Methoden-Mythos? Die Mind-Map.

Die Mind-Map ist eine beliebte Methode, wenn es darum geht, Methoden vorzustellen und einzuführen. Zunehmend aber fällt mir auf, dass diese Methode weder von Lehrerinnen und Lehrern noch von Schülerinnen und Schülern sichtbar genutzt wird.

Ich habe noch keinen Kollegen erlebt, der bei einer Konferenz eine Mind-Map erstellen würde; ich habe noch keinen Schüler erlebt, der, über die Phase der unterrichtlichen Behandlung der Methode hinaus, freiwillig mit ihr gearbeitet hätte, außer wenn es um Referate geht, in denen nicht nur vorgetragen, sondern die ganze Lerngruppe mit einbezogen werden soll. In dieser Situation taucht das Schlagwort „Mind-Map“ auf. Was dann aber an der Tafel entsteht ist in der Regel höchstens ein Cluster von assoziativ genannten Begriffen, die in keine sonderlich logische Ordnung gebracht werden, sondern reichlich zufällig um einen Zentralbegriff herum gruppiert werden. Dieser Gebrauch der Mind-Map ist für mich ein Zeichen, dass sie im Lernalltag der Schüler keine Rolle spielt, aber eine der bekanntesten Methoden ist, an die sie sich in einer solchen Referatssituation erinnern.

Angesichts meiner eigenen Erfahrungen mit Mind-Maps überrascht es mich nicht, dass Mind-Maps so wenig eingesetzt zu werden scheinen. Was mich allerdings überrascht ist, dass diese Methode dennoch so präsent ist bzw. gehalten wird, wenn mein Eindruck stimmen sollte, dass ihre Effekivität genau so gering ist, wie die Versprechen zur Einsetzbarkeit der Methode groß sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Mind-Maps entweder so wenig umfangreich sind, dass sie kaum mehr zu bieten als ein gut strukturierter Notizzettel. Bevor ich dann anfange, mit mehreren Farben, idealerweise auch noch mit bildlichen Elementen, eine Mind-Map zu erstellen, bin ich mit dem Notizzettel längst fertig.

Den wenig komplexen und von daher im Einsatz für mich nicht notwendigen Mind-Maps stehen (für Veröffentlichungszwecke konstruierte?) Beispiele hoch komplexer Mindmaps gegenüber, die dann in meinen Augen aber so aufwendig gestaltet sind, dass der Gestaltungsaufwand in keiner angemessenen Relation zum Nutzen steht, ganz abgesehen davon, dass die Übersichtlichkeit schnell verloren geht und die Mind-Map eher einem Mind-Labyrinth als einer übersichtlichen Landkarte von Begriffen gleicht, die in der Zusammenschau ein logisches Ganzes ergeben.

Mehr und mehr habe ich den Eindruck, lasse mich da aber gerne eines besseren belehren, dass es sich bei der Mind-Map um einen Methoden-Mythos handelt. Ihre Versprechen sind toll: Verbindung der unterschiedlich ausgerichteten Gehirnhälften, weil sprachliche und bildliche Darstellung verbunden werden; Unterstützung von Lernprozessen; Stichwortzettel bei Vorträgen und Referaten etc.

Warum nur begegne ich bei diesem Versprechen so wenigen Mind-Maps in der Praxis, sowohl bei Lehrenden als bei Lernenden? Meine Vermutung habe ich oben schon geäußert: Die Mind-Map wirkt auf mich wie ein hochgelobtes, im praktischen Alltagsgebrauch die Versprechen aber kaum einhalten könnende Methode.

Niemandem soll hier der Einsatz von Mind-Maps madig gemacht werden! Sicherlich gibt es einige Leute, denen diese Methoden in ihrem Denken und Arbeiten entgegen kommt bzw. entkommen kommen kann. Mein Problem ist nur, dass mir diese Leute, die die Mind-Map wirklich regelmäßig zumindest in bestimmten Arbeitszusammenhängen nutzen, bislang nicht begegnet sind.

Und deshalb jetzt meine Fragen:

  • Wer meiner geschätzten Leserinnen und Leser arbeitet wirklich regelmäßig in eigenen Arbeitsprozessen mit Mind-Maps? Regelmäßig meint hier nicht, dass die Methode regelmäßig (im Unterricht) vorgestellt und in einem gewissen Rahmen eingeführt wird, sondern, dass jemand wirklich selbst mit dieser Methode arbeitet.
  • Gibt es Leute, die, anders als ich, die Arbeit mit Mind-Maps als effektiv, in einer angemessenen Kosten-Nutzen-Relation stehend erleben?
  • Ist jemand Schülerinnen und Schülern begegnet, die diese Methode wirklich benutzen, regelmäßig benutzen!, und dabei erleben, dass die Versprechen zutreffen, die mit der Mind-Map verbundern werden?

Oder ist die Mind-Map vielleicht doch ein Methoden-Mythos? Handelt es sich um eine Methode, die ihren Charme in ihrer vermeintlichen Einfachheit hat, diesen aber bei einer wirklichen Beschäftigung mit der Methode nicht einzulösen vermag?

Ich bin gespannt, wie andere das sehen.

iPad-Praxis-Test: An einer Tagung teilnehmen…

Nach ein paar Wochen des Vertrautwerdens mit dem iPad habe ich mich nun gewagt, papierfrei zu einer Tagung zu fahren. Eineinhalb Tage um meine Anforderungen an ein Arbeitsgerät in der Praxis zu erkunden. Continue reading

Gedichtinterpretation: Joseph von Eichendorff, Mondnacht

Creative Commons Lizenzvertrag Gedichtinterpretation: Joseph von Eichendorff, Mondnacht von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Lineare und aspektorientierte Interpretationen stehen im Deutschunterricht in der Regel im Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn es um die Deutung literarischer Texte geht. Die lineare Interpretation folgt dabei sehr kleinschrittig dem Verlauf eines Textes und baut eine Gesamtinterpretation linear entlang des Textes auf. Im Extremfall wird Zeile für Zeile, Satz für Satz in den Blick genommen, sodass sich diese Form der Interpretation vor allem für kürzere Texte anbietet und vor allem bei Gedichten ihre Stärke ausspielen, aber auch bei kürzeren Prosatexten zum Einsatz kommen kann. Bei längeren Texten werden Absätze oder Kapitel in den Blick genommen, doch bietet sich solchen Texten eher die aspektorientierte Interpretation an, die von Anfang an auf einzelne Aspekte eines Textes als Schwerpunkt einer Interpretation hin ausgerichtet ist. Während die lineare Interpretation theoretisch schon während dem ersten Leseprozess geschrieben werden kann, praktisch wird auch meistens der Text mehrfach gelesen, bevor die interpretierende Annäherung beginnt, setzt die aspektorientierte Interpretation gute Textkenntnis voraus. Soweit die Theorie. An dieser Stelle soll nun einmal, anders als bei meinen bisherigen Gedichtinterpretationen auf herrlarbig.de, eine möglichst konsequent durchgeführte lineare Interpretation als Zugang zu einem lyrischen Werk versucht werden. Zum Teil werde ich Abschnitte der Interpretation selbst noch ein wenig erläutern. Solche erläuternden Teile erscheinen in eigenen, eingerückten und farblich abgesetzten Absätzen, die kursiv gesetzt sind. Diese Teile können übersprungen werden, wenn alleine die Interpretation des Gedichtes interessiert.

Joseph von Eichendorff

Mondnacht (1837)1

Es war, als hätt’ der Himmel

Die Erde still geküsst,

Dass sie im Blütenschimmer

Von ihm nun träumen müsst.

 

Die Luft ging durch die Felder,

Die Ähren wogten sacht,

Es rauschten leis’ die Wälder,

So sternklar war die Nacht.

 

Und meine Seele spannte

Weit ihre Flügel aus,

Flog durch die stillen Lande,

Als flöge sie nach Haus.

