese Motivation des Abschreibens minimieren k&#246;nnte, ohne durch diese Fragestellung nun selbst eine Relativierung des Abschreibens vorzunehmen.</p>

<p>Wer sich des Plagiats bedient, will als etwas oder jemand erscheinen, das oder der er oder sie ohne dieses Hilfsmittel vielleicht nicht sein kann, nicht ist. Die Reichweite solchen Handelns geht &#252;ber den Ort dieses Handelns immer dann hinaus, wenn die Qualifikation, die mithilfe des Plagiats erreicht wird, f&#252;r die darauf folgenden beruflichen T&#228;tigkeiten relevant ist.</p>

<p>Wenn zum Beispiel ein f&#252;hrendes Mitglied einer gesetzgebenden Institution ein Jurist ist, der in einer Doktorarbeit nachgewiesen hat, dass es im Bereich der Rechtswissenschaften zu eigenst&#228;ndigen wissenschaftlichen Leistungen f&#228;hig ist, kann man davon ausgehen, dass diese Qualifikation im Bereich der Legislative durchaus ein Kritierium bei der Personalauswahl ist.</p>

<p>Wenn dann aber eine entsprechende Person nachgewiesen bekommt, dass viele Stellen der qualifizierenden Promotion nicht als solche gekennzeichnete Zitate sind, sodass dieses Person den Doktortitel wieder verliert, dann kann man durchaus die Frage stellen, ob sich damit nicht auch die Einsch&#228;tzung der Qualifikation einer solchen Person f&#252;r bestimmte &#196;mter ver&#228;ndern kann.</p>

<p>Zugegeben: Die konkrete Leistung einer Person in einer beruflichen Funktion interessiert mich mehr als ein Titel. Wenn aber jemand promoviert ist, dann erwarte ich, dass damit eine besondere Qualifikation im Prozess der wissenschaftlich basierten praktischen F&#228;higkeiten vorliegt.</p>

<p>Und wenn jemand selbst zugibt, aufgrund handwerklicher M&#228;ngel in einer Promotion seinen Doktortitel nicht mehr l&#228;nger tragen zu k&#246;nnen, werden damit Fragen aufgeworfen, die weit &#252;ber die Probleme beim Erstellen einer den handwerklichen Anspr&#252;chen gen&#252;genden wissenschftlichen Arbeit hinaus gehen. Ob sich &#228;hnliche handwerkliche Unf&#228;higkeiten, solche Tendenzen zum Verlust des &#220;berblicks in der F&#252;lle der allt&#228;glich zu treffenden Entscheidungen wom&#246;glich negativ auf die aktuelle T&#228;tigkeit auswirken k&#246;nnen? – Und selbst das Minimum der Folgen intensiven Abschreibens ohne Belege ist schon gravierend und l&#228;sst sich in der Frage zusammenfassen, an welchen Stellen das Vertrauen in die Seri&#246;sit&#228;t des Gegen&#252;bers denn noch unangebracht ist, an welchen Stellen die blendende Erscheinung Bilder hat entstehen lassen, die die m&#246;glicherweise tristere Realit&#228;t &#252;berstrahlen?!</p>

<p><object width="560" height="349"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/FMIkwcTQ8J0?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/FMIkwcTQ8J0?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="390"></embed></object></p>

<p><object width="560" height="349"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/L3DjV0LnxRQ?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/L3DjV0LnxRQ?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="560" height="349"></embed></object></p>

<p>Nachtrag:</p>

<p><object width="560" height="349"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/YsLMLfbSPxs?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/YsLMLfbSPxs?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="560" height="349"></embed></object></p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Gedichtinterpretation: Joseph Mohr – Stille Nacht, heilige Nacht</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Dec 2010 22:13:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Gedichtinterpretation: Joseph Mohr – Stille Nacht, heilige Nacht von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Es ist das bekannteste Weihnachtslied der Welt, in &#252;ber 300 Sprachen &#252;bersetzt, gesungen mit der Melodie Franz &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/12/gedichtinterpretation-joseph-mohr-stille-nacht-heilige-nacht/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license"><img style="border-width: 0;" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" alt="Creative Commons Lizenzvertrag" /></a></em></p>

<p><em><span>Gedichtinterpretation: Joseph Mohr – Stille Nacht, heilige Nacht</span> von <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/12/gedichtinterpretation-joseph-mohr-stille-nacht-heilige-nacht/" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p>Es ist das bekannteste Weihnachtslied der Welt, in &#252;ber 300 Sprachen &#252;bersetzt, gesungen mit der Melodie Franz Xaver Grubers.</p>

<p>Beginnt man, Suchmaschinen nach Interpretationen zu diesem ber&#252;hmten Text zu befragen, tauchen viele musikalische Interpretationen auf. Aber was ist mit dem Text?</p>

<p>Vorne weg: Ich werde hier keine Detailinterpretation der einzelnen Strophen schreiben, werde mich nicht dazu auslassen, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stille_Nacht,_heilige_Nacht#Liedtext" target="_blank">dass das Originalgedicht (!) sechs Strophen hatte, die heute gesungene Version aber nur drei</a> hat etc. Hier versuche ich eine grunds&#228;tzliche Einordnung des Textes, mit dem Ziel, den Text zumindest ein wenig aus der Kitschecke heraus zu holen. Damit will ich nicht behaupten, dass der Text sich bei n&#228;herer Betrachtung pl&#246;tzlich in gro&#223;artige Literatur verwandeln w&#252;rde, das passiert selbst bei sehr genauer Analyse des Textes nicht. Im Zusammenhang seiner Entstehungszeit kann aber verst&#228;ndlich werden, warum der Text in seinen Grundz&#252;gen so ist, wie er ist.</p>

<p>1816 entstanden, wurde „Stille Nacht, heilige Nacht“ 1818 erstmals aufgef&#252;hrt.</p>

<p>Sprechen wir heute davon, dass Weihnachten ein romantisches Fest sei, so liegen wir mit dieser &#196;u&#223;erung goldrichtig.</p>

<p>Weihnachten, wie wir es heute kennen, fand in Grundz&#252;gen seine Pr&#228;gung<span id="more-5415"></span> in der Epoche der Romantik, die etwa in das erste Drittel des 19. Jahrhunderts einzuordnen ist. Sehr viele Weihnachtslieder unseres Weihnachtsfestes wurden in dieser Zeit geschrieben.</p>

<p>„Stille Nacht, heilige Nacht“ ist ein romantisches Gedicht; kein gro&#223;artiges Werk der Epoche, aber doch eines der ber&#252;hmtesten. Und es ist in meinen Augen kein Zufall, dass sich in ihm eine der zentralen Fragestellungen der Romantik wiederfindet.</p>

<p>Als Weihnachtslied geh&#246;rt „Stille Nacht, heilige Nacht“ zur <a href="http://docs.google.com/viewer?a=v&amp;q=cache:YGshWIyYt7YJ:hup.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2008/66/chapter/HamburgUP_Lyrik_Hillmann_01.pdf+religi&#246;se+lyrik&amp;hl=de&amp;gl=de&amp;pid=bl&amp;srcid=ADGEESg3uZdxiUCkq_n5d2wclumDDTUSl4rR04hgetrIzmz1F0zrEgN1U_iOF8OY0viCt7_QbKsA1TD5-mIxlsUw3jZiCt1gqdrR3RbKGvIgFdFQyr24lW41i9GCUB_aVw_4YQkdm0M4&amp;sig=AHIEtbRsQwdYqB01g7b-Y-02Ls922bYA9g" target="_blank">religi&#246;sen Lyrik</a>. Religion hat es aber seit der Aufkl&#228;rung genau so schwer, wie die &#220;berzeugung, dass es hinter der naturwissenschaftlich erforschbaren Wirklichkeit andere Wirklichkeiten gibt, die im grellen Licht des aufkl&#228;rerischen Denkens nicht nur nicht wahrgenommen sondern sogar ausgeblendet oder verneint werden.</p>

<p>Aufkl&#228;rung im philosophischen Sinn erhebt den Anspruch, Klarheit in den Nebel des Wissens zu bringen, Licht ins Dunkel.</p>

<p>Aufkl&#228;rung ist mit Lichtmetaphern verbunden, sodass es kein Zufall ist, dass der englische Terminus Technicus „enlightenment“ hei&#223;t. – Ein wichtiges Unternehmen, das die Welt ver&#228;ndert, Menschenrechte mit sich brachte usw. Und doch ist der Anspruch der Aufkl&#228;rung schnell in der Gefahr, von Menschen erfahrene, aber nicht beweisbare Wirklichkeiten, in Frage zu stellen, wenn nicht gar zu verneinen. Was bliebe von der Liebe, betrachteten wir sie nur unter naturwissenschaftlicher Perspektive?</p>

<p>Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts sahen die Dichter und Denker, die Dichterinnen und Denkerinnen der Romantik diese Gefahr der Einseitigkeit der Aufkl&#228;rung und stellten dieser – in gewisser Form begann das schon ca. f&#252;nfundzwanzig Jahre vor 1800, in der Epoche von Sturm und Drang und Empfindsamkeit – ihre Wirklichkeitswahrnehmung gegen&#252;ber.</p>

<p>Das Motiv der Sehnsucht, am ber&#252;hmtesten ist hier wohl die Suche nach der blauen Blume in Novalis&#8217; „<a href="http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/heinrichvonofterdingen-r.htm" target="_blank">Heinrich von Ofterdingen</a>“, trat gemeinsam mit den Motiven des Nebels, der Nacht, der (unerf&#252;llten, sehns&#252;chtigen) Liebe in den Blick der romantischen Autoren. Aber auch Gespenstergeschichten, die ja auch auf eine Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit verweisen, finden in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Romantik" target="_blank">Schauerromatik</a> ihren Platz.</p>

<p>Religion und deren Symbolik geh&#246;rte f&#252;r Aufkl&#228;rer, auch angesichts der von ihnen vorgebrachten Kirchenkritik und des Kampfes gegen die (christliche) Religion im Nachklang der franz&#246;sischen Revolution, in das Reich der dunklen Zeit vor der Aufkl&#228;rung, in der Religion allzu oft zur Vernebelung der Gedanken der Menschen missbraucht worden war, auch um z. B. Machtinteressen zu verschleiern,</p>

<p>Vor diesem Hintergrund mag es kein Zufall sein, dass viele Vertreter und Vertreterinnen der Romantik selbst oft religi&#246;s und Katholiken waren, die gegen die Aufkl&#228;rung und gleichzeitig als deren Fortf&#252;hrung andere Motive suchten, die Nacht, den Nebel, das Unscharfe, Verschleierte in den Blick nahmen, und sich an den Grenzen des dem aufkl&#228;rerische Denkens Zug&#228;nglichem zu bewegen.</p>

<p>In diesem Kontext steht Josef Mohrs „Stille Nacht, heilige Nacht“. Hier trifft die Metaphorik des Weihnachtsfestes als ein Fest des Lichtes, in dem Sinne, dass in christlicher Perspektive das „Licht der Welt“ in das Dunkel der Zeit hinein tritt, auf die Zeit, in der das Gedicht / Lied entstanden ist.</p>

<p>Weihnachten ist ein Fest zur Zeit der Wintersonnenwende und schlie&#223;t so wohl an vorchristliche Lichtfestivit&#228;ten dieser Jahreszeit an, doch Mohr geht in seinem Gedicht so weit zu sagen, dass es eine Nacht ist, die heilig ist, eine Nacht, in der alles schl&#228;ft, w&#228;hrend das, was Christen als Teil des g&#246;ttlichen Heilshandelns sehen, geschieht.</p>

<p>Hier wird der Aufkl&#228;rungsmystik mit ihrer Lichtmetaphorik die Lichtmetaphorik des christlichen Glaubens gegen&#252;ber gestellt, dem Verstand Erwachsener wird die Bedeutung des kleinen Kindes vor Augen gef&#252;hrt.</p>

<p>In diesem Sinne ist Josef Mohrs Weihnachtstext romantisch durch und durch; gleichzeitig versucht der Text theologische Wahrheiten zu vermitteln, religi&#246;se Wahrheiten, in einer Zeit, in der es gerade dem Katholizismus schwerer und schwerer zu fallen begann, sich in ach so aufgekl&#228;rten Kontexten zu rechtfertigen.</p>

<p>Wenn es je zutraf, dass sich die Romantiker gegen die Aufkl&#228;rung wandten, in den meisten F&#228;llen scheint es eher der Versuch gewesen zu sein, der oft als intellektuell kalt empfundenen Entwicklung aufkl&#228;rerischen Denkens, die M&#246;glichkeit anderer Erkenntnisweisen im Sinne ganzheitlicher Erkenntnis <em>zur Seite</em> zu stellen, so trifft diese antiaufkl&#228;rerische Tendenz auf Mohrs Text in seiner Zeit wohl zu.</p>

<p>Verbunden mit Grubers Musik gelingt es diesem Gedicht aber bis heute, romantische Gef&#252;hle in Menschen zu aktivieren. Wir aufgekl&#228;rte Menschen, sind wir es wirklich?, lassen uns von einem der antiaufkl&#228;rerischsten Texte der m&#246;glicherweise in weiten Kreisen gar nicht so antiaufkl&#228;rerischen Romantik verzaubern, von einem Gedicht, das als Gedicht zudem h&#246;chst mittelm&#228;&#223;ig ist!?</p>

<p>Wie so oft bei Bestsellern, so auch hier: Es braucht nicht viel, um die Herzen der Menschen zu erreichen, unabh&#228;ngig vom Bildungsgrad. Und damit ist das Lied dann pl&#246;tzlich doch wieder ein authentischer Ausdruck dessen, was an Weihnachten gefeiert wird, trotz mancher Bedenken gegen&#252;ber der literarischen Qualit&#228;t von „Stille Nacht, heilige Nacht“: Christen feiern die Ankunft eines Gottes in menschlicher Gestalt, der kein exklusiver Bildungsb&#252;rgergott ist, kein Gott ausschlie&#223;lich derer, die reich an Bildung oder Geld sind, sondern einer, der sich gegen Rechtfertigungszw&#228;nge durch Bildung und Besitz stellt und statt dessen den Wert des Menschen an sich ins Zentrum stellt, diesseits aller Leistungen, mit deren Hilfe Menschen kategorisiert werden.</p>

<p>Und in diesem Sinne ist der literarisch erst einmal bescheidene Text Mohrs auf Weihnachten und die christliche Botschaft des Festes gewendet, in seiner fast schon naiven Machart, ein gro&#223;artiger Text, der letztlich nur dann zu Kitsch wird, wenn er von der in ihm vermittelten Botschaft und deren Bedeutung losgel&#246;st gesehen wird. – Angesichts heutiger Kommerzialisierungstendenzen in allen Gesellschaftsbereichen und des Weihnachtsfestes insbesondere, angesichts des Leistungsdrucks und der Tendenz zur Reduktion des Wertes von Individuen auf deren wirtschaftlichen und durch formale Zertifikate (Zeugnisse) belegbaren Wert, bekommt das vielleicht einst wirklich antiaufkl&#228;rerische Lied pl&#246;tzlich einen ganz eigenen aufkl&#228;rerischen Wert, so da nur Ohren sind, diese Seite des Liedes zu h&#246;ren, zu f&#252;hlen und zu leben.</p>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>&#220;ber das (schulische) Interpretieren von Gedichten</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Dec 2010 20:48:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der Schule werden Gedichte gelesen. In der Schule werden Gedichte interpretiert. In der Schule wird zu selten ein Gef&#252;hl f&#252;r die Sch&#246;nheit der Sprache und der Bedeutung, wie sie in Gedichten anzutreffen ist, nachhaltig entwickelt. Ich zumindest kenne keinen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/06/ueber-das-schulische-interpretieren-von-gedichten/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Schule werden Gedichte gelesen. In der Schule werden Gedichte interpretiert. In der Schule wird zu selten ein Gef&#252;hl f&#252;r die Sch&#246;nheit der Sprache und der Bedeutung, wie sie in Gedichten anzutreffen ist, nachhaltig entwickelt. Ich zumindest kenne keinen Sch&#252;ler und keine Sch&#252;lerin, der oder die in der Schule erlernte Analysef&#228;higkeiten gegen&#252;ber Gedichten anwenden w&#252;rde, die ihm oder ihr im Alltag begegnen. Ja, im Alltag sind wir von Gedichten (unterschiedlicher Qualit&#228;t freilich) umgeben, werden wir mit Gedichten &#252;bersch&#252;ttet – wenn wir Musik h&#246;ren. Oh ja: Die meisten Songtexte sind Gedichte.</p>

<p>Nach der Schule<span id="more-5401"></span> beschr&#228;nkt sich die intensive Besch&#228;ftigung mit der Kunst des Gedichts auf ein paar leidenschaftliche Lyrik-Geeks, GermanistikstudentInnen, GermanistikprofessorInnen und DeutschlehrerInnen bzw. Lehrende von Fremdsprachen. In der Breite werden Romane gelesen. Dramatische Werke hingegen teilen das bittere Schicksal der Lyrik, so es um die Lekt&#252;re solcher Werke geht.</p>

<p>Im Literaturstudium werden Gedichte gelesen. Im Literaturstudium werden Gedichtanalysen und -interpretationen gelesen, es werden eigene Analysen erstellt, die sich in der Regel auf das gedankliche Zusammenf&#252;hren der Forschungsergebnisse Dritter beschr&#228;nken. Ich erinnere mich nur an einen Literarturprofessor, der mich als Studenten mit der Herausforderung konfrontierte, &#252;ber Gedichte so, wie sie sind, nachzudenken, mir also substantielle eigene Gedanken zu meinem Verst&#228;ndnis eines Gedichtes zu machen und diese Gedanken dann auch noch so zu formulieren, dass Dritte diese nachvollziehen k&#246;nnen. – Aber auch hier wurde die Frage nach dem Gedicht als Kunstwerk (sic!) meist gar nicht gestellt. Die Frage, was literarische Kunst ist, steht in einem Studium nicht im Vordergrund, in dem es nicht um die Sprachkunst als solche geht.</p>

<p>Zugegeben: Die Frage nach dem Gedicht als Kunstwerk begann auch f&#252;r mich erst relevant zu werden, nachdem ich einer Kunstgeschichts- und Philosphiedozentin begegnete, die das Kunstwerk ins Zentrum stellte und nicht die Sekund&#228;rliteratur.</p>

<p>Eigentlich ist es verr&#252;ckt: Im Studium wird mehr mit Sekund&#228;rliteratur gearbeitet als mit den Prim&#228;rtexten. Das l&#228;sst sich kaum vemeiden, denn es ist toll, dass so viele Gedanken und Forschungen Dritter den Zugang zu den Gedichten erleichtern wollen.</p>

<p>In der Schule sieht das alles ein wenig anders aus. Deutschunterricht ist kein Germanistikstudium, vielmehr werden in ihm Grundlagen des Zugangs zur Sprache und zur Literatur gelegt, die, zumindest im Idealfall, dazu bef&#228;higen sollen, ein Studium, gegebenenfalls auch ein literaturwissenschaftliches Studium aufzunehmen.</p>

<p>Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler werden meist an die Grundlagen der Gedichtanalyse herangef&#252;hrt, es werden die wichtigsten biographischen und zeitgeschichtlichen Hintergr&#252;nde eingef&#252;hrt, Gedichte werden in den Epochen verortet, Basistexte der Lyriktheorie – meist Opitz und vielleicht noch ein wenig Aristoteles, Schiller und Brecht – werden den Sch&#252;lern vorgelegt. Stilfiguren werden gelehrt und sollen gelernt werden. Etc.</p>

<p>Das ist gut so. Kunstverst&#228;ndnis, die Entwicklung eines &#228;sthetischen Gesp&#252;rs, hat immer auch mit Wissen zu tun. Man sieht nun einmal in der Regel vor allem das, was man wei&#223;. Das gilt auch f&#252;r Gedichte.</p>

<p>Diese Heranf&#252;hrung an Gedichte f&#252;hrt dann aber oft zu dem Ph&#228;nomen, dass mehr &#252;ber als mit den Gedichten ein Gespr&#228;ch gesucht wird, in dem auch und vor allem die pers&#246;nlichen, individuellen, biographisch und zeithistorisch gepr&#228;gten Zugangsweisen ernst genommen werden und sich einen Weg suchen k&#246;nnen, zur Sprache zu kommen – zur eigenen Sprache in der Besch&#228;ftigung mit Kunst.</p>

<p>Kunst, also auch Gedichte, entsteht nicht, damit anschlie&#223;end Schule und Wissenschaft an ihnen analytisches und interpretatorisches Handwerk lehren, sondern 1. als Dialog des K&#252;nstlers mit der (subjektiven) Wahrnehmung der Wirklichkeit und 2. als Einladung an Lesende und Betrachter bildlicher Werke, sich selbst in den Dialog mit der eigenen (subjektiven) Wahrnehmung der Wirklichkeit zu begeben – und diesen Dialog gegebenenfalls so formulieren zu k&#246;nnen, dass er f&#252;r Dritte zumindest nachvollziehbar wird.</p>

<p>Um diesen subjektiven Zugang zu Gedichten zu vertiefen ist Sekund&#228;rliteratur oft hilfreich. Wenn aber der Umgang mit Gedichten alleine das Ziel der (schulisch) angemessenen Interpretation hat, dann wundert es mich nicht, dass au&#223;erschulisch Gedichte in der Wahrnehmung der Mehrheit der Erwachsenen kaum noch eine Rolle spielen. Die Schule funktionalisiert Gedichte (und andere literarische Texte) so stark, dass die Literatur als Kunst im au&#223;erschulischen Kontext ihre Funktion ( = in Klausuren erfolgreich Analysen schreiben zu k&#246;nnen) verliert. &#196;sthetische Bildung scheint sich, vor allem gegen&#252;ber sprachlichen Kunstwerken, mehr auf das Verstehen von Kunst zu beschr&#228;nken, statt auf die existentielle Bedeutsamkeit der Kunst f&#252;r die Auseinandersetzung des Individuums mit sich selbst und der Wirklichkeit, in der es lebt, hin abzuzielen.</p>

<p>Die pers&#246;nlichkeitsbildende Begegnung mit Kunst hat in Schule und Studium eher Seltenheitswert und muss von denen, die trotz allem diese Kunstwerke nicht aus ihrem Leben verbannen wollen, oft erst m&#252;hevoll (wieder)erlernt werden.</p>

<p>Der schon erw&#228;hnte Professor, der uns in seinen Seminaren die wirkliche Auseinandersetzung mit unseren individuellen Zugangsweisen zu Gedichten abverlangte, gab sich mit allzu sehr angelesenen &#196;u&#223;erungen zu Gedichten selten zufrieden. „Das haben Sie sch&#246;n referiert. Aber jetzt sagen Sie uns doch einmal, was dieses Gedichte f&#252;r SIE bedeutet!“ – An dieser Stelle verstummten wir Studenten meist ratlos. Wir brauchten lange um zu verstehen, dass wir oft viel zu schnell und viel zu intensiv alleine auf Sekund&#228;rliteratur setzten, statt uns selbst wirklich mit dem Gedicht zu besch&#228;ftigen. Wir befassten uns mehr mit den Gedanken anderer zu einem Gedicht, statt uns eigene zu erlauben. Wir „t&#246;teten“ Gedichte, statt sie f&#252;r uns zum Leben zu erwecken.</p>

<p>Eine &#228;hnliche Situation erlebte ich als Referendar, als mir eine Ausbilderin zu einem didaktisch und methodisch stark strukturiertem Unterrichtsentwurf zwei Fragen stellte – ja, es ist oft ein langer Weg, Einsichten, die man doch l&#228;ngst f&#252;r sich selbst als wichtig erachtet, angemessen in die Wirklichkeit zu &#252;bertragen –, die mich schlagartig an die Situation als Student gegen&#252;ber der Frage des Professors nach eigenen Gedanken zu Gedichten zur&#252;ckwarfen: „Wo kommt in Ihrem Entwurf der Text vor? Wo kommen die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vor? Sie haben da einen methodisch und didaktisch starken Entwurf, der aber den Text mit Methoden &#252;berlagert und mit diesen die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vom Text fern h&#228;lt.“ – Mir blieben vierundzwanzig Stunden bis zu einem wichtigen Unterrichtsbesuch. In der K&#252;rze der Zeit entschied ich mich, die Methoden drastisch zu reduzieren und die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in ein literarisches Gespr&#228;ch mit dem Text zu bringen. Es war die wohl methoden&#228;rmste Stunde, die ich je im Referendariat f&#252;r einen Unterrichtsbesuch zustande brachte – und eine der ganz spannenden Stunden, weil pl&#246;tzlich der Text durch die echten Fragen der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler an ihn, im echten Gespr&#228;ch der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit dem Text und miteinander zu funkeln begann wie der Sternenhimmel in einer klaren, warmen Sommernacht, weit weg vom Streulicht der Gro&#223;st&#228;dte.</p>

<p>&#220;berdidaktisierter und methodisch &#252;berladender (Deutsch-)Unterricht wirkt oft wie das Streulicht der Gro&#223;st&#228;dte: Er &#252;berstrahlt den eigentlichen Gegenstand des Unterrichts, macht ihn so unsichtbar, wie die Lichtverschmutzung den Sternenhimmel.</p>

<p>Gro&#223;artige Kunstwerke bergen dieses Sternenglanzpotential in sich. Sie sind inhaltlich so stark, dass sich die notwendigen Methoden im Umgang mit ihnen in diesem Umgang selbst entwickeln. Dann muss sich pl&#246;tzlich nicht mehr der Lehrer im Rahmen der Unterrichtsvorbereitung Gedanken &#252;ber die Methoden der Erarbeitung eines Textes machen, sondern kann, unter der Voraussetzung, dass er viele Methoden beherrscht, um diese gegebenenfalls individuell professionell begleiten zu k&#246;nnen, den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen den Freiraum er&#246;ffnen, die ihnen vom Text her angemessenen Methoden selbst zu benennen, auch wenn dieser Prozess so moderiert werden muss, dass der / die Lehrende gegebenenfalls Angebote machen kann. Auf diesem Wege bekam ich schon Goethes „Wanderers Nachtlied“ als Rap vorgef&#252;hrt, Ausschnitte aus Jurek Beckers „Bronsteins Kinder“ verfilmt, Referate zu der Frage, warum ein Gedicht auf Sch&#252;ler die Wirkung erzielen konnte, die es auf sie hatte, eine Lesung zu einem Gedicht von Nelly Sachs als „Klanginstallation“ mit Sch&#252;lern, die den Raum mit ihren Stimmen und dem Text Nelly Sachs f&#252;llten – und in diesem Rahmen m&#252;hten sich Sch&#252;ler dann pl&#246;tzlich ganz freiwillig mit der Frage ab, mit welchen Stilmitteln es einem Dichter gelingt, Lesende „gefangen zu nehmen“. Etc.</p>

<p>Gute Kunst findet im Betrachter selbst zu den Methoden, die f&#252;r ein Kunstwerk und seinen Betrachter angemessen sind. Gro&#223;e Kunst „lehrt“ den ernsthaften Betrachter selbst, wie sie zu betrachten ist, auch wenn sie auf den ersten Blick sehr sperrig wirkt. Lehrende m&#252;ssen Ann&#228;herungsformen an Kunst vermitteln, die einen solchen Dialog zwischen Kunstwerk und Betrachter erm&#246;glichen.</p>

<p>Das ist angesichts der Lehrplanvorgaben und den &#252;blichen Zeitvorstellungen dieser Lehrpl&#228;ne nicht einfach umzusetzen, sollte aber zumindest mit einer gewissen Regelm&#228;&#223;igkeit Raum im Unterrichtsgeschehen finden. Es muss Raum bleiben, f&#252;r die Texte und die sie Lesenden, um zu nachhaltigen Interpretationen zu gelangen, in denen dann nicht mehr nur die klassischen und berechtigten Erwartungen der Schule vorkommen, sondern die Texte als Kunstwerke ebenso wie die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die sich ihnen auszusetzen lernen.</p>

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		<title>Apps (nicht nur) f&#252;r Lehrer: MoMA-AB/EX/NY</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Nov 2010 14:25:05 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a rel="http://moma.org/explore/mobile/abexnyapp" href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/11/abexny.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-medium wp-image-5315" title="abexny" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/11/abexny-300x115.jpg" alt="Quelle: http://moma.org/explore/mobile/abexnyapp" width="300" height="115" /></a></p>

<p><a href="http://herrlarbig.de/2009/09/18/bildungsorte-das-staedel-zu-frankfurt-am-main/" target="_blank">Ein Museum ist eine Bildungseinrichtung</a>. Wenn ein Museum dann „Museum of Modern Art“ hei&#223;t, unter dem K&#252;rzel MoMA weltbekannt ist und schon auf seiner <a href="http://moma.org" target="_blank">Website</a> ein faszinierendes Angebot bereit h&#228;lt, dann darf man gespannt sein, wie sich der Bildungsanspruch einer solchen Einrichtung in Apps f&#252;r das iPhone und das iPad darstellt.</p>

<p>Neben der sehr empfehlenswerten <a href="http://moma.org/explore/mobile/iphoneapp" target="_blank">iPhone-App des MoMA</a>, die selbst dann spannend ist, wenn man nicht vor Ort ist und mit ihrer Unterst&#252;tzung das Museum entdeckt, ist nun zu einer Ausstellung zu den einst in New York ans&#228;ssigen „abstrakten Expressionisten“ eine iPad-Applikation erschienen, die selbst aus der Ferne diese Ausstellung zug&#228;nglich macht. Die kostenlos bereit gestellte <a href="http://moma.org/explore/mobile/abexnyapp" target="_blank">AB EX NY iPAD APP</a> <span id="more-5314"></span>macht einige H&#246;hepunkte der Ausstellung <em><a href="http://moma.org/visit/calendar/exhibitions/1098" target="_blank">Abstract Expressionist New York</a> </em>zug&#228;nglich und verkn&#252;pft diese Bilder mit weiteren verf&#252;gbaren Materialien, die zum Beispiel in Form von Beitr&#228;gen der Kuratoren den Zugang zu einem Bild vertiefen k&#246;nnen. Das meiste dieses Materials wird vom MoMA in vorbildlicher Weise sowieso schon frei verf&#252;gbar gemacht: In der App wird es vor allem in einen Zuammenhang gebracht, der so auf der Website nicht vorhanden ist.</p>

<p>Au&#223;erdem verf&#252;gt die App &#252;ber einen Glossar zu Fachbegriffen aus dem Bereich der Kunst, eine Karte, die mit den K&#252;nstlern verbundene Orte anzeigt – kurz: In der App ist alles verf&#252;gbar, was zu einer interaktiven Ann&#228;herung an diese Kunst und an diese K&#252;nstler n&#246;tig ist. Diese App ist den einen vielleicht ein F&#252;hrer durch die Ausstellung, den anderen aber eine Art „Schulbuch“. Ja, meine erste Assoziation zu dieser App war, dass hier die Richtung vorgegeben wird, wie ein Schulbuch in Zukunft aussehen k&#246;nnte, wobei die Verk&#252;npfungsoptionen wom&#246;glich noch eine viel gr&#246;&#223;ere Tiefe in der Besch&#228;ftigung mit dem Material zulassen k&#246;nnen, als es diese iPad-App tut, die &#252;brigens auch erlaubt, die eigenen Lieblingswerke zu twittern…</p>

<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="340" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/nYVvbuVjyfo?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="340" src="http://www.youtube.com/v/nYVvbuVjyfo?fs=1&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>

<p>Kommen wir also zu unseren Testfragen:</p>

<ul> <li>Was kann die Applikation? Was kann die Applikation nicht?</li> </ul>

<p>Die Applikation stellt ausgew&#228;hlte H&#246;hepunkte der Ausstellung „Abstract Expressionist New York“ zur Verf&#252;gung, die vom 3.10.2010–25.04.2011 im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) zu sehen ist. Dar&#252;ber hinaus gibt es eine Karte, die die Werke mit dem Ort New York verkn&#252;pft und zeigt, wo K&#252;nstler wie Hans Hofmann, Jackson Pollock, Barnett Newman, Willem de Kooning, Mark Rothko, Lee Krasner und David Smith in New York pr&#228;sent waren und sind.</p>

<p>Kuratoren des Museums stellen per Video einzelne K&#252;nstler, aber auch besondere Maltechniken oder andere Besonderheiten vor. Dar&#252;ber hinaus gibt es zu Einzelbildern auch noch schriftlich vertiefende Hinweise.</p>

<p>Was die App nicht kann: Den spontan erwachendenen Wunsch nach einem sofortigen Aufenthalt in der Ausstellung mittels nicht verf&#252;gbarer Beamtechnologie a la Raumschiff Enterprise zu verwirklichen helfen.</p>

<ul> <li>Wie kann die Applikation in den Arbeitsprozess von Lehrern und Lehrerinnen integriert werden?</li> </ul>

<p>Diese App kann von Kunst- und Englischlehrern eingesetzt werden, wenn sie eine eigenst&#228;ndige Ann&#228;herung der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler an den Abstrakten Expressionismus New Yorker Pr&#228;gung erm&#246;glichen wollen.</p>

<p>Davon abgesehen kann diese Applikation bei &#220;berlegungen hilfreich sein, wie Schulb&#252;cher, die sich digitaler Technologien auf Tablet-PCs mit ber&#252;hrungsempfindlichen Bildschirmen bedienen, m&#246;glicherweise aussehen k&#246;nnten. Mir kommen da ohne gro&#223;es Nachdenken zum Beispiel Visionen, Goethes Faust auf einem solchem Wege zug&#228;nglich zu machen… Schulb&#252;cher der Zukunft werden eine Gemeinschaftsleistung von Programmierern und derjenigen sein, die die Inhalte erstellen bzw. verf&#252;gbar halten.</p>

<ul> <li>Welchen Mehrwert gegen&#252;ber dem analogen Arbeitsprozess von Lehrern und Lehrerinnen kann ich erkennen?</li> </ul>

<p>Wenn Apps wie die des MoMAs eingesetzt werden, so liegt deren St&#228;rke in der Integration von oft schon sowieso &#252;ber die Website verf&#252;gbaren Inhalten und mediale Formen. Neben dem pers&#246;nlichen Bildungsnutzen, hat diese App den Vorteil, kostenlos verf&#252;gbar zu sein und zu zeigen, was mit Tablet-PCs heute schon m&#246;glich ist. Was ich damit meine: Einfach mal Kollegen im Lehrerzimmer das iPad mit dieser App in die Hand geben und auf die Reaktionen achten <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<ul> <li>Hat die entsprechende analoge Form des Arbeitsprozess von Lehrern und Lehrerinnen Vorteile gegen&#252;ber der digitalen Form?</li> </ul>

