Neues vom #Bildungsäppler

Es ist wieder Zeit, sich zu treffen, sich zu vernetzen. Es ist Zeit für den 9. Bildungsäppler in Frankfurt am Main.

Traditionell wird erst über den nächsten Termin des Frankfurter Bildungsäpplers abgestimmt. Den Ort werde ich hier bekannt geben, sobald ich eine Übersicht habe, wie viele kommen wollen.

Zur Abstimmung hier entlang.

Was der Bildungsäppler ist? – Menschen, die in Frankfurt und Umgebung mit Bildung zu tun haben setzen sich zusammen, plaudern, schmieden Pläne. Die Bandbreite der Teilnehmenden ist groß; was sie verbindet: Sie sind im Bildungsbereich (Schule, Hochschule etc.) engagiert und an Vernetzung interessiert. Oft leben die Teilnehmenden die Vernetzung bereits in sozialen Netwerken, aber der analoge Charakter des Bildungsäpplers soll eben auch die Vernetzung mit Bildungsmenschen fördern, die mit der digitalen Vernetzung noch nicht so vertraut sind.

Nachtrag, da Nachfragen kamen: „Äppler“ hat nichts mit „Apple“ zu tun, sondern ist ein Kunstwort, das zur Bezeichnung des Frankfurter Apfelweins eingeführt wurde und bezeichnet eine Getränkeoption, die den Austausch untereinander begleiten kann. 

Wenn es dem Lernen dient!

Meine Ansage im Klassenraum in diesem Schuljahr ab Klasse 9 (Schülerreaktionen aus mehreren Lerngruppen zusammengefasst):

„Ihr dürft im Unterricht bei mir alles nutzen, was eurem Lernen dient.“

Schüler schauen irritiert.

„Ihr könnt den Duden auf dem Tisch stehen haben. Alle Bände eines Lexikons mitbringen. Germanistische Handbücher nutzen…“

Schülerblicke reden deutlich – Isss ja guuud, Herr Larbig

„…wenn ihr wollt und Internetzugang habt, euer Smartphone nutzen.“

Schülerblicke: Aaaahhhhh

„Und wenn ihr im Lexikon nach Wörtern sucht, die nichts mit dem Unterricht zu tun haben, konfisziere ich es. Gleiches gilt für Handys, wenn ihr Messanger-Nachrichten im Unterricht beantwortet.“

Schüler: Und müssen wir dann jedes Mal fragen, wenn wir das Handy rausholen.

Ich: „Legt es auf den Tisch, wie ihr das Mäppchen, das Heft, die Bücher auf den Tisch legt, aber mit dem Bildschirm nach unten. Und wenn ihr es braucht, dann nehmt ihr es.“

Schüler: „Ok.“

Kleine Indizien des großen Strukturwandels

Am Mittwoch, dem 3. September 2014, ging durch die Medien, dass der Taxi-Konkurrent Uber vor dem Frankfurter Landgericht per einstweiliger Verfügung verboten bekommen hat, weiter private Fahrer an Fahrgäste zu vermitteln. Diese einstweilige Verfügung wurde von dem Zusammenschluss – gibt es triftige Gründe, nicht von einem Kartell zu sprechen? – der deutschen Taxizentralen „Taxi Deutschland“ erwirkt.

Wenn man diese Auseinandersetzung im Rahmen des digitalen Strukturwandels betrachtet, ist dieser Versuch der Interessenvertretung der Taxi-Zentralen nur einer mehr, der zeigt, dass längst nicht jeder verstanden hat, dass wir es mit einem grundlegenden digitalen Strukturwandel zu tun haben, dessen Auswirkungen sicherlich so gravierend sein werden, wie der Wandel des Ruhrgebietes in den vergangenen Jahrzehnten, aber nicht nur eine Region, sondern die gesamte Gesellschaft betreffen werden.

Besitzstandswahrer haben im Kontext dieses Strukturwandels keine Ideen. Sie sehen nur, dass da etwas Neues am Entstehen ist und reagieren reflexartig mit Versuchen, die als Indizien der Veränderung zu verstehenden Entwicklungen zu verbieten – und fallen absehbar auf die Nase.

Es ist in so vielen Branchen momentan genau das der Fall: Wir erleben einen Strukturwandel angesichts der zunehmenden Präsenz des Digitalen und des Internets und mit diesem verbunden das Aufbegehren der jeweiligen Gruppen bisheriger Nutznießer bestimmter Konstellationen.

Die Musikbranche ist von diesem schmerzhaften Prozess des Strukturwandels mit als erste getroffen worden und eine neue Studie zeigt, dass Musikstreaming an die Stelle bisheriger Musikkonsumenten-Gewohnheiten treten wird, sodass sowohl das Geschäft mit CDs und auch mit Musik-Downloads keine große Zukunft mehr haben dürfte.