 

Schritt für Schritt: Eichendorffs Mondnacht linear interpretiert

Die Überschrift Joseph von Eichendorffs 1837 veröffentlichten Gedichts „Mondnacht“ gibt dem Erwartungshorizont Lesender eine Richtung: Das Gedicht spielt nachts, in einer klaren Nacht oder zumindest in einer solchen, in der der Mond deutlich zu erkennen ist, sei es auch zwischen Wolkenfetzen hindurch. Es wird sich zeigen, ob dies im Verlaufe des Gedichts näher dargestellt wird, ob die Überschrift mit dem Inhalt übereinstimmt oder, was Gedichtüberschriften auch immer wieder tun, ob die Überschrift eine falsche Erwartungshaltung weckt, die dann im Verlaufe des Textes mit Bedeutung angereichert wird. Doch bei Eichendorff als Dichter der Romantik ist zu erwarten, dass ein Gedicht folgt, das nicht nur eine Mondnacht beschreibt, sondern auch die Gefühle des lyrischen Ichs in einen Zusammenhang mit dieser Nacht stellt.

In dieser Einleitung wird, was oft nicht gemacht wird, die Überschrift als Teil des Gedichts berücksichtigt. Ja, wenn ein Gedicht einen Titel hat, dann ist dieser Bestandteil des Gedichts – und angemessen zu berücksichtigen. Darüber hinaus wird das Gedicht mit Bezug auf den Autor bereits in den Rahmen einer Literaturepoche gestellt und Vorwissen über diese Literaturepoche berücksichtigt, um die Erwartungshaltung, die der Interpret gegenüber diesem Gedicht hat, darzustellen und zu begründen. Das bedeutet nicht, dass eine solche Erwartungshaltung im Laufe des Gedichtes bestätigt werden muss. Der Verlauf des Gedichtes kann auch eine ganz andere Richtung nehmen, die dieser von der Überschrift ausgelösten Erwartungshaltung widerspricht. Wenn dies passiert, ist es im Verlauf der Interpretation angemessen zu berücksichtigen und die Frage zu stellen, welche Bedeutung dies für das Verständnis des Gedichtes hat.

Ein Vergleich, nicht mit „wie“, sondern mit „Es war als“ eingeleitet, eröffnet in Vers 1 das Gedicht und stellt sofort den Bezug zum lyrischen Ich her, das hier offensichtlich seinen Eindruck von dieser Mondnacht darzustellen beabsichtigt. Diese drei ersten Wörter des Gedichts vermitteln den Eindruck, dass hier weniger eine Beschreibung der Mondnacht das Ziel ist als die Darstellung einer Stimmung, die in dieser Mondnacht erzeugt wird.

Das nächste Wort „hätte“ wird um das -e verkürzt. In der Folge wird es vom zweisilbigen zum einsilbigen Wort, was notwendig ist, da dieser Vers als dreihebiger Jambus (Es war als hätt’ der Himmel) mit weiblicher / klingender Kadenz gestaltet ist. Außerdem verstärkt das „hätt’“ als Konjunktiv Zwei (irrealis) den Eindruck, dass es um die Wahrnehmung der Mondnacht durch das lyrische Ich geht, denn bereits hier wird angedeutet, dass der Eindruck des lyrischen Ichs von einem Bild ausgeht, das also solches kein Teil der „Realität“, sondern Teil des Eindrucks, der Stimmung des lyrischen Ichs ist.

Mit „der Himmel“ lenkt das lyrische Ich den Blick des Lesenden „nach oben“, zum Himmel, der sowohl für den realen Himmel stehen kann, der in der deutschen Sprache aber auch den Bereich des Transzendenten umfasst. An dieser Stelle bleibt offen, welche Himmelsvorstellung gemeint ist und das fehlende Satzzeichen am Ende des Verses ist ein erster Hinweis, dass das Versende noch nicht das Satzende ist. Ein Enjambement leitet in Vers 2 über, der mit „die Erde“ beginnt und diese Erde somit unmittelbar mit dem Himmel formal verbindet. Dass es nicht nur eine formale Verbindung ist, zeigt der Rest des Vers 2, der wiederum dreihebig jambisch gestaltet ist, nun aber mit einer männlichen / stumpfen Kadenz endet und mit dieser auch den ersten Sinnschritt des Gedichts markiert. Das „still geküsst“ verbindet Himmel und Erde in der Vorstellung des lyrischen Ichs, doch da der erste Sinnschritt mit einem Komma endet, ist der Eindruck des lyrischen Ichs noch nicht vollendet, der hier dargestellt wird.

In Vers 3 wird der Eindruck des lyrischen Ichs vertieft, eingeleitet mit der Konjunktion „dass“, die auf einen Nebensatz hinweist, also darauf, dass dieser Kuss von Himmel und Erde nun weiter charakterisiert wird. Diese Charakterisierung wird zunächst mit dem visuellen Eindruck des „Blütenschimmers“ verbunden, der dem lyrischen Ich faktisch vor Augen steht. Es ist wohl eine Nacht im Frühjahr oder Sommer, eine Nacht, in deren fahlem Licht die Blüten schimmernd zu erkennen sind. Dieser visuelle Eindruck wird in Vers 4 personifiziert, dem „Blütenschimmer“ wird, wiederum unter Verwendung des Konjunktivs Zwei (müsst), die Fähigkeit des Träumens zugeschrieben, eine Fähigkeit, die aber alleine den Eindruck des lyrischen Ichs in bildlicher Sprache darstellt. Und wiederum wird um des Rhythmus Willen ein -e weggelassen („müsst“ statt „müsste“), sodass spätestens hier davon ausgegangen werden kann, dass der Rhythmus des Gedichts bewusst vom Autor gestaltet wurde und somit die Form unmittelbar dem Inhalt des Gedichtes verbunden ist.

Auch wenn hier Zeile für Zeile vorgegangen wird: Diese Interpretation entsteht vor dem Hintergrund, dass das Gedicht schon ganz gelesen wurde. Ohne dass hier die Form der linearen Interpretation verlassen würde, fließt diese Kenntnis natürlich in die Betrachtung der Einzelverse ein.

Die erste Strophe Eichendorffs „Mondnacht“ stellt, so kann zusammenfassend gesagt werden, eine die Stimmung des lyrischen Ichs in dieser Naturerfahrung deutenden Zugang zu dieser Erfahrung dar. Dabei ist sich das lyrische Ich dieser Deutung bewusst, nutzt den Konjunktiv Zwei, um diese in gleichmäßig fließendem Rhythmus gesprochene Erfahrung als solche zu kennzeichnen. Dennoch ist die Erfahrung nicht irreal, sie geht vielmehr über die rein sachliche Ebene der Naturwahrnehmung hinaus. Der klare Himmel, die Erde, der Blütenschimmer bilden in der Wahrnehmung des lyrischen Ich eine Einheit, sie sind nicht getrennt. Der Eindruck geht über die reine Beschreibung dessen, was für das lyrische Ich in dieser Situation „ist“ hinaus. Und doch erfolgt die Versprachlichung dieser Erfahrung erst im Nachhinein, wie die Nutzung der Vergangenheitsform in Vers 5 verdeutlicht.

Vers 5 holt nun die Beschreibung der eigentlichen Situation nach. „Die Luft ging durch die Felder“, ist erst einmal nichts anderes, als der Versuch einer Versprachlichung einer nicht weiter gedeuteten Wahrnehmung, auch wenn an dieser Stelle statt „ging“ das dem im Alltagsgebrauch mit der Luft eher verbundene Verb „wehte“ hätte genutzt werden können. Dennoch scheint das lyrische Ich der Luft hier keine „Beine machen“ zu wollen oder, anders ausgedrückt, hier liegt keine Personifizierung der Luft vor, sondern tatsächlich nur eine Beschreibung der Situation, in der das lyrische Ich die in der ersten Strophe bereits bildhaft angedeutete existenzielle Erfahrung verortet. Dafür spricht auch, dass Vers 5 eine abgeschlossene Sinneinheit bildet und mit einem Komma endet.

