Das iPad im Unterricht der Schule: Ein Gespräch mit André Spang

Am 1.9.2011 erschien in der Zeit ein Interview mit André Spang, der als Projektleiter die „iPad-Klasse“ an der Kaiserin-Augusta-Schule (KAS), einem Gymnasium in Köln, betreut. Ich war verwundert, dass so wenig Platz für ein solches Thema bereit gestellt wurde, da es sich um das erste Projekt dieser Art in Deutschland handelt. Deshalb fragte ich André Spang, den ich aus meinem Twitter-Netzwerk als „Tastenspieler“ kenne, ob er zu einem ausführlicheren Interview bereit wäre. Das war er. Wir haben das Interview mittels E-Mail geführt, wobei die Fragen nach und nach an André Spang gesendet wurden, weil sich aus seinen Antworten für mich auch erst Fragen ergeben haben, sodass der Interviewcharakter trotz des Mediums als im besten Sinne „Vermittelndes“ erhalten geblieben sein dürfte.

herrlarbig.de: Welche Funktion haben für dich Medien im Unterricht, angefangen von der Kreidetafel über Schulbücher, Hefte und Overheadprojektor bis hin zu digitalen Medien?

André Spang: Sie sind Mittel zum Zweck.

Sie existieren parallel, wobei ich ehrlich gesagt kein großer Freund des Overheadprojektors bin, aber auch er erstaunt mich hin und wieder.

Ich setze das ein was gerade passt. Die Tafel, mal abgesehen davon, dass sie mich und das Klavier, das davor steht, ständig zu staubt, ist ein super „Tool“ – schnell einsetzbar, ohne Latenzen, gut zur Visualisierung, schlecht zur Konservierung.

Deshalb wird sie zweckentfremdet: Ich lasse Schüler meine Frontalanschriften mit meinem Smartphone abfilmen und stelle das später oder schon in der Stunde online, z.B. auf YouToube, im Schul-Wiki oder auf dem Unterrichtsblog.

Digitale Medien haben für mich die Chance, Inhalte „nach draußen“ zu bringen, sie sind schnell, bieten viele neue Möglichkeiten und sie gehören in die (Lebens-)Welt der Schüler. Vielleicht ersetzen sie irgendwann die „traditionellen“ Medien. Wer weiß das?

herrlarbig.de: Ihr habt an der KAS das iPad als digitales Medium für den Unterricht angeschafft. Welche neuen Möglichkeiten des Unterrichtens bietet es?  

André Spang: Wir haben es primär angeschafft, um dazu im Unterricht mit den Schülern auf Weblogs und auf unserem Schulwiki zu arbeiten. Dazu fehlten uns die notwendigen, zahlreichen Zugangsmöglichkeiten, denn unsere Schule hat zwei Informatikräume und 1000 Schüler.

Die Nutzung von Web2.0 Techniken ist für uns ein wichtiges Standbein des lebenslangen, vernetzenden und individuellen Lernens. Der Vorteil eines Tablets ist seine schnelle Einsetzbarkeit („Instant-On“), seine lange Akkulaufzeit, sein geschlossenes System (speziell beim iPad) und damit die geringe Anfälligkeit für Manipulationen, die hohe Mobilität und die intuitive Bedienbarkeit. Nachteile, wie fehlende Steckplätze, keine Tastatur, kleiner Bildschirm haben wir gerne und bewusst in Kauf genommen, denn die Vorteile der Nutzung im Unterricht und in unterschiedlichsten Räumen und Konstellationen überwiegen für uns. Wir können die 30 Devices mit einem Rollkoffersystem in alle Räume der KAS transportieren und die Geräte sind sofort an und online.

Es kann wenig daran kaputt gehen (keine Maus, keine anfällige Tastatur) und die Geräte funktionieren immer und stehen dem Unterrichtsfluß nicht im Weg.

Man kann sie kurz einsetzen, danach ein Methodenwechsel und sie liegen umgedreht auf dem Tisch oder man reicht sie herum, um z.B. darauf erstellte Mindmaps oder Bilder oder Präsentationen anderen Schülergruppen zu zeigen oder schliesst sie am Ende der Stunde zur Frontalpräsentationen vorne an den Beamer an.

Durch das reichhaltige Angebot an Apps ergeben sich darüber hinaus weitere Möglichkeiten eines mediengestützten und konstruktivistischen Unterrichtens.

herrlarbig.de: Wie unterstützt das iPad das eigenständige Lernen von Schülern und Schülerinnen? Beobachtest du da Veränderungen im Vergleich zu anderen Methoden, wie z. B. Lernzirkeln, Projektarbeit?

André Spang: Wie oben schon erwähnt vor allem durch das selbstständige Arbeiten im und mit dem Netz, aber auch durch die Erstellung von Präsentationen oder z. B. durch die Produktion von Musik, Texten (durch z.B. kollaboratives Schreiben im Wiki oder per Google-docs) oder durch Produktion von Podcasts und Audioboos.

Ein Beispiel: eine Klasse 5 mit 30 Schülern hat nach einer kurzen Einführung von mir in das App Garage Band (App zur Produktion von Musik) und ein paar Textbeispielen (Rhymes-Workshops) innerhalb zwei Doppelstunden selbstständig und ohne weitere Hilfe in 10 Dreiergruppen mit je einem iPad pro Gruppe 10 komplette Songs produziert, getextet im Wiki, aufgenommen, abgemischt und an mich gemailt.

Aber auch in anderen Fächern war eine starke Motivation und sehr konzentriertes und genaues Arbeiten feststellbar. Dazu gibt es ja auch konkrete Umfrageergebnisse in der Schülerschaft und auch einige O-Töne in Form von Interviews.

herrlarbig.de: Wo bleibt bei der Entscheidung für eine Technologie Raum für Schülerinnen und Schüler die „analoge Lerntypen“ sind, die gerne per Hand schreiben?