Die Buchbranche wehrt sich mit Händen und Füßen gegen den Strukturwandel, glaubt anscheinend, wenn sie EBooks (nicht von jedem Buch allerdings) anböte, könne sie im Strukturwandel ihre Pfründe bewahren. Da wird das Erwachen ziemlich unvermittelt sein, wenn man plötzlich merkt, dass Autoren sich anderen Vermarktungswegen zuwenden, insbesondere jene, die ihre Geschichten crossmedial erzählen. Und nun also das Taxi-Gewerbe. Gunter Dueck weist schon seit längerer Zeit darauf hin, dass das autonom fahrende (fahrerlose!) Taxi kommen wird. Das werden die Taxibetriebe wahrscheinlich nicht verbieten wollen, aber der Beruf des Taxifahrers wird exotischer werden nahezu verschwinden. Im Augenblick wehrt sich die Taxibranche gegen Versuche, das Monopol deutscher Taxiunternehmen und derer -zetralen aufzubrechen. Wenn sie bis zur letzten Instanz Recht bekommen sollte, sollte sich die Branche dennoch nicht zu früh freuen. Der digitale Wandel wird sie noch wesentlich härter treffen, als Uber das je könnte. – Zumindest in Kalifornien sind die Autobahnen für Autos, die mit Autopilot fahren, gerade freigegeben worden.

Kleine Geschichten von großartigen Menschen, die mir beim Museumsuferfest zu Frankfurt am Main begegneten

Am Ende wurde das Museumsuferfest doch noch spannend, weil ich mich – vom Regen und dem eher mäßigen Musikprogramm etwas genervt – an den Rand des Festes begeben hatte, in den Bereich zwischen Städel Museum und Museum Giersch. Dort erlebte ich im Laufe von ca. zweieinhalb Stunden ein paar kleine Geschichten, die mich beeindruckt oder berührt haben, weil sie Menschen aus der Masse der Menschen bei diesem Fest für mich hervorgehoben haben.

Ein Kunsthandwerker, der aus Gusseisen, Messing, Zinn und Glassteinen oder Kristallen kleine Kerzenleuchter zum Aufhängen im Wohnraum schafft, erzählte mir total begeistert von den Lichteffekten, die diese Steine erzeugen, führte mir diese auch vor, was möglich war, weil es schon dunkel war. Ich merkte richtig, wie er für seine Lampen schwärmte, wie gern er sie baut und dass er völlig dahinter steht. Diese Leidenschaft fand ich toll und vielleicht kaufe ich ihm auch noch eine ab, nachdem ich ausgemessen habe, wie lang die Aufhängung der Lampe sein muss, weil ich seine Lampen nicht nur schön finde, sondern auch, weil mich seine Begeisterung glauben lässt, dass jede von ihnen mit höchstem handwerklichen Anspruch gebaut wurde.

Das war im Übrigen bei überraschend vielen dieser Handwerker mein Eindruck: Die machen etwas, von dem sie begeistert sind. Da ist der Hutmacher, der seinen Kunden alles über das Herstellen von Hüten erzählen kann; der Sattler aus Marokko, der aus kräftigem Vollleder in handwerklich bemerkenswerter Qualität Taschen im Angebot hat, aber als Verkäufer eher zurückhaltend ist und während dem Gespräch mit den Kunden ein Stück Leder bearbeitet. Ich weiß nicht, was er da getan hat, aber es kam mir so vor, als habe er das Leder flexibel machen wollen.

Und dann war da der Stand, an dem es Humus- und Falafelgrichte gab, an dem ich erfuhr, dass hier die ganze Familie am Arbeiten war, inklusive Onkels und Tanten. Ich hatte gesehen, dass der Stand tagsüber ständig eine kleine Schlange vor sich stehen hatte, sodass ich am Abend, als ich da ohne Schlange dran kam, weil er eben etwas abseits von den Hauptbesucherströmen steht, davon überzeugt war, dass es hier kein schlechtes Essen gibt. (Ich hatte mich nicht getäuscht.)

Und so kamen wir ins Plaudern. Es sei gar nicht schlecht, wurde mir erzählt, dass man nicht irgendwo einer zwischen anderen Ständen mit Essensangeboten sei, sondern hier seinen Standort habe. Da falle man mehr auf. Und tatsächlich: Auf dem Weg von der Antiquariatsmeile hin zur langen Strecke mit den Kunsthandwerkern war das der erste Stand, der etwas zu Essen anbot.

Und dann war da M.

M. war so besoffen, dass er von dem Sicherheitsmann, der schon seit drei Nächten das Ende der Straße sichert, in der ich wohne und den ich schon vom Sehen und vom kurzen „Hallo“-Sagen kannte, und einem anderen Festbesucher zu einer Bank getragen werden musste.

M. hatte nahe dem Main auf dem Boden gelegen, sodass man sich um ihn kümmern musste. Ich kam da eher zufällig vorbei und wurde gebeten den Rettungsdienst zu rufen. Der kam auch nach wenigen Minuten. M. wollte aber nicht ins Krankenhaus.

Da er aber weder stehen noch gehen konnte und es in Strömen regnete und der Main auch nicht weit war, war klar, dass man ihn nicht einfach zurücklassen konnte.

Also wurde die Polizei gerufen, denn dann blieb als einzige Möglichkeit eigentlich die Ausnüchterung. Gegen seinen Willen, selbst wenn er so betrunken ist, können die Sanitäter keinen Menschen mitnehmen. Das kann nur die Polizei, wenn sie den Eindruck hat, dass jemand sich selbst gefährdet.

