Monat: Juli 2026

Was ist der Mensch, wenn die Welt endet? Cormac McCarthys Roman »Die Straße«

Die Welt eines Romans ist immer eine erfundene Welt. Das meinen wir, wenn wir von fiktionaler Literatur sprechen. Das Universalwörterbuch der deutschen Sprache aus dem Duden-Verlag hat für das Wort »Fiktion« zwei Definitionen. Das deutsche Wort ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen. Dort heißt es sinngemäß: »bilden«, »formen«, »erdichten«. Es geht in fiktionalen Texten also um etwas, das nur in einer Vorstellung existiert; es handelt sich um eine Vorstellung, die man sich von etwas erdichtet. In der Philosophie, so das Wörterbuch, handele es sich um eine »bewusst gesetzte widerspruchsvolle oder falsche Annahme als methodisches Hilfsmittel bei der Lösung eines Problems«.

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Vom Untergang der Welt oder: Ilija Trojanows Roman »EisTau«

Der Ich-Erzähler in Ilija Trojanows 2011 erschienenem Roman EisTau ist der Gletscherforscher Zeno Hintermeier. Der Verlust der Liebe seines Lebens, die ein Alpengletscher war, der den Folgen des menschengemachten Klimawandels zum Opfer gefallen ist, nimmt ihm den Sinn seines Lebens. Er verlässt mit Anfang 60 die Universität und wird Lektor auf einem Kreuzfahrtschiff, mit dem die Fahrgäste die Antarktis erkunden können. Für die circa 300 Passagiere der erzählten Reise muss Zeno aber auch die Rolle des Exkursionsleiters übernehmen, nachdem dieser krankheitsbedingt nicht an Bord ist. Zeno und die ganze Führungselite des Schiffes stammen aus Westeuropa; die in der Regel reichen

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Vom Untergang der Welt oder: Roman Ehrlichs Roman »Malé«

Auf Seite 116 wird ohne Hinweis auf Josef von Eichendorff zitiert: »Es war, als hätt der Himmel die Erde, still.« Okay, das Zitat ist nicht korrekt wiedergegeben, aber in Roman Ehrlichs Roman »Malé« sicher kein Zufall. Später dann: »Es ging die blaue Blume auf. […] Und blühte Einsamkeit.« (S. 116) Zudem dürfte der Name »Der blaue Heinrich« für den zentralen sozialen Treffpunkt in Ehrlichs Roman kaum zufällig gewählt sein. Er verweist zunächst auf den kulturgeschichtlich aufgeladenen »Blauen Heinrich«, einen Spucknapf der Tuberkulosekranken, evoziert zugleich aber – im Kontext der zahlreichen romantischen Anspielungen des Romans – unweigerlich Gottfried Kellers Bildungsroman »Der

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