Kategorie: Essais

Das Nichtverstehen ist Verstehen: Annäherung an Samuel Becketts »Molloy«

Ich beginne Samuel Becketts Roman »Molloy« zu verstehen. Oder auch nicht, denn ich bin mir nicht sicher, ob das, was ich mir zu verstehen einbilde, tatsächlich Teil des Romans ist oder ob das alleine in meinem Kopf stattfindet. Und doch hatte ich im Lauf der Lektüre, vielleicht so ab Seite 82, aber das weiß ich auch nicht mehr genau, vielleicht auch schon auf den Seiten davor, obwohl ich deren Inhalt kaum erinnere und schon gar nicht zusammenfassen könnte, diese innere Erkenntnis, dass die sinnlose Paradoxie der Sätze des höchst unzuverlässigen Erzählers letztlich absurd ist. Aber was heißt das schon. Und

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Jenseits der 4K: Was Bildung wirklich bedeutet

Wenn Kompetenz zur Ideologie wird Wem dient Bildung: Dem Arbeitsmarkt oder dem Individuum auf dem Weg zu einer ganzheitlich gedachten Persönlichkeit? Diese Frage stellt sich angesichts der allenthalben in Bildungsdebatten auftauchenden Future Skills, die oft in den 4K zusammengefasst werden: Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation, Kollaboration. Diese gelten dann als Schlüsselkompetenzen für das 21. Jahrhundert, als unverzichtbare Fähigkeiten für eine digitalisierte, vernetzte Arbeitswelt. Aber statt von Kompetenzen, die in der Bildungsdebatte der Nullerjahre des 21. Jahrhunderts eine große Rolle spielten und sich bis heute in den Bildungsstandards der KMK finden, spricht man in Abgrenzung oder Ergänzung zu diesen nun also von

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Die glatte Oberfläche des Ungefähren: Warum Plausibilität in der Oberstufe nicht reicht

Wenn ich mir anschaue, was KI zu leisten in der Lage ist, beeindruckt mich (in den unterschiedlichen Modellen mit deutlichen Abstufungen, die hier aber nicht näher analysiert werden sollen) die rhetorische Eleganz, mit der diese generativen, rein auf Statistik beruhenden Sprachmodelle Leerstellen füllen. Wir sprechen bei der KI bei einer solchen Füllung von Leerstellen von »Halluzinationen«. Dabei erfindet eine KI Fakten, die statistisch wahrscheinlich, aber inhaltlich falsch sind. – Das ist im schulischen Kontext nicht neu. Als Deutsch- und Religionslehrer, als Philologe und Theologe, begegnet mir diese Form der Spekulation vor allem im schulischen Kontext regelmäßig. Und dennoch ist das,

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Das Zusammenspiel von Wissen und Kompetenz: Warum Bildung beides braucht

In der gegenwärtigen bildungspolitischen Debatte erleben wir eine polarisierende Entwicklung: Auf der einen Seite steht die Überzeugung, im Zeitalter digitaler Verfügbarkeit sei Wissen zweitrangig geworden – Kompetenzorientierung, Lernbegleitung und die Fähigkeit zum »Just-in-Time«-Informationszugang würden genügen. Auf der anderen Seite eine nostalgische Rückbesinnung auf reine Faktenvermittlung. Beide Extreme verfehlen eine fundamentale Wahrheit: Wissen und Kompetenz sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Als Lehrer für Deutsch und (katholische) Religion sehe ich mich in der Verantwortung, diese falsche Dichotomie aufzulösen. Mein Zugang basiert auf der nüchternen Analyse unserer kognitiven Architektur, auf fachdidaktischer Forschung und auf dem tiefen Respekt vor den unterschiedlichen

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Lernender bleiben – Eine Selbstvergewisserung

Vor 32 Jahren schrieb ich meine ersten E-Mails und begann digitale Kommunikation in sogenannten »Internet-Relay-Chats« (IRC). Vor 26 Jahren lernte ich Grundlagen der HTML (Hypertext-Markup-Language), woraufhin ich mit viel Mühe meine erste Website programmierte. Vor 18 Jahren begann ich dann mit Content-Management-Systemen (CMS) zu experimentieren. Zwischenzeitlich versuchte ich mit verschiedenen Systemen Internetinhalte zu verwalten und zu publizieren. Aber dann entschied ich mich im Laufe des Jahres 2008 für WordPress und begann mit meinem Blog. Das gibt es bis heute. Und die Links zu den einzelnen Beiträgen haben sich seitdem nicht verändert. Das heißt: Wer 2008 einen Beitrag von mir in

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Die B-Seite meiner Bibliothek – Warum ungelesene Bücher zur richtigen Zeit wiederkehren

In meiner Bibliothek stehen auch Bücher, die ich nicht gelesen habe. Manche, die in zweiter Reihe stehen, habe ich womöglich sogar vergessen. Das ist aber kein richtiges Vergessen, sondern ein relatives Vergessen. Relativ deshalb, weil ich mich an diese Bücher erinnere, wenn sich ein Grund ergibt, der die Beziehung zu diesem Buch, also die Relation, auffrischt, erneut herstellt. Auch die ungelesenen Bücher haben nämlich einen Grund, dass sie hier stehen: Sie sind mir in Zusammenhängen begegnet, aufgrund derer ich sie angeschafft habe. Warum ich sie dann nicht gleich gelesen habe, weiß ich in den meisten Fällen nicht mehr. Aber sie

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Zehn Perspektiven auf mein Selbstverständnis als Lehrer – Eine Annäherung (Auszüge aus meinem Notizbuch).