Die Polizei hätte ihn, wie ich mitbekam, sogar nach Haus gebracht, wenn er aus Frankfurt gewesen wäre. Da M. aber aus dem weiteren Umland kam, war das auch keine Option. Was also tun?

Mittlerweile hatte man aus dem Wenigen was M. artikulieren konnte, heraus gehört, warum er so betrunken war. „Ich hab getrunken. Ja. Meine Mama ist gestorben.“

Am Ende waren sechs Polizisten vor Ort, nicht weil sie nötig gewesen wären, M. war die Friedfertigkeit in Person, sondern weil zunächst vier mit dem Boot über den Main zum Ort des Geschehens gekommen sind und dann noch zwei mit dem Wagen, um M. transportieren zu können.

Aber man wollte ihn auch nicht wirklich gerne in die Ausnüchterungszelle mitnehmen, was nebenbei, wie ich mitbekam, nicht billig sein soll. Lieber wäre es den Polizisten gewesen, wenn M. ins Krankenhaus gegangen wäre, weil man ihm das Aufwachen im Polizeigewahrsam ersparen wollte, nachdem man den Grund seines Besäufnisses erfahren hatte.

Außerdem waren die Video überwachten Zellen schon alle voll. Und da M. sich bereits übergeben hatte, kam nur eine solche in Frage, denn man muss ja Sorge dafür tragen, dass da nicht zuletzt jemand an seinem eigenen Erbrochenen erstickt.

Die Lösung: Es gab auf dem Fest selbst bei den Sanitätern ein Zelt mit Liegen. Ob man ihn dorthin bringen könnte, bis er sich ein wenig erholt hatte? Das war das Letzte, was ich mitbekam. M. hatte dieser Lösung zugestimmt. – Ob diese Lösung dann funktioniert hat, weiß ich nicht.

Natürlich denke ich an M., weil ich es so traurig fand, einen Menschen so verlassen zu erleben, so traurig, dass er sich dem Alkohol hingab, weil er nicht wusste, wie er sonst mit seiner Trauer umgehen sollte.

Ich fand es aber auch beeindruckend, wie sich ein Mann von der Security, zwei Festbesucher, zwei Sanitäter und zum Schluss sechs Polizisten um diesen offensichtlich in Not seienden Menschen kümmerten und einen Weg suchten, wie er so lange betreut werden konnte, bis er wieder eigenständig nach Hause kommen kann. Es wurde kein einziger Vorwurf erhoben; er wurde von niemanden belehrt, sondern so angenommen, wie er in diesem Augenblick war. Dass so etwas geschieht, hat mich beeindruckt.

In der Zeit, in der die Polizisten auf die Ankunft eines Wagens warteten, konnte ich beobachten, wie die Polizisten von Passanten angesprochen wurden. Das war zum Teil echt seltsam. Am seltsamsten aber war der Mann, der sie fragte, ob sie denn auch Gehirn zu verschenken hätten. Darauf der angesprochene Polizist in aller Seelenruhe: „Nein, brauchen Sie denn welches?“ und der (offensichtlich auch alkoholisierte) Passant erwiderte, dass er es für seine Begleitungen brauche. Strange People.

Zwischendurch war auch jemand von dem Humus- und Flafelstand, von dem ich oben erzählt habe und neben dem diese Geschichte stattgefunden hatte, dazu gekommen und fragte die Polizisten und die Sanitäter, die warten mussten, bis ein Polizeiwagen durch den Verkehr zu der Stelle vordringen konnte, ob sie etwas zu trinken wollten. Er wollte ihnen das nicht verkaufen, sondern hatte einfach gesehen, dass sich da ein paar Menschen seit ca. 45 Minuten um einen anderen Menschen kümmern und fand es da wohl selbstverständlich, dass man Menschen, die helfen und sich kümmern, zumindest etwas zu trinken anbietet. Diese Selbstverständlichkeit hat mich beeindruckt, hat man doch sonst manchmal den Eindruck, es gehe bei solchen Festen den Betreibern der Stände nur um den Umsatz.

Nachdem dann M. meiner Wahrnehmung nach gut betreut war – und ich bin mir sicher, dass diese Polizisten gut mit ihm umgegangen sind, auch wenn sie nicht verbergen konnten, dass sie solche Situationen im Verlauf des Tages schon häufiger hatten; sie ließen erkennen, wie sie die Trauer M.s um seine Mutter achteten – wollte ich dann doch nach Hause gehen. Es hatte sich ein wenig eingeregnet.

Aber an der Kreuzung zu meiner Straße saß dann der Security-Mitarbeiter, der M. zu der Bank hatte tragen helfen. Er wollte natürlich wissen, wie es weitergegangen sei, was ich ihm dann erzählte.

Darüber kamen wir ins Gespräch und er erzählte mir, dass er aus Eritrea käme, sein Bruder in Darmstadt studiert habe, worauf er sichtlich stolz war, er selbst meistens als Koch arbeite (in Lokalen, die ich sogar kenne und in denen ich gerne esse), nun aber während dem Fest nachts als Security arbeite. Er sei gerade in Eritrea gewesen, sei erst vor einer Woche zurück gekehrt und das kalte Wetter mache ihm noch zu schaffen.