<p>Da es sich hier um eine App handelt, die formal zeigt, was heute schon geht, kann diese Frage nur indirekt beantwortet werden. Der Hauptnachteil solcher Apps liegt in der Versuchung begr&#252;ndet, dass man meinen k&#246;nnte, die Originalkunstwerke nicht mehr anzuschauen. Das w&#228;re ein Verlust, weil die Abbildung eines Kunstwerkes eine ganz andere Aura hat als ein Original, wie ich immer wieder in Frankfurts gro&#223;artigen Museen erleben darf.</p>

<ul> <li>Welche Schw&#228;chen in Bezug auf die Integration in den Arbeitsprozess von Lehrern und Lehrerinnen sehe ich?</li> </ul>

<p>Keine Schw&#228;che, eher das aufkommende Gef&#252;hl eines Mangels: Es w&#228;re an der Zeit, sich wirklich einmal mit Apps zu konkreten Unterrichtsthemen zu besch&#228;ftigen, die sicherlich einiges zu dem Prozess des eigenst&#228;ndigen Lernens von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern beitragen k&#246;nnen. Das scheint sich in Deutschland, anders als in den USA, in denen das iPad zumindest in den Gro&#223;st&#228;dten sehr gro&#223;e Verbreitung gefunden zu haben scheint, wie mir USA-Touristen berichten, noch nicht zu lohnen, aber Studien in diese Richtung, die &#252;brigens nicht auf eine Tablet-PC-Plattform beschr&#228;nkt sein sollten, w&#252;rden den entsprechenden Entwicklern bereits heute das notwendige Know-How er&#246;ffnen, um in diesem Prozess ver&#228;nderter Bildungsmedien ein Wort mitsprechen zu k&#246;nnen.</p>

<ul> <li>Was w&#252;rde ich mir f&#252;r die Weiterentwicklung einer Applikation w&#252;nschen?</li> </ul>

<p>Da diese App eine bestimmte Ausstellung zum Anlass hat, die gerade mal ein halbes Jahr zu sehen ist, scheint keine gro&#223;e Weiterentwicklungsperspektive zu liegen.</p>

<ul> <li>Was gibt es sonst zu sagen?</li> </ul>

<p>Es macht Spa&#223;, auf diesem Wege Kunst zu entdecken und ich w&#252;nschte mir, dass gro&#223;e deutsche Museen im Rahmen ihrer Bildungsarbeit deutlich st&#228;rker als bislang f&#252;r mich beobachtbar, auf solche mediale Formen setzen w&#252;rden.</p>

<p>Ich stelle mir vor, Entwickler erstellen solche Apps mit Bezug auf literarische Werke, auf Geschichtsepochen, auf naturwissenschaftliche Themenfelder…</p>

<p>Die inhaltliche Basis der App besteht &#252;brigens darin, dass gerade das MoMA unglaublich viele Ressourcen zu seinen Werken und Ausstellungen bereits auf seiner Website frei zug&#228;nglich macht. Aus diesem Fundus sch&#246;pft die App ihre Inhalte. Wer also kein iPad verf&#252;gbar hat, der m&#246;ge auf der <a href="http://moma.org" target="_blank">Website des MoMA</a>s (zu <a href="http://moma.org/interactives/exhibitions/2010/abexny/" target="_blank">dieser Ausstellung</a> und dar&#252;ber hinaus) st&#246;bern. Es gibt da unglaublich viel zu entdecken.</p>

<ul> <li>Fazit?</li> </ul>

<p>Die MoMA <a href="http://moma.org/interactives/exhibitions/2010/abexny/" target="_blank">Abstract Expressionist New York</a> iPad App ist gelungen, weil sie die F&#252;lle der bereits vorhandenen Inhalte des MoMAs in eine diese Materialien integrierende Form bringt. Abgesehen von der Beschr&#228;nkung der Inhalte auf eine Ausstellung, l&#228;sst diese App etwas von der Zukunft der Wissensvermittlung in digital gepr&#228;gten Wissensgesellschaften erahnen.</p>

<p> </p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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</ul>

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		<title>Bildungsplattformen &amp; Schulbuchverlage am Bsp. lo-net und Antolin</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Nov 2010 18:51:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Abstract: Dieser Artikel arbeitet induktiv, das hei&#223;t, er geht von einem beobachteten, speziellen Ph&#228;nomen aus und gelangt von diesem zu allgemeineren &#220;berlegungen, in deren Kontext das Ph&#228;nomen eingeordnet wird. Ausgangspunkt ist der Wechsel des Betreibers von lo-net, die allgemeineren &#220;berlegungen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/21/bildungsplattformen-schulbuchverlage-am-bsp-lo-net-und-antolin/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Abstract: Dieser Artikel arbeitet <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Induktion_%28Denken%29" target="_blank">induktiv</a>, das hei&#223;t, er geht von einem beobachteten, speziellen Ph&#228;nomen aus und gelangt von diesem zu allgemeineren &#220;berlegungen, in deren Kontext das Ph&#228;nomen eingeordnet wird.</em></p>

<p><em>Ausgangspunkt ist der Wechsel des Betreibers von lo-net, die allgemeineren &#220;berlegungen stellen dann grunds&#228;tzliche Fragen zur Rolle von Schulb&#252;chern und Bildungsmedien in (schulischen) Bildungszusammenh&#228;ngen.</em></p>

<p><em>Daraus ergeben sich &#220;berlegungen &#252;ber die Zukunft von Bildungsmedien, die im Unterricht eingesetzt werden. <span id="more-5262"></span><br /> </em></p>

<h3>Der aktuelle Anlass: Betreiberwechsel bei lo-net</h3>

<p>Am Anfang war<a href="http://www.lo-net2.de" target="_blank"> lo-net</a> ein Projekt des gemeinn&#252;tzigen Vereins „<a href="http://www.schulen-ans-netz.de/" target="_blank">Schulen ans Netz e. V</a>“ und  „<a href="http://lehrer-online.de/" target="_blank">Lehrer online</a>“. Es wurde mit Mitteln des Bundesministeriums f&#252;r Bildung und Forschung und der Telekom gef&#246;rdert. Dann wurde lo-net zu einer eigenen GmbH und nun gab es erneut einen Betreiberwechsel: Lo-Net geh&#246;rt nun zum Portfolio des Cornelsen-Verlages, der im Schulbuchmarkt eine gewichtige Rolle spielt.</p>

<p>Laut Mitteilung an die Benutzer auf lo-net, wird f&#252;r die Nutzer alles gleich bleiben: Staatliche Schulen k&#246;nnen lo-net weiter kostenlos nutzen. Ziel der &#220;bernahme sei es, der Plattform eine langfristige Perspektive zu geben. Allerdings ist dabei zu beachten, dass es in den Nutzungsbedingungen hei&#223;t, der Dienst bestehe aus kostenlosen Grunddiensten sowie gegebenenfalls aus kostenpflichtigen Zusatzdiensten.</p>

<p>Liest man die Nutzungsbedingungen weiter, so wird ausdr&#252;cklich darauf hingewiesen, dass kein rechtlicher Anspruch auf die Zurverf&#252;gungstellung bestimmter kostenloser Dienste bestehe, ja, es wird so gar gesagt, dass der Betreiber keine Zusicherung f&#252;r einen bestimmten Leistungsumfang gebe. Das Recht, die zur Verf&#252;gung gestellten kostenlosen Dienste in Art und Umfang zu ver&#228;ndern, beh&#228;lt sich der Betreiber ausdr&#252;cklich vor.</p>

<p>Zugegeben, ich wei&#223; nicht, ob hier eine &#196;nderung der Benutzungsbedingungen f&#252;r lo-net stattgefunden hat, die alten Nutzungsbedingungen habe ich gerade nicht vorliegen, aber es scheint mir, dass die &#220;bernahme von lo-net durch den Cornelsen-Verlag mehr als nur ein Betreiberwechsel ist. Mir ist diese &#220;bernahme Anlass f&#252;r ein paar grunds&#228;tzliche &#220;berlegungen zur Bedeutung digitaler Bildungsmedien in der nahen Zukunft. Doch zun&#228;chst als Erl&#228;uterung:</p>

<h3>Was ist Lo-Net?</h3>

<p>Laut Selbstdarstellung ist Lo-Net eine Plattform f&#252;r Schule und Unterricht, die mittlerweile von &#252;ber 6500 Schulen in Deutschland genutzt wird. Es hei&#223;t zur Zeit auf der Startseite von Lo-Net:</p>

<blockquote><p>„lo-net² macht den Traum von der virtuellen Schule<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/21/bildungsplattformen-schulbuchverlage-am-bsp-lo-net-und-antolin/#footnote_0_5262" id="identifier_0_5262" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Traum der virtuellen Schule? Nein, die Face-to-Face-Situation ist konstitutiv f&amp;#252;r Unterricht. Vergleiche hierzu diesen Beitrag &ndash; Anmerkung von HL">1</a></sup> wahr: Lehrkr&#228;fte und Lernende arbeiten in Klassen und Kursen online zusammen, Schulorganisation und Elternarbeit finden im Netz statt. Bereits mehr als 6.500 Schulen nutzen bundesweit die webbasierte Lern- und Arbeitsplattform lo-net², die umfassende und innovative L&#246;sung f&#252;r Schulen.“ (<a href="http://www.lo-net2.de" target="_blank">Quelle</a>)</p></blockquote>

<p>Dabei ist lo-net, das mag den Reiz f&#252;r Schulen ausmachen, es zu nutzen, eine in sich geschlossene Infrastruktur, die so ziemlich alle M&#246;glichkeiten anbietet, die im Web heute bekannt sind. In der <a href="http://www.lo-net2.de/ww3ee/101505.php?sid=66741591858404529429036023602160" target="_blank">Selbstdarstellung</a> hei&#223;t es:</p>

<blockquote><p>„Von werbefreien E-Mail-Adressen, Mailinglisten, Dateiablagen, modernen  Web 2.0-Tools wie Blogs und Wikis bis hin zu didaktischen Werkzeugen wie  dem Lernplan bietet lo-net² alle Funktionen, die vernetztes und  kreatives Arbeiten und Lernen in der Schule und von au&#223;erschulischen  Lernorten aus unterst&#252;tzen. Verstetigen Sie mit lo-net² den effektiven  Einsatz von PCs, Notebooks, interaktiven Whiteboards und digitalen  Medien im Unterricht.“</p></blockquote>

<p>Kurz: Lo-Net versteht sich als eine nahezu alle Bed&#252;rfnisse von Schulen in Bezug auf E-Learning-/E-Teaching-Arrangements im Unterricht abdeckende Plattform, die nur berechtigten Nutzern (Schulen, Lehrern und &#252;ber sie angemeldeten Lerngruppen) zur Verf&#252;gung steht und somit einen gesch&#252;tzten Raum f&#252;r die Arbeit mit digitalen Vernetzungswerkzeugen bietet.</p>

<p>Auf Lehrer-Online findet sich folgende Beschreibung der Einsatzm&#246;glichkeiten von Lo-Net:</p>

<blockquote><p>„Die Spannweite der Einsatzm&#246;glichkeiten von lo-net² reicht von  Sekretariatsaufgaben der Schulorganisation bis hin zur eigentlichen  p&#228;dagogischen Arbeit in virtuellen Klassenr&#228;umen und f&#252;hrt alle an  Schule beteiligten Personen &#252;ber das Internet zusammen.“ (<a href="http://www.lehrer-online.de/arbeiten-mit-lo-net2.php" target="_blank">Quelle</a> – Mehr auf der verlinkten Seite)</p></blockquote>

<p>Potentiell handelt es sich bei Lo-Net also um eine sehr umfassende, damit aber potentiell auch datenintensive, Plattform, in der Daten aller an Schule beteiligten Personen anfallen. Doch dazu sp&#228;ter mehr.</p>

<h3>Eigene Erfahrungen mit Lo-Net</h3>

<p>Lo-Net war in aller Munde. Ich kam gar nicht umhin, mir einen Account freischalten zu lassen. Es gibt Schulen, in denen ist Lo-Net <em>das</em> Instrument, wenn es um digitalen Medieneinsatz im Unterricht geht. Die Idee fand ich spannend und dann war das ganze auch noch von einem gemeinn&#252;tzigen Verein ins Leben gerufen worden. Ja, das galt es nat&#252;rlich zu unterst&#252;tzen.</p>

<p>Aber: Ich habe Lo-Net im Unterricht nicht genutzt. Selbst mir, der ich mit digitalen Arbeitsinstrumenten nicht unerfahren bin, war die Benutzung zu kompliziert, zu wenig intuitiv. Es ist mir nicht gelungen, bei meinen Tests der Plattform einen Workflow zu entwickeln, der dem Flow-Effekt nahe kommt, den ich sonst im Umgang mit digitalen Instrumenten kenne.</p>

<p>Sicher: Ein Vorteil von Lo-Net ist, dass hier eine Plattform zur Verf&#252;gung steht, in die alle mit ihr arbeitenden Personen nur einmal eingef&#252;hrt werden m&#252;ssen. Wenn also Schulen als Ganzes auf diese Plattform setzen, wirkt dies der Zersplitterung entgegen, die eintritt, wenn ein Lehrer mit <a href="http://moodle.org" target="_blank">Moodle</a> arbeitet, ein anderer mit Lo-Net, ein dritter mit noch einer anderen Plattform. Ja, es ist sinnvoll, an einer Schule nur eine E-Learning-Plattform zu haben, wenn man eine solche will. Es ist sinnvoll, wenn die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler im Physik-Unterricht die gleiche Plattform nutzen k&#246;nnen wie im Deutschunterricht oder allen anderen F&#228;chern.</p>

<p>Laut <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/BildungForschungKultur/Schulen/Tabellen/Content75/AllgemeinbildendeSchulenSchularten,templateId=renderPrint.psml" target="_blank">Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2009/10 in Deutschland 34 642 Schulen</a>. &#220;ber 6500 von diesen (ca. 20%) nutzen nach der Selbstdarstellung der Website die Plattform lo-net, auch wenn aus den Daten bei lo-net nichts &#252;ber die Nutzungsintensit&#228;t an den teilnehmenden Schulen hervorgeht. Doch die Erfahrung lehrt mich, dass es in der Regel eher einige Lehrkr&#228;fte sind, die dieses System nutzen und nicht unbedingt ganze Kollegien.</p>

<p>Dennoch: Lo-Net hat den Fu&#223; in der T&#252;r von ca. jeder f&#252;nften Schule in Deutschland.</p>

<h3>Wenn der Betreiber wechselt – oder: Schule als Wirtschaftsfaktor</h3>

<p>Dieser Fu&#223; in der T&#252;r der Schulen hat nun einen neuen Namen bekommen, auch wenn es in den Schulen ein alt bekannter Name ist, da es sich um einen gewichtigen Schulbuchverlag handelt: Cornelsen.</p>

<p>Diesen Schritt halte ich f&#252;r bemerkenswert, sind die Schulbuchverlage doch bislang mit der Nutzung des Internets zur Unterst&#252;tzung des konkreten Unterrichts unter Ber&#252;cksichtigung von Web 2.0-Tools, vorsichtig ausgedr&#252;ckt, abwartend, zur&#252;ckhaltend bzw. einfach nicht pr&#228;sent. Das Kerngesch&#228;ft sind Schulb&#252;cher – und in diesem Bereich werden sehr beeindruckende Auflagen erzielt.</p>

<p>Entsprechend abh&#228;ngig sind Schulbuchverlage von den Mitteln, die politisch f&#252;r Bildung zur Verf&#252;gung gestellt werden. Naheliegend, dass entsprechend eher nicht zu erwarten ist, dass sich ein Verlag an Open-Source-Projekten beteiligt.</p>

<p>Verlage sind wirtschaftlich, das sage ich hier ohne jegliche Wertung, von geschlossenen Systemen wie dem Copyright oder propriet&#228;ren E-Learning-Plattformen abh&#228;ngig. lo-net war nie ein Open-Source-Projekt, wie man es bei mit &#246;ffentlichen Mitteln (Steuergeldern) gef&#246;rderten Angeboten eigentlich erwarten k&#246;nnte. F&#252;r einen Verlag also die ideale Plattform, um in diesem Bereich Fu&#223; zu fassen.</p>

<p>Vor diesem Hintergrund erscheinen mir dann auch die <a href="http://www.cornelsen.de/ueber_c/1.c.1967445.de?hasjs=1290348885&amp;submittedByForm=1&amp;gsid=1.c.1724890.de&amp;id=1967445&amp;in_no_cookies_but_javascript_loop=3&amp;javascript_manually_indicated_by_user=false" target="_blank">Forderungen zum Bildungsgipfel der Bundesregierung am 10. Juni 2010</a> sehr lesenswert, die sich auf der Website des Cornelsen-Verlags finden. Die Forderungen k&#246;nnen kurz gefasst so zusammengefasst werden: Bitte so viel Geld wie m&#246;glich in den Bildungssektor, vor allem dort, wo es um die Anschaffung von Bildungsmedien geht.</p>

<p>Unter anderem hei&#223;t es dort:</p>

<blockquote><p>„Mit digitalen Inhalten, die sich f&#252;r Kernaufgaben des Unterrichts nutzen  lassen und auf Lehrplan und Unterrichtssituation zugeschnitten sind,  w&#252;rden viele die Schulstunde medialer gestalten. Effizient werden  digitale L&#246;sungen erst mit geeigneten Inhalten und Konzepten, aber die  kosten Geld und m&#252;ssen bezahlt werden.“</p></blockquote>

<p>Ein verlockendes Argument mit automatisiertem Zustimmungspotential. Doch es ist die Logik eines Wirtschaftsunternehmens, die hier zum Ausdruck kommt. Ich warte z. B. bislang vergeblich darauf, dass es Schulb&#252;cher als E-Books gibt, die parallel zu den gedruckten Ausgaben genutzt werden k&#246;nnen. – Solche E-Books w&#228;ren nur ein erster Schritt, da eine 1:1-Abbildung der Schulb&#252;cher in digitaler Form weit unter den M&#246;glichkeiten bliebe, die digitale Lernmedien bieten k&#246;nnen, aber in der gegenw&#228;rtigen Situation erschiene mir ein ein solcher Schritt als erster Schritt als klares Zeichen, wohin es mit Unterrichtsmedien in den n&#228;chsten zehn Jahren gehen kann. Oder ist der Mangel an solchen E-Books Ausdruck eines mangelnden Marktes, sprich: Ausdruck der Distanz vieler Lehrender zu solchen Medien und deren Nutzung in Unterrichtskontexten?</p>

<p>Gleichzeitig entdecke ich Portale mit tollen Ans&#228;tzen, die aber geschlossene Systeme sind, zum Beispiel die vom Schroedel-Verlag betriebene Quizseite zur Lesef&#246;rderung <a href="http://www.antolin.de/" target="_blank">Antolin</a>, deren Nutzung f&#252;r Schulen bislang 169 Euro pro Jahr kostet (ab 1.1.2011 179 Euro), eine Klassenlizenz kostet bislang 35 Euro (ab 1.1.2011 39 Euro). Dar&#252;ber hinaus gibt es keine Lizenzen f&#252;r Privatpersonen (z. B. Eltern, die Antolin ihren Kindern zur Verf&#252;gung stellen wollen).</p>

<p>Angesichts der Tatsache, dass sich viele Schulbuchverlage im Rahmen digitaler Lernmedien nach wie vor auf plattformabh&#228;ngige Lernsoftware beschr&#228;nken, die die entsprechende Software in der Regel nur f&#252;r Windows-Rechner einsetzbar macht, l&#228;sst den „innovativen“ Anspruch erkennen, den Verlage haben, die auf browsergest&#252;tzte Angebote zu setzen beginnen, wie das bei Antolin der Fall, wie das nun aber auch bei der &#220;bernahme von Lo-Net durch Cornelsen zu beobachten ist.</p>

<h3>Zukunft der Bildungsmedien</h3>

<p>Es deutet sich also an, dass auch Schulbuchverlage zu der Meinung gelangen, dass die Zukunft der Bildungsmedien in gewissem Rahmen eine digitale sein k&#246;nnte. Da hier noch so manche Frage im didaktischen und methodischen Kontext offen ist, formuliere ich dies im Konjunktiv, denn die Entwicklung von Positionen zu diesem Thema ist nach wie vor im Fluss.</p>

<p>Dennoch sagen bereits heute manche Bildungsmenschen voraus, dass das Schulbuch vermutlich von E-Books abgel&#246;st werden wird. Dies halte ich f&#252;r die noch zur&#252;ckhaltendere Variante, die die M&#246;glichkeiten der medialen Integration in digitalen Lehrwerken m&#246;glicherweise zu knapp in den Blick nimmt. Die digitalen Ausgaben mancher Zeitungen f&#252;r Tablet-PCs zeigen teilweise schon, in welche Richtung eine solche Integration unterschiedlicher Medien gehen kann (Text, Bild, Audio, Video, interaktive Grafiken etc.)</p>

<p>In schulischen Bildungszusamenh&#228;ngen spielen solche Formen bislang eine eher zu vernachl&#228;ssigende Rolle, auch wenn der langsame Einzug von interaktiven Whiteboards und die langsam gr&#246;&#223;er werdende Verf&#252;gbarkeit von Beamern langsam zu einer solchen Integration hin f&#252;hrt.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/21/bildungsplattformen-schulbuchverlage-am-bsp-lo-net-und-antolin/#footnote_1_5262" id="identifier_1_5262" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nat&amp;#252;rlich werden schon heute unterschiedlichste Medien im Unterricht eingesetzt: Audio im Sprachenunterricht, Lehrfilme, Netzrecherchen etc., hier aber spreche ich von einer Integration dieser Optionen in digitalen Unterrichtsmaterialien / Lehrwerken, was noch einmal etwas ganz anderes ist.">2</a></sup></p>

<p>Diese Entwicklung hat zwar bislang nach au&#223;en hin kaum Niederschlag in den Angeboten der Schulbuchverlage gefunden, aber ich bin mir sicher, dass die entsprechenden Redaktionen diese Entwicklungen im Blick haben und &#252;berlegen, wie sie &#246;konomisch erfolgversprechend umgesetzt werden k&#246;nnen.</p>

<h3>Das Problem des Datenschutzes</h3>

<p>Doch so absehbar die Entwicklung hin zu digitalen Formen der Unterst&#252;tzung des Lernens auch ist, so gibt es dabei auch Probleme. Das schwerwiegendste scheint mir das des Datenschutzes zu sein. Was geschieht z. B. mit all den Daten, die auf einer Plattform wie Lo-Net generiert werden? Wer sich als registrierter Benutzer dieser Tage bei Lo-Net einloggt, soll sich mit der &#220;bertragung der Daten auf den neuen Betreiber einverstanden erkl&#228;ren, kann dieser aber auch widersprechen, was nat&#252;rlich mit dem Ende der M&#246;glichkeit des Einsatzes der Plattform im Unterricht verbunden ist.</p>

<p>Dabei bleiben zentrale Fragen offen. Z. B. kann ich in der <a href="https://www.lo-net2.de/ww3ee/554809.php?sid=77840636135189370029034613472740" target="_blank">Datenschutzerkl&#228;rung Lo-Nets</a> keinen Hinweis darauf finden, ob die Daten eigentlich serverseitig verschl&#252;sselt sind, was ich f&#252;r einen solchen, potentiell datenintensiven Dienst eigentlich voraussetze. Auch die E-Mail-Funktion in Lo-Net arbeitet unverschl&#252;sselt, sodass sich hier kein Mehrwert gegen&#252;ber „normaler E-Mail-Adressen“ ergibt, die ohne Verschl&#252;sselungstechnologie wie z. B. <a href="http://www.pgp.com/de/" target="_blank">PGP</a> oder <a href="http://www.gnupg.org/" target="_blank">GNUPG</a> arbeiten.</p>

<p>Zwar hei&#223;t es in der <a href="http://www.lo-net2.de/ww3ee/554809.php?sid=89512830323400455129036493649310" target="_blank">Datenschutzerkl&#228;rung</a> auf Lo-Net in der Fassung vom 17.11.2010:</p>

<blockquote><p>„In keinem Fall werden personenbezogene Daten der lo-net2 Mitglieder von der Cornelsen Verlag GmbH verkauft oder anderweitig vermarktet“,</p></blockquote>

<p>was im Vergleich zu der Nutzung personenbezogener Daten z. B. auf Facebook schon einmal ganz gut klingt, aber, zumindest kann ich keinen anders gearteten Hinweis finden, serverseitig scheint keine Verschl&#252;sselung der Daten zu erfolgen, auch wenn die Verbindung eingeloggter Benutzer verschl&#252;sselt ist (https), was so auch nicht jeder Anbieter als Standard erm&#246;glicht, sodass zumindest die Kommunikation mit dem Server „sicher“ ist.</p>

<p>Mit der &#220;bernahme von Lo-Net durch den Cornelsen-Verlag ist also die Notwendigkeit eines Einverst&#228;ndnisses des Daten&#252;bertragung an den neuen Anbieter verbunden, was rechtlich betrachtet eine Formalit&#228;t ist, die aber, angesichts der Tatsache, dass ich urspr&#252;nglich meine Daten einem gemeinn&#252;tzigen Verein gab, dann der &#220;bertragung auf die Lo-Net GmbH zustimmte und diese Daten nun einem der gewichtigen Schulbuchverlag &#252;bertragen werden sollen, ein qualitative Sprung ist, der mich nachdenklich stimmt.</p>

<h3>Das Problem des Copyrights</h3>

<p>In der Regel wird im schulischen Bereich das Copyright vor allem in Bezug auf kommerziell erstellte Inhalte von Schulbuch- und Bildungsmedienanbietern bezogen.</p>

<p>Mit der &#220;bernahme einer Plattform wie Lo-Net durch den Cornelsen-Verlag wird aber auch die Frage des Copyrights der von Lehrenden eigenst&#228;ndig erstellten Materialien relevant.</p>

<p>Gut, ich habe in den Nutzungsbedingungen zu Lo-Net <em>keinen</em> Hinweis gefunden, dass sich der Verlag die kommerzielle Nutzung der von Lehrenden eingestellten Materialien vorbeh&#228;lt, ich habe aber auch keinen Hinweis gefunden, dass das Copyright der erstellen Materialien dezidiert bei den Erstellern bleibt, was aber dann erst einmal die Regel sein d&#252;rfte, solange nichts anderes angegeben ist.</p>

<p>Wie aber wird sich dies weiter entwickeln? Es k&#246;nnte f&#252;r einen Verlag einen gewissen Reiz haben, Lehrern Raum f&#252;r Material und auch Materialtausch anzubieten, der dann vom Verlag kommerziell genutzt werden kann. Diese Gefahr sehe ich aktuell bei der &#220;bernahme von Lo-Net nicht, aber kommerziell gedacht ist das sicherlich ein verf&#252;hrerischer Gedanke…</p>

<h3>Alternativen und Visionen</h3>

<p>In den schon zitierten <a href="http://www.cornelsen.de/ueber_c/1.c.1967445.de?hasjs=1290348885&amp;submittedByForm=1&amp;gsid=1.c.1724890.de&amp;id=1967445&amp;in_no_cookies_but_javascript_loop=3&amp;javascript_manually_indicated_by_user=false" target="_blank">Forderungen zum Bildungsgipfel der Bundesregierung am 10. Juni 2010</a> hei&#223;t es:</p>

<blockquote><p>„Effizient werden  digitale L&#246;sungen erst mit geeigneten Inhalten und  Konzepten, aber die  kosten Geld und m&#252;ssen bezahlt werden.“</p></blockquote>

<p>Das ist richtig. Im Kontext bedeutet diese Aussage, verbunden mit der Forderung gen&#252;gend Mittel f&#252;r Bildungsmedien zur Verf&#252;gung zu stellen aber auch, dass hier prim&#228;r ein berechtigtes Interesse der Schulbuch- und Bildungsmedienanbieter ber&#252;cksichtigt wird.</p>

<p>Andererseits wird in den n&#228;chsten Jahren angesichts der ins Grundgesetz aufgenommenen „Schuldenbremse“ und der Gesamtverschuldung von Bund, L&#228;ndern und Kommunen, die Frage der Kosteneffizenz und der Einsparm&#246;glichkeiten im schulischen Bereich mit Sicherheit weiter eine wichtige Rolle spielen.</p>

<p>Doch von den finanziellen Fragen abgesehen, wenn es um Bildung geht, wird immer von Geld gesprochen, stellt sich die Frage, wie effiziente digitale L&#246;sungen mit geeigneten Inhalten und Konzepten eigentlich erstellt werden…</p>

<p>Zu diesem Thema habe ich mir an andere Stelle unter der &#220;berschrift <a title="Permanent Link: Schulb&#252;cher und freie Unterrichtsmaterialien" rel="bookmark" href="../../2010/05/01/schulbuecher-und-freie-unterrichtsmaterialien/">Schulb&#252;cher und freie Unterrichtsmaterialien</a> bereits Gedanken gemacht, die ich hier nicht wiederholen will.</p>

<p>Die Frage der Materialienpools zu Unterrichtsthemen, die Frage des Austauschs der von Lehrenden selbst erstellten Unterrichtsentw&#252;rfe und Materialien, wird in Kollegien immer mal wieder angesprochen. Ein solcher Austausch findet auch statt, selbst wenn mir immer wieder von Lehrenden berichtet wird, die auf ihren Materialien wie auf einem Schatz sitzen sollen – begegnet ist mir ein solcher Lehrer noch nicht, vielleicht ist das ja nur ein Mythos.</p>

<p>Offene, kostenfrei verf&#252;gbare Materialienpools w&#252;rden den Schulbuchverlagen sicher nicht gefallen, sie w&#252;rden mit Sicherheit all ihre Lobby-Kraft einsetzen, um dies zu verhindern, aber die L&#228;nder als Schultr&#228;ger k&#246;nnten durchaus in diesem Bereich viel zur Unterst&#252;tzung der Lehrenden tun, w&#252;rden sie Plattformen einrichten, die f&#252;r Lehrende zu echten Vernetzungsplattformen werden k&#246;nnten,   &#228;hnlich wie <a href="http://www.rpi-virtuell.net/home/uebersicht" target="_blank">rpi-virtuell</a> oder auch (angesichts sehr reduzierter Austauschm&#246;glichkeiten und eigentlich dringend n&#246;tiger, aber nicht vorhandener Qualit&#228;tssicherungsmechanismen nur in sehr eingeschr&#228;nktem Ma&#223;e vorbildich) <a href="http://4teachers.de/" target="_blank">4teachers</a>, was aber wiederum eine eher kommerziell ausgerichtete Plattform zu sein scheint, da von der <a href="http://www.4teachers.de/?action=static&amp;t=impressum" target="_blank">4teachers GmbH</a> betrieben.</p>

<p>Gel&#228;nge es, solche Plattformen einzurichten, diese mit Qualit&#228;tssicherungsmechanismen (Peer-Review etc.) auszustatten und so inhaltlich starke, methodisch und didaktisch angemessen aufbereitete Materialienpools zu entwickeln, so k&#246;nnte dies die Kosten f&#252;r effiziente digitale L&#246;sungen mit geeigneten Inhalten und  Konzepten vermutlich senken, sehr zum Leidwesen der Schulbuchverlage, die dann sicherlich die Frage des Arbeitsplatzabbaus in den Ring werfen w&#252;rden.</p>

<p>Angesichts der Entwicklung der Schulen hin zu Konzepten von Bildungsstandards und Kerncurricula, stellt sich sowieso die Frage, wenn die Schulen bez&#252;glich der Hauscurricula wirklich die Freiheit bekommen sollten, die zum Teil angedacht sind, welche Rolle in dieser Hinsicht relativ unflexible Schulb&#252;cher spielen k&#246;nnen.</p>

<p>Notwendig werden Module, die im Rahmen der Output-Orientierung neuer Vorgaben f&#252;r schulischen Unterricht genutzt werden k&#246;nnen und dar&#252;ber hinaus eine gewisse Flexibilit&#228;t erlauben. Es werden also Bildungsmaterialien ben&#246;tigt, die nicht mehr in einem Buch den Lehrplan eines Schuljahres abzudecken versuchen, weil es solche im klassischen Sinne vermutlich weniger ausgepr&#228;gt geben wird als bisher.</p>

<p>Idealerweise w&#252;rde auf diese Deregulierungstendenz innerhalb eines Bundeslandes mit digitalen Angeboten reagiert, weil diese analogen Angeboten gegen&#252;ber weit flexibler ausgestaltet und den jeweiligen Anforderungen angepasst werden k&#246;nnen.</p>

<p>Wenn zuk&#252;nftig die Fachkonferenzen der Schulen f&#252;r das Hauscurriculum zust&#228;ndig sind, das die Vorgaben der Bildungsstandards und Kerncurricula umsetzt, ist damit auch die Frage nach Unterrichtsmaterial verbunden. Es k&#246;nnte passieren, dass hier die Lehrenden nicht nur danach schauen, welche Materialien vorhanden sind, sondern auch selbst st&#228;rker in den Austausch geraten, als es sowieso schon h&#228;ufiger der Fall ist, als es in der &#214;ffentlichkeit wahrgenommen wird.</p>

<p>Wenn <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/19/kompetenzenorientiert-unterrichten-ein-vorschlag/" target="_blank">kompetenzorientierter Unterricht</a> zuk&#252;nftig dazu kommen sollte, dass Wissen durch den handelnden Umgang mit Problemen und mit Hilfe von Referenzmaterialien aufgebaut wird, also wirklich ein Wissensaufbau und nicht nur eine F&#228;higkeit zum Nachschlagen von Wissen erreicht wird, werden Schulb&#252;cher wohl eher Anleitungen zu solchen Arbeitsformen und das daf&#252;r notwendige Grundwissen verf&#252;gbar machen m&#252;ssen.  Da in diesem Rahmen aber digitale Arbeitsinstrument nach gegenw&#228;rtiger Projektion auf die Zukunft hin, eine wichtige Rolle spielen werden, werden die <a href="http://www.berlin.de/aktuelles/berlin/1335992-958092-studentenentwickelnschulbuchderzukunft.html" target="_blank">Schulb&#252;cher der Zukunft</a> – der Link verweist auf ein aktuelles Projekt, an dem der Cornelsen-Verlag beteiligt ist und zu den hier ge&#228;u&#223;ersten Vermutungen zur Unternehmenesstrategie zu passen scheint – m&#246;glicherweise vor allem Begleitmaterial zu digitalen Bildungsmedien sein, die dann aber weniger mono-mediale Angebote als viel mehr digital mediale Formen integrierende Bildungsmedien sein werden.</p>

<p>Nein, ich will analoge Lerninstrumente nicht aus den Klassenzimmern verbannen, auch wenn vieles daf&#252;r spricht, dass es in diese Richtung geht, weil ich B&#252;cher mag und mir deren Einsatz und die mit ihm verbundene haptische Erfahrung am Herzen liegt, aber auch, weil sich der analoge Prozess des Lernens durchaus auch in den eingesetzten Bildungsmedien widerspiegeln sollte.</p>

