Gedanken zur digitalen Notbeschulung in Coronazeiten
Diese Gedanken sind zuerst als Tweets verfasst worden. Ich merkte dann, dass ich sie gut zusammenführen kann, was ich hier tue:
1
Bitte nicht vergessen
Digitale Beschulung ist zunächst einmal Not-Beschulung.
Lehrerinnen und Lehrer, die den Ehrgeiz zu entwickeln scheinen, digital zu unterrichten wie immer, werden Probleme bekommen.
Digitaler Unterricht kann nicht wie Präsenzunterricht gehalten werden!
2
3 Kinder teilen sich einen PC. Morgens sind sie normalerweise in der Schule. Wer den PC für HA braucht, kann ihn nutzen. – Aber: Jetzt wollen die Lehrer plötzlich nach Stundenplan Videokonferenzen + Arbeitsaufträge machen. Ihr ahnt das Problem!
3
Nein, ich werde meinen analogen Ansprüchen an Unterricht im Digitalen nicht gerecht werden. – Aber ich freu mich sehr, dass wir jetzt Schritt für Schritt wieder eine kontinuierliche Lern-Interaktion zwischen Schüler*innen und Lehrer*innen aufbauen werden.
Dabei wird vieles asynchron ablaufen. Ja, es wird Videokonferenzen geben, aber eben auch einen kontinuierlichen Chat, der Interaktion erlaubt, wenn Schüler*innen an etwas arbeiten und Probleme tauchen auf; oder wenn Sie mal Rückmeldung zu was haben wollen.
LuL und SuS müssen dabei neue Zeitdisziplin lernen, denn natürlich kann kein Lehrer ständig verfügbar sein. Keine Erwartung, dass in Chats sofort Reaktion erfolgt.
Das Wichtigste ist: Eine Lehr-/Lern-Interaktion endlich wieder aufzubauen. Und darüberhinaus die Ermutigung, das Lernen nicht bleiben zu lassen! Deshalb gut, dass das Sitzenbleiben dieses Schuljahr sitzenbleibt.
4
Unterricht ist ein extrem komplexes Geschehen.
Erklärvideos erklären etwas.
Erklärvideos sind kein Unterricht.
Sie können diesen ergänzen. ((Insbesondere, wenn sie als Teil des Unterrichts von Schüler*innen selbst erstellt werden. ))
Sie können diesen nicht ersetzen.
Erklärvideos sind nett. Kein MustHave.
Hallo Torsten,
danke, dass du diese Gedanken hier zusammengefasst hast. Ich hübsch das jetzt mal ein bisschen auf und sende es, mit Verweis auf deine Seite, an unser Kollegium. Und hoffe, dass es ein klein wenig Wirkung zeigt.
In der Ruhe liegt die Kraft. Und darin, sich endlich mal auf den Hosenboden zu setzen und zu überlegen, was sich im deutschen Schulsystem ändern muss, um mit dem Paradigmenwechsel Schritt halten zu können.
Grüße
Paul
Meine Freundin arbeitet als Lehrerin an einer Förderschule. Der Unterricht war nicht das was es sein sollte. Realistisch ist in der Zeit der Schulschließung das passiert, was die Eltern leisten konnten. Waren die Eltern nicht fähig (Zeit, Wissen, Sonstiges) ist auch beim Kind gar nichts passiert. Und schlecht benoten darf man die Schüler in der Zeit auch nicht.
Seitdem die Schule wieder eröffnet hat, gibt es Schüler die noch zuhause bleiben müssen. Diese sind dann per Tablet zugeschalten. Das wiederum funktioniert sehr gut und ist keine Einschränkung im Unterricht.
Trotzdem hoffen eigentlich alle Lehrkräfte, dass im nächsten Schuljahr wieder ein Normalbetrieb beginnen kann.