Er erzählte von Eritrea, dass es auch für Ausländer ein sehr friedliches Land sei, man aber natürlich mit der Demokratie noch zu kämpfen habe, er diese aber für ganz wichtig halte, genau so wie die Tatsache, dass es in einem Land keine Rolle spielen dürfe, ob man Christ oder Muslim sei.

Ich konnte seinen Redefluss gar nicht stoppen. Aber irgendwann hatte ich ihn dann doch gefragt, ob er eigentlich schon mal erlebt habe, dass ihn jemand wegen seiner Hautfarbe angegriffen habe. Er verneinte das, sagte, dass er stets freundlich zu den Menschen sei und diese ihm auch freundlich begegneten. Und so, wie ich ihn erlebte, glaube ich ihm das sofort.

 

So ein schlechter Roman. Zu Dave Eggers „Der Circle“ („The Circle”)

Ich bin durch. Endlich. Es war anstrengend. Ich habe mich geärgert. Ich war entsetzt über diese sprachliche Glätte, auf der die Figuren nicht nur ohne Tiefgang bleiben, sondern ausrutschen und zu schemenhaften Klischees statt zu ernstzunehmenden Charakteren werden.

Das scheint nicht allen so zu gehen: Die FAZ schreibt unter anderem, Dave Eggers habe mit „Der Circle“ „den Roman unserer Zeit geschrieben“. Und Andreas Platthaus nennt es – ebenfalls in der FAZ – „das wichtigste Buch des kommenden Bücherherbstes“. Iris Radisch empfiehlt das Buch seltsamerweise auf ZeitOnline, trotz anfänglicher Relativierungen in Bezug auf dessen Qualtität.

Und dann das.

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, weil es da schon seit letztem Herbst vorliegt. In Deutschland erscheint es am 14. August. Da war doch eigentlich genug Zeit für die Kritiker, sich mit dem Werk zu befassen. Da war doch eigentlich genug Zeit, um sich als Kritiker so kundig zu machen, dass man hätte merken können, dass Dave Eggers Horror-Roman digitaler Zukunftsphantasien zwar wunderbar mit Ängsten und Klischees zu spielen, aber mehr nicht zu leisten vermag.

Worum geht es: Mae Holland bekommt eine Stelle bei „Der Circle“ und wird zu einer zentralen Figur beim Vorantreiben einer Ideologie der Transparenz und Offenheit, die sich jeglicher Privatsphäre verweigert. Obwohl sie selbst will, dass ein Video (Sex), das ein anderer Mitarbeiter bei „The Circle“ aufgezeichnet hat, gelöscht werde (was es nicht wird), obwohl sie selbst entsetzt ist, als ihr dauernd auf Sendung stehendes Aufnahmegerät ihre eigenen Eltern in einer „etwas“ verfänglichen Situation ertappt, wird Mae als völlig im System gefangene Figur dargestellt, in einem System, das Dave Eggers ein paar Jahre zu spät vorführt, um angesichts der aktuellen Entwicklung rund um die NSA noch ernst genommen werden zu können.

Und dennoch: Dieser Roman wird sich auch durch nunmehr immerhin doch in Kritikerkreisen auftauchende Anmerkungen über die mangelnde Qualität des Romans nicht aufhalten lassen. Er wird sich super verkaufen, Menschen werden das dicke Werklein verschlingen, denn sie finden ihre eigenen  Ängste in diesem Roman wunderbar bedient. An keiner Stelle werden die Ängste und deren Rationalität hinterfragt, an keiner Stelle verweigert der Roman die Identifikation der klischeehaften Ängste vieler Leser mit der Wirklichkeit des Romans.

Da werden die gläsernen Bürobauten mit Wellness-Bereichen, Bio-Mittagstisch und anscheinend flachen Hierarchien dargestellt. Es wird dieser Umgangston reproduziert, der alles toll findet, der betont, wie wichtig eine Person für einen sei, der aber eigentlich höchst autoritär ist und alles an sich abperlen lässt, was nicht in das Glitzerweltbild der schönen neuen Internetwelt passt.

Nein, Dave Eggers „Der Circle“ ist eine Zumutung. Und seine Rezeption in der deutschen Literaturkritik ist für mich weitgehend überhaupt nicht nachvollziehbar. Das Problem liegt darin, dass man sich an vielen Stellen in der Literaturkritik nur noch an Themen orientiert und dabei anscheinend vergisst, dass ein guter Plot nur ein Teil der Voraussetzungen für ein gutes Buch ist. Dazu kommen dann noch all die Aspekte, die einen Roman zu einem Kunstwerk machen und ihn von Sachtexten und journalistischen Texten unterscheiden. Und dazu gehört mehr, als völlig undialektisch einige Tendenzen in der jungen Internetindustrie ins Megalomanische zu projizieren und so zu tun, als ob dieser Industrie ein Automatismus innewohne, der als Begründung für die erzählte Geschichte ausreiche.