Ein solches Komma steht auch am Ende von Vers 6, in dem eine erste Folge der wohl nur sehr leichten Luftbewegung in dieser Nacht beschrieben wird, die die Ähren auf den Felder in eine leichte, sachte Bewegung versetzt. Während also in Strophe 1 jeweils zwei Verse (1 – 2 und 3 – 4) durch versübergreifende Sinnzusammenhänge und formal durch ein Enjambement verbunden sind, erfolgt in Strophe 2 eine Aufzählung von Sachverhalten. Strophe 2 ist in diesem Sinne eine Bestandsaufnahme, der Versuch, die Situation sprachlich zu vermitteln, in der die Stimmung auftrat, die im Zentrum des Gedichtes steht.

Diese Bestandsaufnahme wird in Vers 7 fortgeführt. Neben den visuellen Eindruck der sich leicht im Wind wiegenden Felder tritt hier die Wahrnehmung des leisen Rauschens der Wälder, das durch diesen leichten Wind erzeugt wird. Und wiederum ein Komma am Zeilenende.

Vers 8 wechselt nun die Wahrnehmungsebene, stellt eine Art Höhepunkt der sinnlichen Wahrnehmung des lyrischen Ich dar, die in Strophe 2 im Zentrum steht. Über all diesen Detailwahrnehmungen steht die Wahrnehmung der sternklaren Nacht, eine Situation, die bis heute in der Lage ist, bei Menschen „romantische Gefühle“ auszulösen.

Das „Und meine Seele spannte“ in Vers 9 eröffnet die dritte Strophe mit dem ersten direkten Auftauchen des lyrischen Ichs in diesem Gedicht. Es erfährt so etwas wie „Weite“, eine „Weite“, die unmittelbar an die Erfahrung der Einheit von Himmel und Erde in Strophe 1 und an die beschriebenen Gegebenheiten in Strophe 2 anschließt, nun aber die eigentliche Erfahrung, die in dem Gedicht aufgegriffene Stimmung ins Zentrum stellt, wie Vers 10 direkt bestätigt, sind es doch „Flügel“, die die Seele ausspannt. Sie erhebt sich, sie fliegt, sie wird weit. Was muss das für ein Gefühl gewesen sein, dass das lyrische Ich in diesem Gedicht nicht nur zu versprachlichen versucht, sondern auch an Leser des Gedichtes weitergeben will!?

Und hier taucht das Enjambement aus Strophe 1 wieder auf. Wieder wird das Gefühl der Einheit formal widergespiegelt.

Schon gemerkt: Auch bei einer linearen Interpretation steht nicht streng wirklich nur die einzelne Zeile im Mittelpunkt. Natürlich kann auf alles Bezug genommen werden, was bereits erarbeitet wurde. „Linear“ ist diese Art der Interpretation nur in der Art, wie sie Schritt für Schritt Zeile für Zeile in den Blick nimmt und sich an dieser „linearen“ Lesart entlang arbeitet. Am Ende soll idealerweise trotz dieses kleinschrittigen Vorgehens ein Gesamtbild des Gedichts stehen, ein Gesamtbild, das auch dadurch entsteht, dass auf bereits  erarbeitete Zeilen und Strophen intensiv Bezug genommen wird.

Und wieder ein Hauptsatz, der die ersten zwei Verse der Strophe umfasst und der somit parallel zu Strophe 1 gestaltet ist. Vers 11 führt das begonnene Bild weiter. Nicht nur spannt die Seele ihre Flügel aus, sie fliegt auch, fliegt „durch die stillen Lande“, nimmt diese Lande aus einer Art Vogelperspektive war, also aus einer Perspektive, in der die Gesamtheit der Wirklichkeit in den Blick genommen, die Einheit von Himmel und Erde, die Verbundenheit von allem wahrgenommen werden kann. Brentano fasst dieses romantische Gefühl in „Sprich aus der Ferne“ mit den Versen „Alles ist freundlich wohlwollend verbunden, / Bietet sich tröstend und traurend die Hand, / Sind durch die Nächte die Lichter gewunden, / Alles ist ewig im Innern verwandt.“

Es ist ein Gefühl der Ganzheit, das das lyrische Ich als eine Form des „Zuhause“ erlebt, denn in Vers 12 wird diese erfahrene Weite der Seele, die durch die stillen Lande fliegt, mit einem „als flöge sie nach Haus“ charakterisiert; nun durch ein Komma von Vers 11 abgesetzt und somit hervorgehoben, da nicht in einer Aufzählung sondern als deutende Beschreibung des Fliegens gedacht. Vers 12 ist der Vers, auf den das ganze Gedicht zu läuft, in dem es seinen Höhepunkt findet, in dem das Gefühl des lyrischen Ichs kulminiert, das sich selbst in der Naturwahrnehmung in seiner Ganzheit wahrzunehmen vermag.

Resumee:

Ein Klassiker der romantischen Lyrik, eines der wohl bekanntesten Gedichte dieser literarischen Epoche und dabei auch ein das Lebensgefühl der Romantik treffend darstellendes Gedicht! Was von aufgeklärten Geistern auseinander gerissen wurde, fügen Romantiker wieder zusammen. Himmel und Erde sind verbunden, die Naturwahrnehmung ist mit der Psyche des Menschen auf das Engste verbunden, hinter der Wirklichkeit gibt es eine Kraft, die über das Beobachtbare hinaus geht. Die Romantiker gehen so weit zu sagen, dass diese Kraft den Menschen zu sich selbst kommen lässt, den Menschen als Ganzheit Mensch sein lässt.

Eichendorffs „Mondnacht“ greift diese Weltsicht der Romantik nicht nur auf, verbindet diese nicht nur mit der Sehnsucht nach Weite (des Geistes, der Wahrnehmung, der gesamten menschlichen Existenz), sondern vermag sogar, dieses Gefühl beim Leser zu erzeugen.

Das Gedicht ist ein Zeugnis der Kraft, die der Dichtung inne wohnt. Sie ist in der Lage, die Wirklichkeit in Sprache zum Singen zu bringen, Erfahrungen, die ein lyrisches Ich in einer konkreten Naturerfahrung macht, in eine Sprache zu fassen, die selbst diese Erfahrung der Ganzheitlichkeit beim Leser auslösen kann oder aber zumindest eine Sensibilität für diese Erfahrungen schafft; eine Sensibilität, die den Menschen in dieser Hinsicht erfahrungsfähig macht.

  1. Das Gedicht ist wohl schon um 1835 entstanden, wurde aber 1837 erstmals veröffentlicht. []

Mischwald und Monokultur: Offene Unterrichtsformen und direkte Instruktion

Als erste These formuliert Hilbert Meyer in „Was ist guter Unterricht“1 die Aussage, dass Mischwald besser als Monokultur sei.

Meyer bezieht sich mit dieser These auf die Frage, ob Unterricht eher lehrerzentriert, also durch direkte Instruktion, oder eher offen, stark von den Lernenden selbst reguliert, erfolgreich sein könne. Continue reading

  1. Hilbert Meyer, Was ist guter Unterricht, Berlin (Cornelsen Scriptor) 2004, S. 9. []

Nachdenken über (guten!) Unterricht

Lesetagebücher sind ein beliebtes Instrument, um mit literarischen Werken in unterschiedlichen Schulstufen umzugehen. Interessant finde ich dabei, dass viele Lehrerinnen und Lehrer, die das Lesetagebuch als Methode im Unterricht einsetzen, selbst nie ein solches im Unterricht erstellt haben Continue reading

Das Netz, seine Funktionen und die „Null Blog“-Debatte

Die Realität der Welt liegt nicht in ihren Abbildern, sondern in ihren Funktionen. Funktionen sind zeitliche Abläufe und müssen im zeitlichen Kontext erklärt werden.
Susan Sonntag, Über Fotografie, Frankfurt 2008 (18. Aufl., zuerst 1980), S. 29.

