11 Tipps für Lehrer, wie digitale Geräte das Arbeiten erleichtern können

Fast alle Lehrerinnen und Lehrer arbeiten heute mit dem Computer. Dennoch scheint die Arbeitsbelastung oft nicht ab-, sondern sogar zuzunehmen. So zumindest mein Eindruck aus Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern.

Ich selbst erlebe das digitale Arbeiten als eine große Erleichterung.

Deshalb hier nun eine Sammlung von Tipps, die sich in meiner Praxis bewährt haben und die vielleicht dazu beitragen, dass ein paar Leute mehr digitales Arbeiten als Erleichterung empfinden.

Die Tipps sind subjektiv und garantiert unvollständig. Gerne darfst du sie in den Kommentaren um deine Tipps bereichern. – Ich bin sehr neugierig, was andere als wichtig für ihre eigenen (gelungenen) Arbeitsabläufe (Workflow) sehen.

Hier meine Tipps:

  1. Digitale Geräte helfen dann beim Arbeiten, wenn man sie beherrscht. Ein Tischler muss einen Hobel gekonnt benutzen können. Wer digital arbeitet, muss die Technik so beherrschen, dass nicht jedes Mal aufs Neue überlegt werden muss, auf welcher Taste des Computers welcher Befehl liegt.
  2. Mit zehn Fingern schnell, fehlerarm und möglichst blind schreiben zu können, ist weit weniger verbreitet, als es sein sollte, selbst unter Leuten, die täglich mit der Tastatur zu tun haben. An dieser Stelle steckt viel verschwendete Zeit, da mangelndes Können zum Zeitfresser wird.
  3. Wenn Protokolle z. B. von Konferenzen geschrieben werden, dann werden die direkt am Computer (Laptop oder Tablet) getippt, anschließend noch einmal überarbeitet und noch am gleichen Tag verschickt. Wer heute noch per Hand Protokoll schreibt, es dann abtippt und über eine zu hohe Arbeitslast klagt, sollte sich nicht wundern, wenn das mit der hohen Arbeitslast möglicherweise vom Gegenüber nicht so ganz ernst genommen werden kann 😉
  4. Auf dienstliche EMails sollte man möglichst sofort reagieren, wenn eine Reaktion nötig ist. Die meisten Reaktionen dauern nicht mehr als zwei Minuten, sodass hier sowieso die Zweiminutenregel greift.
  5. Den täglichen Weg zur Arbeit kann man im Auto ebenso verschwenden wie im ÖPNV. In Bus und Bahn aber kann man die Zeit z. B. für die Bearbeitung von EMails nutzen oder auf dem Heimweg schon die Grundstrukturen der nächsten zu planenden Unterrichtsstunden notieren. Der Mehrwert von Tablets wird spätestens an dieser Stelle massiv greifbar.
  6. Alternativ zur Nutzung des Weges zur und von der Schule nach Hause kann man diesen Weg auch – wenn man die Möglichkeit dazu hat – verkürzen, wenn man sich an eine wohnortnahe Schule versetzen lässt oder in die Nähe der Schule zieht.
  7. Lehrer neigen nach wie vor dazu, Unterrichtsmaterial nach Unterrichtseinheiten zu sortieren. Effizienter ist es, digitales Material zu verschlagworten und Unterrichtseinheiten dann mithilfe intelligenter und passgenauer Suchroutinen zu erstellen, sodass Material, das für mehr als eine Unterrichtseinheit und vielleicht auch in mehreren Altersstufen genutzt werden kann, dennoch nur einmal im Archiv abgelegt werden muss. Zudem kann man so auch neue Unterrichtsreihen auf der Grundlage verfügbaren Materials erstellen.
  8. Den Wert von Vernetzung in sozialen Netzwerken erkennt man häufig erst dann, wenn man nicht nur einen Account hat, sondern wirklich aktiv Vernetzungsarbeit betreibt. Inhalte geben ist mit die beste Strategie, um von anderen Hinweise auf Inhalte zu bekommen.
  9. Kollaboration bedeutet nicht, dass man sich Word-Dokumente hin und her schickt und dann irgendwann Version 876 hat. Kollaboration bedeutet, an einem Dokument zu arbeiten, das in der Cloud liegt, insofern der Datenschutz das zulässt. Für z. B. das gemeinsame Erstellen von Förderplänen ist die Cloud nicht geeignet; für das Erstellen von Unterrichtsentwürfen hingegen sehr wohl. Noch muss man fast jedes Mal, wenn man Kollegen Kollaboration mittels Google Docs oder Etherpad vorschlägt, erst einmal erklären, was das ist. – Wenn du aber doch einmal Dokumente verschicken musst, dann verschicken Sie als PDF und nicht als Word Dokument. Denke immer daran: Nicht jeder Nutzer eines Computers kann oder will Word Dokumente problemlos öffnen und lesen.
  10. Teile dein Wissen bzw. von dir erstellte Materialien etc. großzügig. Das heißt an dieser Stelle: Teile hier als Kommentar oder durch einen Artikel in deinem eigenen Blog deine Tipps für das effiziente Arbeiten mit digitalen Werkzeugen. Einen Blogartikel könntest du dann in einem Kommentar oder per Backlink einfach vernetzen.
  11. Nutze, wann immer es möglich ist, Diktierfunktionen. Wir können viel schneller sprechen, als wir tippen können. Deshalb lohnen sich diese mittlerweile zum Teil sehr zuverlässigen Diktierfunktionen in vielen Fällen. Dabei sollte man aber noch einmal besonders auf das Thema Datenschutz achten: Diktiere nie etwas, das im Netz übersetzt wird, wenn das Diktierte persönliche Daten enthält. (Gerade dieser letzte Abschnitt über das Diktieren wurde diktiert und von der das Gesprochene ins Geschriebene übersetzenden Software zuverlässig übertragen.)