Nein, als Dave Eggers den Roman schrieb, wusste er noch nichts von Edward Snwoden und den Ungeheuerlichkeiten, die Staaten in Sachen digitaler Überwachung tun. Man hätte zwar spätestens seit Echelon ahnen können, was Sache ist, aber ok. Obwohl: Ein Autor, der sich mit diesem Themengebiet befasst und dann auch noch an den Punkt kommt, dass die Demokratie sich voll und ganz in die Hände eines über die Identitäten aller Einwohner eines Landes verfügen wollenden Privatunternehmens begibt, muss intellektuell die zweite Seite der Überwachung irgendwie mit anklingen lassen, die vom Staat ausgeht. Aber Politik wird von Eggers als Marionette dargestellt, verbunden mit Verschwörungstheorien: Sagt ein Politiker etwas gegen einen einflussreichen Internet-Konzern, kommt kurz danach irgend etwas aufs Tapet, dass diesen Politiker ausschaltet, zum Rücktritt zwingt. So einfach ist das – in Eggers Welt, die sich mit der vieler seiner Leser und Leserinnen decken dürfte.

Einer der vielen Tiefpunkte dieses Romans ist die melodramatische Verfolgung eines Menschen, der sich der digitalisierten Allgegenwärtigkeit eines jeden Menschen verweigert. Was die Perversion des Systems zeigen soll, wird zu einer slapstickartigen Darstellung der Macht sozialer Netzwerke, die (natürlich) Menschen, die sich diesen Netzwerken verweigern, so auf die Pelle rücken, dass da auch mal einer stirbt. Das geht dann zwar allen nahe und man bedauert das sehr, aber klüger, nein klüger werden die Figuren in dem Roman nicht. Das wäre nicht schlimm, wenn wenigstens der Leser klüger aus diesen Seiten voller Nichts wieder auftauchen könnte. Aber das verhindert Eggers erfolgreich… – um mal eine positive Formulierung zu verwenden.

Nein, Eggers macht es sich mit seiner These zu einfach. Es gibt keinen Automatismus, der gegenwärtige Entwicklungen direkt in größenwahnsinnige gesellschaftliche Perversionen sozialer Netz treibt. Das heißt nicht, dass es diese Gefahr nicht gäbe, aber so leicht, wie es sich Eggers macht, geht es nicht. Das ist Schwarz-Weiß, obwohl die Welt, in der die Geschichte spielt. in Farbe und HD daher kommt.

Das Schlimmste aber, um beim Thema des Romans zu bleiben: Eggers macht nichts sichtbar, was man nicht schon ohne seinen Roman wüsste.

Er blendet, indem er einem sich freundlich gebenden Unternehmen – manche sagen, es sei an Google angelehnt, womit das simple Feindbild des Romans dann auch schon genannt ist –  größenwahnsinnige Allmachtsphantasien zuschreibt und dabei die ebenso größenwahnsinnigen Allmachtsphantasien von Staaten und vor allem derer Geheimdienste vollkommen ausblendet. Dass das so nicht sein muss, zeigt Tom Hillenbrand in seinem Roman „Drohnenland“, der auch vor dem Bekanntwerden der Snowden-Dokumente geschrieben wurde und der die Gefahr totaler Überwachung durch den Staat und diesem helfenden Privatunternehmen sieht und in einem starken Kriminalroman darstellt, in dem nicht nur der Plot stimmt, sondern in dem auch dessen Umsetzung überzeugen kann.

Und dennoch habe ich „The Circle“ bis zum bitteren Ende gelesen. Denn wenn in vielen Presseorganen ein solches Buch so gepusht wird, wie es geschehen ist, dann muss da doch irgendwas sein…?! – Es ist da nichts. Es stellt sich sogar die Frage nach den Mechanismen der Literaturkritik, denen es offensichtlich nur teilweise gelingt, gegen Marketing-Versprechen ein literarisch orientiertes Lesen zu stellen, das nach literarischen Qualitäten fragt. Die taz beschreibt schön, wie platt und öde die Bilder im Roman sind. Sehen das andere Kritiker nicht? Oder wollen sie es nicht sehen, aus welchen Gründen auch immer?

Wer wirklich etwas über unsere Zeit und die sich aus der Gegenwart heraus ergebenden Gefahrenpotentiale digitaler Überwachung wissen will, statt sich von schlechter Literatur blenden zu lassen, der lese Glenn Greenwalds Dokumentation „Die globale Überwachung“, in der die Geschichte seiner Begegnung mit Edward Snowden erzählt und einige wichtige Dokumente der NSA vorgestellt und erläutert werden, oder Tom Hillenbrands „Drohnenland“. Eine weitere Empfehlung ist Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“, der bereits 2009 grundlegende Fragen der Erfassung von Daten unter dem Deckmantel der Prävention literarisch überzeugend aufgreift. Und auch Orwells „1984“ oder Huxleys „Schöne neue Welt“ bieten inhaltlich und literarisch einen viel breiteren Horizont, der zum Nachdenken über Entwicklungen in den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts einlädt.

Grundlage dieser Rezension ist Eggers, Dave, The Circle (Vintage). Kindle Edition. Die deutsche Ausgabe erscheint am 14.8.2014: Dave Eggers: „Der Circle“. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014, 560 Seiten, €22,99  (als EBook im epub- oder Kindle-Format kostet der Roman in Deutschland €19,99).