Vorbemerkung: In meinem Notizbuch denke ich in schriftlicher Form über all das nach, über das ich nachdenken mag. Es kann dabei um Tagespolitik, um Besuche von Ausstellungen, Theater- und Opernaufführungen, um gelesene Bücher und eigentlich alles gehen, was mit einem Tagebuch nichts zu tun hat. Mein Notizbuch könnte ich vielleicht als ein »Denktagebuch« (Hannah Arendt) bezeichnen. – In diesem denke ich unter anderem regelmäßig über meine Rolle als Lehrer (an einem Gymnasium) nach. Lange habe ich mich gefragt, ob ich die folgenden Notizen in meinem Blog festhalten soll. Es handelt sich um Notizen, nicht um ausgearbeitete Elaborate. Diese Notizen spiegeln Gedanken

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Gedanken zu staatlichen und / oder schulspezifischen Handyverboten an Schulen

1 Die strengen Nutzungsregeln für Smartphones an unserer Schule (Link aktualisiert 13.3.2025), die auf ein Verbot der Nutzung ohne Erlaubnis durch Lehrer:innen hinauslaufen, trage ich mit. Ich habe diesen zugestimmt, obwohl ich mich über Jahre dafür engagiert habe, dass Bildungsprozesse die Digitalisierung positiv aufgreifen und Schüler:innen all das mitgegeben bekommen, was sie benötigen, um digitale Kompetenz (Digitalkompetenz; Medienkompetenz – kurz: digital literacy) zu lernen. Wir haben dieses Ziel der digital literacy nicht erreicht. Social Media2 haben die Schüler:innen in ihren Händen, statt dass die Schüler:innen Social Media in ihren Händen hätten. Schüler:innen werden von Social Media manipuliert.3 – Das Smartphoneverbot

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Die Handschrift, das Lernen und andere Formen von Prüfungen

In der NZZ ein Artikel, der einmal mehr betont, dass die Handschrift das Gehirn in besonderer Weise stärke. Immer noch wird auf die Studie von 2014 verwiesen, die sich auf Studierende bezog. Überhaupt wird die Handschrift immer mit dem Lernen korreliert. Aber was ist denn nun mit erfahrenen Schreibern, die über Jahre per Hand geschrieben haben, das heute noch immer tun, sich aber beim Tippen einfach wohler fühlen. Dass Schreiben (und Lesen) nicht gleichzeitig mit dem Tippen gelernt werden kann, liegt für mich nahe. Beim Tippen kann ich das Prinzip, das hinter der Form der Buchstaben steht, deren Gesetzmäßigkeit ja

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Über die Unsichtbaren im Umfeld der Frankfurter Buchmesse

Die Frankfurter Buchmesse 2024 ist vorbei. So viele Bücher. Während ich durch die Hallen der internationalen Verlage (Hallen 5 und 6) flanierte, Schriften sah, die ich nicht lesen kann, Sprachen hörte, die ich nicht verstehe, stellte ich mir staunend vor, dass jedes dieser Bücher von mehr oder weniger Menschen erworben und gelesen wird. – Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur eines der Bücher, die ich beim Gang über die Messe gesehen habe, überhaupt keinen Weg zu Lesern1 finden wird. Was für eine Vielfalt; was für eine Farbenpracht, die oft gerade Bücher für Kinder prägt. Aus meinen Augen ist

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Das Schreiben und das Gehirn

Vorbemerkung Dies ist ein Blog-Beitrag, vielleicht ein Essay, aber sicher keine wissenschaftliche Hausarbeit: Dieser Beitrag enthält meines Erachtens inhaltlich nichts Neues. Ausgangspunkt war die Intuition, dass das Gehirn beim Schreiben eine solch beeindruckende, komplexe Leistung vollbringt, die ich mir auf Basis dessen, was ich weiß, versuchen will, etwas systematisiert in mein Bewusstsein zu rufen. Da ich hier weitgehend von meinen Kenntnissen ausgehend schreibe, halte ich es für wahrscheinlich, dass womöglich manches nicht richtig wiedergegeben wird. Sollte das der Fall sein, bitte nicht schimpfen, sondern über die Kommentarfunktion des Blogs den Beitrag bereichern und den Inhalt besser machen. Darüber würde ich

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Eingangstür zur Gaststätte »Momberger«, die im Text eine zentrale Rolle spielt.

