Apps (nicht nur) für Lehrer: MoMA-AB/EX/NY

Quelle: http://moma.org/explore/mobile/abexnyapp

Ein Museum ist eine Bildungseinrichtung. Wenn ein Museum dann „Museum of Modern Art“ heißt, unter dem Kürzel MoMA weltbekannt ist und schon auf seiner Website ein faszinierendes Angebot bereit hält, dann darf man gespannt sein, wie sich der Bildungsanspruch einer solchen Einrichtung in Apps für das iPhone und das iPad darstellt.

Neben der sehr empfehlenswerten iPhone-App des MoMA, die selbst dann spannend ist, wenn man nicht vor Ort ist und mit ihrer Unterstützung das Museum entdeckt, ist nun zu einer Ausstellung zu den einst in New York ansässigen „abstrakten Expressionisten“ eine iPad-Applikation erschienen, die selbst aus der Ferne diese Ausstellung zugänglich macht. Die kostenlos bereit gestellte AB EX NY iPAD APP macht einige Höhepunkte der Ausstellung Abstract Expressionist New York zugänglich und verknüpft diese Bilder mit weiteren verfügbaren Materialien, die zum Beispiel in Form von Beiträgen der Kuratoren den Zugang zu einem Bild vertiefen können. Das meiste dieses Materials wird vom MoMA in vorbildlicher Weise sowieso schon frei verfügbar gemacht: In der App wird es vor allem in einen Zuammenhang gebracht, der so auf der Website nicht vorhanden ist.

Außerdem verfügt die App über einen Glossar zu Fachbegriffen aus dem Bereich der Kunst, eine Karte, die mit den Künstlern verbundene Orte anzeigt – kurz: In der App ist alles verfügbar, was zu einer interaktiven Annäherung an diese Kunst und an diese Künstler nötig ist. Diese App ist den einen vielleicht ein Führer durch die Ausstellung, den anderen aber eine Art „Schulbuch“. Ja, meine erste Assoziation zu dieser App war, dass hier die Richtung vorgegeben wird, wie ein Schulbuch in Zukunft aussehen könnte, wobei die Verkünpfungsoptionen womöglich noch eine viel größere Tiefe in der Beschäftigung mit dem Material zulassen können, als es diese iPad-App tut, die übrigens auch erlaubt, die eigenen Lieblingswerke zu twittern…

Kommen wir also zu unseren Testfragen:

  • Was kann die Applikation? Was kann die Applikation nicht?

Die Applikation stellt ausgewählte Höhepunkte der Ausstellung „Abstract Expressionist New York“ zur Verfügung, die vom 3.10.2010–25.04.2011 im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) zu sehen ist. Darüber hinaus gibt es eine Karte, die die Werke mit dem Ort New York verknüpft und zeigt, wo Künstler wie Hans Hofmann, Jackson Pollock, Barnett Newman, Willem de Kooning, Mark Rothko, Lee Krasner und David Smith in New York präsent waren und sind.

Kuratoren des Museums stellen per Video einzelne Künstler, aber auch besondere Maltechniken oder andere Besonderheiten vor. Darüber hinaus gibt es zu Einzelbildern auch noch schriftlich vertiefende Hinweise.

Was die App nicht kann: Den spontan erwachendenen Wunsch nach einem sofortigen Aufenthalt in der Ausstellung mittels nicht verfügbarer Beamtechnologie a la Raumschiff Enterprise zu verwirklichen helfen.

  • Wie kann die Applikation in den Arbeitsprozess von Lehrern und Lehrerinnen integriert werden?

Diese App kann von Kunst- und Englischlehrern eingesetzt werden, wenn sie eine eigenständige Annäherung der Schülerinnen und Schüler an den Abstrakten Expressionismus New Yorker Prägung ermöglichen wollen.

Davon abgesehen kann diese Applikation bei Überlegungen hilfreich sein, wie Schulbücher, die sich digitaler Technologien auf Tablet-PCs mit berührungsempfindlichen Bildschirmen bedienen, möglicherweise aussehen könnten. Mir kommen da ohne großes Nachdenken zum Beispiel Visionen, Goethes Faust auf einem solchem Wege zugänglich zu machen… Schulbücher der Zukunft werden eine Gemeinschaftsleistung von Programmierern und derjenigen sein, die die Inhalte erstellen bzw. verfügbar halten.