 

Herrn Larbigs Bibliothek 19 – Tom Hillenbrand: Drohnenland. Kriminalroman.

Die Niederlande sind als Folge des Klimawandels verschwunden. Nur ein paar schwimmende Häuser sind noch auf dem Wasser anzutreffen und ein Unternehmer hat die Phantasie, dass man die Niederlande in eben solchen schwimmenden Häusern wieder besiedeln könnte.

England steht kurz vor seinem Austritt aus der EU und die umstrittene Abstimmung über eine neue EU-Verfassung soll in ein paar Wochen stattfinden.

Die Solarkriege sind bereits Vergangenheit. In ihnen ging es um den Einfluss in Regionen der Welt, in denen die Sonne die beste Solarstromausbeute ermöglicht.

Drohnen überwachen die gesamte EU, zeichnen alle Daten auf, derer sie habhaft werden können, sodass es möglich ist, die Wirklichkeit in Computerprogrammen zu spiegeln und sich ungesehen an quasi jeden Ort zu begeben, dessen Daten eine Spiegelung (Mirroring) zulassen. Was solche Daten alles ermöglichen! So gibt es Computer, die die Wahrscheinlichkeit berechnen, mit der ein Individuum ein Verbrechen begehen wird.

Tom Hillenbrands Roman „Drohnenland“ führt uns in eine Zukunft, in der die Überwachung technisch nahezu perfekt in die Architektur der Gesellschaft implementiert ist. Dennoch wird ein EU-Parlamentarier ermordet, ohne dass die Fahnder überzeugende Spuren finden können. Aart van der Westerhuizen und seine digitale Forensikerin Ava Bittmann gelangen dennoch verblüffend schnell an das Fahndungsziel, finden einen Verdächtigen, auf den alle Indizien (zu gut) passen …

Der Roman aber ist zu diesem Zeitpunkt nicht einmal halb gelesen. – Die Lösung, die hier erreicht wird, schließt diesen einen Fall zwar zunächst ab, aber es gibt da noch einen zweiten Fall, in dem Unmengen kompromittierendes Videomaterial aufgetaucht ist, dessen Ursprung lange ungeklärt bleibt.

Und nun treibt Hillenbrands Erzähler, der meist sehr dicht an Aart van der Westerhuizen dran bleibt, die Ermittler und die Leser gnadenlos in das Verwirrspiel um die Frage, wer eigentlich die Zuverlässigkeit von Daten garantiert.

Das ist an sich kein neues Thema. Manipulationen an offiziellen Dokumenten gibt es schon um das Jahr 800 bei der „Konstantinischen Schenkung“; die Manipulation von Bildern und Akten ist nicht nur im Umfeld des Krieges (schon lange) üblich.

Die Vertrauenswürdigkeit und Aussagekraft von Daten sind, so eine These des Romans von Tom Hillenbrand, alles andere als den Daten inhärent.

Aber worauf ist dann Verlass? Es bedarf sicher nur eines geringen Aufwandes, um so manchem Eintrag im Internet gegenüber eine gehörige Portion Skepsis zu entwickeln. Doch je offizieller Dokumente werden, um so schwieriger ist es, mit Manipulationen umzugehen bzw. diese zu entdecken oder auch den bloßen Behauptungen zu entgehen, dass da irgendwo etwas nicht mit rechten Dingen zugehe. Manipulation von Daten kann ja auch bedeuten, dass korrekten Daten unterstellt wird, sie seien gefälscht.

Hillenbrand lädt den Leser in „Drohnenland“ zu solchen Überlegungen ein. Aber so etwas machen auch Journalisten, Blogger oder Verschwörungstheoretiker… Zur Reflexion einzuladen ist kein Alleinstellungsmerkmal eines (guten) Romans. Im Gegenteil: Romane mit pädagogisch ausgestrecktem Zeigefinger sind in der Regel keine guten, sondern vor allem belehrende Romane.

„Drohnenland“ belehrt nicht, zumindest nicht so platt demonstrativ, wie das pädagogische Zeigefingerliteratur tut.

Andererseits ist Drohnenland ein ziemlich konventioneller Kriminalroman. Das literarisch interessante an diesem Roman ist also nicht die Form, die wirklich ohne jegliche Experimente auskommt. Spannend ist, dass hier eine Zukunftsvision entwickelt wird, die aus den Gegebenheiten der Gegenwart heraus in sich stimmig und nachvollziehbar ist. Dass die im Roman beschriebene Wirklichkeit, die bis in viele Details hinein vom Autor wirklich gut durchdacht und konstruiert ist, so wahrscheinlich wirkt, das ist die literarisch interessante Leistung Hillenbrands.

Der Roman ist, so behauptet es der Klappentext – und bezogen auf das Erscheinungsdatum und die langen Prozesse von der Fertigstellung eines Romans bis zu dessen Veröffentlichung erscheint das völlig glaubwürdig –, vor den Enthüllungen Edward Snowdens entstanden.

Nimmt man nun Glenn Greenwalds „Die globale Überwachung“ und liest diese Zusammenfassung der von Snowden zugänglich gemachten Dokumente parallel zu „Drohnenland“, dann wird sehr schnell deutlich, dass das, was Hillenbrand in eine Zukunft des fortgeschrittenen Klimawandels projiziert, schon Teil der Gegenwart ist.