André Spang: Es ist ja nicht so, dass die Tablets ausschließlich eingesetzt werden, das ist ja gerade das Gute daran, dass man sie z.B. nur kurz, für eine Recherche oder für einen Wiki- oder Blogeintrag einsetzt und dann ein anderes Medium einsetzt oder ins Heft schreibt. Wir werden allerdings ab nächster Woche auch die Möglichkeit der Stifteingabe bzw. des Schreibens mit einem Stift und entsprechender App testen. Die Schüler werden aber nicht zur Nutzung des Devices gezwungen, man kann auch seine Notizen ins Heft machen und dann z.B. innerhalb einer Gruppenarbeit einen anderen Schüler mit dem Device arbeiten lassen. In einer Klasse 5 hatte ich das des Öfteren praktiziert, weil einige Schüler, z.B. in der 7. und 8. Stunde nicht mehr mit einem leuchtenden Bildschirm arbeiten wollten, weil sie Kopfschmerzen hatten oder einfach nur müde Augen.

herrlarbig.de: Ok. Soviel zur Technik und wie die Schüler und Schülerinnen damit arbeiten. Ich habe mir das Wiki angeschaut. Dafür, dass über 1000 Schüler und Schülerinnen an der KAS sind, sind die Einträge dort überraschend wenige. Und bei sehr vielen taucht der Name Spang auf.

André Spang: Es gibt einen Kern von Kollegen, die das Wiki nutzen. Dies waren nach einer initialen Fortbildung in 2009 ca 10 Kollegen, danach wurde das Kernteam kleiner (ca. 3-4). Aus diesem Grund haben wir auch kurz vor den Sommerferien eine erneute Kollegiumsfortbildung zum Thema Wiki angeboten. Die Kollegen, die diese Fortbildung besucht haben, werden nun auch die Arbeit mit dem Wiki beginnen. Eine weitere Fortbildung werden wir nächste Woche ausschreiben. Wir sind uns dessen bewusst, dass da noch einiges nach vorne gehen muss. Sehr gute Inhalte gibt es aber für Mathematik (Beispiel 1Beispiel 2) oder Erdkunde  und Chemie. In den ersten 10 Schultagen des neuen Schuljahres 2011/12 haben wir darüber hinaus fast 100 Schüler neu im Wiki angemeldet, weitere werden folgen – ich denke, das wird einen kräftigen Schub geben.

herrlarbig.de: Wie viel Lehrer und Lehrerinnen habt ihr an der der Schule und wie viele nutzen den Klassensatz an Tablets?

André Spang: Wir haben 70 Kollegen und 30 arbeiten regelmässig mit den Devices. Die genaue Entwicklung sieht man hier.

herrlarbig.de: Wie viele Schüler und Schülerinnen haben seit Februar mit den Geräten gearbeitet?

André Spang: Bis jetzt haben ca. 500 von den 1000 Schülern haben damit gearbeitet. Ich denke, dass wir bis Ende dieses Halbjahres alle Schüler erreichen werden.

herrlarbig.de: Das Gleiche bei eurer Sechsmonatsbilanz: Da kommen drei Schüler und Schülerinnen zu Wort. Wo ist die Masse?

André Spang: Von den 500 Schülern die die Geräte eingesetzt haben, wurden knapp 300 per Googledocsabfrage befragt und es gab sehr positive Rückmeldungen.

Die Schüler hatten z.B. den Eindruck, dass sie ihre Arbeitsergebnisse mit den Geräten verbessern und dass ihnen die Arbeit an Unterrichtsaufgaben damit mehr Spaß macht, dass sie die Geräte gerne regelmässig aber zumindest häufiger einsetzen möchten. Die drei Schülerinnen, auf die du in der Frage anspielst, sind in einem zusätzlich geführten, oben bereits erwähnten Videointerview zu sehen, um die Schüler auch mal „live“ zu Wort kommen zu lassen.

herrlarbig.de: Was sagen die Kollegen und Kolleginnen dazu?

André Spang: Die Kollegen sagen Ähnliches – sie haben positive Erfahrungen mit den Devices gemacht und würden diese gerne weiter und häufig einsetzen (Abbildung 1; Abbildung 2Abbildung 3): 20 von 21 befragten Kollegen können sich vorstellen, das iPad noch stärker in ihren Unterricht zu integrieren.

herrlarbig.de: Vorhin sagtest du, ein Tablet würde zur kurzen Recherche zwischendurch genutzt. Würden dazu nicht die paar Smartphones reichen, die in den meisten Klassen sowieso anzutreffen sind? Wäre es nicht sowieso besser, auf Geräte zu setzen, die den Schülern und Schülerinnen als Alltagsgeräte vertraut sind?

André Spang: Zur Recherche wäre dies schon möglich, allerdings schwierig wegen der Einbindung der unterschiedlichen Geräte ins Netzwerk und auch wegen Sicherheitsvorschriften. Zum Arbeiten im Netz, an Präsentationen etc. sind die Screens dann aber doch zu klein bzw. die Möglichkeiten zu eingeschränkt.

herrlarbig.de: Das war jetzt viel Statistik und viel Information rund um die Anwendung von Tablet-PCs im Unterricht der KAS. Jetzt mal konkret: Inwiefern haben Schüler und Schülerinnen, die mit dem iPad im Unterricht arbeiten, überhaupt noch Anlass, sich auf Faktenwissen einzulassen, wenn doch eh alles recherchierbar ist?

André Spang: Diese zentrale Frage stellt sich in der heutigen Wissensgesellschaft generell – warum muss man noch geschichtliche Zahlen auswendig lernen? Braucht man die Bruchrechnung noch?

Muss ich wirklich wissen wie eine Durtonleiter aufgebaut ist?

Ich glaube, wenn man all dies sinn- und anwendungsfrei einpaukt, ist man in Zukunft zum Scheitern verurteilt. Hier kann das iPad ins Spiel kommen, um zum Beispiel Fakten im Zusammenhang darzustellen und zu vernetzen (Stichwort: Wiki) oder konstruktiv über Apps tätig zu werden und gelernte Fakten anwenden, als Präsentation, Posterentwurf, Podcast, Videopräsentation, Musikproduktion, etc.

Außerdem gibt es gerade im Bereich der gezielten und qualitativen Recherche viele Einsatzmöglichkeiten – hier liegt auch in Zukunft der Arbeitsschwerpunkt des Lehrers, hier muss er Anleitung und Unterstützung geben und Diskussions- und Urteilsfähigkeit der Schüler herausarbeiten und Teamarbeit weiter ausbauen.

herrlarbig.de: Welche Kompetenzen fördert der Einsatz von Tablet-PCs? Und leidet die Kompetenz, sich der Handschrift als Kulturtechnik zu bedienen, nicht noch zusätzlich unter dem Computereinsatz im Unterricht?