<p>Schulbuchverlage werden zuk&#252;nftig mehr Programmierer brauchen, sie werden Plattformen schaffen m&#252;ssen, in denen modular Bereiche genutzt werden k&#246;nnen. Das Gesch&#228;ftsmodell w&#252;rde sich dadurch dramatisch &#228;ndern, w&#252;rde man doch nicht mehr nur Content anbieten, sondern diesen Content in ein Lernumfeld stellen m&#252;ssen. Das k&#246;nnen vernetzte L&#246;sungen sein, das k&#246;nnen Applikationen f&#252;r digitale Endger&#228;te sein, die einerseits geschlossen sind, andererseits aber die Interaktion mit offenen Inhalten im Netz erm&#246;glichen w&#252;rden, wobei wir wieder bei der Copyrightfrage sind, denn wenn in solche Bildungsmedien dann zum Beispiel frei verf&#252;gbare Inhalte im Netz sehr stark integriert werden, daf&#252;r aber Lizenzgeb&#252;hren anfallen, w&#228;re es nur angemessen, wenn diejenigen, die Content bereitstellen, von diesen Lizenzgeb&#252;hren anteilig entlohnt w&#252;rden.</p>

<h3>Resumee</h3>

<p>Bildungsmedien sind, auch wenn in Schulen das Schulbuch noch dominiert, in einem Wandlungsprozess, dessen Ergebnisse noch offen sind. Schulbuchverlage m&#252;ssen sich aber bereits mit diesem Prozess befassen, wenn sie als Anbieter von Bildungsmedien zukunftsf&#228;hig sein wollen.</p>

<p>Gleichzeitig ist offen, ob dieser Wandel nicht zu Lernformen f&#252;hren wird, die an vielen Punkten auf Wissensbest&#228;nde zur&#252;ckgreifen, die in qualitativ hochwertiger Form frei in digitalen Netzwerken verf&#252;gbar sind.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/21/bildungsplattformen-schulbuchverlage-am-bsp-lo-net-und-antolin/#footnote_2_5262" id="identifier_2_5262" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich selbst mache mit herrlarbig.de die Erfahrung, dass z. B. Analysen literarischer Texte im Rahmen dieser Website stark nachgefragt sind. Sie stehen kostenlos zu Verf&amp;#252;gung (obwohl herrlarbig.de auch f&amp;#252;r mich mit Kosten jenseits der Freizeit, die ich zum Erstellen der Inhalte nutze, mit sich bringt">3</a></sup>. Wie Bildungsmedienanbierter konmerzieller Ausrichtung damit umgehen, wird sich zeigen.</p>

<p>Pers&#246;nlich bin ich der &#220;berzeugung, dass Bildung eine &#246;ffentliche Aufgabe ist, der Zugriff auf Inhalte, die im Bildungsprozess eine Rolle spielen, also m&#246;glichst wenigen Einschr&#228;nkungen unterliegen sollte. In der Wissenschaft weist hier die <a href="http://open-access.net/ch_de/allgemeines/was_bedeutet_open_access/" target="_blank">OpenAccess-Bewegung</a> einen Weg, der mir sehr sympathisch ist. – Ob er zu dem Gesch&#228;ftsmodell von Schulbuchverlagen passt, wage ich zu bezweifeln.</p>

<p>Dennoch: Vielleicht &#252;bernimmt Cornelsen Lo-Net mit dem idealistischen Interesse, dieser Plattform Bestandssicherheit zu geben; vielleicht aber ist diese &#220;bernahme auch ein Zeichen, dass die Zeichen der Zeit erkannt wurden und auf diesem Wege das Know-How-Portfolio des Verlages bereichert wird, wobei ich nicht unterstelle, dass der Zugriff auf die Arbeit von Lehrenden und Lernenden an ca. 6500 Schulen und die damit verbundenen Daten im Vordergrund steht. Diese &#220;bernahme ist ein Indiz, dass nun auch gro&#223;e Verlage ernsthaft die Bedeutung des Internets f&#252;r Lehr-Lern-Zusammenh&#228;nge erkennen und hier Fu&#223; zu fassen versuchen. Man darf gespannt sein, wie sich das in den n&#228;chsten Jahren weiter entwickeln wird.</p>

<p>Es sind aufregende Zeiten, in denen aber das eigentliche Ziel von Bildung nicht aus dem Blick verloren werden darf: Unabh&#228;ngig von eingesetzten Medien ist nicht derjenige gebildet, der viel kann, sondern derjenige, der das was er tut oder was ihm an Inhalten pr&#228;sentiert wird, reflektieren kann. <a href="http://kognitionspsychologie.suite101.de/article.cfm/metakognition-ein-zentrales-element-von-softskills" target="_blank">Metakognition</a> des eigenen Lernprozesse, und Metareflexion von Inhalten und Zusammenh&#228;ngen lauten die Schlagworte. Kurz: Ziel von Bildung sind Menschen, die zu eigenst&#228;ndigem, differenziertem, handlungsleitendem, Zusammenh&#228;nge erkennendem Denken und Handeln in der Lage sind.</p>

<p>Diese Ziele sind unabh&#228;ngig von eingesetzten Medien. In der Bildungsmediendiskussion d&#252;rfen diese Ziele nicht aus dem Auge verloren werden. Eine Diskussion, die die Form in den Vordergrund stellt, aber Inhalte und Ziele aus dem Blick verliert, w&#228;re der Verantwortung aller, die Bildungsprozesse verantwortlich initiieren und begleiten, unangemessen.</p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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	</item>
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		<title>Gefunden: Free iPads as an Add-On to the Face-to-Face-Learning at Adelaide-University (Podcast / English)</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Nov 2010 12:46:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Prof Bob Hill Dean of the Faculty of Science at the University of Adelaide in an interview about a new initiative of the Science Faculty to give every new first year undergraduate to the Science Program a free iPad and &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/21/gefunden-add-on-to-the-face-to-face-learning-at-adelaide-university-podcast-english/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Prof Bob Hill Dean of the Faculty of Science at the University of Adelaide in an interview about a new initiative of the Science Faculty to give every new first year  undergraduate to the Science Program a free iPad and even more important  a new way to learn at university.</p>

<p><object id="boo_player_1" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="400" height="129" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="data" value="http://boos.audioboo.fm/swf/fullsize_player.swf" /><param name="scale" value="noscale" /><param name="salign" value="lt" /><param name="bgColor" value="#FFFFFF" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="wmode" value="window" /><param name="FlashVars" value="mp3Title=Free+iPads+and+great+teaching%3A+does+it+get+better+than+that%3F&#038;mp3Time=04.58am+17+Sep+2010&#038;rootID=boo_player_1&#038;mp3=http%3A%2F%2Faudioboo.fm%2Fboos%2F183583-free-ipads-and-great-teaching-does-it-get-better-than-that.mp3%3Fsource%3Dembed&#038;mp3Author=BetweenTheButtons&#038;mp3LinkURL=http%3A%2F%2Faudioboo.fm%2Fboos%2F183583-free-ipads-and-great-teaching-does-it-get-better-than-that" /><param name="src" value="http://boos.audioboo.fm/swf/fullsize_player.swf" /><param name="bgcolor" value="#FFFFFF" /><param name="flashvars" value="mp3Title=Free+iPads+and+great+teaching%3A+does+it+get+better+than+that%3F&#038;mp3Time=04.58am+17+Sep+2010&#038;rootID=boo_player_1&#038;mp3=http%3A%2F%2Faudioboo.fm%2Fboos%2F183583-free-ipads-and-great-teaching-does-it-get-better-than-that.mp3%3Fsource%3Dembed&#038;mp3Author=BetweenTheButtons&#038;mp3LinkURL=http%3A%2F%2Faudioboo.fm%2Fboos%2F183583-free-ipads-and-great-teaching-does-it-get-better-than-that" /><embed id="boo_player_1" type="application/x-shockwave-flash" width="400" height="129" src="http://boos.audioboo.fm/swf/fullsize_player.swf" flashvars="mp3Title=Free+iPads+and+great+teaching%3A+does+it+get+better+than+that%3F&#038;mp3Time=04.58am+17+Sep+2010&#038;rootID=boo_player_1&#038;mp3=http%3A%2F%2Faudioboo.fm%2Fboos%2F183583-free-ipads-and-great-teaching-does-it-get-better-than-that.mp3%3Fsource%3Dembed&#038;mp3Author=BetweenTheButtons&#038;mp3LinkURL=http%3A%2F%2Faudioboo.fm%2Fboos%2F183583-free-ipads-and-great-teaching-does-it-get-better-than-that" wmode="window" allowscriptaccess="always" bgcolor="#FFFFFF" salign="lt" scale="noscale" data="http://boos.audioboo.fm/swf/fullsize_player.swf"></embed></object></p>

<p><a href="http://audioboo.fm/boos/183583-free-ipads-and-great-teaching-does-it-get-better-than-that.mp3?source=detail">Listen as MP3 if Flash is disabled.</a></p>

<p>Dass Prof. Hill als Dekan der naturwissenschaftlichen Fakult&#228;t hier <em>ein</em> Produkt ins Zentrum stellt, liegt wohl im Mangel an echten Alternativen im Augenblick, was er in dem Interview selbst auch anspricht. Er spricht ausdr&#252;cklich davon, dass man an der Universit&#228;t Adelaide ein (im Vorfeld scheinbar gut &#252;berlegtes) Experiment wage, gibt in dem Gespr&#228;ch aber dar&#252;ber hinaus einige spannende &#220;berlegungen von sich, in denen es um die Frage zuk&#252;nftiger Lehre und die Rolle von Fach&#252;chern an der Universit&#228;t geht. Die Face-to-Face-Situation wird von Hill berechtigterweise aber nach wie vor als zentrales Instrument in Bildungsprozessen angesehen.</p>

<p>Man kann in Adelaide auch ohne Tablet-Computer studieren, das Projekt versteht sich als ein m&#246;gliches „Add-On“, das aber nicht vorausgesetzt wird, um erfolgreich studieren zu k&#246;nnen. Mal schauen, was wir von diesem Programm einer Universit&#228;t noch h&#246;ren werden. Ich bin auf die Impulse gespannt, die von einem solchen Projekt f&#252;r die Lehre, sei es an Universit&#228;ten oder auch an Schulen, insgesamt ausgehen werden.</p>

<p>Nachtrag (22.11.2010): Auch an deutschen Universit&#228;ten gibt es &#228;hnliche Projekte, wie <a target="_blank" href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/514846">hier</a> nachgelesen werden kann. <strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Sch&#252;leraktivit&#228;t im Unterricht: Die Infrarotkamera-Metapher</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Nov 2010 18:35:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Man stelle sich vor, unterrichtsbezogene geistige Aktivit&#228;t erzeugte W&#228;rme: Wie s&#228;he dann wohl das Bild aus, das eine Infrarotkamera von einer Unterrichtsstunde in der Schule aufzeichnete? Je mehr Blau zu sehen ist, um so weniger W&#228;rme (in der Metapher »geistige &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/07/aktivitaetsverteilung-im-unterricht-die-infrarotkamera-metapher/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man stelle sich vor, unterrichtsbezogene geistige Aktivit&#228;t erzeugte W&#228;rme: Wie s&#228;he dann wohl das Bild aus, das eine Infrarotkamera von einer Unterrichtsstunde in der Schule aufzeichnete? Je mehr Blau zu sehen ist, um so weniger W&#228;rme (in der Metapher »geistige Aktivit&#228;t«) ist vorhanden; je mehr Rot zu sehen ist, um so mehr W&#228;rme (in der der Metapher: »geistige Aktivit&#228;t«) wird erzeugt. Wo im Bild w&#228;ren die meisten Blau- und wo die meisten Rotanteile zu sehen? Und was w&#252;rde ein solches Bild aussagen?</p>

<p>Zun&#228;chst einmal k&#246;nnte man sehr schnell erkennen, wessen »Kopf« am meisten »raucht«. Ist es der Lehrer, der sich in einer One-Wo-Man-Show abstrampelt, in den Vordergrund dr&#228;ngt, einen Vortrag h&#228;lt, alle geistige Aktivit&#228;t der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler durch schnelle Intervention unterbindet? Ist auf dem »Infrarotbild« ein gro&#223;er, sonnenartig leuchtender, roter Bereich rund ums Lehrerpult zu sehen, der wie in einen blauen Himmel eingef&#252;gt wirkt, der h&#246;chstens manchmal von orangefarbenen Flecken durchbrochen wird? Ein solches Abbild einer Unterrichtsstunde w&#252;rde zu dem nahezu sprichw&#246;rtlich gebrauchtem »Wenn alles schl&#228;ft und einer spricht, das nennt der Mensch dann Unterricht« gut passen. – Ein solches Bild w&#228;re, wenn es den Dauerzustand in einem Schuljahr widerspiegelt – denn nat&#252;rlich kann es auch mal Stunden geben, in denen ein solches Bild entsteht, auch wenn es in anderen Stunden ganz anders aussieht – eher Zeugnis eines Unterrichts, dessen Gestaltung in Bezug auf die Aktivit&#228;tsverteilung Ver&#228;nderungen verlangt.</p>

<p>Und selbst in Situationen, in denen die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler f&#252;r den Lehrer »aktiv« wirken, muss diese Einsch&#228;tzung noch nicht der Wirklichkeit entsprechen. &#220;berspitzt, &#252;bertrieben und in dieser Form nat&#252;rlich nie vorkommend, kann diese Gefahr der Fehleinsch&#228;tzung am Beispiel des »Einwort-Antworten«<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/07/aktivitaetsverteilung-im-unterricht-die-infrarotkamera-metapher/#footnote_0_5134" id="identifier_0_5134" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ein-Wort-Antworten m&amp;#252;ssen nicht unbedingt aus nur einem Wort bestehen. Gemeint sind Antworten, die aus unvollst&amp;#228;ndigen S&amp;#228;tzen bestehen oder &amp;#228;hnlich knapp ausfallen">1</a></sup> feiernden Lehrers verdeutlicht werden. Das Beispiel ist v&#246;llig konstruiert, aber hoffentlich nachvollziehbar:</p>

<blockquote>Lehrer: Welchen Eindruck haben Sie beim Lesen von Eichendorffs Gedicht »Mondnacht« gewonnen?<br />
Sch&#252;ler: …sch&#246;nes Gedicht…<br />
Lehrer: Ja, sehr gut. Toll, dass Sie das erkannt haben. Dieser Weg vom Gef&#252;hl hin zu Sprache. Diese erste Strophe, die gleich mit einer Assoziation anhebt und das Ideal der Romantik verk&#246;rpert, dass Erde und Himmel einander verbunden werden, dass Verstand und Gef&#252;hl miteinander ausges&#246;hnt werden, wobei sich die Romantiker dann ja doch eher dem Gef&#252;hl hingegeben haben…<br />
anderer Sch&#252;ler: Romantiker dachten ganz anders als Kant!<br />
Lehrer: Genau. Kant forderte auf, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, »sapere aude« und das war ja auch ganz wichtig, weil das alte Denken Europa in eine Krise gef&#252;hrt hatte und ganz offensichtlich an vielen Punkten nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatte. Denken Sie nur an Gallilei… Aber der reine Verstand wurde von vielen auch als k&#252;hl empfunden. Wissen sie warum?<br />
Sch&#252;ler: Ja, Ganzheitlichkeit…<br />
Lehrer: Prima. Darum geht es Romantikern. Liebe zu sp&#252;ren, der Sehnsucht nach Ferne nachzugehen, Wirklichkeiten zu suchen, die hinter den rationalen Wirklichkeiten liegen. Daf&#252;r gab es ein Symbol!?<br />
Sch&#252;lerin: Die blaue Blume!<br />
Lehrer: Ja, die blaue Blume. Von Novalis im Roman »Heinrich von Ofterdingen« zum Symbol f&#252;r eine ganze Epoche gemacht, jene die Sehnsucht ausdr&#252;ckende blaue Blume…<br />

…und so weiter und f&#252;r alle F&#228;cher kann man sich bestimmt &#228;hnliche Szenarien konstruieren.</blockquote>

<p>Hier gl&#252;ht der Lehrer, er ist begeistert, denkt, formuliert, gibt Antworten – und w&#228;re nach der Stunde mit der Stunde wahrscheinlich sehr zufrieden, denn die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler haben doch so viel gewusst, sich so engagiert und treffend in den Unterricht eingebracht… Die »Infrarotkamera« w&#252;rde aber sehr schnell zeigen, dass das Aktivit&#228;tszentrum dieses Unterrichts beim Lehrer liegt. Bei solchen Szenarien ist anzunehmen, dass die Nachhaltigkeit des »Gelernten«, in Wirklichkeit vom Lehrer Vorgetragenen, mit &#228;u&#223;erst geringen Halbwertszeiten anzusetzen ist, sodass ein solcher Unterricht kaum erkennbare Progression des Lernens mit sich bringt, letztlich also, am Ziel der Progression des Lernens orientiert, vermutlich eher schlechter Unterricht sein d&#252;rfte, in dem die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler vor allem lernen, dass der Lehrer ein gebildeter Mensch ist, der sich in seiner Materie auskennt…</p>

<p>Wie aber s&#228;he ein Infrarotbild des Unterrichtes aus, wenn die Aktivit&#228;tsstr&#228;nge des Unterrichts nicht beim Lehrer fokussiert sind, sondern in die Lerngruppe hinein gegeben werden? Wieder eine Konstruktion, auch folgendes Gespr&#228;ch habe ich mir ausgedacht. Gleiches Thema, anderer Lehrer (oder der gleiche Lehrer nach dem Lesen dieses Artikels):</p>

<blockquote>Lehrer: Welchen Eindruck haben Sie beim Lesen von Eichendorffs Gedicht »Mondnacht« gewonnen?<br />
Sch&#252;ler: …sch&#246;nes Gedicht…<br />
Lehrer:
Was macht das Gedicht f&#252;r Sie denn zum sch&#246;nen Gedicht?<br />
Sch&#252;ler 1: Die Sprache ist sch&#246;n.<br />
Sch&#252;lerin 1: Ja, sie flie&#223;t so dahin, wie… na…, ja, wie die Luft, die da durch die Felder geht…<br />
Sch&#252;ler 2: …wie diese &#196;hren, die sich im Wind sacht wiegen…<br />
Sch&#252;ler 1: Mir gef&#228;llt das mit dem Kuss in den ersten Zeilen…<br />
Lehrer: Bei einem Gedicht sprechen wir besser von Versen. Ihnen gef&#228;llt also der Kuss in den Versen 1 und 2? Wer k&#252;sst sich da denn? Und warum?<br />
Sch&#252;ler 1: Ja, ist schon komisch, aber da k&#252;ssen sich Himmel und Erde. So richtig verstehen tu ich das aber nicht.<br />
Sch&#252;lerin 2: Na, Himmel und Erde! Wir haben doch davon gesprochen, dass die Romantik nach dem suchte, was &#252;ber die direkt erkennbare Wirklichkeit raus geht…<br />
Sch&#252;ler 3: Was meinst du mit »direkt erkennbarer Wirklichkeit«?<br />
Sch&#252;lerin 2: Na, da war doch was mit der Aufkl&#228;rung, aber… Ach, Mist, das f&#228;llt mir gerade nicht ein…<br />
Lehrer: Kann jemand weiter helfen?<br />
Sch&#252;ler 4: Die Aufkl&#228;rung wollte, dass die Menschen ihren Verstand benutzen, Sachen genau anschauen. So… also… Ja, so wie das z. B. die Naturwissenschaften machen…<br />
Sch&#252;ler 5: Aber was Liebe ist k&#246;nnen Naturwissenschaftler nicht wirklich erkl&#228;ren…<br />
Sch&#252;ler 6: Warum denn nicht? Die Gehirnforschung wei&#223; doch, welche Regionen im Gehirn aktiv sind, wenn einer verknallt ist…<br />
(Klasse lacht)<br />
Sch&#252;ler 5: Ja, schon, aber erkl&#228;rt das schon »Liebe«, wenn man wei&#223; was im Gehirn geschieht oder wenn Biologen sagen k&#246;nnen, wie die Hormone da reagieren?<br />
Sch&#252;lerin 2: Ja, genau, das wollte ich sagen. Die Aufkl&#228;rung ist wie die Gehirnforschung. Die Romantiker merkten aber, dass so kaltes »Verstehen« nicht viel von ihrer Wirklichkeit trifft.<br />
Sch&#252;lerin 3: Und in dem Gedicht wird dann ja auch von der Seele gesprochen. Moment. Ja, da, in Vers 9. Das ist doch auch so was, was die Aufkl&#228;rung nicht erkl&#228;ren kann…<br />

…und so weiter</blockquote>

<p>Hier w&#228;re das Bild gleichm&#228;&#223;ig eher r&#246;tlich gef&#228;rbt, die geistige Aktivit&#228;t ist dort, wo sie im Unterricht ihren Ort hat: Bei den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern. Der Lehrer aus dem ersten Beispiel f&#228;nde diese Stunde vielleicht nicht ganz so gelungen, wie seine eigene, da hier weniger schnell und klar die seinem Zugang zum Gedicht wichtigen Begriffe gefallen sind, aber im Gegensatz zu dem ersten Beispiel, sind hier vor allem die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler aktiv. – Damit ist noch nichts &#252;ber die Frage gesagt, wie die Ergebnisse einer solchen Unterrichtsstunde gesichert werden k&#246;nnen. Das ist aber auch nicht der Gegenstand der Infrarotkamer-Metapher.</p>

<p>Aus der aktuellen Bildungsforschung wissen wir, dass, um im Bild zu bleiben, ein gleichm&#228;&#223;ig r&#246;tlich gef&#228;rbtes Bild der metaphorisch gedachten Infrarotkamera in der Regel zu einer erkennbaren Progression des Lernens f&#252;hrt, ein Fortschritt im Wissen und auch im Bereich der Kompetenzen sichtbar wird. Ein solcher Unterricht st&#228;rkt zudem das Selbstwertgef&#252;hl der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die selbst etwas entdeckt, durchdacht, getan haben.</p>

<p>Die Metapher der Infrarotkamera ist &#252;brigens auf unterschiedlichste Unterrichtsszenarien &#252;bertragbar, nicht nur auf Unterrichtsgespr&#228;che… Hier aber geht es zun&#228;chst einmal um die Vorstellung der Metapher, auf die mich eine Kollegin gebracht hat und die mir so einsichtig erschien, dass ich mir ein wenig mehr Gedanken &#252;ber sie machen wollte, woraus dieser Artikel entstanden ist.</p>

<p>Wie sehen Sie / seht Ihr diese Metapher? – Kommentare erw&#252;nscht <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> <strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Mischwald und Monokultur: Offene Unterrichtsformen und direkte Instruktion</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 22:46:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als erste These formuliert Hilbert Meyer in „Was ist guter Unterricht“1 die Aussage, dass Mischwald besser als Monokultur sei. Meyer bezieht sich mit dieser These auf die Frage, ob Unterricht eher lehrerzentriert, also durch direkte Instruktion, oder eher offen, stark &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/08/17/mischwald-und-monokultur-offene-unterrichtsformen-und-direkte-instruktion/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als erste These formuliert Hilbert Meyer in „Was ist guter Unterricht“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/08/17/mischwald-und-monokultur-offene-unterrichtsformen-und-direkte-instruktion/#footnote_0_3629" id="identifier_0_3629" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hilbert Meyer, Was ist guter Unterricht, Berlin (Cornelsen Scriptor) 2004, S. 9.">1</a></sup> die Aussage, dass Mischwald besser als Monokultur sei.</p>

<p>Meyer bezieht sich mit dieser These auf die Frage, ob Unterricht eher lehrerzentriert, also durch direkte Instruktion, oder eher offen, stark von den Lernenden selbst reguliert, erfolgreich sein k&#246;nne. <span id="more-3629"></span>Dabei kommt er zu dem Schluss, dass empirische Daten bis heute keine &#220;berlegenheit eines dieser Konzepte belegen k&#246;nnen.</p>

<p>Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil in der Ausbildung scheinbar sehr stark auf die Eigenaktivit&#228;t der Lernenden gelegt wird. Scheinbar? Denke ich an die genauen Formulierungen zur&#252;ck, die ich in der Ausbildung w&#228;hrend des Referendariates zu h&#246;ren bekam, so hie&#223; es dort immer, dass es vor allem darum gehe, dass bei den Lernenden kognitive Prozesse nachvollziehbar sichtbar werden.  Nachvollziehbare kognitive Prozesse sind aber solche, die keines der beiden scheinbar im Widerstreit liegenden Konzepte von eher offenem und eher direkt instruierenden Unterrichtens bevorzugen, sondern ganz klar sch&#252;lerorientiert sind: Wird im Unterricht ein Prozess des Nachdenkens, der kognitiven Leistung der Lernenden sichtbar?</p>

<p>Der Vorteil eher offenen Unterrichts ist im Rahmen einer solchen Erwartung scheinbar, dass eine starke Eigent&#228;tigkeit von Lernenden relativ leicht erzeugt werden kann.</p>

<p>Doch „Eigent&#228;tigkeit“ bedeutet nicht, dass diese auch mit nachvollziebahren kognitiven Prozessen, die auf ein nachhaltiges Lernen hin ausgerichtet sind, sichtbar werden. „Eigent&#228;tigkeit“ kann auch sehr mechanisch ablaufen, Arbeitsauftr&#228;ge k&#246;nnen auch erf&#252;llt werden, ohne dass dies mit „kognitiven Prozessen“ nachhaltiger Art verbunden sein muss.</p>

<p>Meyer kommt daher zu dem Schluss, das Mischwald in diesem Zusammenhang besser als Monokultur sei, dass also ein Gleichgewicht zwischen direkter Instruktion und offenem Unterricht m&#246;glicherweise zu den nachhaltigsten Lernerfolgen f&#252;hren k&#246;nnte.</p>

<p>Das hei&#223;t aber auch, dass Lehrende, bei allen pers&#246;nlichen Vorlieben, was den Einsatz von Methoden angeht, einen Ausgleich zwischen direkter Instruktion und offenem Unterricht finden m&#252;ssen.</p>

<p>Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eigene Erfahrungen in der Schule und ganz besonders im Studium. Immer wieder erlebte ich Professoren, deren Seminare vor allem aus von den Professoren weitgehend unkommentierten Referaten bestanden.</p>

<p>Ich empfand dies immer als unbefriedigend, weil ich das Gef&#252;hl hatte, dass die entsprechenden Professoren uns gegen&#252;ber die Weitergabe ihres Wissens verweigerten.</p>

<p>Andere Professoren hingegen waren von ihrer Materie so begeistert, dass sie ausschlie&#223;lich dieses vortrugen, was ich als ebenso unbefriedigend empfand, weil sie uns als Seminarteilnehmer nach meinem Eindruck aus dem aktiven Denkprozess rund um Thema ausschlossen und den Eindruck erweckten, sie w&#252;ssten alles und angesichts dieser Allwissenheit sei unser eigenes Nachdenken eher &#252;berfl&#252;ssig, da wir es durch Erlernen der vorgestellten Konzepte ersetzen k&#246;nnten.</p>

<p>Spannend fand ich die Professoren, die Forschungsergebnisse zur Diskussion stellten, uns mit ihnen zum Nachdenken auch zum Widerspruch bringen wollten, indem sie einerseits Forschungsergebnisse anschaulich und authentisch vorstellten, dann aber Prozesse in Seminaren initiierten, die darauf aus waren, dass wir uns reflexiv mit dem vorgestellten Wissen besch&#228;ftigten und gegebenenfalls auch zu anderen Ergebnissen kommen.</p>

<p>Unterricht ist weder eine Monokultur noch eine Einbahnstra&#223;e von einem Wissenden zu Unwissenden hin. Zumindest in den geisteswissenschaftlichen F&#228;chern gilt dies. Vielmehr geht es darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem sowohl die Aneignung von Wissen, in deren Rahmen Lehrende durchaus sowohl all das zeigen sollten, was sie von Lernenden z. B. im Rahmen von „Referaten“ erwarten, als auch die eigene Reflexion von Wissen ihren Raum finden lassen, sodass es durchaus passieren kann, dass Lehrende angesichts der Reflexionsprozesse in einer Lerngruppe selbst zu neuen Erkenntnissen kommen k&#246;nnen und im Rahmen des Unterrichtens auch zu Lernenden werden k&#246;nnen, die die Denkprozesse der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen so ernst nehmen, dass diese gegebenenfalls auch die bisherige Position des Lehrers ver&#228;ndern oder vertiefen k&#246;nnen.</p>

<p>Einen „Mischwald“ der Unterrichtskonzepte und der Methoden verspricht letztlich am ehesten „guten Unterricht“, nicht zuletzt, weil ein solcher „Mischwald“ bereits differenzierend wirkt und so unterschiedliche Lerntypen in Lerngruppen anzusprechen vermag.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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	Tags: <a href="http://herrlarbig.de/tag/bildung/" title="Bildung" rel="tag">Bildung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/direkte-instruktion/" title="direkte Instruktion" rel="tag">direkte Instruktion</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/diskussion/" title="Diskussion" rel="tag">Diskussion</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/erfahrungen/" title="Erfahrungen" rel="tag">Erfahrungen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/forschung/" title="Forschung" rel="tag">Forschung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gleichgewicht/" title="Gleichgewicht" rel="tag">Gleichgewicht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lesetagebuch/h-meyer-guter-unterricht/" title="H. Meyer – Guter Unterricht" rel="tag">H. Meyer – Guter Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lehrende/" title="Lehrende" rel="tag">Lehrende</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lehrer/" title="Lehrer" rel="tag">Lehrer</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lesetagebuch/" title="Lesetagebuch" rel="tag">Lesetagebuch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/methodenvielfalt/" title="Methodenvielfalt" rel="tag">Methodenvielfalt</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/methodik/" title="Methodik" rel="tag">Methodik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/offener-unterricht/" title="offener Unterricht" rel="tag">offener Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/reflexion/" title="Reflexion" rel="tag">Reflexion</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/reflexionsprozesse/" title="Reflexionsprozesse" rel="tag">Reflexionsprozesse</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schule/" title="Schule" rel="tag">Schule</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schueler/" title="Schüler" rel="tag">Schüler</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schuelerinnen/" title="Schülerinnen" rel="tag">Schülerinnen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/unterricht/" title="Unterricht" rel="tag">Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wissen/" title="Wissen" rel="tag">Wissen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wissenschaft/" title="Wissenschaft" rel="tag">Wissenschaft</a><br />
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		<title>Bin&#228;re Codes und die Bildung der Zukunft: Eine Replik zu Schirrmachers „Payback“</title>
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		<pubDate>Mon, 24 May 2010 15:36:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Was mich angeht, so muss ich bekennen, dass ich nicht bereit bin, meine geistigen F&#228;higkeiten von au&#223;en kommenden Informationsfluten unterzuordnen.</p>

<p>Ich reguliere den Zufluss an E-Mails, pflege regelm&#228;&#223;ig meine Follower-Liste auf Twitter, indem ich jeden „Marketingexperten“, „Haben Sie Erfolg im Web“ und sonstigen selbst ernannten Guru, der mir folgt, l&#246;sche, auch wenn ich gar nicht gezwungen bin, ihm auch zu folgen. SMS setze ich sparsam ein, Feeds laufen nicht mehr als 100 pro Tag ein, von denen ich mir vielleicht 10 n&#228;her anschaue und die Texte lese. Facebook war ein kurzes Intermezzo, da es gegen&#252;ber Twitter f&#252;r mich keinen Mehrwert brachte und mich zudem mit seinem Verst&#228;ndnis von „Datenschutz“ in Rage brachte. Ich habe diesen Verzicht und die Reduktion der Informationsfl&#252;sse, die t&#228;glich bei mir ankommen noch keinen Tag bereut.  – Wie einst die Fl&#252;sse reguliert wurden, um Hochwasser zu vermeiden, habe ich mich fr&#252;hzeitig entschlossen, den Informationsfluss zu regulieren, auf dass er mich nicht &#252;berschwemmen m&#246;ge.</p>

<p>Und dennoch: Ohne Computer kann ich mir weder die Kommunikation mit anderen Menschen noch meine allt&#228;gliche Arbeit mehr vorstellen. Ohne Suchmaschinen, es muss ja nicht immer Google sein, w&#252;rde ich mich wahrscheinlich neu orientieren m&#252;ssen, bin aber guter Dinge, dass dies gelingen k&#246;nnte, denn ich geh&#246;re noch zu denen, die einen Zettelkastenkatalog in Bibliotheken zu nutzen gelernt haben.</p>

<p>Und dabei bin ich viel j&#252;nger als Frank Schirrmacher, dem die Navigation in digitalen Welten zumindest ansatzweise eine &#220;berforderung zu sein scheint. So zumindest mein Eindruck beim Lesen seines Buches „Payback. Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht wollen, und wie wir die Kontrolle &#252;ber unsere Daten zur&#252;ckgewinnen“. Schirrmacher schreibt: „Ich werde [von der Masse digital eingehender Daten TL] aufgefressen“ (S. 15), auch wenn er seinen digitalen Bankrott noch nicht erkl&#228;rt.</p>

<p>„Die digitale Gesellschaft ist im Begriff, ihr Innenleben umzuprogrammieren. Auf der ganzen Welt haben Computer damit begonnen, ihre Intelligenz zusammenzulegen und ihre inneren Zust&#228;nde auszutauschen; und seit ein paar Jahren sind die Menschen ihnen auf diesem Weg gefolgt. Solange sie sich von Maschinen treiben lassen, werden sie hoffnungslos unterlegen sein”, so Schirrmacher (S. 20), der die Angst, etwas zu verpassen, als eine der treibenden Kr&#228;fte bei diesem Prozess sieht.</p>

<p>Und &#228;hnlich, wie sich einst Platon<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_0_2715" id="identifier_0_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&bdquo;.&hellip; diese Kunst [die Erfindung der Buchstaben und damit der Schrift TL] wird Vergessenheit schaffen in den Seelen derer, die sie erlernen, aus Achtlosigkeit gegen das Ged&amp;#228;chtnis, da die Leute im Vertrauen auf das Schriftst&amp;#252;ck von au&amp;#223;en sich werden erinnern lassen durch fremde Zeichen, nicht von innen heraus durch Selbstbesinnen. Also nicht ein Mittel zur Kr&amp;#228;ftigung, sondern zur St&amp;#252;tzung des Ged&amp;#228;chtnisses hast du gefunden. Und von Weisheit gibst du deinen Lehrlingen einen Schein, nicht die Wahrheit: wenn sie vieles geh&amp;#246;rt haben ohne Belehrung, werden sie auch viel zu verstehen sich einbilden, da sie doch gr&amp;#246;&amp;#223;tenteils nichts verstehen und schwer zu ertragen sind im Umgang, zu D&amp;#252;nkelweisen geworden und nicht zu Weisen&ldquo; &ndash; Platon: Phaidros. In: S&amp;#228;mtliche Dialoge. Hamburg 1993, Bd. 2, S.103.">1</a></sup> beklagte, dass die Schrift das Ged&#228;chtnis schw&#228;che, da sie externe Ged&#228;chtnisse erm&#246;gliche, stellt Schirrmacher nun fest, freilich ohne auf die lange Geschichte dieses kulturkritischen Topos zu verweisen, dass nun das Denken buchst&#228;blich nach au&#223;en wandere, unser Inneres verlasse und sich auf digitalen Plattformen abspiele. – Dennoch geht Schirrmacher nicht so weit, die Chancen der neuen (&#252;brigens von Menschen gemachten) Gegebenheiten zu verneinen, auch wenn ihm deutlich eine gro&#223;e Skepsis gegen&#252;ber als notwendiges &#220;bel empfundenen digitalen Kommunikationstechnologien anzumerken ist.</p>