Und so legt Tom Hillenbrand in „Drohnenland“ einen Zukunftsroman vor, der sich nicht nur aus der Gegenwart ableiten lässt, sondern der auch die Entwicklungen in unserer Gegenwart kritisch hinterfragt. Eine Antwort, soviel sei hier vorweg genommen, hat auch Hillenbrand bis zum Ende des Romans nicht zu bieten. Das aber ist eines der Qualitätsmerkmale des Romans, der nicht besserwisserisch Antworten vorgaukelt, sondern tatsächlich vor allem eine spannende Geschichte erzählt.

Tom Hillenbrand, Drohnenland. Kriminalroman, Köln, 2014 (423 Seiten, €9,99). Der Roman ist auch als EPub- und Kindle-Buch verfügbar und kostet als E-Book  (in D) €9,99.

Amazon-Bashing allenthalben. Ein Kommentar.

Buchhandelsketten bekommen im Vergleich zur „kleinen Buchhandlung um die Ecke“ größere Rabatte und machen Bücher mit Top-Rabatten leichter verfügbar als andere Bücher,  z. B. durch die Positionierung im Laden.

Bei 3sat heißt es bereits 2010: „Thalia fordert für verkaufsfördernde Büchertische und Anzeigen oft Geld, manchmal zehntausende Euro.”

Das hörte man, nahm man zur Kenntnis und gut war’s.

Jetzt macht Amazon im digitalen Maßstab ähnliches. Bei Amazon aber schreien viel mehr Leute auf, als es angesichts der Marktmacht von Thalia, Hugendubel, Weltbild und Co je der Fall gewesen ist. Und zur großen Überraschung: Auch der „deutsche“ EBook-Reader Tolino hat nichts mit der „kleinen Buchhandlungen um die Ecke“ zu tun. Die gibt es ja auch gar nicht mehr so oft, was aber weniger von Amazon als viel mehr von Hugendubel, Thalia, Weltbild und „Der Club” (mit der Telekom zusammen die Tolino-Allianz) verschuldet wurde.

Den deutschen Buchmarkt hat nicht Amazon kaputt gemacht. Nun aber, da Amazon diejenigen in die Enge treibt, die den deutschen Buchmarkt „konsolidiert“ haben, koordinieren diese Handelsketten ihren ganzen Einfluss und behaupten, Amazon würde den Buchmarkt zerstören.

In Frankfurt verschwanden einige Buchhandlungen, nachdem Hugendubel eröffnet hatte. Damals gab es zwar Stimmen, die vor dem Buchkaufhaus warnten, aber heute gehen trotzdem die meisten Frankfurter bei Hugendubel Bücher kaufen, wenn sie nicht schon zu Amazon abgewandert sind.

Ja, Amazon ist mehr als ein Buchhändler. Das weiß ich. Amazon geht aggressiver vor. Amazon will die Wertschöpfungskette im Buchsegment möglichst vollständig abdecken. Amazon ist böse. Oder?

Vielleicht macht Amazon nur das, was jedes x-beliebige Unternehmen in der Situation Amazons auch tun würde: Den Regeln des Marktes folgen.

Über diese Entwicklung zu jammern, ist nichts, was in den Regeln des Marktes als erfolgsversprechende Strategie bekannt wäre. Aber möglicherweise geht es auch gar nicht um den Markt, sondern um Selbstmitleid, um das Bedauern, dass man nicht selbst mit seinem Unternehmen in der Situation ist, in der Amazon ist.

Oh ja, ich vergaß: Es geht nicht um den Markt, sondern um das Kulturgut „Buch“. Nun, wenn das so ist, dann könnten wir auch jammern, dass das Kulturgut „handgeschriebener Brief“ sehr weitgehend verschwunden ist und nur noch in ganz bestimmen Situationen als „notwendig“ angesehen wird. Informationen, die früher in handgeschriebenen Briefen ausgetauscht wurden, werden aber nach wie vor ausgetauscht. Man mag über den Stil jammern, der damit verbunden ist, aber sogar Liebesbekundungen können ohne Verlust an Glaubwürdigkeit in digitaler Form übermittelt werden.

Das „Kulturgut“ Buch ist in Deutschland durch die Preisbindung und  den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für gedruckte Bücher durchaus als besonderes Gut vom Staat schon subventioniert. Für E-Books gilt übrigens der volle Mehrwertsteuersatz. – Dennoch unterliegt das Buch den Regeln des Marktes, auch wenn diese mit der Buchpreisbindungen schon in gewisse Grenzen gewiesen wurden.

Doch all diese Entwicklungen auf dem Buchmarkt werden Menschen, die wirklich was zu sagen haben, nicht davon abhalten, die Inhalte, um die es in Büchern ja vor allem geht und denen das Träger-Medium eigentlich egal sein kann, weiter zu erstellen. Und für diese Inhalte wird es auch weiter Verbreitungswege geben.