André Spang: Einige Kompetenzen hatte ich schon erwähnt: Selbstständiges Arbeiten, individuelles Lernen, Förderung und Arbeitstempo, Präsentationskompetenz, versierter Umgang mit Office-Tools, Teamarbeit und Kollaboration, Portfolio bzw. „lebenslanges Lernen“ im Web, konstruktivistisches Vorgehen, das (Lern-)Ziel steht nicht im Mittelpunkt, sondern der (Arbeits-)Prozess, ganz allgemein: Medienkompetenz und zwar im Sinne der produktiven Nutzung und nicht des Konsums und um mit den Worten einer Schülerin zu sprechen: „Wir lernen viel, was wir auch später im Studium oder Beruf gut gebrauchen können“.

Zur zweiten Frage: Wie hat Gunter Dueck gesagt: „Heute ist das Internet erfunden (und der Leitmedienwechsel hat stattgefunden), nehmen wir es hin und es führt zur notwendigen Krise und dann zu einer anderen Welt“.

Ich würde dies relativieren und natürlich wird nicht ausschliesslich nur noch mit iPad gearbeitet. Trotzdem stellt sich die Frage, welche Bedeutung die Handschrift in Zukunft noch haben wird. Oder meißelt heute noch jemand seine Notizen in Stein?

herrlarbig.de: Neue Technologien im Unterricht bedeuten, dass didaktische und methodische Modelle überdacht werden müssen. Wie integriert ihr diese Reflexionsprozesse in die engen Zeitkorridore, die Lehrer und Lehrerinnen verfügbar haben? Werdet ihr didaktische und methodische Überlegungen, die sich aus euren Erfahrungen ergeben veröffentlichen?

André Spang: Diesen Schritt haben wir der Anschaffung der iPads vorangestellt, soweit dies vorausschauend möglich war, zum Beispiel im Rahmen des Schulentwicklungsteams unserer Schule (= Steuergruppe : http://steuergruppe.wordpress.com) unter dem Gesichtspunkt der Entwicklung der Medienkompetenzen unserer Schüler.

Im laufenden Projekt fanden und finden Fortbildungen der Kollegen zum Thema iPad, Web2.0, Apps etc. statt und alle Erfahrungen werden zeitgleich auf dem Projektblog (http://ipadkas.wordpress.com) veröffentlicht.

Nach einem halben Jahr des Einsatzes haben wir außerdem eine Umfrage unter Schülern und Kollegen durchgeführt. Der Einsatz der Medien im Unterricht kann zur Entlastung des einsetzenden Kollegen beitragen, weil die Schüler selbstständiger arbeiten und der Kollege dadurch Zeit im Unterricht gewinnt um individueller auf einzelne Schüler einzugehen.

herrlarbig.de: Gab es ein Erlebnis im Unterricht, das im Zusammenhang mit dem Einsatz von Tablet-PCs steht, dass dich besonders erschüttert hat?

André Spang: Nein, da muss ich leider passen – alles problemlos verlaufen, ohne „Erschütterungen“ ;-) .

herrlarbig.de: Und was war bisher deine schönste Erfahrung im Zusammenhang mit dem Einsatz von Tablet-PCs im Unterricht?

André Spang: Es gab viele positive Erfahrungen: Konzentriert und produktiv arbeitende Klassen, die vorher im Unterricht immer nur abgelenkt, laut und unproduktiv waren; erstaunliche Ergebnisse im Bereich Musikproduktion, gerade was das selbstständige Arbeiten und das kreative Vorgehen der Schüler betrifft; aber am schönsten war die Klasse 5, die in der letzten Doppelstunde am Nachmittag um 15.15 Uhr einfach nicht nach Hause gehen, sondern weiter arbeiten wollte. Dem habe ich allerdings nach 10 Minuten Verlängerung einen Riegel vorgeschoben :-)

herrlarbig.de: Vor gut acht Monaten habt ihr angefangen, euch eine neue Möglichkeit des Unterrichtens an die Schule zu holen. Zum Schluss dann der Blick nach vorne: Wie sieht der Unterricht in deiner Vorstellung in 10 Jahren aus?

André Spang: Als ich vor 10 Jahren an der KAS angefangen habe, sagte ich bei meinem Einstellungsgespräch, ich würde gerne in naher Zukunft mit meinen Schülern vernetzt über das Internet arbeiten um die Schule und den Unterricht ins heimische Zimmer der Schüler, aber auch in mein eigenes erweitern zu können und darüber hinaus auch mit anderen Schulen und deren Schülern zusammen zu arbeiten.

Ein bisschen davon ist nun wahr geworden, zum Beispiel über die Arbeit in Wikis und Blogs und natürlich auch über die „gute, alte“ E-Mail.

In 10 Jahren? In der Schule werden alle ihre eigenen Devices im Unterricht nutzen um damit auf die Informationen und das Wissen der Menschheit zugreifen zu können und dieses Wissen um eigenes, bedeutsames Wissen bereichern. Der „Lehrer“ wird zum Lerncoach und wird dann auf seinem Weg vom Wissensvermittler hin zum Berater eine motivierende, anleitende, organisierende und das Lernergebnis bündelnde Rolle einnehmen, denn sein spezialisiertes Wissen ist dann nicht mehr (so) bedeutend – es geht um andere Dinge und Konzepte, um gemeinsames Lernen und Partizipation.

Das Interview wurde im September 2011 via E-Mail geführt und erscheint hier in von André J. Spang autorisierter Form. 

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20 Gedanken zu „Das iPad im Unterricht der Schule: Ein Gespräch mit André Spang

  1. Lisa Rosa

    wow, super! vielen dank für das ausführliche interview, in dem man so viel konkretes erfährt. es ist ein echter praxisgewinn für kollegen. klar ist sowas nix für eine allgemeine zeitung mit einem größeren spektrum als leserschaft. abgesehn von den tollen konkreten praxiserfahrungen gibt es aber auch etwas, wo ich nachfrage habe: stört es euch beide (Herr Larbig und Andre Spang) nicht, dass es so kunterbunt mit den begriffen “medien” “mittel” “methoden” “devices” durcheinandergeht? denn in eurem text ist das iPad alles das. es scheinen für eu h synonyma zu sein. das ist schade, denn man gewönne vllt genauere klarheit, ja auch für die praxis! – würde man da unterscheidungen treffen. und dann: soweit mir bekannt ist, ist das iPad ein “tablet”, während ein “tablet pc” etwas anderes ist, nämlich ei laptop mit einem drehbaren monitorteil, das zum schreiben mit einem stift geeignet ist. ein tolles gerät, was ich gerne gehabt hätte. nichts für ungut – das interview ist klasse und sehr nützlich!

