Goldene Kamera für Greta Thunberg (Kommentar)

Respekt. Greta Thunberg wurde mit dem Sonderpreis Klimaschutz der Goldenen Kamera geehrt. Sie widmete den Preis den Menschen, die sich für den Erhalt des Hambacher Forstes einsetzen und hielt eine sehr deutliche, bewegende, keinen Zweifel an der Dringlichkeit des Themas aufkommen lassende Rede. Greta Thunberg sagt ruhig und bestimmt, was ist – und ist dabei, zu einer der wichtigen Personen unserer Zeit zu werden.

Greta Thunberg hält die Reden, die Politiker*innen weltweit nicht nur halten, sondern nach denen sie handeln müssten; Greta Thunberg hält die Reden, die sich zu sagen trauen, dass die globale Klimakatastrophe eine Katastrophe ist, bei der nicht mehr nach Interessen der Industrie gefragt werden darf, wenn diese Interessen dem Interesse der Menschheit zuwiderlaufen, auf einer bewohnbaren Welt zu überleben. 

Wir glauben bislang, dass wir alle Probleme lösen können, dass es so schlimm schon nicht werden wird; wir können uns immer noch nicht vorstellen, dass das mit dem Klimawandel ernst gemeint ist. – Wir irren uns gewaltig!

Wir müssen unser Leben ändern

Ja, unsere Mobilität wird sich verändern (müssen). Der Verbrauch fossiler Brennstoffe ist nicht länger zu verantworten und Alternativen müssen her. Wenn wir Milliarden über Milliarden für die Bankenrettung ausgegeben haben, wo sind die Milliarden über Milliarden für die Klimarettung? 

Unser Konsum wird sich verändern müssen. Dazu gehört die Frage, welche Wege Produkte zurücklegen, bevor Sie bei ihren Nutzern ankommen. Nutzer von Produkten müssen diese so lange nutzen (können), wie das nur möglich ist, rein verbrauchend zu leben, wird immer schwieriger. Und es ist nicht zu verantworten, dass für unseren Fleischkonsum die Regenwälder abgeholzt werden, die uralte gewachsene Biotope sind, ohne die die Welt nicht überleben kann. 

Schließlich müssen wir dazu kommen, dass sich Politiker*innen nicht mehr fragen müssen, ob sie womöglich nicht mehr gewählt werden, wenn sie tatsächlich all die den Bürger*innen vielleicht als Einschränkung ihrer Lebensqualität erscheinenden Maßnahmen ergreifen, die nötig sind. Es bedarf eines Mentalitätswechsels der Wähler*innen, der Politiker, der ganzen Gesellschaft. Es darf nicht der Hauch des Eindrucks entstehen, man mache Klimapolitik letztlich vor allem als Wirtschaftspolitik, die im Zweifel ökonomische über ökologische Interessen stellt.

Wenn wir nicht mehr vom Wirtschaftswachstum lesen, bevor wir über die Entwicklung der Biodiversität und die Erwärmung der Meere gelesen haben; wenn jeder ökonomische Schritt sich an seiner ökologischen Qualität messen lassen muss, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Der Zwiespalt – Schulpflicht vs. Gefahr im Verzug

Als Lehrer*innen müssen wir uns fragen, wie wir mit einer Situation umgehen, in der die Dienstaufsichtspersonen und in deren Folge auch wir Lehrkräfte betonen, dass die Schulpflicht im Vordergrund stehe, während die Schüler*innen mehr und mehr realisieren, dass sie, selbst wenn sie schnell die Schule und das Studium oder die Ausbildung beenden, es nicht mehr in der Hand haben werden, wie das mit dem Klimawandel weitergeht. – Ob da der Verweis auf die Schulpflicht einer ist, den die Jugendlichen ernst nehmen können? Und glauben wir wirklich, dass wir damit glaubwürdig mit dem Thema umgehen, auf das die Schüler*innen vehement hinweisen? 

Herzlichen Glückwunsch zur Goldenen Kamera

Ich gratuliere Greta Thunberg zur Auszeichnung mit der Goldenen Kamera; ich wünsche mir, dass wir nicht als die Generation in die Geschichte der Menschheit eingehen werden, deren Kinder uns nicht nur fragen werden, warum wir nichts gemacht haben, sondern deren Kinder uns dafür anklagen werden, dass wir ihnen nicht zugehört haben. 

Es ist an der Zeit, ein Bewusstsein zu entwickeln, dass der Mensch nicht dazu berufen ist, die Welt auszubeuten und zu zerstören, sondern dazu, die Welt und ihre Ressourcen so zu nutzen, dass die Vielfalt des Lebens erhalten bleibt und gefördert wird.

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