Tablet! Oder: Was eigentlich ist aus dem Laptop geworden?

Seit über zweieinhalb Jahren bin ich nun mit einem Tablet unterwegs. Nach anfänglichen Zweifeln hatte ich mir im Herbst 2010 die Frage gestellt, warum ich meinen Laptop, der doch ein Versprechen des mobilen Arbeitens war, so selten bei mir hatte. Ich fragte mich, für welche Szenarien ich einen Computer unterwegs brauche und warum ich ihn so selten dabei habe. Als ich die Liste fertig hatte, stand da etwas von geringem Gewicht, langer Batterielaufzeit, Internetzugang …

Es gab damals ein Gerät, das diesen Anforderungen entsprach und kein Netbook war: Ich schaffte mir dann doch ein iPad der ersten Generation an. Es tut bis heute seinen Dienst, wenn auch mittlerweile bei seinem Zweitbesitzer. Oh nein, ich habe das Tablet nicht abgeschafft, sondern mir ein iPad der dritten Generation mit Kamera und deutlich höher auflösendem Display angeschafft. Auf dem ich nun auch diesen Text verfasse.

Was ich mir da im Herbst 2010 vorgestellt hatte, ließ sich tatsächlich verwirklichen. Hatte ich das Laptop fast nie dabei, es wiegt immerhin über zwei Kilo und tut als Desktoprechner nach wie vor seinen Dienst, bin ich selten ohne Tablet unterwegs.

Nach wie vor haben sich für mich die Mobilität gepaart mit einer Batterielaufzeit, die noch nie zu kurz war, um rechtzeitig und ohne Hektik eine Steckdose zu belegen, und der gute Internetzugang als richtige Argumente für das Tablet erwiesen.

Darüber hinaus ist dieser sehr kompakte Computer für mich zu einem Produktivitätskatalysator geworden. Ich muss nicht mehr warten, bis ich am Computer bin, bevor ich produktiv werden kann. Der Computer ist quasi immer da, wenn ich produktiv werden will. Und diese Produktivität bezieht sich nicht nur auf Texte. Ich erstelle Präsentationen, verwalte Fotografien und da ich Bilder grundsätzlich eher selten und oft sehr wenig bearbeite, funktioniert das für mich gut.

Wenn es aber um Texte geht, habe ich das Glück, dass ich mit der virtuellen Tastatur überraschend gut zurecht komme. Ich tippe nicht so schnell, wie auf einer „echten“ Tastatur, aber doch so schnell, dass mein Gedankenfluss zügig zu Papier – äh, auf den Bildschirm – gebracht werden kann. Immer wieder beobachtete ich, dass ich die mitgeführte Bluetoothtastatur immer nur kurzzeitig verwendete, weil ich die Stille der vom mechanischen Teilen freien virtuellen Tastatur mehr und mehr schätzen lernte.

Da ich Texte selten unter Zeitdruck schreiben muss und mich mit der virtuellen Tastatur nun einmal wohl fühle, habe ich die Hardware-Tastatur nicht mal mehr auf Reisen immer dabei.

Statt dessen habe ich, vor allem wenn zu erwarten ist, dass ich mich viel im Freien aufhalten werde, ein E-Book-Lesegerät mit einem Bildschirm dabei, der nicht blendet und genau so wie Papier zu lesen ist. Tablet und E-Book-Reader, iPad und Kindle Paperwhite sind heute fast immer dabei.

Das Laptop hatte für mich nie diesen Grad an Mobilität erreicht, wie sie mit dem Tablet für mich heute alltäglich geworden ist.

Und dann wurde am 10. Juni die neueste MacBook Air-Generation vorgestellt. Ich prüfte meine Liste an Anforderungen einmal mehr. Die Batterie hat eine Laufzeit, die durchaus mit dem iPad mithält oder es sogar übertrifft. Aber nach wie vor kann ich keine SIM-Karte einlegen und bin auf WLan angewiesen, wenn ich ins Internet will; die Mobilität ist zwar deutlich größer als bei meinem alten Laptop, kommt aber an die Mobilität des Tablets immer noch nicht heran. Zudem hat sich für mich ein Faktor in den vergangenen Jahren als wichtig heraus gestellt, den ich ursprünglich gar nicht auf meiner Liste hatte: Vom Tablet abstehend steigt kein Bildschirm vor mir auf, der mich von der Umgebung trennt. Das Tablet ist diskreter bei Tagungen und Konferenzen einzusetzen, auf dem Rednerpult versperrt es nicht den Blick und es kann zum Beispiel bei Vorträgen in der Hand gehalten werden und somit das Papierskript entspannt ersetzen.

So ist das Tablet weiter das Alltagsgerät meiner Wahl. Natürlich hat ein klassischer Computer seine eigenen Vorteile, aber für mich ist der beste und die Produktivität optimal unterstützende Computer vor allem der Computer, den ich bei mir habe, den ich mitführe, der mir zur Verfügung steht, wenn ich ihn brauche – und mich dabei mit möglichst wenig Gewicht belastet. Kein anderer Computer als ein Tablet erfüllt für mich meine Ansprüche an ein Arbeitswerkzeug, Produktivtätstool und Vernetzungswerkzeug idealer; kein Ultrabook kann mich da zum jetzigen Zeitpunkt von etwas anderem überzeugen.

Dabei ist es übrigens ein Zufall aus dem Jahr 1994, der mich zum iPad im Jahr 2010 geführt hat: Ich bekam damals als meinen ersten Computer überhaupt einen Apple-Laptop der zweiten Generation (mit Trackball!) angeboten, den ich ohne groß nachzudenken nahm. Wäre damals ein anderer Computer als erster in meine Biographie hinein gekommen, würde ich heute wahrscheinlich auf einer anderen Plattform arbeiten (ich tippe auf Linux), aber da ich keine laufenden Systeme auswecheseln zu müssen meine, bin ich nach nach wie vor in der Obstplantage unterwegs. Mittlerweile kann man auch mit Tablets anderer Hersteller sehr gut arbeiten.

Das beste Arbeitsgerät ist das, das ich dabei habe. Ich bin beim Tablet gelandet, weil es genau dieses Arbeitsgerät ist, das ich fast immer dabei haben kann. Der Laptop war weit seltener dabei als es das Tablet von Anfang an war. Auch ein MacBook Air oder andere Ultrabooks können für mich zur Zeit das Tablet als Arbeitsgerät nicht ersetzen. Denn ohne Tablet wären dieser und mittlerweile doch auch einige andere Blogeinträge zumindest nicht so entstanden, wie sie heute vorliegen, denn in den Momenten, in denen ich die Ideen hatte, hätte ich das Laptop entweder nicht dabei gehabt oder dessen Einsatz für zu wenig diskret gehalten. So ein Tablet liegt kaum sichtbar auf dem Tisch, auf den Knien, wenn ich am Fluss sitze oder Zug fahre. Und in diesen Momenten passiert es nun einmal mit am häufigsten, dass ich etwas schreiben will.

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