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  2. Herr Larbig Artikelautor

    @lisarosa: Danke für deine Anmerkungen, denen ich völlig zustimme. Der Medienbegriff ist so unscharf, dass man ihn kaum noch „Begriff“ nennen kann. Das spiegelt sich in der Auswahl der Synonyme wider.

    Du sagst, eine schärfere begriffliche Klarheit brächte auch für die Praxis mehr Klarheit? Inwiefern? Bereichere die im Interview formulierten Gedanken doch, indem du hier darstellst, welche größere Praxis-Klarheit hier erreicht werden könnte.

    Bei der Unterscheidung von Tablet und Tablet-PC hast du recht. Gerade vorletztes Wochenende habe ich ich erstmals einen Tablet-PC in Aktion gesehen. Den ersten seit ich diesem Gerät erstmals vor ca. 10 Jahren in einer Ausstellung begegnete. Seit dem ist mir der Tablet-Begriff nur im Kontext mit iPad und Co begegnet. Im Interview selbst gehe ich aber davon aus, das klar ist, was gemeint ist.

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  3. Lisa Rosa

    Es geht ja nicht bloß um den Medienbegriff. Es geht um alle Begriffe, die hier das ipad und das, was damit im schulzusammenhang getan wird, gefallen sind. Es ist gerade nützlich für die Praxis, z.B. einen Methodenbegriff zu haben. Versteh ich unter “Methoden”, die Methodologie, mit der ich an Lernprozessgestaltung rangehe(z.B. mit Projektform, Coaching, Persönlicher Sinnbildung) ? Oder verstehe ich darunter die kleinen Instrumente (wie z.B. eine Metaplan-Kartenabfrage oder das Sammeln von Ergebnissen in einem etherpad) ? Oder verstehe ich darunter – noch kleiner – Tipps und Tricks (was mache ich, wenn die Schüler partout nicht nach vorne schauen wollen: in die Hände klatschen, die SuS alle einzeln mit Namen ansprechen oder in eine Trillerpfeife blasen) ?

    Bisher haben wir im Unterricht eigentlich ein Begriffspaar – und das war’s dann. Dieses Begriffspaar heißt didaktisch-methodisch. Im didaktischen teil sind die “Unterrichtsziele” enthalten, im methodischen, wie man diese “umgesetzt” kriegt. Das ist Unterrichtswissenschaft! (Die Ziele liegen beim Lehrer, das Handeln liegt beim Lehrer, die Planung liegt beim Lehrer … ich brauche das nicht weiter ausführen.) Nun ist die Welt aber weiter gegangen. Die Lehrer fangen an, sich umzusehen, wie sie ihre Schüler noch zu Commitment kriegen und stellen fest: Die Sache ist nicht “Unterricht”, die Sache ist: Da sollen welche lernen wollen. Lernen wird ein neuer wichtiger Begriff, der bisher nur bezeichnet hat: “Die Schüler tun, was der Lehrer ihnen aufgetragen hat.” Und so weiter. Wir brauchen wirklich neue Begriffe, wenn wir neue Realität verstehen und in ihr sinnvoll handeln wollen – auch als Lehrer! Wir brauchen einen ausdifferenzierten Lernbegriff, Methodenbegriff, Instrumentbegriff, Medienbegriff usw. und vor allem: Ein Modell, in dem alle diese Begriffe in einem sinnvollen Zusammenhang stehen. Das alte “didaktisch-methodisch” funktioniert nicht mehr. Da waren auch “Medien”, “Mittel” “Insturmente” und “Methoden” identisch. Im Interview sind doch deutlich noch Spuren davon. Ihr kennt doch alle “Fräulein Smillas Gespür für Schnee.” Das erste, was man da staunend lernt, ist, dass Die Inuit 100 verschiedene Namen dafür haben. Das sind eben keine Synonyme, das sind Differenzierungen mit unterschiedlichen Bedeutungen. So ist das bei Leuten, die sich mit Schnee auskennen. Genauso was brauchen wir für unser Arbeitsfeld. Nicht wischiwaschi ein Begriff für alles und dann Synomyme, die das auch bedeuten können.

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  4. Herr Larbig Artikelautor

    @lisarosa

    Ja, ja, ja. Ich stimme dir zu. Das ist so. Da ist für neue Modellbildung mit klaren Begriffen Platz, da müssen Theorie und Unterrichtsforschung ran und rein. Außerdem gibt es ja jetzt schon den praktischen Bedarf, weil da der Kompetenzenbegriff mit ins Spiel kommt, der in vielen Fällen ähnliche große Unschärfen hat wie der Medienbegriff.

    Sprache prägt Wirklichkeit, macht diese aber auch erst sichtbar und erfahrbar.

    Du führst das Inuit-Beispiel an, das ich gerade auch auf meiner Agenda stehen haben, wenn es um die Frage gehen wird, welche Bedeutung der Wortschatz für Bildungsprozesse hat. Entsprechend bedarf es der ständigen Sprachreflexion und Erweiterung der sprachlichen Darstellungsmöglichkeiten. Ja, da stimme ich dir völlig zu. In diesem Sinne bleibt diese Interview hinter bestimmten begrifflichen Bedürfnissen zurück. – Davon abgesehen hoffe ich aber, dass im Interview selbst einiges von dem Wandel erkennbar wird, den Schule und Unterricht (noch in viel zu vielen Fällen viel zu wenig) zur Zeit erfahren.

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  5. vilsrip

    Vielen Dank für das Interview und die Kommentare! Habe alles mit Genuss gelesen.

