Versuch über die zentrale Rolle der Kolleg*innen an Schulen, die den Stundenplan erstellen und Vertretungsunterricht organisieren

Lehrer*innen wissen, wie wichtig die Arbeit der Kolleg*innen, die den Stundenplan erstellen und Vertretungsstunden organisieren, für die Arbeitszufriedenheit in den Lehrer-Kollegien ist. Wer also überlegt, so die Wahl da ist, ob er oder sie an einer Schule anfangen sollte, sollte ruhig einmal mit den Kolleg*innen sprechen, wie zufrieden sie mit den Stundenplänen sind. – Gerade in Zeiten, in denen viele Stundenpläne mit der Unterstützung von Computern erstellt werden, ist der hohe Anteil an »Handarbeit« bei guten Stundenplänen kaum zu unterschätzen. 

Der Weg zum Stundenplan

Bei uns beginnt die Arbeit am Stundenplan oft schon um die Osterferien herum. Dann bekommen wir Zettel, auf denen wir zunächst eintragen, welche Klassen wir weiter unterrichten werden (Kontinuitäten). So haben wir selbst einen ersten Überblick, wie viele Stunden unseres Stundendeputats im neuen Schuljahr neu vergeben werden müssen, was kurze Zeit später wichtig wird – dazu gleich mehr. Zudem können auf dem Zettel Wünsche für den Einsatz formuliert werden: Plant man fächerübergreifenden Unterricht, kann das dort ebenso vermerkt werden, wie wenn man an Betreuungszeiten durch die Kita oder den Hort gebunden ist, sodass dies, obwohl kein Rechtsanspruch darauf besteht, soweit möglich berücksichtigt werden kann. So wissen die Planer*innen z. B. auch, wer Frühaufsteher ist und lieber zur ersten Stunde unterrichtet und wer kein Problem damit hat, später anzufangen, dafür aber gegebenenfalls in den Nachmittag hinein zu unterrichten. 

Und dass Kolleg*innen gegebenenfalls Klassenstufen haben, die sie besonders gerne unterrichten, wird auch nicht ignoriert. Ich sage dann immer: Ich unterrichte von Klasse 5 bis 13 mit gleicher Leidenschaft, denn das ist mein Beruf. Aber bestimmte Altersgruppen zu unterrichten fällt mir leichter als andere, auch wenn das im Unterricht vermutlich niemand bemerken würde.

Nun, wenn der auf Jahrgänge bezogene Unterricht wegfällt, wenn der im Stundenplan fixierte Fachunterricht womöglich anderen Lernformen gewichen sein wird, wenn wir Lehrer*innen völlig anders unterrichten werden, wird das mit den Stundenplänen, dem Vertretungsunterricht etc. sich radikal verändern. Aber momentan funktionieren viele Schulen so, wie ich es hier beschreibe. Und damit gilt es pragmatisch und leidenschaftlich umzugehen.

Die nächsten Schritte

Wenn dieser »Wunschzettel« ausgefüllt ist, dauert es ein paar Wochen, bis dann die Fachsprecher losziehen und mit den Kolleg*innen besprechen, wer welche Klassen in welchen Fächern unterrichten wird, bei denen keine Kontinuitäten vorliegen und die neu vergeben werden müssen. Dabei werden neben Wünschen eben auch die Notwendigkeiten sichtbar, die dann im Gespräch geklärt werden, sodass die Stundenplaner*innen an dieser Stelle entlastet werden und der Unterricht nicht willkürlich verteilt wird. Zu diesem Zeitpunkt ist dann auch schon vorläufig abgesprochen, wer freie Klassenleitungen oder Tutoriate und die Leistungskurse der Oberstufe übernimmt. Diese Absprachen bleiben selbstverständlich intern, weil es immer noch einmal zu Notwendigkeiten kommen kann, die Veränderungen bei der Verteilung mit sich bringen.

Dann wird als erstes der an Fächerleisten orientierte Plan für die Oberstufe erstellt, damit die Schülerinnen nach der Fachwahl noch vor den Sommerferien auch die Kurswahl vornehmen können.

Und dann entstehen in den Sommerferien die Stundenpläne, die all das unter einen Hut zu bringen versuchen, was da im Vorfeld gewünscht, besprochen, geklärt wurde. Ich war bei diesem Prozess noch nie dabei, aber ich weiß, dass er komplex ist und dass in ihn viel Zeit investiert wird.

