Vom Scheitern: Bruder Paulus im Gespräch mit Konstantin Wecker

»Um Gottes Willen« heißt die Gesprächssendung auf dem Nachrichtensender N24, die der Kapuziner Bruder Paulus Terwitte mit seiner evangelischen Kollegin Julia Scherf im Wechsel jeden Sonntag moderiert. Fragen, die den Menschen angehen, stehen hier im Mittelpunkt des Gespräches. Diese Sendung ist ein Beispiel dafür, dass Fragen nach dem Leben immer auch die Fragen sind, die eng mit der Religion verbunden sind. Als Beispiel bette ich hier einmal das Gespräch Bruder Paulus’ mit dem Liedermacher Konstantin Wecker ein, das am 11. Mai 2008 ausgestrahlt wurde. Im Zentrum des Gespräches steht die Frage nach dem Scheitern.

Denke ich über das Scheitern nach, fallen mir sofort große literarische Gestalten ein, in denen Autoren dieser Frage nach menschlichem Versagen und dessen Platz in Biographien nachgegangen sind: Ich denke an den Faust in Goethes gleichnamigem Theaterstück, ich denke an die Texte Franz Kafkas, ich denke an Tolstois »Anna Karenina«, an die Geschichte vom Untergang einer Familie, die Thomas Mann in »Die Buddenbrocks« erzählt, an Heinrich Manns  »Der Untertan« und »Professor Unrat« – und so weiter.

Denke ich über das Scheitern nach, fallen mir genau so schnell aber auch große Gestalten der Bibel auf, in deren Biographie das Scheitern eine zentrale Rolle spielte: Mose hat einen Menschen umgebracht und wurde dennoch zum Anführer des Auszugs aus Ägypten, Jeremia zieht sich in die Wüste zurück, weil er glaubt, an seiner Mission gescheitert zu sein, Jona flieht vor dem Auftrag, den er bekommen hat, Hiob muss sich mit der Frage des Leidens auseinandersetzen; Petrus verleugnet Jesus und gehört in den Kreis der Jünger, die sich nach dem Tod Jesu – ja, auch Jesus am Kreuz ist zunächst einmal ein Gescheiterter – ängstlich zurückziehen und dann Erfahrungen machen, die aus Angsthasen »Helden« werden lassen.

Die Frage nach den Grenzen einer Biographie scheint gerade heute von so zentraler Bedeutung, da Scheitern oft mit absolutem Versagen verbunden wird, da Scheitern an einer Sache oft als ein Versagen der ganzen Persönlichkeit angesehen wird. Doch zunächst einmal ist Scheitern eine Krise, in der sich der Mensch in Frage gestellt sieht, sich selbst befragen muss und dabei die Chance hat, ganze neue Seiten seiner Persönlichkeit oder diese selbst überhaupt erst einmal zu entdecken.

Dabei ist es gut und wichtig, dass diese Frage keine neue Frage ist, sondern seit Menschengedenken im Zentrum des Nachdenkens steht. Das Gespräch von Bruder Paulus und Konstantin Wecker steht in diesem Sinne in einer langen Tradition.

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