Klang-Raum-Wunder (Happy Birthday, Bruder Paulus!)

Heute habe ich ein Klangwunder erlebt. 

Was passiert ist: Bruder Paulus Terwitte ofm cap, den ich tatsächlich mehr als die Hälfte meines Lebens und fast die Hälfte seines Lebens kenne, feierte Geburtstag und es gab ein privates Konzert mit einer privaten Lesung (Schwerpunkt war die Lyrik von Nelly Sachs, die Bruder Paulus vermutlich noch mehr ans Herz gewachsen ist, als mir [und ich bin von Nelly Sachs schon seit meinen Studienjahren fasziniert]). 

Da wurden Instrumente in der Liebfrauenkirche zu Frankfurt am Main zum Klingen gebracht, die ich nicht kannte. Zunächst hörte ich eine Wasserstichorgel. Dieses Instrument gibt es überhaupt erst seit zwanzig Jahren und es wurde vom Ensemble „Liquid Soul“ (Gert Anklam / Beate Gatscha) entwickelt. Sie beschreiben das Instrument wie folgt: 

„Anlässlich des Festivals „Aquatektura” (1999) entwickelten wir ein neues exklusives Instrument, das seither im Mittelpunkt unseres Programmes „Musik aus Luft & Wasser” steht. Aus einem Objekt des Schweizer Bildhauers Martin Spühler, basierend auf dem Prinzip der Brunnenpfeife, einem alten Wasserstandmessgerät der Wasserwerke, entstand unsere vierhändig zu spielende Wasserstichorgel. Dabei handelt es sich um tonal stimmbare Kunststoffröhren, die in wassergefüllte Behälter, Naturseen oder Pools getaucht werden und dadurch flötenartige Obertöne und Rhythmen erzeugen.“ (http://www.liquid-soul.de/wassermusik.html)

Wenn aber Obertöne in dem hallig heiligen Raum einer Kirche ihren Weg finden, entsteht für den Zuhörer (um wieviel mehr wohl für die Instrumentalist*innen) ein völlig neuer Raum, nämlich ein Raum, der Klang ist – und ein Klang der Raum ist. 

Für mich noch faszinierender (und musikgeschichtlich deutliche 3000 Jahre älter) war dann das Spiel der Sheng (chinesische Mundorgel), deren wundersame Töne Gert Anklam in den Raum der Kirche entließ. Gespannt hörte ich zu, versuchte den Klängen zu folgen, ihre Quelle zu verstehen und konnte mich dann nur noch hingeben und genießen. 

BIld: cc0 – https://commons.m.wikimedia.org/wiki/File:Sheng_MET_DP216617.jpg

Ich könnte hier jetzt einen Link setzen, um diese Klänge vorstellbar zu machen, aber sie waren dann doch so sehr »im Raum«, dass es kaum möglich ist, dieses Erlebnis nachvollziehbar zu machen. 

Mir ist (wieder einmal) bewusst geworden, wie vielfältig die Klänge sind, welche große Zahl an Instrumenten es gibt, mit denen Menschen Töne erzeugen, die aber auch ein Zeugnis sind, welches Bedürfnis Menschen nach Musik und deren Kraft haben, die Räume verändert und Menschen in Bewegung setzt – oder in Meditation verweilen lässt. 

Danke an Liquid Soul und an den Gastgeber des Abends. Es war eine große Freude und Ehre an diesem besonderen Konzert teilhaben und von ihm inspiriert in die weitere Woche gehen zu dürfen. 

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