Zwilling – oder: Motive finden

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Fotografie verlangt, dass der Fotograf ein Motiv gestaltet: Es werden immer nur Ausschnitte dargestellt.  Dieses Bild ist für mich ein Beispiel, was eine solche Beschränkung des fotografisch Dargestellten bedeuten kann.

Im Zentrum stehen zwei Lampen, die offensichtlich zum Anstrahlen von irgendetwas dienen, wobei dieses Etwas an der Wand hier nicht gezeigt wird. Für meine Sicht der Dinge war das Angestrahlte unbedeutend. Dass aber die tagsüber funktionslosen Lampen einen eigenen ästhetischen Reiz entwickeln können, wenn sie selbst von der Sonne angestrahlt werden – das hat mich gereizt. Hinzu kam, dass die Wand mir genügend Struktur zu haben schien, um dem Bild selbst Struktur und Zusammenhalt zu geben.

Entstanden ist das Foto am 21. Juni 2008 um 12:00 Uhr, dem Zeitpunkt also, an dem die Sonne im Jahr auf der Nordhalbkugel am Höchsten steht, auf der Beueler Rheinseite von Bonn, gegenüber dem Brückenforum an der Kennedybrücke, unweit des Adenauer-Platzes. Da gibt es viel Verkehr und da die Brücke zurzeit umgebaut wird, bietet die Brücke selbst genau so wenig ästhetisch Ansprechendes wie das architektonische Umfeld, in dem dieses Motiv angesiedelt ist.

Auf den ersten Blick handelte es sich um ein Umfeld, in dem es mir nichts zu geben schien, was mein photographisches Interesse hätte wecken können. Als ich dann aber beim Herumschauen dieses Motiv ohne das Umfeld vor Augen hatte, griff ich doch zur Kamera: Es gibt keinen Ort, an dem es nicht interessante Motive gibt; es ist das Auge des Fotografen, das diese Motive entdecken muss.

Für dieses Motiv war das Licht von entscheidender Bedeutung. Bei wolkenverhangenem Himmel oder an einem Abend im Frühling oder Herbst, hätte dieses Bild so nicht entstehen können. Das Motiv stellt also einen Moment an diesem Ort dar – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Damit ist ein wesentlicher Faktor für das Fotografieren genannt: Neben dem Auge für Motive ist das Licht für die Gestaltung eines Motivs von entscheidender Bedeutung. Um dieses für die Gestaltung nutzen zu können, muss der Fotograf die Eigenarten der verwendeten Kamera, des Objektivs und der jeweiligen Belichtungseinstellungen kennen und für seine Zwecke einsetzen können. All dies wird im Moment des Fotografierens nicht wirklich reflektiert, sondern eher intuitiv umgesetzt. Erst bei der Betrachtung und Reflexion einer Arbeit spielen diese Frage eine zentrale Rolle, wenn ich mir die Frage stelle, warum ein Foto in meinen Augen gelungen oder misslungen ist.

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