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Eine Seifenblase des Intellekts – Michel Houellebecqs »In Schopenhauers Gegenwart«

Michel Houellebecq legt mit »In Schopenhauers Gegenwart« ein seltsames Buch vor, das ich las, weil ich Houellbecq (bislang) immer wieder anregend fand und Arthur Schopenhauer mit Frankfurt am Main, der Stadt, in der ich lebe, verbunden ist.

Kleine Ausschnitte aus Schopenhauers »Die Welt als Wille und Vorstellung«, im Kontext des gesamten Buches muss man allerdings sagen, dass relativ umfassend zitiert wird, reflektiert Houllebecq in dieser seiner jüngsten Publikation. Zwar bezeichnete er Schopenhauers »Die Welt als Wille und Vorstellung« als »das wichtigste Buch der Welt«, doch in den Betrachtungen des schopenhauerschen Gedankengutes, wird das Gewicht dieses Philosophen nicht nachvollziehbar. Houellbecqs Büchlein schillert bunt und die Lektürezeit für diesen Band übersteigt nur knapp die Lebensdauer einer Seifenblase. Der Inhalt ist auch nicht gewichtiger.

Verdichtete Houellebecq so sehr, dass ich festhalten könnte, er befasse sich in größter Konzentration und Verdichtung mit dem Denken Schopenhauers, könnte es nachvollziehbar werden, dass das Werk als extrem schmales Werk mit 80 Seiten daher kommt, für die der deutsche Verlag immerhin 18€ haben will.

Doch um es kurz zu machen: Das Werk bleibt in jeder Hinsicht vor allem schmal.

Statistisch betrachtet gehen von den 80 Seiten des Buches noch einmal ca. 24 Leerseiten ab, denn das Buch ist bezüglich der Weißflächen dann doch sehr großzügig gestaltet worden. Und von den ca. 56 verbleibenden Seiten liefern ca. 23 Seiten Zitate aus Schopenhauers »Die Welt als Wille und Vorstellung« und »Aphorismen zur Lebensweisheit«.

Angesichts des Umfangs dieses Werkes, erscheint Houellbecqs Annäherung dann nochmals deutlich schmalbrüstiger. Ca. 33 Seiten liefern Houellebcqs Gedankelchen zu Schopenhauer. Das ist eine gar nicht so umfangreiche Seminararbeit an der Uni, aber doch kein Buch, das man als Hardcover für 18€ verkauft! (Es sei denn, man hätte den Übersetzer Stephan Kleiner so gut bezahlt, dass der Preis dann wieder annähernd gerechtfertigt erscheinen könnte.)

Während Michelle Houellbeqcs – in meinen Augen von vielen missverstandener – jüngster Roman »Unterwerfung« dem Leser und der Leserin etwas zumutet, das eine intellektuelle Herausforderung darstellt, bekommt man in »In Schopenhauers Gegenwart« weder eine spannende Erzählung noch eine über weitgehende Paraphrasierung der Zitate Schopenhauers hinausgehende geistige Herausforderung.

Die besten Texte in dem Band stammen von Schopenhauer, die schlechtesten von Houllebecq. Doch Houllebecqs Name schmückt den Einband des Buches, sodass dieser und der Verlag dafür verantwortlich sind, dass hier Texte, die eigentlich in einem (nicht sonderlich anspruchsvollen) Blog veröffentlicht hätten werden können, einer breiten Öffentlichkeit überteuert als Buch vorgelegt werden. Eine E-Book-Ausgabe habe ich nicht gefunden. – Si tacuisses, philosophus mansisses.

Michel Houellebecq: In Schopenhauers Gegenwart. 
DuMont Buchverlag, Köln 2017; 80 S., 18,– € (EBook: nicht verfügbar) – Originalverlag: Éditions de L’Herne, Paris 2015 , Originaltitel: En présence de Schopenhauer – Übersetzt von Stephan Kleiner.

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Published inAutorenDeutsch Sek. IILiteraturkritik

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