  • Welchen Mehrwert gegenüber dem analogen Arbeitsprozess von Lehrern und Lehrerinnen kann ich erkennen?

Wenn Apps wie die des MoMAs eingesetzt werden, so liegt deren Stärke in der Integration von oft schon sowieso über die Website verfügbaren Inhalten und mediale Formen. Neben dem persönlichen Bildungsnutzen, hat diese App den Vorteil, kostenlos verfügbar zu sein und zu zeigen, was mit Tablet-PCs heute schon möglich ist. Was ich damit meine: Einfach mal Kollegen im Lehrerzimmer das iPad mit dieser App in die Hand geben und auf die Reaktionen achten 😉

  • Hat die entsprechende analoge Form des Arbeitsprozess von Lehrern und Lehrerinnen Vorteile gegenüber der digitalen Form?

Da es sich hier um eine App handelt, die formal zeigt, was heute schon geht, kann diese Frage nur indirekt beantwortet werden. Der Hauptnachteil solcher Apps liegt in der Versuchung begründet, dass man meinen könnte, die Originalkunstwerke nicht mehr anzuschauen. Das wäre ein Verlust, weil die Abbildung eines Kunstwerkes eine ganz andere Aura hat als ein Original, wie ich immer wieder in Frankfurts großartigen Museen erleben darf.

  • Welche Schwächen in Bezug auf die Integration in den Arbeitsprozess von Lehrern und Lehrerinnen sehe ich?

Keine Schwäche, eher das aufkommende Gefühl eines Mangels: Es wäre an der Zeit, sich wirklich einmal mit Apps zu konkreten Unterrichtsthemen zu beschäftigen, die sicherlich einiges zu dem Prozess des eigenständigen Lernens von Schülerinnen und Schülern beitragen können. Das scheint sich in Deutschland, anders als in den USA, in denen das iPad zumindest in den Großstädten sehr große Verbreitung gefunden zu haben scheint, wie mir USA-Touristen berichten, noch nicht zu lohnen, aber Studien in diese Richtung, die übrigens nicht auf eine Tablet-PC-Plattform beschränkt sein sollten, würden den entsprechenden Entwicklern bereits heute das notwendige Know-How eröffnen, um in diesem Prozess veränderter Bildungsmedien ein Wort mitsprechen zu können.

  • Was würde ich mir für die Weiterentwicklung einer Applikation wünschen?

Da diese App eine bestimmte Ausstellung zum Anlass hat, die gerade mal ein halbes Jahr zu sehen ist, scheint keine große Weiterentwicklungsperspektive zu liegen.

  • Was gibt es sonst zu sagen?

Es macht Spaß, auf diesem Wege Kunst zu entdecken und ich wünschte mir, dass große deutsche Museen im Rahmen ihrer Bildungsarbeit deutlich stärker als bislang für mich beobachtbar, auf solche mediale Formen setzen würden.

Ich stelle mir vor, Entwickler erstellen solche Apps mit Bezug auf literarische Werke, auf Geschichtsepochen, auf naturwissenschaftliche Themenfelder…

Die inhaltliche Basis der App besteht übrigens darin, dass gerade das MoMA unglaublich viele Ressourcen zu seinen Werken und Ausstellungen bereits auf seiner Website frei zugänglich macht. Aus diesem Fundus schöpft die App ihre Inhalte. Wer also kein iPad verfügbar hat, der möge auf der Website des MoMAs (zu dieser Ausstellung und darüber hinaus) stöbern. Es gibt da unglaublich viel zu entdecken.

  • Fazit?

Die MoMA Abstract Expressionist New York iPad App ist gelungen, weil sie die Fülle der bereits vorhandenen Inhalte des MoMAs in eine diese Materialien integrierende Form bringt. Abgesehen von der Beschränkung der Inhalte auf eine Ausstellung, lässt diese App etwas von der Zukunft der Wissensvermittlung in digital geprägten Wissensgesellschaften erahnen.

 

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