Es ist schick geworden, schnell Schuldige zu finden, wenn es in Wirklichkeit um komplexere Zusammenhänge geht. – Ja, Amazon ist ein Unternehmen, das in dieser Form nur im digitalen Kontext als globales Phänomen auftreten konnte. Das ist eine Entwicklung, die mit dem massiven Strukturwandel zu tun hat, der mit der Digitalisierung ebenso eingesetzt hat, wie er einst mit der Industrialisierung verbunden gewesen ist. In Deutschland hat man diesen Strukturwandel lange verschlafen und läuft nun eben hinterher. – Aber daran ist bestimmt nicht Amazon schuld, was natürlich nicht heißt, dass man ein solches Unternehmen nicht unsympathisch finden darf. Aber es für alles verantwortlich zu machen und für alles schuldig zu sprechen, was man selbst verpennt hat, das sollte man lieber bleiben lassen.

 

Kleine Diskussion zur Lage der Buchbranche: Sibylle Berg vs. Buchmarkt-Beckmann

Es gibt Kritiken, die, werden sie geäußert, absehbare Reaktionen hervorrufen.

Sibylle Berg beginnt am 12.7. mit einer Kritik an den Verlagen und dem deutschen Buchmarkt. Ihre Kernthese: „Die Zukunft, vor der wir gewarnt wurden, ist da, die Buchbranche woanders.“

Das kann der Buchmarkt so nicht auf sich sitzen lassen. Also kommentiert Beckmann 14.7. so brillant zum Fußball passend, dass Sibylle Berg mit ihren Thesen im Abseits sei. Sie habe die Entwicklungen nicht alle im Blick.Beckmann meint mit Entwicklungen den Tolino und Libreka. – Nun, der Tolino ist von ein paar wenigen Großbuchhandlungen und der Telekom entwickelt worden und hat Potential, wenn er sich aus der „nur in Deutschland verfügar”-Ecke heraus bewegt; aber wer kennt schon Libreka?

Es ist, wie es immer ist: Der dt. Buchmarkt jammert weiter, wirft seinen Kritikern vor, sie lägen mit ihrer Kritik falsch. Und dann soll alles so weiter gehen. Manchmal hat man den Eindruck, die Verlage und Buchhändler hoffen auf ein Rettungspaket, wie es die Banken ereilte, wenn die Krise erst einmal voll durchschlägt.

Sibylle Berg hat am 19.7. auf Beckmann geantwortet. Sie appelliert nochmals, dass die Verlage nicht den Fehler fortsetzen sollten, eher auf Masse der Neuerscheinungen, die dann kurz in den Buchhandlungen liegen, zu setzen, sondern sich darauf konzentrieren müssten, was sie wirklich können, nämlich Bücher in der Zusammenarbeit von Autoren und Lektoren mit einem hohen Qualitätsmaßstab zu produzieren.

Und da kann ich nicht anders als zustimmen. Die Qualität des Content (der Inhalte; der Literatur) ist auf Dauer wahrscheinlich ein nicht zu unterschätzendes Kriterium vor allem für Verlage, die sich gegen die Übernahme von Verlagskonzernen zur Wehr setzen, aber auch schon übernommenen Verlagen dürfte es nicht schaden, ihren Ruf und ihre Kernkompetenz selbstbewusst zu verteidigen, statt in ängstliches Erstarren vor Amazon zu geraten.

@tastenspieler und @herrlarbig stellen den #EDchatDE im Gespräch mit @mons7 vor

Im Rahmen des Web-2.0-Kurses der zentralen eLearning-Einrichtung der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität zu Frankfurt/Main „studiumdigitale” hatten André Spang aus Köln (@tastenspieler) und ich (@herrlarbig) das große Vergnügen, von Monika König (@mons7) zum EDchatDE interviewt zu werden.

Mit dabei waren noch die Veranstalter des Web-2.0-Kurses, Claudia Bremer (@clbremer) und Ralph Müller.

Das Gespräch war ein riesiger Spaß.

Mir hat es viel Freude bereitet, zum ersten Mal mit Googles Online-Konferenz-Tool „HangOut” zu arbeiten und zu entdecken, was da mit jedem modernen Computer heute an Video-Konferenzen möglich ist, die auch noch life übertragen werden können, bevor das zugehörige Video nahezu direkt nach der Übertragung online abgerufen werden kann.

Früher hätten Fernsehsender enorm viel Technik benötigt, um so eine Zusammenschaltung von 5 Menschen an unterschiedlichen Orten möglich zu machen.

André Spang, Monika König und ich haben uns übrigens in einem Vortreffen zum Webinar gemeinsam auch über die ästhetische Gestaltung des Gesprächs abgesprochen. Dass man uns live, aber nicht in Farbe sehen kann, war eine sehr bewusste Entscheidung: Das gefällt uns einfach besser. ;-)

Und nun die herzliche Einladung, sich ein wenig Zeit zu nehmen, sich zurückzulehnen und aufmerksam zu verfolgen, was es über eine Lehrerfortbildung zu sagen gibt, die Woche für Woche dienstags von 20-21 Uhr unter edchat.de (#EDchatDE) in diesem Internet stattfindet.

„Ein Mensch, der wenig lernt, trottet wie ein Ochse durchs Leben; an Fleisch nimmt er zu, an Geist nicht.“

Buddha (560 – 480 v. Chr.)

„Ich lerne immer!“

Michelangelo (1475 – 1564)