<p>Schirrmachers These ist dabei so zutreffend und wie auch wenig neu, wenn er von einer kognitiven Wende der Menschheit spricht, in deren Zentrum eine ver&#228;nderte Struktur des Gehirns stehen k&#246;nnte. Fast will ich antworten: Nat&#252;rlich ver&#228;ndert der Code, den wir als Mittel unserer Kommunikation verwenden, unser Denken, ja, unser gesamtes Weltbild. Wie w&#228;re sonst das westlich-lineare Weltbild denkbar, wenn nicht auf der Basis eines Buchstaben-Codes, auf Grundlage des Alphabets, dass diese Form des linearen Verst&#228;ndnisses von Wirklichkeit &#252;berhaupt erst in unsere Gehirne gebracht hat. F&#252;r jeden, der den &#220;bergang zur Alphabetschrift reflektierend miterlebte, muss es &#228;hnlich erschreckend gewesen sein, dass an die Stelle eines durch die Jahresrhythmen gepr&#228;gten Denkens, dass sich in seiner zirkul&#228;ren Strukturen in den &#246;stlichen Religionen bis heute zeugt, nun eine lineare Struktur trat. (Zu diesem Thema komme ich sp&#228;ter noch einmal zur&#252;ck.)<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_1_2715" id="identifier_1_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. hierzu: Kerckhove, Derrick de (1995), Schriftgeburten. vom Alphabet zum Computer, M&amp;#252;nchen, Fink">2</a></sup></p>

<p>Was passiert, wenn man Computer und Internet nicht nur als Werkzeuge sieht, sondern als »Psychotechnologien«<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_2_2715" id="identifier_2_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Kerckhove, Derrick de (1995), Schriftgeburten. vom Alphabet zum Computer, M&amp;#252;nchen, Fink, 18.">3</a></sup> versteht? Diese Annahme scheint mir so befremdlich nicht zu sein: Es ist nicht nur so, dass Software und die auf ihr beruhenden Anwendungen, zu denen auch all die Optionen im World-Wide-Web geh&#246;ren, Arbeit abnimmt; sondern vielmehr wohl auch so, dass die Programme auch ihre Nutzer programmieren.</p>

<p>Die Form der Arbeit hat sich mit Computern und dem auf ihnen basierenden Internet v&#246;llig ver&#228;ndert und es ist heute schon kaum noch vorstellbar, wie man &#252;berhaupt je ohne diese Maschinen in der Lage gewesen sein kann, Texte zu schreiben, Wissenschaft zu betreiben und den Alltag zu bestehen.</p>

<p>Computer und (digitale) audio-visuelle Medien ver&#228;ndern das Individuum und die Gesellschaft in der heute beobachtbaren Intensit&#228;t, weil es sich nicht um isolierte Maschinen, sondern um Netzwerke handelt.</p>

<p>Alte Medien verbinden sich auf der Basis eines neuen Codes; Text, Bild und Ton werden miteinander verbunden, »um – au&#223;erhalb der leiblichen Psyche der B&#252;rger – eine elektronische Psyche zu implementieren, die uns k&#252;nftig ein kollektives Parallelbewusstsein anbieten wird«<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_3_2715" id="identifier_3_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Kerckhove, Derrick de (1995), Schriftgeburten. vom Alphabet zum Computer, M&amp;#252;nchen, Fink, 19.">4</a></sup>.</p>

<p>Auch wenn sich Schirrmacher nicht explizit auf theoretische Ans&#228;tze wie die Kerckhoves bezieht, sondern vor allem empirische Untersuchungen heranzieht und von diesen ausgehend seine Schlussfolgerungen zieht, so spricht die Empirie, zumindest in der Auswahl der Untersuchungen, die Schirrmacher auswertet, eine Sprache, die Kerckhoves medientheoretische Ans&#228;tze best&#228;tigt.</p>

<p>Erste Auswirkungen der Programmierung menschlicher Psyche durch Programme k&#246;nnten sich in den von Schirrmacher ausgewerteten Studien zeigen: Die Aufmerksamkeitsspannen, zu denen Menschen heute in der Lage sind, scheinen immer k&#252;rzer zu werden. Schon wenig komplexe Texte in gedruckter Form (und bei solchen in digitaler Form wird es nicht anders aussehen) &#252;berschreiten mit ihren Anspr&#252;chen die den Sinn erfassenden Aufnahmekapazit&#228;ten, das „Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom“ ist ein verbreitetes Krankheitsbild – nicht nur bei Kindern.</p>

<p>Schirrmachers Darstellungen von Beobachtungen und die Zusammenfassung der Ergebnisse von Studien entsprechen meinen eigenen Beobachtungen. Doch ist die gegenw&#228;rtige, digitale Form der Kommunikation schuld? Liegt die Verantwortung f&#252;r diese Ph&#228;nomene in einer Technologie, die im Internet ihren eigentlichen Ausdruck findet und als solche seit gerade 15 Jahren zu einem Massenph&#228;nomen geworden ist? Sind wir der von Kerckhove angenommenen Programmierung durch Programme quasi automatisch unterworfen oder k&#246;nnen wir ihnen auf Dauer auch in reflexiver Distanz begegnen? – Diese Fragen k&#246;nnen bislang nicht auf lange Sicht beantwortet werden.</p>

<p>Haben wir ein Problem, das durch digital vernetzte Medien erzeugt wird oder haben wir mit einem Problem zu tun, das mit einem unangemessenen Umgang mit diesen Medien zusammenh&#228;ngt? Ist die gegenw&#228;rtige Aufmerksamkeitskrise schon das Endprodukt des medialen Wandels oder eine Zwischenstation im Prozess der Integration der neuen Informationsstr&#246;me in unsere Denkstrukturen? – Wir wissen es nicht. Und weil wir es nicht wissen, sind Denkschriften wie die Schirrmachers und die reflexive Auseinandersetzung mit Stimmen wie seiner notwendig.</p>

<p>Wir brauchen den die medialen Ver&#228;nderungen begleitenden Denkprozess, die Zeiten und R&#228;ume, in denen wir Abstand von genutzten Alltagsmedien nehmen und uns den eigenen Umgang mit ihnen quasi „von au&#223;en“ betrachten.</p>

<p>Voraussetzung hierf&#252;r ist allerdings, dass Schirrmacher mit seiner These unrecht hat, dass das Abschalten der digitalen Kommunikationskan&#228;le zu einer Angstreaktion f&#252;hrt, die von der Sorge gepr&#228;gt ist, was man in diesen Zeiten offline alles verpassen k&#246;nnte.</p>

<p>Dass es dieses Ph&#228;nomen gibt, soll hier gar nicht bestritten werden. Aber wenn es dieses Ph&#228;nomen gibt, dann ist mit ihm die Frage verbunden, ob und wie es m&#246;glich sein kann, diesem subjektiven Abh&#228;ngigkeitsgef&#252;hl, das objektiv angesichts der Redundanz der im Netz anzutreffenden Informationen eigentlich keinen allzu gro&#223;en Realit&#228;tsgehalt haben d&#252;rfte, etwas entgegen zu setzen, dass die (intellektuelle) Autonomie des Menschen ernst nimmt. Doch zu solchen Strategien sp&#228;ter mehr. Nur soviel bereits an dieser Stelle: Wer die nicht zu bew&#228;ltigenden Datenfluten vernetzter, digitaler Medien als Problem sieht, kann sich einmal die Frage stellen, wie viele neue und vor allem f&#252;r einen selbst relevante Informationen wirklich auf diesen Kan&#228;len flie&#223;en.</p>

<p>„Es ist also schwieriger geworden, ein Buch zu lesen, weil unser Gehirn sich unter dem Druck digitaler Informationsfluten umzubauen beginnt.” – Auch ich zweifle nicht daran, dass wir eine Umstrukturierung des neuronalen Systems im Gehirn erleben. Doch meine These sieht den Grund hierf&#252;r in der grundlegend neuen Form der diese Informationen transportierenden Codes, die zwar auf der Oberfl&#228;che noch wie Buchstaben aussehen, ihrem Verhalten nach aber ausschlie&#223;lich aus den Zahlen 1 und O bestehen bzw. aus aktiven elektrischen Verbindungen und inaktiven elektrischen Verbindungen – und sich entsprechend verhalten, indem sie beispielsweise in Echtzeit von A nach B vermittelt werden k&#246;nnen.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_4_2715" id="identifier_4_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. hierzu: FLUSSER, Vil&eacute;m (2002): Medienkultur. herausgegeben von: BOLLMANN, Stefan. Frankfurt am Main, 3. Aufl. 2002 (1997). Flusser beschreibt hier unter anderem auch, wie das Aufkommen des Alphabets die Strukturen des Denkens und des Bewusstsein ver&amp;#228;nderte. Er schreibt &bdquo;Es [das Alphabet TL] bildete einen Geheimcode, und nur die darin Eingeweihten verf&amp;#252;gten &amp;#252;ber historisches Bewusstsein. Der gr&amp;#246;&amp;#223;te Teil der Gesellschaft orientierte sich weiterhin in der Welt anhand von harten Gegenst&amp;#228;nden, vor allem anhand von Bildern, und dank der gesprochenen Sprache. Das hei&amp;#223;t, der gr&amp;#246;&amp;#223;te Teil der Gesellschaft lebte in einem magischen und mythischen Bewusstsein.&ldquo; (S. 45) ">5</a></sup></p>

<p>Und doch kommt Schirrmacher zu einem mir nachvollziehbaren Schluss: „Wir sammeln heute unendliche Informationen. Aber sie f&#252;hren uns nirgendwo mehr hin.” (S. 42) In diesem Schluss liegt aber auch die Begrenztheit des Ansatzes Schirrmachers, der sich – und das ist v&#246;llig legitim! – entschieden hat, die empirische Forschung in seinen &#220;berlegungen zu ber&#252;cksichtigen, dar&#252;ber hinaus aber die medienphilosophischen Perspektiven (erst einmal?) au&#223;en vor zu lassen.</p>

<p>In diesem Vorgehen liegen Chancen und Grenzen: Die Chance besteht darin, dass hier Technikfolgenforschung in den Blick genommen wird, auch wenn die Folgen digital vernetzter Strukturen bislang mit dem Vorbehalt des bislang recht &#252;berschaubaren Zeitraums des Einsatzes dieser Technologien versehen werden m&#252;ssen, was Schirrmacher auch betont. Die Grenzen des Ansatzes Schirrmachers liegen dort, wo er die philosophische Metareflexion der Grundlagen digital vernetzter Strukturen au&#223;en vor l&#228;sst und somit bei der Reflexion m&#246;glicher Konsequenzen aus den empirischen Beobachtungen eher (verhaltens-)psychologisch argumentiert, im Prinzip also einem behavioristischen Ansatz folgt. F&#252;r diese Annahme sprechen die &#220;berschriften der zwei Teile des Buches: „Erster Teil: Warum wir <em>tun</em>, was wir nicht wollen”; „Zweiter Teil: Wie wir die <em>Kontrolle</em> &#252;ber unser Denken zur&#252;ckgewinnen k&#246;nnen“ [Hervorhebungen TL].</p>

<p>Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass Schirrmacher seinen L&#246;sungsvorschlag, ich beschr&#228;nke mich hier einmal auf seinen Vorschlag bez&#252;glich der Zukunft der Bildung (S. 207–218), an grundlegenden menschlichen Verhaltensweisen darstellt. „Die Computer tun nichts anderes, als mit der menschlichen Faszination der Suche zu spielen“ (S. 210). Dabei bezieht er sich konkret auf die Frage der Aussch&#252;ttung des Gl&#252;ckshormons Dopamin, das immer dann freigesetzt wird, wenn jemand „einen Gedanken oder eine L&#246;sung gefunden hat, ein Kunstwerk geschaffen oder eine Erkenntnis verinnerlicht hat” (ebd.).</p>

<p>Das Problem besteht heute aber genau darin, dass Wissen oft mit Denken gleichgesetzt wird. Schirrmacher f&#252;hrt dies an einigen Beispielen in „Payback“ beeindruckend vor, zum Beispiel, wenn er zeigt, wie computergest&#252;tzte Anamnesen im medizinischen Bereich zu Fehldiagnosen f&#252;hren, weil im Computer vorhandene Diagnosen einfach von einer Krankenakte in eine andere kopiert werden, nur weil die Symptome &#228;hnlich scheinen (S. 39–42). &#196;hnlich ist es an vielen Punkten im Umgang mit verf&#252;gbaren digitalen Ressourcen, die per Drag and Drop &#252;bernommen werden, ohne durchdacht zu werden.</p>

<p>Nicht, dass es solche Kopierwut nicht auch schon in Zeiten gegeben h&#228;tte, als analog mit B&#252;chern gearbeitet wurde, aber der Umgang mit B&#252;chern scheint strukturell doch h&#228;ufiger zu einer kritischen Rezeption gef&#252;hrt zu haben, weil sie selbst die Diskurse zu einem Thema m&#246;glicherweise doch intensiver vorf&#252;hrten, als dies beispielsweise Wikipedia kann.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_5_2715" id="identifier_5_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Allerdings scheinen sich Strukturen der kritischen Rezeption auch in digitalen Kontexten zu entwickeln: So gibt es auf Wikipedia zu jedem Artikel die M&amp;#246;glichkeit, eine Diskussion zu f&amp;#252;hren, in Blogs werden Kommentare verfasst etc. M&amp;#246;glicherweise entwickelte sich in digitalen Kontexten eine wom&amp;#246;glich noch intensivere Form der Diskurse, die sich z. Zt. erst entwickelt.">6</a></sup></p>

<p>Das Problem ist ein „Wer-wird-Million&#228;r-”, ein „Trivial Pursuit-“, ein „Enzyklop&#228;die-Problem“. Das „Bescheid-Wissen“ wird an die Stelle des aktiven Suchens und Zweifeln gesetzt. Es ist das alte Faustproblem: W&#228;hrend Faust zweifelnd hin und her irrt und sucht, was die Welt im Innersten zusammenh&#228;lt, fasst der Sch&#252;ler in den Versen 1966f die heutige Position treffend zusammen:</p>

<blockquote>„Denn, was man schwarz auf wei&#223; besitzt,
Kann man getrost nach Hause tragen.“</blockquote>

<p>Wir haben es also, anders als Schirrmacher es darstellt, nicht mit einem <em>neuen</em> Problem der Bewusstseinsbildung gegen&#252;ber Inhalten zu tun, sondern mit einem Ph&#228;nomen, das so alt ist, wie Menschen sich in der dialektischen Struktur von Wissen und Unsicherheit gegen&#252;ber dem Wissen befinden.</p>

<p>Doch in der Gegenwart, hier stimme ich Schirrmacher zu, tut sich, insbesondere in Bildungskontexten, eine neue dialektische, nahezu paradoxe Struktur auf, die in der Forderung nach Individualisierung von Lernprozessen und dem „Zertifizizierungswahn“, „der grotesken Verschulung heutiger Hochschulausbildung“ (Vgl. S. 211) ihren Ausdruck findet. Und so stimme ich Schirrmacher auch zu, wenn er schreibt:</p>

<blockquote>„Die Informationsgesellschaften sind gezwungen, ein neues Verh&#228;ltnis zwischen Wissensged&#228;chtnis und Denken zu etablieren. […] Das pure Wissensged&#228;chtnis stammt aus Zeiten, in denen Informationen nicht nur rar waren, sondern auch gesch&#252;tzt werden mussten.“ (ebd.)</blockquote>

<p>Wie also muss Lernen in einen Wissensgesellschaft aussehen? Schirrmacher kommt zu dem Schluss, dass „die Bildung der Zukunft darin bestehen muss, Unsicherheiten zu entwickeln“. Es geht also nicht mehr darum, „Bescheid-Wissen“ in K&#246;pfe zu K&#246;pfe zu transportieren, sondern den Prozess der Wissensfindung selbst zu thematisieren, zu zeigen, dass Wissen in vielen F&#228;llen ein „Zwischenstand“ der Forschung ist, dass Forschung Modelle erzeugt, die aber nicht unverr&#252;ckbar sein m&#252;ssen und es in den seltensten F&#228;llen auch sind.</p>

<p>Sich des eigenen Verstandes zu bedienen und an die Stelle scheinbar stabilen Wissens die Unsicherheit gegen&#252;ber dem Wissen zu setzen, ist das zentrale Projekt der Aufkl&#228;rung, wie Kant sie sah.</p>

<p>Schirrmachers Schlussfolgerung ist insofern zutreffend, als sie genau dieses Projekt der Aufkl&#228;rung in den Fokus nimmt und seinen Wert betont, der gerade unter heutigen Umst&#228;nden von ganz besonderer Bedeutung ist. Dabei muss die konkrete Unsicherheit gegen&#252;ber „Bescheid-Wissen“ in Bildungsprozessen erfahrbar und f&#252;r die Prozesse selbst grundlegend sein / werden. Den digitalen Mitteln m&#252;ssen konkrete Erfahrungen gegen&#252;ber gestellt werden. Eine Mediendidaktik muss sich selbst auf den Umgang mit dem Prozess des Erkenntnisgewinns im Rahmen digitaler Medien befassen und darf dabei auch nicht aus dem Blick verlieren, dass eine Erfahrung am Bildschirm keine sinnlich-k&#246;rperliche Erfahrung ist.</p>

<p>Die Gefahr besteht darin, dass wir aus der Sitz-Schule mit frontalen Unterrichtsformen eine Sitz-Schule machen, in der an die Stelle des auf den Lehrer zentrierten Unterricht ein auf den Bildschirm zentrierter Unterricht treten k&#246;nnte, der eine K&#246;rperlosigkeit des Lernens durch eine andere ersetzt. (<a href="http://www.adz-netzwerk.de/SCHULEN-DER-KORPERLOSIGKEIT-Vortrag-von-Horst-Rumpf-beim-Muensteraner-Konvent.php" target="_blank">Vgl. hierzu die Schriften Horst Rumpfs und auch seinen im „Archiv der Zukunft“ verf&#252;gbaren Vortrag „Schulen der K&#246;rperlosigkeit?“</a>)</p>

<p>So sehr der Ansatz, digitale Medien f&#252;r selbstgesteuertes Lernen zu nutzen, in meinen Augen begr&#252;&#223;enswert ist und so sehr ich Schirrmacher zustimme, dass es Bildungsprozessen, in meinen Worten ausgedr&#252;ckt und der Sprache der Aufkl&#228;rung ausgedr&#252;ckt, um die Bef&#228;higung der Menschen zur Nutzung des eigenen Verstandes, also zu Entwicklung von Unsicherheiten gegen&#252;ber vorgegebenem Wissen, gehen muss, so sehr sto&#223;e ich mich daran, dass Schirrmacher auf Herausforderungen einer neuen Technologie und deren Folgen, die er auf der Basis empirischer Daten beeindruckend darstellt, mit alten Rezepten antworten, die inhaltlich v&#246;llig korrekt sind, aber die ver&#228;nderte Struktur der Wissensgesellschaft meines Erachtens nur ungen&#252;gend in den Blick nehmen. Oder, um es kurz zu fassen: Die bin&#228;re Struktur des Codes, der gegenw&#228;rtiges Wissen mehr und mehr pr&#228;gt, bleibt in ihren m&#246;glichen Folgen f&#252;r das Bewusstsein des Menschen in Schirrmachers Reflexionen weitgehend unber&#252;cksichtigt, sodass ich an dieser Stelle meine Unsicherheit gegen&#252;ber Schirrmachers Darstellung zum Ausdruck bringen will.</p>

<p>Vilém Flusser nimmt, anders als Schirrmacher, den Code, auf dem Wissen basiert in den Blick und zeigt, wie sich durch die Schriftlichkeit das Bewusstsein des Menschen ver&#228;ndert hat. Das Alphabet und die damit verbundene Linearit&#228;t hat, so Flussers These, ein linear gedachtes historisches Bewusstsein &#252;berhaupt erst m&#246;glich gemacht. Bez&#252;glich des Alphabets in Zeiten, in denen nur wenige des Lesens und Schreibens m&#228;chtig waren, schreibt er:</p>

<blockquote>„Es bildete einen Geheimcode, und nur die darin Eingeweihten verf&#252;gten &#252;ber historisches Bewusstsein. Der gr&#246;&#223;te Teil der Gesellschaft orientierte sich weiterhin in der Welt anhand von harten Gegenst&#228;nden, vor allem anhand von Bildern, und dank der gesprochenen Sprache. Das hei&#223;t, der gr&#246;&#223;te Teil der Gesellschaft lebte in einem magischen und mythischen Bewusstsein.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_6_2715" id="identifier_6_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="FLUSSER, Vil&eacute;m (2002): Medienkultur. herausgegeben von: BOLLMANN, Stefan. Frankfurt am Main, 3. Aufl. 2002 (1997), S. 45.">7</a></sup></blockquote>

<p>Der Code, der das Wissen in Zeichen verwandelt, pr&#228;gt, so die These, das Bewusstsein derer, die sich dieses Codes bedienen.</p>

<p>Wenn diese These stimmt, dann ergeben sich f&#252;r die Gegenwart Herausforderungen, die weit &#252;ber Schirrmachers Problembeschreibungen und L&#246;sungsans&#228;tze hinaus gehen.</p>

<p>Wir erleben nicht nur einen Wandel der Leitmedien, sondern auch die Einf&#252;hrung eines neuen Codes, in dem unser Wissen in Zeichen &#252;bertragen wird und der das Bewusstsein der Menschen ver&#228;ndert bzw. ver&#228;ndern wird.</p>

<p>Das Problem dieser These besteht darin, dass die Oberfl&#228;che, die Zeichen, die wir in digital (vernetzten) Codierungen wahrnehmen, auf den ersten Blick der bisherigen Codierung gleichen. – Hier stehen Buchstaben, die linear aneinander gef&#252;gt einen Text ergeben. An anderen Stellen des Netzes sind Bilder zu finden, gesprochene Sprache spielt in digitalen Formaten ebenso eine Rolle. Und in multimedialen Zusammenh&#228;ngen werden diese Formen der Codierung des indirekten Zugangs zur Wirklichkeit zusammengef&#252;gt.</p>

<p>Au&#223;er der breiteren, schnelleren und zeitunabh&#228;ngigeren Verf&#252;gbarkeit der Informationen scheint sich also nichts ver&#228;ndert zu haben. Und genau an dieser Stelle gibt es Grund, diese als selbstverst&#228;ndlich nahe liegende Annahme mit einer Unsicherheit zu versehen und die Fragestellung auszuweiten.</p>

<p>Schirrmacher selbst weist auf die bin&#228;re Struktur von Entscheidungen hin, von der viele unserer Entschl&#252;sse gepr&#228;gt sind: „Tun oder Nicht-Tun, ein Auto kaufen oder nicht, Schokoladenkekse essen oder nicht, eine Di&#228;t machen oder nicht, ein Pulverfass anz&#252;nden oder nicht.” (S. 197) Doch dar&#252;ber hinaus stellt er auch dar, wie der bin&#228;re Code selbst das Leben und vor allem unser Selbstbild ver&#228;ndert. Insofern ber&#252;cksichtigt er auf empirischer Ebene das Problem, das hier einen erweiterten medientheoretischen Kontext gestellt wird.</p>

<p>Schirrmacher greift das Ph&#228;nomen der „Empfehlungen“ auf, das bereits heute, auf der Basis fr&#252;herer Entscheidungen, z. B. auf Seiten wie der von Amazon, von Last.fm etc. beobachtet werden kann; das Ph&#228;nomen, dass Facebook Freundschaftempfehlungen macht etc. Bin&#228;re Strukturen werden bereits heute zur Analyse menschlichen Verhaltens benutzt, um daraus Prognosen &#252;ber m&#246;gliche Entscheidungen in der Zukunft zu stellen.</p>

<p>Bereits in diesem Ph&#228;nomen spiegelt sich die Struktur bin&#228;rer Codes wider. Es geht um ein „Entweder-Oder“, um die Annahme, dass Verhaltensweisen selbst dann bin&#228;ren Strukturen des „Ja oder Nein“ folgen, wenn es sich um so komplexe Ph&#228;nomene wie z. B. Freundschaft handelt.</p>

<p>Wie es zu diesen Empfehlungen kommt, wie automatisierte, Algorithmen folgende Programme mit Daten umgehen und wo die Grenzen dieser Verfahren liegen, vermag kaum jemand zu sagen. Und deshalb formuliere ich in Anlehnung an Flusser:</p>

<blockquote>Der digitale, Medien pr&#228;gende Code ist eine Art Geheimcode, und nur die darin Eingeweihten verf&#252;gen &#252;ber digitales Bewusstsein.

Der gr&#246;&#223;te Teil der Gesellschaft orientierte sich weiterhin in der Welt anhand von Oberfl&#228;chencodes, die an alte Codes erinnern (Buchstaben, Bilder…), die aber, vor allem im Bereich der M&#246;glichkeiten der digitalen Weiterverarbeitung solcher Daten, weit &#252;ber die Optionen analoger Codierung hinausgehen (automatisierte Erhebungs- und Analyseverfahren, von Computern auf der Basis digitaler Codierungen erstellte Verhaltensprofile, die weit &#252;ber das hinaus gehen, was analog &#252;berhaupt an Daten erfassbar w&#228;re).

Das hei&#223;t, der gr&#246;&#223;te Teil der Gesellschaft lebt noch immer in einem analogen Bewusstsein, dem ein kritischer und reflexiver Zugang zu den Optionen der Wissensgewinnung auf der Basis bin&#228;rer Codes (noch) nicht m&#246;glich ist, au&#223;er, sie werden mit den konkreten Ph&#228;nomenen konfrontiert, die dann oft „magisch“ wirken und auch entsprechende &#196;ngste ausl&#246;sen k&#246;nnen.</blockquote>

<p>Wie schafft es Facebook, als Freunde Menschen vorzuschlagen, von denen man tats&#228;chlich welche kennt? Wie kann es sein, dass Last.fm Musik vorschl&#228;gt, die den entsprechenden Nutzer wirklich interessiert? Wie kommt Amazon zu Leseempfehlungen? – Die Antwort lautet: Aufgrund der M&#246;glichkeiten zur Generierung von Wissen &#252;ber bin&#228;re Codes.</p>

<p>Doch die Strukturen bin&#228;rer Codes reichen weiter, insbesondere dann, wenn die Annahme stimmt, dass Programme in der Lage sein k&#246;nnten, direkt auf die Ausgestaltung unseres Denkens und unseres Bewusstseins Einfluss zu nehmen.</p>

<p>Auch hier sto&#223;en wir zun&#228;chst auf Ph&#228;nomene, die bin&#228;r, aber nicht neu sind: So entspricht den Einsern und Nullen des bin&#228;ren Codes z. B. die eindeutige Gegen&#252;berstellung von Ph&#228;nomenen, wie z. B. „Gut“ und „B&#246;se“.</p>

<p>Die meisten Blockbuster im Thrillerbereich beruhen genau auf dieser bin&#228;ren Gegen&#252;berstellung, die aber auch in politischen Entscheidungsfindungsprozessen eine Rolle spielt. Insbesondere wenn es um Fragen von Krieg und Frieden geht, zeigt sich, dass bin&#228;re Wahrnehmungsweise, die sich auf „gut“ und „b&#246;se“ beschr&#228;nken, zu den Voraussetzungen kriegerischer Auseinandersetzungen geh&#246;ren, w&#228;hrend „Frieden“ von wesentlich differenzierteren Zugangsweisen zur Wirklichkeit abh&#228;ngig ist, also darauf angewiesen ist, dass die Herrschaft der Dualit&#228;t bin&#228;rer Strukturen, die nur Schwarz und Wei&#223; zul&#228;sst, durch Strukturen ersetzt wird, die Graut&#246;ne in gro&#223;er Zahl erm&#246;glichen.</p>

<p>Wenn die These stimmt, dass Codes, mit deren Hilfe wir unseren Zugang zur Wirklichkeit bekommen, das Bewusstsein zu pr&#228;gen verm&#246;gen, dann m&#252;ssen die Unsicherheiten, die Schirrmacher f&#252;r Bildungsprozesse einfordert, die Unsch&#228;rfen des Wissens, mit denen wir auch gegen&#252;ber digitalen Medien zu tun haben, selbst zum Gegenstand der Wissensfindungsprozesse werden.</p>

<p>F&#252;r Bildungsprozesse ergeben sich daraus folgende &#220;berlegungen, die hier vor allem als Diskussionsgrundlage dienen sollen und angesichts des bereits erreichten Umfangs dieses Artikels nur kurz angerissen werden (und hoffentlich in der Diskussion in den Kommentaren, &#252;ber antwortende Artikel in anderen Blogs etc. ausdifferenziert und vertieft werden):</p>

<ul>
    <li>Im Informationszeitalter geh&#246;rt es zu den Grundaufgaben von Bildungsprozessen, der Information und dem in ihr behaupteten Wissen den Zweifel und die Entwicklung einer angemessenen Unsicherheit im Umgang mit Informationen gegen&#252;ber zu stellen.</li>
    <li>Neben verhaltenspsychologischen Dimensionen, die mit der Nutzung digitaler Medien verbunden sind und die Schirrmacher ins Zentrum seiner &#220;berlegungen stellt, bedarf es einer (medien)philosophischen Reflexion auf die Grundlagen der unsere Bewusstseinsprozesse steuernden Codes, die uns einen (relativen) Zugang zur Wirklichkeit verschaffen. Diese Relativit&#228;t des Zugangs zur Wirklichkeit (mit Kant gesprochen: Die Unm&#246;glichkeit, das Ding an sich zu erkennen, da Erkenntnis immer eine (sinnlich) vermittelte ist) geh&#246;rt ins Zentrum von Bildungsprozessen.</li>
    <li>Angesichts der analogen Grundstruktur menschlicher Wissensgewinnung, darf eine angemessene Mediendidaktik nicht den Fehler begehen, digitale Formen des Lernens alleine ins Zentrum von Bildungsprozessen zu stellen. Die Kompetenz zum angemessenen Umgang mit analogen Arbeitsformen (vom Umgang mit B&#252;chern &#252;ber handschriftliche Verfahren – z. B. in der Mathematik) geh&#246;rt nach wie vor und gleichberechtigt in den Kontext einer umfassenden <em>Allgemein</em>bildung.</li>
    <li>Der Computer darf nicht dazu f&#252;hren, dass an die Stelle von Formen des Frontalunterrichts durch eine Lehrperson nun eine neue Form der frontalen Wissensvermittlung tritt, die durch „Bescheid-Wisser-Medien“ wie z. B. Wikipedia gepr&#228;gt sind<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_7_2715" id="identifier_7_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Was hier als eine massive Kritik an Wikipedia klingen mag, ist eine Kritik, die sich auf alle Formen lexikalischer Pr&amp;#228;sentation von Wissen bezieht, f&amp;#252;r die Wikipedia eine Metapher geworden ist. Fr&amp;#252;her war das Problem, dass Lernende aus dem Brockhaus zitierten und das f&amp;#252;r eine angemessene und vor allem ausreichende wissenschaftliche Quelle hielten, heute ist an die Stelle des Brockhaus oder anderer Lexika Wikipedia getreten. Damit ist kein Werturteil &amp;#252;ber dieses erstaunliche Projekt gef&amp;#228;llt.">8</a></sup>.</li>
    <li>Mind. Grundlagen der digitalen Codierung und der sich daraus ergebenden M&#246;glichkeiten und Grenzen im Umgang mit digital verf&#252;gbaren Daten, geh&#246;ren auf die schulischen Lehrpl&#228;ne, um so einen aufgekl&#228;rten Umgang mit bin&#228;ren Codes zu erm&#246;glichen und das „Geheimwissen“ derer, die sich dieser Codes bedienen k&#246;nnen aufzul&#246;sen.</li>
</ul>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Grenzen der Kommunikationsf&#228;higkeit</title>
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		<pubDate>Sat, 08 May 2010 14:22:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als ich Vierzehn war, gab es noch kein Internet f&#252;r die Massen, wohl aber schon die M&#246;glichkeit, mithilfe eines Telefonmodems ins Netz zu gehen. Es gab Bildschirmtext (BTX), aber bis sich digitale Vernetzung zu einem Massenph&#228;nomen ausbreitete, sollte es noch &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/05/08/grenzen-der-kommunikationsfaehigkeit/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich Vierzehn war, gab es noch kein Internet f&#252;r die Massen, wohl aber schon die M&#246;glichkeit, mithilfe eines Telefonmodems ins Netz zu gehen. Es gab <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildschirmtext" target="_blank">Bildschirmtext (BTX)</a>, aber bis sich digitale Vernetzung zu einem Massenph&#228;nomen ausbreitete, sollte es noch einige Jahre dauern. Ich setze den Starttermin des Web-Hypes auf den 13. Oktober 1994 fest, den Tag, an dem Netscapes „Navigator“ in einer ersten Version ver&#246;ffentlicht wurde und somit erstmals ein Browser vorlag, der eine grafische Oberfl&#228;che hatte.</p>

<p>Es gab zwar vorher <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Usenet" target="_blank">Usenet</a> und Co, Welten, die mir und den meisten v&#246;llig fremd waren und in denen sich die PC-Geeks tummelten, doch erst die Browser mit grafischer Oberfl&#228;che, die das „Erklicken“ des Netzes m&#246;glich machten, &#246;ffneten das Netz, demokratisierten das Netz.</p>

<p>Bis zum „interaktiven“ Netz „Web 2.0“ sollte es fast zehn Jahre dauern. Und meines Erachtens ist das „Web 2.0“ zwar zur Zeit die dominierende Form der vernetzten Kommunikation, aber mit Sicherheit nicht das Ende der Entwicklung, &#252;ber deren Verlauf ich mir gar nicht mehr so sicher bin, entgegen der Vorhersagen, dass Netzanbindung und Alltag eine immer engere Verbindung eingehen werden. Eine nahezu symbiotische Verbindung von Alltag und digitalen Netzwerken scheint gegenw&#228;rtig durchaus absehbar. Dabei ist eine Symbiose in der Regel eine „Vergesellschaftung von Individuen unterschiedlicher Arten, die f&#252;r beide Partner vorteilhaft ist“ (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Symbiose" target="_blank">Quelle</a>).</p>

