»Konsequenz« in der Kindererziehung

Abendspaziergang…

Vorhin in Frankfurt Sachsenhausen, es war schon dunkel, um die 20 Uhr: Da saß ein Kleinkind am Straßenrand. Kein Elternteil zu sehen. Eine Passantin und ich erfassen gleichzeitig die Situation, gehen zu dem Jungen (vielleicht 3 Jahre alt) und kümmern uns um ihn. Was tun?

Wir sprechen ruhig mit dem Kind. Ich gehe zu den nächsten Straßenecken und schaue, ob da jemand auf das Kind wartet, aber ich kann niemanden sehen. Die Passantin gibt dem Kind, das, als sie meinte, es würde sich auf den kalten Steinen erkälten, sagte, es sei schon erkältet, ein Taschentuch.

Nach ca 7 Minuten, ich wollte gerade die Polizei rufen, taucht die Mutter auf: Das Kind sei bockig gewesen, sie wollte konsequent sein.

Ich war sprachlos.

Vor allem war ich sprachlos, weil sie sagte, sie habe das Kind in der hellen Jacke ja aus der Ferne beobachtet. Als wir uns kümmerten hat sie offensichtlich weiter gewartet, bevor sie den Sohn dann abholte. Sie hatte sich so weit weg und »versteckt« positioniert, dass wir sie nicht gesehen haben. – Fühlte mich da für die »Konsequenz« der Mutter ungefragt benutzt.

Die Mutter wirkte durchaus nicht unfreundlich, sogar ganz nett. Aber ich bin ob dieser »Konsequenz« gegenüber einem Kleinkind, wenn ich nochmal drüber nachdenke, ziemlich erschüttert. Und wie gesagt: Die Passantin und ich fühlten uns in unserer Hilfsbereitschaft benutzt.

Wenn ich mir dann noch vorstelle, wie sich ein Kleinkind in so einer Situation fühlt… Dieses Gefühl der existentiellen Verlassenheit und Einsamkeit!

© Torsten Larbig

Da verstehe ich, warum der Junge immer wieder sagte, er wolle nie mehr zu seiner Mutter zurück. – Er ist dann zwar mitgegangen und vielleicht ist er jetzt auch schon wieder vergnügt, bei Kindern können Stimmungen ja sehr schnell wechseln, aber ich kann mir gut vorstellen, dass diese Erfahrung mind. im Unterbewussten des Jungen weiter wirken wird.

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