Welche Funktion hat das Internet für einzelne Benutzer und Benutzerinnen? Die Antwort auf diese Frage bestimmt, wie das Netz genutzt wird. Von dieser Frage ist auszugehen, wenn heute die Frage nach dem Umgang mit dem Netz und der Bedeutung des Netzes gefragt wird. Die Ergebnisse von Studien decken sich mit meinen eigenen Erfahrungen: Continue reading

Grenzen der Kommunikationsfähigkeit

Als ich Vierzehn war, gab es noch kein Internet für die Massen, wohl aber schon die Möglichkeit, mithilfe eines Telefonmodems ins Netz zu gehen. Es gab Bildschirmtext (BTX), aber bis sich digitale Vernetzung zu einem Massenphänomen ausbreitete, sollte es noch einige Jahre dauern. Ich setze den Starttermin des Web-Hypes auf den 13. Oktober 1994 fest, den Tag, an dem Netscapes „Navigator“ in einer ersten Version veröffentlicht wurde und somit erstmals ein Browser vorlag, der eine grafische Oberfläche hatte.

Es gab zwar vorher Usenet und Co, Welten, die mir und den meisten völlig fremd waren und in denen sich die PC-Geeks tummelten, doch erst die Browser mit grafischer Oberfläche, die das „Erklicken“ des Netzes möglich machten, öffneten das Netz, demokratisierten das Netz.

Bis zum „interaktiven“ Netz „Web 2.0“ sollte es fast zehn Jahre dauern. Und meines Erachtens ist das „Web 2.0“ zwar zur Zeit die dominierende Form der vernetzten Kommunikation, aber mit Sicherheit nicht das Ende der Entwicklung, über deren Verlauf ich mir gar nicht mehr so sicher bin, entgegen der Vorhersagen, dass Netzanbindung und Alltag eine immer engere Verbindung eingehen werden. Eine nahezu symbiotische Verbindung von Alltag und digitalen Netzwerken scheint gegenwärtig durchaus absehbar. Dabei ist eine Symbiose in der Regel eine „Vergesellschaftung von Individuen unterschiedlicher Arten, die für beide Partner vorteilhaft ist“ (Quelle).

Das Netz als Lebensform, dessen Verbindung mit der Lebensform des Homo Sapiens für beide Seiten von Vorteil ist? Ein wenig erinnert mich das an die Entwicklung, die als fiktiver Hintergrund für die „Matrix“-Trilogie der Brüder Wachowski angenommen wird.

Anfang des 21. Jahrhunderts geriet die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz außer Kontrolle. Die Menschen verdunkelten den Himmel, um den solarbetriebenen Maschinen die Energiequelle zu nehmen. Die Maschinen passten sich der Dunkelheit jedoch an und unterwarfen die Menschheit, deren Exemplare sie seitdem zur Energiegewinnung züchten. (Wikipedia)

Ob es so unrealistisch ist, dass „das Netz“ mehr und mehr die „Anpassung“ der Menschen an seine Vorgaben und Grenzen verlangt? Schon heute gibt es Tendenzen, die davon sprechen, dass man, so man nicht im Netz vertreten sei, zunehmend Probleme bekomme, in Kommunikationsprozesse einzutreten oder in diesen überhaupt beachtet zu werden.

Andererseits gibt es Menschen, die sich auf das Netz eingelassen haben und dabei dennoch weder ihre Selbstbeobachtungskompetenzen noch ihre Kritikfähigkeit gegenüber Kommunikationsstrukturen verloren haben, die durchaus dazu geeignet sind, mehr und mehr Ressourcen des Individuums „auszusaugen“ und sich somit, statt zu einer symbiotischen Verbindung zu führen, als Schmarotzer entpuppen, die den Menschen aussaugen.

Um diesen Schmarotzer „Web 2.0“ dann wieder los zu werden, scheint es für einige (immer mehr?) Menschen nur noch den Weg des etwas überspitzt aber gar nicht so abwegig benannten „digitalen Selbstmordes“ („digital sucide“) zu geben.

Ein paar Beispiele für diese Tendenz:

  • Das Social-Networking-Weblog berichtete über die Sucide Machine für soziale Netzwerke.
  • Im Uni-Spiegel dokumentiert Frauke Lübke-Narberhaus ihren Ausstieg bei studiVZ und Xing als „digitalen Selbstmord“.
  • Der Heidelberger Professor für Informatikdidaktik Christian Spannagel beendet, obwohl bis dahin als intensiver Nutzer, Fan und auch theoretisch die Vernetzung positiv darstellend, seine Mitgliedschaften bei Facebook, Twitter, XING, Linked-In, wer-kennt-wen, myspace, … und reflektiert anschließend die massive Überforderung, die das Web 2.0 für ihn mit sich brachte, nachdem er sich zu einem prominenten „öffentlichen Wissenschaftler“ entwickelt hatte und mit den daraus entstehen Ansprüchen nicht mehr mithalten konnte, da sie mehr und mehr Lebensenergie aufsaugten. Spannagel schreibt:
Im sozialen Netz erlebte ich so etwas wie eine soziale Verpflichtung zur Kommunikation. Diese Informationsvielfalt kann man als einzelner nicht bewältigen.

Ein Protagonist des Web 2.0 für Bildung und Wissenschaft „steigt aus“: Eigentlich doch ein gefundenes Fressen für all diejenigen, die  ja schon immer wussten, dass das Internet mit seinen Ablenkungspotentialen und Kommunikationsüberforderungstendenzen eigentlich böse ist. Doch wer „digital sucide“ so versteht, hat etwas missverstanden, da es sich in diesen Fällen in der Regel um solche handelt, die die Überforderung durchaus auf eigene Formen des Umgangs mit diesen Möglichkeiten hin zu reflektieren vermögen. So z. B. Spannagel:

„Das Neuronenverhalten muss kontrolliert und situationsabhängig eingesetzt werden.“ Genau das trifft den Punkt: Ich werden zukünftig das Web 2.0 zielgerichtet, situationsabhängig und punktuell einsetzen. Ich werde Web-2.0-Anwendungen selektiv nutzen.

Dies ist der eigentliche Punkt: Menschliche Kommunikationsfähigkeit ist eine begrenzte Fähigkeit. Das Individuum muss für sich Wege finden, zwischen Kommunikationsbedürfnis und Privatheit, die für gelingende Kommunikation meines Erachtens unabdingbar ist, ein Gleichgewicht zu erzeugen.

Und diese Notwendigkeit des Gleichgewichts ist keine, die exklusiv für das Internet gilt, auch wenn die Grenzen der individuellen Kommuniaktionsfähigkeit aufgrund der „Einfachheit“ der Initiierung solcher Prozesse im Netz möglicherweise schneller und vor allem auch wiederum selbst kommunizierbarer erfahren werden. Ja, Christian Spannagel kommuniziert seinen Ausstieg aus weiten Teilen der „social communities“ über das Web 2.0 im Rahmen seines Blogs.

Wie aber komme ich zu der Behauptung, dass die Notwendigkeit des Gleichgewichts zwischen „Privatheit“ und Kommunikationsbedürfnis keine ist, die exklusiv für das Internet gilt?

Als ich Vierzehn war, gab es noch kein Internet für die Massen, wohl aber schon die Möglichkeit, mithilfe eines Telefonmodems ins Netz zu gehen. In dieser Zeit gab es aber das Phänomen, dass eine nicht kleine Zahl Jugendlicher Brieffreundschaften mit anderen Jugendlichen in der ganzen Welt begannen. Es gab damals eigene Agenturen, die solche Briefkontakte vermittelten. Als „Überbleibsel“ dieser Agenturen gibt es heute z. B. das von der Deutschen Post betriebene „letternet“.