<p>Das Netz als Lebensform, dessen Verbindung mit der Lebensform des Homo Sapiens f&#252;r beide Seiten von Vorteil ist? Ein wenig erinnert mich das an die Entwicklung, die als fiktiver Hintergrund f&#252;r die „Matrix“-Trilogie der Br&#252;der Wachowski angenommen wird.</p>

<blockquote>Anfang des 21. Jahrhunderts geriet die Entwicklung der <a title="K&#252;nstliche Intelligenz" href="http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCnstliche_Intelligenz">K&#252;nstlichen Intelligenz</a> au&#223;er  Kontrolle. Die Menschen verdunkelten den Himmel, um den solarbetriebenen  Maschinen die Energiequelle zu nehmen. Die Maschinen passten sich der  Dunkelheit jedoch an und unterwarfen die Menschheit, deren Exemplare sie  seitdem zur Energiegewinnung z&#252;chten. (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Matrix_%28Film%29#Handlung" target="_blank">Wikipedia</a>)</blockquote>

<p>Ob es so unrealistisch ist, dass „das Netz“ mehr und mehr die „Anpassung“ der Menschen an seine Vorgaben und Grenzen verlangt? Schon heute gibt es Tendenzen, die davon sprechen, dass man, so man nicht im Netz vertreten sei, zunehmend Probleme bekomme, in Kommunikationsprozesse einzutreten oder in diesen &#252;berhaupt beachtet zu werden.</p>

<p>Andererseits gibt es Menschen, die sich auf das Netz eingelassen haben und dabei dennoch weder ihre Selbstbeobachtungskompetenzen noch ihre Kritikf&#228;higkeit gegen&#252;ber Kommunikationsstrukturen verloren haben, die durchaus dazu geeignet sind, mehr und mehr Ressourcen des Individuums „auszusaugen“ und sich somit, statt zu einer symbiotischen Verbindung zu f&#252;hren, als Schmarotzer entpuppen, die den Menschen aussaugen.</p>

<p>Um diesen Schmarotzer „Web 2.0“ dann wieder los zu werden, scheint es f&#252;r einige (immer mehr?) Menschen nur noch den Weg des etwas &#252;berspitzt aber gar nicht so abwegig benannten „digitalen Selbstmordes“ („digital sucide“) zu geben.</p>

<p>Ein paar Beispiele f&#252;r diese Tendenz:</p>

<ul>
    <li>Das <a href="http://www.socialnetworking-weblog.com/50226711/digital_suicide.php" target="_blank">Social-Networking-Weblog berichtete</a> &#252;ber die Sucide Machine f&#252;r soziale Netzwerke.</li>
    <li>Im <a href="http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,532070,00.html" target="_blank">Uni-Spiegel dokumentiert</a> Frauke L&#252;bke-Narberhaus ihren Ausstieg bei studiVZ und Xing als „digitalen Selbstmord“.</li>
    <li>Der Heidelberger Professor f&#252;r Informatikdidaktik <a href="http://cspannagel.wordpress.com/2010/05/03/things-change/" target="_blank">Christian Spannagel beendet</a>, obwohl bis dahin als intensiver Nutzer, Fan und auch theoretisch die Vernetzung positiv darstellend, seine Mitgliedschaften bei Facebook, Twitter, XING, Linked-In, wer-kennt-wen, myspace, … und reflektiert anschlie&#223;end die massive &#220;berforderung, die das Web 2.0  f&#252;r ihn mit sich brachte, nachdem er sich zu einem prominenten  „&#246;ffentlichen Wissenschaftler“ entwickelt hatte und mit den daraus  entstehen Anspr&#252;chen nicht mehr mithalten konnte, da sie mehr und mehr  Lebensenergie aufsaugten. <a href="http://cspannagel.wordpress.com/2010/05/07/uber-radikale-vernetzung-und-radikale-ehrlichkeit/" target="_blank">Spannagel schreibt</a>:</li>
</ul>

<blockquote>Im sozialen Netz erlebte ich so etwas wie eine soziale Verpflichtung zur  Kommunikation. Diese Informationsvielfalt kann man als einzelner nicht  bew&#228;ltigen.</blockquote>

<p>Ein Protagonist des Web 2.0 f&#252;r Bildung und Wissenschaft „steigt aus“: Eigentlich doch ein gefundenes Fressen f&#252;r all diejenigen, die  ja schon immer wussten, dass das Internet mit seinen Ablenkungspotentialen und Kommunikations&#252;berforderungstendenzen eigentlich b&#246;se ist. Doch wer „digital sucide“ so versteht, hat etwas missverstanden, da es sich in diesen F&#228;llen in der Regel um solche handelt, die die &#220;berforderung durchaus auf <em>eigene</em> Formen des Umgangs mit diesen M&#246;glichkeiten hin zu reflektieren verm&#246;gen. So z. B. <a href="http://cspannagel.wordpress.com/2010/05/07/uber-radikale-vernetzung-und-radikale-ehrlichkeit/" target="_blank">Spannagel</a>:</p>

<blockquote>„Das <a href="http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Jeanpol/Neuron" target="_blank">Neuronenverhalten</a> muss kontrolliert und situationsabh&#228;ngig  eingesetzt werden.“ Genau das trifft den Punkt: Ich werden zuk&#252;nftig das Web 2.0  zielgerichtet, situationsabh&#228;ngig und punktuell einsetzen. Ich werde  Web-2.0-Anwendungen selektiv nutzen.</blockquote>

<p>Dies ist der eigentliche Punkt: Menschliche Kommunikationsf&#228;higkeit ist eine begrenzte F&#228;higkeit. Das Individuum muss f&#252;r sich Wege finden, zwischen Kommunikationsbed&#252;rfnis und Privatheit, die f&#252;r gelingende Kommunikation meines Erachtens unabdingbar ist, ein Gleichgewicht zu erzeugen.</p>

<p>Und diese Notwendigkeit des Gleichgewichts ist keine, die exklusiv f&#252;r das Internet gilt, auch wenn die Grenzen der individuellen Kommuniaktionsf&#228;higkeit aufgrund der „Einfachheit“ der Initiierung solcher Prozesse im Netz m&#246;glicherweise schneller und vor allem auch wiederum selbst kommunizierbarer erfahren werden. Ja, Christian Spannagel kommuniziert seinen Ausstieg aus weiten Teilen der „social communities“ &#252;ber das Web 2.0 im Rahmen seines Blogs.</p>

<p>Wie aber komme ich zu der Behauptung, dass die Notwendigkeit des Gleichgewichts zwischen „Privatheit“ und Kommunikationsbed&#252;rfnis keine ist, die exklusiv f&#252;r das  Internet gilt?</p>

<p>Als ich Vierzehn war, gab es noch kein Internet f&#252;r die Massen, wohl  aber schon die M&#246;glichkeit, mithilfe eines Telefonmodems ins Netz zu  gehen. In dieser Zeit gab es aber das Ph&#228;nomen, dass eine nicht kleine Zahl Jugendlicher Brieffreundschaften mit anderen Jugendlichen in der ganzen Welt begannen. Es gab damals eigene Agenturen, die solche Briefkontakte vermittelten. Als „&#220;berbleibsel“ dieser Agenturen gibt es heute z. B. <a href="http://www.letternet.de/web/friends/home">das von der Deutschen Post betriebene „letternet“</a>.</p>

<p>Ich war, wie viele andere Jugendliche von der M&#246;glichkeit fasziniert, mit Jugendlichen in unterschiedlichen Teilen der Welt in Verbindung zu treten und machte mit. Die Zahl der „Brieffreund“, die ungef&#228;hr genau so ernsthaft „Freunde“ zu nennen sind, wie dies f&#252;r die Gro&#223;zahl der „Kontakte“ in sozialen Netzwerken gilt, auch wenn deren Betreiber hartn&#228;ckig den Freundschaftsbegriff missbrauchen, stieg allm&#228;hlich und irgendwann merkte ich, dass es zwar toll ist, pers&#246;nliche Briefe im Postkasten zu finden und auf diese zu antworten, dass aber diese Form von Kontakt auf einen begrenzten Personenkreis beschr&#228;nkt bleiben muss, da es sonst irgendwann zu viel wird. Die F&#228;higkeit, Kommunikationsprozesse zu pflegen ist begrenzt – auch in rein analogen Formen der Kommunikation.</p>

<p>Es ist zwar banal, an dieser Stelle davon zu sprechen, dass es um das rechte Ma&#223; an gepflegten Kontakten und Kommunikationsprozessen geht, es sei aber dennoch einmal mehr erw&#228;hnt. Wird das rechte Ma&#223; &#252;berschritten, dann tritt ein, <a href="http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Jeanpol/Neuron#10._ACHTUNG.2C_HOHE_SUCHTGEFAHR:_das_Neuronenverhalten_muss_kontrolliert_und_situationsabh.C3.A4ngig_eingesetzt_werden.21" target="_blank">was Jean-Pol Martin „die Suchtgefahr des Neuronenverhaltens“ bezeichnete und als zehnte Regel seinem Kommunikationsmodell hinzuf&#252;gte</a>.</p>

<p>&#196;hnliche Erfahrungen der kommunikativen Grenzen, wie ich sie als Jugendlicher bei der Pflege von (zeitweise zu vielen) Brieffreundschaften machte, tauchen bis heute immer mal wieder auf, was im Lehrberuf an f&#252;r sich auch kaum &#252;berraschend ist, da es ein Beruf ist, der in h&#246;chstem Ma&#223;e von Kommunikation lebt und st&#228;ndig vor die Herausforderung stellt, ein Ma&#223; zwischen Gespr&#228;chspr&#228;senz und Privatheit im Rahmen der je eigenen Ressourcen zu finden. – In diesem Zusammenhang wage ich die Prognose, dass die Bereitschaft von Lehrenden, die die M&#246;glichkeiten von Web-2.0-Tools (z. T. &#228;u&#223;erst intensiv) nutzen, um &#252;ber Unterrichtszeiten hinaus Lernprozesse zu unterst&#252;tzen und zu f&#246;rdern, im Laufe der Zeit genau an dem „Ort“ ankommen wird, den Christian Spannagel in seiner <a href="http://cspannagel.wordpress.com/2010/05/07/uber-radikale-vernetzung-und-radikale-ehrlichkeit/" target="_blank">hervorragenden Reflexion auf die Grenzen eigener Kommunikationsf&#228;higkeit </a>beschreibt: Den Ort der selektiven Nutzung der nach wie vor als wirkliche Bereicherung anzusehenden Web-2.0-Tools f&#252;r berufliche und private Kommunikationsprozesse.</p>

<p>Ein reflektierter R&#252;ckzug aus sozialen Netzen, der &#252;brigens nicht nur aus Gr&#252;nden der &#220;berlastung erfolgen kann, sondern auch mit dem etwas <a href="http://herrlarbig.de/2010/03/29/und-tschuess-facebook/" target="_blank">eigenwilligen Verst&#228;ndnis von „Privatheit“ zusammenh&#228;ngen kann, das einige Betreiber sozialer Webangebote haben</a>, ist in meinen Augen kein Urteil &#252;ber die Qualit&#228;t solcher Netzwerke, keine Tendenz, die geeignet w&#228;re, den Radikalkritikern des Web 2.0 Argumente zu liefern, sondern vielmehr ein Prozess, der mit der „Entdeckungsreise“ in die nach wie vor jungen „Welten“ des Web 2.0 zusammenh&#228;ngt.</p>

<p>Das Web 2.0 bietet faszinierende M&#246;glichkeiten. Jeder Nutzer und jede Nutzerin dieser M&#246;glichkeiten muss (sic!) jedoch fr&#252;her oder sp&#228;ter in einen Reflexionsprozess dar&#252;ber eintreten, welche der M&#246;glichkeiten aus welchen Gr&#252;nden genutzt werden und an welchen Stellen die Nutzung der M&#246;glichkeiten &#252;ber das f&#252;r einen selbst angemessene Ma&#223; hinaus geht. Dies gilt &#228;hnlich f&#252;r analoge Kommunikationsprozesse, denen es gut tut, wenn sie immer wieder in Formen der Meta-Kommunikation, z. B. im Rahmen von Supervision, aber z. B. auch in der „einfachen“ Form des Tagebuchschreibens, selbst zum Gegenstand der Reflexion werden.</p>

<p>Diese Notwendigkeit zur Reflexion eigenen Kommunikationsverhaltens ist in meinen Augen eine der zentralen Aufgaben einer gelingenden Mediendidaktik und Medienp&#228;dagogik. Dieser darf es eben nicht nur um „Prim&#228;rkompetenzen“ wie die Nutzung von Suchmaschinen, Textverarbeitungsprogrammen, Tabellenkalkulation, Pr&#228;sentationsprogrammen etc. gehen. Sie muss dar&#252;ber hinaus zentral an der Entwicklung von „Meta-Kompetenzen“ arbeiten, um den individuellen Nutzern von (digitalen) Arbeits- und Kommunikationsinstrumenten die F&#228;higkeit zur Reflexion dessen, was f&#252;r sie jeweils angemessen ist, mit auf den Weg zu geben.</p>

<p>Eine zentrale Frage bez&#252;glich der Nutzung von Kommunikationsinstrumenten und -wegen darf dabei nie aus dem Blick verloren werden: Wie finde ich einen Ausgleich zwischen Kommunikation und „Schweigen“ (Privatheit“), der mir angemessen ist, der mir gut tut. Wenn Kommunikationsprozesse das Individuum auslaugen, ausbrennen, in eine innere Leere hineinf&#252;hren, dann ist es h&#246;chste Zeit, diese Prozesse in den Blick zu nehmen, denn wer im Rahmen der eigenen Kommunikationsgewohnheiten sich innerlich leer f&#252;hlt, der hat bald nichts mehr zu sagen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Sprache und Macht – Zu Georg B&#252;chners „Woyzeck“</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Feb 2010 23:07:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sprache und Macht – Zu Georg B&#252;chners „Woyzeck“ von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.. Mangelnde Sprachbeherrschung wird meist als ein Mangel an Bildung angesehen. Aber kann „Bildung“ gleich „Sprache“ gesetzt werden? &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license"><img style="border-width: 0;" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" alt="Creative Commons Lizenzvertrag" /></a></p>

<p><em>Sprache und Macht – Zu Georg B&#252;chners „Woyzeck“ von <a href="http://herrlarbig.de/?p=2496" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>..</em></p>

<p>Mangelnde Sprachbeherrschung wird meist als ein Mangel an Bildung angesehen. Aber kann „Bildung“ gleich „Sprache“ gesetzt werden? Georg B&#252;chners vermutlich im Sommer 1836 entstandenes Dramenfragment „Woyzeck“ gibt darauf eine Antwort, die auch im Lichte der Bildungsdebatte im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts gesehen werden kann.</p>

<p>Zun&#228;chst zur Sprache in B&#252;chners „Woyzeck“, die im Vergleich mit der von Autoren der ersten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts benutzten Sprache auff&#228;llig „volksnah“ und gleichzeitig weit entfernt von der Sprache der literarischen <a href="http://xlibris.de/Epochen/Romantik" target="_blank">Romantik</a> angesiedelt ist. Die Romantik erw&#228;hne ich hier, weil deren Autoren und Autorinnen zu gleichen Zeit schrieben wie Georg B&#252;chner – und ein ganz anderes Wirklichkeitsempfinden widerspiegeln, als es in B&#252;chners Texten zu finden ist.</p>

<p>B&#252;chner nutzt dialektale F&#228;rbungen<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_0_2496" id="identifier_0_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="zum hier gesagten vergleiche z. B. die Szene &bdquo;Kammer&ldquo; &ndash; da die Szenen des Dramenfragments in unterschiedlichen Ausgaben unterschiedlich angeordnet sind, setze ich hier Links zu den entsprechenden Szenen im Zeno-Projekt.">1</a></sup>, l&#228;sst seine Figuren falsch gesetzte Fragepronomen verwenden und Probleme mit dem Satzbau (der Syntax) haben. Er nutzt umgangssprachliche Formen der Wortk&#252;rzung („S’ ist gewiss Gold!“; „S&#8217; ist gut Marie“), <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ellipse_%28Sprache%29" target="_blank">Elipsen,</a> reiht kurze Haupts&#228;tze aneinander und l&#228;sst so eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parataxe" target="_blank">parataktische Struktur</a> der Textoberfl&#228;che entstehen.</p>

<p>Das „einfache Volk“ verf&#252;gt &#252;ber eine „einfache“ Sprache. Somit entstehen im Drama Figuren, vor allem sind hier Woyzeck und Marie zu nennen, die kaum in der Lage sind, ihre Empfindungen und Wahrnehmungen der Wirklichkeit so auszudr&#252;cken, dass diese selbst zum Gegenstand ihrer Reflexion werden k&#246;nnten.</p>

<p>Das ungebildete Individuum ist vom <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Diskurs" target="_blank">Diskurs</a> ausgeschlossen, isoliert, machtlos.</p>

<p>Das „einfache Volk“ verf&#252;gt &#252;ber eingeschr&#228;nkte Ausdrucksm&#246;glichkeiten und muss, um &#252;berhaupt etwas ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, zu vorgegebenen Sprachmustern  Zuflucht nehmen.</p>

<p>Woyzeck zitiert die Bibel („Lasset die Kindlein zu mir kommen“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_1_2496" id="identifier_1_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Hauptmann. Woyzeck (Rasierszene) ">2</a></sup>, Marie sucht Orientierung in der Bibel<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_2_2496" id="identifier_2_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Kammer &ndash; Marie. Der Narr">3</a></sup>. Dar&#252;ber hinaus kommen Volkslieder zum Tragen.</p>

<p>Nur an Stellen, an denen B&#252;chner seinen Kommentar zu dargestellten Ereignissen gibt, sprechen „einfache Menschen“ pl&#246;tzlich eine komplexere Sprache, die eine h&#246;here Reflexionsstufe m&#246;glich macht, so der Handwerksbursch als Prediger<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_3_2496" id="identifier_3_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wirtshaus">4</a></sup> und die Gro&#223;mutter<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_4_2496" id="identifier_4_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Marie mit M&amp;#228;dchen vor der Haust&amp;#252;r">5</a></sup> als Erz&#228;hlerin eines Anti-M&#228;rchens.</p>

<p>Auf der anderen Seite stehen die Sprachen von Wissenschaft und des Milit&#228;rs, die vom Hauptmann und dem Doktor genutzt werden, welche gleichzeitig Woyzeck nicht nur von oben herab anschauen, sondern ihn auch f&#252;r ihre eigenen Zwecke missbrauchen.</p>

<p>Sprache wird von B&#252;chner in einer engen Verbindung zur „Macht“ gesehen. Wer keine ausdifferenzierten sprachlichen F&#228;higkeiten besitzt, der hat auch keine M&#246;glichkeiten, die eigene Situation angemessen in den Blick zu nehmen, bleibt sprachlos und somit irrelevant f&#252;r die gesellschaftliche Entwicklung – zumindest solange es keine Stimme f&#252;r die Not dieser Armen gibt.</p>

<p>B&#252;chner will den Missst&#228;nden des 19. Jahrhunderts eine Stimme geben. In „<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Schrift/Der+hessische+Landbote" target="_blank">Der Hessische Landbote</a>“ ruft er zur Revolution auf, was ihm Verfolgung als Staatsfeind einbringt. Und „Woyzeck“ blieb aufgrund seines fragmentarischen Charakters und des Todes B&#252;chners im Jahre 1837 unbeachtet. Erst 1919 kam es in M&#252;nchen zur Urauff&#252;hrung des St&#252;cks.</p>

<p>Diese Stimme B&#252;chners aber war dringend n&#246;tig, denn die gesellschaftlichen Ver&#228;nderungen der Zeit (Aufl&#246;sung der St&#228;ndegesellschaft, Bev&#246;lkerungswachstum, Protoindustriaisierung) f&#252;hrten strukturell zu den von B&#252;chner angegriffenen Missst&#228;nden.</p>

<p>Armut war nicht mehr das Produkt von Alter, Krankheit oder gesellschaftlicher &#196;chtung, sondern ein Massenph&#228;nomen, das noch m&#228;chtigere Stimmen bekommen sollte, da es als gesellschaftliches Ph&#228;nomen politische Relevanz bekam und beispielsweise Marx zu seinen Theorien brachte und den Kommunismus bzw. den Sozialismus erst m&#246;glich machte. Es sollte bis weit in die zweite H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts dauern, bis die Probleme in der Form eines Sozialversicherungssystems einigerma&#223;en erfolgreich angegangen wurden.</p>

<p>B&#252;chner scheint in seiner Darstellung, in der er die Sprache zur Darstellung der „Ungebildeten“ in realistischer Form auf die B&#252;hne bringen wollte, von den Gedanken der Aufkl&#228;rung beeinflusst. So zeigt er, wie „Ungebildete“ nicht in der Lage sind, ihre Situation selbst reflektierend in den Blick zu nehmen – und Reflexionsprozesse finden in dieser Zeit in der Regel sprachlich statt – und sich entsprechend auf die Leitung durch andere einlassen (m&#252;ssen). In diesem Fall ist diese Leitung einerseits die Autorit&#228;t der Bibel, in der diese „einfachen Leute“ gen&#252;gend Aussagen finden, die f&#252;r den Versuch des Ausdrucks der eigenen Situation taugen, andererseits &#252;bernehmen gesellschaftliche Autorit&#228;ten (Hauptmann, Doktor) diese Leitung, die sich dann aber auch noch z. T. zynisch zur Freiheit des Menschen &#228;u&#223;ern („Woyzeck, der Mensch ist frei, in dem Menschen verkl&#228;rt sich die Individualit&#228;t zur Freiheit.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_5_2496" id="identifier_5_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Beim Doktor">6</a></sup>).</p>

<p>Mangelnde sprachliche F&#228;higkeiten werden hier zu einem Kriterium f&#252;r unaufgekl&#228;rtes Handeln. Gleichzeitig aber erweisen sich auch die „gebildeteren“ Figuren als „unaufgekl&#228;rte“ Menschen, da sie das Instrumentarium der Sprache zum Machtinstrument werden lassen. Doch vor allem der Doktor, als Vertreter einer Naturwissenschaft, wirkt in dem Drama eher wie ein Scharlatan, der Sprache nicht zur Aufkl&#228;rung, sondern zur pseudointellektuellen &#220;bert&#252;nchung seiner menschenverachtenden Experimente nutzt. Der Hauptmann versucht sich an anderer Stelle in pseudointellektuellen &#220;berlegungen. („Moral, das ist, wenn man moralisch ist…“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_6_2496" id="identifier_6_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Hauptmann, Woyzeck. (Rasierszene">7</a></sup>)</p>

<p>Diese Verbindung von Sprache und Macht erscheint nach wie vor aktuell. Es ist auff&#228;llig, dass die PISA-Studie bereits 2001 auf die Probleme im Zusammenhang mit dem Textverstehen verwies, die interessanterweise bis in die Gymnasien hinein in signifikanter Weise beobachtet wurden. W&#228;chst hier eine „machtlose“, der Sprache nicht mehr m&#228;chtige (sic!) Generation auf, die mit ihren mangelnden Kenntnissen im Umgang mit der eigenen Muttersprache oder der erlernten Zweitsprache auch nicht mehr zur gesellschaftlich relevanten Reflexion f&#228;hig sind und somit wieder in eine (selbst?)verschuldete Unm&#252;ndigkeit geraten?</p>

<p>Ich lasse dies als Frage stehen, denn das Problem der Sprache erscheint auf anderer Ebene wesentlich relevanter; relevanter, weil mit dem Mangel an „sprachlichen Ventilen“ auch die Suche nach anderen „Druckausgleichmechanismen“ einhergeht, die scheinbar oft in gesteigerter Aggressivit&#228;t und Gewaltbereitschaft bestehen.</p>

<p>Franz Woyzeck wird im Rahmen seiner (sprachlichen) Hilflosigkeit zum M&#246;rder an der Frau, f&#252;r die er all die Last der drei Jobs (einfacher Soldat, Barbier des Hauptmanns, Proband des Doktors) letztlich wohl auf sich genommen hat, ohne dass er das Bed&#252;rfnis Maries nach einem Minimalluxus h&#228;tte erf&#252;llen k&#246;nnen.</p>

<p>Politisch und im Zusammenhang mit der aktuellen Bildungsdebatte scheint mir diese an Hypothesen orientierte Darstellung B&#252;chners nach wie vor hoch brisant.</p>

<p>Sprache und die mit ihr verbundenen M&#246;glichkeiten des Ausdrucks, aber fast noch mehr die mit ihr verbundenen Reflexionsm&#246;glichkeiten, scheinen nach wie vor Voraussetzung f&#252;r Einfluss in der Gesellschaft zu sein. Analog kann geschlossen werden, dass ein Mangel an sprachlichen Ausdrucksm&#246;glichkeiten nicht nur den gesellschaftlichen Einfluss reduziert, sondern auch dazu f&#252;hrt, dass Menschen sich den Gegebenheiten hilflos ausgeliefert sehen. Folglich wird nach anderen Mitteln des Ausdrucks der als mangelhaften erlebten Einflussm&#246;glichkeiten gesucht werden m&#252;ssen. Und diese Ausdrucksmittel sind, so die in Anlehnung an B&#252;chners „Woyzeck“ hier vertretene Hypothese, tendenziell mit Gewalt verbunden.</p>

<p>Wenn es stimmt, dass die sprachlichen F&#228;higkeiten in schulischen Zusammenh&#228;ngen (und vor allem hier scheint es entsprechend aussagekr&#228;ftige Studien zu geben, auch wenn die Kriterien der PISA-Studien kritisierbar sind) abnehmen und parallel eine Zunahme der Gewaltbereitschaft (nicht nur) unter Jugendlichen beobachtet werden kann, so scheint es nicht abwegig, die Hypothese aufzustellen, dass es hier einen Zusammenhang geben k&#246;nnte.</p>

<p>Gleiches k&#246;nnte dann f&#252;r extremistische Str&#246;mungen gelten, in denen wenige, aber sprachlich kompetente, Personen, &#228;hnlich dem Doktor oder dem Hauptmann in B&#252;chners „Woyzeck“, Menschen f&#252;r ihre Zwecke funktionalisieren und missbrauchen, Menschen, die sich der Leitung ihrer Gedanken durch Dritte bedienen wollen bzw. m&#252;ssen, wollen sie &#252;berhaupt noch den Eindruck haben, ihre eigene Wahrnehmung der Gesellschaft ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen bzw. ausgedr&#252;ckt zu finden.</p>

<p>Das Projekt der Aufkl&#228;rung m&#252;sste dann also in der Gegenwart ein Projekt der massiven F&#246;rderung sprachlicher F&#228;higkeiten (Kompetenzen) sein, das &#252;berall dort stattfindet, wo sprachliche Bildung stattfindet, insbesondere aber in den Schulen und in den Familien, aber auch zumindest in den &#246;ffentlich-rechtlichen Medien. Dies scheint vor allem deshalb notwendig, weil Sprache und die mit ihr verbundene Reflexionsf&#228;higkeit &#252;berhaupt erst die Grundvoraussetzungen daf&#252;r sind, dass sich das Individuum seines eigenen Verstandes ohne die Leitung eines Dritten bedienen kann und somit f&#252;r den gesellschaftlichen Diskurs (gewaltfrei) relevant wird.</p>

<p>Auf der anderen Seite bedarf es dringend sprachlich kompetenter Individuen, die ihre reflexiven F&#228;higkeiten nutzen, um Br&#252;cken &#252;ber sprachliche (oft wird hier von „sozialen“) Abgr&#252;nde zu bauen und somit den sprachlich (=gesellschaftlich?) Ausgegrenzten eine Stimme zu geben.</p>

<p>Gleichzeitig m&#252;ssten demokratische Politiker und Politikerinnen ihre, im Spiel mit medialer Pr&#228;szenz entstehenden, sprachlichen Vernebelungen beenden und nach einer Sprache suchen, die m&#246;glichst weiten Bev&#246;lkerungsschichten zug&#228;nglich und verst&#228;ndlich ist, um so in einen die Gesellschaft relevant gestaltenden Dialog mit dem Souver&#228;n eines demokratischen Staates zur&#252;ck zu finden.</p>

<p>Doch auch &#252;ber Grenzen hinweg haben B&#252;chners durchaus auch sprachkritisch zu verstehenden Darstellungen gesellschaftlicher Zusammenh&#228;nge im „Woyzeck“ Relevanz. In der globalen Gesellschaft gilt es, &#252;ber sprachliche oder gar dialektal gepr&#228;gte Grenzen hinaus zu schauen und denen eine M&#246;glichkeit des (sprachlichen) Ausdrucks zu geben, die im globalen Ma&#223;stab als die <a href="http://weltzeugen.blogspot.com/2010/01/outsourced-slavory.html" target="_blank">Verlierer im System &#246;konomisch gepr&#228;gter Machtzusammenh&#228;nge</a> gelten.</p>

<p>Dies alles hat zudem mit „Bildung“ zu tun. „Bildung“ wird hier als die M&#246;glichkeit verstanden, sich selbst ein m&#246;glichst differenziertes Bild von sich selbst, der Welt und den dieses Ich und die globalen Zusammenh&#228;nge pr&#228;genden Faktoren zu machen, eine Sprache f&#252;r eigene  Erfahrungen zu finden und in den Diskurs einzubringen, der gesellschaftliche Entwicklungen zu beeinflussen vermag. „Bildung“ wird hier als M&#246;glichkeit der Einflussnahme im Kontext gesellschaftlich relevanter Diskussionen verstanden.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_2496" class="footnote">zum hier gesagten vergleiche z. B. die Szene „<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Vorl%C3%A4ufige+Reinschrift+%28H4%29/%5BH4,+Szene+4%5D" target="_blank">Kammer</a>“ – da die Szenen des Dramenfragments in unterschiedlichen Ausgaben unterschiedlich angeordnet sind, setze ich hier Links zu den entsprechenden Szenen im Zeno-Projekt.</li><li id="footnote_1_2496" class="footnote">Der Hauptmann. Woyzeck (<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Vorl%C3%A4ufige+Reinschrift+%28H4%29/%5BH4,+Szene+5%5D" target="_blank">Rasierszene</a>) </li><li id="footnote_2_2496" class="footnote"><a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Vorl%C3%A4ufige+Reinschrift+%28H4%29/%5BH4,+Szene+16%5D" target="_blank">Kammer</a> – Marie. Der Narr</li><li id="footnote_3_2496" class="footnote"><a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Vorl%C3%A4ufige+Reinschrift+%28H4%29/%5BH4,+Szene+11%5D" target="_blank">Wirtshaus</a></li><li id="footnote_4_2496" class="footnote"><a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Erste+Fassung.+Szenengruppe+1+%28H1%29/%5BH1,+Szene+14%5D" target="_blank">Marie mit M&#228;dchen vor der Haust&#252;r</a></li><li id="footnote_5_2496" class="footnote"><a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Vorl%C3%A4ufige+Reinschrift+%28H4%29/%5BH4,+Szene+8%5D" target="_blank">Beim Doktor</a></li><li id="footnote_6_2496" class="footnote">Der Hauptmann, Woyzeck. (<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Vorl%C3%A4ufige+Reinschrift+%28H4%29/%5BH4,+Szene+5%5D" target="_blank">Rasierszene</a></li></ol>
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		<title>Im Gehege des Deutschunterrichts oder: Der Zoo und die Wildnis</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 22:42:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Kurzgeschichten erfreuen sich im Deutschunterricht seit jeher einer gro&#223;er Beliebtheit“, schreibt Reiner Werner auf Seite Vier der Einleitung des Schroedel-Bandes „Deutsch SII (Kompetenzen, Themen, Training), Kompetent in Kurzgeschichten“, der 2009 erschienen ist. Er zeigt damit, m&#246;glicherweise, ohne sich dessen bewusst &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/07/im-gehege-des-deutschunterrichts-oder-der-zoo-und-die-wildnis/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>„Kurzgeschichten erfreuen sich im Deutschunterricht seit jeher einer gro&#223;er Beliebtheit“,</blockquote>

<p>schreibt Reiner Werner auf Seite Vier der Einleitung des Schroedel-Bandes „Deutsch SII (Kompetenzen, Themen, Training), Kompetent in Kurzgeschichten“, der 2009 erschienen ist. Er zeigt damit, m&#246;glicherweise, ohne sich dessen bewusst zu sein (?), schon im ersten Satz des von ihm erarbeiteten Bandes, die Ambivalenz des Einsatzes von Kurzgeschichten auf: Einerseits geh&#246;ren Kurzgeschichten mit Gedichten zu den am h&#228;ufigsten im Deutschunterricht eingesetzten literarischen Kunstwerken. Andererseits handelt es sich dabei aber um literarische Gattungen, die au&#223;erhalb der Schule so gut wie gar nicht gelesen werden.</p>

<p>In der Schule werden diese „kleinen“ literarischen Gattung „gehegt“ und „gepflegt“; auf dem Buchmarkt spielen sie eine kaum wahrnehmbare Rolle. „Gehegt“ und „gepflegt“ – oder vielleicht doch eher missbraucht, vergewaltigt und get&#246;tet? Dieser Frage will ich hier nachgehen. Dabei nehme ich das Vorwort in dem schon zitierten Schroedel-Band als Leitfaden, weil es sich um 1. um einen gerade erschienenen und 2. um einen von seiner Zielrichtung her an Komptenzen orientierten Band handelt, der zumindest davon Zeugnis gibt, wie sich ein Schulbuchverlag „Kompetenzen“ im Umgang mit Literatur vorstellt.</p>

<p>Entscheidend ist f&#252;r mich eigentlich immer, was Lehrer und Didaktiker – nein, es ist kein Zufall, dass ich diese beiden Begriffe nicht synonym gebrauche – zum Thema der Methodik zu sagen haben. Dazu Rainer Werner:</p>

<blockquote>„Der moderne Literaturunterricht zielt darauf ab, den Sch&#252;lern wichtige Kompetenzen der Textinterpretation zu vermitteln, die sie in die Lage versetzen, ihre F&#228;higkeiten im Umgang mit Sprache und Literatur stetig zu erweitern.“ (a.a.O., S. 5.)</blockquote>