    Nur ein kleiner Hinweis – das ist zwar wirklich nebensächlich, hat aber mein Anglistenherz doch gestört: Die Sache mit den vielen Schnee-Wörtern war von Anfang an ein Missverständnis. Ihr könnt gern die Erklärung von Linguistik-Professor Geoffrey K. Pullum im “Language Log” nachlesen (nämlich hier), aber die Kurzfassung ist wie folgt: Weil Inuit eine stark agglutinierende Sprache ist (man kann ellenlange Wörter bilden, die jeweils die Information eines Satzes enthalten), hat der deutsch-amerikanische Sprachforscher Franz Boas zu Anfang des 20. Jahrhunderts irrtümlicherweise viele Komposita für “Schnee” aufgeschrieben und sie als unterschiedliche Wörter bezeichnet, während sie sich alle auf nur wenige Wurzeln zurückführen lassen. Gar völlig aussichtslos ist eine zahlenmäßige Angabe über solche “Wörter” für Schnee – die Zahl der möglichen Äußerungen über Schnee geht gegen unendlich (“das weiße Zeug, auf dem Tante Rita letzte Woche ausgerutscht ist”, “das weiße Zeug, auf dem Onkel Rupert letzte Woche ausgerutscht ist”, etc. pp.).

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  6. Lisa Rosa

    @vilsrip haha, danke, lieber Peter für die aufklärung! es geht doch nichts über kollektives wissen. dann muss ich meine analogie natürlich wegwerfen. ich biete eine neue an: wenn man Begriffe (nicht bloß Sprache “an sich”, sondern Konzepte, Kategorien, Fachtermini) als Werkzeuge der reflektierten Tätigkeit sieht, dann ist der ausdifferenzierte Begriffsapparat (!) bezüglich “Lernprozessgestaltung” für den Lehrer, was die aufgeräumte Werkstatt mit vollständigen, gepflegten und modernsten Werkzeugen für den Schreiner ist.

    Antworten
  7. Dominik

    Vielen Dank für das Interview!

    Ich finde, dass auch wir an unserer Schule Medien wie das iPad nutzen sollten, da das einerseits natürlich Spaß macht, andererseit ist dies meiner Meinung nach für den Unterricht sehr produktiv. Wir haben an unserer Schule lediglich eine Hand voll “Smartboards”, die Medien begrenzen sich sonst auf Tafel, Overheadprojektor und Medienboxen (Beamer mit Laptop). Das Angebot ist natürlich nicht klein, jedoch nicht für Jedermann erreichbar und nutzbar. Ein technisches Gerät für jeden individuellen Schüler wäre meiner Meinung nach sicherlich ein neuer Schritt in die Zukunft, den wir früher oder später sowieso gehen werden. Viele Leute haben Bange, dass durch den Einfluss dieser Geräte die Schüler immer fauler werden und sich vollkommen auf ihre Geräte verlassen. Dem widerspreche ich nicht ganz, jedoch ist ein sinnvoller Umgang mit solchen Medien nur ratsam und ich hoffe, dass ich es noch erleben kann, dass wir solche Geräte nutzen werden. Ein weiterer Punkt ist natürlich der Preis, billig sind diese Dinger ja auch nicht gerade. Es kann sich nicht jeder Schüler ein iPad leisten und wenn die Schule, etc… die Kosten übernimmt, häufen sich diese auch rapide.

    Liebe Grüße Dominik

    Antworten
    1. Herr Larbig Artikelautor

      @Dominik – Ganz besonders herzlichen Dank für diesen Kommentar.

      Nur zur Klarstellung: An der KAS hat nicht jeder Schüler einer Klasse ein iPad, sondern es gibt einen iPad-Wagen, der einen Klassensatz trägt und dann in die Klassen mitgenommen werden kann.

      Was den Umgang mit den Geräten und die „Faulheit“ angeht: Stimmt, wenn heute Schulbücher ausgeteilt werden, werden diese von den Schülern und Schülerinnen selbstverständlich intensiv genutzt, vor allem, wenn sie nur als Lernmaterial verfügbar gemacht wurden und nicht im Unterricht direkt genutzt werden. – Merken sie die Ironie: Das wäre dann der Job der Lehrer, die Geräte so sinnvoll in den Unterricht zu integrieren, das man sich nicht auf Geräte verlassen kann, sondern mit ihnen arbeiten muss. Wobei: Vielleicht muss man erst einmal zeigen, dass man mit den Geräten arbeiten KANN. Das ist ja einer der Gründe, warum ich mit einem solchen Gerät arbeitet.

      Das Thema Kosten: Wie viel kosten die Bücher zusammen, die Sie haben? Was würde diese kosten, würden sie aktuell gehalten? Klar, die Rechnung geht nicht 1:1 auf. An der KAS hat der Förderverein Mittel bereit gestellt. Eine unter gegenwärtigen Bedingungen pragmatische Lösung, wie ich finde.

      Antworten
  8. Dominik

    Mit den Büchern haben Sie natürlich recht. Ein weiterer Punkt, über den ich persönlich mir Gedanken mache ist, dass die Schulbücher durch sogenannte “EBooks” ersetzt werden könnten und so jede Menge Papier gespart würde. Dies täte unserer Umwelt sicherlich ganz gut, wobei den Menschen wieder etwas fatales einfallen würde die Umwelt zu schädigen.

    So, es hat also nicht jeder Schüler ein eigenes iPad, jedoch können kleinere Gruppen immernoch zusammen an einem gerät arbeiten. Darin besteht natürlich wiederum das Problem, dass sich in niedrigeren Klassen mehrere Leute um ein Gerät “raufen” und so Streit entstehen könnte. Wer weiß, es gibt ja auch schon die Smartboards, vielleicht hat in 5-10 Jahren jeder ein iPad auf der Schulbank liegen. Die Hoffnung besteht, wenn auch in ferner Zukunft. Man könnte ja mal mit der Direktorin darüber reden :)

    Liebe Grüße Dominik

    Antworten
  9. André Spang

    @dominik Freut mich, dass hier Schüler mitlesen und solch differenzierte und reflektierte Kommentare schreiben. Ich drücke die Daumen, dass die Wünsche zumindest zum Teil in Erfüllung gehen – es scheint ja aber an ihrer Schule zumindest schon mal einen, bestimmt aber noch mehr Lehrer zu geben, die in diese Richtung denken. Der Rest braucht Zeit und Motivation – man kann (und soll) nicht bewährte Praxis einfach so von heute auf morgen ändern – muss man auch nicht. Wer möchte ab morgen nur noch mit “neuen Medien” arbeiten? Aber die Richtung muss stimmen. Zur Finanzierung hat “Herr Larbig” schon richtig argumentiert: Was kosten dieBücher, Hefte und und und. Und wenn ich die Kopierkosten betrachte, die ein Kollegium erzeugen kann – davon könnte man jeden Monat einige iPads kaufen.

