Digitale Whiteboards in der Schule: Erfahrungen, Konsequenzen, Weiterentwicklungen.

Als meine Schule (einige wenige) digitale Whiteboards anschaffte, fand ich das gut. Endlich konnte diese Technik genutzt werden, konnte ich Erfahrungen mit ihr machen.

Das ist jetzt gut zwei Jahre her.

Wenn ich es recht überblicke, habe ich vielleicht zehn Mal das digitale Whiteboard als Tafelersatz genommen, mit den Stiften darauf herum geschrieben, hin und wieder eine Website eingeblendet oder es wurde für Präsentationen genutzt. Insgesamt aber fällt die Nutzungsquote bei mir – und frage ich Schüler und Schülerinnen, dann stellt sich heraus, dass dies durchaus repräsentativ für deren gesamten Unterricht ist – mager aus.

Wesentlich häufiger wurden und werden Mediencontainer genutzt, von denen einige angeschafft werden konnten: Kleine Schränke auf Rollen, in denen ein Beamer, ein Laptop, ein DVD- / Videokasetten-Abspielgerät, akzeptable Stereoboxen und ein Verstärker fest installiert sind. Das scheint eine gute Kombination zu sein, denn es kommt durchaus vor, dass bei diesen Containern, obwohl wir am Anfang meinten, uns wirklich gut mit ihnen ausgestattet zu haben, Engpässe auftraten.

Mittlerweile wurde begonnen, jeden Raum mit einem fest installierten Container zu bestücken, dessen Ausstattung allerdings etwas verändert wurde: Die Beamer sind in den Räumen fest an der Decke installiert und im Schrank sind noch ein Laptop, zwei Boxen und ein Verstärker eingebaut. DVDs können auf dem PC abgespielt werden, so ziemlich alle Abspielprogramme, die auffindbar waren, wurden darauf installiert und Videokassetten sind mittlerweile solange vom Markt verschwunden, dass sie selbst in der Schule zu sehr selten Relikten geworden sind. Entsprechend wurde auf einen Videorekorder in den neuen Containern verzichtet. Die Laptops sind fest mit dem Internet verbunden, OpenOffice ist ebenso installiert wie MicrosoftOffice.

Ich finde das gut. Anders aber als jenes „Ich finde das gut“, das ich bei der Anschaffung der interaktiven Whiteboards von mir gab, bin ich, trotz der Erfahrung mit den Whiteboards, die mich vorsichtiger hat werden lassen, dieses Mal recht optimistisch, dass diese Infrastrukturmaßnahme genutzt werden wird. – Wie aber komme ich zu dieser Schlussfolgerung und welche weiteren Entwicklungsschritte sehe ich am Horizont?

Der Unterschied zwischen interaktiven Whiteboards und Mediencontainern liegt vor allem darin, dass nahezu jeder Lehrer / jede Lehrerin zuhause einen Computer, aber kein interaktives Whiteboard hat. Es gibt zwar eine Software, mit der am heimischen Rechner für das Whiteboard Medien entwickelt werden können, aber diese Software ist dann nur für diesen Zweck nutzbar. Aber warum soll ich mich mit dieser Software befassen, die einen sehr eingeschränkten Nutzen hat, während ich mir vertraute Software z. B. im Bereich der Präsentationsprogramme, in vielfältigen Zusammenhängen anwenden kann?

Wenn ein Rechner vor Ort steht, der jederzeit verfügbar und als alltägliches Arbeitsgerät vertraut ist, dann wird der auch alltäglich eingesetzt; wie Stift und Papier, die jedem in der Schule verfügbar und als alltägliche Arbeitsgeräte vertraut sind. – So lautet meine Schlussfolgerung aus den Beobachtungen der vergangenen zwei Jahre. Die Technik muss letztlich so vertraut sein, dass sie nicht ungewollt Gegenstand des Unterrichts wird, sondern dem Prozess des Lernens untergeordnet ihren Dienst tut.

Das interaktive Whiteboard wird sich in einem Schulalltag wohl nur dann durchsetzen können, wenn es alternativlos in allen Räumen vorhanden und die traditionelle Tafel abgeschafft worden ist. Auf diesem Wege würde es dann zumindest innerhalb der es einsetzenden Institution zu einem alltäglichen Arbeitsgerät. Doch meine Hypothese läuft nun nicht in die Richtung, dass ich diese (sehr teure) Infrastrukturmaßnahme für gut befinden würde.

Die interaktiven Whiteboards sind in der Theorie, das heißt vor allem in den Vorführungen der sie herstellenden Unternehmen, eine tolle Sache – zumindest in frontal strukturierten Unterrichtsszenarien; für individuelle und in Gruppen organisierte Arbeitsprozesse sind sie völlig unbrauchbar. Dort, wo sie zum Einsatz kommen, können sie womöglich als nützliches Werkzeug angesehen werden. In aller Regel aber dürften sie dort, wo es sie vereinzelt gibt, ein Schattendasein führen und von Mediencontainern wie den oben beschriebenen abgelöst werden.

Auf etwas längere Sicht werden die eigenen Geräte – sowohl der Lehrer und Lehrerinnen als auch der Schülerinnen und Schüler – verstärkt zum Teil der Unterrichtsrealität werden. Das liegt auch dran, dass auf diesem Weg eher individuelle und in Gruppen organisierte Lernprozesse initiiert und begleitet werden können.

Vereinzelt wird mit digitaler Schule bzw. Infrastruktur bereits gearbeitet. Doch es ist tatsächlich noch nicht die umfassende deutsche Schulwirklichkeit,  auch wenn es im Blick eines diese Entwicklungen beobachtenden Lehrers viele Inseln zu sein scheinen, die sich da bilden.  Auf die Zahl der Schulen betrachtet sind das nach wie vor eher vereinzelte Projekte, von denen man zumindest in der Öffentlichkeit etwas mitbekommt.

Wenn der Einsatz eigener, aus dem Alltag vertrauter Geräte, verstärkt auftreten wird, ich gehe davon aus, dass es letztlich darauf hinaus läuft, dann wird man sich, bei allen Fragen, die sich für das Thema „Lehrmittelfreiheit“ ergeben werden, die Frage stellen müssen, ob es eine Mediencontainerlösung eigentlich noch braucht, oder ob nicht individuelle Geräte, Beamer und Lautsprecher im Verbund mit einer drahtlosen Infrastruktur „genug“ sein werden.

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