Der Stundenplan als »creatio continua« oder: Ein Stundenplan bleibt dynamisch, die Arbeit an ihm endet nie

Aber das Nachdenken hört damit nicht auf. Da gibt es die alltäglichen Vertretungen wegen Krankheiten, Wandertagen und Co. Andererseits gibt es im Jahresverlauf Großlagen, in denen absehbar eine große Zahl an Lehrkräften dienstlich abwesend ist. Solch ein Beispiel habe ich gewählt, um zu zeigen, was es nun konkret bedeutet, wenn Stundenplaner*innen auch über das Jahr hinweg bereit sind, viele Gedanken zu investieren:

Einmal im Jahr fahren bei uns zwei Jahrgänge gleichzeitig auf Klassenfahrt. Die sechsten Klassen sind in hessischen Jugendherbergen unterwegs; die Abiturjahrgänge auf Studienfahrt irgendwo in Europa. – Zu anderen Zeiten im Jahr gibt es noch die Ski-Woche der achten Klassen, die Berlinfahrt der zehnten Klassen. Das sind Wochen in denen einige Kolleg*innen unterwegs sind (und fleißig Überstunden anhäufen, die aber letztlich niemanden interessieren, ich will sie hier aber zumindest einmal nennen). Auch andere Formen von absehbaren Vertretungsnotwendigkeiten (z. B. wenn Lehrer als Prüfer im Abitur beteiligt sind oder Examensprüfungen von Referendaren begleiten etc.), die oft ähnlich geschickt gelöst werden, lasse ich hier mal unberücksichtigt.

In solchen Fahrten-Wochen sind all die Stunden, die die zahlreich abwesenden Kolleg*innen außerhalb der eigenen Klassen auf Klassenfahrt unterrichten, zu füllen. Doch statt diese klassisch zu vertreten oder ausfallen zu lassen, was eh erst in den höheren Klassen eine Option ist, von der sparsam Gebrauch gemacht werden sollte, optimieren unsere Stundenplaner*innen zunächst einmal die Pläne der anwesenden Klassen und Kolleg*innen, sodass so viel wie möglich regulärer Unterricht in die in dieser Woche wegen Abwesenheiten freien Stunden gelegt wird. – Viel wird verschoben, sodass man später kommen kann oder früher gehen darf. So fallen viel weniger klassische Vertretungsstunden an, die die Kolleg*innen zusätzlich halten müssen oder die das Budget der Schule für Vertretungskräfte belasten würden.

Dabei werden Stunden teilweise quer durch die Woche geschoben. Und die Lösungen faszinieren mich regelmäßig, die unsere Stundenplaner*innen da finden. Das ist wie beim Schach, wenn jemand unerwartete Züge macht, die bei genauer Betrachtung aber sehr logisch sind. (Nur gibt es beim Stundenplan kein Schach oder Matt 😉 )

Konkrete Auswirkungen

Was so ein Verschieben für mich dann konkret bedeutet, sei an einem Beispiel verdeutlicht: In einer Fahrtenwoche sind die sechsten Klassen, die ich in Religion unterrichte, unterwegs. Davon sind zwei Unterrichtsstunden betroffen, in denen mich der Stundenplan z. B. in irgendeiner Klasse als Vertretung einsetzen könnte. Stattdessen habe ich in der Woche einen Stundenplan, der von meinem normalen deutlich abweicht: Statt 4x muss ich nur 2x zur ersten Stunde da sein, der Nachmittagsunterricht findet fast vollständig vormittags statt und »Frei«stunden entfallen völlig.

Das bedeutet nicht, dass es zu keinen Ausfällen käme, doch diese werden möglichst gering gehalten. Zudem wird z. B. Nachmittagsunterricht in geeignete Lücken der Lehrkraft am Vormittag verlegt, sodass die Schülerinnen, die eh einen vollen Stundenplan haben, an diesem Tag früher nach Hause kommen. In den 10. Klassen kann es auch sein, dass der Unterricht statt zur ersten Stunde erst zur dritten Stunde beginnt und die Schüler*innen den Tag nicht gleich mit einer Vertretungsstunde beginnen müssen.

Der Stundenplan und die Zufriedenheit von Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern

So also sind die Planer*innen des Stundenplans in solchen Wochen besonders gefordert, insofern sie den Ehrgeiz haben, ihren Beitrag zur Zufriedenheit des Kollegiums ebenso zu leisten, wie jenen, der zur Zufriedenheit der Eltern beiträgt, weil relativ wenig Unterricht ausfällt; in den unteren Klassen noch deutlich weniger als in den oberen, was auch mit unserer Aufsichtspflicht zu tun hat. Und die Schüler*innen sind auch nicht böse, wenn der Stundenplan kompakt bleibt oder kompakter wird, weil z. B. Nachmittagsstunden ausfallen. 

Anregung für Kommentare

Ich frage mich, ob ein so sorgsamer Umgang mit der Arbeitszeit der Lehrkräfte, der Zahl der Stundenausfälle, die sich natürlich nicht immer vermeiden lassen und in bestimmten Phasen des Jahres höher sind als in anderen, und auch mit den Stundenplänen der Schüler*innen heute Standard an den Schulen ist oder eher die Ausnahme? Gerne dürfen entsprechende Anmerkungen in den Kommentaren zu diesem Beitrag hinterlassen werden. 

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