    Antworten
  10. Dominik

    Ich nutze auch schon lange meinen IPod Touch, der mittlerweile verhältnismäßig alt ist, um Hausaufgaben aufzuschreiben, habe dort auch meinen Stunden- und Raumplan eingetragen, etc. Der iPod ist jetzt so alt, dass ich eben hier etwas Posten wollte und der Safari Browser abstürzt. Bedeutet: nochmal schreiben. Die App kannte ich bisher nicht und ich wusste auch nicht, dass soetwas schon angeboten wird. Sinnvoll ist es auf jeden Fall. Ein Lehrer meinte mal zu mir: “Ich halte davon nichts, weil man beim Aufschreiben per Hand sich die Dinge immer nochmal besser einprägt als auf einer Tastatur.” Da hat er schon ein bisschen Recht, wobei ich denke, dass es kaum Unterschied macht, ob wir ein kopiertes Stück Papier bekommen und das abheften oder wir eine Datei auf unser iPad spielen. Ob wir nun etwas aufschreiben oder etwas eintippen, ich finde man macht es ja trotzdem noch selber. Was problematisch werden könnte ist die automatische Rechtschreibkorrektur, es könnte zu mehr Rechtschreibfehlern kommen.

    Ich würde nie verlangen von heute auf morgen alles auf iPad umzustellen. Wer weiß, vielleicht gibt es bis dahin auch schon das “B-Pad”, oder “School-Pad”, o. Ä. Ich lasse mich überraschen, wobei ich dann wohl nicht mehr an der Schule sein werde. (Noch ein Grund sitzen zu bleiben :) )

    Bis dahin liebe Grüße Dominik

    Antworten
  11. Hartmut Volkert

    Lieber Herr Larbig, liebe Mitlesende,

    ich bin seit ca. 15 Jahren Netzwerkberater an einer Schule in B.-W. Und ich erlebe seit dieser Zeit immer wieder dieselbe Art von Euphorie. Als erstes musste der PC ins Klassenzimmer. Durch ihn sollte das Lernen revolutioniert werden: alles multimedial und interaktiv. Die Kinder lernen mit Spaß, durch kleine Trickfiguren animiert (oder verführt?). Alles geht wie im Schlaf. Keine Anstrengung vonnöten. In unserer Gegend gab es Schulen, die damit warben, dass sie pro 2 Schüler einen PC haben. Toll, da muss mein Kind auch hin. Toll auch für die PC-Hersteller. Haben die Kids damit mehr oder besser oder gar nachhaltiger gelernt? Dann kam das Internet – der unendliche Wissenspool. Die Frage, die sich schnell (und zwar noch vor dem „warum?“) stellte, war: wie kriegen wir einen ganzen Computerraum bzw. die ganze Schule ans Internet? Schnell wurde das Problem, z. B. durch Initiativen wie „Schulen ans Netz“ gelöst. Wieder klingelt es in den Kassen der Hersteller und Provider. Schulen bzw. Schulträger müssen völlig neu über ihre Budgets nachdenken. Die Investitionen für diese Technik gehen in die Tausende. Was man aber sinnvoll mit dem Internet in der Schule anfangen soll, darüber hat man sich dann später Gedanken gemacht – oft angetriggert durch Wettbewerbe eben jener Firmen, die davon profitieren nach dem Motto: „Wer baut die schönste Schulhomepage?“, oder „Tolle digitale und interaktive Projekte aus dem Unterricht“. Weiter geht’s mit Notebook-Klassen und jüngst den ebooks und den tablets, allen voran das iPad. Neulich war ich bei einer Fortbildung zum „iPad im Klassenzimmer“ und wieder das Gleiche: wir haben hier eine Technik und es stellt sich die Frage: was können wir damit sinnvolles in der Schule tun? Da freuen sich mal wieder die Hersteller, denn die Pädagogen liefern ihnen die Argumente, mit denen sie ihre Geräte im Bildungssektor schlagkräftig anbieten können und wieder mal wird das Lernen revolutioniert. Ich kann – mit meinen Erfahrungen – diese Technikeuphorie nicht teilen. Ich kenne keine Schülergeneration, die durch die Technik im Ganzen besser gelernt hat bzw. ohne die Technik Nachteile hatte. Und ich bezweifle auch, dass es dazu entsprechende Untersuchungen gibt, denn die wären ja am Ende evtl. noch kontraproduktiv im wirtschaftlichsten Sinne des Wortes. Ich finde die Tafel toll. Sie ist billig, einfach zu handhaben, braucht keinen Strom, ist flexibel und technisch seit Jahren ausgereift ;-) Sie stellt auch keinen Sondermüll dar, wenn man sie nach 50 Jahren entsorgt. Stimmt: Konservieren lassen sich die Dinge nicht gut, aber meine Schüler schreiben mit oder hören erst zu und schreiben dann das Wesentliche ab (je nach Alter) – sollen sie das nicht mehr sollen? Ist das antiquiert? Sollen sie nicht mehr in der Lage sein, sich aus dem Unterrichtsgeschehen heraus eigene Notizen zu machen, anhand derer sie zu Hause oder in ihren Hohlstunden z. B. an einem Protokoll über die Stunde arbeiten? Was gewinnen wir dadurch, dass sie sich per iPhone aufgenommene Tafelbilder herunter laden können? Es läuft immer so: Wir werden mit neuer Technik konfrontiert (man muss sich ja neue Märkte erschließen), niemand fragt, ob „die Welt“ das braucht, aber in den Schulen muss man den Umgang damit trainieren. Fit für die Zukunft – was für eine eigentlich? Und dazu überlegt und überlegt man, was man denn halbwegs Sinnvolles damit anstellen könnte und feiert wikis, blogs und webseiten als pädagogischen Erfolg. „Und die Kinder waren ja so bei der Sache.“… – das sind meine auch, wenn sie vor dem Fernseher sitzen… Bildungseinrichtungen haben m. E. zum Teil den Status von Vermarktungsgehilfen der IT-Industrie. Völlig unreflektiert werden die neuen Techniken wie selbstverständlich und wie ein Segen aufgenommen, aus Angst, – so mein Eindruck – abgehängt zu werden. Da schwärmt jemand, dass man doch Schulbücher als ebooks auflegen könnte, was doch soviel Papier spart… Darüber kann man – denke ich – auf den verschiedensten Ebenen diskutieren, z. B. ob das Buch als „Kulturobjekt“ tatsächlich aus den Schulen verschwinden soll, oder über den Mehrwert den das Medium haben könnte, wenn Teile der Schulbuchinhalte Ton und Bewegung enthalten würden. In diesem Zusammenhang aber aus ökologischer Sicht positiv für die elektronischen Medien zu argumentieren, halte ich – gelinde gesagt – für fahrlässig. Stichworte: Sondermüll, seltene Erden, Stromverbrauch, Rohstoffe, Halbwertszeit der Geräte… …to bi continjuhd… Beste Grüße, H. Volkert