<p>Ja, genau so ist es und so muss es auch sein, will ein Sch&#252;ler oder eine Sch&#252;lerin Klausuren in der Oberstufe bestehen und schlie&#223;lich den Anforderungen des Abiturs entsprechen. Dementsprechend geht der Autor dann noch kurz darauf ein, welchen Grunds&#228;tzen sein Ansatz folgt, der die „herk&#246;mmliche lehrerzentrierte Unterrichtsform“ auflockern will, in dem so „sch&#252;lerzentrierte“ Methoden, wie Gruppen und Partnerarbeit, aber auch kreative Schreibaufgaben eingesetzt werden, ohne die „strukturierende Hand des Lehrers“ aus dem Blick zu verlieren, dessen „&#252;berlegenes Wissen“ nun nicht mehr nur eingesetzt werde, „um den Gang der Interpretation immer zum ‚richtigen‘ Ziel hin zu steuern“ (ebd.). Au&#223;erdem behauptet Werner auch noch richtig, dass Lehrer Sch&#252;lern das fachliche Wissen voraus h&#228;tte, aber auch, dass dieses Voraus ebenso f&#252;r die Erfahrung im Umgang mit literarischen Texten gelte.</p>

<p>Und dann werden all die Wege genannt, die Lehrer (und Lehrerinnen) mit dem nun vorgelegten Band gehen k&#246;nnten. – Wer w&#252;rde von einem Lehrerband zum Thema „Kurzgeschichten“ auch etwas anderes erwarten, stimmt Werners Darstellung des Literaturunterrichtes doch ziemlich genau mit einer zumindest nach wie vor weit verbreiteten Wirklichkeit des Deutschunterrichts &#252;berein, die man sich bei den genannten und faktisch so in Pr&#252;fungen ja wirklich erwarteten Zielen, auch kaum anders vorstellen kann.</p>

<p>F&#252;r Lehrende ist das im t&#228;glichen Prozess der Reflexion auf ihren Unterricht ein wirklich guter Band zum Thema Kurzgeschichten geworden. Und f&#252;r den Band spricht auch, dass Reiner Werner scheinbar alle Unterrichtsvorschl&#228;ge am Berliner John-Lennon-Gymnasium ausprobiert hat. Die Inhalte sind also erfahrungsges&#228;ttigt und kommen zudem Lehrerinnen und Lehrern entgegen, die sich zwar der Kompetenzenorientierung des Unterrichts nicht entziehen wollen, gleichzeitig aber auch, um ihrer Verantwortung gerecht werden zu k&#246;nnen, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler kompetent im Umgang mit literarischen Texten zu machen, die strukturierenden F&#228;den in den H&#228;nden behalten wollen. Das st&#246;rt mich nicht, das geh&#246;rt nach wie vor zum Alltag des Deutschlehrers – und die Frage nach der Lehrerrolle im Deutschunterricht soll hier auch gar nicht im Vordergrund stehen, so sehr sie im Hintergrund immer mitschwingen mag.</p>

<p>Viel mehr interessieren mich hier zwei andere Fragen:</p>

<ol>
    <li>Wo kommen in solchen Ans&#228;tzen, wie er von Reiner Werner im Vorwort des Bandes „Kompetent in Kurzgeschichten“ vertreten wird, die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vor?</li>
    <li>Welche Rolle haben literarischen Kurzformen im Deutschunterricht.</li>
</ol>

<p>Beginnen wir mit der zweiten Frage:</p>

<p>Die Rolle von literarischen Kurzformen im Unterricht steht in einem deutlichen Gegensatz zu der Rolle, die diese Textsorten im Alltag durchschnittlicher Leser und Leserinnen spielen. Sie werden gew&#228;hlt, weil sie gut in den Zusammenhang von Unterrichtsstunden passen.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus kann an literarischen Kurzformen in kompakter Form Wissen im Umgang mit Texten vermittelt werden. Das m&#246;gen ehrenwerte Ziele und ein nachvollziehbarer Mehrwert von Gedichten und Kurzgeschichten sein, aber am wichtigsten finde ich, dass diese f&#252;r mich literarisch anspruchsvollsten literarischen Gattungen im Deutschunterricht am Leben erhalten werden. Die Schule &#252;bernimmt f&#252;r diese literarischen Gattungen, insbesondere f&#252;r Kurzgeschichten, kommen Gedichte doch immerhin auf den MP3-Playern der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler als „Lyrics“ nach wie vor in Massen vor, in etwa die Rolle, die Zoos f&#252;r vom Aussterben bedrohte Tierarten &#252;bernehmen: Es wird ein Schauraum geschaffen, in dem man gesch&#252;tzt und strukturiert und angeleitet, von W&#228;rtern gehegte und gepflegte Tiere betrachten kann, die einem in freier Wildbahn oftmals kaum noch begegnen. Die Gehege werden mit Tafeln versehen, die alles erkl&#228;ren – und der Besucher kann den Zoo mit dem guten Gef&#252;hl verlassen, etwas gelernt zu haben. Au&#223;erdem wird das Einsperren der Tiere mit der in Zoos stattfindenden wissenschaftlichen Arbeit begr&#252;ndet, die ja in Einzelf&#228;llen auch wieder zur Auswilderung der Tiere f&#252;hren kann.</p>

<p>Sicher, eine authentische Begegnung mit einer Wildkatze, einer Giftschlange oder einem Krokodil sieht anders aus. Sie ist aufregender und deutlich gef&#228;hrlicher als im Zoo. Und sp&#228;testens dann, wenn ein solches Tier seziert wird, ist klar: Jetzt geht es um die anatomische Zerlegung einer Leiche.</p>

<p>Kurzgeschichten (Gedichten und eigentlich fast jeder literarischen Form) ergeht es im Deutschunterricht nicht besser. Die unmittelbare, „gef&#228;hrliche“ Begegnung mit Literatur wird h&#246;chstens noch methodisch geleitet zugelassen, die Frage nach dem ersten Leseeindruck der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler wird fast zu einer rhetorischen Frage, da sie oft beim weiteren Umgang mit einem literarischen Kunstwerk kaum noch eine Rolle spielt. Dort, wo das „Wilde“ und das „Gef&#228;hrliche“ der Literatur zu Hause ist, dort, wo ein Mensch mit seiner Biographie auf einen Text trifft und aus dieser existentiellen Begegnung etwas wachsen kann, liegen die Seziermesser der Textanalyse schon bereit, mit denen das m&#246;glicherweise im ersten Leseeindruck aufgeflackerte Leben, das in der Begegnung von Text und Leser bzw. Leserin gezeugt wird, schnellstm&#246;glich auf funktional einsetzbare Kompetenzen hin beschnitten wird.</p>

<p>Nat&#252;rlich wird ein Deutschlehrer vermutlich mehr gelesen haben als die Jugendlichen. Nat&#252;rlich hat die Deutschlehrerin aus dem Studium mehr Fachwissen als Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler. Aber kann man in der unmittelbaren Begegnung mit Literatur je erfahrener sein, abgesehen von der Erfahrung, was Literatur mit einem „echten“ Leser machen kann, als die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler?</p>

<p>Wenn es stimmt, dass jeder Text in der Begegnung mit jedem Leser und jeder Leserin „neu“ entsteht, „neu“ gelesen wird; wenn es stimmt, dass in der Begegnung des Textes mit dem Lesenden ein Text v&#246;llig neue Seiten Preis geben kann, dann wertet die Behauptung, dass ein Lehrer „besser“ lesen k&#246;nne diese Leseerfahrungen ab – und zwar so sehr, dass es Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern eine gro&#223;e Herausforderung ist, wenn ein Lehrer versucht, sie wirklich mit dem Text in eine Begegnung zu bringen, aus der m&#246;glicherweise das nachgelagerte Interesse an den Techniken erw&#228;chst, derer sich ein Autor (ob nun gezielt oder nicht) bedient hat.</p>

<p>Oft steht die Aussage, dass  das Ziel beim Umgang mit Literatur in der Schule „sowohl die pers&#246;nliche Erfahrung der Leser bzw. Sch&#252;ler       in die Auseinandersetzung mit dem literarischen Text einzubeziehen, als       auch ein angemessenes Verst&#228;ndnis f&#252;r die Aussage und Form solcher Texte       zu f&#246;rdern“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/10/07/im-gehege-des-deutschunterrichts-oder-der-zoo-und-die-wildnis/#footnote_0_2095" id="identifier_0_2095" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Lensch, Martin (2000):         Spielen, was (nicht) im Buche steht. Die Bedeutung der Leerstelle f&amp;#252;r         das literarische Rollenspiel, M&amp;#252;nster: Waxmann 2000, S.11">1</a></sup> im didaktischen Vordergrund des Deutschunterrichtes stehen m&#252;sse, zwar im Zentrum literaturdidaktischer Seminare, seltener aber im Zentrum des literarischen Zoos des Deutschunterrichtes.</p>

<p>Dies gilt insbesondere, wenn das Unplanbare der pers&#246;nlichen Erfahrung der Leser in der Begegnung mit einem Text ernst genommen wird, da der Unterricht dann nur noch in Grenzen planbar ist, sobald die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen erst einmal wieder gelernt haben, dass diese pers&#246;nlichen Eindr&#252;cke, Emotionen und auch Langeweilen, relevant f&#252;r ihre Begegnung mit einem literarischen Kunstwerk sind.</p>

<p>L&#228;ngst aber hat sich das „Wilde“ in der Begegnung mit Literatur andere Orte als die Schule gesucht, in der selbst B&#252;chners „Woyzeck“ zu einem harmlosen Schmusek&#228;tzchen wird, die Leidenschaft, die in Dramen wie „Don Carlos“ w&#252;tet, auf den Tisch des nach Stilmitteln suchenden Pathologen gelegt wird, das Sozialkritische eines Brechts in der Langeweile von Zeitgeschichte ers&#228;uft.</p>

<p>Das „Wilde“ findet au&#223;erhalb der Schule statt: In der gierigen Lekt&#252;re von „Harry Potter“ hat es sich gezeigt; in der Verwechslung von Dichtung und Wahrheit, die manche Leser dazu brachte, Dan Browns (schlecht geschriebenes) Buch „Sakrileg. Der Da Vinci Code“ als ein von seinen Aussagen her vielleicht richtiges Werk zu betrachten; im Zittern beim Lesen von Thrillern, bei denen die meisten Erwachsenen die Frage stellen, ob die Jugendlichen denn schon in dem Alter sind, so etwas zu verkraften; in der Liebesschnulze, dem Fantasyroman etc., die in der S-Bahn aus der Tristesse des Zuges entf&#252;hren und Phantasien ebenso wie Gr&#246;&#223;enphantasien befriedigen.</p>

<p>Zugegeben: Die Literaturauswahl in den Schulen ist meist tats&#228;chlich so, dass literarische hochwertige Werke gelesen werden. Aber wo bleibt das Entsetzen, wenn Faust Gretchen in den Tod treibt, wo der Aufschrei, wenn ein Hauptmann oder ein Doktor mit Woyzeck ihr „Spiel“ treiben, wo das Sehnsuchtslechzen, wenn die Romantiker der Wirklichkeit mehr als nur die K&#228;lte der radikal entmystifizierenden rationalen Zugangsweise abtrotzen wollen? – F&#252;r solche emotionalen Regungen scheint in der Schule kein Platz zu sein, so wenig, wie im Zoo in der Regel Platz f&#252;r die „Angst“ ist, wenn man einem wilden Tier nur durch einen Zaun oder eine Glasscheibe getrennt gegen&#252;ber steht.</p>

<p>Und das gilt auch (und besonders) f&#252;r Kurzgeschichten, in denen so oft massive existentielle Fragen im Zentrum stehen und hoch konzentriert auf Leser und Leserinnen treffen wollen. Was hier an Destillat der Wirklichkeit hochprozentig eingeschenkt wird, macht dennoch selten besoffen, weil schnell das konservierende und die Kost ungenie&#223;bar machende Formalin der analytischen Konservierung &#252;ber die Texte gesch&#252;ttet wird, bis selbst die Begegnung mit den Texten und deren eigentlich oft existentiellen Herausforderungen und Reflexionspotentiale in Formalia erstickt ist.</p>

<p>Kurzgeschichten und Gedichte sind aber zuerst Kunstwerke! Sie sind keine harmlosen Tierchen, die man zu Demonstrationszwecken halten kann, ohne dass sie ihren Reiz und ihre Faszination verlieren.</p>

<p>Kurzgeschichten und Gedichte sind nicht zuerst &#220;bungen, an denen Autoren und Autorinnen ihre formalen F&#228;higkeiten erproben wollten, sondern, oft hochgradig existentielle Auseinandersetzungen der Autoren und Autorinnen mit einer Wirklichkeit, der sie ausgesetzt sind.</p>

<p>Die so oft im Unterricht benutzten Kurzgeschichten der sp&#228;ten 40er und der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts sind keine Darstellung der Nachkriegszeit, sondern existentielle Auseinandersetzungen mit den Schrecken dieser Zeit. Paul Celan schrieb keine Gedichte, die zuerst der Analyse dienen sollten. „Todesfuge“ ist eine existentielle Auseinandersetzung mit dem Schrecken, der Celan sp&#228;ter in den Selbstmord trieb. Und &#228;hnliches gilt f&#252;r so ziemlich alles, was im Deutschunterricht gelesen wird (werden soll): B&#252;chners verzweifelter Aufschrei gegen&#252;ber der Ungerechtigkeit zu Zeiten der fr&#252;hen Industrialisierung im „Woyzeck“, Schillers massive Abarbeitung an einer Biographie zwischen unaufgekl&#228;rten F&#252;rsten und Freiheitsdrang, die radikale Erfahrung der Zerst&#252;ckelung des Menschen im Kontext der Massenmenschenhaltung in von der Industrialisierung lebensfeindlich gewordenen St&#228;dten usw.</p>

<p>Schullekt&#252;ren waren einmal „wilde“ B&#252;cher. Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ rief zur Zeit des Erscheinens Massenph&#228;nome zwischen Kleidungsstil und Selbstmord hervor; Heinrich Mann galt als „gef&#228;hrlicher“ Schriftsteller, weil er nicht nur schrieb, sondern auch noch Kommunist war; Kafka durchlebte in der k&#252;nstlerischen Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Zeit die Verzweiflung an sich selbst und seiner Zeit. – Wo ist davon noch etwas im &#252;blichen Deutschunterricht zu sp&#252;ren, der Kompetenzen in den Vordergrund stellt, die letztlich eben doch nichts anderes sind als Anleitungen zum Gebrauch von Werkzeugen zur Zerlegung von Texten und eben nicht die Hinf&#252;hrung zu der F&#228;higkeit sind, sich einem Text existentiell auszusetzen?</p>

<blockquote>„Kurzgeschichten erfreuen sich im Deutschunterricht seit jeher einer gro&#223;er Beliebtheit“,</blockquote>

<p>richtig. Das gilt auch f&#252;r Gedichte. Aber die Beliebtheit hat nichts damit zu tun, dass hier Hochprozentiges genossen wird und existentiell „besoffen“ macht, sondern darin, dass es nun einmal leichter ist, eine Maus zu fangen und mit dem Skalpell in relativ kurzer Zeit zu zerlegen als es dies bei einer Wildkatze, einer Giftschlange oder einem Elefanten der Fall ist. Etwas Kleines bzw. klein Gemachtes kann leichter im Gehege gehalten werden als etwas Gro&#223;es uns Wildes.</p>

<p>Das Resultat ist verheerend: Die Kunstformen, die die gr&#246;&#223;ten Herausforderungen an ihre Verfasser in Hinsicht auf (Ver)Dichtung stellen, werden so Kunstformen, die im au&#223;erschulischen Leben so wenig anzutreffen sind, wie W&#246;lfe in deutschen W&#228;ldern. Wildkatzen werden zu Hauskatzen konditioniert; der revolution&#228;re Schrei nach Gerechtigkeit wird zum historischen Quellchen herab gew&#252;rdigt.</p>

<p>Nein, ich geh&#246;re nicht zu denen, die meinen, dass Literatur die Welt ver&#228;ndern k&#246;nnte. Aber ich geh&#246;re zu denen, die Prousts Diktum am eigenen Leib erfahren haben, dass der Leser, wenn er wirklich liest, immer ein Leser seiner selbst sei.</p>

<p>Kompetenter Umgang mit Literatur? Ja, dazu geh&#246;ren auch alle Fragen nach den Techniken, die Literatur wirksam machen, nach Stilmitteln, die die Wirkung von Literatur begr&#252;nden – und auch nach den oft als existentiell empfunden „Kompetenzen“, die es erm&#246;glichen, Pr&#252;fungen zu bestehen.</p>

<p>Doch die wichtigste, handlungsorientierende Kompetenz im Umgang mit Literatur ist die Kompetenz, sich literarischen Texten &#252;berhaupt mit Haut und Haaren auszusetzen zu k&#246;nnen, um so etwas &#252;ber sich selbst und die Welt zu erfahren.</p>

<p>Es ist immer das „Ich“, das liest, das einen Text erlebt oder in ihm die eigene Gelangweiltheit erf&#228;hrt. Doch dieses lesende „Ich“ muss ermutigt werden, seine eigene Auseinandersetzung mit einem literarischen Werk auch zuzulassen, sie als wertvoll f&#252;r das Leben des Textes, f&#252;r dessen Rezeptionsgeschichte zu erfahren, findet das lebendige, wilde und eben nicht immer vom Lehrer oder von der Lehrerin voraussehbare Leben eines Textes doch genau in dieser Begegnung eines Lesers oder einer Leserin mit einem Text statt, in einem letztlich unverf&#252;gbaren Aufeinandertreffen. Die Aufgabe des Deutschunterrichtes ist es dann, diese Begegnung kommunizierbar zu machen, die Kompetenz zu vermitteln, anderen, die diese individuelle Begegnung m&#246;glicherweise ganz anders erleben, von diesen Erfahrungen nachvollziebar berichten zu k&#246;nnen. Hier, und erst hier, kommen all die Kompetenzen ins Spiel, die Deutschunterricht nat&#252;rlich auch vermitteln muss: Die F&#228;higkeiten, die notwendig sind, um Dritte an den eigenen Erfahrungen mit einem Text Anteil zu geben, also auch die Begr&#252;ndung und &#220;berpr&#252;fung des subjektiven Leseerlebnisses gegen&#252;ber anderen – nicht, um diese von der eigenen Wahrnehmung als die „einzig richtige“ zu &#252;berzeugen, sondern um die Differenz im Umgang mit Texten als eine solche zu erleben, die den eigenen Blick bereichert und m&#246;glicherweise sogar ver&#228;ndert oder auch als sehr pers&#246;nlichen relativiert.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Zwischen Kompetenzen und Literacy oder: Ohne Inhalt keine Kompetenz</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Sep 2009 21:48:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Der reine Kompetenzmensch ist in meinen Augen der abh&#228;ngige Mensch von Morgen“, fasst Maik Riecken die Grenzen und Gefahren eines vor allem auf Kompetenzen ausgerichteten Bildungsbegriffs zusammen. Und weiter schreibt Riecken: „Kompetenzen fangen f&#252;r mich immer mit dem Inhalt an &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/20/zwischen-kompetenzen-und-literacy-oder-ohne-inhalt-keine-kompetenz/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Der reine Kompetenzmensch ist in meinen Augen der abh&#228;ngige Mensch von Morgen“, fasst <a href="http://riecken.de/index.php/2009/09/wir-konnen-nicht-mehr-alles-wissen/" target="_blank">Maik Riecken</a> die Grenzen und Gefahren eines vor allem auf Kompetenzen ausgerichteten Bildungsbegriffs zusammen. Und weiter schreibt Riecken:</p>

<blockquote>„Kompetenzen fangen f&#252;r mich immer mit dem Inhalt an – nie mit der Methode, nie mit dem Medium. Wir k&#246;nnen nicht alles wissen. Das hei&#223;t aber nicht, dass wir kein Wissen mehr vermitteln sollten oder dass wir keines mehr brauchen.“ (<a href="http://riecken.de/index.php/2009/09/wir-konnen-nicht-mehr-alles-wissen/" target="_blank">Quelle</a>)</blockquote>

<p>Kompetenzen! – So lautet das neue Zauberwort, seit PISA 1 &#246;ffentlichkeitswirksam darstellte, dass es mehr und mehr Jugendliche (<em>u. a.</em> [sic!] in Deutschland) gibt,<span id="more-2032"></span> die z. B. nicht mehr in der Lage sind, in Texten vorhandenes Wissen oder in Texten dargestellte Arbeitsanweisungen, beispielsweise bei Textaufgaben im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, herauszuarbeiten oder anzuwenden.</p>

<p>Die logische Folge aus dieser Erkenntnis ist, dass die F&#228;higkeit zur Anwendung von Wissen st&#228;rker in den Vordergrund gestellt werden muss. Es muss gelernt werden, wie gelernt wird, was heute unter dem Schlagwort „Lernen lernen“ zusammengefasst wird. Es muss aber ebenso gelernt werden, wie Inhalte so erfasst werden k&#246;nnen, dass diese f&#252;r den Bildungsprozess fruchtbar und wirksam werden k&#246;nnen. – Es geht also nicht nur darum, Buchstaben zu lernen, um in der Lage zu sein, diese in Texten wiederzuerkennen, sondern darum, das System, in dem die Buchstaben zu gr&#246;&#223;eren Buchstabengruppen (W&#246;rter, S&#228;tze, Texte) werden, zu verstehen, da nur so die in Zeichenstrukturen festgehaltenen Inhalte erfasst werden k&#246;nnen.</p>

<p>Eine Kompetenz umfasst immer mehr als eine Anwendungsf&#228;higkeit. Und wenn der deutsche Begriff „F&#228;higkeit“ auch schon eine ganze Menge von dem beinhaltet, was in der Diskussion um Kompetenzenorientierung als wichtig angesehen wird, so schlage ich an dieser Stelle dennoch vor, den englischen Begriff der „literacy“ zu benutzen, da dieser einige Seiten in Bildungsprozessen ber&#252;cksichtigt, die weder im Begriff der „F&#228;higkeiten“ noch der „Kompetenzen“ automatisch mitgedacht werden. Ich schlage dies vor, da „F&#228;higkeiten“ eher mit dem englischen „abilities“ korrespondiert und der Kompetenzenbegriff eher mit dem englischen „skills“ erl&#228;utert werden kann.</p>

<p>Also „literacy“. Um diesen Begriff richtig zu verstehen, darf man nicht den Fehler machen, ihn einfach mit Lesekompetenz oder gar Literalit&#228;t zu &#252;bersetzen, wie z. B. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Literacy" target="_blank">Wikipedia</a> das macht. „Literacy“ wird in unterschiedlichen Zusammenh&#228;ngen verwendet und meint in diesen eben mehr als nur Lesef&#228;higkeit: Wenn zum Beispiel von „reading literacy“ die Rede ist, dann bezieht sich diese auf eine „schriftsprachliche Rezeptionsf&#228;higkeit im weitesten Sinn, etwa auf Verstehens­leistungen bei der Lekt&#252;re verschiedener linearer Textsorten, aber auch bei Tabellen, Graphiken, Lexikon oder Hypertexten“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/09/20/zwischen-kompetenzen-und-literacy-oder-ohne-inhalt-keine-kompetenz/#footnote_0_2032" id="identifier_0_2032" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="CORNELIA ROSEBROCK (2006). Lesesozialisation und Lesef&amp;#246;rderung &ndash; literarisches Leben in der Schule. In: MICHAEL K&amp;#196;MPER-VAN DEN BOOGAART (Hg.), Deutsch-Didaktik: Leitfaden f&amp;#252;r die Sekundarstufe I und II. Berlin, Cornelsen Verlag Scriptor: 153&ndash;174, 154.">1</a></sup></p>

<!--        @page { margin: 56.7pt }        P { margin-bottom: 6pt } -->

<p>Als zweites Beispiel, in welchen Zusammenh&#228;ngen von „literacy“ &#252;ber „Lesef&#228;higkeit“ oder „Lesekompetenz“ hinaus gesprochen werden kann, sei hier im Sinne Sonja Livingstons, die am <a href="http://www.lse.ac.uk/collections/media@lse/whosWho/soniaLivingstone.htm">Department for Media and Communication</a> der <a href="http://www.lse.ac.uk/" target="_blank">London School of Economics and Political Sciences</a> arbeitet, der Begriff der „media literacy“ genannt, zu dem <a href="http://www.lse.ac.uk/collections/media@lse/whosWho/soniaLivingstone.htm#medialiteracy" target="_blank">Livingstone gearbeitet hat</a>. – Livingstone definiert „media literacy“ als “the ability to access, analyse, evaluate and create messages across a variety of contexts” (die F&#228;higkeit / Kompetenz des Zugangs, der Analyse, der Evaluation und der Erstellung zu / von Nachrichten in unterschiedlichen Kontexten).</p>

<p>Dies klingt zun&#228;chst einmal nach einer reinen Ansammlung von F&#228;higkeiten, die zwar die Anwendbarkeit der Medien zulassen, aber keine Kenntnisse &#252;ber diese Medien voraussetzen. Und damit wird aus einem kompetenten Menschen in diesem Sinne ein abh&#228;ngiger Mensch, wie <a href="http://riecken.de/index.php/2009/09/wir-konnen-nicht-mehr-alles-wissen/" target="_blank">Riecken so treffend darstellt</a>:</p>

<blockquote>„Der reine Kompetenzmensch ist in meinen Augen der abh&#228;ngige Mensch von Morgen. Wie viele Menschen sind z.B. von einer bestimmten Benutzeroberfl&#228;che eines Rechners abh&#228;ngig, weil sie nicht verstehen wollen, was der Rechner f&#252;r sie macht? Relevantes Wissen im IT-Bereich bedeutet das Erlernen von Konzepten – etwa der Objektorientierung – die es erlauben, jedes Schreibprogramm, welche objektorientiert arbeitet (das tun fast alle) zu bedienen. Das erm&#246;glicht mir Freiheit bei der Wahl meines Softwareanbieters. Dazu ben&#246;tige ich zun&#228;chst aber Wissen um die Objektorientierung und ich brauche jemanden, der erkennt, dass die Objektorientierung relevantes Wissen darstellt. Habe ich dieses Wissen nicht, muss ich andere Leute fragen oder f&#252;r eine Dienstleistung zahlen.“</blockquote>

<p>Doch Livingstone erkennt dieses Problem und stellt in ihren &#220;berlegungen zur Evaluation von Nachrichten in unterschiedlichen medialen Kontexten folgendes fest:</p>

<blockquote>“<em>There is little point in access or analysis without judgement</em>, but a stress on evaluation raises, rightly, some difficult policy questions when specifying and legitimating appropriate bases of <em>critical literacy – aesthetic, political, ideological and/or economic</em>. The scope and purpose of evaluation is also disputed: is media literacy intended to promote a democratised, diverse, anti-elitist approach to online representations or should it underpin a more traditional, hierarchical discrimination of good from bad, authoritative from unauthorised, information and communication?”<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/09/20/zwischen-kompetenzen-und-literacy-oder-ohne-inhalt-keine-kompetenz/#footnote_1_2032" id="identifier_1_2032" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Sonja Livingstone (2004) What is media literacy? Intermedia, 32(3), 18-20. September &ndash; Hervorhebungen von mir.">2</a></sup></blockquote>

<p>An diesem Punkt wird deutlich, dass „literacy“ als Begriff mehr als nur F&#228;higkeiten und Kompetenzen (abilities / skills) umfasst: Es geht auch um die F&#228;higkeit zum kritischen Umgang mit den Kompetenzen bzw. vor allem den Inhalten oder Gegenst&#228;nden, die &#252;ber Kompetenzen erschlossen werden. Es geht um die F&#228;higkeit des reflexiven, auf Wissen (Inhalten!) basierenden Umgangs mit Kompetenzen, der auch dann noch weiter hilft, wenn z.B. die Benutzeroberfl&#228;chen von Computerprogrammen v&#246;llig anders aussehen, als wir das heute gewohnt sind.</p>

<p>Doch der „literacy“-Begriff ist meines Erachtens noch umfassender. Er beinhaltet n&#228;mlich auch all jene Faktoren, die den Prozess der Erfassung und Integration von Inhalten in den eigenen Kompetenzen-Pool vor dem je eigenen biographischen, sozialen und kulturellen Hintergrund begleiten und f&#252;hrt im Idealfall auch zu der Kompetenz, diese Hintergr&#252;nde reflexiv und kritisch in den eigene (handlungsorientierten) Lernprozess zu integrieren. Dieser Idealfall ist es, den ich (neben noch weiteren, hier nicht n&#228;her ausgef&#252;hrten Differenzierungen) mit dem Bildungsbegriff verbinde.</p>

<p>Zugegeben: Ich kenne keinen einzigen an Bildungsprozessen Beteiligten, der der Annahme, dass Kompetenzenorientierung nicht ohne Inhalte gehe, widersprechen w&#252;rde. Grunds&#228;tzlich scheint allgemein akzeptiert zu sein, dass der Prozess der Wissensgenerierung mit praktischen Bez&#252;gen und bildenden Wirkungen ein dialektischer ist, der sich zwischen Inhalten und praktischen Anwendungen hin und her bewegt. Und doch scheint es mir in diesem dialektischen Prozess gegenw&#228;rtig eine &#220;bergewichtung der Kompetenzen zu geben, was sicher mit der vorhergegangenen &#220;bergewichtung der Inhalte zu tun hat, aber deshalb dennoch einseitig ist.</p>

<p>Was also ist meines Erachtens in der gegenw&#228;rtigen Bildungs- / Kompetenzen-Diskussion unbedingt zu ber&#252;cksichtigen? Was findet statt? Wo sind Tendenzen erkennbar, die in paradoxe Situationen f&#252;hren?</p>

<ol>
<li><p>Bildungsprozesse sollen individualisiert ablaufen. Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen sollen von ihren individuellen F&#228;higkeiten und Voraussetzungen her gef&#246;rdert werden, sodass idealerweise eine intrinsische Motivation des Lernens erreicht wird. Und dabei werden idealerweise biographische, soziale und kulturelle Hintergr&#252;nde ber&#252;cksichtigt und in den Bildungsprozess integriert – zumindest der Idee nach. Paradoxien zu dieser Forderung des individualisiert von Lehrenden begleiteten Lernprozesses tauchen meines Erachtens an zwei Stellen auf: Zum einen ist es selbst den begabtesten Lehrenden unm&#246;glich in Lerngruppen von z. T. &#252;ber drei&#223;ig Kindern &#252;ber punktuelle Individualisierung hinaus die M&#246;glichkeiten dieser Form des Lernens und Lehrens voll zu nutzen, da die Gruppen und die sich daraus ergebende Summe der individualisiert zu unterrichtenden Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zu gro&#223; ist, um allen Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen angemessen individualisierte Lernoptionen in der notwendigen Kontinuit&#228;t anzubieten. Das macht zwar die individuelle F&#246;rderung nicht unm&#246;glich, erschwert sie aber in einem Ma&#223;e, dass entsprechenden Forderungen bspw. der Bildungspolitik nur in Ans&#228;tzen entsprochen werden kann. Andererseits steht der Kompetenzenorientierung und Individualisierung von Bildungsprozessen der starke Drang zu stark inhaltlich orientierten Standardisierungen gegen&#252;ber, die &#252;berall dort, wo zentrale Pr&#252;fungen abgelegt werden m&#252;ssen, die Lehrerinnen und Lehrer vor eine nahezu unl&#246;sbare Aufgabe stellen: Wie individualisiere ich Unterricht, wenn am Ende doch alle das Gleiche k&#246;nnen sollen und m&#252;ssen? – So ist es beispielsweise im Deutschunterricht nicht nachvollziehbar, warum Kompetenzen f&#252;r alle Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen in einem Land an den gleichen Lekt&#252;ren erarbeitet werden m&#252;ssen… Von individuellem Lernen kann da nur noch sehr begrenzt die Rede sein.</p></li>
<li><p>Einerseits wird von Kompetenzen gesprochen, diese werden aber nicht weiter differenziert. Es scheint mir bislang, sollte ich da was &#252;bersehen haben, freue ich mich auf Erg&#228;nzungen in den Kommentaren, als f&#228;nde noch keine Diskussion dar&#252;ber statt, wie sich Kompetenzen aufbauen und wie, an der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen orientiert, ein Kompetenzenzuwachs darstellbar ist. Wie weit m&#252;ssen Kompetenzen denn nun in Klasse 6, 8, 10 oder gar 13 vorhanden sein? Welche zus&#228;tzlichen Kompetenzen soll ein Sch&#252;ler oder eine Sch&#252;lerin nach 10 oder nach 13 Jahren haben? Wo liegen da die Unterschiede. St&#252;nden in einem Lehrplan, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler nach 10 Jahren einen angemessen Umgang mit Textverarbeitung, Pr&#228;sentationsm&#246;glichkeiten etc. haben sollen, stellt sich die Frage wodurch sich diese Kompetenzen dann von denen in Klasse 13 oder 12 (beim achtj&#228;hrigen Gymnasium) unterscheiden, wenn dort die exakt gleichen Formulierungen in den Lehrpl&#228;nen stehen? Insgesamt scheint mir der Kompetenzenbegriff entwicklungspsychologisch noch nicht (differenziert genug) gedacht zu sein. Ich vermute sogar, dass hier eigentlich von einem gr&#246;&#223;eren Umfang an Wissen ausgegangen wird, der mit anwendbar und darstellbar sein soll.</p></li>
<li><p>Wenn L&#228;nder mit zentralen Abschlusspr&#252;fungen Lehrpl&#228;ne entwickeln, die vor allem Bildungsstandards und ein fachspezifisches Kerncurriculum vorgeben, l&#228;uft dies inhaltlich definierten Abschlussprofilen zuwider. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Schulentwicklung in Richtung selbstverantwortliche Schule hin l&#228;uft, in der, auf der Basis von Bildungsstandards und Kerncurricula, schuleigene, dem Profil einer Schule entsprechende Schulcurricula erstellt werden sollen. Hier entsteht ein Paradox, das nur aufzul&#246;sen ist, wenn schuleigene Abschlusspr&#252;fungen wieder zugelassen werden, die von der Schulaufsicht daraufhin zu &#252;berpr&#252;fen sind, ob sie den Bildungsstandards entsprechen und die Kerncurricula angemessen ber&#252;cksichtigen. Dabei muss es dann egal sein, ob in einer Lerngruppe „Effi Briest“ oder „Irrungen, Wirrungen“ gelesen wird, wenn die Bildungsstandards einen reflexiven Umgang mit dem b&#252;rgerlichen Realismus zulassen. Vor allem in den geisteswissenschaftlichen F&#228;chern kann individualisiertes Lernen letztlich nur gelingen, wenn die inhaltlichen Vorgaben f&#252;r Pr&#252;fungen entsprechend angepasst werden. – Und damit spreche ich mich nicht gegen Inhalte aus. Es will mir vielmehr so scheinen, als wollten viele Kultusadministrationen die inhaltliche Gestaltung durchaus den Schulen bzw. den Fachlehrern im Sinne einer Individualisierung zur&#252;ck geben. Doch dann muss man aufpassen, dass man unter Standardisierung, die der Individualisierung grunds&#228;tzlich zuwider l&#228;uft, nicht die inhaltliche Monokultur versteht, wie sie beispielsweise in L&#228;ndern mit Zentralabitur in der Sekundarstufe II im Augenblick anzutreffen ist.</p></li>
<li><p>Kompetenzen werden am besten an Inhalten und Gegenst&#228;nden gelernt, die einzelne Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen oder Lerngruppen als ganze interessieren. Die heute gefragten Kompetenzen erfordern eine entsprechende Schulorganisation: Individuelle Lernprozesse und Kompetenzenbildung k&#246;nnen nur sehr begrenzt im bislang &#252;blichen Zeitraster geleistet werden, das letztlich die Lerngruppen und die Individuen synchronisiert und so nicht den individuellen Lernanspr&#252;chen gerecht werden kann. L&#228;ngerfristige Planungen (Wochenplan etc.) und eine gr&#246;&#223;ere Flexibilit&#228;t der vorgegebenen Lernphasen im Rahmen einer festen Stundentafeln w&#228;ren von N&#246;ten, wenn wirklich individualisierter Unterricht stattfinden soll. Dar&#252;ber hinaus m&#252;ssen Lehrende sich viel mehr als bislang als Team verstehen, weil letztlich nur so sicher gestellt werden kann, dass jeder Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin angemessen betreut werden kann. Klassenverb&#228;nde von 30 und mehr, in denen Lehrende sich vor allem f&#252;r ihr Fach verantwortlich f&#252;hlen, erh&#246;hen die Zahl der individuell zu betreuenden Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen. Diese Betreuungszahlen k&#246;nnten bereits heute einfach gesenkt werden. Ein Beispiel: An meiner Schule komme auf ca. 1250 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ca. 95 Lehrkr&#228;fte, teilweise in Teilzeit. W&#252;rden die Lehrenden sich die zu betreuenden Sch&#252;ler aufteilen, k&#228;men im Schnitt auf jeden Lehrenden 13 bis 14 Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die in ihrem Lernprozess individuell betreut werden m&#252;ssten. Der Unterschied zu den jetzigen Zust&#228;nden? Im Augenblick unterrichte ich ca. 150 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, was eine relativ niedrige Zahl ist, da die Religionsgruppen in der Mittelstufe relativ klein sind. Dennoch halte ich es f&#252;r unrealistisch, dass ich 150 Personen individuell betreuen und f&#246;rdern kann. Wenn ich aber nun 14 Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen als fester Betreuer zugewiesen bek&#228;me, k&#246;nnte ich diese durchaus im Blick behalten und (anders als  es mir als Fachlehrer m&#246;glich ist) den gesamten Lernprozess und die damit verbundenen F&#246;rdernotwendigkeiten organisieren, weil ich gleichzeitig w&#252;sste, dass andere Kollegen z. B. Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die in meinen F&#228;chern F&#246;rderbedarf haben, begleiten. Das w&#252;rde nicht bedeuten, dass sich der Fachlehrer aus der F&#246;rderung seiner Lerngruppen heraus nehmen soll. Das w&#252;rde aber bedeuten, dass jeder Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin zumindest einen fixen Ansprechpartner in der Schule h&#228;tte, der nat&#252;rlich mit Kollegen und Kolleginnen im Gespr&#228;ch sein m&#252;sste, die diese Lernenden unterrichten. Schulen, die sich dem Teamteaching verschrieben haben, scheinen mir hier auf einem sehr guten Weg.</p></li>
</ol>

