Schlagwort: Verstehen

Versuch über das Versagen von Bildungspolitik und Schule angesichts der Digitalisierung der Welt

1997 wurde der Verein »Zentrale für Unterrichtsmedien« (ZUM e. V.) gegründet. Lehrer*innen taten sich da zusammen und begannen, zunächst als gemeinsam geführte Linkliste angelegt, eine heute erwachsene Webpräsenz aufzubauen. Damals waren ca. 3% der Bundesbürger*innen im Internet unterwegs.  2019 gibt es immer noch Menschen, die der Meinung sind, die Frage sei so eindeutig nicht geklärt, was und wie viel man an Internet und Digitalisierung in der Schule überhaupt brauche. Ja, es gibt Stimmen, die sich

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Kleist mit Schülern lesen – aber wann?

Die Vorgeschichte Am Donnerstag vor dem Beginn des neuen Schuljahres spazierte ich mittags durch Frankfurt-Sachsenhausen, weil ich in einem französischen Bistrot den Mittagstisch genießen wollte. Als ich gerade den Schweizer Platz umrundete, sah ich im Kaffee auf der anderen Seite einen Kollegen, den ich sehr schätze und der auch Deutsch unterrichtet. Ich plante spontan um, sorgte dafür, dass er mich sah – und die nächste knappe Stunde war von leckerem Kaffee, hausgemachtem Quiche und einem

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Vom Interpretieren literarischer Texte

Beim Interpretieren literarischer Texte steht die Vermittlung des individuellen Leseeindrucks im Zentrum. Das, was ich beim Lesen entdecke, soll anderen transparent werden. Es geht nicht zuerst darum, was der Autor sagen wollte; das ist eine nachgelagerten Frage, die literaturwissenschaftlich interessant sein mag, aber beim literarischen Lesen den Fokus verschiebt. Wenn ich lese, dann geht es um niemanden anderen als um mich als Leser. Für nichts, was ich als Leser mit einem Text erlebe, muss ich

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Faust 1 – Hexenküche (Vers 2337–2604)

Klassische interpretationen zu dem in vielen Schulen in der Oberstufe gelesenen „Faust. Der Tragödie erster Teil“ gibt es viele. Hier eine „Interpretation“, in der die Assoziationen des Lesers konsequent zum Verstehen ( = Interpretieren) heran gezogen werden. Das hier ist also nur eine und zudem höchst subjektive Interpretation der Hexenküchen-Szene. Dabei steht der Rezipient im Vordergrund. Diese Form des Lesens von Literatur ist in meinen Augen eine der für den Leser gewinnbringenden Heraungehensweisen an Literatur:

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Ich habe als #Leser mal nach einem #Buch recherchiert (Subjektive Marktstudie #EBook)

Ursprünglich als kurzer Beitrag für meine GooglePlus-Seite gedacht, habe ich mich jetzt doch entschieden, diese exemplarische Buchrecherche ins Blog aufzunehmen, weil sie in meinen Augen  Hinweise gibt, wo die Probleme des deutschen Buchhandels in einer Welt, in der es das Internet gibt und in der viele Leser und Leserinnen in Deutschland wohl Englisch einigermaßen beherrschen dürften, liegen. Außerdem will ich wissen, ob ich vielleicht falsch gesucht habe bzw. ob meine Rechercheergebnisse von anderen für andere

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Wie motiviert man Unmotivierte? – Ein Versuch

Walter Böhme fragt: „Wie motiviert man Unmotivierte?“ und lädt zu einer Blogparade ein, in der dieser Frage nachgegangen werden soll. Die Frage ist nicht neu. Eine Lösung nach Rezeptbuch ist mir noch nicht begegnet. – Wohl aber gibt es Rezeptgeber, die grundsätzlich besser als z. B. Lehrer und Lehrerinnen wissen, wie „gekocht“ werden müsste, damit alle sowohl „Kochen“ als auch „Essen“ wollen. Wer die Metapher des „Kochens“ und „Essens“ für zu weit her geholt hält:

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Lesekompetenz und Ausdrucksfähigkeit – Beobachtungen

Die Beobachtung, dass Jugendliche oft Probleme beim den Sinn eines Textes erfassenden und interpretierenden (=verstehenden) Lesen haben, ist hinlänglich bekannt; die enge Verbindung schriftlicher Ausdrucksfähigkeit mit der Lesefähigkeit wird ebenso umfassend beschrieben. Für mich zeigen sich diese Phänomene an folgenden Punkten (in unterschiedlicher Intensität in den unterschiedlichen Altersstufen, aber in allen Altersstufen (10–19 Jahre) beobachtbar).1: Beim Vorlesen von Texten Ich erhebe hier nicht den Anspruch etwas Neues zu sagen oder eine empirisch unangreifbare Darstellung zu

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Das Netz, seine Funktionen und die „Null Blog“-Debatte

Die Realität der Welt liegt nicht in ihren Abbildern, sondern in ihren Funktionen. Funktionen sind zeitliche Abläufe und müssen im zeitlichen Kontext erklärt werden. Susan Sonntag, Über Fotografie, Frankfurt 2008 (18. Aufl., zuerst 1980), S. 29. Welche Funktion hat das Internet für einzelne Benutzer und Benutzerinnen? Die Antwort auf diese Frage bestimmt, wie das Netz genutzt wird. Von dieser Frage ist auszugehen, wenn heute die Frage nach dem Umgang mit dem Netz und der Bedeutung

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Binäre Codes und die Bildung der Zukunft: Eine Replik zu Schirrmachers „Payback“

Was mich angeht, so muss ich bekennen, dass ich nicht bereit bin, meine geistigen Fähigkeiten von außen kommenden Informationsfluten unterzuordnen. Ich reguliere den Zufluss an E-Mails, pflege regelmäßig meine Follower-Liste auf Twitter, indem ich jeden „Marketingexperten“, „Haben Sie Erfolg im Web“ und sonstigen selbst ernannten Guru, der mir folgt, lösche, auch wenn ich gar nicht gezwungen bin, ihm auch zu folgen. SMS setze ich sparsam ein, Feeds laufen nicht mehr als 100 pro Tag ein,

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Vergiss alles – oder: Vom literarischen Schreiben

Der hier veröffentlichte Text ist bereits im Jahr 2001 entstanden – und ist mir vor einiger Zeit bei einer Suchabfrage auf meinem Computer wieder begegnet. Schön, was sich alles über die Jahre erhält, wenn nur fleißig und regelmäßig Daten gesichert werden. Ich habe den Text leicht überarbeitet, aber in seinen Grundzügen unverändert gelassen. Auch wenn sich meine Einstellung gegenüber der Handschrift seit 2001 deutlich geändert hat: Nach wie vor gefallen mir die Gedanken, die hier

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