    Antworten
    1. Herr Larbig Artikelautor

      Lieber Hartmut Volkert,

      danke für den langen Beitrag, der von reichhaltiger Erfahrung getragen wird. Ich erlaube mir zu widersprechen – zumindest ein bisschen, denn in vielen Punkten besteht Konsens, wenn auch mit anderen Konsequenzen.

      „Als erstes musste der PC ins Klassenzimmer. Durch ihn sollte das Lernen revolutioniert werden…”

      Die Zahl der mir bekannten Klassenzimmer, in denen ein Computer verfügbar ist, ist extrem gering. Es gibt zwar Schulen, in denen dies mittlerweile der Fall sein soll, höre das regelmäßig von Dritten als Gerücht, doch in Wirklichkeit ist die Forderung nach mindestes einem Computer pro Klassenraum nach wie vor eine Vision, keine Realität.

      „alles multimedial und interaktiv. Die Kinder lernen mit Spaß, durch kleine Trickfiguren animiert (oder verführt?). Alles geht wie im Schlaf. Keine Anstrengung vonnöten.“

      Wer das behauptet, hat keine Ahnung von dem, was er tut. Lernen ist anstrengend, auch wenn Computer zur Unterstützung eingesetzt werden. Was Sie hier beschreiben ist eine Nicht-Didaktik. Leider ist es tatsächlich so, dass oft nach Computern gerufen wird, didaktisch jedoch keine Veränderungen stattfinden. Dann gibt es echt Probleme. Und wenn ich mir anschaue, wo warum zum Beispiel Laptopklassen wieder abgeschafft wurden, dann stelle ich jedes Mal fest, dass zwar Laptops eingeführt wurden, die Lehrer und Lehrerinnen jedoch nicht entsprechend fortgebildet wurden oder gar von sich aus auf einen reichen Schatz an Erfahrungen des Lernens mit digitaler Unterstützung zurückschauen konnte. Richtig: Wie viele Lehrer und Lehrerinnen haben Erfahrungen mit zum Lernen und Lehren genutzter Vernetzung?

      Wer behauptet, es sei keine Anstrengung vonnöten, hat keine Ahnung von Lernprozessen. Und was diese Trickfiguren angeht: Sorry, doch diese Art pädagogisch wertvoller Verblödungsstrategien finden nicht erst seit dem Internet statt, sondern überall dort, wo pädagogische Überbetüttelung der Lernenden stattfindet und stattfand.

      „Toll auch für die PC-Hersteller.“

      Stimmt. Und? Dann bitte auch in gleicher Art Schulbuchverlage angreifen. In eineinhalb Wochen beginnt wieder die Buchmesse in Frankfurt. Die Schulbuchverlage haben dort nicht gerade Hungerleiderstände. Es ist Ideologie, wenn behauptet wird, wer über positive Erfahrung der Computernutzung in der Schule berichtet, mache Werbung. Liebend gerne würde ich mit Schulbüchern ähnlich gute Erfahrungen machen. Wenn ich dann über das Schulbuch jubeln würde, käme wohl kaum jemand auf die Idee, diese Art von unreflektierter Kritik anzubringen.

      Als die Rechtschreibreform dazu führte, dass alle Schulen in ganz Deutschland beginnen mussten, alle Schulbücher für von niemandem berechnete, doch sicherlich mindestens zweistellige Millionenbeträgen zu ersetzen, war die Behauptung nicht sonderlich stark präsent, dass die KMK da den Schulbuchverlagen klingelnde Kassen brachte. In Hessen haben wir Lehrmittelfreiheit für Schüler und Schülerinnen. Das waren also steuerfinanzierte Kosten.

      wieder das Gleiche: wir haben hier eine Technik und es stellt sich die Frage: was können wir damit sinnvolles in der Schule tun?

      Mein Ansatz ist definitiv genau umgekehrt. Ich bin im Netz, um Erfahrungen zu sammeln, was das ist, wie das geht, was es bringt, ob das auf andere Bereiche umsetzbar sein könnte. Dass es so viele Lehrer und Lehrerinnen gibt, die sich diese Fragen nicht stellen (können oder wollen), ist ein anderes Problem.

      Ich habe in diesem Blog schon mehrfach über die Lernerfahrung in vernetzten Kontexten geschrieben. Mich können Sie also fragen, bevor Sie solche Technik anschaffen. Und ja, natürlich muss die Frage gestellt werden. Wenn Sie zu einer Fortbildung zum Tablet im Klassenzimmer gehen, dann werden Sie dort eben auf die Leute treffen, die sich mit der Fortentwicklung der Lehr- und Lernmedien genau dort beschäftigen. Diejenigen, die mit diesen Geräten arbeiten, werden solche Fortbildungen meiden.

      Ich kenne keine Schülergeneration, die durch die Technik im Ganzen besser gelernt hat bzw. ohne die Technik Nachteile hatte.

      Da stimme ich zu. Wenn ich an das Sprachlabor denke… Das war einfach peinlich.