Beim Flanieren entdeckt: Altes Apfelweinrestaurant in Frankfurt Heddernheim

Das Haus hier gibt es seit 1532. Eine Gaststätte ist es wohl schon seit Jahrhunderten. So genau weiß es die Bedienung nicht. Aber das „Momberger“ sei schon seit Jahrhunderten Gaststätte, da ist sie sich sicher. Von außen Fachwerk, innen ein Holzdielenboden, an der Decke Balken, die so aussehen, als ob sie vor hundert Jahren zuletzt gestrichen wurden, die freiliegenden Steckdosen sind vergilbt. In einer Ecke steht eine alte Standuhr, die aber keine Zeit mehr anzeigt. – Hier wird der Apfelwein nach wie vor im Haus selbst gekeltert. Und in den zwei Stunden, die ich an diesem überraschenden Ort der Gegenwart

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Mir fehlen Sofas in der Schule. Oder: Wie ich gerne Lernprozesse an Schulen hätte.

Mir fehlen Sessel, ein Sofa (Couch) in der Schule. Da sind keine Sitzsäcke oder Teppiche, auf denen man auf dem Bauch liegen kann, um ein Buch zu lesen. Der Schulhof ist geteert oder mit Betonverbundsteinen versiegelt. In der Bibliothek stehe ein paar bequeme Sessel. Aber wo kann ich mich hinfläzen, um zu träumen, wo kann ich mich auf eine Wiese setzen, um den Schmetterlingsflug nicht zu versäumen? Wo kann ich mit Schüler:innen bei einem Kaffee gemütlich über Literatur ins Gespräch kommen? Wo schreiben wir mit Laptops oder Tablets oder gar per Hand, ohne dabei auf diesen Schulstühlen zu sitzen und

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ChatGPT und die Bildung. (»Gastbeitrag« von ChatGPT und dessen Reflexion, inkl. Verweise auf LdL und TZI.)

Ich habe ChatGPT gebeten, einen Gastbeitrag für meinen Blog zu schreiben, in dem es darum geht, dass die Bedeutung von ChatGPT für die Bildung überschätzt wird. Ich finde das Ergebnis interessant, auch wenn es albern wäre, hier von der Selbstreflexion eines statistisch operierenden maschinellen Werkzeugs zu sprechen. Ich habe mir erlaubt, den Beitrag zu kommentieren. Meine Kommentare sind im Text in kursiver Schrift zu finden. Alles Nicht-Kursive ist 1:1 ChatGPTs Antwort. Als ChatGPT, ein Sprachmodell, das von OpenAI entwickelt wurde, bin ich ein mächtiges Werkzeug für viele Anwendungen, einschließlich der Bildung. Allerdings bin ich der Meinung [dass ein Sprachmodell meint,

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Zweiter Schultag. Oder: Wie viele Arten Stille…?

Die Stille einer Klasse, die einen Lehrer bekommt, den kein Kind aus der Klasse kennt. – Es gibt viele Formen der Stille. In der Schule. Die Stille bei einer Klassenarbeit ist anders als die Stille, wenn eine Klasse einem Lehrer oder einer Lehrerin zum ersten Mal begegnet. Die Stille eines neuen Oberstufenkurses, in der ersten Stunde, wenn die Schüler:innen einander nur teilweise und andere vom Sehen kennen, ist wieder anders. Die Stille einer Schule in den Ferien, nach Unterrichtsschluss, während Elternabenden. Während des schriftlichen Abiturs. Wir nennen das alles Stille. Was beschreiben wir damit? Das gilt auch für die Geräusche,

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Kurzer Versuch über den Essay

Der Essay als „Versuch“, wie die wörtliche Übersetzung des französischen „essaier“ lauten kann, stellt vor allem vor die Herausforderung, das eigene Nachdenken und jenes, mit dem man sich z. B. durch Lektüre befasst hat, zu bündeln und in eine Textform zu bringen. Der Essayist schaut sich quasi selbst beim Erwägen und Verknüpfen[^1] zu; er oder sie webt einen Text, schafft eine Textur aus Buchstaben, in die das Werden der Erkenntnis eingewoben ist. Dabei kann der Ausgangspunkt durchaus einer sein, der mit dem unmittelbaren Gegenstand des Denkens auf den ersten Blick nichts zu tun hat. So kann ich fragen, wie wir

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Versuch über das Versagen von Bildungspolitik und Schule angesichts der Digitalisierung der Welt

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Versuch über die zentrale Rolle der Kolleg*innen an Schulen, die den Stundenplan erstellen und Vertretungsunterricht organisieren

Lehrer*innen wissen, wie wichtig die Arbeit der Kolleg*innen, die den Stundenplan erstellen und Vertretungsstunden organisieren, für die Arbeitszufriedenheit in den Lehrer-Kollegien ist. Wer also überlegt, so die Wahl da ist, ob er oder sie an einer Schule anfangen sollte, sollte ruhig einmal mit den Kolleg*innen sprechen, wie zufrieden sie mit den Stundenplänen sind. – Gerade in Zeiten, in denen viele Stundenpläne mit der Unterstützung von Computern erstellt werden, ist der hohe Anteil an »Handarbeit« bei guten Stundenplänen kaum zu unterschätzen.  Der Weg zum Stundenplan Bei uns beginnt die Arbeit am Stundenplan oft schon um die Osterferien herum. Dann bekommen wir

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