Ich war, wie viele andere Jugendliche von der Möglichkeit fasziniert, mit Jugendlichen in unterschiedlichen Teilen der Welt in Verbindung zu treten und machte mit. Die Zahl der „Brieffreund“, die ungefähr genau so ernsthaft „Freunde“ zu nennen sind, wie dies für die Großzahl der „Kontakte“ in sozialen Netzwerken gilt, auch wenn deren Betreiber hartnäckig den Freundschaftsbegriff missbrauchen, stieg allmählich und irgendwann merkte ich, dass es zwar toll ist, persönliche Briefe im Postkasten zu finden und auf diese zu antworten, dass aber diese Form von Kontakt auf einen begrenzten Personenkreis beschränkt bleiben muss, da es sonst irgendwann zu viel wird. Die Fähigkeit, Kommunikationsprozesse zu pflegen ist begrenzt – auch in rein analogen Formen der Kommunikation.

Es ist zwar banal, an dieser Stelle davon zu sprechen, dass es um das rechte Maß an gepflegten Kontakten und Kommunikationsprozessen geht, es sei aber dennoch einmal mehr erwähnt. Wird das rechte Maß überschritten, dann tritt ein, was Jean-Pol Martin „die Suchtgefahr des Neuronenverhaltens“ bezeichnete und als zehnte Regel seinem Kommunikationsmodell hinzufügte.

Ähnliche Erfahrungen der kommunikativen Grenzen, wie ich sie als Jugendlicher bei der Pflege von (zeitweise zu vielen) Brieffreundschaften machte, tauchen bis heute immer mal wieder auf, was im Lehrberuf an für sich auch kaum überraschend ist, da es ein Beruf ist, der in höchstem Maße von Kommunikation lebt und ständig vor die Herausforderung stellt, ein Maß zwischen Gesprächspräsenz und Privatheit im Rahmen der je eigenen Ressourcen zu finden. – In diesem Zusammenhang wage ich die Prognose, dass die Bereitschaft von Lehrenden, die die Möglichkeiten von Web-2.0-Tools (z. T. äußerst intensiv) nutzen, um über Unterrichtszeiten hinaus Lernprozesse zu unterstützen und zu fördern, im Laufe der Zeit genau an dem „Ort“ ankommen wird, den Christian Spannagel in seiner hervorragenden Reflexion auf die Grenzen eigener Kommunikationsfähigkeit beschreibt: Den Ort der selektiven Nutzung der nach wie vor als wirkliche Bereicherung anzusehenden Web-2.0-Tools für berufliche und private Kommunikationsprozesse.

Ein reflektierter Rückzug aus sozialen Netzen, der übrigens nicht nur aus Gründen der Überlastung erfolgen kann, sondern auch mit dem etwas eigenwilligen Verständnis von „Privatheit“ zusammenhängen kann, das einige Betreiber sozialer Webangebote haben, ist in meinen Augen kein Urteil über die Qualität solcher Netzwerke, keine Tendenz, die geeignet wäre, den Radikalkritikern des Web 2.0 Argumente zu liefern, sondern vielmehr ein Prozess, der mit der „Entdeckungsreise“ in die nach wie vor jungen „Welten“ des Web 2.0 zusammenhängt.

Das Web 2.0 bietet faszinierende Möglichkeiten. Jeder Nutzer und jede Nutzerin dieser Möglichkeiten muss (sic!) jedoch früher oder später in einen Reflexionsprozess darüber eintreten, welche der Möglichkeiten aus welchen Gründen genutzt werden und an welchen Stellen die Nutzung der Möglichkeiten über das für einen selbst angemessene Maß hinaus geht. Dies gilt ähnlich für analoge Kommunikationsprozesse, denen es gut tut, wenn sie immer wieder in Formen der Meta-Kommunikation, z. B. im Rahmen von Supervision, aber z. B. auch in der „einfachen“ Form des Tagebuchschreibens, selbst zum Gegenstand der Reflexion werden.

Diese Notwendigkeit zur Reflexion eigenen Kommunikationsverhaltens ist in meinen Augen eine der zentralen Aufgaben einer gelingenden Mediendidaktik und Medienpädagogik. Dieser darf es eben nicht nur um „Primärkompetenzen“ wie die Nutzung von Suchmaschinen, Textverarbeitungsprogrammen, Tabellenkalkulation, Präsentationsprogrammen etc. gehen. Sie muss darüber hinaus zentral an der Entwicklung von „Meta-Kompetenzen“ arbeiten, um den individuellen Nutzern von (digitalen) Arbeits- und Kommunikationsinstrumenten die Fähigkeit zur Reflexion dessen, was für sie jeweils angemessen ist, mit auf den Weg zu geben.

Eine zentrale Frage bezüglich der Nutzung von Kommunikationsinstrumenten und -wegen darf dabei nie aus dem Blick verloren werden: Wie finde ich einen Ausgleich zwischen Kommunikation und „Schweigen“ (Privatheit“), der mir angemessen ist, der mir gut tut. Wenn Kommunikationsprozesse das Individuum auslaugen, ausbrennen, in eine innere Leere hineinführen, dann ist es höchste Zeit, diese Prozesse in den Blick zu nehmen, denn wer im Rahmen der eigenen Kommunikationsgewohnheiten sich innerlich leer fühlt, der hat bald nichts mehr zu sagen.

Und tschüss, Facebook

Dass Facebook aus der Perspektive deutscher Datenschützer problematische AGBs hat, ist hinlänglich bekannt und wurde kürzlich auch von Stiftung Warentest einmal mehr bestätigt.

Bei mir hat das Fass nun folgende Passage in einer Ergänzung der „Datenschutz“-Richtlinie Facebooks zum Überlaufen gebracht. Dort heißt es:

„Um dir die Möglichkeit zu geben, auch außerhalb von Facebook nützliche Erfahrungen im sozialen Bereich machen zu können, sind wir gelegentlich gezwungen, anderen überprüften Webseiten und Anwendungen, die sich auf die Facebook-Plattform stützen, allgemeine Daten über dich zur Verfügung zu stellen, wenn du diese besuchst (wenn du noch bei Facebook angemeldet bist).“ Auszug aus dem Entwurf der neuen Fassung der Facebook-Datenschutzrichtlinie, die ab April gelten soll.

Das heißt konkret: Wenn ich bei Facebook angemeldet bin und dann eine „überprüfte Website“ besuche, bekommt diese Website automatisch (sic!) „allgemeine Informationen“ über mich.

Das ist mir unsympathisch.

Interessant auch die Sprachwahl:

„…nützliche Erfahrungen im sozialen Bereich machen zu können, sind wir gelegentlich gezwungen…“.

In einer E-Mail las ich dazu folgenden so treffenden Kommentar, dass ich diesen hier wiedergebe:

„‚Gezwungen‘. Gezwungen! Damit ich ‚nützliche Erfahrungen im sozialen Bereich machen‘ kann. Also, zu meiner Zeit hätte diese Formulierung noch bedeutet, in einer Kirchengemeinde die Obdachlosenspeisung zu unterstützen.

Ich habe sicherheitshalber in den Kalender geschaut, aber nein, es ist noch nicht der 1. April. Auch nicht in der Zeitzone von Facebook.“

Es scheint ja schon länger so zu sein, dass ich, bei aller kontrollierten Mitteilung persönlicher Daten im Rahmen eigener Netzaktivitäten, bei Facebook immer wieder gute Gründe finde, die mir sagen: „Jetzt lösche endlich den Account dort“. So zuletzt im Dezember 2009, als Facebook die Benutzereinstellungen dahingehend änderte, dass zunächst einmal die Profilinfos mehr oder weniger öffentlich waren, wenn man diese veränderten „Einstellungsempfehlungen“ annahm. Hier wurde breits darauf hingewiesen, dass Facebook gegen europäische Datenschutzrichtlinien verstößt.