<p>Zu den zu ver&#228;ndernden Schulstrukturen geh&#246;rt aber auch die Verf&#252;gbarkeit von Ressourcen und Materialien, die f&#252;r individualisierte Lernprozesse notwendig sind. Dazu geh&#246;ren sowohl m&#246;glichst frei zug&#228;ngliche Rechner mit Netzanschluss (idealerweise in jeder Klasse mindesten einer) als auch Nachschlagewerke (wie z. B. W&#246;rterb&#252;cher) in den einzelnen Klassenr&#228;umen – &#252;ber die Verf&#252;gbarkeit von Wissen hinaus, das beispielsweise in schuleigenen oder in der Umgebung angesiedelten Bibliotheken verf&#252;gbar ist. Au&#223;erdem verhindert die bisherige Aufsichtsregelung, vor allem in der Sekundarstufe I, dass beispielsweise ein Teil der Lerngruppe in der Bibliothek und ein zweiter im Klassenraum arbeitet.</p>

<p>„Literacy“ im hier gemeinten Sinne setzt eine wesentlich gr&#246;&#223;ere Ausdifferenzierung der Unterrichts- und Schulorganisation voraus, als sie bis heute an vielen Schulen in Deutschland &#252;blich ist. Unterst&#252;tzend k&#246;nnten in diesem organisatorischen Bereich auch digitale Arbeitsmittel wirken, die die vernetzten Strukturen, auf die Lernen im Prinzip heute hinauslaufen muss, nicht nur symbolisch widerspiegeln sondern praktisch unterst&#252;tzen.</p>

<p>Ob solche Ver&#228;nderungen aber gewollt sind? Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen scheinen mir – und jetzt doch noch eine Lanze f&#252;r die Notwendigkeit der Kompetenzenvermittlung – gerade im Bereich der Vernetzung ihres Lernens nach wie vor reichlich inkompetent. Die so genannten „digital natives“ erscheinen mir oft eher „digital naiv“, was aber nicht den Lernenden anzukreiden ist, f&#252;hrt sie Schule doch in vielen F&#228;llen kaum in diese (<a href="http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/2195234_0_1272_-internet-lehrer-2-0-hat-sein-klassenziel-verfehlt.html" target="_blank">auch vielen Lehrenden v&#246;llig unbekannten</a>) Arbeitsformen ein. Entsprechend schwierig ist es, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zur Arbeit in vernetzten Systemen zu motivieren, was allerdings auch verst&#228;ndlich ist, wenn sie diese Kompetenzen m&#246;glicherweise nur von einzelnen Lehrkr&#228;ften angeboten bekommen und diese Kompetenzen keinen akzeptierten Ort in der Schulkultur finden. In solchen F&#228;llen kann es sogar zu der paradoxen Situation kommen, dass einzelne Lehrkr&#228;fte hochgradig vernetzt arbeiten und lernen, diese Kompetenzen aber nur extrem begrenzt vermitteln k&#246;nnen, weil sie die Gegebenheiten an den Schulen nicht vorfinden – oder aber sie verlieren die Motivation, diese Kompetenzen zu vermitteln, weil dies immer wieder zu Irritationen im Kontext der Schulgemeinde f&#252;hrt.</p>

<p>Was mit einem Beitrag von Maik Riecken zur Frage des Verh&#228;ltnisses von Wissen und Kompetenzen begonnen hat, hat sich f&#252;r mich unter der Hand zu einer Frage entwickelt, die tief in die Strukturen des Lernens und Lehrens an deutschen Schulen hinein reicht. W&#228;hrend Riecken die tendenzielle Absolutsetzung von Kompetenzen kritisch in den Blick nimmt, womit ich &#252;brigens v&#246;llig einig gehe, versuche ich hier darzustellen, dass die F&#246;rderung des selbst&#228;ndigen Denkens, die eben nicht dazu f&#252;hrt, dass der reine Kompetenzmensch der abh&#228;ngige Mensch von morgen wird, eine umfassende Herausforderung ist, die (wieder einmal) an die grundlegenden Strukturen unserer Bildungseinrichtungen heran reicht. Es ist die Herausforderung von heute, Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit Kompetenzen und Wissen dazu zu bef&#228;higen, sich morgen kompetent Wissen aneignen zu k&#246;nnen und &#252;ber Reflexionskompetenzen zu verf&#252;gen, um mit Fragen und Herausforderungen umgehen zu k&#246;nnen, von denen wir heute noch gar nicht wissen, dass sie auf uns zu kommen werden.</p>

<p>Es ist wohl so, dass nie zuvor so viel Wissen konstruiert wurde, wie in unserer Gegenwart. Um so wichtiger erscheint es mir, dass ein umfassendes Grundwissen gepaart mit Kompetenzen, die reflektiert und konstruktiv mit neuem Wissen umgehen k&#246;nnen, im Zentrum heutiger Bildungsprozesse steht. Das Wissen hat sich einem Ma&#223;e differenziert, dass ein Universalgelehrter im humboldtschen Sinne kaum noch m&#246;glich scheint. Diese Differenzierung des Wissens muss sich zumindest in Ans&#228;tzen, ohne notwendiges Grundwissen auszublenden, in der einen oder anderen Form in Bildungsprozessen widerspiegeln. Das hei&#223;t nicht, dass es keine verbindlichen Inhalte mehr geben soll. Grundrechenarten k&#246;nnen ebenso wenig ins Belieben einer Bildungsinstitution gestellt werden, wie grundlegende Kenntnisse &#252;ber chemische Reaktionen,  physikalische Gesetze, Grundkonzepte der Informatik oder auch ein fundiertes kulturgeschichtliches Wissen, wie es in den geisteswissenschaftlichen F&#228;chern vermittelt wird. Doch die Formen, in denen dieses Wissen vermittelt wird, k&#246;nnen durchaus die Arbeitsformen widerspiegeln, die sich bereits heute als die Arbeitsformen der Gegenwart und absehbaren Zukunft darstellen: Lernen muss individualisiert und kooperativ ablaufen, sich vernetzen und &#246;ffnen, aber auch Platz f&#252;r Stille und R&#252;ckzug bieten. Einzelarbeit muss ebenso ihren Raum finden, wie die Arbeit in Gruppen. Die Zeit- und Raumstrukturen m&#252;ssen sich ver&#228;ndern, das Verst&#228;ndnis von Fachlehrer und Lerncoach gilt es n&#228;her zu betrachten und – nach so langem Verzicht auf diese Frage, ist sie nun dennoch unvermeidlich – die Schulen m&#252;ssen endlich eine Ausstattung erhalten, die solche Arbeitsformen m&#246;glich macht. Damit meine ich nicht nur digitale Ausstattung! Dazu geh&#246;ren Moderatorenkoffer in ausreichender Zahl, Karteikarten, Magnete in ausreichender Zahl, M&#246;glichkeiten f&#252;r Metaplanarbeit, Plakatb&#246;gen, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler inhaltlich f&#252;llen k&#246;nnen und dabei die Grundlagen des Pr&#228;sentierens lernen etc., also all das, was engagierte Lehrkr&#228;fte heute nach wie vor aus eigener Tasche bezahlen.</p>

<p>Kompetenzenorientiertes Lernen  muss an Inhalten orientiert sein, fordert aber auch eine Schule, in der diese inhaltlich orientieren Kompetenzen gepflegt werden (k&#246;nnen). Und in einem Land, dessen Bildungsausgaben im Vergleich mit anderen L&#228;ndern eher im unteren Bereich liegen, ist hier noch sehr viel Potential vorhanden, wenn entsprechende Ver&#228;nderungen politisch und gesellschaftlich wirklich gewollt werden.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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</ul>

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	Tags: <a href="http://herrlarbig.de/tag/abitur/" title="Abitur" rel="tag">Abitur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/bildung/" title="Bildung" rel="tag">Bildung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/buch/" title="Buch" rel="tag">Buch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/buecher/" title="Bücher" rel="tag">Bücher</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/deutschland/" title="Deutschland" rel="tag">Deutschland</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/didaktik/" title="Didaktik" rel="tag">Didaktik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/erkenntnis/" title="Erkenntnis" rel="tag">Erkenntnis</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/form/" title="Form" rel="tag">Form</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/humboldt/" title="Humboldt" rel="tag">Humboldt</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/inhalt/" title="Inhalt" rel="tag">Inhalt</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/jugend/" title="Jugend" rel="tag">Jugend</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/jugendliche/" title="Jugendliche" rel="tag">Jugendliche</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/kinder/" title="Kinder" rel="tag">Kinder</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/kompetenzen/" title="Kompetenzen" rel="tag">Kompetenzen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/unterricht/kompetenzenfoerderung/" title="Kompetenzenförderung" rel="tag">Kompetenzenförderung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/kompetenzenorientierung/" title="Kompetenzenorientierung" rel="tag">Kompetenzenorientierung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/kultur/" title="Kultur" rel="tag">Kultur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lehrer/" title="Lehrer" rel="tag">Lehrer</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lernen/" title="lernen" rel="tag">lernen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lernen/" title="lernen" rel="tag">lernen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/maik-riecken/" title="Maik Riecken" rel="tag">Maik Riecken</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/medien/" title="Medien" rel="tag">Medien</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/motivation/" title="Motivation" rel="tag">Motivation</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/orientierung/" title="Orientierung" rel="tag">Orientierung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/paedagogik/" title="Pädagogik" rel="tag">Pädagogik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/paedagogik/positionen/" title="Positionen" rel="tag">Positionen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/reflexion/" title="Reflexion" rel="tag">Reflexion</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/schluesselkompetenzen/" title="Schlüsselkompetenzen" rel="tag">Schlüsselkompetenzen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schule/" title="Schule" rel="tag">Schule</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schuelerinnen/" title="Schülerinnen" rel="tag">Schülerinnen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/tradition/" title="Tradition" rel="tag">Tradition</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/unterricht/" title="Unterricht" rel="tag">Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/unterricht/" title="Unterricht" rel="tag">Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/vernetzung/" title="Vernetzung" rel="tag">Vernetzung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/verstehen/" title="Verstehen" rel="tag">Verstehen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wissen/" title="Wissen" rel="tag">Wissen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wissenschaft/" title="Wissenschaft" rel="tag">Wissenschaft</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/schluesselkompetenzen/wissenserwerb/" title="Wissenserwerb" rel="tag">Wissenserwerb</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/zukunft/" title="Zukunft" rel="tag">Zukunft</a><br />
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		<title>Das gedruckte Buch ist nicht am Ende</title>
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		<pubDate>Mon, 18 May 2009 13:07:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Und wieder einmal wird das Ende des gedruckten Buches angek&#252;ndigt, dieses Mal in der Zeit vom 23.04.2009 von J&#252;rgen Neffe: „Die &#196;ra des gedruckten Buches geht zu Ende.“ via Kulturwandel: Die &#196;ra des gedruckten Buches geht zu Ende &#124; Kultur &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/05/18/das-gedruckte-buch-ist-nicht-am-ende/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und wieder einmal wird das Ende des gedruckten Buches angek&#252;ndigt, dieses Mal in der Zeit vom 23.04.2009 von J&#252;rgen Neffe:</p>

<blockquote>„Die &#196;ra des gedruckten Buches geht zu Ende.“

via <a href="http://www.zeit.de/2009/18/L-Buch?page=all" target="_blank">Kulturwandel: Die &#196;ra des gedruckten Buches geht zu Ende | Kultur | Nachrichten auf ZEIT ONLINE</a>.</blockquote>

<p>Anlass zu dieser Behauptung ist das Erscheinen von E-Book-Readern in Deutschland, die es m&#246;glich machen, B&#252;cher in digitaler Form endlich einigerma&#223;en lesbar zu bekommen und im Prinzip in der Lage sind, ganze Bibliotheken auf kleinstem Raum verf&#252;gbar zu halten.</p>

<p>Es mag ja sein, dass sich das Buch nun, wie die Schallplatte von Vinyl zu MP3, in der breiten Masse vom Papier zum E-Book verschieben k&#246;nnte, aber ist das das Ende der &#196;ra des gedruckten Buches?</p>

<p>Nein, ich fange jetzt nicht mit der bibliophilen Romantik und somit von der Haptik und dem Geruch von B&#252;chern an. Mein Argument ist pragmatisch: B&#252;cher halten l&#228;nger als Festplatten und k&#246;nnen auch dann noch gelesen werden, wenn sie l&#228;ngst vergessen und erst nach vielen Jahrzehnten wiederentdeckt werden. Digitale Speichermedien halten in dieser Hinsicht nicht mit und es m&#252;ssen st&#228;ndig neue Sicherungskopien angelegt und Dateiformate angeglichen werden. Kurz: Sollte jemand auf die Idee kommen, das gedruckte Buch abzuschaffen, sorgen wir selbst daf&#252;r, dass sehr viele Zeugnisse unserer Epoche in sehr kurzer Zeit verloren gehen werden, angefangen mit den Bildern (die schon heute meist nicht mehr als Abz&#252;ge vorliegen) &#252;ber allein digital produzierte und ver&#246;ffentlichte Musik bis eben hin zu Romanen, Gedichten und wissenschaftlichen Werken, die einfach vergessen werden, wenn sie nicht von Datentr&#228;ger zu Datentr&#228;ger den sich ver&#228;ndernden digitalen Anforderungen angeglichen werden.</p>

<p>Von Wegen: Das Netz vergisst nichts. Auf kurze Sicht mag das stimmen, auf lange Sicht sieht das ganz anders aus…</p>

<p>Das Problem zeigt sich schon heute: Wissen, das heute im Netz konstruiert wird, ob in Wikipedia oder in Blogs, ist kein Wissen, dessen Speicherung so abgsichert w&#228;re, dass es auch noch in hundert Jahren leicht zug&#228;nglich w&#228;re, wie das bei B&#252;chern heute &#252;berhaupt kein Problem ist. Und wer kann heute schon noch die Lochkarten der Computer aus den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts lesen? Selbst die <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/12/12538/1.html" target="_blank">Nasa hat hier Datenverluste</a> zu beklagen.</p>

<p>Irgendwann m&#252;ssen wir also beginnen, die uns wichtigen Erinnerungsst&#252;cke in die analoge Welt zur&#252;ck zu holen: Bilder und Webseitentexte ausdrucken, digital verbreitete E-Books wieder in Buchform binden und – ganz wichig – private E-Mails, die f&#252;r uns bedeutsam sind, ausdrucken und zumindest, wie fr&#252;her bei Briefen verbreitet, in einer Kiste sammeln.  Tun wir das nicht, k&#246;nnte unsere Zeit im R&#252;ckblick eine trotz der Massen an Information f&#252;r die Nachwelt zu einer „dunklen“ quellenarmen Zeit werden, insbesondere in Bezug auf das allt&#228;gliche Leben…</p>

<p>Eine &#220;bersicht der mit der digitalen Langzeitspeicherung verbundenen Probleme findet sich unter &#252;brigens unter <a href="http://www.payer.de/digitalebibliothek/digbib02.htm" target="_blank">http://www.payer.de/digitalebibliothek/digbib02.htm</a>.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

<ul class="similar-posts"><li><a href="http://herrlarbig.de/2011/06/29/uberlegungen-zum-kulturwandel-alte-bucher-und-digitale-buchahnliche-produkte/" rel="bookmark" title="29. Juni 2011">&#220;berlegungen zum Kulturwandel: Alte B&#252;cher und digitale, buch&#228;hnliche Produkte</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/03/05/wissen-im-21-jahrhundert-did-you-know/" rel="bookmark" title="5. M&#228;rz 2009">Wissen im 21. Jahrhundert (Did you know?)</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/10/01/schmoeker-schnipsel-vom-auswendiglernen/" rel="bookmark" title="1. Oktober 2009">Schm&#246;ker-Schnipsel: Vom Auswendiglernen</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/08/05/lebenszeichen/" rel="bookmark" title="5. August 2010">Lebenszeichen</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/06/30/herrn-larbigs-bibliothek-9-jussi-adler-olsen-erlosung/" rel="bookmark" title="30. Juni 2011">Herrn Larbigs Bibliothek 9 – Jussi Adler-Olsen: Erl&#246;sung</a></li>
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		<title>Die Sau hat geworfen, die G&#246;re will noch ein Ferkel oder: Ist Koh&#228;renz im Lehrberuf m&#246;glich?</title>
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		<pubDate>Sun, 17 May 2009 22:26:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Beitr&#228;ge in diesem Blog entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern gut durchl&#252;ftet in der taunusseitigen Frischluftzufuhr von Frankfurt am Main. – Oder aber im Frischluft zuf&#228;chelnden Dialog mit all den anderen Denkenden im Netz und im Alltag. Dieses Mal sind &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/05/18/die-sau-hat-geworfen-die-goere-will-noch-ein-ferkel-oder-ist-kohaerenz-im-lehrberuf-moeglich/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beitr&#228;ge in diesem Blog entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern gut durchl&#252;ftet in der taunusseitigen Frischluftzufuhr von Frankfurt am Main. – Oder aber im Frischluft zuf&#228;chelnden Dialog mit all den anderen Denkenden im Netz und im Alltag. Dieses Mal sind <a href="http://diegoerelebt.wordpress.com/" target="_blank">D&#246;rte Giebel (Die G&#246;re lebt [DGL])</a> und somit indirekt (mal wider) <a href="http://jeanpol.wordpress.com" target="_blank">Jean-Pol Martin (JPM)</a> „schuld“.</p>

<p>Jean-Pol schreibt, es sei in seiner „<a href="http://jeanpol.wordpress.com/vorlesungsthemen/" target="_blank">dynamischen Vorlesung</a>“ nunmehr „alles raus“ und er f&#252;hle sich „<em><a href="http://jeanpol.wordpress.com/2009/05/16/wie-eine-sau/" target="_blank">wie eine Sau</a>, die gerade 15 Ferkel abgeworfen h&#228;tte (normal: 13,1). Gl&#252;cklich, aber ersch&#246;pft.“ </em></p>

<p>Und jetzt kommt <a href="http://diegoerelebt.wordpress.com/2009/05/17/jean-pol-ich-will-ein-ferkel-von-dir/" target="_blank">D&#246;rte (Die G&#246;re lebt) und will „ein Ferkel“ von Jean-Pol</a>, verbunden mit der Sorge, Jean-Pol k&#246;nne nun ins Schweigen verfallen. (Ganz nebenbei: Ich halte das f&#252;r eine v&#246;llig unbegr&#252;ndete Sorge <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  )  D&#246;rte schreibt (und es soll noch einmal jemand behaupten, Blogger seien introvertierte Einzelg&#228;nger, die von Vernetzung und Dialog keine Ahnung h&#228;tten, dieses Blogger-Twitter-Real-Life-Networking, das ich in den letzten Monaten erlebe, ist das glatte Gegenteil davon) – also, <a href="http://diegoerelebt.wordpress.com/2009/05/17/jean-pol-ich-will-ein-ferkel-von-dir/" target="_blank">D&#246;rte schreibt</a>:<span id="more-1672"></span></p>

<blockquote>„1.) Wehe, der h&#246;rt jetzt auf zu schreiben – ich m&#246;chte gern weiterhin gef&#252;ttert werden!
2.) Von so einem koh&#228;renten Produkt bin ich meilenweit entfernt – also muss ich endlich aufbrechen, mein Ureigenstes zu finden…“</blockquote>

<p>Und damit bin ich endlich beim Thema dieses Beitrages, der genau durch diesen Dialog von JPM und DGL angeregt wurde: Die Sache mit der Koh&#228;renz von Entw&#252;rfen, hier auf den Lehrberuf bezogen, obwohl DGL selbst gar keine Lehrerin ist.</p>

<p>Schnell, damit es kein „b&#246;ses“ (weil von nur wenigen verstandenes) Wort wird: Was meint „<a href="http://www.fb10.uni-bremen.de/khwagner/lektuerekurs/textwiss/kohaerenz.htm" target="_blank">Koh&#228;renz</a>“? Das ist mal wieder ein aus dem lateinischen abgeleitetes Wort, abgeleitet von <em>cohaerentia</em> = Zusammenhang und im Sinne einer Theorie damit ein in sich geschlossener, zur Diskussion und Erweiterung aber dennoch verf&#252;gbarer Zusammenhang gemeint, bei JPM ist das die wissenschaftliche Untermauerung von „Lernen durch Lehren“.</p>

<p>F&#252;r mich ist das in der vernetzen Welt mit der Koh&#228;renz, dem in sich geschlossenen Zusammenhang, ein Problem, das mit der Struktur dieses Netzwerkes zu tun hat, dazu aber an dieser Stelle nicht mehr, sondern gleich in die tosende Brandung gesprungen, n&#228;mlich in die Annahme, dass f&#252;r mich  als Mensch im Lehrberuf  das mit der Koh&#228;renz eigener Denkans&#228;tze zumindest ein Problem ist, so sehr diese auch angestrebt wird.</p>

<p>Ich behaupte – durchaus bewusst provokant: Koh&#228;rente Modellbildung ist im Lehrberuf koh&#228;rent nicht m&#246;glich, solange man nicht bereit ist, die unterschiedlichen Zusammenh&#228;nge in den Blick zu nehmen, die mit dem Lehrberuf verbunden sind. – Um bei dem so sch&#246;nen Wort zu bleiben: Lehrende haben es nicht mit <em>einem</em> koh&#228;renten Zusammenhang zu tun, sondern mit x Zusammenh&#228;ngen, in denen sie jeweils Praxiserfahrung und von Theorie geleitetes, diese aber auch entwickelndes, Handeln zu den unterschiedlichsten koh&#228;renten Konzepten zusammenf&#252;gen m&#252;ssen.</p>

<p>JPM kommt zu einer Koh&#228;renz bezogen auf <em>ein</em> Modell, das eine M&#246;glichkeit f&#252;r guten, weil aktiv Denkprozesse (kognitive Prozesse) ansto&#223;enden, Unterricht vorstellt und theoretisch auf der H&#246;he der Kognitionsforschung und Hirnphysiologie unserer Zeit zu begr&#252;nden vermag.</p>

<p>Dennoch kommt es im Zusammenhang mit der Vorstellung dieses in der Praxis von vielen Seiten als hilfreiche und erfolgreich beschriebenen Modells immer wieder zu kritischen Anfragen. <a href="http://herrlarbig.de/2009/05/10/der-lehrnen-durch-lehren-tag-in-ludwigsburg-reflexionen-eines-referenten/" target="_blank">An anderer Stelle</a> habe ich von dieser Beobachtung im Rahmen des <a href="http://ldl.mixxt.de" target="_blank">Ludwigsburger LdL-Tages</a> schon geschrieben. Diese Anfragen argumentieren mit Zusammenh&#228;ngen, auf die das in sich koh&#228;rente Modell von „Lernen durch Lehren“ scheinbar nicht direkt Antworten zu geben vermag, da sie nicht direkt mit dem Unterricht im Sinne von LdL verbunden scheinen: Wie ist das mit St&#246;rungen, mit Lerngruppen, die sich verweigern, mit Schulkulturen in sozialen Brennpunkten?</p>

<p>Keine Frage: JPM und auch <a href="http://www.grzega.de/" target="_blank">Joachim Grzega</a> k&#246;nnen auf diese Fragen angemessen antworten und die L&#246;sungspotentiale aufzeigen, die LdL f&#252;r diese Fragen zur Verf&#252;gung stellt. Das haben sie beim LdL-Tag in Ludwigsburg gerade wieder gezeitg. – F&#252;r viele Lehrende stellen sich die Arbeitsbereiche im Lehrberuf aber dennoch wesentlich komplexer dar, als dass sie <em>alleine</em> mit LdL angemessen zu koh&#228;renten, aus der Praxis (Aktion) heraus notwendigen und diese Praxis reflektierenden, f&#252;r die Praxis relevanten und anwendbaren Theorien kommen k&#246;nnen (so die Lehrenden an der den Beruf begleitenden Theoriebildung interessiert und beteiligt sind).</p>

<p>Die Komplexit&#228;t, die LdL als <em>einen</em> Baustein der f&#252;r die Berufsaus&#252;bung notwendigen koh&#228;renten Theorien qualifiziert, entsteht durch die &#228;u&#223;erst pluralen Rollenerwartungen, denen ein Lehrender gerecht werden soll und die nicht nur mit dem Unterricht als seinem „Kerngesch&#228;ft“ zu tun haben. Lehrende sind eben nicht nur Unterrichtsprofis. Sie haben sich auch mit der Beratung von Sch&#252;lern und Eltern, mit Fragen der Bewertung, der Schulentwicklung, mit Unterrichtsdokumentation und anderen Verwaltungst&#228;tigkeiten, ja selbst mit Beitr&#228;ge zu schulpolitschen Diskussionen zu befassen (was f&#252;r mich allerdings bislang nicht in diesem Blog geschieht) zu befassen.</p>

<p>Alle diese Fragen werden in meinen Augen durch die gesamte hinter LdL stehende Theorie bereichert. Aber <em>eine</em> Theorie reicht f&#252;r all die komplexen Herausforderungen nicht aus, die im Lehralltag zu bew&#228;ltigen sind. Lehrer sind F&#252;hrungskr&#228;fte, arbeiten im mittleren Management, mit all den damit verbundenen Herausforderungen. Hier reicht LdL  als koh&#228;rentes Konzept <em>alleine</em> nicht aus. <em>Eine</em> Koh&#228;renz ist f&#252;r die Arbeit an der Schule zu wenig. (Und einen solchen Absolutheitsanspruch hat LdL auch nie erhoben!)</p>

<p>Die kritischen Anfragen, denen sich LdL oft stellen muss, haben ihre Ursachen m&#246;glicherweise auch darin, dass LdL als ein Konzept gesehen wird, das auf alles eine Antwort wisse und gleichzeitig &#252;bersehen wird, dass erst die koh&#228;rente Verkn&#252;pfung von koh&#228;renten Modellen den Anforderungen im Beruf gerecht werden kann.</p>

<p>Wenn <a href="http://jeanpol.wordpress.com/2009/05/16/wie-eine-sau/" target="_blank">JPM also sagt</a>, dass in Sachen LdL nunmehr „alles raus“ sei und im gleichen Atemzug die intellektuellen Mitstreiter erw&#228;hnt, dann ist das ein Zeugnis, dass die Theorie steht und – um weiter zu wachsen – neue Ankn&#252;pfungen an andere Theorien ben&#246;tigt, um sich somit im Netzwerk der f&#252;r den Lehrberuf notwendigen Koh&#228;renzen weiter zu etablieren.</p>

<p>Hier muss jeder Lehrende einen eigenen Weg finden und sich quasi ein Netzwerk von Koh&#228;renzen aufbauen, die jeweils in sich gedacht und verstanden werden m&#252;ssen, um dann &#252;ber Knotenpunkte im neuronalen Netzwerk der praxisrelevanten Theorien miteinander verbunden zu werden.– Einen solchen Versuch der Vernetzung habe ich im <a href="http://herrlarbig.de/2009/02/03/ldl-und-tzi/" target="_blank">Zusammenhang von LdL und TZI</a> bereits versucht.</p>

<p>Treibe ich die hinter diesem Beitrag stehenden Gedanken einmal auf die Spitze: Lehrende brauche koh&#228;rente Koh&#228;renzen, die &#252;ber koh&#228;rente Schnittstellen miteinander angemessen (hier k&#246;nnte auch „koh&#228;rent“ stehen) verbunden sind, um angesichts der unterschiedlichsten Rollenerwartungen souver&#228;n und professionell agieren und interagieren zu k&#246;nnen.</p>

<p>Wenn also JPM sagt, dass „alles raus“ sei und DGL dennoch ein weiteres „Ferkel“ will, dann spiegelt sich hier f&#252;r mich genau der hier (hoffentlich verst&#228;ndliche und nachvollziehbare) Zusammenhang wider, dass JPMs Denken von nicht wenigen Praktikern als &#228;u&#223;erst anregend und hilfreich angesehen wird, dass aber gleichzeitig mit dem Erreichen des koh&#228;renten Theorie-Praxiszusammenhangs im Kontext von LdL nun die koh&#228;rente Verkn&#252;pfung mit den anderen, &#252;ber den Unterricht hinausgehenden Anforderungen an Lehrende erfolgen muss, um <em>LdL</em> nicht nur als eine Methode unter anderen zu etablieren, sondern <em>als Teil eines anderen Denkens in der Schulwirklichkeit</em>.</p>

<p>Somit bin ich wieder bei der Frage der &#220;berschrift dieses Beitrages gelandet: Ist Koh&#228;renz im Lehrberuf m&#246;glich? Meine Antwort: Ja, aber nur als eine Vernetzung von Koh&#228;renzen, als ein Zusammenspiel von aufeinander einwirkender, einander erg&#228;nzender und dennoch ein Gesamtes ergebendes praxisrelevanter Theorien.</p>

<p>Lehrer sollten in diesem Sinne immer auch als Wissenschaftler t&#228;tig sein, ihren reichen Erfahrungsschatz konzeptualisieren und ihn nicht f&#252;r sich allein behalten bzw. ohne theoretische Reflexion wirksam werden lassen.</p>

<p>Neben all den Koh&#228;renzen, die der Beruf von Lehrenden verlangt, treten auch noch die Koh&#228;renzen der im Unterricht bearbeiteten Themen, also die fachwissenschaftliche Seite des Unterrichts. Sachanalyse, didaktische Analyse, methodische &#220;berlegungen, gute Kenntnisse &#252;ber die Individuen einer Lerngruppe, Beratung von Lernenden und deren Erziehungsberechtigten, Bewertungen und deren oft Biographien mitschreibende Bedeutung, Schulentwicklung, kollegiale Beratung, schulpolitische Positionierung, <a href="http://www.teachersnews.net/artikel/nachrichten/beruf/011938.php" target="_blank">Umgang mit der kollektiven Lust an der Lehrerkritik</a> und der Aufbau professioneller pers&#246;nlicher Beziehungen zu den Personen, die Lehrenden anvertraut sind und mit denen sie gemeinsam den Bildungsprozess der Lernenden begleiten, verlangen &#228;u&#223;erst differenzierte Koh&#228;renzen (im Plural – sic!), die einen professionellen Umgang mit all diesen an einen Lehrenden heran getragenen Anforderungen erm&#246;glichen.</p>

<p>Der mit diesen Herausforderungen verbundene Aufwand scheint mir bislang in der Debatte um Bildungsprozesse weitgehend unber&#252;cksichtigt zu sein – und das auch bei den Interessenvertretern der Lehrenden, die die den Beruf begleitende theoretische Arbeit – vielleicht auch, weil nicht jeder Lehrende ein Freund von Theorie ist – meist nur recht allgemein unter dem Begriff der „Fortbildung“ subsumieren. Doch mit „Fortbildung“ im Sinne des Konsums hilfreicher Ideen f&#252;r den Unterricht und den Lehreralltag ist es meines Erachtens nicht getan. Viel zu sehr wird zwischen Unterricht und (der in Deutschland nach wie vor kaum stattfindenden) Unterrichtsforschung getrennt.  W&#228;hrend wir viel von der Kompetenzenf&#246;rderung der Lernenden sprechen, scheint mir der Bereich der zur Theoriebildung n&#246;tigen Kompetenzenf&#246;rderung der Lehrenden in der Diskussion bislang vor allem auf einen st&#228;rkeren Praxisbezug der Ausbildung hinaus zu laufen, mit dem gleichzeitig von vielen eine gr&#246;&#223;ere Theoriebildungsferne gemeint zu sein scheint.</p>