Ich hoffe, der eine oder andere Tipp ist für dich hilfreich. Ich freue mich über (konstruktive) Kommentare zu diesem Artikel und bin auf jeden gespannt, der sich via Twitter mit mir aktiv vernetzen mag.

Herrn Larbigs Bibliothek 14 – Jean-Claude Carrière, Umberto Eco: Die große Zukunft des Buches

Wer sich wagt, fast zwei Jahre nach seinem Erscheinen noch etwas zu einem Buch zu sagen, ist unzeitgemäß: Am liebsten sollen Kritiken bereits erschienen sein, Wochen bevor ein neuer Band in die Buchhandlungen kommt.

Warum eigentlich, können Bücher doch über Jahrhunderte Bestand haben und zeigt sich zudem auch erst im Laufe der Zeit, welche Bücher „überleben“ und welche „vergessen“ werden.

Carrière und Eco sinnieren unter anderem über diese Frage. Was, wenn man ein Buch erst drei Jahre nach seinem Erscheinen lese, fragen sie sich. Dann könne man zumindest dem Drang danach, Bücher sofort zu lesen, nur weil sie gerade erschienen sind und man mitreden können müsse, etwas entgegen setzen: Den Prozess des Reifens, der von den beiden analog zur Reifung von Wein angeführt wird.

Es mag überraschen, aber am vergnüglichsten lesen sich für mich in dem Gesprächsband über Bücher, in dem zwei Bibliophile, zwei Liebhaber des (alten) Buches zu Wort kommen, all jene Passagen, in denen es um „vergessene“ Bücher geht. Wissen wir eigentlich, ob die bemerkenswertesten Bücher einer Zeit überliefert wurden?

Carrière und Eco bezweifeln das. Sie weisen darauf hin, dass von den in Aristoteles‘ Poetik erwähnten Dramen kein einziges überliefert sei und ein Sophokles z. B. von Aristoteles kein einziges Mal genannt wird.

Die Geschichte des Buches ist tatsächlich eine Geschichte der verlorenen Bücher. Und doch schreiben die Gesprächspartner in diesem Band dem Buch aus der Vergangenheit eine große Zukunft über unsere Gegenwart hinaus zu.

Dabei gehen die Gesprächspartner nicht blauäugig mit der Wirklichkeit digitaler Entwicklungen um, bleiben bei dieser aber nicht hängen, sondern sprechen miteinander vor allem über den Gegenstand Buch, den sie als ebenbürtig mit dem Rad betrachten: Erst einmal erfunden, können keine Verbesserung mehr erreicht werden.