Und nun der „Vorschlag“, mal wieder die „Datenschutz“-Richtlinie zu ändern, eine „Datenschutz“-Richtlinie, die im Kern aus kaum verstänlichen Formulierungen besteht, die darauf hinweisen, an welchen Stellen die Daten eben nicht geschützt, sondern benutzt werden. Eigentlich müsste diese „Datenschutz-Richtlinie“ „Datennutzungs-Richtlinie“ heißen, denn mit Datenschutz hat sie in meinen Augen nicht mehr viel zu tun.

Nun also sollen automatisiert Daten weiter gegeben werden. Spiegel-Online fasst die Pläne kurz zusammen. Es scheint so zu sein, dass man diese Weitergabe nur verhindern kann, wenn man ihr aktiv widerspricht und nicht etwa so, dass man ihr aktiv zustimmen müsste.

Nun könnte jemand anmerken: Na, wenn diese Richtlinie in Kraft treten sollte (und wenn ich mir die bisherigen Kommentare zu ihr anschaue, habe ich nicht den Eindruck, dass gegen sie Sturm gelaufen würde), dann kannst du doch widersprechen.

Stimmt. Aber das Denken hinter einem solchen Vorgehen reduziert mein Vertrauen gegenüber Herrn Zuckerberg als CEO Facebooks und dem ganzen Unternehmen dann schon so sehr, dass die auf diesem Wege erzeugten Minusgrade in Sachen Vertrauen so überhaupt nicht in den nun gerade sich mühsam durchsetzenden Frühling passen wollen. – Das gilt selbst, falls Facebook zurück rudern sollte, denn die Denkstrukturen der Macher von Facebook werden in solchen Dokumenten doch deutlich: Es geht nicht um die Privatsphäre der Nutzer, sondern darum, die Informationen möglichst gewinnbringend zu nutzen.

Und damit zeigt sich dann auch, dass Facebook nicht kostenlos ist. Der Preis, den die Nutzer für Facebook (im Augenblick) zahlen, besteht darin, dass ihre Daten in bare Münze umgesetzt werden, wobei die Nutzer zugleich und zunehmend die Kontrolle über ihre Daten verlieren. Klar: Im Netz sollte sowieso nichts veröffentlicht werden, das nicht auch an der Plakatwand um die Ecke hängen könnte, aber diesem Grundsatz folgen dann doch eher wenige Facebook-Nutzer, wenn mich mein Eindruck nicht täuscht. Da bekommen (externe, nicht von Facebook betriebene!) Anwendungen Zugriff auf meine Daten (wenn ich das nicht aktiv verhindere), da werden E-Mail-Adressen auf eine Weise gesammelt, die im schlimmsten Fall Facebook Zugriff auf alle E-Mails der User gewähren kann (auch wenn Facebook von diesen Möglichkeiten natürlich, selbstverständlich und ganz sicher keinen Gebrauch macht (machen wird?).)

Was also soll ich tun? Ich habe sehr lange gezögert, Facebook beizutreten und habe in den neun Monaten, die ich nun Mitglied bin war, durchaus zu schätzen gelernt, was hier an Kommunikationmöglichkeiten vorhanden ist. Außerdem sind zwar die meisten der Facebook-Kontakte auch über Twitter aktiv, aber eben nicht alle. (Apropos Twitter: Twitter ist von vorne herein auf „Öffentlichkeit“ hin angelegt und eben nicht auf „Privatkontakte“, auch wenn man den Twitteraccount so einstellen kann, dass nur „Follower“ Zugriff auf die Inhalte haben. Das heißt aber auch, dass der Umgang mit Twitter bei den meisten Nutzern ein anderer ist, als bei Facebook, sodass diese beiden Plattformen nicht vergleichbar sind, auch wenn Facebook den Eindruck erweckt, es wäre den Machern am liebsten, die Nutzer hätten alle ihre Informationen ähnlich Twitter öffentlich verfügbar.)

Einerseits also will ich die Kontakte über Facebook nicht missen, muss mir aber andererseits die Frage stellen, ob ich die Schwächen im Umgang mit den Nutzerdaten als Preis für diese Kontaktmöglichkeiten akzeptieren will.

Nun, ich will diesen Preis nicht akzeptieren – und zwar aus Prinzip und nicht, weil ich in Facebook Daten oder sonstige Infos verfügbar gemacht hätte, die nicht im Grunde auch öffentlich sein könnten.

Also gehe ich – oder, um genau zu sein, bin ich schon gegangen, wenn dieser Beitrag in meinem Blog erscheinen wird. Ich warte auf „soziale“ Gemeinschaften, die anders mit Daten umgehen – Entwickler in diese Richtung sind bereits aktiv.

Ich ziehe mich nicht aus dem so genannten Web-2.0 zurück, denn dazu sind meine konkreten Erfahrungen im Umgang mit der Vernetzung viel zu gut. Facebook aber zeige ich die kalte Schulter, da ich keine Lust mehr habe, alle paar Monate mit neuen kreativen Ideen konfrontiert zu werden, die das Recht des Individuums auf selbst bestimmte Freigabe von Daten in Frage stellen. Ich will nicht jedes Mal aktiv werden müssen, um das „Schlimmste“ hinter den Ideen der Facebook-Betreiber zu verhindern, sondern erwarte viel mehr, dass zunächst einmal die restriktivsten Datenfreigaben als Standard voreingestellt sind und jeder, der es möchte, diese Einschränkungen aufheben kann. Facebook geht den umgekehrten Weg und somit einen, den ich nicht länger mitzugehen bereit bin. Ich bin dann also mal weg.

P.S.: Es ist übrigens gar nicht so leicht, auf Facebook die Möglichkeit zur Löschung des Accounts zu finden. Deshalb verlinke ich sie hier mal.

P.P.S.: Selbst beim Löschen des Kontos ist Facebook übrigens nicht bereit, meinen Willen einfach so zu akzeptieren. Es kommt da folgende Nachricht:

Dein Konto wurde von Facebook deaktiviert und wird innerhalb von 14 Tagen dauerhaft gelöscht. Wenn du dich innerhalb der nächsten 14 Tage anmeldest, wird dein Konto reaktiviert und du kannst deine Anfrage zurückziehen.

Also: ich sage „Konto löschen“, Facebook sagt „ok, aber deine Löschung akzeptieren wir so richtig erst in zwei Wochen“. – Und auch hier wieder keine Auswahlmöglichkeit, die die Option der sofortigen Löschung (mit der zeitlichen Verzögerung, die angesichts vorhandener Datensicherungskopien immer eingerechnet werden muss) überhaupt anböte… Und dann kommt auch noch eine E-Mail, in der gesagt wird, man habe eine „Anfrage auf dauerhafte Löschung“ des Kontos erhalten… Ja bitte, bin ich denn ein Bittsteller, wenn ich sage, dass ich mein Konto löschen will? Es wäre ja ok, wenn, um gegen Fremdlöschung eine Sicherung einzubauen, eine E-Mail käme, in der ein Bestätigungslink in Sachen Löschung vorhanden wäre, aber nein, auch hier wieder nur ein Link, der eine Reaktivierung des Kontos zulässt. – Mal schauen, wie viele Erinnerungs-E-Mails trotz Account-Löschung in den nächsten Tagen hier noch eingehen werden, die versuchen werden, mich zurück zu gewinnen… Ein wenig erinnert mich das an eine Sekte, die den erklärten Willen zum Austritt einfach nicht akzeptieren will…

Nachtrag – Die Zahl der Erinnerungsmails

2010-03-29: 3

2010-04-03: Ich bekomme die Mitteilung, dass mich ein Facebook-User als „Freund“ verlinken möchte. Das kann doch eigentlich nur passieren, wenn mein Profil nach wie vor anzusehen ist. Aber ich habe das doch gelöscht und mir wurde doch mitgeteilt, dass mein Account deaktiviert worden sei und in 14 Tagen endgültig gelöscht würde… Ich kann das jetzt nicht überprüfen, da ich mich dann ja wieder anmelden und den Account reaktivieren müsste… Dass ich diese E-Mail bekommen habe, ist für mich ein weiteres Zeichen, dass Facebook den Userwillen nicht akzeptiert. Es kann einfach nicht sein, dass ich meinen Account lösche und Tage danach plötzlich eine „Freundschafts“-Anfrage bekomme. Ein Punkt mehr, der Facebook zu einem Megafail macht.