<p>Umgekehrt wird aber erst ein Schuh daraus: Eine an der Praxis orientierte Lehrerbildung muss immer mit der F&#246;rderung der Kompetenz zur Theoriebildung verbunden sein. Praxis muss konzeptualisierend reflektierbar sein, um den sich st&#228;ndig &#228;ndernden Voraussetzungen der Praxis auf Dauer angemessen und koh&#228;rent begegnen zu k&#246;nnen.</p>

<p>In der Praxis sieht es meiner Wahrnehmung nach so aus, dass der gesamte Bereich der Entwicklung von praxisrelevanten Theorie entweder Hochschullehrern, die auch unterricht (wie z.B. JPM) anvertraut wird oder als Freizeitbesch&#228;ftigung von Lehrenden gesehen wird, da die  Zahl der Lerngruppen, Unterrichtsstunden, Korrekturen, Beratungen, zu betreuenden Lernenden etc. nach wie vor so umfassend sind, dass sie alleine bereits die offizielle Arbeitszeit von Lehrenden (inklusive der von vielen als Urlaub missverstandenen unterrichtsfreien Zeit) voll ausf&#252;llen. Die Arbeit an der praxisrelevanten Theorie ist nach wie vor kein selbstverst&#228;ndlicher Bestandteil des Berufs, des Selbstbewusstseins von Lehrenden und der Strukturen, in denen Unterricht angesiedelt ist.</p>

<p>Deshalb ist Koh&#228;renz angesichts der Komplexit&#228;t des Berufes im Lehrberuf nur schwer zu erreichen und deshalb stimme ich DGL sehr zu, wenn sie von Denkern wie JPM nach wie vor weitere Konezptualisierungen erhofft, die das Konzept LdL weiter voranb treiben. Aus diesem Grunde ist es auch notwendig, dass die von JPM genannten <a href="http://jeanpol.wordpress.com/2009/05/16/wie-eine-sau/" target="_blank">nachhaltigen Denkpartner</a> wie <a title="filterraum" href="http://www.filtertraum.de/" target="_blank">Michael Wald</a>, <a title="maik riecken" href="http://riecken.de/" target="_blank">Maik Riecken</a>, <a title="d&#246;rte giebel" href="http://diegoerelebt.wordpress.com/" target="_blank">D&#246;rte Giebel</a> und auch ich, die Koh&#228;renzen von JPM aufgreifen, anreichern und weiter entwickeln. Dabei bedarf es m&#246;glichst des weiteren Inputs von JPM und auch von dem bislang leider ein wenig im Schatten JPMs stehenden <a href="http://grzega.wordpress.com/" target="_blank">Joachim Grzega</a>, denn, wie in diesem Beitrag vielleicht deutlich geworden, ohne diesen praxisrelevanten theoretischen Beitrag und die damit verbundene Vernetzung von Lehrerberuf und an der Hochschule angesiedelte Forschung und Praxisreflexion, ist die Bildung von Koh&#228;renzen in der Praxis der Lehrenden an Schulen heute nur schwer m&#246;glich.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Artikel in Theo-Web</title>
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		<pubDate>Fri, 08 May 2009 15:03:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Heute ist in der religionsp&#228;dagogischen Fachzeitschrift Theo-Web ein Artikel zu meinen Erfahrungen mit naturwissenschaftlichen Themen im Religionsunterricht der Oberstufe erschienen. Torsten Larbig, Naturwissenschaftliche Themen im Religionsunterricht der Oberstufe, in: Theo-Web. Zeitschrift f&#252;r Religionsp&#228;dagogik 8 (2009), H. 1, 95-99. (Direktdownload des &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/05/08/artikel-in-theo-web/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute ist in der religionsp&#228;dagogischen Fachzeitschrift <em>Theo-Web</em> ein Artikel zu meinen Erfahrungen mit naturwissenschaftlichen Themen im Religionsunterricht der Oberstufe erschienen.</p>

<blockquote>Torsten Larbig, Naturwissenschaftliche Themen im Religionsunterricht der Oberstufe, in: Theo-Web. <a href="http://theo-web.de/zeitschrift/ausgabe-2009-01/" target="_blank">Zeitschrift f&#252;r Religionsp&#228;dagogik 8 (2009), H. 1</a>, 95-99. (<a href="http://theo-web.de/zeitschrift/ausgabe-2009-01/11.pdf" target="_blank">Direktdownload des Artikels als PDF</a>)</blockquote>

<p>Weitere Ver&#246;ffentlichungen finden Sie <a href="herrlarbig.de/veroeffentlichungen">hier</a>.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/19/lehrende-im-selbstversuch-neue-formen-selbstverantworteten-lernens/" rel="bookmark" title="19. April 2009">Lehrende im Selbstversuch: Neue Formen selbst verantworteten Lernens</a></li>

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		<title>Bildung, Wissen, Kompetenzen</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 22:08:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Belangloses Wissen hat Hochkonjunktur. Wissen ohne Bez&#252;ge zur eigenen Person ist allgegenw&#228;rtig. Und ich sage es lieber schon gleich zu Beginn, dass ich dagegen nach wie von dem Bildungsbegriff (ich weigere mich, in diesem Zusammenhang von einem Bildungsideal zu sprechen) &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Belangloses Wissen hat Hochkonjunktur. Wissen ohne Bez&#252;ge zur eigenen Person ist allgegenw&#228;rtig. Und ich sage es lieber schon gleich zu Beginn, dass ich dagegen nach wie von dem Bildungsbegriff (ich weigere mich, in diesem Zusammenhang von einem Bildungsideal zu sprechen) Wilhelm von Humboldts gepr&#228;gt bin und diesen nach wie vor f&#252;r bedeutsam halte. Zun&#228;chst eine Bestandsaufnahme:</p>

<ul>
    <li>Bildung wird heute mit Schulabschl&#252;ssen gleich gesetzt und dabei in h&#246;here und nicht h&#246;here Bildung aufgeteilt. Ohne Bildung in diesem formalen Sinne<span id="more-1468"></span> geraten Menschen heute schnell in die sogenannte „Bildungsarmut“. Eine interessante Zusammenstellung zum Thema liefert das von der <a href="http://www.bpb.de" target="_blank">Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung</a> herausgegebene Heft <a href="http://www.bpb.de/publikationen/JQJWQK,,0,Bildungsmisere.html" target="_blank">Aus Politik und Zeitgeschichte (B 21-22/2003)</a>, in dem die „Bildungsmisere“ in Deutschland umfassend aufgegriffen wird.</li>
    <li>„Wissen“ ist heute Gegenstand der Unterhaltung, in Quizsendungen mit sehr beeindruckenden Gewinnm&#246;glichkeiten (ohne diese Geldsummen w&#228;ren diese Sendungen wahrscheinlich noch offensichtlicher langweilig als sie es eh schon sind), aber auch in den zahlreichen, oft als „Dokumentationen“ daher kommenden „Wissens“-Sendungen vor allem im Fernsehen.</li>
    <li>Die Begriffe „Wissen“ und „Bildung“ werden oft synonym gebraucht, so z.B. im Titel von Dietrich Schwanitz’ „Bildung. Alles, was man wissen mu&#223;“, M&#252;nchen, 24. Auflage 2002.</li>
    <li>Neben den Begriffen „Wissen“ und „Bildung“ spielt in der gegenw&#228;rtige „Bildungs“-Debatte auch der „Kompetenz“-Begriff eine nicht unbedeutende Rolle.</li>
</ul>

<p>Mir kommt das wie ein gordischer Knoten der Vermengung, Gleichsetzung und Entleerung bis zur Bedeutungslosigkeit der W&#246;rter vor – Grund genug, den Begriffen einmal ein wenig nach zu gehen, ohne den Anspruch auf ein letztes Wort zu erheben. Das ist ein Blog-Eintrag, nicht mehr, aber auch nicht weniger.</p>

<p>Und schon sto&#223;e ich auf das erstes Problem: Alle hier von mir in den Fokus genommen Begriffe sind keine voraussetzungslosen Begriffe, alle drei Begriffe ergeben sich in ihrer Bedeutung aus einer Grundeigenschaft von (vielen) Lebewesen, n&#228;mlich der Eigenschaft, dass Lebewesen lernen. Den Menschen zeichnet dar&#252;ber hinaus (nach unserem bisherigen Kenntnisstand) die Eigenschaft aus, dass er &#252;ber solche Prozesse selbst nachdenken kann und daraus folgend die F&#228;higkeit entwickeln konnte „Ich“ zu sagen, sich also als ein &#252;ber sich selbst reflektieren k&#246;nnendes Individuum erf&#228;hrt, das nicht nur implizites, sondern auch explizites Wissen erzeugen kann.</p>

<p>Kurz: Dass wir Menschen lernen ist die Voraussetzung f&#252;r das Sprechen &#252;ber Bildung, Wissen und Kompetenzen.  Dabei lernt der Mensch schon alleine, weil er Mensch ist. Das Gelernte ist zun&#228;chst allerdings  kein explizierbares, also aussprechbares und damit in Pr&#252;fungen abrufbares Wissen (<a href="http://www.teachsam.de/psy/psy_kog/lernth/wiss/wiss_2_2_1_1.htm" target="_blank">explizites Wissen</a>), sondern ein Wissen, dass nicht (vollst&#228;ndig) in Worten ausgedr&#252;ckt werden kann und vor allem ein „K&#246;nnen“ ist (<a href="http://www.teachsam.de/psy/psy_kog/lernth/wiss/wiss_2_2_1_2.htm" target="_blank">implizites Wissen</a>).</p>

<p>Ein Beispiel: Kinder lernen sprechen und k&#246;nnen es dann, ohne dass sie zun&#228;chst in der Lage w&#228;ren, die Regeln, denen ihre nach einer gewissen Zeit meist korrekt gebildeten S&#228;tze folgen, benennen zu k&#246;nnen. Kinder lernen laufen, ohne erkl&#228;ren zu k&#246;nnen, wie das Laufen funktioniert etc. (implizites Wissen).</p>

<p>Sp&#228;ter lernen Kinder dann in der Schule die Grammatik, die in die Lage versetzt &#252;ber korrekten Satzbau zu sprechen, Satzstrukturen zu analsysieren und die als Wissen &#252;berpr&#252;ft werden kann (explizites Wissen).</p>

<p>Betrachte ich die heutige Bildungsdiskussion, so scheint mir mit dem Begriff „Wissen“ vor allem dieses explizite, &#252;berpr&#252;fbare Wissen gemeint zu sein, solches Wissen also, dass in Lexika, Lehrb&#252;chern etc. zur Verf&#252;gung steht und das Menschen seit der Aufkl&#228;rung im Rahmen von „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Enzyklop%C3%A4die" target="_blank">Enzyklop&#228;dien</a>“ sammeln und zur Verf&#252;gung stellen.</p>

<p>In diese Reihe geh&#246;rt auch Wikipedia, wenn es um das Ziel geht, m&#246;glichst gro&#223;e Teile des verf&#252;gbaren Wissens zug&#228;nglich zu machen.</p>

<p>Implizites Wissen rangiert in der Werteskala der „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wissensgesellschaft" target="_blank">Wissensgesellschaft</a>“ unter dem expliziten Wissen und wird entweder als selbstverst&#228;ndlich vorausgesetzt oder in eine explizierbare Form &#252;bertragen, deren Beherrschung dann &#252;berpr&#252;ft werden kann. Wer solche Pr&#252;fungen nachweisen kann, verf&#252;gt &#252;ber „formale Bildung“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/#footnote_0_1468" id="identifier_0_1468" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ein Auszug aus einem Werk zum Thema im Rahmen eines Projektes zur Ideengeschichte von der Hamburger Erziehungswissenschaftlerin Ingrid Lohmann findet sich als PDF-Dokument hier.">1</a></sup></p>

<p>Um „formale Bildung“ zu erreichen, sind bestimmte Kompetenzen notwendig, wobei der <a href="http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/eval-qs-qm/forschung/dfg-projekt_gesundheit/Kompetenzbegriff/index.html" target="_blank">Kompetenzbegriff</a> als solcher in Bildungszusammenh&#228;ngen <a href="http://www.ash-berlin.eu/uploads/media/Was_sind_Kompetenzen.pdf" target="_blank">sehr vielf&#228;ltig verwendet</a> und h&#228;ufig mit dem <a href="http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000000908/04_KapA4.pdf;jsessionid=BC7958906E17F681CF261F5D93D797A6?hosts=" target="_blank">Qualifikationsbegriff</a> verbunden wird. In diesem Rahmen wird dann auch von „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schl%C3%BCsselqualifikation" target="_blank">Schl&#252;sselqualifikationen</a>“ gesprochen, zu denen unter anderem z. B. das Lesen und das Schreiben geh&#246;ren.</p>

<p>Und um die Vielfalt und Unsch&#228;rfe der Begriffe noch ein wenig weiter vorzuf&#252;hren, nenne ich noch die Weiterf&#252;hrung des Kompetenzenbegriffs in der Rede von „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Kompetenz" target="_blank">sozialen Kompetenzen</a>“, die heute auch unter dem Begriff „soft skills“ bekannt sind.</p>

<p>Der Kompetenzenbegriff ist also schillernd, mit der Folge, dass er in jedem Zusammenhang, in dem er verwendet wird, eigens ausdifferenziert werden muss, was auch nicht gerade zur Sch&#228;rfung des Begriffs im Sinne eines „expliziten Wissens“ beitr&#228;gt – aber nicht zu vermeiden ist, soll er von einem abstrakten Begriff in handhabbare Handlungszusammenh&#228;nge, wie sie beispielsweise in Bildungprozessen unabdingbar sind, &#252;bertragbar sein.</p>

<p>Der Kompetenzenbegriff ist in diesem Sinne ein Metabegriff, der sich von Schl&#252;sselqualifikationen (die ich hier lieber Schl&#252;sselkomeptenzen nenne) ausgehend in unterschiedlichen Handlungszusammenh&#228;ngen unterschiedlich zeigt, sodass man im konkreten Anwendungsfall von „Fachkompetenzen“ spricht.</p>

<p>Diese Fachkompetenzen sind dann mit Fachwissen verbunden, wobei es auch hier Wissensbest&#228;nde gibt, die als „Schl&#252;sselkompetenzen“ fach&#252;bergreifend vorausgesetzt werden, wobei wir z. B. einmal mehr beim Lesen und Schreiben w&#228;ren, das dementsprechend z. B. in der Schule eben nicht nur im Deutschunterricht gelernt werden kann, sondern auch im Verantwortungsbereich nahezu aller F&#228;cher, insbesondere aber von F&#228;chern wie Geschichte, Religion, Politik und Wirtschaft (Sozialkunde, Gemeinschaftskunde), Ethik, den Fremdsprachen…, liegt.</p>

<p>Im Deutschunterricht werden die explizierbaren Grundlagen und Anwendungsformen dieses „Wissens“ ins Zentrum gestellt, die Feinabstimmung kann nur im Zusammenspiel der unterschiedlichen F&#228;cher gelingen, was f&#252;r mich dann auch wieder das zentrale Merkmal von „Schl&#252;sselkompetenzen“ widerspiegelt: Sie sind in ihrer Bedeutung f&#228;cher&#252;bergreifend und werden in den unterschiedlichen F&#228;chern mit fachspezifischen Zusatzqualifikationen angereichert.</p>

<p>====&gt;</p>

<p>Zusammenfassung:  Das Lernen ist Teil der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Conditio_humana" target="_blank">Conditio Humana</a>, des Wesens des Menschen, und f&#252;hrt immer und bei jedem Menschen zu implizitem Wissen. Dieses implizite Wissen kann zu explizitem Wissen werden, wobei explizites Wissen dar&#252;ber hinaus in der Lage ist, dem Menschen neue Wissensgebiete zu erschlie&#223;en<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/#footnote_1_1468" id="identifier_1_1468" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="z. B. in der Physik, der Astronomie, der Philosophie, der Mathematik, der Geschichte, der Religion, der Ethik, in den Bereichen von Politik und Wirtschaft, kurz: in allen Gebieten, die f&amp;#252;r eine Wissensgesellschaft bezeichnend sind und deshalb z. B. f&amp;#252;r die Bundesrepublik Deutschland von zentraler Bedeutung sind">2</a></sup>. Explizites Wissen kann enzyklop&#228;discher Natur sein (ich nenne das in Anschluss an <a href="http://www.martin-wagenschein.de/" target="_blank">Martin Wagenschein</a> und <a href="http://www.adz-netzwerk.de/SCHULEN-DER-KORPERLOSIGKEIT-Vortrag-von-Horst-Rumpf-beim-Muensteraner-Konvent.php" target="_blank">Horst Rumpf</a> „Bescheid wissen“) oder anwendungsorientiert<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/#footnote_2_1468" id="identifier_2_1468" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="So macht es einen Unterschied, ob z. B. eine Fremdsprache auf Beherrschen der grammatikalischen Regeln, Vokabelwissen und Schriftlichkeit hin gelernt wird oder ob, von diesen unabdingbaren Voraussetzungen ausgehend, auf Anwendbarkeit in konkreten Gespr&amp;#228;chen hin gelernt wird.">3</a></sup>, wobei es dann vom Wissen zum anwendbaren Wissen, also zur Kompetenz wird.</p>

<p>&lt;====</p>

<p>Und was hat das nun mit Bildung zu tun?</p>

<p>Die Antwort kann weder „Nichts“ noch alles „Alles“ hei&#223;en, sondern, wer h&#228;tte das gedacht, bedarf einer weiteren Differenzierung.</p>

<p>Und so kommt  jetzt endlich, wie oben angek&#252;ndigt, Humboldt ins Spiel.</p>

<p>„Bildung“, wie ich den Begriff hier verstehe, ist weder mit „Wissen“ noch mit „Kompetenzen“ identisch, noch von „Wissen“ und „Kompetenzen“ getrennt zu verstehen. Ich betone das an dieser Stelle, weil ich zunehmend den Eindruck habe, dass der Bildungsbegriff mehr und mehr mit verwertbarem „Wissen“ und somit mit „Kompetenzen“ gleich gesetzt wird, es vielleicht sogar die Tendenz gibt, im Rahmen eines „kompetenzenorientierten Unterrichts“ im schulischen Bereich die „Kompetenzen“ alleine ins Zentrum zu stellen, obwohl nat&#252;rlich jeder Lehrende wei&#223;, dass „Kompetenzen“ ohne „Wissen“ wie Autos ohne Motor, Fahrr&#228;der ohne Ketten, K&#246;rper ohne Gehirn sind. Vielleicht mit einer der Gr&#252;nde, warum erfahrene Lehrkr&#228;fte das Reden &#252;ber „Kompetenzen“ befremdlich finden…  Also, <a href="http://www.zeno.org/Philosophie/M/Humboldt,+Wilhelm+von?hl=humboldt" target="_blank">Humboldt</a>, jetzt endlich, mit einem<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung" target="_blank"> Zitat aus den enzyklop&#228;dischen Wissensbest&#228;nden der Wikipedia</a>:</p>

<blockquote>
<p style="text-align: left;"><strong>Bildung</strong> bezeichnet die Formung des Menschen im Hinblick auf sein „Menschsein“.</p>

W&#228;hrend in der Umgangssprache mit dem Begriff Bildung eher andere Begriffe, wie „Belehrung“, „Schulbildung“ oder „Wissensvermittlung“ assoziiert werden, haftet seit <a title="Wilhelm von Humboldt" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Humboldt" target="_blank">Wilhelm von Humboldt</a> in der Theorie und der Programmatik „dem Wort Bildung das Moment der Selbst&#228;ndigkeit, also des Sich-Bildens der Pers&#246;nlichkeit“ an (<a title="Hartmut von Hentig" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmut_von_Hentig" target="_blank">Hartmut von Hentig</a>).

Nach Humboldt ist Bildung „die Anregung aller Kr&#228;fte des Menschen, damit diese sich &#252;ber die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualit&#228;t und Pers&#246;nlichkeit f&#252;hren“.<sup id="cite_ref-0" class="reference"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung#cite_note-0" target="_blank">[1]</a></sup></blockquote>

<p><a href="http://www.didaktik.uni-jena.de/did_04/humboldt.htm" target="_blank">Anders ausgedr&#252;ckt</a>: Bildung findet dort statt, wo der Mensch als Individuum zu sich selbst findet.</p>

<p>Als Individuum zu sich selbst finden?  Diese Aussage ist zun&#228;chst einmal ein Hinweis darauf, dass sich Bildung nicht auf verwertbares und anwendbares, wom&#246;glich rein berufsbezogenes Wissen bezieht, dieses aber auch nicht ausschlie&#223;t, sondern &#252;ber es hinaus geht. Um es in einem nahe am Klischee scheinenden, kurzen Satz auszudr&#252;cken:</p>

<p>Bildung ist Pers&#246;nlichkeits- und eben nicht prim&#228;r Berufsbildung.</p>

<p>Bildung ist weit mehr als die mit ihr nat&#252;rlich verbundene Ausbildungs- oder Studierf&#228;higkeit, ist mehr als Qualifikation, mehr als Kompetenzen.</p>

<p>Die Aufgabe von Bildungsprozessen ist, inklusive all der qualifizierenden Aufgaben, den Prozess der ganzheitlichen Pers&#246;nlichkeitsentwicklung zu unterst&#252;tzen, zu begleiten und zu f&#246;rdern. Und somit findet Bildung nicht nur in der Schule statt, die aber auch in diesem Sinne einen ganz klaren Erziehungsauftrag hat. So hei&#223;t es in <a href="http://www.kultusministerium.hessen.de/irj/HKM_Internet?rid=HKM_15/HKM_Internet/nav/374/3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2%26_ic_uCon=72920bec-b224-d901-be59-2697ccf4e69f.htm&amp;uid=3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2" target="_blank">§2 Abschnitt 1 des Hessischen (also des f&#252;r mich relevanten) Schulgesetzes</a> ausdr&#252;cklich:</p>

<blockquote><strong>Die Schulen</strong> im Lande Hessen erf&#252;llen in ihren verschiedenen Schulstufen und Schulformen den ihnen in Art. 56 der Verfassung des Landes Hessen erteilten gemeinsamen Bildungsauftrag, der auf humanistischer und christlicher Tradition beruht. Sie <strong>tragen dazu bei, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ihre Pers&#246;nlichkeit in der Gemeinschaft entfalten k&#246;nnen</strong>. (Hervorhebungen von Herrn Larbig)</blockquote>

<p>Alles „Wissen“, alle „Kompetenzen“ sind also der Aufgabe unterstellt, dazu beizutragen, dass Menschen ihre Pers&#246;nlichkeit in der Gemeinschaft entwickeln und entfalten k&#246;nnen. Das Gesetz spricht zwar nicht von der Entwicklung, aber diese geh&#246;rt zur Entfaltung unabdingbar dazu.</p>

<p>Um zur Pers&#246;nlichkeitsentwicklung und -entfaltung in Gemeinschaft beitragen zu k&#246;nnen, reicht die Vermittlung und das (Auswendig)Lernen von enzyklop&#228;dischen Wissensbest&#228;nden also nicht aus. Die fr&#252;her (und auch heute noch verbreitete) Rede von Lernzielen griff / greift zu kurz, da damit oft die Beherrschung eines gewissen Unterrichtsstoffes im Sinne von explizitem Wissen verstanden wurde / wird (Vokabeln, Jahreszahlen in Geschichte, Formeln in den Naturwissenschaften etc.).</p>

<p>Um dieser Tendenz entgegen zu wirken, wurde in j&#252;ngerer Zeit der Kompetenzbegriff in die Bildungsdebatte eingebracht, der in der Lehrerausbildung, zumindest in der mir bekannten hessischen Lehrerausbildung, zunehmend an Gewicht gewinnt. Diesem Kompetenzbegriff geht es um anwendbares Wissen, womit wir dem Bildungsbegriff, wie ich ihn hier vertrete, schon ein gutes St&#252;ck n&#228;her gekommen sind, solange der Kompetenzbegriff nicht, was meiner Wahrnehmung nach leider durchaus geschieht, alleine auf einen Bereich der (berufs)praktischen Verwertbarkeit beschr&#228;nkt wird.</p>

<p>Vom humboldtschen Bildungsbegriff ausgehend, muss der Kompetenzenbegriff so verstanden werden, dass Menschen lernen, ihre individuellen Talente und F&#228;higkeiten in der Gemeinschaft entfalten zu k&#246;nnen. Und ein so verstandener Bildungsbegriff ist f&#252;r mich dann „Allgemeinbildung“, weit mehr also als Wissensbest&#228;nde, die allgemein als bekannt vorausgesetzt werden.</p>

<p>====&gt;</p>

<p>Zusammenfassung:</p>

<p>Mit dem humboldtschen Bildungsbegriff, der Wissen und Kompetenzen einschlie&#223;t, sich aber nicht auf diese Seiten der Bildung beschr&#228;nkt, ist zentral die Frage nach den Voraussetzungen, Bedingungen und M&#246;glichkeiten der Entfaltung der eigenen Pers&#246;nlichkeit in Gemeinschaft verbunden. Bildung bezieht sich hier ganzheitlich auf individuelle Pers&#246;nlichkeiten und nicht prim&#228;r auf &#246;konomisch verwertbares Wissen.</p>

<p>&lt;====</p>

<p>Bleibt, nach so viel Theorie, die Frage nach den praktischen Konsequenzen, wobei ich mich hier weitgehend auf die Konsequenzen f&#252;r den Teil des individuellen Bildungsprozesses beschr&#228;nke, der in der Schule bzw. im Umfeld der Schule stattfindet. Und um es gleich zu sagen: Bei allen Diskussionen um PISA, TIMMS und Co, hat sich gerade in der Richtung auf „Bildung“ hin, in den vergangenen Jahren sehr viel getan, ohne dass die Probleme wirklich gel&#246;st worden w&#228;ren:</p>

<ul>
    <li>Die hier erarbeitete Bestimmung des Bildungsbegriffs verlangt, dass das Individuum eine Chance zur Entfaltung der ihm / ihr eigenen Pers&#246;nlichkeit bekommt. Die heute mehr und mehr geforderte Sch&#252;lerorientierung von Unterricht verstehe ich in dieser Richtung.</li>
    <li>Es gibt Bedingungen, unter denen diese Entfaltung des Individuums besser oder schlechter gelingt. PISA und die entsprechenden OECD-Studien haben deutlich darauf hingewiesen, dass in Deutschland nach wie vor die sozialen (im Sinne von &#246;konomischen) Voraussetzungen mit dazu beitragen, wie weit dieser Prozess der Entfaltung des Individuums in Gemeinschaft mehr oder weniger gelingt. „Bildung“, wie sie hier verstanden wird und wenn sie genau diese Entfaltung f&#246;rdern soll, muss in ihrer Organisation daf&#252;r sorgen, dass diese sozialen (&#246;konomischen) Grenzen keine Rolle spielen. Und bei aller Kritik am deutschen Schulwesen, die in dieser Hinsicht immer wieder und als kritisches Korrektiv auch v&#246;llig zurecht laut wird, haben wir ein Schulsystem, das zumindest von der Idee her, so durchl&#228;ssig ist, wie es f&#252;r solche Bildungsprozesse theoretische notwendig ist. Dass dies in der Praxis nicht gelingt ist ein Problem, zu dem es zwar viele Ideen (Gemeinschaftsschule, Gesamtschule etc.) gibt, aber nur wenige die vorhandenen Grenzen durchl&#228;ssiger machende oder auf aufl&#246;sende L&#246;sungen. Und wenn ich auch nicht zu denen geh&#246;re, die im Zusammenhang von gelingender Bildung als erstes nach Geld rufen: Hier scheinen die sozialen Unterst&#252;tzungsma&#223;nahmen (Sch&#252;ler-BAF&#214;G…) bislang nicht angemessen zu greifen.</li>
    <li>In der Unterrichtspraxis geht es darum, die Individuen auch als solche wahrnehmen zu k&#246;nnen. Rechne ich einmal durch, wie viele dieser Individuen ich als solche zu f&#246;rdern haben, komme ich mit momentan 145 auf eine f&#252;r einen Lehrer noch recht &#252;bersichtliche Zahl, die aber, wenn ich mir vorstelle, dass ich 145 Mal individuell der Pers&#246;nlichkeitsentwicklung dienen (sic!) soll, schon erschreckend genug ist und in der Regel auch deutlich h&#246;her liegen kann. (Gehe ich von einem „Nebenfach”-Lehrer aus, der jeweils nur zweist&#252;ndig in den Jahrgangsstufen unterricht, kann dies z.B. in Sekundarstufe I zu bis zu 390 individuell zu f&#246;rdernden Kindern und Jugendlichen gehen.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/#footnote_3_1468" id="identifier_3_1468" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hier wird eine Klassengr&amp;#246;&amp;#223;e von 30 und ein Stundendeputat von 26 Stunden zu Grunde gelegt.">4</a></sup> Ob in diesem Rahmen der Bildungsauftrag mit dem hier zu Grunde gelegten Bildungsbegriff gelingen kann, m&#246;ge jeder selbst entscheiden.</li>
</ul>

<p>Wenn ich aber dennoch davon ausgehe, dass Unterricht gelingen kann, stellt sich die Frage, welche Methoden oder Metamethoden vor dem Hintergrund des hier vertretenen Bildungsbegriffs m&#246;glicherweise hilfreich sein k&#246;nnen.</p>

<p>F&#252;r mich ist klar, dass es sich um Methoden handeln muss, die in sich den Auftrag zur Erm&#246;glichung der Entfaltung von Individuuen in Gemeinschaft aufgreifen und m&#246;glichst weitgehend erf&#252;llen.</p>

<ul>
    <li>Unterricht muss m&#246;glichst <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Binnendifferenzierung" target="_blank">binnendifferenziert </a>erfolgen. Es m&#252;ssen also m&#246;glichst innerhalb einer Lerngruppe individualisierte Lernwege erm&#246;glicht werden. (Klassengr&#246;&#223;en mit 30 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern erschweren dies zumindest erheblich.)</li>
    <li>Die Lernden m&#252;ssen aktiv sein k&#246;nnen und Unterricht nicht nur konsumieren. Methodische M&#246;glichkeiten, dies zu erreichen, stehen in der Gruppenarbeit, deren Konzeption und Durchf&#252;hrung h&#246;chste Anspr&#252;che an die Lehrenden stellen, in Projektarbeit, in problemorientiertem Unterricht, der es Lernenden erm&#246;glicht, individuelle L&#246;sungswege zu entwickeln und in nahezu allen <a href="http://methodenpool.uni-koeln.de/" target="_blank">Ans&#228;tzen der konstruktivistischen P&#228;dagogik</a> zur Verf&#252;gung. Dazu geh&#246;rt auch der Ansatz „<a href="http://www.ku-eichstaett.de/Forschung/forschungsprojekte/ldl.de" target="_blank">Lernen durch Lehren</a>“, der hochgradig auf die Aktivierung (Entfaltung) der Jugendlichen als Individuen in Gemeinschaft hin ausgerichtet ist und bei genauer Betrachtung einen radikal humanistischen Ansatz repr&#228;sentiert. Kurz: Handlungsorientierte Ans&#228;tze scheinen nach wie vor einen der besten Ans&#228;tze zur Erm&#246;glichung der Entfaltung des Individuums in Gemeinschaft zu bieten.</li>
</ul>

<p>Nat&#252;rlich wei&#223; ich, dass auch der hier vertretene Bildungsbegriff in Vergangenheit und Gegenwart nicht unumstritten geblieben ist. Die einen fordern mit Bezug auf Humboldt und Friedrich Schiller die<a href="http://www.zeit.de/2005/10/Kulturnation" target="_blank"> R&#252;ckkehr zur Kulturnation</a>, die anderen <a href="http://www.polwiss.fu-berlin.de/fsi/ap/ap5-humboldt.htm" target="_blank">stellen den humboldtschen Bildungsbegriff in Frage</a>. Und wer mag, kann &#252;ber Suchmaschinen noch mehr Artikel zu den Pro- und Contra-Diskussionen um diesen Bildungsbegriff finden.</p>

<p>Und ich gebe zu, dass dem Verst&#228;ndnis des humboldtschen Bildungsbegriffs oft etwas elit&#228;res anhaftet, hoffe aber, das meine, f&#252;r ein Blog sehr umfangreichen, f&#252;r die Sache aber eher marginalen, Gedanken zum Thema, zumindest deutlich machen konnten, dass ein Begriff von „Bildung“, der das Individuum im Rahmen der differenzierten Talente, die jedes von ihnen mit sich bringt, ins Zentrum der &#220;berlegungen stellt (Ein Leitspruch der Schule, an der ich unterrichte lautet dann auch „Das Kind in die Mitte“ gepr&#228;gt von dem schillerschen Schulmotto „Der Menschheit W&#252;rde ist in eure Hand gegeben. Bewahret sie! Sie sinkt mit euch; mit euch wird sie sich heben.“) in der heutigen Bildungsdebatte zumindest ein wenig zur Kl&#228;rung von Begriffen beizutragen vermag.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

<ul class="similar-posts"><li><a href="http://herrlarbig.de/2011/06/30/herrn-larbigs-bibliothek-9-jussi-adler-olsen-erlosung/" rel="bookmark" title="30. Juni 2011">Herrn Larbigs Bibliothek 9 – Jussi Adler-Olsen: Erl&#246;sung</a></li>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/21/gefunden-add-on-to-the-face-to-face-learning-at-adelaide-university-podcast-english/" rel="bookmark" title="21. November 2010">Gefunden: Free iPads as an Add-On to the Face-to-Face-Learning at Adelaide-University (Podcast / English)</a></li>
</ul>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_1468" class="footnote">Ein Auszug aus einem Werk zum Thema im Rahmen eines Projektes zur Ideengeschichte von der Hamburger Erziehungswissenschaftlerin Ingrid Lohmann findet sich <a href="http://www.erzwiss.uni-hamburg.de/Personal/Lohmann/Projekte/Schleiermacher/2-5-1.pdf" target="_blank">als PDF-Dokument hier</a>.</li><li id="footnote_1_1468" class="footnote">z. B. in der Physik, der Astronomie, der Philosophie, der Mathematik, der Geschichte, der Religion, der Ethik, in den Bereichen von Politik und Wirtschaft, kurz: in allen Gebieten, die f&#252;r eine Wissensgesellschaft bezeichnend sind und deshalb z. B. f&#252;r die Bundesrepublik Deutschland von zentraler Bedeutung sind</li><li id="footnote_2_1468" class="footnote">So macht es einen Unterschied, ob z. B. eine Fremdsprache auf Beherrschen der grammatikalischen Regeln, Vokabelwissen und Schriftlichkeit hin gelernt wird oder ob, von diesen unabdingbaren Voraussetzungen ausgehend, auf Anwendbarkeit in konkreten Gespr&#228;chen hin gelernt wird.</li><li id="footnote_3_1468" class="footnote">Hier wird eine Klassengr&#246;&#223;e von 30 und ein Stundendeputat von 26 Stunden zu Grunde gelegt.</li></ol>
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