Duden, Wahrig, Pons, Canoo: Wörterbücher online nutzen. Ein Praxistest

Früher hatte man immer mindestens ein Rechtschreib- und ein Fremdwörterlexikon auf dem Schreibtisch stehen. Duden, Wahrig und bei den Fremdsprachen kamen noch Langenscheidt oder Pons dazu. Was ist aus diesen kommerziell von Verlagen betriebenen Wörterbüchern im Internet geworden? Sind sie im Netz angekommen oder vertraut man in den Verlagen nach wie vor alleine auf Bücher und den Verkauf von CD-Roms mit Programmen, die dann das Wörterbuch zugänglich machen? Und wenn es Angebote im Netz gibt, wie bewerte ich diese? Herrn Larbigs kleinerTest digitaler Online-Wörterbücher mit den „berühmten Namen“ der Branche:

Man sitzt am Rechner und schreibt. Die Rechtschreibkorrektur weist mehr oder weniger hilfreich darauf hin, wenn ein Fehler unterläuft. Aber was mache ich, wenn ich ein Wort schnell nachschlagen will? Wie kann ich mich, zum Beispiel bei einer Gedichtanlyse, versichern, wo eine Silbengrenze ist? Wie werden Wörter richtig getrennt? Wäre da nicht ein Online-Wörterbuch hilfreich?

Der letzte Satz ist natürlich eine rhetorische Frage.

Ja, es gibt Programme für solche Zwecke, es gibt Wörterbücher, denen sind CD-Versionen des Wörterbuchs beigelegt. Es geht aber mittlerweile ebenso über die Serviceseiten der Verlage von Rechtschreibwörterbüchern.

Die Website des Duden ist stark auf Suche hin angelegt. Auf der Startseite ist im Kopfbereich der Website ein großes Suchfeld und direkt daneben ein Reiter, der dazu einlädt, ganze Texte überprüfen zu lassen. Das ist ein intuitives Suchen, das zuverlässige und wirklich informative Ergebnisse liefert. Es entstehen keine Kosten für den Benutzer.

Der zweite Anbieter eines Rechtschreibwörterbuches ist der Bertelsmann-Verlag mit dem Wahrig – Deutsche Rechtschreibung. Auch dieses Wörterbuch kann online eingesehen werden, man muss nur wissen, wo. Auf der Wahrig-Website selbst gibt es nur einen Link zu einer Sprachberatung, aber keine Suchoption. Eine solche findet sich im Rahmen von wissen.de. Wissen.de gehört zu Bertelsmann, also kein Wunder, dass dort der Wahrig genutzt wird. Es gibt da zwar auch Suchoptionen für andere Sprachen und ausdrücklich für Fremdsprachen, hier wird das Angebot von Langenscheidt genutzt, die Ergebnisse sind zuverlässig, aber die Benutzung empfinde ich nicht als so intuitiv, wie seit einigen Monaten auf duden.de.

Pons ist vor allem für seine zweisprachigen Wörterbücher bekannt. Entsprechend wird ein Angebot direkt auf der Startseite verfügbar gehalten, das Übersetzungen in zahlreiche Sprachen erlaubt, aber als Auswahlfeld auch „deutsche Rechtschreibung“ enthält. Durch die Notwendigkeit, nach der Eingabe des Wortes noch auszuwählen, welches Wörterbuch man nutzen will, bieten sich viele Möglichkeiten. Hat man erst einmal z. B. das Rechtschreibwörterbuch ausgewählt, erinnert sich die Website bei weiteren Anfragen daran, solange man die Website nicht verlässt.

Ein im Netz seit Jahren verfügbarer Dienst zur Rechtschreibung und Grammatik ist canoo.net aus der Schweiz. Von den kommerziell betriebenen, aber kostenlos nutzbaren Anbietern ist das Angebot von Canoo – gemeinsam mit der seit einigen Monaten im jetzt gebotenen Umfang verfügbaren Suche beim Duden – mein persönlicher Favorit.

Canoo ist eine Suchmaschine für so ziemlich alle formalen Fragen des Deutschen: Rechtschreibung, Wortbildung, Satzgrammatik, Grammatik – und eine Linkliste zu weiteren Wörterbüchern kann man dort auch noch finden. Aufgrund ihres Umfangs ist diese Suchmaschine zur deutschen Sprache momentan mein Favorit, auch wenn sie aus keinem der „großen“, in Deutschland vertraute Namen tragenden Verlage kommt.

Resultat meines kleinen Tests:

  1. Favorit ist für mich zum Zeitpunkt des Testes das Angebot von Canoo.net.
  2. Nahezu gleich auf und in Sachen Layout der Gewinner in der meiner subjektiven Gesamtwertung aber auf Platz 2 sehe ich das Angebot des Dudens.
  3. Das Angebot von Pons kommt wohl auch deshalb auf den dritten Platz, weil man nicht auf den ersten Blick sieht, dass auch ein Rechtschreibwörterbuch der deutschen Sprache angeboten wird.
  4. Logischerweise suche ich das Angebot des Wahrig-Wörterbuches auf wahrig.de. Dort finde ich aber nichts. Erst über eine Suchmaschine finde ich den Link zur entsprechenden Seite bei wissen.de. Das ist mir zu versteckt, um auf einen anderen als den letzten Platz zu kommen.

Die Ergebnisse, die die Angebote liefern, waren in allen Probeabfragen zuverlässig. Gefühlt war das Angebot des Dudens am schnellsten. Und wenn der Rechner gerade läuft, während ich am Schreiben bin – da ich viel am Computer schreibe, ist das quasi immer der Fall –, ist es für mich naheliegend, meine vorhandenen, gedruckten Wörterbücher im Regal stehen zu lassen und online zu recherchieren. Ja, auch ein Deutschlehrer muss das immer wieder tun ;-)

Neben den großen Namen der Wörterbuchbranche aus Druckzeiten gibt es zahlreiche Wörterbücher im Netz, die teilweise auch OpenSource sind. Diese berücksichtige ich in diesem Test nicht, weil ich ja wissen wollte, was mit den Namen geworden ist, die ich aus meiner Schulzeit kenne; weil ich wissen wollte, ob man von diesen Anbietern nutzbare Unterstützung online bekommt. Und weil es im Netz immer den Verdacht gibt, dass solche Tests womöglich beauftragt wurden: Nein. Auf herrlarbig.de finden sich keine Auftragsarbeiten, das gehört zum Konzept dieses Blogs dazu. Mich hat einfach die Frage interessiert. Und während ich ihr nachging ist dann eben dieser Beitrag entstanden, der vielleicht ein wenig bei der Orientierung helfen kann.

 

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3 Gedanken zu „Duden, Wahrig, Pons, Canoo: Wörterbücher online nutzen. Ein Praxistest

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