Aperture 3 – Erste Erfahrungen

Dies ist kein Test, kein Review der gerade erschienen Fotoverwaltungs- und RAW-Entwicklungssoftware von Apple. Solche Tests gibt es schon genug, wird es in den nächsten Wochen sogar noch wesentlich mehr geben, und wer sich für die neuen Funktionen in Aperture 3 interessiert, kann z. B. hier nachschauen. Darüber hinaus beschränke ich mich hier auf Aperture 3. Adobes Lightroom kenne ich nicht, sodass hier natürlich kein Vergleich dieser Konkurrenzprodukte möglich ist.

An dieser Stelle fasse ich meine ersten eigenen Erfahrungen als Fotoamateur mit diesem Programm zusammen – nicht mehr, aber auch nicht weniger, interessiert doch wahrscheinlich die meisten, wie mit einer solcher Software gearbeitet werden kann.

Dennoch zunächst: Was ist Aperture und was ist Aperture nicht?

Aperture ist eine Software zur Verwaltung und grundlegenden Bearbeitung von Fotos, die zudem auch in der Lage ist, Videos und Audioaufnahmen in ihrer Mediathek zu verwalten und von dort aus über externe Programme zu bearbeiten. Der Schwerpunkt ist jedoch die Verwaltung und Bearbeitung von Bildern. Hier erinnert Aperture an vielen Punkten an Apples iPhoto, abgesehen davon, dass Aperture sich eher an ambitionierte Amateure und Profis wendet, zeigt die Software doch erst dort ihr ganzes Potentiale, wo es um die Entwicklung von RAW-Formaten geht. Hier hat Apple gegenüber Aperture 2 nachgebessert: Endlich werden auch so wunderbare Kameras wie Panasonics LX 3 und Leicas D-Lux 4 unterstützt. Doch auch für JPEG-Fotografen hat Aperture 3 einiges zu bieten, insbesondere, wenn es um die Verwaltung von großen Datenmengen und die Arbeit mit unterschiedlichen Mediatheken geht. Um es schon hier zu sagen: Anders als iPhoto unterstützt Aperture den Wechsel zwischen verschiedenen Mediatheken, ohne dass ein Neustart der Software nötig wäre.

Aperture 3 ist aber keine Software, die mit Photoshop oder GIMP vergleichbar wäre. Vergleichbar ist Aperture jedoch mit Adobes Lightroom, dessen Name deutlicher werden lässt, um was für eine Software es sich hier handelt: Aperture 3 ist eine digitale Dunkelkammer, eine Bildentwicklungslösung und ein Bildarchiv in einem. Bilder können so wie sie sind bearbeitet werden, aber es stehen keine Werkzeuge zur Verfügung, die massive Bildmanipulationen möglich machten, wie das in Photoshop oder GIMP der Fall ist.

Meine ersten Erfahrungen:

  1. Installation: Ich habe ein Update von Aperture 2 auf 3 gemacht. Hierzu benötigt man die Upgrade-Version von Aperture 3 für 99 € (gegenüber der Vollversion für 199 €). DVD einlegen, Installationsicon klicken, nach der Installation den Lizenzcode eingeben und Aperture 3 läuft. (Achtung: Die Systemvoraussetzungen von Aperture 3 sind relativ hoch, also erst schauen, ob der eigene Mac diesen entspricht. Wer Aperture 3 zunächst als Testversion ausprobieren will, sollte, falls vorhanden, Aperture 2 zunächst aus dem Ordner „Programme” entfernen, da Aperture 3 – auch als Testversion, diese überschreibt!)
  2. Import vorhandener iPhoto-Mediatheken: Der Import vorhandener iPhoto-Mediatheken war bei mir notwendig, weil ich bislang iPhoto und Aperture 2 nebeneinander verwendet habe. Da nun aber mit Aperture 3 z. B. der Export zu flickr und Facebook möglich wurde, da nun auch Gesichtserkennung und die Verwaltung von GPS-Daten in Bildern möglich ist, habe ich mich für eine Zusammenführung aller Bilder in Aperture entschieden. Der Import verlief bei mir problemlos und benötigte natürlich die Zeit, die große Datenmengen immer verlangt. Ich habe über 20000 Bilder aus 10 iPhoto-Mediatheken nun in einer Aperture-Mediathek zusammengefügt, was der Software scheinbar keine Probleme bereitet. Dennoch ist das eine Mediathek, die als Archiv dient und der ich keine weiteren Bilder hinzufügen werde. Da der Wechsel zwischen Mediatheken in iPhoto immer einen Neustart der Software verlangt (Ich gehe davon aus, dass eine neue Version von iPhoto unterschiedlichen Mediatheken unterstützen wird. Alles andere wäre enttäuschend.) hatte ich die Verwaltung einiger Mediatheken vernachlässigt, sodass ich nun, an einem Ort vereint, diese eine, große Aperture-Library zur Aufarbeitung und vor allem auch zum Löschen vorhandener Bilder nutzen werde. Das Verschieben eines Bildes aus einer Mediathek in eine andere bedarf aber nach wie vor, zumindest habe ich noch keine andere Möglichkeit entdeckt, den Umweg über einen vorhergehenden Export der gewünschten Bilder und anschließenden Import in die andere Mediathek.
  3. Arbeit mit großen Datenmengen / Mediatheken und Datensicherung mit TimeMachine (Vgl. auch 2.): Die Arbeit mit großen Mediatheken, bei mir z. B. mit über 20000 Bildern, die eine Größe von 80 Gigabyte hat, verläuft für mich überraschend zügig, wenn auch nicht so schnell, wie mit einer Mediathek, die weniger Objekte zu verwalten hat. Die bei mir vorgenommenen Veränderungen im Datenbestand hatten natürlich auch Auswirkungen auf die automatische Backuperstellung via TimeMachine: Da kamen insgesamt über 200 GB zusammen, sodass ich das Backup, anders als sonst üblich, über Nacht laufen ließ. Da dies aber ein einmaliger Vorgang ist, wirkt sich das auf Arbeit mit Aperture 3 nicht aus.
  4. Die automatischen, voreingestellten Schnellanpassungen für Bilder: Zugegeben, die automatische Bildverbesserung in Aperture erzeugt teilweise überraschende (äußerst bunte) Ergebnisse. Sie scheint am zuverlässigsten bei Bildern zu funktionieren, die bereits eine möglichst gute Qualität zeigen. Die anderen voreingestellten Schnellanpassungen laufen hingegen sehr zuverlässig. Zudem ist es möglich, eigene Anpassungsroutinen abzuspeichern und dem Menu für Schnellanpassungen hinzuzufügen. Hier zeigt sich, dass Aperture eine Profisoftware ist, die dem Benutzer wesentlich mehr Freiraum bei der Bildentwicklung erlaubt, als dies in iPhoto der Fall ist.
  5. Anpassungen: War es in Aperture 2 bislang nur möglich, Anpassungen auf ein ganzes Bild anzuwenden, ist es nun möglich, Anpassungen über Pinselwerkzeuge auch nur an Teilen eines Bildes vorzunehmen. Für mich ist das eine der wichtigsten und überzeugensten Weiterentwicklungen der Software. Wenn gewünscht, arbeiten die Pinselwerkzeuge kantensensitiv und mit Hilfe von Overlays lässt sich sehr genau kontrollieren, welche Bereiche eines Bildes von den Anpassungen erfasst wurden und welche nicht. Dort, wo die Kantenanpassung bei nicht klar erkennbaren Kanten nicht ganz zuverlässig funktioniert, sind über Radierfunktionen schnell Korrekturen möglich. Das funktioniert sowohl beim Nachschärfen, bei Farbanpassungen, beim Aufhellen oder Abdunkeln einzelner Bildpartien etc. Auch ein Polarisationsfilter ist jetzt bei den Anpassungen dabei. Deutliche Verbesserungen meine ich auch bei der Erstellung von Schwarzweißbildern wahrgenommen zu haben.
  6. Gesichtserkennung: Aperture 3 unterstützt nun auch Gesichtserkennung. Erschreckend, wie zuverlässig das funktioniert – erschreckend, weil ich hier einen Eindruck bekomme, wie Gesichtserkennungsfunktionen in anderen Zusammenhängen (z. B. Videoüberwachung) funktionieren können. Positiv ausgedrückt: Zur Verwaltung von Aufnahmen, die von Personen gemacht wurden, ist diese Funktion sehr hilfreich und ja, sie funktioniert.
  7. GPS-Daten-Unterstützung: Die in den vergangenen Jahren immer weiter verbreitete Aufzeichnung von GPS-Daten mit Fotografien und die so mögliche Zuordnung zu den Orten, an denen Bilder gemacht wurden, wird nun auch von Aperture 3 unterstützt. Auch das nachträgliche Hinzufügen von Ortsdaten zu Bildern ist möglich, sodass Bilder auch nach den Orten ihrer Entstehung gesucht und verwaltet werden können. Das ist mit einer Landkarte grafisch ansprechend umgesetzt. Mein erster Eindruck: Bei konsequenter Einarbeitung von Orten in die Metadaten der Bilder, so die Kamera kein GPS unterstützt, ist das für die Verwaltung größerer Bildmengen wahrscheinlich ein sehr interessantes Instrument.
  8. Ausstehende Erfahrungen: Das Erstellen von Diashows und Fotobüchern habe ich mir bislang nur in der mit Aperture 3 ausgelieferten Beispielmediathek angeschaut. Die dort erkennbaren Möglichkeiten sind vielverprechend. Vor allem die Möglichkeit, erstellte Fotobücher nicht nur bei einem vordefiniertem Anbieter beziehen zu können, macht Aperture an diesem Punkt interessant. Fotobücher können auch einfach als PDF gespeichert und zur Verfügung gestellt oder zu einer Druckerei eigener Wahl weitergeleitet werden. Wie sich die Verwaltung von Videos und Audioaufnahmen in Aperture bewähren wird, muss ich noch ausprobieren. Der Eindruck angesichts der integrierten Videos und Audios in der mitgelieferten Beispielmediathek ist zunächst einmal ein guter.
  9. Anbindung an das Web 2.0: Neben dem kostenpflichtigem, hauseigenem Dienst „mobile me” unterstützt Apples Aperture 3 nun auch die direkte Synchronisation mit Facebook und Flickr. Das funktioniert weitgehend gut. Die Privatsphäreneinstellungen für Facebook werden nicht vollständig unterstützt, da z. B. die Sichtbarkeit nur für den registrierten Benutzer nicht direkt gewählt werden kann. Das muss man nachträglich in Facebook machen. Hier muss Apple nachbessern. Darüber hinaus fehlt die Möglichkeit der direkten Übertragung von Bildern in Blogging-Software, wie z. B. WordPress. Anders ausgedrückt: Eine selbst konfigurierbare Anbindung an eine eigene Website konnte ich bislang nicht entdecken. Aber die Erstellung von Webseiten wird in Aperture überzeugend unterstützt. Wie diese Funktion beispielsweise für dieses Blog genutzt werden kann, muss ich noch erkunden (und für Tipps in den Kommentaren bin ich immer dankbar).
  10. Von mir wahrgenommene Schwächen in Aperture 3: Nachdem ich bereits in iPhoto Alben zur Synchronisation mit Facebook angelegt hatte, suchte ich bislang vergeblich nach einer Möglichkeit, diese in Aperture 3 zu importieren, um mit ihnen weiter arbeiten zu können. Darüber hinaus ist die Anbindung an eigene Websites noch entwicklungsfähig. Außerdem sorgt die automatische Verbesserung von Bildern in den Fällen, in denen ich sie bislang ausprobiert habe, oft für überraschende Ergebnisse, die mir nicht gefallen. Da aber Aperture 3 im Bereich der individuellen Anpassung von Bildern sehr mächtig zu sein scheint und hier sehr viel zulässt, fällt diese Schwäche nicht sehr ins Gewicht. Damit verbunden ist aber auch, dass Aperture 3 von seinen Nutzern zumindest erweitertes Grundlagenwissen über die Prozesse der Entwicklung digitaler Bilder verlangt. Es handelt sich hier also nicht um ein auf einfachste Handhabung reduziertes Konumenten-Produkt. (Und entsprechend sorgt sein Erscheinen auch für weit weniger Wirbel, wie das bei anderen Apple-Produkten der Fall ist oder wie das bei „neuen“ Datensammelfunktionen auf Google von mir beobachtet wird.) Das ist aber keine wirkliche Schwäche des Programms, sondern zeigt seine Klientel: Fotografen, die mehr als nur eine Bildverwaltung mit minimalen Optionen zur Bildgestaltung haben wollen. – Eine Schwäche hat Apple mit dem Erscheinen von Aperture 3 ausgebessert, doch muss sie hier genannt werden: Es gab für Aperture bislang weit seltener Updates als für andere Softwareprodukte von Apple. Bleibt zu hoffen, dass Apple bei Apperture 3 die Benutzer nicht wieder so lange auf Integration von Neuentwicklungen warten lässt, wie das bei Aperture 2 der Fall war. Gleiches gilt für das Bereitstellen von im Programm bearbeitbaren RAW-Formaten. Die beliebte Panasonic LX 3 wurde beispielsweise erst jetzt aufgenommen, obwohl sie bereits seit Juli 2008 auf dem Markt ist.

Fazit: Der erste Eindruck, den ich beim Arbeiten mit Aperture 3 gewonnen habe, ist hervorragend. Für meine Zwecke, Bildverwaltung und Bildentwicklung, habe ich hier eine Software gefunden, die diesen Zwecken sehr gut entspricht. Wollte ich darüber hinaus mit Photoshop oder GIMP zu komplexeren Bildmanipulationen übergehen, wäre ihre Anbindung als externe Bearbeitungprogramme möglich. Zudem ist Aperture durch Plug-Ins erweiterbar, wobei bislang nur wenige Plug-Ins im 64 Bit-Format vorliegen, mit dem Aperture von Hause aus arbeitet. Sie sind nach meinen Erfahrungen dennoch nutzbar, wenn Aperture im 32-Bit-Modus gestartet wird.

Neben der Verwaltung von Fotografien bietet Aperture die Möglichkeit, andere Medienformen (Video, Audio) zu verwalten und mit externen Programmen zu bearbeiten, sodass hier die Möglickeit einer zentralen Mediendatenbank besteht.

Sehr gut gefällt mir die integrierte Option des Arbeitens mit mehreren Mediatheken, da so ein differenziertes Arbeiten möglich wird.

Auch wenn Apple die Aperture-Nutzer lange auf dieses Update hat warten lassen: Aperture 3 ist ein rundes Programm geworden, das seine Aufgaben gut zu erfüllen scheint und auf zu viele Gimmicks verzichtet. Aperture 3 ist ein Programm für alle, die ambitionierter mit Fotografien arbeiten wollen, kein Spielzeug. Die Ergebnisse sind, sowohl bei der Bearbeitung von JPEGs als auch von RAW-Formaten, meinem ersten Eindruck nach sehr überzeugend, auch wenn Aperture 3 erst bei RAW-Fotografie zeigt, wie mächtig es als Foto-Entwicklungswerkzeug, als digitale Dunkelkammer wirklich ist.