Ein Buch über Bücher für Leute, die Bücher mögen oder ein wenig nostalgische Erinnerungen an das Buch pflegen wollen.

JEAN-CLAUDE CARRIÈRE, UMBERTO ECO

Die große Zukunft des Buches

übersetzt von Barbara Kleiner Erscheinungsdatum: 16.08.2010 Fester Einband, 288 Seiten Preis: 19.90 € (D) / 27.90 sFR (CH) / 20.50 € (A) ISBN 978-3-446-23577-9 Hanser Verlag

Kreatives Schreiben in der Schule

Kleinere Kurse im kreativen Schreiben gebe ich seit einigen Jahren immer wieder einmal. Ich habe zwar kein Zertifikat, dass ich das kann, aber zum Glück traut man einem Deutschlehrer in der Regel zu, dass er unter Umständen weiß, was er tut, wenn er nicht nur Texte dem übenden Analyseskalpell der Schüler und Schülerinnen zuführt, sondern auch die künstlerische Seite des Schreibens in den Blick nimmt.

Schreiben als Kunst, deren Gegenstand die Literatur ist, verstehe ich Kreatives Schreiben in der Schule weiterlesen

Herrn Larbigs Bibliothek 11 – Thorsten Havener: Ich weiß, was du denkst

Es ist ein leeres Versprechen, das der Untertitel zu Thorsten Haveners: „Ich weiß, was du denkst. Das Geheimnis Gedanken zu lesen“ suggeriert.

Havener mag die Aufmerksamkeit für nonverbale Elemente der Kommunikation schärfen, Herrn Larbigs Bibliothek 11 – Thorsten Havener: Ich weiß, was du denkst weiterlesen

Herrn Larbigs Bibliothek 8 – Peter Handke: Der große Fall

Müßiggang ist in diesem Falle ein literarischer Genuss und nicht des Lasters Anfang.

Das kann man anders sehen, ist man selbst der Überzeugung, dass es unproduktiv sei, einen ganzen Tag lang sich zu Fuß von den Randbezirken einer Metropole in deren Zentrum zu begeben.

Es spricht viel dafür, dass die namenlose Metropole Paris ist. Manches von dem Flair, die beschriebenen Kaffees, das Nennen der Metro und das Wissen darum, dass Peter Handke in Frankreich lebt, sprechen für diesen Ort. Aber das ist nur am Rande wichtig.

Im Zentrum der Erzählung Handkes steht ein Schauspieler. Ein Tag im Leben des Schauspielers wird vom Morgen bis in die Nacht hinein erzählt.

Er geht durch die sommerliche Großstadt, beobachtet, reflektiert, begegnet Joggern, Obdachlosen, Alten, Jungen, einem den Krieg erklärenden Politiker in Überlebensgröße auf einem Bildschirm am Rande des Weges.

Über der Stadtmitte steht ein Wetterleuchten.

Handke ist zum „schönen Erzählen“ zurück gekehrt, nachdem er durch teilweise seltsam anmutende politische Äußerungen zur serbischen Politik ein wenig an den Rand des Erzählens geraten war.

Nun erzählt er in klingender Prosa vom Weg eines Schauspielers in die Stadt. Dabei gibt es durchaus die eine oder andere Lebensweisheit zu entdecken.

Handke hat eine interessante, nicht für jeden leicht zu lesende Erzählung verfasst. Sprachlich kann Handke sehr überzeugen. Inhaltlich ist es ein langsam erzählter Text, der teilweise auch an die Grenze des Realismus geht. Ob man diese „Trockenheit“ eines Textes, der dennoch sprachlich schillert, mag, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Dass die Wahrnehmung der eigenen Großstadterfahrung geschärft werden kann, dass man womöglich selbst beginnt, die eigenen Wege in der Großstadt in nahezu handkescher Sprache aich selbst zu erzählen, kann ich aus eigener Erfahrung als eine Nebenwirkung dieser Erzählung festhalten. Eine Nebenwirkung, die ich nicht als schädlich anseehe.

Handkes jüngstes Werk ist kein Muss für Leser und Leserinnen, aber durchaus eine Bereicherung für Flaneure.

Peter Handke, Der Große Fall. Erzählung, Berlin (Suhrkamp). 280 Seiten, 24,90.