      Da stimme ich nicht zu, denn es geht nicht nur um Technologieeinsatz, sondern um eine ganz andere Form des Umgangs mit Information, Lernen und Wissen, um eine neue Kulturtechnik. Anders ausgedrückt: Seit der Revolutionierung des Buchwesens durch Gutenberg gab es keine gleichartige (technische) Veränderung mehr. Und ja, die Vorbehalte gegen Bücher in jedermanns Hände waren groß.

      Die Weigerung vieler Schulen bzw. Schulträger, digitale Lern- und Arbeitsweisen (sic!) als Kompetenz im Unterricht zu integrieren, kommt mir zunehmend so vor, als hätten sich einst die Schulen geweigert, gedruckte Bücher einzuführen.

      Die Entwicklungsschritte: Mündlichkeit, Handschriftlichkeit, Buchdruck mit beweglichen Lettern, Texterstellung mit digital verbreiteten Schriftzeichen.

      Im Unterschied zu früheren technischen Entwicklungen (z. B. Sprachlabor), die außerhalb von Schulen keinerlei Einsatzgebiete hatten, ist es heute umgekehrt: Alle Wissensbetriebe (Universitäten, betriebliche Fortbildung etc.) arbeiten bereits selbstverständlich mit Computern, nur in der Schule geschieht dies fast nicht. Es ist Zeit, den Blick über den Schulrand hinaus zu wenden. Dort ist der Computer Alltag.

      Sie schreiben, dass Sie die Tafel toll finden. Ja, genau das steht im her veröffentlichen Interview.

      „Wir werden mit neuer Technik konfrontiert (man muss sich ja neue Märkte erschließen), niemand fragt, ob „die Welt“ das braucht, aber in den Schulen muss man den Umgang damit trainieren.”

      Ich sehe das anders: „Die Welt“ nutzt das alles schon (was z. B. beim Sprachlabor nie der Fall war). Das ist doch der große Unterschied: Ihre Kritik läuft gerade auf die Ablehnung des Erlernens von Techniken hinaus, die in „der Welt“ längst Alltag sind und alleine in der Schule klein gehalten werden.

      „„Und die Kinder waren ja so bei der Sache.“… – das sind meine auch, wenn sie vor dem Fernseher sitzen…“

      Es fällt mir schwer, diesem Vergleich zu folgen: Vor dem Fernseher wird in der Regel konsumiert. Ja, das passiert auch oft vor dem Computer. Was in diesem Interview angesprochen wird, ist das produktive, eigentätige Arbeiten! Es geht nicht um Konsum, z. B. von Musik, sondern um das Erlernen von Möglichkeiten, selbst Musik zu komponieren oder umzusetzen.

      „Völlig unreflektiert werden die neuen Techniken wie selbstverständlich und wie ein Segen aufgenommen, aus Angst, – so mein Eindruck – abgehängt zu werden”

      Da frage ich zurück: Wird hier der Wert bewährter Medien nicht absolut gesetzt, ohne zu sehen, dass unsere Schüler und Schülerinnen in Bezug auf neue Medien abgehängt werden. Fast jeder Schüler, der aus dem Auslandsjahr im angelsächsischen Bereich zurück kommt, berichtet, dass die Nutzung von Laptops im Unterricht 1. ganz normal ist und 2. als enorm positiv erlebt wird. Und dann treffen Sie auf Lehrende, die zum Teil den Einsatz erlauben, ihn zum Teil jedoch ausdrücklich verbieten, obwohl die Schüler und Schülerinnen sogar bereit sind, ihre eigenen Geräte zu nutzen, gar keine Forderung an die Schule erheben. In Wirklichkeit ist es so: Schüler und Lehrer arbeiten außerhalb der Schule mit dem Computer und dort, wo sie aufeinander treffen, im Unterricht, spielt dieses von beiden selbstverständliche Arbeitsgerät kaum eine Rolle. Vergleiche hierzu „Computer im Unterricht. Das digitale Paradox.”

      Ihre Anmerkungen zur ökologischen Frage teile ich. Im Interview kommt das nicht vor. @dominik denkt über diese Frage nach. Was ich gravierender finde: Vor allem in den Naturwissenschaften und in Politik sind viele (teuer gekaufte) Bücher meist veraltet und im Grunde eher historische Reminiszenzen denn aktuelle Lehrbücher.

      Ihre Anmerkungen zum Buch als „Kulturobjekt“ finde ich bemerkenswert. Sie zeigen, dass Sie dieses Blog wohl erst kürzlich entdeckt haben, wüssten Sie doch sonst, dass sein Betreiber nicht nur der Technik zugetan ist, sondern wohl als bibliophil bezeichnet werden kann.

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  15. Florian Lüdtke

    Ich bin echt neidisch, wenn ich solche Beiträge wie diesen hier lese. Im Moment besuche ich die 11. Klasse eines Gymnasiums in Oranienburg/Brandenburg. Wir haben eine lange Tradition und jeder versucht diese auch fortzuführen. Jedoch haben wir auch ein relativ altes Lehrerkollegium, welches sich sehr schwer zu der Nutzung von Computern, geschweige denn von iPad o.Ä überreden lässt. Die vorhandenen Smart-Boards werden hauptsächlich gemieden, da kein Lehrer dafür ausgebildet wurde. Ein iPad wäre eine riesige Bereicherung für unsere Schülerschaft! Es muss ein Wandel in unserem Bildungssystem geben, welcher den Einsatz von technischen Geräten nicht nur selbstverständlich macht, sondern auch erleichtert. Wäre es nicht toll im Geografie-Unterricht Weltkarten zu bearbeiten, ohne diesen langweiligen Atlas zu benutzen? Wäre es nicht toll für Geschichte Zeitleisten zu erstellen und sie dann per Drahtlosverbindung an die Tafel zu schicken? Ich habe es satt mir jeden Tag die Finger wund zu schreiben und Unmengen an Papier zu verbrauchen, die nicht nur unnötig Geld verschwenden, sondern nach einer Weile auch ein einziges Chaos veranstalten. Jetzt kann mir die ältere Generation sagen, dass sie damals auch Füller und Papier benutzt hat, aber warum sollte man geniale Technik verstauben lassen, wenn sie den Unterricht interessanter gestalten kann? Vorträge würden viel mehr Spaß machen, somit würde der Lerneffekt deutlich gesteigert werden. Armes Deutschland!

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