Schlagwort: Rezensionen

Wie kommen Bücher zu mir / zu dir / zu Ihnen als Leser?

Ich stelle mir vor, über das ganze Land verteilt sitzen Literaturkritiker in ihren Kämmerlein und lesen Neuerscheinungen. Ich stelle mir deren Arbeitsplatz als ein ganz besonders gemütliches Sitzmöbel vor. Dort sitzen sie dann, neben sich auf einem Tisch oder auf dem Boden gestapelt die neuesten Rezensionsexemplare gerade erst gedruckter Bücher – der Geruch nach frischer Druckerschwärze ist noch stark ausgeprägt. Sie lesen und lesen und lesen; zwischendurch aber stehen sie kurz auf, setzen sich an

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Wenn Prävention Freiheit zerstört: Juli Zehs „Corpus Delicti. Ein Prozess“

Rezensenten scheinen sich, glaube ich den Zusammenfassungen auf perlentaucher.de (und ich sehe keinen Grund, warum ich das nicht tun sollte), bei Juli Zehs „Corpus Delicti. Ein Prozess“1 nicht einig zu sein. Ich finde das gut, denn „Corpus Delicti“ ist einer der politischsten Texte, die ich in den letzten Jahren gelesen habe und zwingt den Leser geradezu zu Assotiationen mit gegenwärtigen Entwicklungen. Der Roman verlangt eine eigene Positionierung, was möglicherweise auch die unterschiedlichen Besprechungen des Buches

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Du wirst ständig überwacht – Morton Rhues »Boot Camp«

Irgendwann dürfte Todd Strasser, so heißt der Autor Morton Rhue mit bürgerlichem Namen, Decca Aitkenheads Reportage »The last resort« gelesen haben, die am 29. Juni 2003 in der englischen Zeitung »The Observer« erschienen ist und das in Jamaica angesiedelte »Verhaltensänderunszentrum« »Tranquility Bay« ins Zentrum stellt. – Anschließend dürfte er sich dann an die Arbeit an dem Roman »Boot Camp« gemacht haben. Zumindest entsteht dieser Eindruck, nach der Lektüre von »Boot Camp«, wenn ich die Details

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Zu Michael Winterhoffs »Warum unsere Kinder Tyrannen werden«

Schreibt ein Autor1: »Mein Ansatz […] ist die einzige Möglichkeit…«, so ist es naheliegend, dass sich dieser Autor alleine auf seinen Erfahrungshorizont beschränkt, keine Bezüge zur fachwissenschaftlichen Debatte herstellt oder gar Studien von Fachkollegen als Unterstützung seiner Thesen heranzieht.2 Alleinvertretungsansprüche, Ansätze, die sich für exklusiv und zuverlässig halten, haben jedoch immer den Mangel, dass sie verdächtig und anmaßend erscheinen können, so überzeugend eine auf Anekdoten aus der eigenen Arbeit aufgebaute Darstellung rhetorisch auch scheint. Michael

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2008 – Big Brother is still watching you

Mal ehrlich — was eigentlich hat man vor Augen, wenn die Rede auf George Orwells Roman »1984« kommt? Bei mir war es der Satz »Big Brother is watching you«, zu Deutsch: »Der Große Bruder sieht Dich«. So wird es zumindest in der Übersetzung von Michael Walter formuliert. Aber das Englische »to watch« meint mehr: aufpassen, bewachen, überwachen, zusehen, beobachten. Dachte ich an den zum Schlagwort gewordenen Titel, so dachte ich an den Überwachungsstaat, Kameras überall,

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